Lutherbibel 2017 (LU17)
4

41Ich sage aber: Solange der Erbe unmündig ist, ist zwischen ihm und einem Knecht kein Unterschied, obwohl er Herr ist über alle Güter; 2sondern er untersteht Vormündern und Verwaltern bis zu der Zeit, die der Vater bestimmt hat. 3So auch wir: Als wir unmündig waren, waren wir geknechtet unter die

4,3
Kol 2,20
Mächte der Welt.

4Als aber

4,4
Mk 1,15
Eph 1,10
die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, 5auf dass er die, die unter dem Gesetz waren, loskaufte, damit wir die Kindschaft empfingen. 6Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft:
4,6
Röm 8,15
Abba, lieber Vater! 7So bist du nun nicht mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber Kind, dann auch
4,7
Röm 8,16-17
Erbe durch Gott.

Werben um die Gemeinden

8Aber zu der Zeit, als ihr Gott noch nicht kanntet, dientet ihr denen, die ihrer Natur nach nicht Götter sind. 9Nun aber, da ihr Gott erkannt habt, ja vielmehr von Gott erkannt seid, wie wendet ihr euch dann wieder den schwachen und dürftigen Mächten zu, denen ihr von Neuem dienen wollt? 10Ihr beachtet bestimmte Tage und Monate und Zeiten und Jahre.

4,10
Röm 14,5
Kol 2,16
11Ich fürchte für euch, dass ich vielleicht
4,11
2. Joh 8
vergeblich an euch gearbeitet habe.

12Werdet doch wie ich, denn auch ich wurde wie ihr, Brüder und Schwestern, ich bitte euch. Ihr habt mir kein Leid getan. 13Ihr wisst doch, dass ich euch zuvor

4,13
1. Kor 2,3
in Schwachheit des Leibes das Evangelium gepredigt habe.
4,13
Apg 16,6
14Und obwohl meine leibliche Schwäche euch eine Anfechtung war, habt ihr mich nicht verachtet oder vor mir ausgespuckt, sondern mich wie einen Engel Gottes aufgenommen, ja wie Christus Jesus. 15Wie wart ihr dazumal selig zu preisen! Denn ich bin euer Zeuge: Ihr hättet, wenn es möglich gewesen wäre, eure Augen ausgerissen und mir gegeben. 16Bin ich denn damit euer Feind geworden, dass ich euch die Wahrheit vorhalte?

17Es ist nicht recht, wie sie

4,17
Kap
um euch werben; sie wollen euch ausschließen, damit ihr dann um sie werbt. 18Umworben zu werden, ist gut, wenn’s im Guten geschieht, und zwar immer und nicht nur dann, wenn ich bei euch bin. 19Meine Kinder,
4,19
1. Kor 4,15
die ich abermals unter Wehen gebäre, bis Christus in euch Gestalt gewinne! – 20Ich wollte aber, dass ich jetzt bei euch wäre und mit andrer Stimme zu euch reden könnte; denn ich bin ratlos euretwegen.

Knechtschaft und Freiheit

21Sagt mir, die ihr unter dem Gesetz sein wollt: Hört ihr nicht das Gesetz? 22Denn es steht geschrieben, dass Abraham zwei Söhne hatte,

4,22
1. Mose 16,15
einen von der Magd und
4,22
1. Mose 21,2
einen von der Freien. 23Aber der von der Magd ist nach dem Fleisch geboren worden,
4,23
Röm 9,7-9
der von der Freien aber durch die Verheißung.

24Das ist bildlich zu verstehen: Die beiden Frauen sind zwei Bundesschlüsse, einer vom Berg Sinai, der in die Knechtschaft gebiert; das ist

4,24
1. Mose 16,1-16
Hagar. 25Hagar aber bezeichnet den Berg Sinai in Arabien und ist ein Gleichnis für das jetzige Jerusalem, das mit seinen Kindern in der Knechtschaft lebt. 26Aber
4,26
Hebr 12,22
Offb 21,2
das Jerusalem, das droben ist, das ist die Freie; das ist unsre Mutter. 27Denn es steht geschrieben (Jes 54,1): »Sei fröhlich, du Unfruchtbare, die du nicht gebierst! Brich in Jubel aus und jauchze, die du nicht schwanger bist. Denn die Einsame hat viel mehr Kinder, als die den Mann hat.« 28Ihr aber, Brüder und Schwestern, seid wie Isaak Kinder der Verheißung.

