Lutherbibel 2017 (LU17)
57

Das Geschick der Frommen und der Gottlosen

571Der Gerechte ist umgekommen und niemand ist da, der es zu Herzen nimmt, und

57,1
Mi 7,2
fromme Leute sind hingerafft und niemand achtet darauf, denn der Gerechte ist weggerafft durch die Bosheit 2und
57,2
2. Kön 22,20
Dan 12,13
geht zum Frieden ein. Es ruhen auf ihren Lagern, die recht gewandelt sind.

3Ihr aber, tretet herzu, ihr Söhne der Zauberin, ihr

57,3
Hos 2,4
Kinder des Ehebrechers und der Hure! 4
57,4
2. Kön 16,3-4
Jer 2,2023-24
Mit wem wollt ihr euren Spott treiben? Über wen wollt ihr das Maul aufsperren und die Zunge herausstrecken? Seid ihr nicht abtrünnige Kinder, ein verkehrtes Geschlecht, 5die ihr bei den Götzeneichen in Brunst geratet, unter allen grünen Bäumen, und die Kinder schlachtet in den Tälern unter den Felsklippen? 6Bei den glatten Steinen im Tal ist dein Teil, sie sind dein Los. Ihnen hast du dein Trankopfer ausgeschüttet, hast du Speisopfer geopfert. Sollte ich mich darüber nicht empören? 7Du machtest dein Lager auf hohem, erhabenem Berg und gingst dort hinauf zu opfern. 8Und hinter die Tür und den Pfosten setztest du dein Denkzeichen. Denn du hast dich von mir abgewandt und aufgedeckt dein Lager, es bestiegen und weit gemacht. Du hast dich mit ihnen verbunden, liebtest ihr Lager und buhltest mit ihnen. 9Du bist mit Öl zum König gezogen und mit viel köstlicher Salbe und hast deine Boten in die Ferne gesandt und tief hinab bis zum Totenreich. 10Du hast dich abgemüht mit der Menge deiner Wege und sprachst nicht: Das lasse ich; sondern du fandest ja noch Leben in deinen Gliedern, so wurdest du dessen nicht müde.
57,10
Jer 2,25

11Wen hast du gescheut und gefürchtet, dass du treulos wurdest und nicht an mich dachtest und es nicht zu Herzen nahmst? Meinst du,

57,11
Ps 50,21
weil ich allzeit schwieg, brauchtest du mich nicht zu fürchten? 12Ich will aber deine Gerechtigkeit kundtun und deine Werke, dass sie dir nichts nütze sind. 13Wenn du schreien wirst, soll dir helfen, was du dir angesammelt hast. Aber der Wind wird sie alle wegführen, und ein Hauch wird sie wegnehmen. Doch
57,13
Ps 37,9-11
wer auf mich traut, wird das Land erben und meinen heiligen Berg besitzen.

Gott will seinem Volk Heil geben

14Und er spricht: Machet Bahn, machet Bahn!

57,14
Kap
Bereitet den Weg, räumt die Anstöße aus dem Weg meines Volks! 15Denn so spricht
57,15
Ps 113,5-9
der Hohe und Erhabene, der ewig wohnt, dessen Name heilig ist: Ich wohne in der Höhe und im Heiligtum und
57,15
Kap
bei denen, die zerschlagenen und demütigen Geistes sind, auf dass ich erquicke den Geist der Gedemütigten und das Herz der Zerschlagenen. 16Denn
57,16
Ps 103,9
ich will nicht immerdar hadern und nicht ewiglich zürnen; sonst würde ihr Geist vor mir verschmachten und der Lebensodem, den ich geschaffen habe.

17Ich war zornig über die Sünde ihrer Habgier und schlug sie, verbarg mich und zürnte. Aber sie gingen treulos die Wege ihres Herzens. 18Ihre Wege habe ich gesehen, aber ich

57,18
2. Mose 15,26
will sie heilen und sie leiten und ihnen wieder Trost geben; und denen, die da Leid tragen, 19will ich Frucht der Lippen schaffen.
57,19
4. Mose 6,26
Lk 2,14
Eph 2,17
Friede, Friede denen in der Ferne und denen in der Nähe, spricht der HERR;
57,19
2. Mose 15,26
Jer 17,14
ich will sie heilen.

