Lutherbibel 2017 (LU17)
28

Das Gericht über den König von Tyrus

281Und des Herrn Wort geschah zu mir: 2Du Menschenkind, sage dem Fürsten zu Tyrus: So spricht Gott der Herr:

28,2
Jes 31,3
Dan 5,20
Apg 12,23
Weil sich dein Herz überhebt und spricht: »Ich bin ein Gott, ich sitze auf einem Göttersitz mitten im Meer«, während du doch ein Mensch und nicht Gott bist; dennoch überhebt sich dein Herz, als wäre es eines Gottes Herz, – 3siehe, du hältst dich für klüger als
28,3
Kap
Daniel, dass dir nichts verborgen sei, 4und habest dir durch deine Klugheit und deinen Verstand Macht erworben und Schätze von Gold und Silber gesammelt 5und habest in deiner großen Weisheit durch deinen Handel deine Macht gemehrt; nun bist du so stolz geworden, weil du so mächtig bist. 6Darum, so spricht Gott der Herr: Weil sich dein Herz überhebt, als wäre es eines Gottes Herz, 7darum siehe, ich will Fremde über dich schicken, die Gewalttätigsten unter den Völkern;
28,7
Kap
die sollen ihr Schwert zücken gegen deine schöne Weisheit und sollen deinen Glanz entweihen. 8Sie sollen dich
28,8
Kap
hinunterstoßen in die Grube, dass du den Tod eines Erschlagenen stirbst mitten im Meer. 9Was gilt’s, wirst du dann vor deinen Henkern noch sagen: »Ich bin Gott«, während du doch nicht Gott bist, sondern ein Mensch und in der Hand deiner Henker? 10Du sollst den Tod von Unbeschnittenen sterben durch die Hand von Fremden; denn ich habe es geredet, spricht Gott der Herr.

Klagelied über den König von Tyrus

11Und des Herrn Wort geschah zu mir: 12Du Menschenkind,

28,12
Kap
stimm ein Klagelied an über den König von Tyrus und sprich zu ihm: So spricht Gott der Herr: Du warst ein vollendet gestaltetes Siegel, voller Weisheit und über die Maßen schön. 13In Eden warst du, im
28,13
Kap
Garten Gottes, geschmückt mit Edelsteinen jeder Art, mit Sarder, Topas, Diamant, Türkis, Onyx, Jaspis, Saphir, Malachit, Smaragd. Von Gold war die Arbeit deiner Ohrringe und des Perlenschmucks, den du trugst; am Tag, als du geschaffen wurdest, wurden sie bereitet. 14Du warst ein glänzender, schirmender Cherub und auf den heiligen Berg hatte ich dich gesetzt; ein Gott warst du und wandeltest inmitten der feurigen Steine. 15Du warst ohne Tadel in deinem Tun von dem Tage an, als du geschaffen wurdest, bis an dir Missetat gefunden wurde. 16Durch deinen großen Handel wurdest du voll von Gewalttat und hast dich versündigt. Da verstieß ich dich vom Berge Gottes und tilgte dich, du schirmender Cherub, hinweg aus der Mitte der feurigen Steine. 17Weil sich dein Herz erhob, dass du so schön warst, und du deine Weisheit verdorben hast in all deinem Glanz, darum habe ich dich zu Boden gestürzt und ein Schauspiel aus dir gemacht vor den Königen. 18Weil du mit deiner großen Missetat durch unrechten Handel dein Heiligtum entweiht hast, darum habe ich ein Feuer aus dir hervorbrechen lassen, das dich verzehrte und dich zu Asche gemacht hat auf der Erde vor aller Augen. 19Alle, die dich kannten unter den Völkern, haben sich über dich entsetzt, dass du
28,19
Kap
zum Schrecken geworden bist und es aus ist mit dir für immer.

Das Gericht über Sidon

20Und des Herrn Wort geschah zu mir: 21Du Menschenkind, richte dein Angesicht gegen

28,21
Jes 23,2-4
Sidon und weissage gegen die Stadt 22und sprich: So spricht Gott der Herr: Siehe, ich will an dich, Sidon, und will meine Herrlichkeit erweisen in deiner Mitte, damit man erfahren soll, dass ich der Herr bin, wenn ich das Gericht über die Stadt ergehen lasse und an ihr zeige, dass ich heilig bin. 23Und ich will Pest und Blutvergießen in ihre Gassen schicken, und in ihr sollen Erschlagene liegen, gefallen durch das Schwert, das von allen Seiten über sie kommt; und sie sollen erfahren, dass ich der Herr bin. 24Und forthin soll für das Haus Israel von all seinen feindseligen Nachbarn ringsum kein Dorn übrig bleiben, es zu stechen, und kein Gestrüpp, ihm wehe zu tun, damit sie erfahren, dass ich Gott der Herr bin.

