Lutherbibel 2017 (LU17)
6

Gegen Selbstsicherheit und Schwelgerei

61Weh! Die ihr sorglos seid zu Zion und die ihr voll Zuversicht seid auf dem Berge Samarias, ihr Vornehmen des Erstlings unter den Völkern, zu denen das Haus Israel kommt, 2geht hin nach

6,2
1. Mose 10,10
Kalne und schaut und von da nach Hamat, der großen Stadt, und zieht hinab nach Gat der Philister! Seid ihr besser als diese Königreiche? Oder ist ihr Gebiet größer als das eure, 3die ihr meint, vom bösen Tag weit ab zu sein, und
6,3
Ps 10,5
trachtet immer nach Frevelregiment, 4die ihr schlaft auf elfenbeingeschmückten Lagern und euch streckt auf euren Ruhebetten? Ihr esst die Lämmer aus der Herde und die gemästeten Kälber 5
6,5
Jes 5,12
und spielt auf der Harfe und erdichtet euch Lieder wie David 6und trinkt Wein aus Schalen und salbt euch mit dem besten Öl, aber bekümmert euch nicht um den Schaden Josefs.

7Darum sollen sie nun vorangehen unter denen, die gefangen weggeführt werden, und soll das Schlemmen der Übermütigen aufhören. 8Denn Gott der Herr hat geschworen bei sich: Mich verdrießt der

6,8
Kap
Stolz Jakobs, spricht der Herr, der Gott Zebaoth, und ich hasse seine Paläste. Darum will ich die Stadt übergeben mit allem, was darin ist. 9Und wenn auch zehn Männer in einem Hause übrig bleiben, sollen sie doch sterben. 10Und nimmt dann einen sein Verwandter, der ihn bestatten und seine Gebeine aus dem Hause tragen will, so sagt er zu dem, der drin im Hause ist: Sind ihrer noch mehr da? Und der wird antworten: Sie sind alle dahin! Und er wird sagen: Still! Denn man darf des Herrn Namen nicht nennen.
6,10
Kap
11Denn siehe, der Herr hat geboten, dass man die großen Häuser in Trümmer schlagen soll und die kleinen Häuser in Stücke.

12Wer kann auf Felsen mit Rossen rennen oder mit Rindern das Meer pflügen? Doch

6,12
Kap
ihr wandelt das Recht in Gift und die Frucht der Gerechtigkeit in Wermut, 13die ihr euch freut über Lo-Dabar und sprecht: Haben wir nicht durch unsere Kraft Karnajim genommen? 14Darum siehe, ich will gegen euch, ihr vom Hause Israel, ein Volk aufstehen lassen, spricht der Herr, der Gott Zebaoth, das soll euch bedrängen von da an, wo man nach Hamat geht, bis an den Bach in der Wüste.

7

Die ersten drei Visionen: Heuschrecken, Feuer, Krieg

71So ließ Gott der Herr mich schauen: Und siehe, er schuf einen Schwarm Heuschrecken, als die Spätsaat aufging. – Die Spätsaat folgt auf die Mahd des Königs. – 2Als sie das Kraut im Lande abgefressen hatten, da sprach ich: Ach, Herr Herr, sei gnädig! Wie soll Jakob bestehen? Er ist ja so klein. 3Da reute es den Herrn. Der Herr sprach: Es soll nicht geschehen!

4So ließ Gott der Herr mich schauen: Und siehe, Gott der Herr rief einen Feuerregen herbei. Der verzehrte

7,4
1. Mose 7,11
die große Tiefe und fraß das Ackerland. 5Da sprach ich: Ach, Herr Herr, halt ein! Wie soll Jakob bestehen? Er ist ja so klein. 6Da reute es den Herrn. Gott der Herr sprach: Auch das soll nicht geschehen.

7So ließ er mich schauen: Und siehe, der Herr stand auf einer Mauer von Zinn7,7 Zinn diente zur Herstellung von Waffen., und er hatte Zinn in seiner Hand. 8Und der Herr sprach zu mir: Was siehst du, Amos? Ich sprach: Zinn. Der Herr sprach: Siehe, ich bringe Zinn mitten unter mein Volk Israel. Ich will nicht mehr an

7,8
Kap
ihm vorübergehen! 9Und die Höhen Isaaks sollen verwüstet und die Heiligtümer Israels zerstört werden, und ich will mich mit dem Schwert über das Haus Jerobeam hermachen.

