Lutherbibel 2017 (LU17)
35

Die Rückkehr der Geretteten

351Die Wüste und Einöde wird frohlocken, und die Steppe wird jubeln und wird blühen wie die Lilien.

35,1
Kap
2Sie wird blühen und jubeln in aller Lust und Freude. Die
35,2
Kap
Herrlichkeit des Libanon ist ihr gegeben, die Pracht von Karmel und Scharon.
35,2
Kap
Sie sehen die Herrlichkeit des Herrn, die Pracht unsres Gottes. 3Stärkt die müden Hände und macht fest die wankenden Knie!
35,3
Hebr 12,12
4
35,4
Mt 11,5
Sagt den verzagten Herzen: »Seid getrost, fürchtet euch nicht!
35,4
Kap
Seht, da ist euer Gott!
35,4
Kap
Er kommt zur Rache; Gott, der da vergilt, kommt und wird euch helfen.«

5Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden.

35,5
Kap
6Dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch, und die Zunge des Stummen wird frohlocken. Denn es werden Wasser in der Wüste hervorbrechen und Ströme im dürren Lande. 7Und
35,7
Kap
wo es zuvor trocken gewesen ist, sollen Teiche stehen, und wo es dürre gewesen ist, sollen Brunnquellen sein. Wo zuvor die Schakale gelegen haben, soll Gras und Rohr und Schilf stehen.

8

35,8
Kap
Und es wird dort eine Bahn sein und ein Weg, der der heilige Weg heißen wird. Kein Unreiner darf ihn betreten; nur sie werden auf ihm gehen; auch die Toren dürfen nicht darauf umherirren. 9Es wird da kein Löwe sein und kein reißendes Tier darauf gehen; sie sind dort nicht zu finden, sondern die Erlösten werden dort gehen. 10Die Erlösten des Herrn werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen.
35,10
Kap

36

Jerusalem von Sanherib bedroht und wunderbar errettet

(Kap 36,1–37,38: vgl. 2. Kön 18,13–19,37; 2. Chr 32,1-23)

361Und es begab sich im vierzehnten Jahr des Königs Hiskia, da zog der König von Assyrien, Sanherib, herauf gegen alle festen Städte Judas und nahm sie ein. 2Und der König von Assyrien sandte den Rabschake von Lachisch nach Jerusalem zu dem König Hiskia mit großer Heeresmacht. Und er trat hin an die

36,2
Kap
Wasserleitung des oberen Teiches, an der Straße bei dem Acker des Walkers. 3Und es kamen zu ihm heraus der Hofmeister
36,3
Kap
Eljakim, der Sohn Hilkijas, und der Schreiber
36,3
Kap
Schebna und der Kanzler Joach, der Sohn Asafs.

4Und der Rabschake sprach zu ihnen: Sagt doch dem Hiskia: So spricht der große König, der König von Assyrien: Was ist das für ein Vertrauen, das du da hast? 5Meinst du, bloße Worte seien schon Rat und Macht zum Kämpfen? Auf wen verlässt du dich denn, dass du von mir abgefallen bist? 6Verlässt du dich auf den

36,6
Hes 29,6-7
zerbrochenen Rohrstab Ägypten, der jedem, der sich darauf stützt, in die Hand dringt und sie durchbohrt? So tut der Pharao, der König von Ägypten, allen, die sich auf ihn verlassen. 7Willst du mir aber sagen: Wir verlassen uns auf den Herrn, unsern Gott, – ist’s denn nicht derselbe, dessen
36,7
2. Kön 18,4
Höhen und Altäre Hiskia abgetan und zu Juda und Jerusalem gesagt hat: »Nur vor diesem Altar sollt ihr anbeten«? 8Wohlan, nimm eine Wette an mit meinem Herrn, dem König von Assyrien: Ich will dir zweitausend Rosse geben; lass sehen, ob du die Reiter dazu stellen kannst! 9Wie willst du denn zurücktreiben auch nur einen der geringsten Diener meines Herrn?
36,9
Kap
Und du verlässt dich auf Ägypten um der Wagen und Gespanne willen! 10Meinst du denn, dass ich ohne den Herrn heraufgezogen bin in dies Land, es zu verderben? Ja, der Herr sprach zu mir: Zieh hinauf in dies Land und verdirb es!

