Lutherbibel 2017 (LU17)
6

61Es ist ein Unglück, das ich sah unter der Sonne, und es liegt schwer auf den Menschen: 2Da ist einer, dem Gott Reichtum, Güter und Ehre gegeben hat, und es mangelt ihm nichts, was sein Herz begehrt; aber Gott gibt ihm doch nicht Macht, es zu genießen, sondern ein Fremder verzehrt es. Das ist auch eitel und ein schlimmes Leiden. 3Wenn einer auch hundert Kinder zeugte und hätte ein so langes Leben, dass er sehr alt würde, aber sein Herz sättigte sich nicht mit Gutem und er bliebe ohne Grab, von dem sage ich:

6,3
Kap
Eine Fehlgeburt hat es besser als er. 4Denn sie kommt ohne Leben, und in Finsternis fährt sie dahin, und ihr Name bleibt von Finsternis bedeckt, 5auch hat sie die Sonne nicht gesehen noch gekannt; so hat sie mehr Ruhe als jener. 6Und ob er auch zweitausend Jahre lebte und hätte nichts Gutes genossen: fährt nicht alles dahin an einen Ort?

7Alles Mühen des Menschen ist für seinen Mund, aber

6,7
Kap
sein Verlangen bleibt ungestillt. 8Denn was hat ein Weiser dem Toren voraus? Was hilft’s dem Armen, dass er versteht, unter den Lebenden zu wandeln? 9Es ist besser, zu gebrauchen, was vor Augen ist, als nach anderm zu verlangen. Das ist auch eitel und Haschen nach Wind.

Der Mensch hat keine Macht über sein Leben

10Was da ist, ist längst mit Namen genannt, und bestimmt ist, was ein Mensch sein wird.

6,10
Hiob 9,2-432
Darum kann er nicht hadern mit dem, der ihm zu mächtig ist. 11Denn je mehr Worte, desto mehr Eitelkeit; was hat der Mensch davon? 12Denn wer weiß, was dem Menschen nützlich ist im Leben, in seinen kurzen, eitlen Tagen, die er verbringt
6,12
1. Chr 29,15
Ps 144,4
wie einen Schatten? Oder wer will dem Menschen sagen, was nach ihm kommen wird unter der Sonne?

7

Von der wahren Weisheit

71Ein

7,1
Spr 22,1
guter Ruf ist besser als gute Salbe und der Tag des Todes besser als der Tag der Geburt. 2Es ist besser, in ein Haus zu gehen, wo man trauert, als in ein Haus, wo man feiert; denn da zeigt sich das Ende aller Menschen, und der Lebende nehme es zu Herzen! 3Trauern ist besser als Lachen; denn durch Trauern wird das Herz gebessert. 4Das Herz der Weisen ist dort, wo man trauert, aber das Herz der Toren dort, wo man sich freut.

5Es ist besser, das Schelten des Weisen zu hören als den Gesang der Toren. 6Denn wie das Krachen der Dornen unter den Töpfen, so ist das Lachen der Toren; auch das ist eitel.

7Unrechter Gewinn macht den Weisen zum Toren, und Bestechung verdirbt das Herz. 8Der Ausgang einer Sache ist besser als ihr Anfang. Ein Geduldiger ist besser als ein Hochmütiger. 9

7,9
Jak 1,19
Sei nicht schnell, dich zu ärgern; denn Ärger ruht im Herzen des Toren. 10Sprich nicht: Wie kommt’s, dass die früheren Tage besser waren als diese? Denn du fragst das nicht in Weisheit.

11Weisheit ist gut mit einem Erbteil und hilft denen, die die Sonne sehen. 12Denn wie Geld beschirmt, so beschirmt auch Weisheit; Wissen aber gewinnt

7,12
Spr 3,1-2
Weisheit, und sie gibt Leben dem, der sie hat.

13Sieh an die Werke Gottes; denn

7,13
Kap
wer kann das gerade machen, was er krümmt? 14Am guten Tage sei guter Dinge, und am bösen Tag bedenke: Diesen hat Gott geschaffen wie jenen, damit der Mensch nicht wissen soll, was künftig ist.

15Dies alles hab ich gesehen in den Tagen meines eitlen Lebens:

7,15
Kap
Da ist ein Gerechter, der geht zugrunde in seiner Gerechtigkeit, und da ist ein Gottloser, der lebt lange in seiner Bosheit. 16Sei nicht allzu gerecht und nicht allzu weise, damit du dich nicht zugrunde richtest.
7,16
Lk 18,11-12
17Sei nicht allzu gottlos und sei kein Tor, damit du nicht stirbst vor deiner Zeit. 18Es ist gut, wenn du dich an das eine hältst und auch jenes nicht aus der Hand lässt; denn wer Gott fürchtet, der entgeht dem allen.