29Aber wie zu jener Zeit der, der nach dem Fleisch geboren war, den verfolgte, der nach dem Geist geboren war, so geht es auch jetzt. 30Doch was spricht die Schrift? »Stoß die Magd hinaus mit ihrem Sohn; denn der Sohn der Magd soll nicht erben mit dem Sohn der Freien« (1. Mose 21,10). 31So sind wir nun nicht Kinder der Magd, sondern der Freien.

5

Freiheit in Christus

51Zur

5,1
Kap
Freiheit hat uns Christus befreit! So steht nun fest und
5,1
Apg 15,10
lasst euch nicht wieder das Joch der Knechtschaft auflegen! 2Siehe, ich, Paulus, sage euch: Wenn ihr euch beschneiden lasst, so wird euch Christus nichts nützen. 3Ich bezeuge abermals einem jeden, der
5,3
Röm 2,25
sich beschneiden lässt, dass er das ganze Gesetz zu tun schuldig ist. 4Ihr habt Christus verloren, die ihr durch das Gesetz gerecht werden wollt, aus der Gnade seid ihr herausgefallen. 5Denn wir warten im Geist durch den Glauben auf die Gerechtigkeit, auf die wir hoffen. 6Denn
5,6
Kap
in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern der Glaube, der durch die Liebe tätig ist.

7Ihr lieft so gut. Wer hat euch aufgehalten, der Wahrheit nicht zu gehorchen? 8Solches Überreden kommt nicht von dem, der euch berufen hat. 9Ein wenig Sauerteig durchsäuert den ganzen Teig.

5,9
1. Kor 5,6
10Ich habe das Vertrauen zu euch in dem Herrn, ihr werdet nicht anders gesinnt sein. Wer euch aber
5,10
Kap
irremacht, der wird sein Urteil tragen, er sei, wer er wolle.

11Ich aber, liebe Brüder, wenn ich die Beschneidung noch predige, warum leide ich dann Verfolgung? Dann wäre ja das

5,11
Kap
Ärgernis des Kreuzes aufgehoben! 12Sollen sie sich doch gleich verschneiden lassen, die euch aufhetzen!
5,12
Phil 3,2

13Ihr aber, Brüder und Schwestern, seid zur Freiheit berufen. Allein

5,13
1. Petr 2,16
seht zu, dass ihr durch die Freiheit nicht dem Fleisch5,13 Siehe Sach- und Worterklärungen. Raum gebt, sondern durch die Liebe diene einer dem andern. 14Denn das ganze Gesetz ist in dem einen Wort erfüllt (3. Mose 19,18): »Liebe deinen Nächsten wie dich selbst!«
5,14
Röm 13,9
15Wenn ihr euch aber untereinander beißt und fresst, so seht zu, dass ihr nicht einer vom andern aufgefressen werdet.

Das Leben im Geist

16Ich sage aber: Wandelt im Geist, so werdet ihr das Begehren des Fleisches nicht erfüllen. 17Denn das Fleisch begehrt auf gegen den Geist und der Geist gegen das Fleisch; die sind gegeneinander, sodass ihr nicht tut, was ihr wollt.

5,17
Röm 7,1523
18Regiert euch aber der Geist, so seid ihr nicht unter dem Gesetz.