11Da sprachen Eljakim und Schebna und Joach zum Rabschake: Rede doch mit deinen Knechten aramäisch, denn wir verstehen’s, und rede nicht hebräisch mit uns vor den Ohren des Volks, das auf der Mauer ist. 12Aber der Rabschake sprach: Meinst du, dass mein Herr mich nur zu deinem Herrn oder zu dir gesandt habe, solche Worte zu reden, und nicht vielmehr zu den Männern, die auf der Mauer sitzen und mit euch ihren eigenen Kot fressen und ihren Harn saufen? 13Und der Rabschake trat hin und rief laut auf Hebräisch und sprach: Hört die Worte des großen Königs, des Königs von Assyrien! 14So spricht der König: Lasst euch von Hiskia nicht betrügen; denn er kann euch nicht erretten. 15Und lasst euch von Hiskia nicht verleiten, auf den Herrn zu vertrauen, wenn er sagt: Der Herr wird uns erretten, und diese Stadt wird nicht in die Hand des Königs von Assyrien gegeben werden.

36,15
Kap
16Hört nicht auf Hiskia! Denn so spricht der König von Assyrien: Nehmt meine Gnade an und kommt zu mir heraus, so soll
36,16
1. Kön 5,5
Mi 4,4
ein jeder von euch von seinem Weinstock und von seinem Feigenbaum essen und aus seinem Brunnen trinken, 17bis ich komme und hole euch in ein Land, das wie euer Land ist, ein Land, darin Korn und Wein ist, ein Land, darin Brot und Weinberge sind. 18Lasst euch von Hiskia nicht bereden, wenn er sagt: Der Herr wird uns erretten!
36,18
Kap
Hat auch nur einer der Götter der andern Völker sein Land errettet aus der Hand des Königs von Assyrien? 19
36,19
Kap
Wo sind die Götter von Hamat und Arpad? Wo sind die Götter von Sefarwajim? Haben sie Samaria errettet aus meiner Hand? 20Welcher unter allen Göttern dieser Länder hat sein Land errettet aus meiner Hand, dass der Herr Jerusalem erretten sollte aus meiner Hand?

21Sie schwiegen aber still und antworteten ihm nichts; denn der König hatte geboten: Antwortet ihm nichts. 22Da kamen der Hofmeister Eljakim, der Sohn Hilkijas, und der Schreiber Schebna und der Kanzler Joach, der Sohn Asafs, mit zerrissenen Kleidern zu Hiskia und sagten ihm die Worte des Rabschake an.

37

371Als aber der König Hiskia das hörte, zerriss er seine Kleider und legte den Sack an und ging in das Haus des Herrn. 2Und er sandte den Hofmeister Eljakim und den Schreiber Schebna samt den Ältesten der Priester, mit dem Sack angetan, zu dem Propheten Jesaja, dem Sohn des Amoz. 3Und sie sprachen zu ihm: So spricht Hiskia: Das ist ein Tag der Trübsal, der Strafe und der Schmach –

37,3
Kap
wie wenn Kinder eben geboren werden sollen, aber die Kraft fehlt, sie zu gebären. 4Vielleicht hört der Herr, dein Gott, die Worte des Rabschake, den sein Herr, der König von Assyrien, gesandt hat, den lebendigen Gott zu schmähen, und straft die Worte, die der Herr, dein Gott, gehört hat! So tu Fürbitte für die Übriggebliebenen, die noch vorhanden sind.

5Und die Großen des Königs Hiskia kamen zu Jesaja. 6Jesaja aber sprach zu ihnen: So sollt ihr eurem Herrn sagen: So spricht der Herr:

37,6
Kap
Fürchte dich nicht vor den Worten, die du gehört hast, mit denen mich die Knechte des Königs von Assyrien gelästert haben! 7Siehe, ich gebe in ihn einen Geist, dass er ein Gerücht hört und in sein Land zurückkehrt,
37,7
Kap
und ich will ihn durchs Schwert fällen in seinem Lande.
37,7

8Als aber der Rabschake zurückkam, fand er den König von Assyrien im Kampf gegen Libna; denn er hatte gehört, dass dieser von Lachisch abgezogen war. 9Denn der König von Assyrien hatte gehört über Tirhaka, den König von Kusch: Er ist ausgezogen, gegen dich zu kämpfen. Als er das hörte, sandte er Boten zu Hiskia und ließ ihm sagen: 10So sprecht zu Hiskia, dem König von Juda: Lass dich durch deinen Gott nicht betrügen, auf den du dich verlässt und sprichst: Jerusalem wird nicht in die Hand des Königs von Assyrien gegeben werden.

37,10
Kap
11Siehe, du hast gehört, was die Könige von Assyrien allen Ländern getan haben, dass sie den Bann an ihnen vollstreckten, und du allein solltest errettet werden? 12
37,12
Kap
Haben denn die Götter der Völker die Länder errettet, die von meinen Vätern vernichtet wurden: Gosan, Haran, Rezef und die von Eden in Telassar? 13Wo ist der König von Hamat und der König von Arpad und der König der Stadt Sefarwajim, von Hena und Awa?

