Lutherbibel 2017 (LU17)
1

Susanna und Daniel

(Zusatz am Anfang des Buches)

111,1 Andere Bibelausgaben fügen die Geschichte als Kapitel 13 an das Buch Daniel an.Es wohnte ein Mann in Babylon mit Namen Jojakim; 2der hatte eine Frau, die hieß Susanna, eine Tochter Hilkijas; die war sehr schön und fürchtete den Herrn. 3Denn sie hatte fromme Eltern,

1,3
5. Mose 6,6-7
die ihre Tochter nach dem Gesetz des Mose unterwiesen hatten. 4Und Jojakim war sehr reich und hatte
1,4
Jer 29,5-7
einen schönen Garten an seinem Hause. Und die Juden kamen stets bei ihm zusammen, weil er der Angesehenste von allen war.

5Es wurden aber im selben Jahr zwei Älteste aus dem Volk als Richter bestellt; das waren solche Leute, von denen der Herr gesagt hatte: Unrecht ging aus von Babylon von den Ältesten und Richtern, die das Volk zu leiten schienen. 6Die kamen täglich in Jojakims Haus; und wer eine Streitsache hatte, musste dorthin vor sie kommen.

7Und wenn das Volk mittags weggegangen war, kam Susanna, um sich im Garten ihres Mannes zu ergehen. 8Und als die beiden Ältesten sie täglich dorthin kommen und umhergehen sahen, entbrannten sie in Begierde nach ihr 9und

1,9
Spr 6,32
wurden darüber zu Narren und
1,9
Mt 5,28-29
warfen die Augen so sehr auf sie, dass sie nicht mehr zum Himmel aufsehen konnten und nicht mehr an gerechte Urteile dachten. 10Sie waren beide zugleich für sie entbrannt, verrieten jedoch einander ihre Leidenschaft nicht 11und schämten sich, einander ihre Begierde zu verraten; denn jeder hätte sich gern zu ihr gelegt. 12Und sie warteten täglich gespannt auf sie, um sie nur sehen zu können.

13Es sprach aber einer zum andern: Komm, lass uns heimgehen! Denn es ist nun Essenszeit. Und sie gingen hinaus und trennten sich. 14Danach kehrte jeder wieder um und sie kamen an derselben Stelle wieder zusammen. Als nun einer den andern nach dem Grund fragte, bekannten sie beide ihre Begierde. Danach kamen sie miteinander überein, darauf zu warten, wann sie die Frau allein finden könnten.

15Und als sie auf einen günstigen Tag lauerten, kam Susanna wie an den Tagen davor nur mit zwei Mägden in den Garten und wollte baden; denn es war sehr heiß.

1,15
2. Sam 11,2
16Und es war dort keiner außer den beiden Ältesten, die sich heimlich versteckt hatten und auf sie lauerten. 17Und sie sagte zu ihren Mägden: Holt mir Öl und Salben und schließt die Türen des Gartens zu, damit ich baden kann! 18Und die Mägde taten, wie sie befohlen hatte, und schlossen die Türen zu und gingen zur hinteren Tür hinaus, um ihr zu bringen, was sie haben wollte; aber sie sahen die Ältesten nicht, denn die hatten sich versteckt.

19Als nun die Mägde hinausgegangen waren, kamen die beiden Ältesten hervor, liefen zu ihr 20und sagten: Siehe, die Türen sind verschlossen,

1,20
Sir 23,18-19
niemand sieht uns, und wir begehren dich; darum lege dich zu uns und sei uns zu Willen! 21Willst du aber nicht, so
1,21
5. Mose 19,15
werden wir dich beschuldigen, dass ein junger Mann bei dir war und dass du deine Mägde deshalb hinausgeschickt hast. 22Da seufzte Susanna und sagte: In wie großer Bedrängnis bin ich! Denn
1,22
3. Mose 20,10
wenn ich das tue, so bin ich des Todes; tu ich’s aber nicht, so komme ich nicht aus euren Händen. 23Doch ich will lieber unschuldig in eure Hände fallen, als
1,23
1. Mose 39,9
gegen den Herrn zu sündigen.

24Und Susanna fing an, laut zu

1,24
5. Mose 22,24
schreien; aber die Ältesten schrien gegen sie an. 25Und der eine lief hin zu den Türen des Gartens und öffnete sie. 26Als nun die Leute im Haus das Geschrei im Garten hörten, liefen sie durch die hintere Tür herbei, um zu sehen, was ihr widerfahren wäre. 27Und als die Ältesten gegen sie aussagten, schämten sich die Diener ihretwegen sehr; denn so etwas war bisher nie über Susanna gesagt worden.

