Lutherbibel 2017 (LU17)
10

Die Herrlichkeit Gottes über den Cherubim

(vgl. Kap 1,4-28)

101Und ich sah, und siehe, an der Himmelsfeste über dem Haupt der Cherubim glänzte es wie ein Saphir, und über ihnen war etwas zu sehen wie ein Thron. 2Und er sprach zu dem

10,2
Kap
Mann in dem leinenen Gewand: Geh hinein zwischen das Räderwerk unter dem Cherub und
10,2
Offb 8,5
fülle deine Hände mit glühenden Kohlen, die zwischen den Cherubim sind, und streue sie über die Stadt. Und er ging hinein vor meinen Augen. 3Die Cherubim aber standen zur Rechten am Hause des Herrn, als der Mann hineinging, und die Wolke erfüllte den inneren Vorhof.

4Und

10,4
Kap
die Herrlichkeit des Herrn erhob sich von dem Cherub zur Schwelle des Hauses, und
10,4
2. Mose 40,34
Jes 6,4
das Haus wurde erfüllt mit der Wolke und der Vorhof mit dem Glanz der Herrlichkeit des Herrn. 5Und man hörte die Flügel der Cherubim rauschen bis in den äußeren Vorhof wie die Stimme des allmächtigen Gottes, wenn er redet. 6Und als er dem Mann in dem leinenen Gewand geboten hatte: »Nimm von dem Feuer zwischen dem Räderwerk zwischen den Cherubim«, ging dieser hinein und trat neben das Rad. 7Und der Cherub streckte seine Hand aus der Mitte der Cherubim hin zum Feuer, das zwischen den Cherubim war, nahm davon und gab es dem Mann in dem leinenen Gewand in die Hände; der empfing es und ging hinaus. 8Und es erschien an den Cherubim etwas wie eines Menschen Hand unter ihren Flügeln.

9Und ich sah, und siehe, vier Räder standen bei den Cherubim, bei jedem Cherub ein Rad, und die Räder sahen aus wie ein Türkis, 10und alle vier sahen eins wie das andere aus; es war, als wäre ein Rad im andern. 11Wenn sie gehen sollten, so konnten sie nach allen ihren vier Seiten gehen; sie brauchten sich im Gehen nicht umzuwenden; sondern wohin das erste ging, da gingen die andern nach, ohne sich im Gehen umzuwenden. 12Und ihr ganzer Leib, Rücken, Hände und Flügel und die Räder waren voller Augen um und um, an allen vier Rädern. 13Und die Räder wurden vor meinen Ohren »das Räderwerk« genannt. 14Ein

10,14
Kap
jeder hatte vier Angesichter; das erste Angesicht war das eines Cherubs, das zweite das eines Menschen, das dritte das eines Löwen, das vierte das eines Adlers. 15Und die Cherubim hoben sich empor.
10,15
Kap
Es war aber dasselbe Wesen, das ich am Fluss Kebar gesehen hatte. 16Wenn die Cherubim gingen, so gingen auch die Räder neben ihnen, und wenn die Cherubim ihre Flügel schwangen, dass sie sich von der Erde erhoben, so wandten sich auch die Räder nicht von ihrer Seite weg. 17Wenn jene standen, so standen diese auch; erhoben sie sich, so erhoben sich diese auch; denn der Odem dieses Wesens war in ihnen.

18Und die Herrlichkeit des Herrn ging hinaus von der Schwelle des Tempels und stellte sich über die Cherubim.

10,18
Kap
19Da schwangen die Cherubim ihre Flügel und erhoben sich von der Erde vor meinen Augen, und als sie hinausgingen, gingen die Räder mit. Und sie traten in den Eingang des östlichen Tores am Hause des Herrn, und die Herrlichkeit des Gottes Israels war oben über ihnen. 20Das war das Wesen, das ich unter dem Gott Israels am Fluss Kebar gesehen hatte; und ich merkte, dass es Cherubim waren. 21Vier Angesichter hatte jeder und vier Flügel und etwas wie Menschenhände unter den Flügeln. 22Und ihre Angesichter waren so gestaltet, wie ich sie am Fluss Kebar gesehen hatte; und sie gingen in der Richtung eines ihrer Angesichter, wie sie wollten.

11

Gottes Gericht über die Obersten des Volkes

111Und

11,1
Kap
ein Wind hob mich empor und brachte mich zum östlichen Tor am Hause des Herrn, das gen Morgen sieht. Und siehe, im Eingang des Tores waren fünfundzwanzig Männer, und ich sah unter ihnen Jaasanja, den Sohn Asurs, und Pelatja, den Sohn Benajas, die Obersten im Volk. 2Und er sprach zu mir: Menschenkind, das sind die Männer, die Unheil planen und schädlichen Rat geben in dieser Stadt; 3denn sie sprechen: »Sind nicht vor Kurzem die Häuser wieder aufgebaut worden?
11,3
Kap
Die Stadt ist der Topf, wir sind das Fleisch.« 4Darum weissage gegen sie! Weissage, Menschenkind!

