Lutherbibel 2017 (LU17)
47

Das Gericht über Babel

471Herunter, setze dich in den Staub, Jungfrau, du Tochter Babel! Setze dich auf die Erde, du Tochter der Chaldäer,

47,1
Kap
da ist kein Thron mehr. Man wird dich nicht mehr nennen »Zarte und Verwöhnte«. 2Nimm die Mühle und mahle Mehl, decke auf deinen Schleier! Hebe die Schleppe, entblöße den Schenkel, wate durch Ströme, 3dass
47,3
Nah 3,5
deine Blöße aufgedeckt und deine Schande gesehen werde! Ich will mich rächen, unerbittlich.

4Unser Erlöser ist der Heilige Israels – Herr Zebaoth ist sein Name.

5Setze dich stumm hin, geh in die Finsternis, du Tochter der Chaldäer! Denn du sollst nicht mehr heißen »Herrin über Königreiche«. 6Als ich

47,6
Sach 1,15
über mein Volk zornig war und mein Erbe entheiligte, gab ich sie in deine Hand; aber du erwiesest ihnen keine Barmherzigkeit, auch über die Alten machtest du dein Joch allzu schwer. 7Du dachtest: Ich bin eine Herrin für immer. Du hattest noch nicht zu Herzen genommen noch daran gedacht, wie es hernach werden könnte. 8
47,8
Zef 2,15
Offb 18,7
So höre nun dies, die du in Wollust lebst und so sicher sitzt und sprichst in deinem Herzen: »Ich bin’s, und sonst keine; ich werde keine Witwe werden noch ohne Kinder sein«: 9Dies beides wird plötzlich über dich kommen auf einen Tag, dass du Witwe und ohne Kinder bist. Ja, es wird in vollem Maße über dich kommen trotz der Menge deiner Zaubereien und trotz der großen Macht deiner Beschwörungen. 10Denn du hast dich auf deine Bosheit verlassen, als du dachtest:
47,10
Ps 10,11
Niemand sieht mich! Deine Weisheit und Kunst hat dich verleitet, dass du in deinem Herzen sprachst: Ich bin’s und sonst keine! 11Aber nun wird über dich Unglück kommen, das du nicht wegzuzaubern weißt, und Unheil wird auf dich fallen, das du nicht durch Sühne abwenden kannst. Und es wird plötzlich ein Verderben über dich kommen, dessen du dich nicht versiehst.

12So tritt nun auf mit deinen Beschwörungen und der Menge deiner Zaubereien, um die du dich von deiner Jugend auf bemüht hast, ob du dir helfen und es abwenden kannst.

47,12
Dan 2,2
13Du hast dich müde gemacht mit der Menge deiner Pläne. Es sollen hertreten und dir helfen die Meister des Himmelslaufs und die Sterngucker, die an jedem Neumond kundtun, was über dich kommen werde! 14Siehe, sie sind wie Stoppeln, die das Feuer verbrennt, sie können ihr Leben nicht erretten vor der Flamme Gewalt. Denn es wird nicht eine Glut sein, an der man sich wärmen, oder ein Feuer, um das man sitzen könnte. 15So sind alle, um die du dich bemüht hast, die mit dir Handel trieben von deiner Jugend auf: Ein jeder wird hierhin und dorthin wanken, und du hast keinen Retter.

48

Gottes Gnade für Israel

481Hört dies, ihr vom Hause Jakob, die ihr nach dem Namen Israels heißt und aus dem Wasser Judas gekommen seid; die ihr schwört bei dem Namen des Herrn und den Gott Israels bekennt, aber nicht in Wahrheit und Gerechtigkeit,

48,1
Kap
2sie nennen sich nach der heiligen Stadt und pochen auf den Gott Israels, der da heißt der Herr Zebaoth.

3Ich habe vorzeiten verkündigt, was schon gekommen ist; aus meinem Munde ist es gekommen, und ich habe es sagen lassen. Ich tat es plötzlich und es kam. 4Weil ich weiß, dass du hart bist und dein Nacken eine eiserne Sehne ist und deine Stirn ehern, 5darum habe ich dir’s vorzeiten verkündigt und es dir sagen lassen, ehe es gekommen ist, damit du nicht sagen könntest: Mein Götze tat es, und mein Schnitzbild und Abgott hat’s befohlen.

6Das hast du gehört, nun sieh dir das alles an! Ihr aber, wollt ihr es nicht verkündigen? – Von nun an lasse ich dich Neues hören und Verborgenes, das du nicht wusstest. 7Jetzt ist es geschaffen und nicht vorzeiten, und vorher hast du nicht davon gehört, auf dass du nicht sagen könntest: Siehe, das wusste ich schon. 8Du hörtest es nicht und wusstest es auch nicht, und dein Ohr war damals nicht geöffnet. Denn ich wusste,

48,8
Kap
dass du treulos bist und man dich nennt »Abtrünnig von Mutterleib an«.