28Und am andern Tag, als das Volk im Hause Jojakims, ihres Mannes, zusammenkam, da kamen auch die beiden Ältesten in der schändlichen Absicht, Susanna dem Tod zu überliefern; 29 und sie sagten vor allem Volk: 29Schickt nach Susanna, der Tochter Hilkijas, Jojakims Frau! Da schickten sie hin. 30Und sie kam mit ihren Eltern und Kindern und ihrer ganzen Verwandtschaft. 31Susanna aber war sehr schön von Gestalt und Angesicht; 32darum befahlen die Übeltäter, ihr den

1,32
4. Mose 5,18
Schleier abzunehmen, mit dem sie verhüllt war, um sich an ihrer Schönheit zu ergötzen. 33Und alle, die bei ihr standen und sie sahen, weinten um sie.

34Und die beiden Ältesten traten auf mitten unter dem Volk und

1,34
3. Mose 24,14
legten die Hände auf ihr Haupt. 35Sie aber weinte und
1,35
hob die Augen auf zum Himmel; denn ihr Herz vertraute auf den Herrn. 36Und die Ältesten fingen an und sagten: Als wir beide allein im Garten umhergingen, kam sie hinein mit zwei Mägden und schloss die Türen zu und schickte die Mägde fort. 37Da kam ein junger Mann zu ihr, der sich versteckt hatte, und legte sich zu ihr. 38Wir aber waren in einem Winkel des Gartens, und als wir diese Schande sahen, liefen wir eilends hinzu. 39Und wir fanden sie beieinander, 39 aber den jungen Mann konnten wir nicht überwältigen; denn er war uns zu stark und stieß die Tür auf und sprang davon. 40Sie aber ergriffen wir und fragten, wer der junge Mann wäre. 41Aber sie wollte es uns nicht sagen. Das bezeugen wir.

41 Und die Versammlung glaubte den beiden als Ältesten und Richtern im Volk, und man verurteilte Susanna zum Tode. 42Susanna aber schrie mit lauter Stimme: Ewiger Gott,

1,42
Sir 42,18-19
der du alle Heimlichkeiten kennst und alle Dinge zuvor weißt, ehe sie geschehen, 43du weißt, dass sie
1,43
2. Mose 20,16
falsches Zeugnis gegen mich vorgebracht haben. Und nun siehe, ich muss sterben, obwohl ich doch nicht begangen habe, was sie so bösartig gegen mich gelogen haben. 44Und
1,44
Ps 66,18-19
der Herr erhörte ihr Rufen.

45Und als man sie zum Tode führte, erweckte Gott den heiligen Geist eines jungen Mannes, der hieß

1,45
Dan 4,5
Daniel; 46und er rief mit lauter Stimme: 46 Ich will unschuldig sein an ihrem Blut! 47Und das ganze Volk wandte sich ihm zu und fragte ihn, was er mit solchen Worten meinte. 48Er aber trat mitten unter sie und sprach: Seid ihr Männer von Israel solche Narren, dass ihr eine Tochter Israels verdammt,
1,48
5. Mose 19,18
ehe ihr die Sache erforscht und Gewissheit erlangt habt? 49Kehrt wieder um vors Gericht, denn diese haben falsches Zeugnis gegen sie geredet! 50Und alles Volk kehrte eilends wieder um.

Und die Ältesten sagten zu Daniel: Setze dich her zu uns und berichte uns; denn

1,50
Hiob 32,7-9
Weish 8,10
dir hat Gott gegeben, was er sonst nur dem Alter gibt. 51Und Daniel sagte zu ihnen: Stellt die beiden weit auseinander, so will ich jeden für sich verhören! 52Als nun der eine vom andern getrennt war, rief er den einen und sagte zu ihm: In Bosheit bist du alt geworden, jetzt treffen dich deine Sünden, die du bisher begangen hast, 53als du ungerechte Urteile gesprochen und
1,53
Spr 17,15
die Unschuldigen verurteilt, aber die Schuldigen losgesprochen hast, obwohl doch der Herr geboten hat:
1,53
2. Mose 23,7
Du sollst den Unschuldigen und Gerechten nicht töten. 54Hast du nun diese Frau gesehen, so sag doch: Unter welchem Baum hast du die zwei beieinander gefunden? Er aber antwortete: Unter dem gespaltenen Baum.1,54 Um ein Wortspiel des griechischen Textes wiederzugeben, reimte Luther: »Unter einer Linden. (Vers 55) … der Engel des Herrn wird dich finden.« 55Da sagte Daniel: Ganz recht!
1,55
Apg 5,4-5
Mit deiner Lüge bringst du dich selbst um dein Leben. Denn schon hat
1,55
1. Chr 21,15-16
der Engel Gottes von Gott dein Urteil empfangen und wird dich mittendurch spalten.