14Und als Hiskia den Brief von den Boten empfangen und gelesen hatte, ging er hinauf in das Haus des Herrn und breitete ihn aus vor dem Herrn. 15Und Hiskia betete zum Herrn und sprach: 16Herr Zebaoth, du Gott Israels,

37,16
1. Sam 4,4
Ps 80,2
der du über den Cherubim thronst, du bist allein Gott über alle Königreiche auf Erden, du hast Himmel und Erde gemacht. 17Herr,
37,17
Dan 9,18
neige deine Ohren und höre doch; Herr, tu deine Augen auf und sieh doch! Höre doch alle die Worte Sanheribs, die er gesandt hat, um den lebendigen Gott zu schmähen. 18Wahr ist’s, Herr, die Könige von Assyrien haben alle Königreiche verwüstet samt ihren Ländern 19und haben ihre Götter ins Feuer geworfen; denn sie waren nicht Götter, sondern Werk von Menschenhänden, Holz und Stein. Die haben sie vertilgt. 20Nun aber, Herr, unser Gott, errette uns aus seiner Hand, damit
37,20
Kap
alle Königreiche auf Erden erfahren, dass du allein der Herr bist!

21Da sandte Jesaja, der Sohn des Amoz, zu Hiskia und ließ ihm sagen: So spricht der Herr, der Gott Israels: Was du von mir erbeten hast wegen des Königs Sanherib von Assyrien, habe ich gehört. 22Dies ist’s, was der Herr über ihn spricht:

Die Jungfrau, die Tochter Zion, verachtet dich und spottet deiner; die Tochter Jerusalem schüttelt das Haupt hinter dir her. 23Wen hast du geschmäht und gelästert? Über wen hast du die Stimme erhoben? Du hobst deine Augen empor wider den Heiligen Israels. 24

37,24
Kap
Durch deine Knechte hast du den Herrn geschmäht und gesagt: »Ich bin mit der Menge meiner Wagen heraufgezogen auf die Höhe der Berge in den innersten Libanon und habe seine hohen Zedern abgehauen samt seinen auserwählten Zypressen und bin bis zu seiner äußersten Höhe gekommen, in seinen dichtesten Wald. 25Ich habe gegraben und Wasser getrunken und habe mit meinen Fußsohlen ausgetrocknet alle Flüsse Ägyptens.«

26Hast du nicht gehört, dass ich es lange zuvor bereitet und von Anfang an geplant habe? Jetzt aber habe ich’s kommen lassen, dass du feste Städte zerstören solltest zu Steinhaufen, 27und ihre Einwohner sollten ohne Kraft werden und sich fürchten und zuschanden werden und wie Feldgras werden und wie grünes Kraut,

37,27
Ps 129,6
wie Gras auf den Dächern, das vor dem Ostwind verdorrt. 28Ich weiß von deinem Aufstehen und Sitzen, von deinem Ausziehen und Einziehen und dass du tobst gegen mich. 29Weil du nun gegen mich tobst und dein Stolz vor meine Ohren gekommen ist, will ich dir meinen Ring in die Nase legen und meinen Zaum in dein Maul und will dich den Weg wieder zurückführen, den du gekommen bist.

30Und das sei dir, Hiskia, ein Zeichen: In diesem Jahr isst man, was von selber nachwächst, im nächsten Jahr, was auch dann noch wächst; im dritten Jahr sät und erntet, pflanzt Weinberge und esst ihre Früchte. 31Und die Erretteten vom Hause Juda und was übrig geblieben ist werden von Neuem nach unten Wurzeln schlagen und oben Frucht tragen.

37,31
Kap
32Denn von Jerusalem werden ausgehen, die übrig geblieben sind, und die Erretteten vom Berge Zion.
37,32
Kap
Solches wird tun der Eifer des Herrn Zebaoth.

33Darum spricht der Herr über den König von Assyrien: Er soll nicht in diese Stadt kommen und soll auch keinen Pfeil hineinschießen und mit keinem Schild gegen sie vorrücken und soll keinen Wall gegen sie aufschütten, 34sondern auf dem Wege, den er gekommen ist, soll er zurückkehren und nicht in diese Stadt kommen, spricht der Herr. 35Denn

37,35
Kap
ich will diese Stadt beschirmen, dass ich sie errette um meinetwillen und um meines Knechtes David willen.

36Da fuhr aus der Engel des Herrn und schlug im Lager der Assyrer hundertfünfundachtzigtausend Mann. Und

37,36
Kap
als man sich früh am Morgen aufmachte, siehe, da lag alles voller Leichen. 37Und Sanherib, der König von Assyrien, brach auf, zog ab, kehrte zurück und blieb zu Ninive. 38Es begab sich aber, als er anbetete im Hause Nisrochs, seines Gottes, erschlugen ihn seine Söhne Adrammelech und Sarezer mit dem Schwert, und sie flohen ins Land Ararat. Und sein Sohn Asarhaddon wurde König an seiner statt.