5Und der Geist des Herrn fiel auf mich, und er sprach zu mir: Sage: So spricht der Herr: So habt ihr geredet, ihr vom Hause Israel; und eures Geistes Gedanken kenne ich wohl. 6Ihr habt viele erschlagen in dieser Stadt, und ihre Gassen liegen voll Toter. 7Darum, so spricht Gott der Herr: Die ihr in der Stadt erschlagen habt, die sind das Fleisch, und sie ist der Topf; aber ihr müsst hinaus. 8Das Schwert fürchtet ihr, und das Schwert will ich über euch kommen lassen, spricht Gott der Herr. 9Ich will euch aus der Stadt hinaustreiben und Fremden in die Hand geben und will Gericht über euch halten. 10Ihr

11,10
2. Kön 25,20-21
sollt durchs Schwert fallen; an der Grenze Israels will ich euch richten; und ihr sollt erfahren, dass ich der Herr bin. 11Die Stadt aber soll für euch nicht der Topf sein noch ihr das Fleisch darin, sondern an der Grenze Israels will ich euch richten. 12Und ihr sollt erfahren, dass ich der Herr bin; denn ihr seid nach meinen Geboten nicht gewandelt und habt meine Ordnungen nicht gehalten, sondern habt gelebt nach den Ordnungen der Heiden, die um euch her sind.

13Und als ich noch so weissagte, starb Pelatja, der Sohn Benajas. Da fiel ich auf mein Angesicht und schrie mit lauter Stimme und sprach:

11,13
Kap
Ach, Herr Herr, willst du dem Rest Israels ganz und gar ein Ende machen?

Das neue Herz

14Da geschah des Herrn Wort zu mir: 15Du Menschenkind, die Leute, die noch in Jerusalem wohnen, sagen von deinen Brüdern und Verwandten und dem ganzen Haus Israel: Sie sind ferne vom Herrn, aber uns ist das Land zum Eigentum gegeben.

16Darum sage: So spricht Gott der Herr: Ja,

11,16
Kap
ich habe sie fern weg unter die Heiden vertrieben und in die Länder zerstreut und bin ihnen nur wenig zum Heiligtum geworden in den Ländern, in die sie gekommen sind. 17
11,17
Jer 32,37-39
Darum sage: So spricht Gott der Herr:
11,17
Jer 24,5-6
29,14
Ich will euch zusammenbringen aus den Völkern und will euch sammeln aus den Ländern, in die ihr zerstreut seid, und will euch das Land Israels geben. 18Dorthin sollen sie kommen und alle seine Götzen und Gräuel daraus wegtun. 19
11,19
Kap
Und ich will ihnen ein anderes Herz geben und einen neuen Geist in sie geben und
11,19
Kap
will das steinerne Herz wegnehmen aus ihrem Leibe und ihnen
11,19
Jer 24,7
ein fleischernes Herz geben, 20damit sie in meinen Geboten wandeln und meine Ordnungen halten und danach tun. Und
11,20
Kap
sie sollen mein Volk sein, und ich will ihr Gott sein. 21Denen aber, die mit ihrem Herzen ihren Götzen und ihren Gräueln nachwandeln, will ich ihr Tun auf ihren Kopf kommen lassen, spricht Gott der Herr.

Die Herrlichkeit Gottes verlässt Jerusalem

22

11,22
Kap
Da schwangen die Cherubim ihre Flügel und die Räder gingen mit, und die Herrlichkeit des Gottes Israels war oben über ihnen. 23Und die Herrlichkeit des Herrn erhob sich aus der Stadt und stellte sich auf den
11,23
Kap
Berg, der im Osten vor der Stadt liegt. 24Und
11,24
Kap
ein Wind hob mich empor und brachte mich nach Chaldäa zu den Weggeführten in einem Gesicht durch den Geist Gottes. Und das Gesicht, das ich geschaut hatte, verschwand vor mir. 25Und ich sagte den Weggeführten alle Worte des Herrn, die er mir gezeigt hatte.