56Und er ließ ihn wegbringen und den andern vor sich kommen und sagte zu ihm: Du

1,56
3. Mose 18,32028
Nachkomme Kanaans und nicht Judas, die Schönheit hat dich betört, und die Begierde hat dein Herz verkehrt. 57So seid ihr mit den Töchtern Israels verfahren, und sie haben euch aus Furcht zu Willen sein müssen. Aber diese Tochter Judas hat nicht in euer Unrecht eingewilligt. 58Nun sage mir: Unter welchem Baum hast du sie beieinander ertappt? Er aber antwortete: Bei dem gefällten Baum.1,58 Luther reimte: »Unter einer Eichen. (Vers 59) … der Engel des Herrn wird dich zeich(n)en«. 59Da sagte Daniel: Ganz recht! Mit deiner Lüge bringst du dich selbst um dein Leben. Der Engel Gottes wartet schon mit seinem Schwert und wird dich fällen, um euch so beide zu vernichten.

60Da fing die Versammlung an, mit lauter Stimme zu rufen, und sie priesen Gott, der denen hilft, die auf ihn hoffen und vertrauen. 61Und sie erhoben sich gegen die beiden Ältesten, weil Daniel sie aus ihren eignen Worten überführt hatte, dass sie falsche Zeugen waren. 62 Und

1,61
5. Mose 19,18-19
man tat mit ihnen, was sie ihrer Nächsten antun wollten; 62man handelte nach dem Gesetz des Mose und tötete sie.

So wurde an diesem Tage unschuldiges Blut errettet. 63Aber Hilkija und seine Frau lobten Gott um Susannas, ihrer Tochter, willen, mit Jojakim, ihrem Mann, und der ganzen Verwandtschaft, dass nichts Unehrenhaftes an ihr gefunden worden war. 64Und Daniel wurde groß vor dem Volk von dem Tage an und blieb es auch weiterhin.

2

Vom Bel zu Babel

(Zusatz am Schluss des Buches Daniel)

21Nachdem der König Astyages zu seinen Vätern versammelt war, übernahm

2,1
Dan 6,29
Kyrus aus Persien sein Königreich. 2Und Daniel war stets um den König und angesehener als alle seine Freunde.
2,2
Dan 2,48
3 Nun hatten die Babylonier einen Götzen, der hieß
2,3
Jer 50,2
Bel; dem musste man täglich opfern zwölf Sack feines Mehl und vierzig Schafe und sechs Fass Wein. 4 Selbst der König diente dem Götzen und ging täglich hin, um ihn anzubeten; aber Daniel betete seinen Gott an.

5 Und der König sagte zu ihm: Warum betest du nicht auch den Bel an? Er aber sagte: Ich diene nicht den

2,5
Ps 115,3-9
Bar 6,3-5
Götzen, die mit Händen gemacht sind, sondern dem lebendigen Gott, der Himmel und Erde gemacht hat und ein Herr ist über alles, was lebt. 6 Da sagte der König zu ihm: Hältst du denn Bel nicht für einen lebendigen Gott? Siehst du nicht, wie viel er täglich isst und trinkt? 7 Aber Daniel lachte und sagte: Mein König, lass dich nicht täuschen; denn dieser Bel ist innen nur Ton und außen nur Bronze und hat noch nie etwas gegessen oder getrunken.

8 Da wurde der König zornig und ließ seine Priester rufen und sprach zu ihnen: 9Werdet ihr mir nicht sagen, wer dies alles verzehrt, so müsst ihr sterben! 8 Könnt ihr aber beweisen, dass Bel es verzehrt, so muss Daniel sterben; denn er hat Bel gelästert. Und Daniel sprach zum König: Es geschehe, wie du gesagt hast.

10 Es gab aber siebzig Priester des Bel, ohne ihre Frauen und Kinder. Und der König ging mit Daniel in den Tempel des Bel. 11 Da sagten die Priester des Bel: Siehe, wir wollen hinausgehen; und du, König, sollst die Speise selbst hinstellen und den Trank selbst mischen und hinsetzen und die Tür hinter dir zuschließen und mit deinem eignen Ring versiegeln. 12 Und wenn du morgen früh wiederkommst und findest, dass Bel nicht alles verzehrt hat, so wollen wir sterben; sonst aber Daniel, der uns verleumdet hat. 13 Sie waren aber unbesorgt, da sie einen geheimen Gang bis unter den Opfertisch gemacht hatten; durch den gingen sie immer wieder hinein und verzehrten, was da war.