Amos wird aus Bethel ausgewiesen

10

7,10
Jer 38,4
Da sandte Amazja, der Priester in Bethel, zu Jerobeam, dem König von Israel, und ließ ihm sagen: Der Amos macht einen Aufruhr gegen dich im Hause Israel; das Land kann seine Worte nicht ertragen. 11Denn so spricht Amos: Jerobeam wird durchs Schwert sterben, und Israel wird aus seinem Lande gefangen weggeführt werden. 12Und Amazja sprach zu Amos: Du
7,12
1. Sam 9,9
Seher, geh weg und flieh ins Land Juda und iss dort dein Brot und weissage daselbst. 13Aber weissage nicht mehr in
7,13
1. Kön 12,28-29
Bethel; denn es ist des Königs Heiligtum und der Tempel des Königreichs.

14Amos antwortete und sprach zu Amazja: Ich bin kein Prophet noch ein Prophetenjünger, sondern

7,14
Kap
ich bin ein Rinderhirt, der Maulbeerfeigen ritzt. 15Aber der Herr nahm mich von der Herde und sprach zu mir: Geh hin und weissage meinem Volk Israel! 16So höre nun des Herrn Wort! Du sprichst:
7,16
Kap
Weissage nicht wider Israel und eifere nicht wider das Haus Isaak! 17Darum spricht der Herr: Deine Frau wird in der Stadt zur Hure werden, und deine Söhne und Töchter sollen durchs Schwert fallen, und dein Acker soll mit der Messschnur ausgeteilt werden. Du aber sollst in einem unreinen Lande sterben, und Israel soll aus seinem Lande vertrieben werden.

8

Die vierte Vision: ein Erntekorb

81So ließ Gott der Herr mich schauen: Und siehe, da stand ein Korb zur Ernte. 2Und er sprach: Was siehst du, Amos? Ich aber antwortete: Einen Korb zur Ernte. Da sprach der Herr zu mir: Das Ende ist gekommen über mein Volk Israel. Ich will nicht mehr an

8,2
Kap
ihm vorübergehen! 3Und die Lieder im Tempel sollen in Heulen verkehrt werden zur selben Zeit, spricht Gott der Herr.
8,3
Kap
Es werden an allen Orten viele Leichname liegen, die man hingeworfen hat. Still!

Gegen den Wucher der Reichen

4Höret dies, die ihr

8,4
Kap
die Armen unterdrückt und die Elenden im Lande zugrunde richtet 5und sprecht: Wann will denn der Neumond ein Ende haben, dass wir Getreide verkaufen, und der
8,5
Neh 13,15
Sabbat, dass wir Korn feilhalten können und das Maß verringern und den Preis steigern und die Waage fälschen, 6damit wir die Armen um Geld und
8,6
Kap
die Geringen um ein Paar Schuhe in unsere Gewalt bringen und Spreu für Korn verkaufen?

7Der Herr hat bei sich, dem

8,7
Kap
Stolz Jakobs, geschworen: Niemals werde ich diese ihre Taten vergessen! 8Sollte nicht um solcher Taten willen das Land erbeben müssen und alle Bewohner trauern? Ja,
8,8
Kap
es soll sich heben wie die Wasser des Nils und sich senken wie der Strom Ägyptens.

9Zur selben Zeit, spricht Gott der Herr, will ich

8,9
Jer 15,9
die Sonne am Mittag untergehen und das Land am hellen Tage finster werden lassen. 10
8,10
Tob 2,6
Ich will eure Feiertage in Trauer und alle eure Lieder in Wehklagen verwandeln. Ich will über alle Lenden den Sack bringen und alle Köpfe kahl machen und will ein Trauern schaffen,
8,10
Jer 6,26
wie man trauert über den einzigen Sohn, und es soll ein bitteres Ende nehmen.

Hunger nach Gottes Wort

11Siehe, es kommt die Zeit, spricht Gott der Herr, dass ich einen Hunger ins Land schicken werde,

8,11
1. Sam 3,1
nicht einen Hunger nach Brot oder Durst nach Wasser, sondern nach dem Wort des Herrn, es zu hören; 12dass sie hin und her von einem Meer zum andern, von Norden nach Osten laufen und des Herrn Wort suchen und
8,12
Mi 3,7
doch nicht finden werden. 13Zu der Zeit werden die schönen Jungfrauen und die Jünglinge verschmachten vor Durst, 14die jetzt schwören bei dem Abgott Samarias und sprechen:
8,14
Ri 18,30
»So wahr dein Gott lebt, Dan!«, und: »So wahr der
8,14
Kap
Weg nach Beerscheba lebt!« Sie sollen so fallen, dass sie nicht wieder aufstehen können.