Lutherbibel 2017 (LU17)
5

Das Lied vom unfruchtbaren Weinberg

51

5,1
Kap
Wohlan, ich will von meinem lieben Freunde singen, ein Lied von meinem Freund und seinem Weinberg.

Mein Freund hatte einen Weinberg auf einer fetten Höhe. 2Und er grub ihn um und entsteinte ihn und

5,2
Jer 2,21
Mk 12,1-9
pflanzte darin edle Reben. Er baute auch einen Turm darin und grub eine Kelter und wartete darauf, dass er gute Trauben brächte; aber er brachte schlechte.

3Nun richtet, ihr Bürger zu Jerusalem und ihr Männer Judas, zwischen mir und meinem Weinberg! 4Was sollte man noch mehr tun an meinem Weinberg, das ich nicht getan habe an ihm? Warum hat er denn schlechte Trauben gebracht, während ich darauf wartete, dass er gute brächte?

5Wohlan, ich will euch zeigen, was ich mit meinem Weinberg tun will! Sein Zaun soll weggenommen werden, dass er kahl gefressen werde, und seine Mauer soll eingerissen werden, dass er zertreten werde. 6Ich will ihn wüst liegen lassen, dass er nicht beschnitten noch gehackt werde, sondern Disteln und Dornen darauf wachsen, und will den Wolken gebieten, dass sie nicht darauf regnen.

5,6
Kap

7Des Herrn Zebaoth

5,7
Kap
Weinberg aber ist das Haus Israel und die Männer Judas seine Pflanzung, an der sein Herz hing. Er wartete auf Rechtsspruch, siehe, da war Rechtsbruch, auf Gerechtigkeit, siehe, da war Geschrei über Schlechtigkeit.

Weherufe über die Sünden der Großen

8Weh denen,

5,8
5. Mose 5,21
Mi 2,2
die ein Haus zum andern bringen und einen Acker an den andern rücken, bis kein Raum mehr da ist und ihr allein das Land besitzt! 9Es ist in meinen Ohren das Wort des Herrn Zebaoth:
5,9
Kap
Fürwahr, die vielen Häuser sollen veröden, die großen und feinen unbewohnt sein, 10denn zehn Morgen Weinberg sollen nur einen Eimer geben und ein Sack Saat nur einen Scheffel.

11Weh denen, die des Morgens früh auf sind, dem Saufen nachzugehen, und sitzen bis in die Nacht, dass sie der Wein erhitzt. 12Und sie haben

5,12
Am 6,5-6
Harfen, Zithern, Pauken, Pfeifen und Wein bei ihren Gelagen, aber
5,12
Kap
sehen nicht auf das Werk des Herrn und schauen nicht auf das Tun seiner Hände! 13Darum ist mein Volk weggeführt worden, weil es keine
5,13
Hos 4,6
Erkenntnis hatte, und seine Vornehmen mussten Hunger leiden und die lärmende Menge Durst. 14Darum hat das Totenreich den Schlund weit aufgesperrt und den Rachen aufgetan ohne Maß, dass hinunterfährt, was da prangt und lärmt, alle Übermütigen und Fröhlichen. 15
5,15
Kap
So wurde gebeugt der Mensch und gedemütigt der Mann, und die Augen der Hoffärtigen wurden erniedrigt, 16aber der Herr Zebaoth war hoch im Gericht und Gott, der Heilige, erwies sich heilig in Gerechtigkeit. 17Da werden dann Lämmer weiden wie auf ihrer Trift und Ziegen sich nähren in den Trümmerstätten der Wohlgenährten.

18Weh denen, die das Unrecht herbeiziehen mit Stricken der Lüge und die Sünde mit Wagenseilen 19und sprechen:

5,19
Jer 17,15
Am 5,18
Er lasse eilends und bald kommen sein Werk, dass wir’s sehen; es nahe und treffe ein der Ratschluss des Heiligen Israels, dass wir ihn kennenlernen!

20Weh denen, die Böses gut und Gutes böse nennen, die aus Finsternis Licht und aus Licht Finsternis machen, die aus sauer süß und aus süß sauer machen!

21Weh denen, die

5,21
Spr 3,7
weise sind in ihren eigenen Augen und
5,21
Röm 12,16
halten sich selbst für klug!

22Weh denen, die Helden sind,

5,22
Kap
Wein zu saufen, und wackere Männer, starkes Getränk zu mischen, 23die
5,23
2. Mose 23,8
Spr 17,15
den Schuldigen gerecht sprechen für Geschenke und das Recht nehmen denen, die im Recht sind!

24Darum, wie des Feuers Flamme Stroh verzehrt und Stoppeln vergehen in der Flamme, so wird ihre Wurzel verfaulen und ihre Blüte auffliegen wie Staub.

