Lutherbibel 2017 (LU17)
2

Die Versammlung der Apostel in Jerusalem

21

2,1
Apg 15,1-29
Danach, vierzehn Jahre später, zog ich abermals hinauf nach Jerusalem mit
2,1
Apg 4,36
Barnabas und nahm auch
2,1
2. Kor 2,13
Titus mit mir. 2Ich zog aber hinauf aufgrund einer Offenbarung und legte ihnen, besonders denen, die das Ansehen hatten, das Evangelium dar, das ich predige unter den Heiden, auf dass ich nicht
2,2
Phil 2,16
vergeblich liefe oder gelaufen wäre. 3Aber selbst Titus, der bei mir war, ein Grieche, wurde nicht gezwungen, sich beschneiden zu lassen.
2,3
Apg 16,3
1. Kor 9,21
4Es hatten sich aber einige falsche Brüder eingedrängt und eingeschlichen, um auszukundschaften unsere Freiheit, die wir in Christus Jesus haben, und uns so zu knechten. 5Denen wichen wir auch nicht eine Stunde und unterwarfen uns ihnen nicht,
2,5
Kap
auf dass die Wahrheit des Evangeliums bei euch bestehen bliebe.

6Von denen aber, die das Ansehen hatten – was sie früher waren, daran liegt mir nichts; denn

2,6
5. Mose 10,17
Röm 2,11
Gott achtet das Ansehen des Menschen nicht –, mir haben die, die das Ansehen hatten, nichts weiter auferlegt. 7Im Gegenteil, da sie sahen, dass mir
2,7
Apg 9,15
Eph 3,1-2
anvertraut war das Evangelium für die Unbeschnittenen so wie Petrus das Evangelium für die Beschnittenen – 8denn der in Petrus wirksam gewesen ist zum Apostelamt für die Beschnittenen, der ist auch in mir wirksam gewesen unter den Heiden –, 9und da sie die
2,9
Röm 15,15
Gnade erkannten, die mir gegeben war, reichten Jakobus und
2,9
Kap
Kephas und Johannes, die als Säulen angesehen werden, mir und Barnabas die rechte Hand und wurden mit uns eins, dass wir unter den Heiden, sie aber unter den Beschnittenen predigen sollten, 10allein dass wir der Armen gedächten – was ich mich auch eifrig bemüht habe zu tun.
2,10
Apg 11,29-30
2. Kor 8,1–9,15

Die Auseinandersetzung in Antiochia

11Als aber Kephas nach Antiochia kam, widerstand ich ihm ins Angesicht, denn er hatte sich ins Unrecht gesetzt. 12Denn bevor einige von Jakobus kamen,

2,12
Apg 11,2-3
aß er mit den Heiden; als sie aber kamen, zog er sich zurück und sonderte sich ab, weil er die aus der Beschneidung fürchtete. 13Und mit ihm heuchelten auch die andern Juden, sodass selbst Barnabas verführt wurde, mit ihnen zu heucheln. 14Als ich aber sah, dass sie nicht richtig handelten nach der Wahrheit des Evangeliums, sprach ich zu Kephas öffentlich vor allen: Wenn du, der du ein Jude bist, heidnisch lebst und nicht jüdisch, warum zwingst du dann die Heiden, jüdisch zu leben?

15Wir sind von Geburt Juden und nicht Sünder aus den Heiden. 16Doch weil wir wissen, dass

2,16
Röm 3,2028
Eph 2,8
der Mensch durch Werke des Gesetzes nicht gerecht wird, sondern durch den Glauben an Jesus Christus, sind auch wir zum Glauben an Christus Jesus gekommen, damit wir gerecht werden durch den Glauben an Christus und nicht durch Werke des Gesetzes; denn durch des Gesetzes Werke wird kein Mensch gerecht2,16 So Luther 1545. 1522 übersetzte er: »gerechtfertigt«.. 17Sollten wir aber, die wir durch Christus gerecht zu werden suchen, sogar selbst als Sünder befunden werden – ist dann Christus ein Diener der Sünde? Das sei ferne! 18Denn wenn ich das, was ich niedergerissen habe, wieder aufbaue, dann mache ich mich selbst zu einem Übertreter.

19Denn

2,19
Röm 7,6
ich bin durchs Gesetz dem Gesetz gestorben, damit ich Gott lebe. Ich bin mit Christus gekreuzigt. 20Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern
2,20
Joh 17,23
Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und
2,20
Kap
sich selbst für mich dahingegeben. 21Ich werfe nicht weg die Gnade Gottes; denn wenn durch das Gesetz die Gerechtigkeit kommt, so ist Christus vergeblich gestorben.

3

Die Gerechtigkeit aus Glauben

31O ihr unverständigen Galater! Wer hat euch bezaubert, denen doch Jesus Christus vor die Augen gemalt war als der Gekreuzigte? 2Das allein will ich von euch erfahren: Habt ihr den Geist empfangen durch des Gesetzes Werke oder durch die Predigt vom Glauben3,2 Andere Übersetzung: »aus dem Hören im Glauben«. So auch in Vers 5.? 3Seid ihr so unverständig? Im Geist habt ihr angefangen, wollt ihr’s denn nun im Fleisch vollenden? 4Habt ihr denn so vieles vergeblich erfahren? Wenn es denn vergeblich war! 5Der euch nun den Geist darreicht und wirkt solche Taten unter euch, tut er’s durch des Gesetzes Werke oder durch die Predigt vom Glauben?

