Lutherbibel 2017 (LU17)
30

Vergebliches Vertrauen auf Ägypten

301

30,1
Kap
Weh den
30,1
Kap
abtrünnigen Kindern, spricht der Herr, die ohne mich Pläne fassen und ohne meinen Geist Bündnisse eingehen, um eine Sünde auf die andere zu häufen, 2die hinabziehen nach Ägypten und befragen meinen Mund nicht,
30,2
2. Kön 18,21
um Zuflucht zu suchen beim Pharao und sich zu bergen im Schatten Ägyptens! 3
30,3
Kap
Aber es soll euch die Zuflucht beim Pharao zur Schande geraten und der Schutz im Schatten Ägyptens zum Hohn. 4Denn seine
30,4
Kap
Fürsten waren zwar in Zoan, und seine Boten sind nach Hanes30,4 Zoan und Hanes sind Städte in Oberägypten. gekommen, 5aber alle sind zuschanden geworden an dem Volk, das ihnen nichts nützen kann, weder zur Hilfe noch sonst zu Nutz, sondern nur zu Schande und Spott.

6Dies ist die Last30,6 Siehe Sach- und Worterklärungen. für die Tiere des Südlandes: Im Lande der Trübsal und Angst, wo Löwin und brüllender Löwe, wo Ottern und

30,6
Kap
fliegende Schlangen sind, da führen sie ihre Habe auf dem Rücken von Eseln und ihre Schätze auf dem Höcker von Kamelen zu dem Volk, das ihnen nichts nützen kann. 7Denn Ägypten ist nichts, und sein Helfen ist vergeblich. Darum nenne ich Ägypten
30,7
Ps 89,11
Hes 29,3
»Rahab, zum Schweigen gebracht«.

Vertrauen auf falsche Prophetie

8So geh nun hin und

30,8
Kap
schreib es vor ihnen nieder auf eine Tafel und zeichne es in ein Buch, dass es bleibe als Zeuge für immer und ewig. 9Denn sie sind ein
30,9
Kap
ungehorsames Volk und verlogene Kinder, die nicht hören wollen die Weisung des Herrn, 10sondern sagen zu den Sehern: »Ihr sollt nicht sehen!«, und zu den Schauern: »Was wahr ist, sollt ihr uns nicht schauen! Redet zu uns, was angenehm ist; schaut, was täuscht!
30,10
Am 2,12
Mi 2,6
11Weicht ab vom Wege, geht aus der rechten Bahn! Lasst uns doch in Ruhe mit dem Heiligen Israels!«

12Darum, so spricht der Heilige Israels: Weil ihr dies Wort verwerft und vertraut auf Frevel und Mutwillen und verlasst euch darauf, 13so soll euch diese Schuld sein wie ein Riss, der aufbricht und klafft an einer hohen Mauer, die plötzlich, unversehens einstürzt, 14wie wenn

30,14
Jer 19,11
ein Topf zerschmettert wird, den man zerstößt ohne Erbarmen, sodass man von seinen Stücken nicht eine Scherbe findet, darin man Feuer hole vom Herd oder Wasser schöpfe aus dem Brunnen.

15Denn so spricht Gott der Herr, der Heilige Israels: Wenn ihr umkehrtet und stille bliebet, so würde euch geholfen;

30,15
Kap
durch Stillesein und Vertrauen würdet ihr stark sein. Aber ihr habt nicht gewollt 16und spracht: »Nein, sondern auf Rossen wollen wir dahinfliegen«, – darum werdet ihr dahinfliehen, »und auf Rennern wollen wir reiten«, – darum werden euch eure Verfolger überrennen. 17Denn
30,17
5. Mose 32,30
tausend werden fliehen vor eines Einzigen Drohen, ihr alle vor dem Drohen von fünfen, bis ihr übrig bleibt wie ein Mast oben auf einem Berge und wie ein Banner auf einem Hügel.

Gottes Erbarmen

18Darum harrt der Herr darauf, dass er euch gnädig sei, und darum macht er sich auf, dass er sich euer erbarme; denn der Herr ist ein Gott des Rechts.