9

48,9
Kap
Um meines Namens willen halte ich lange meinen Zorn zurück, und um meines Ruhmes willen bezähme ich mich dir zugut, dass du nicht ausgerottet wirst. 10Siehe, ich habe dich geläutert, aber nicht wie Silber, sondern ich habe dich geprüft im
48,10
5. Mose 4,20
Glutofen des Elends.
48,10
Jer 6,27-30
Hes 22,18-22
11Um meinetwillen, ja, um meinetwillen will ich’s tun, dass ich nicht gelästert werde; denn
48,11
Kap
ich will meine Ehre keinem andern lassen.

Die Rettung Israels ist nahe

12Höre mir zu, Jakob, und du, Israel, den ich berufen habe: Ich bin’s,

48,12
Offb 1,17
ich bin der Erste und auch der Letzte. 13Meine Hand hat die Erde gegründet, und meine Rechte hat den Himmel ausgespannt. Ich rufe und alles steht da.

14Versammelt euch alle und hört: Wer ist unter ihnen, der es verkündigt hat?

48,14
Kap
Er, den der Herr liebt, wird seinen Willen an Babel beweisen und seinen Arm an den Chaldäern. 15Ich, ja, ich habe es gesagt, ich habe ihn gerufen, ich habe ihn auch kommen lassen, und sein Weg soll ihm gelingen. 16Tretet her zu mir und hört dies!
48,16
Kap
Ich habe von Anfang an nicht im Verborgenen geredet; von der Zeit an, da es geschieht, bin ich auf dem Plan. – Und nun sendet mich Gott der Herr und sein Geist.

17So spricht der Herr, dein Erlöser, der Heilige Israels: Ich bin der Herr, dein Gott, der dich lehrt, was dir hilft, und dich leitet auf dem Wege, den du gehst. 18O

48,18
5. Mose 5,29
dass du auf meine Gebote gemerkt hättest, so würde dein Friede sein wie ein Wasserstrom und deine Gerechtigkeit wie Meereswellen. 19Deine Kinder würden
48,19
1. Mose 22,17
zahlreich sein wie Sand und deine Nachkommen wie Sandkörner. Ihr Name würde nicht ausgerottet und nicht vertilgt werden vor mir.

20

48,20
Jer 51,6
Offb 18,4
Geht heraus aus Babel, flieht von den Chaldäern! Mit fröhlichem Schall verkündigt dies und lasst es hören, tragt’s hinaus bis an die Enden der Erde und sprecht: Der Herr hat seinen Knecht Jakob erlöst. 21Sie litten keinen Durst, als er sie leitete in der Wüste.
48,21
2. Mose 17,6
Er ließ ihnen Wasser aus dem Felsen fließen, er spaltete den Fels, dass Wasser herausrann. 22Aber die Gottlosen, spricht der Herr, haben keinen Frieden.
48,22
Kap

49

Gottes Knecht wird das Licht der Völker

(vgl. Kap 42,1-4; 50,4-9; 52,13–53,12)

491Hört mir zu, ihr Inseln, und ihr Völker in der Ferne, merkt auf! Der Herr hat mich berufen von Mutterleibe an; er hat meines Namens gedacht, als ich noch im Schoß der Mutter war. 2Er hat

49,2
Hebr 4,12
Offb 1,16
meinen Mund wie ein scharfes Schwert gemacht,
49,2
Kap
mit dem Schatten seiner Hand hat er mich bedeckt. Er hat mich zum spitzen Pfeil gemacht und mich in seinem Köcher verwahrt. 3Und er sprach zu mir: Du bist mein Knecht, Israel, durch den ich mich verherrlichen will. 4Ich aber dachte,
49,4
1. Kor 15,58
ich arbeitete vergeblich und verzehrte meine Kraft umsonst und unnütz. Doch mein Recht ist bei dem Herrn und mein Lohn bei meinem Gott.

5Und nun spricht der Herr, der mich von Mutterleib an zu seinem Knecht bereitet hat, dass ich Jakob zu ihm zurückbringen soll und Israel zu ihm gesammelt werde – und ich bin vor dem Herrn wert geachtet und mein Gott ist meine Stärke –, 6er spricht: Es ist zu wenig, dass du mein Knecht bist, die Stämme Jakobs aufzurichten und die Zerstreuten Israels wiederzubringen, sondern

49,6
Kap
ich habe dich auch zum Licht der Völker gemacht, dass mein Heil reiche bis an die Enden der Erde.49,6 Luther übersetzte: »Ich habe dich auch zum Licht der Heiden gemacht, dass du seiest mein Heil bis an der Welt Ende«.