Israels Heil nach dem Gericht

25So spricht Gott der Herr: Wenn ich das Haus Israel wieder sammle aus den Völkern, unter die sie zerstreut sind, so will ich an ihnen vor den Augen der Völker zeigen, dass ich heilig bin. Und sie sollen wohnen in ihrem Lande, das ich meinem Knecht Jakob gegeben habe, 26und sollen darin sicher wohnen und Häuser bauen und Weinberge pflanzen. Ja, sicher sollen sie wohnen, wenn ich das Gericht ergehen lasse über alle ihre Feinde rings um sie her, und sie sollen erfahren, dass ich, der Herr, ihr Gott bin.

29

Das Schicksal Ägyptens

(vgl. Jes 19,1–20,6; Jer 46,2-28)

291Im zehnten Jahr am zwölften Tag des zehnten Monats geschah des Herrn Wort zu mir: 2Du Menschenkind, richte dein Angesicht gegen den Pharao, den König von Ägypten, und weissage gegen ihn und gegen ganz Ägypten. 3Rede und sprich:

So spricht Gott der Herr: Siehe, ich will an dich, Pharao, du König von Ägypten, du großer

29,3
Kap
Drache, der in seinem Strom liegt und spricht: »Der Nil ist mein und ich habe ihn mir gemacht.« 4Aber ich will dir Haken ins Maul legen und die Fische in deinem Strom an deine Schuppen hängen und will dich aus deinem Strom herausziehen samt allen Fischen in deinem Strom, die an deinen Schuppen hängen. 5Ich will dich und alle Fische aus deinem Strom in die Wüste werfen; du wirst aufs Land fallen und nicht wieder aufgelesen und gesammelt werden, sondern ich gebe dich den Tieren auf dem Land und den Vögeln des Himmels zum Fraß. 6Und alle, die in Ägypten wohnen, sollen erfahren, dass ich der Herr bin.

Weil du dem Hause Israel ein

29,6
2. Kön 18,21
Rohrstab gewesen bist – 7wenn sie dich mit der Hand anfassten, so brachst du und stachst sie in die Seite; und wenn sie sich auf dich lehnten, so brachst du entzwei und alle Hüften wankten –, 8darum, so spricht Gott der Herr: Siehe, ich will das Schwert über dich kommen lassen und Menschen und Vieh in dir ausrotten. 9Und Ägyptenland soll zur Wüste und Öde werden, und sie sollen erfahren, dass ich der Herr bin.

Weil du sprichst: »Der Nil ist mein und ich bin’s, der ihn gemacht hat«, – 10darum siehe, ich will an dich und an deine Wasserströme und will Ägyptenland zur Wüste und Öde machen

29,10
Kap
von Migdol bis nach Syene und bis an die Grenze von Kusch, 11dass
29,11
4. Mose 14,33-34
vierzig Jahre lang weder Mensch noch Tier das Land durchziehen oder darin wohnen soll. 12Denn ich will Ägyptenland zur Wüste machen inmitten verwüsteter Länder und ihre Städte in Trümmern liegen lassen inmitten verwüsteter Städte vierzig Jahre lang und will die Ägypter zerstreuen unter die Völker, und in die Länder will ich sie verjagen.

13Denn so spricht Gott der Herr: Wenn die vierzig Jahre um sein werden, will ich die Ägypter wieder sammeln aus den Völkern, unter die sie zerstreut werden sollen, 14und will das Geschick Ägyptens wenden und sie wieder ins Land Patros bringen, in ihr Vaterland; aber sie sollen dort nur ein kleines Königreich sein. 15Sie sollen kleiner sein als andere Reiche und nicht mehr sich erheben über die Völker, und ich will sie gering machen, dass sie nicht über die Völker herrschen sollen, 16damit sich das Haus Israel nicht mehr auf sie verlässt und sich damit versündigt, wenn es sich an sie hängt; und sie sollen erfahren, dass ich Gott der Herr bin.

Ägypten als Lohn für Nebukadnezar

17Und es begab sich im siebenundzwanzigsten Jahr am ersten Tag des ersten Monats, da geschah des Herrn Wort zu mir: 18Du Menschenkind! Nebukadnezar, der König von Babel, hat sein Heer in hartem Dienst vor Tyrus arbeiten lassen, sodass alle Häupter kahl wurden und alle Schultern wund gerieben waren; und doch ist weder ihm noch seinem Heer all die Arbeit vor Tyrus belohnt worden. 19Darum, so spricht Gott der Herr: Siehe, ich will Nebukadnezar, dem König von Babel, Ägyptenland geben, dass er all ihr Gut wegnehmen und sie berauben und plündern soll, damit er seinem Heer den Sold gebe. 20Zum Lohn für die Arbeit, die er vor Tyrus getan hat, will ich ihm das Land Ägypten geben; denn sie haben für mich gearbeitet, spricht Gott der Herr.

21Zur selben Zeit will ich dem Hause Israel wieder Macht geben und will deinen Mund unter ihnen auftun, damit sie erfahren, dass ich der Herr bin.