14 Als nun die Priester hinausgegangen waren, ließ der König dem Bel die Speisen vorsetzen. Aber Daniel gab seinen Dienern Befehl, und sie holten Asche und streuten sie nur vor den Augen des Königs im ganzen Tempel aus. Danach gingen sie hinaus und schlossen die Tür zu und versiegelten sie mit dem Ring des Königs und gingen davon. 15 Des Nachts aber kamen die Priester nach ihrer Gewohnheit mit ihren Frauen und Kindern und aßen und tranken alles.

16 Und früh am Morgen stand der König auf und Daniel mit ihm. 17 Und der König fragte: Sind die Siegel unversehrt, Daniel? 17 Er aber antwortete: Sie sind es, mein König. 18Und sobald die Tür aufgetan war, sah der König auf den Tisch und rief mit lauter Stimme: Groß bist du, o Bel, und es gibt keinerlei Betrug bei dir!

19 Aber Daniel lachte und hielt den König zurück, damit er nicht hineinging, und sagte: Sieh auf den Boden und erkenne, wessen Fußspuren das sind. 20 Der König sprach: Ich sehe die Fußspuren von Männern, Frauen und Kindern. 21 Da wurde der König zornig und ließ die Priester mit ihren Frauen und Kindern ergreifen. Und sie mussten ihm die geheimen Türen zeigen, durch die sie ein und aus gegangen waren und verzehrt hatten, was auf dem Tisch lag. 22 Und der König ließ sie töten und gab den Bel in Daniels Gewalt; der zerstörte ihn und seinen Tempel.

Vom Drachen zu Babel

23 Es gab da auch einen großen Drachen, den die Babylonier anbeteten. 24 Und der König sprach zu Daniel: Von dem kannst du nicht behaupten, dass er kein lebendiger Gott ist. Darum bete ihn an! 25 Aber Daniel antwortete: Ich will den Herrn, meinen Gott, anbeten;

2,25
Dan 6,27
denn er ist der lebendige Gott. 26 Du aber, mein König, gib mir Vollmacht, so will ich diesen Drachen umbringen
2,26
1. Sam 17,45
ohne Schwert und Spieß. Und der König sprach: Sie sei dir gegeben. 27 Da nahm Daniel Pech, Fett und Haare und kochte es zusammen, machte Fladen daraus und warf sie dem Drachen ins Maul; und der Drache fraß und wurde davon zerrissen. Und Daniel sagte:
2,27
2. Mose 32,4
Seht, das sind eure Götter, die ihr verehrt habt!

28

2,28
Dan 6,15-28
Als nun die Babylonier das hörten, wurden sie sehr zornig, und sie machten einen Aufruhr gegen den König und sagten: Unser König ist ein Jude geworden; denn er hat den Bel zerstört und den Drachen getötet und die Priester umgebracht. 29 Und sie traten vor den König und sprachen: Gib uns Daniel heraus; sonst werden wir dich und dein ganzes Haus umbringen!

30 Als nun der König sah, dass sie mit Gewalt auf ihn eindrangen, musste er ihnen Daniel herausgeben. 31 Und sie warfen ihn in die Löwengrube; darin lag er sechs Tage lang. 32 Und es waren sieben Löwen in der Grube; denen gab man täglich zwei Menschen und zwei Schafe. Nun aber gab man ihnen nichts, damit sie Daniel fressen sollten.

33 Es war aber ein Prophet, Habakuk, in Judäa; der hatte einen Brei gekocht und Brot eingebrockt in eine tiefe Schüssel und ging damit aufs Feld, um es den Schnittern zu bringen. 34 Und der Engel des Herrn sprach zu Habakuk: Bring das Essen, das du trägst, zu Daniel nach Babylon in die Löwengrube. 35 Und Habakuk antwortete: Herr, ich habe Babylon nie gesehen und weiß nicht, wo die Grube ist.

36 Da

2,36
Hes 8,3
fasste ihn der Engel des Herrn beim Schopf und trug ihn in Windeseile an den Haaren nach Babylon, oben an die Grube. 37 Und Habakuk rief: Daniel, Daniel, nimm das Essen, das dir Gott gesandt hat! 38 Und Daniel sprach: Gott, du hast ja meiner gedacht; du
2,38
Sir 2,10
lässt die nicht im Stich, die dich lieben! 39 Da stand Daniel auf und aß. Und der Engel Gottes versetzte Habakuk sogleich wieder an seinen Ort.

40 Der König aber kam am siebenten Tage, um Daniel zu beklagen. Und er kam zur Grube und schaute hinein, und siehe, Daniel saß noch da. 41 Da rief er laut: Groß bist du, Herr, du Gott Daniels. Es gibt keinen andern außer dir! 42 Und er zog ihn hinauf; aber die andern, die seinen Tod gewollt hatten, warf er in die Grube; und sie wurden sofort vor seinen Augen aufgefressen.

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