20Aber die Gottlosen sind

57,20
Jud 13
wie das ungestüme Meer, das nicht still sein kann und dessen Wellen Schlamm und Unrat auswerfen. 21Die Gottlosen haben keinen Frieden, spricht mein Gott.
57,21
Kap

58

Falsches und rechtes Fasten

581Rufe laut, halte nicht an dich! Erhebe deine Stimme wie eine Posaune und

58,1
Mi 3,8
verkündige meinem Volk seine Abtrünnigkeit und dem Hause Jakob seine Sünden! 2Sie suchen mich täglich und wollen gerne meine Wege wissen, als wären sie ein Volk, das die Gerechtigkeit schon getan und das Recht seines Gottes nicht verlassen hätte. Sie fordern von mir Recht, sie wollen, dass Gott ihnen nahe sei.
58,2
Kap
3»Warum
58,3
Jer 14,12
fasten wir und du siehst es nicht an? Warum kasteien wir unseren Leib und du willst’s nicht wissen?«

Siehe, an dem Tag, da ihr fastet, geht ihr doch euren Geschäften nach und bedrückt alle eure Arbeiter. 4Siehe, wenn ihr fastet, hadert und zankt ihr und schlagt mit gottloser Faust drein. Ihr sollt nicht so fasten, wie ihr jetzt tut, wenn eure Stimme in der Höhe gehört werden soll. 5Soll das ein

58,5
Sach 7,5-6
Mt 6,16-18
Fasten sein, an dem ich Gefallen habe, ein Tag, an dem man sich kasteit oder seinen Kopf hängen lässt wie Schilf und in Sack und Asche sich bettet? Wollt ihr das ein Fasten nennen und einen Tag, an dem der HERR Wohlgefallen hat?

6Ist nicht das ein Fasten, an dem ich Gefallen habe: Lass los, die du mit Unrecht gebunden hast, lass ledig, auf die du das Joch gelegt hast! Gib frei, die du bedrückst, reiß jedes Joch weg! 7Heißt das nicht: Brich dem Hungrigen dein Brot, und die im Elend ohne Obdach sind, führe ins Haus! Wenn du einen nackt siehst, so kleide ihn, und entzieh dich nicht deinem Fleisch und Blut!

58,7
5. Mose 15,11
Hes 18,7
Mt 25,35-36
8Dann wird dein Licht hervorbrechen wie die Morgenröte, und deine Heilung wird schnell voranschreiten, und
58,8
Ps 37,6
deine Gerechtigkeit wird vor dir hergehen, und
58,8
Kap
die Herrlichkeit des HERRN wird deinen Zug beschließen. 9Dann wirst du rufen
58,9
Kap
und der HERR wird dir antworten. Wenn du schreist, wird er sagen: Siehe, hier bin ich.

Wenn du in deiner Mitte niemand unterjochst und nicht mit Fingern zeigst und nicht übel redest, 10sondern den Hungrigen dein Herz finden lässt und den Elenden sättigst, dann wird dein Licht in der Finsternis aufgehen, und dein Dunkel wird sein wie der Mittag. 11Und der HERR wird dich immerdar führen und dich sättigen in der Dürre und dein Gebein stärken. Und du wirst sein

58,11
Jer 31,12
wie ein bewässerter Garten und wie eine Wasserquelle, der es nie an Wasser fehlt. 12Und es soll durch dich wieder aufgebaut werden, was lange wüst gelegen hat, und du wirst wieder aufrichten, was vorzeiten gegründet ward;
58,12
Kap
und du sollst heißen: »Der die Lücken zumauert und die Wege ausbessert, dass man da wohnen könne«.

Vom Segen der Sabbatheiligung

13Wenn du deinen Fuß am

58,13
Kap
Sabbat zurückhältst und nicht deinen Geschäften nachgehst an meinem heiligen Tage und den Sabbat »Lust« nennst und den heiligen Tag des HERRN »Geehrt«; wenn du ihn dadurch ehrst, dass du nicht deine Gänge machst und nicht deine Geschäfte treibst und kein leeres Geschwätz redest, 14dann wirst du deine Lust haben am HERRN, und ich will dich über die Höhen auf Erden gehen lassen und will dich speisen mit dem Erbe deines Vaters Jakob; denn des HERRN Mund hat’s geredet.

