Lutherbibel 2017 (LU17)
7

Die ersten drei Visionen: Heuschrecken, Feuer, Krieg

71So ließ Gott der HERR mich schauen: Und siehe, er schuf einen Schwarm Heuschrecken, als die Spätsaat aufging. – Die Spätsaat folgt auf die Mahd des Königs. – 2Als sie das Kraut im Lande abgefressen hatten, da sprach ich: Ach, Herr HERR, sei gnädig! Wie soll Jakob bestehen? Er ist ja so klein. 3Da reute es den HERRN. Der HERR sprach: Es soll nicht geschehen!

4So ließ Gott der HERR mich schauen: Und siehe, Gott der HERR rief einen Feuerregen herbei. Der verzehrte

7,4
1. Mose 7,11
die große Tiefe und fraß das Ackerland. 5Da sprach ich: Ach, Herr HERR, halt ein! Wie soll Jakob bestehen? Er ist ja so klein. 6Da reute es den HERRN. Gott der HERR sprach: Auch das soll nicht geschehen.

7So ließ er mich schauen: Und siehe, der Herr stand auf einer Mauer von Zinn7,7 Zinn diente zur Herstellung von Waffen., und er hatte Zinn in seiner Hand. 8Und der HERR sprach zu mir: Was siehst du, Amos? Ich sprach: Zinn. Der Herr sprach: Siehe, ich bringe Zinn mitten unter mein Volk Israel. Ich will nicht mehr an

7,8
Kap
ihm vorübergehen! 9Und die Höhen Isaaks sollen verwüstet und die Heiligtümer Israels zerstört werden, und ich will mich mit dem Schwert über das Haus Jerobeam hermachen.

Amos wird aus Bethel ausgewiesen

10

7,10
Jer 38,4
Da sandte Amazja, der Priester in Bethel, zu Jerobeam, dem König von Israel, und ließ ihm sagen: Der Amos macht einen Aufruhr gegen dich im Hause Israel; das Land kann seine Worte nicht ertragen. 11Denn so spricht Amos: Jerobeam wird durchs Schwert sterben, und Israel wird aus seinem Lande gefangen weggeführt werden. 12Und Amazja sprach zu Amos: Du
7,12
1. Sam 9,9
Seher, geh weg und flieh ins Land Juda und iss dort dein Brot und weissage daselbst. 13Aber weissage nicht mehr in
7,13
1. Kön 12,28-29
Bethel; denn es ist des Königs Heiligtum und der Tempel des Königreichs.

14Amos antwortete und sprach zu Amazja: Ich bin kein Prophet noch ein Prophetenjünger, sondern

7,14
Kap
ich bin ein Rinderhirt, der Maulbeerfeigen ritzt. 15Aber der HERR nahm mich von der Herde und sprach zu mir: Geh hin und weissage meinem Volk Israel! 16So höre nun des HERRN Wort! Du sprichst:
7,16
Kap
Weissage nicht wider Israel und eifere nicht wider das Haus Isaak! 17Darum spricht der HERR: Deine Frau wird in der Stadt zur Hure werden, und deine Söhne und Töchter sollen durchs Schwert fallen, und dein Acker soll mit der Messschnur ausgeteilt werden. Du aber sollst in einem unreinen Lande sterben, und Israel soll aus seinem Lande vertrieben werden.

8

Die vierte Vision: ein Erntekorb

81So ließ Gott der HERR mich schauen: Und siehe, da stand ein Korb zur Ernte. 2Und er sprach: Was siehst du, Amos? Ich aber antwortete: Einen Korb zur Ernte. Da sprach der HERR zu mir: Das Ende ist gekommen über mein Volk Israel. Ich will nicht mehr an

8,2
Kap
ihm vorübergehen! 3Und die Lieder im Tempel sollen in Heulen verkehrt werden zur selben Zeit, spricht Gott der HERR.
8,3
Kap
Es werden an allen Orten viele Leichname liegen, die man hingeworfen hat. Still!

Gegen den Wucher der Reichen

4Höret dies, die ihr

8,4
Kap
die Armen unterdrückt und die Elenden im Lande zugrunde richtet 5und sprecht: Wann will denn der Neumond ein Ende haben, dass wir Getreide verkaufen, und der
8,5
Neh 13,15
Sabbat, dass wir Korn feilhalten können und das Maß verringern und den Preis steigern und die Waage fälschen, 6damit wir die Armen um Geld und
8,6
Kap
die Geringen um ein Paar Schuhe in unsere Gewalt bringen und Spreu für Korn verkaufen?

7Der HERR hat bei sich, dem

8,7
Kap
Stolz Jakobs, geschworen: Niemals werde ich diese ihre Taten vergessen! 8Sollte nicht um solcher Taten willen das Land erbeben müssen und alle Bewohner trauern? Ja,
8,8
Kap
es soll sich heben wie die Wasser des Nils und sich senken wie der Strom Ägyptens.