30

Der Sturz Ägyptens

301Und des Herrn Wort geschah zu mir: 2Du Menschenkind, weissage und sprich: So spricht Gott der Herr: Heulet! Wehe, was für ein Tag! 3Denn der Tag ist nahe, ja,

30,3
Joel 1,15
Zef 1,14
des Herrn Tag ist nahe, ein finsterer Tag; die Zeit der Völker kommt. 4Und das Schwert soll über Ägypten kommen, und Kusch wird erschrecken, wenn die Erschlagenen in Ägypten fallen und sein Reichtum weggenommen und seine Grundfesten eingerissen werden. 5Kusch und Put und Lud mit allerlei fremdem Volk und Kub und ihre Verbündeten sollen mit ihnen durchs Schwert fallen.
30,5
Jer 46,9

6So spricht der Herr: Alle, die Ägypten stützen, müssen fallen, und seine stolze Macht muss herunter.

30,6
Kap
Von Migdol bis nach Syene sollen sie durchs Schwert fallen, spricht Gott der Herr. 7Und sie sollen inmitten verwüsteter Länder zur Wüste werden und ihre Städte inmitten verwüsteter Städte in Trümmern liegen, 8damit sie erfahren, dass ich der Herr bin, wenn ich Feuer an Ägypten lege, sodass alle, die ihnen helfen, zunichtewerden.

9Zur selben Zeit werden Boten von mir ausziehen in Schiffen,

30,9
Jes 20,3-4
um Kusch zu schrecken, das jetzt so sicher ist, und es wird ein Schrecken über sie kommen am Tage Ägyptens; denn siehe, das kommt gewiss.

10So spricht Gott der Herr: Ich will dem Reichtum Ägyptens ein Ende machen durch Nebukadnezar, den König von Babel. 11Er und sein Volk,

30,11
Kap
die Gewalttätigsten unter den Völkern, werden herangebracht werden, um das Land zu verderben, und werden ihre Schwerter ziehen gegen Ägypten, dass das Land überall voll Erschlagener liegt. 12Und
30,12
Jes 19,5
ich will die Ströme austrocknen und das Land an böse Leute verkaufen und will das Land und was darin ist durch Fremde verwüsten lassen. Ich, der Herr, habe es geredet.

13So spricht Gott der Herr: Ich will von Memphis die Götzen ausrotten und die Abgötter vertilgen, und Ägypten soll keinen Fürsten mehr haben, und ich will Schrecken über Ägyptenland bringen. 14Ich will Patros zur Wüste machen und an Zoan Feuer legen und das Gericht über

30,14
Nah 3,8-9
No ergehen lassen 15und will meinen Grimm ausschütten über Sin, die Festung Ägyptens, und will den Reichtum von No vernichten. 16Ich will Feuer an Ägypten legen, und Sin soll es angst und bange werden, und No soll erobert und Memphis täglich geängstigt werden. 17Die junge Mannschaft von On und Pi-Beset soll durchs Schwert fallen und die Frauen gefangen weggeführt werden. 18In
30,18
Jer 43,9
Tachpanhes wird sich der Tag verfinstern, wenn ich dort das Zepter Ägyptens zerbreche und seine stolze Macht ein Ende nimmt. Die Stadt wird mit Wolken bedeckt werden, und ihre Töchter werden gefangen weggeführt werden. 19Und ich will das Gericht über Ägypten ergehen lassen, damit sie erfahren, dass ich der Herr bin.

Pharao und der König von Babel

20Und es begab sich im elften Jahr am siebenten Tag des ersten Monats, da geschah des Herrn Wort zu mir: 21Du Menschenkind, ich habe den Arm des Pharao, des Königs von Ägypten, zerbrochen, und siehe, er ist nicht verbunden worden, dass er wieder heilen könnte, auch nicht mit Binden umwickelt, dass er wieder stark würde und ein Schwert fassen könnte.

22Darum, so spricht Gott der Herr: Siehe, ich will an den Pharao, den König von Ägypten, und will seine Arme zerbrechen, den gesunden und den zerbrochenen, dass ihm das Schwert aus der Hand fallen muss, 23und will die Ägypter unter die Völker zerstreuen und in die Länder verjagen. 24Aber die Arme des Königs von Babel will ich stärken und ihm mein Schwert in die Hand geben und will die Arme des Pharao zerbrechen, dass er vor ihm stöhnen soll wie ein tödlich Verwundeter. 25Ja, ich will die Arme des Königs von Babel stärken, aber die Arme des Pharao sollen sinken, damit sie erfahren, dass ich der Herr bin, wenn ich mein Schwert dem König von Babel in die Hand gebe, damit er’s gegen Ägyptenland zücke, 26und ich die Ägypter unter die Völker zerstreue und in die Länder verjage, damit sie erfahren, dass ich der Herr bin.