Die Wiederherstellung Israels

7So spricht der Herr, der Erlöser Israels, sein Heiliger, zu dem, der verachtet ist von den Menschen und verabscheut vom Volk, zu dem Knecht der Tyrannen: Könige sollen sehen und aufstehen, und Fürsten sollen niederfallen um des Herrn willen, der treu ist, um des Heiligen Israels willen, der dich erwählt hat.

8So spricht der Herr:

49,8
Ps 69,14
2. Kor 6,2
Ich habe dich erhört zur Zeit der Gnade und habe dir am Tage des Heils geholfen und
49,8
Kap
habe dich bereitet und zum Bund für das Volk bestellt, dass du das Land aufrichtest und das verwüstete Erbe zuteilst, 9zu sagen den Gefangenen: Geht heraus!, und zu denen in der Finsternis: Kommt hervor! Am Wege werden sie weiden und auf allen kahlen Höhen ihre Weide haben. 10Sie
49,10
Offb 7,16
werden weder hungern noch dürsten, sie wird weder Hitze noch Sonne stechen; denn ihr Erbarmer wird sie führen und sie an die Wasserquellen leiten. 11Ich will alle meine Berge zum ebenen Wege machen, und meine Pfade sollen gebahnt sein.
49,11
Kap
12Siehe, diese werden von ferne kommen, und siehe, jene vom Norden und diese vom Meer und jene vom Lande Sinim49,12 Wahrscheinlich Syene (das heutige Assuan) an der Südgrenze von Ägypten..
49,12
Lk 13,29

13

49,13
Kap
Jauchzet, ihr Himmel; freue dich, Erde! Lobet, ihr Berge, mit Jauchzen! Denn der Herr hat sein Volk getröstet und erbarmt sich seiner Elenden.

14Zion aber sprach: Der Herr hat mich verlassen, der Herr hat meiner vergessen. 15Kann auch eine Frau ihr Kindlein vergessen,

49,15
1. Mose 21,16
1. Kön 3,26
dass sie sich nicht erbarme über den Sohn ihres Leibes? Und ob sie seiner vergäße,
49,15
Jer 31,20
so will ich doch deiner nicht vergessen. 16Siehe, in die Hände habe ich dich gezeichnet; deine Mauern sind immerdar vor mir. 17Deine Erbauer eilen herbei, aber die dich zerbrochen und zerstört haben, werden sich davonmachen.

18

49,18
Kap
Hebe deine Augen auf und sieh umher: Diese alle sind versammelt und kommen zu dir. So wahr ich lebe, spricht der Herr: Du sollst mit diesen allen wie mit einem Schmuck angetan werden und wirst sie als Gürtel um dich legen, wie eine Braut es tut. 19Denn dein wüstes, zerstörtes und verheertes Land wird dir alsdann zu eng werden, um darin zu wohnen, und deine Verderber werden vor dir weichen, 20sodass deine Söhne, du Kinderlose, noch sagen werden vor deinen Ohren:
49,20
Kap
Der Raum ist mir zu eng; mach mir Platz, dass ich wohnen kann. 21Du aber wirst sagen in deinem Herzen: Wer hat mir diese geboren? Ich war kinderlos und unfruchtbar, vertrieben und verstoßen. Wer hat mir diese aufgezogen? Siehe, ich war allein gelassen – wo waren denn diese?

22So spricht Gott der Herr: Siehe, ich will meine Hand zu den Heiden hin erheben und für die Völker mein Banner aufrichten.

49,22
Kap
Dann werden sie deine Söhne in den Armen herbringen und deine Töchter auf der Schulter hertragen. 23Und Könige sollen deine Pfleger und ihre Fürstinnen deine Ammen sein.
49,23
Ps 72,9
Sie werden vor dir niederfallen zur Erde aufs Angesicht und deiner Füße Staub lecken. Da
49,23
Kap
wirst du erfahren, dass ich der Herr bin, an dem nicht zuschanden werden, die auf mich harren.

24Kann man auch einem Starken den Raub wegnehmen? Oder kann man einem Gewaltigen seine Gefangenen entreißen? 25So aber spricht der Herr:

49,25
Mt 12,29
Ja, auch die Gefangenen des Starken werden weggenommen, und der Raub wird dem Gewaltigen entrissen. Ich selbst will deinen Gegnern entgegentreten und deinen Söhnen helfen. 26Und ich will deine Schinder speisen mit ihrem eigenen Fleisch, und sie sollen von ihrem eigenen Blut wie von jungem Wein trunken werden. Und alles Fleisch soll erfahren, dass ich, der Herr, dein Heiland bin und dein Erlöser, der Mächtige Jakobs.