5,24
Jer 6,19
Am 2,4
Denn sie haben verachtet die Weisung des Herrn Zebaoth und gelästert die Rede des Heiligen Israels.

Gott ruft die Feinde ins Land

25Darum ist der Zorn des Herrn entbrannt über sein Volk, und er hat seine Hand ausgereckt wider sie und sie geschlagen, dass die Berge bebten und ihre Leichen lagen wie Kehricht auf den Gassen.

5,25
Kap
Bei all dem hat sein Zorn sich nicht abgekehrt, seine Hand ist noch ausgereckt.

26Er wird ein Feldzeichen aufrichten für das Volk5,26 Wörtlich: »für die Völker«. aus der Ferne und

5,26
Kap
pfeift es herbei vom Ende der Erde. Und siehe, eilends und schnell kommen sie daher. 27Keiner unter ihnen ist müde oder strauchelt, keiner schlummert noch schläft; keinem geht der Gürtel auf von seinen Hüften, und keinem zerreißt ein Schuhriemen. 28Ihre Pfeile sind scharf und alle ihre Bogen gespannt; die Hufe ihrer Rosse sind hart wie Kieselsteine, und ihre Wagenräder sind wie ein Sturmwind. 29Ihr Brüllen ist wie das der Löwen, und sie brüllen wie junge Löwen. Sie wüten und packen den Raub und tragen ihn davon und niemand rettet. 30Und es wird über ihnen wüten zu der Zeit wie das Wüten des Meeres.
5,30
Kap
Sieht man dann die Erde an, siehe, so ist sie finster vor Angst, und das Licht ist durch Wolken verfinstert.

6

Jesajas Berufung zum Propheten

61

6,1
Kap
In dem Jahr, als der König
6,1
2. Chr 26,22-23
Usija starb,
6,1
1. Kön 22,19
sah ich den Herrn sitzen auf einem hohen und erhabenen Thron und sein Saum füllte den Tempel. 2Serafim standen über ihm; ein jeder hatte sechs Flügel: Mit zweien deckten sie ihr Antlitz, mit zweien deckten sie ihre Füße und mit zweien flogen sie. 3Und einer rief zum andern und sprach:
6,3
Ps 99,359
Offb 4,8
Heilig, heilig, heilig ist der Herr Zebaoth, alle Lande sind seiner Ehre voll! 4Und die Schwellen bebten von der Stimme ihres Rufens und das Haus ward
6,4
Hes 10,4
Offb 15,8
voll Rauch.

5Da sprach ich:

6,5
Kap
Weh mir, ich vergehe! Denn ich bin unreiner Lippen und wohne unter einem Volk von unreinen Lippen; denn
6,5
2. Mose 33,20
ich habe den König, den Herrn Zebaoth, gesehen mit meinen Augen. 6Da flog einer der Serafim zu mir und hatte eine glühende Kohle in der Hand, die er mit der Zange vom Altar nahm, 7und rührte meinen Mund an und sprach: Siehe, hiermit sind deine Lippen berührt, dass deine Schuld von dir genommen werde und deine Sünde gesühnt sei.

8Und ich hörte die Stimme des Herrn, wie er sprach: Wen soll ich senden? Wer will unser Bote sein? Ich aber sprach: Hier bin ich, sende mich! 9

6,9
Kap
Und er sprach: Geh hin und sprich zu diesem Volk: Höret und verstehet’s nicht; sehet und merket’s nicht! 10Verfette das Herz dieses Volks und ihre Ohren verschließe und ihre Augen verklebe,
6,10
Kap
dass sie nicht sehen mit ihren Augen noch hören mit ihren Ohren noch verstehen mit ihrem Herzen und sich nicht bekehren und genesen.

11Ich aber sprach: Herr, wie lange? Er sprach: Bis die Städte wüst werden, ohne Einwohner, und

6,11
Kap
die Häuser ohne Menschen und das Feld ganz wüst daliegt. 12Denn der Herr wird die Menschen weit wegführen, sodass das Land sehr verlassen sein wird. 13Auch wenn nur der zehnte Teil darin bleibt, so wird es abermals kahl gefressen werden, doch wie bei einer Terebinthe oder Eiche, von denen beim Fällen noch ein
6,13
Kap
Stumpf bleibt. Ein
6,13
Esra 9,2
heiliger Same wird solcher Stumpf sein.

7

Jesaja ruft den König Ahas zum Glauben

71Es begab sich zur Zeit des Ahas, des Sohnes Jotams, des Sohnes Usijas, des Königs von Juda, da zogen Rezin, der König von Aram, und Pekach, der Sohn Remaljas, der König von Israel, herauf nach Jerusalem, um es zu bekämpfen; sie konnten es aber nicht erobern.7,1 Siehe Sach- und Worterklärungen zu »Syrisch-Ephraimitischer Krieg«.