59

Gott überwindet die Sünde seines Volkes

591Siehe,

59,1
Kap
des HERRN Arm ist nicht zu kurz, dass er nicht helfen könnte, und seine Ohren sind nicht taub geworden, sodass er nicht hören könnte, 2sondern eure Verschuldungen scheiden euch von eurem Gott, und eure Sünden verbergen sein Angesicht vor euch, dass ihr nicht gehört werdet.

3Denn

59,3
Kap
eure Hände sind mit Blut befleckt und eure Finger mit Verschuldung; eure Lippen flüstern Falsches, eure Zunge spricht Bosheit. 4Es ist niemand, der eine gerechte Sache vorbringt, und niemand, der redlich richtet. Man vertraut auf Nichtiges und redet Trug;
59,4
Ps 7,15
mit Unheil sind sie schwanger und gebären Verderben. 5Sie brüten Natterneier und weben Spinnweben. Isst man von ihren Eiern, so muss man sterben, zertritt man sie aber, so fährt eine Schlange heraus. 6Ihre Gewebe taugen nicht zu Kleidern, und ihr Gespinst taugt nicht zur Decke. Ihre Werke sind Unheilswerke, an ihren Händen ist Frevel. 7
59,7
Röm 3,15-17
Ihre Füße laufen zum Bösen, und sie sind schnell dabei,
59,7
Spr 1,16
Jer 2,34
unschuldig Blut zu vergießen. Ihre Gedanken sind Unheilsgedanken, auf ihren Wegen wohnt Verderben und Schaden. 8Sie kennen den Weg des Friedens nicht, und Unrecht ist auf ihren Pfaden. Sie gehen auf krummen Wegen; wer auf ihnen geht, der kennt keinen Frieden.

9Darum ist das Recht ferne von uns, und die Gerechtigkeit kommt nicht zu uns. Wir harren auf Licht, siehe, so ist’s finster, auf Helligkeit, siehe, so wandeln wir im Dunkeln. 10Wir tasten an der Wand entlang wie die Blinden und tappen wie die, die keine Augen haben.

59,10
5. Mose 28,29
Wir stoßen uns am Mittag wie in der Dämmerung, wir sind im Düstern wie die Toten. 11Wir brummen alle wie die Bären und gurren wie die Tauben; denn wir harren auf Recht, so ist’s nicht da, auf Heil, so ist’s ferne von uns. 12Denn wir sind zu oft von dir abgefallen, und unsre Sünden zeugen gegen uns.
59,12
Jer 14,7
Unsre Abtrünnigkeit steht uns vor Augen, und wir kennen unsre Sünden: 13abtrünnig sein und den HERRN verleugnen und abfallen von unserm Gott, Frevel reden und Ungehorsam, Lügenworte ausbrüten und bedenkenlos daherreden. 14Und das Recht ist zurückgewichen, und die Gerechtigkeit hat sich entfernt; denn die Wahrheit ist auf der Gasse zu Fall gekommen, und die Aufrichtigkeit findet keinen Eingang. 15Und die Wahrheit ist dahin, und wer vom Bösen weicht, muss sich ausplündern lassen.

Das alles sah der HERR und es missfiel ihm sehr, dass kein Recht war. 16Und

59,16
Hes 13,4-5
er sah, dass niemand auf dem Plan war, und war bestürzt, dass niemand einschritt. Da half er sich selbst mit seinem Arm, und seine Gerechtigkeit stand ihm bei. 17Er zog Gerechtigkeit an wie einen Panzer und setzte den Helm des Heils auf sein Haupt und zog an das Gewand der Rache und kleidete sich mit Eifer wie mit einem Mantel. 18Nach den Taten vergilt er: mit Grimm seinen Widersachern, mit Vergeltung seinen Feinden; ja, den Inseln zahlt er heim, 19dass der Name des HERRN gefürchtet werde bei denen vom Niedergang der Sonne und seine Herrlichkeit bei denen von ihrem Aufgang, wenn er kommen wird wie ein reißender Strom, den der Odem des HERRN treibt. 20Aber
59,20
Röm 11,26
für Zion wird ein Erlöser kommen und für die in Jakob, die sich von der Sünde abwenden, spricht der HERR.

21Und dies ist mein Bund mit ihnen, spricht der HERR: Mein Geist, der auf dir ruht, und

59,21
Jer 1,9
meine Worte, die ich in deinen Mund gelegt habe, sollen von deinem Mund nicht weichen noch von dem Mund deiner Kinder und Kindeskinder, spricht der HERR, von nun an bis in Ewigkeit.

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