6So hat doch »Abraham Gott geglaubt, und es wurde ihm gerechnet zur Gerechtigkeit« (1. Mose 15,6).

3,6
Röm 4,3
7Erkennt also: Die aus dem Glauben sind, das sind Abrahams Kinder. 8Die Schrift aber hat zuvor gesehen, dass Gott die Heiden durch den Glauben gerecht macht. Darum hat sie Abraham zuvor verkündigt (1. Mose 12,3):
3,8
1. Mose 18,18
»In dir sollen alle Heiden gesegnet werden.« 9So werden nun die, die aus dem Glauben sind, gesegnet mit dem gläubigen Abraham.

10Denn die aus des Gesetzes Werken leben, die sind unter dem Fluch. Denn es steht geschrieben (5. Mose 27,26): »Verflucht sei jeder, der nicht bleibt bei alledem, was geschrieben steht in dem Buch des Gesetzes, dass er’s tue!« 11Dass aber durchs Gesetz niemand gerecht wird vor Gott, ist offenbar; denn

3,11
Röm 1,17
Hebr 10,38
»der Gerechte wird aus Glauben leben« (Hab 2,4). 12Das Gesetz aber ist nicht »aus Glauben«, sondern:
3,12
Röm 10,5
»der Mensch, der es tut, wird dadurch leben« (3. Mose 18,5). 13Christus aber hat uns losgekauft von dem Fluch des Gesetzes, da er
3,13
2. Kor 5,21
zum Fluch wurde für uns – denn es steht geschrieben (5. Mose 21,23): »Verflucht ist jeder, der am Holz hängt« –, 14auf dass der Segen Abrahams zu den Heiden komme durch Christus Jesus und wir den verheißenen Geist empfingen durch den Glauben.

15Brüder und Schwestern, ich will nach menschlicher Weise reden: Man hebt doch das Testament eines Menschen nicht auf, wenn es bestätigt ist, noch setzt man etwas hinzu. 16Nun sind die Verheißungen Abraham zugesagt und seinem Nachkommen. Es heißt nicht: »und den Nachkommen«, als wären viele gemeint, sondern es gilt einem: »und deinem Nachkommen« (1. Mose 22,18), welcher ist Christus. 17Ich meine aber dies: Das Testament, das von Gott zuvor bestätigt worden ist, wird nicht aufgehoben durch das Gesetz, das

3,17
2. Mose 12,40
vierhundertdreißig Jahre danach gegeben wurde, sodass die Verheißung zurückgenommen würde. 18Denn wenn das Erbe durch das Gesetz erworben würde, so würde es nicht durch Verheißung gegeben; Gott aber hat es Abraham durch Verheißung frei geschenkt.

Der Sinn des Gesetzes

19Was soll dann das Gesetz? Es

3,19
Röm 5,20
wurde hinzugefügt um der Übertretungen willen, bis der Nachkomme käme, dem die Verheißung gilt; verordnet wurde es von
3,19
Apg 7,3853
Engeln durch die Hand eines
3,19
5. Mose 5,5
Mittlers. 20Ein Mittler aber ist nicht Mittler eines Einzigen, Gott aber ist
3,20
5. Mose 6,4
Einer. 21Wie? Ist dann das Gesetz gegen Gottes Verheißungen? Das sei ferne! Denn nur, wenn ein Gesetz gegeben worden wäre, das
3,21
5. Mose 6,24
Röm 8,2-4
lebendig machen könnte, käme die Gerechtigkeit wirklich aus dem Gesetz. 22Aber die Schrift
3,22
Röm 3,9-20
11,32
hat alles eingeschlossen unter die Sünde, damit die Verheißung durch den Glauben an Jesus Christus gegeben würde denen, die glauben. 23Ehe aber der Glaube kam, waren wir unter dem Gesetz verwahrt und eingeschlossen, bis der Glaube offenbart werden sollte.
3,23
Kap
24So ist das Gesetz unser Zuchtmeister gewesen auf Christus hin, damit wir durch den Glauben gerecht würden.

Befreiung zur Gotteskindschaft

25Da nun der Glaube gekommen ist,

3,25
Röm 10,4
sind wir nicht mehr unter dem Zuchtmeister. 26Denn ihr seid alle durch den Glauben
3,26
Joh 1,12
Röm 8,1417
Gottes Kinder in Christus Jesus. 27Denn ihr alle, die ihr
3,27
Röm 6,3
auf Christus getauft seid, habt
3,27
Röm 13,14
Christus angezogen. 28Hier ist
3,28
Röm 10,12
nicht Jude noch Grieche, hier ist nicht Sklave noch Freier, hier ist nicht Mann noch Frau; denn
3,28
1. Kor 12,13
ihr seid allesamt einer in Christus Jesus. 29Gehört ihr aber Christus an, so seid ihr ja Abrahams Nachkommen und nach der Verheißung Erben.