30,18
Ps 2,12
Wohl allen, die auf ihn harren! 19Du Volk Zions, das in Jerusalem wohnt, du wirst nicht weinen!
30,19
Kap
Er wird dir gnädig sein, wenn du rufst. Er wird dir antworten, sobald er’s hört. 20Und der Herr wird euch in Trübsal Brot und in Ängsten Wasser geben. Und dein Lehrer wird sich nicht mehr verbergen müssen, sondern deine Augen werden deinen Lehrer sehen. 21Und wenn ihr zur Rechten oder zur Linken gehen wollt, werden deine Ohren hinter dir das Wort hören:
30,21
5. Mose 5,32
Dies ist der Weg; den geht! 22Und ihr werdet entweihen eure silbernen Götzen und eure vergoldeten Bilder und werdet sie wegwerfen wie Unrat und zu ihnen sagen: Hinaus!
30,22
Kap

23Und er wird deinem Samen, den du auf den Acker gesät hast, Regen geben und dir Brot geben vom Ertrag des Ackers in voller Genüge. Und dein Vieh wird zu der Zeit weiden auf weiter Aue.

30,23
3. Mose 26,4-5
Joel 2,23
24Die Rinder und Esel, die den Acker bearbeiten, werden würziges Futter fressen, das geworfelt ist mit Schaufel und Wurfgabel. 25Und es werden auf allen großen Bergen und auf allen hohen Hügeln Wasserbäche und Ströme fließen zur Zeit der großen Schlacht, wenn die Türme fallen werden. 26Und des Mondes Schein wird sein wie der Sonne Schein, und der Sonne Schein wird siebenmal heller sein, so wie das Licht von sieben Tagen, zu der Zeit, wenn der Herr den Schaden seines Volks verbinden und
30,26
Jer 30,17
seine Wunden heilen wird.

Gericht über Assyrien

27Siehe, des Herrn Name kommt von ferne! Sein Zorn brennt und mächtig erhebt er sich, seine Lippen sind voll Grimm und seine Zunge wie ein verzehrendes Feuer 28und sein Odem wie eine Wasserflut,

30,28
Kap
die bis an den Hals reicht, zu schwingen die Völker in der Schwinge des Verderbens. Und er wird die Völker mit einem Zaum im Maul in die Irre führen. 29Da
30,29
5. Mose 16,14
werdet ihr singen wie in der Nacht des heiligen Festes und euch von Herzen freuen, wie wenn man mit Flötenspiel geht zum Berge des Herrn, zum
30,29
Ps 18,3
Fels Israels. 30Und der Herr wird seine herrliche Stimme erschallen lassen, und man wird sehen, wie sein Arm herniederfährt mit zornigem Drohen und
30,30
Kap
mit Flammen verzehrenden Feuers, mit Wolkenbruch und Hagelschlag.

31

30,31
Kap
Da wird Assur erschrecken vor der Stimme des Herrn, der ihn schlägt mit dem Stock. 32Jeder Schlag der Zuchtrute, die der Herr auf ihn niedersausen lässt, geschieht unter Pauken- und Zitherspiel, und er kämpft mit Assur, wie man im Tanz ein Opfer schwingt. 33Denn die Feuergrube ist längst hergerichtet, ja, sie ist auch dem König bereitet, tief und weit genug. Der Scheiterhaufen darin hat Feuer und Holz die Menge; der Odem des Herrn wird ihn anzünden wie ein Schwefelstrom.

31

Nicht Ägypten, sondern der Herr rettet Jerusalem

311

31,1
Kap
Weh denen, die hinabziehen nach Ägypten um Hilfe und
31,1
5. Mose 17,16
Ps 20,8
sich verlassen auf Rosse und vertrauen auf Wagen, weil ihrer viele sind, und auf Gespanne, weil sie sehr stark sind! Aber sie schauen nicht auf den Heiligen Israels, und den Herrn befragen sie nicht. 2Aber auch er ist weise und bringt Unheil herbei und
31,2
4. Mose 23,19
nimmt seine Worte nicht zurück, sondern wird sich aufmachen wider das Haus der Bösen und wider die Hilfe der Übeltäter. 3Denn Ägypten ist
31,3
Hes 28,2
Mensch und nicht Gott, und seine Rosse sind Fleisch und nicht Geist. Und der Herr wird seine Hand ausstrecken, sodass der Helfer strauchelt und der, dem geholfen wird, fällt und alle miteinander umkommen.

Das Gericht über Assyrien. Zions Errettung

4So hat der Herr zu mir gesprochen: Gleich wie ein Löwe und ein junger Löwe brüllt über seinem Raub, wenn man wider ihn aufruft die Menge der Hirten – er erschrickt vor ihrem Geschrei nicht und es ist ihm auch nicht angst vor ihrer Menge –, so wird der Herr Zebaoth herniederfahren, um zu kämpfen auf dem Berg Zion und auf seinem Hügel. 5Und der Herr Zebaoth wird

31,5
Kap
Jerusalem beschirmen, wie Vögel es tun mit ihren Flügeln, er wird beschirmen und erretten, schonen und befreien.