19Die Weisheit macht den Weisen stärker als zehn Gewaltige, die in der Stadt sind. 20Denn es ist kein Mensch so gerecht auf Erden, dass er

7,20
Ps 14,3
nur Gutes tue und nicht sündige. 21Nimm auch nicht zu Herzen alles, was man sagt, dass du nicht hören musst, wie dein Knecht dir flucht; 22denn dein Herz weiß, dass du andern auch oftmals geflucht hast. 23Das alles habe ich versucht mit der Weisheit. Ich dachte, ich will weise werden, sie blieb aber ferne von mir. 24Fern ist, was war, und sehr tief; wer will’s finden?

25Ich richtete meinen Sinn darauf, zu erfahren und zu erforschen und zu suchen Weisheit und Einsicht und zu erkennen, dass

7,25
Ps 14,1
Gottlosigkeit Torheit ist und Narrheit Tollheit. 26Und ich fand, bitterer als der Tod sei eine Frau, die ein Fangnetz ist und Stricke ihr Herz und Fesseln ihre Hände. Wer Gott gefällt, der wird ihr entrinnen; aber der Sünder wird durch sie gefangen.
7,26
Spr 2,16-22
27Schau, das habe ich gefunden, spricht der Prediger, eins nach dem andern, dass ich Erkenntnis fände; 28ich suchte immerfort und hab’s nicht gefunden: Unter tausend habe ich einen einzigen Mann gefunden, aber eine Frau habe ich unter diesen allen nicht gefunden. 29Schau, allein das hab ich gefunden: Gott hat den Menschen aufrichtig gemacht; aber sie suchen viele Künste.

8

81Wer ist wie der Weise, und wer versteht etwas zu deuten? Die Weisheit des Menschen erleuchtet sein Angesicht und das Angesicht verliert seine Härte.

Das Unrecht in der Welt

2Achte auf das Wort des Königs und halte den Eid bei Gott! 3Eile nicht fort vom Angesicht des Königs und halte dich nicht zu einer bösen Sache; denn er tut alles, was er will. 4In des Königs Wort ist Gewalt, und wer darf zu ihm sagen: Was machst du?

5Wer das Gebot hält, wird nichts Böses erfahren; und eines Weisen Herz weiß um Zeit und Gericht. 6Denn

8,6
Kap
jedes Vorhaben hat seine Zeit und sein Gericht, und des Menschen Bosheit liegt schwer auf ihm. 7Denn er weiß nicht, was geschehen wird, ja
8,7
Kap
wer will ihm sagen, wie es werden wird? 8Der Mensch hat keine Macht, den Wind aufzuhalten, und hat keine Macht über den Tag des Todes, und keiner bleibt verschont im Krieg, und das gottlose Treiben rettet den Gottlosen nicht. 9Das alles habe ich gesehen und richtete mein Herz auf alles Tun, das unter der Sonne geschieht. Ein Mensch herrscht zuzeiten über den andern zu seinem Unglück.

Unbegreifliches vor Gott

10Und weiter sah ich Gottlose, die begraben wurden und zur Ruhe kamen; aber die recht getan hatten, mussten hinweg von heiliger Stätte und wurden vergessen in der Stadt. Das ist auch eitel.

11Weil

8,11
Hiob 35,15-16
Mal 3,14-15
das Urteil über böses Tun nicht sogleich ergeht, wird das Herz der Menschen voll Begier, Böses zu tun. 12
8,12
Ps 37,18
73,17-26
Wenn ein Sünder auch hundertmal Böses tut und lange lebt, so weiß ich doch, dass es wohlgehen wird denen, die Gott fürchten, die sein Angesicht scheuen. 13Aber dem Gottlosen wird es nicht wohlgehen, und wie der Schatten wird nicht lange leben, wer sich vor Gott nicht fürchtet.

14Es ist eitel, was auf Erden geschieht:

8,14
Kap
Es gibt Gerechte, denen geht es, als hätten sie Werke der Gottlosen getan, und es gibt Gottlose, denen geht es, als hätten sie Werke der Gerechten getan. Ich sprach: Das ist auch eitel. 15Darum pries ich die Freude, dass der Mensch
8,15
Kap
nichts Besseres hat unter der Sonne, als zu essen und zu trinken und fröhlich zu sein. Das bleibt ihm bei seinem Mühen sein Leben lang, das Gott ihm gibt unter der Sonne.

16Ich richtete mein Herz darauf, zu erkennen die Weisheit und zu schauen die Mühe, die auf Erden geschieht, dass einer weder Tag noch Nacht Schlaf bekommt in seine Augen. 17Und ich sah alles Tun Gottes. Denn

8,17
Kap
ein Mensch kann das Tun nicht ergründen, das unter der Sonne geschieht. Je mehr der Mensch sich müht zu suchen, desto weniger findet er. Und auch wenn der Weise meint: »Ich weiß es«, so kann er’s doch nicht finden.

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