4

41Ich sage aber: Solange der Erbe unmündig ist, ist zwischen ihm und einem Knecht kein Unterschied, obwohl er Herr ist über alle Güter; 2sondern er untersteht Vormündern und Verwaltern bis zu der Zeit, die der Vater bestimmt hat. 3So auch wir: Als wir unmündig waren, waren wir geknechtet unter die

4,3
Kol 2,20
Mächte der Welt.

4Als aber

4,4
Mk 1,15
Eph 1,10
die Zeit erfüllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, 5auf dass er die, die unter dem Gesetz waren, loskaufte, damit wir die Kindschaft empfingen. 6Weil ihr nun Kinder seid, hat Gott den Geist seines Sohnes gesandt in unsre Herzen, der da ruft:
4,6
Röm 8,15
Abba, lieber Vater! 7So bist du nun nicht mehr Knecht, sondern Kind; wenn aber Kind, dann auch
4,7
Röm 8,16-17
Erbe durch Gott.

Werben um die Gemeinden

8Aber zu der Zeit, als ihr Gott noch nicht kanntet, dientet ihr denen, die ihrer Natur nach nicht Götter sind. 9Nun aber, da ihr Gott erkannt habt, ja vielmehr von Gott erkannt seid, wie wendet ihr euch dann wieder den schwachen und dürftigen Mächten zu, denen ihr von Neuem dienen wollt? 10Ihr beachtet bestimmte Tage und Monate und Zeiten und Jahre.

4,10
Röm 14,5
Kol 2,16
11Ich fürchte für euch, dass ich vielleicht
4,11
2. Joh 8
vergeblich an euch gearbeitet habe.

12Werdet doch wie ich, denn auch ich wurde wie ihr, Brüder und Schwestern, ich bitte euch. Ihr habt mir kein Leid getan. 13Ihr wisst doch, dass ich euch zuvor

4,13
1. Kor 2,3
in Schwachheit des Leibes das Evangelium gepredigt habe.
4,13
Apg 16,6
14Und obwohl meine leibliche Schwäche euch eine Anfechtung war, habt ihr mich nicht verachtet oder vor mir ausgespuckt, sondern mich wie einen Engel Gottes aufgenommen, ja wie Christus Jesus. 15Wie wart ihr dazumal selig zu preisen! Denn ich bin euer Zeuge: Ihr hättet, wenn es möglich gewesen wäre, eure Augen ausgerissen und mir gegeben. 16Bin ich denn damit euer Feind geworden, dass ich euch die Wahrheit vorhalte?

17Es ist nicht recht, wie sie

4,17
Kap
um euch werben; sie wollen euch ausschließen, damit ihr dann um sie werbt. 18Umworben zu werden, ist gut, wenn’s im Guten geschieht, und zwar immer und nicht nur dann, wenn ich bei euch bin. 19Meine Kinder,
4,19
1. Kor 4,15
die ich abermals unter Wehen gebäre, bis Christus in euch Gestalt gewinne! – 20Ich wollte aber, dass ich jetzt bei euch wäre und mit andrer Stimme zu euch reden könnte; denn ich bin ratlos euretwegen.

Knechtschaft und Freiheit

21Sagt mir, die ihr unter dem Gesetz sein wollt: Hört ihr nicht das Gesetz? 22Denn es steht geschrieben, dass Abraham zwei Söhne hatte,

4,22
1. Mose 16,15
einen von der Magd und
4,22
1. Mose 21,2
einen von der Freien. 23Aber der von der Magd ist nach dem Fleisch geboren worden,
4,23
Röm 9,7-9
der von der Freien aber durch die Verheißung.

24Das ist bildlich zu verstehen: Die beiden Frauen sind zwei Bundesschlüsse, einer vom Berg Sinai, der in die Knechtschaft gebiert; das ist

4,24
1. Mose 16,1-16
Hagar. 25Hagar aber bezeichnet den Berg Sinai in Arabien und ist ein Gleichnis für das jetzige Jerusalem, das mit seinen Kindern in der Knechtschaft lebt. 26Aber
4,26
Hebr 12,22
Offb 21,2
das Jerusalem, das droben ist, das ist die Freie; das ist unsre Mutter. 27Denn es steht geschrieben (Jes 54,1): »Sei fröhlich, du Unfruchtbare, die du nicht gebierst! Brich in Jubel aus und jauchze, die du nicht schwanger bist. Denn die Einsame hat viel mehr Kinder, als die den Mann hat.« 28Ihr aber, Brüder und Schwestern, seid wie Isaak Kinder der Verheißung.

29Aber wie zu jener Zeit der, der nach dem Fleisch geboren war, den verfolgte, der nach dem Geist geboren war, so geht es auch jetzt. 30Doch was spricht die Schrift? »Stoß die Magd hinaus mit ihrem Sohn; denn der Sohn der Magd soll nicht erben mit dem Sohn der Freien« (1. Mose 21,10). 31So sind wir nun nicht Kinder der Magd, sondern der Freien.

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