6Kehrt um, ihr Israeliten, zu dem, von welchem ihr so sehr abgewichen seid!

31,6
Jer 3,1422
7Denn zu der Zeit wird ein jeder seine
31,7
Kap
silbernen und goldenen Götzen verwerfen, die eure Hände gemacht hatten euch zur Sünde.

8Und

31,8
Kap
Assur soll fallen durchs Schwert, doch nicht durch das eines Mannes, und ein Schwert soll ihn verzehren, doch nicht das eines Menschen. Und Assur wird vor dem Schwert fliehen, und seine junge Mannschaft wird Frondienste leisten müssen. 9Und sein
31,9
Kap
Fels wird vor Furcht weichen, und seine Fürsten werden erschreckt das Banner verlassen, spricht der Herr, der zu Zion ein Feuer und zu Jerusalem einen Glutofen hat.

32

Das künftige Reich der Gerechtigkeit

321Siehe, in Gerechtigkeit

32,1
Kap
wird ein König regieren, und Fürsten werden herrschen, wie es recht ist, 2dass ein jeder von ihnen sein wird wie eine Zuflucht vor dem Wind und wie ein Schutz vor dem Platzregen, wie Wasserbäche am dürren Ort, wie der Schatten eines großen Felsens im trockenen Lande. 3
32,3
Kap
Und die Augen der Sehenden werden nicht mehr
32,3
Kap
verklebt sein, und die Ohren der Hörenden werden aufmerken. 4Und das Herz der Unvorsichtigen wird Klugheit lernen, und
32,4
Kap
die Zunge der Stammelnden wird fließend und klar reden. 5Es wird nicht mehr
32,5
Spr 28,16
ein Narr Fürst heißen noch ein Betrüger edel genannt werden. 6Denn ein Narr redet Narrheit, und sein Herz sinnt auf Unheil, dass er Ruchloses anrichte und rede über den Herrn lauter Trug; dadurch lässt er hungrig die hungrigen Seelen und wehrt den Durstigen das Trinken. 7Und des Betrügers Waffen sind böse, er sinnt auf Tücke, um die Elenden zu verderben mit falschen Worten, auch wenn der Arme sein Recht vertritt. 8Aber der Edle hat edle Gedanken und beharrt bei Edlem.

Falsche Sorglosigkeit

9Wohlan,

32,9
Kap
ihr stolzen Frauen, hört meine Stimme! Ihr Töchter, die ihr so sicher seid, nehmt zu Ohren meine Rede! 10Über Jahr und Tag, da werdet ihr Sicheren zittern; denn es wird keine Weinlese sein, auch keine Obsternte kommen. 11Erschreckt, ihr stolzen Frauen, zittert, ihr Sicheren! Zieht euch aus, entblößt euch und umgürtet eure Lenden! 12Man klagt um die Äcker, ja, um die lieblichen Äcker, um die fruchtbaren Weinstöcke, 13um den Acker meines Volks, auf dem
32,13
Kap
Dornen und Disteln wachsen, um alle Häuser voll Freude in der
32,13
Kap
fröhlichen Stadt. 14Denn die Paläste sind verlassen, und die Stadt, die voll Getümmel war, ist einsam. Burg und Turm sind Höhlen für immer, dem Wild zur Freude, den Herden zur Weide,
32,14
Kap
15so lange, bis über uns ausgegossen wird
32,15
Kap
der Geist aus der Höhe. Dann wird
32,15
Kap
die Wüste zum fruchtbaren Lande und das fruchtbare Land wie Wald geachtet werden. 16Und das Recht wird in der Wüste wohnen und Gerechtigkeit im fruchtbaren Lande. 17Und der Gerechtigkeit Frucht wird Friede sein, und der Ertrag der Gerechtigkeit wird Ruhe und Sicherheit sein auf ewig, 18dass mein Volk in friedlichen Auen wohnen wird,
32,18
Kap
in sicheren Wohnungen und in sorgloser Ruhe. 19Aber der Wald wird niederbrechen, und die Stadt wird versinken in Niedrigkeit. 20Wohl euch, die ihr säen könnt an allen Wassern und könnt die Rinder und Esel frei gehen lassen.