19

5,19
1. Kor 6,9-10
Offenkundig sind aber die Werke des Fleisches, als da sind: Unzucht, Unreinheit, Ausschweifung, 20Götzendienst, Zauberei, Feindschaft, Hader, Eifersucht, Zorn, Zank, Zwietracht, Spaltungen, 21Neid, Saufen, Fressen und dergleichen. Davon habe ich euch vorausgesagt und sage noch einmal voraus:
5,21
Eph 5,5
Die solches tun, werden das Reich Gottes nicht erben. 22Die
5,22
Eph 5,9
Frucht aber des Geistes ist Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, Güte, Treue, 23Sanftmut, Keuschheit; gegen all dies steht kein Gesetz.

24Die aber Christus Jesus angehören, die

5,24
Röm 6,6
haben ihr Fleisch gekreuzigt samt den Leidenschaften und Begierden. 25Wenn wir
5,25
Röm 8,4
im Geist leben, so lasst uns auch im Geist wandeln. 26Lasst uns nicht nach
5,26
Phil 2,3
eitler Ehre trachten, einander nicht herausfordern und beneiden.

6

Mahnung zur Brüderlichkeit

61Brüder und Schwestern,

6,1
Mt 18,15
Jak 5,19
wenn ein Mensch etwa von einer Verfehlung ereilt wird, so helft ihm wieder zurecht mit sanftmütigem Geist, ihr, die ihr geistlich seid. Und sieh auf dich selbst, dass du nicht auch versucht werdest. 2Einer trage des andern Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.

3Denn wenn jemand meint, er sei etwas, obwohl er doch nichts ist, der betrügt sich selbst. 4Ein jeder aber

6,4
2. Kor 13,5
prüfe sein eigenes Werk; und dann wird er seinen Ruhm bei sich selbst haben und nicht gegenüber einem andern. 5Denn ein jeder wird seine eigene Last tragen.
6,5
Röm 14,12

6Wer aber unterrichtet wird im Wort, der gebe dem, der ihn unterrichtet, Anteil an allen Gütern.

6,6
1. Kor 9,14
7Irret euch nicht! Gott lässt sich nicht spotten. Denn
6,7
Jer 21,14
was der Mensch sät, das wird er ernten. 8Wer auf sein Fleisch sät, der wird von dem Fleisch das Verderben ernten; wer aber auf den Geist sät, der wird von dem Geist das ewige Leben ernten.
6,8
Röm 8,13
9Lasst uns aber
6,9
2. Thess 3,13
Gutes tun und nicht müde werden; denn zu seiner Zeit werden wir auch ernten, wenn wir nicht nachlassen. 10Darum, solange wir noch Zeit haben, lasst uns Gutes tun an jedermann, allermeist aber an des Glaubens Genossen.

Eigenhändiger Briefschluss

11Seht, mit wie großen Buchstaben ich euch schreibe mit eigener Hand!

6,11
1. Kor 16,21
12Die Ansehen haben wollen nach dem Fleisch, die zwingen euch zur Beschneidung, nur
6,12
Kap
damit sie nicht um des Kreuzes Christi willen verfolgt werden. 13Denn nicht einmal sie selbst, die sich beschneiden lassen, halten das Gesetz, sondern sie wollen, dass ihr euch beschneiden lasst, damit sie sich eures Fleisches rühmen können. 14Es sei aber fern von mir,
6,14
1. Kor 1,31
2,2
mich zu rühmen als allein des Kreuzes unseres Herrn Jesus Christus, durch den mir die Welt gekreuzigt ist und ich der Welt. 15Denn
6,15
Kap
es gilt6,15 Luther übersetzte nach anderen Handschriften: »Denn in Christus Jesus gilt«. weder Beschneidung noch Unbeschnittensein, sondern die
6,15
2. Kor 5,17
neue Schöpfung. 16Und alle, die sich nach diesem Maßstab richten –
6,16
Ps 125,5
Friede und Barmherzigkeit über sie und über das Israel Gottes! 17Hinfort mache mir niemand weiter Mühe; denn
6,17
2. Kor 4,10
ich trage die Malzeichen Jesu an meinem Leibe.

18Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus sei mit eurem Geist, Brüder und Schwestern! Amen.