9Zur selben Zeit, spricht Gott der HERR, will ich

8,9
Jer 15,9
die Sonne am Mittag untergehen und das Land am hellen Tage finster werden lassen. 10
8,10
Tob 2,6
Ich will eure Feiertage in Trauer und alle eure Lieder in Wehklagen verwandeln. Ich will über alle Lenden den Sack bringen und alle Köpfe kahl machen und will ein Trauern schaffen,
8,10
Jer 6,26
wie man trauert über den einzigen Sohn, und es soll ein bitteres Ende nehmen.

Hunger nach Gottes Wort

11Siehe, es kommt die Zeit, spricht Gott der HERR, dass ich einen Hunger ins Land schicken werde,

8,11
1. Sam 3,1
nicht einen Hunger nach Brot oder Durst nach Wasser, sondern nach dem Wort des HERRN, es zu hören; 12dass sie hin und her von einem Meer zum andern, von Norden nach Osten laufen und des HERRN Wort suchen und
8,12
Mi 3,7
doch nicht finden werden. 13Zu der Zeit werden die schönen Jungfrauen und die Jünglinge verschmachten vor Durst, 14die jetzt schwören bei dem Abgott Samarias und sprechen:
8,14
Ri 18,30
»So wahr dein Gott lebt, Dan!«, und: »So wahr der
8,14
Kap
Weg nach Beerscheba lebt!« Sie sollen so fallen, dass sie nicht wieder aufstehen können.

9

Die letzte Vision: Gott über dem Altar

91Ich sah den Herrn über dem Altar stehen, und er sprach: Schlage an den Knauf, dass die Pfosten beben und die Trümmer ihnen allen auf den Kopf fallen; und was noch übrig bleibt von ihnen, will ich mit dem Schwert töten, dass keiner von ihnen entfliehen noch irgendeiner entkommen soll! 2Und

9,2
Hiob 26,6
Ps 139,8
wenn sie sich auch unten bei den Toten vergrüben, soll sie doch meine Hand von dort holen, und wenn sie zum Himmel hinaufstiegen, will ich sie doch herunterstoßen. 3Und wenn sie sich auch versteckten oben auf dem Berge Karmel, will ich sie doch suchen und von dort herabholen; und wenn sie sich vor meinen Augen verbärgen im Grunde des Meeres, so will ich doch der Schlange befehlen, sie dort zu beißen. 4Und wenn sie vor ihren Feinden gefangen einhergingen, so will ich doch dem Schwert befehlen, sie dort zu töten. Denn
9,4
Jer 44,11
ich will meine Augen auf sie richten zum Bösen und nicht zum Guten.

5Und Gott, der HERR Zebaoth, ist es, der die Erde anrührt, dass sie bebt und alle ihre Bewohner trauern müssen und dass sie

9,5
Kap
sich hebt wie die Wasser des Nils und sich senkt wie der Strom Ägyptens; 6er ist es, der seinen Saal in den Himmel gebaut und
9,6
Ps 104,3
seinen Palast über der Erde gegründet hat, der
9,6
Kap
das Wasser im Meer herbeirief und auf das Erdreich schüttete. Er heißt HERR!

7Seid ihr Israeliten mir nicht

9,7
5. Mose 7,7
gleichwie die Kuschiter?, spricht der HERR. Habe ich nicht Israel aus Ägyptenland geführt und die
9,7
Jer 47,4
Philister aus Kaftor und die Aramäer aus Kir? 8Siehe, die Augen Gottes des HERRN sehen auf das sündige Königreich, dass ich’s vom Erdboden vertilge, wiewohl ich das Haus Jakob nicht ganz vertilgen will, spricht der HERR. 9Denn siehe, ich will befehlen und das Haus Israel unter allen Heiden schütteln lassen, gleichwie man mit einem Sieb schüttelt und kein Stein zur Erde fällt. 10Alle Sünder in meinem Volk sollen durchs Schwert sterben, die da sagen:
9,10
Kap
Es wird das Unglück nicht so nahe sein noch uns begegnen.

Das künftige Heil des Gottesvolkes

11Zur selben Zeit will ich die

9,11
1. Kön 12,19
Apg 15,16-17
zerfallene Hütte Davids wieder aufrichten und ihre Risse vermauern und, was abgebrochen ist, wieder aufrichten und will sie bauen, wie sie vorzeiten gewesen ist, 12damit sie in Besitz nehmen, was übrig ist von Edom, und alle Heiden, über die mein Name genannt ist, spricht der HERR, der solches tut.

13Siehe, es kommt die Zeit, spricht der HERR, dass man

9,13
3. Mose 26,5
zugleich ackern und ernten, zugleich keltern und säen wird. Und
9,13
Joel 4,18
die Berge werden von Most triefen, und alle Hügel werden fruchtbar sein. 14Ich
9,14
5. Mose 30,3
will die Gefangenschaft meines Volkes Israel wenden, dass sie
9,14
Jes 65,21
die verwüsteten Städte wieder aufbauen und bewohnen sollen, dass sie Weinberge pflanzen und Wein davon trinken, Gärten anlegen und Früchte daraus essen. 15Ich will sie in ihr Land pflanzen, dass sie nicht mehr aus ihrem Lande ausgerottet werden, das ich ihnen gegeben habe, spricht der HERR, dein Gott.

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