7,1
2. Kön 16,5

2Da wurde dem Hause David angesagt: Die Aramäer haben sich gelagert in Ephraim. Da bebte ihm das Herz und das Herz seines Volks, wie die Bäume im Walde beben vom Winde. 3Aber der Herr sprach zu Jesaja: Geh hinaus, Ahas entgegen, du und dein Sohn

7,3
Kap
Schear-Jaschub7,3 Der Name bedeutet »ein Rest wird sich bekehren«.,
7,3
Kap
an das Ende der Wasserleitung des oberen Teiches, an der Straße beim Acker des Walkers, 4und sprich zu ihm: Hüte dich und
7,4
Kap
bleibe still; fürchte dich nicht, und dein Herz sei unverzagt vor diesen beiden Brandscheiten, die nur noch rauchen, dem glühenden Zorn Rezins und der Aramäer und des Sohnes Remaljas. 5Weil die Aramäer gegen dich Böses ersonnen haben samt Ephraim und dem Sohn Remaljas und sagen: 6»Wir wollen hinaufziehen nach Juda und es in Schrecken versetzen und für uns erobern und zum König darin machen den Sohn Tabeals«, – 7so spricht Gott der Herr: Das soll nicht bestehen und wird nicht geschehen. 8Denn das Haupt von Aram ist Damaskus, und das Haupt von Damaskus ist Rezin – und in fünfundsechzig Jahren soll es mit Ephraim aus sein, dass sie nicht mehr ein Volk seien. 9Und das Haupt von Ephraim ist Samaria, und das Haupt von Samaria ist der Sohn Remaljas.
7,9
Kap
Glaubt ihr nicht, so bleibt ihr nicht.

Das Zeichen des Immanuel und das Strafgericht durch die Assyrer

10Und der Herr redete abermals zu Ahas und sprach: 11Fordere dir ein Zeichen vom Herrn, deinem Gott, es sei drunten in der Tiefe oder droben in der Höhe! 12Aber Ahas sprach: Ich will’s nicht fordern,

7,12
5. Mose 6,16
damit ich den Herrn nicht versuche.

13Da sprach Jesaja: Wohlan, so hört, ihr vom Hause David: Ist’s euch zu wenig, dass ihr Menschen müde macht? Müsst ihr auch meinen Gott müde machen? 14Darum wird euch der Herr selbst ein Zeichen geben:

7,14
Kap
Siehe, eine Jungfrau7,14 Wörtlich: »junge Frau«. ist schwanger und wird einen Sohn gebären, den wird sie nennen Immanuel7,14 Der Name bedeutet »Gott mit uns!«. 15
7,15
Butter und Honig wird er essen, bis er weiß, Böses zu verwerfen und Gutes zu erwählen. 16Denn ehe
7,16
Kap
der Knabe weiß, Böses zu verwerfen und Gutes zu erwählen, wird das Land verödet sein, vor dessen zwei Königen dir graut. 17Der Herr wird über dich, über dein Volk und über deines Vaters Haus Tage kommen lassen, wie sie nicht gekommen sind seit der Zeit, da Ephraim sich von Juda schied, nämlich durch den König von Assyrien.

18Zu der Zeit wird der Herr

7,18
Kap
herbeipfeifen die Fliege am Ende der Ströme Ägyptens und die Biene im Lande Assur, 19dass sie kommen und sich alle niederlassen in den tiefen Tälern und in den Steinklüften und in allen Hecken und an jeder Tränke. 20Zu der Zeit wird der Herr das Haupt und die Haare am Leib scheren und den Bart abnehmen durch das Schermesser, das gedungen ist jenseits des Stroms, durch den König von Assyrien.

21Zu der Zeit wird ein Mann eine junge Kuh und zwei Schafe aufziehen 22und wird so viel zu melken haben, dass er Butter essen wird;

7,22
denn Butter und Honig wird essen, wer übrig bleiben wird im Lande. 23
7,23
Kap
Und es wird zu der Zeit geschehen: Wo jetzt tausend Weinstöcke stehen, tausend Silberstücke wert, da werden Dornen und Disteln sein, 24dass man mit Pfeil und Bogen dahin gehen muss. Denn im ganzen Lande werden Dornen und Disteln sein, 25dass man auch zu all den Bergen, die man jetzt mit der Hacke zu behacken pflegt, nicht kommen kann aus Scheu vor Dornen und Disteln, sondern man wird Rinder darüber treiben und Schafe es zertreten lassen.