12

Die Wegführung von König und Volk

121Und des Herrn Wort geschah zu mir: 2Du Menschenkind, du wohnst in einem Haus des Widerspruchs;

12,2
Jer 5,21
sie haben Augen zu sehen und sehen nicht, und Ohren zu hören und hören nicht; denn sie sind ein Haus des Widerspruchs. 3Du aber, Menschenkind, pack dir Sachen wie für die Verbannung und zieh am hellen Tage fort vor ihren Augen. Von deinem Ort sollst du ziehen an einen andern Ort vor ihren Augen; vielleicht sehen sie es. Denn sie sind ein Haus des Widerspruchs. 4Du sollst deine Sachen am hellen Tage vor ihren Augen herausschaffen wie Gepäck für die Verbannung und am Abend hinausziehen vor ihren Augen, wie man zur Verbannung auszieht; 5und du sollst dir vor ihren Augen ein Loch durch die Wand brechen und da hinausziehen, 6und du sollst deine Schulter vor ihren Augen beladen und hinausziehen, wenn es dunkel wird! Dein Angesicht sollst du verhüllen, damit du das Land nicht siehst. Denn ich habe dich für das Haus Israel zum
12,6
Kap
Wahrzeichen gesetzt. 7Und ich tat, wie mir befohlen war, und trug mein Gepäck hinaus wie Gepäck für die Verbannung am hellen Tage, und am Abend brach ich mit der Hand ein Loch durch die Wand. Und als es dunkel wurde, belud ich meine Schulter und zog hinaus vor ihren Augen.

8Und frühmorgens geschah des Herrn Wort zu mir: 9Du Menschenkind, hat das Haus Israel, das Haus des Widerspruchs, nicht zu dir gesagt: Was machst du da? 10Sage zu ihnen: So spricht Gott der Herr: Diese Last12,10 Siehe Sach- und Worterklärungen. trifft den Fürsten zu Jerusalem und das ganze Haus Israel, das dort wohnt. 11Sprich: Ich bin euer Wahrzeichen. Wie ich getan habe, so wird ihnen geschehen: In die Verbannung müssen sie und gefangen weggeführt werden. 12

12,12
2. Kön 25,4
Ihr Fürst wird seine Habe auf die Schulter laden, wenn es dunkel wird, und ein Loch durch die Wand brechen und da hinausziehen; sein Angesicht wird er verhüllen, dass er nicht mit seinen Augen das Land sehe. 13Ich aber will
12,13
Kap
mein Netz über ihn werfen, dass er in meinem Garn gefangen werde, und will ihn nach Babel bringen in der Chaldäer Land,
12,13
Jer 39,7
das er jedoch nicht sehen wird, und dort soll er sterben. 14Und alle, die um ihn her sind, seine Helfer und seinen ganzen Anhang, will ich in alle Winde zerstreuen und das Schwert ziehen hinter ihnen her. 15Dann sollen sie erfahren, dass ich der Herr bin, wenn ich sie unter die Völker verstoße und in die Länder zerstreue. 16Aber
12,16
Kap
ich will von ihnen einige wenige übrig lassen vor dem Schwert, dem Hunger und der Pest. Die sollen von all ihren Gräueltaten erzählen unter den Heiden, zu denen sie kommen werden; und sie sollen erfahren, dass ich der Herr bin.

17Und des Herrn Wort geschah zu mir: 18Du Menschenkind, du sollst dein Brot essen mit Beben und dein Wasser trinken mit Zittern und Sorgen. 19Und sage zum Volk des Landes: So spricht Gott der Herr zu den Einwohnern Jerusalems über das Land Israels: Sie müssen ihr Brot essen mit Sorgen und ihr Wasser trinken mit Schaudern; denn ihr Land soll wüst werden und leer von allem, was darin ist, um der Gewalttat willen all seiner Bewohner. 20Und die Städte, die bewohnt sind, sollen verwüstet werden und das Land öde; und ihr werdet erfahren, dass ich der Herr bin.

Zweifel an der Weissagung

21Und des Herrn Wort geschah zu mir: 22Du Menschenkind, was habt ihr da für ein Sprichwort im Lande Israels? Ihr sagt:

12,22
2. Petr 3,4
»Die Zeit vergeht, und es wird nichts aus der Weissagung.« 23Darum sage zu ihnen: So spricht Gott der Herr: Ich will diesem Sprichwort ein Ende machen, dass es nicht mehr umgehen soll in Israel. Sage vielmehr zu ihnen: Die Zeit ist nahe und
12,23
Hab 2,3
alles kommt, was geweissagt ist. 24Denn es soll hinfort keine trügenden Gesichte und keine falsche Offenbarung mehr geben im Hause Israel. 25Denn ich bin der Herr, ich rede! Was ich rede, das soll geschehen und sich nicht lange hinausziehen, sondern in eurer Zeit, du Haus des Widerspruchs, rede ich ein Wort und tue es auch, spricht Gott der Herr.

26Und des Herrn Wort geschah zu mir: 27Du Menschenkind, siehe, das Haus Israel spricht: Mit den Gesichten, die dieser schaut, dauert’s noch lange, und er weissagt auf Zeiten, die noch ferne sind. 28Darum sage ihnen: So spricht Gott der Herr: Keines meiner Worte wird sich lange hinausziehen. Was ich rede, soll geschehen, spricht Gott der Herr.