Lutherbibel 2017 (LU17)
5

Klagelied über Israel

51Hört dies Wort, ein Klagelied, das ich über euch anstimme, Haus Israel:

2Die Jungfrau Israel ist gefallen, dass sie nicht wieder aufstehen wird; sie ist zu Boden gestoßen und niemand ist da, der ihr aufhelfe. 3Ja, so spricht Gott der HERR: Die Stadt, aus der tausend zum Kampf ausziehen, soll nur hundert übrig behalten, und aus der hundert ausziehen, die soll nur zehn übrig behalten – dies für das Haus Israel.

Gegen die Unterdrücker

4Ja, so spricht der HERR zum Hause Israel:

5,4
Jer 29,13
Suchet mich, so werdet ihr leben. 5
5,5
Kap
Suchet nicht Bethel und kommt nicht nach Gilgal und geht nicht nach Beerscheba; denn Gilgal wird gefangen weggeführt werden, und Bethel wird zunichtewerden. 6Suchet den HERRN, so werdet ihr leben, dass er nicht daherfahre über das Haus Josef wie ein verzehrendes Feuer, das niemand löschen kann – dies für Bethel –, 7die ihr
5,7
Kap
das Recht in Wermut verwandelt und die Gerechtigkeit zu Boden gestoßen habt.

8Der das

5,8
Hiob 38,31
Siebengestirn und den Orion gemacht hat, der Finsternis in Morgen verwandelt und Tag in Nacht verfinstert hat, der
5,8
Kap
das Wasser des Meeres gerufen und auf dem Erdboden ausgegossen hat – er heißt »HERR« –, 9der über den Starken Verderben kommen lässt und bringt Verderben über die feste Stadt.

10Sie hassen den,

5,10
Jes 29,21
der im Tor Recht spricht, und verabscheuen den, der die Wahrheit sagt.

11Darum, weil ihr die Armen unterdrückt und nehmt von ihnen hohe Abgaben an Korn, so

5,11
Zef 1,13
sollt ihr in den Häusern nicht wohnen, die ihr von Quadersteinen gebaut habt, und den Wein nicht trinken, den ihr in den feinen Weinbergen gepflanzt habt. 12Denn ich kenne eure Frevel, die so viel sind, und eure Sünden, die so groß sind, wie ihr die Gerechten bedrängt und Bestechungsgeld nehmt und die Armen im Tor unterdrückt. 13Darum muss der Kluge zu dieser Zeit schweigen; denn
5,13
Mi 2,3
es ist eine böse Zeit.

14Suchet das Gute und nicht das Böse, auf dass ihr lebet und der HERR, der Gott Zebaoth, mit euch sei, wie ihr rühmt. 15

5,15
Ps 34,15
Röm 12,9
Hasst das Böse und liebt das Gute, richtet das Recht auf im Tor, vielleicht wird der HERR, der Gott Zebaoth, gnädig sein dem Rest Josefs.

16Darum, so spricht der HERR, der Gott Zebaoth, der Herr: Es wird in allen Gassen Wehklagen sein, und auf allen Straßen wird man sagen: »Weh! Weh!« Und man wird den Ackermann zum Trauern rufen und zum Wehklagen, wer die Totenklage erheben kann. 17In allen Weinbergen wird Wehklagen sein;

5,17
2. Mose 11,4
denn ich will unter euch dreinfahren, spricht der HERR.

Der Tag des Herrn ist ein Tag des Gerichts

18

5,18
Joel 2,11
Weh! Die ihr den Tag des HERRN herbeiwünscht, was soll er euch? Denn des HERRN Tag ist Finsternis und nicht Licht, 19gleich als wenn jemand vor dem Löwen flieht und der Bär begegnet ihm, und er kommt ins Haus und lehnt sich mit der Hand an die Wand, da beißt ihn die Schlange! 20Ist nicht des HERRN Tag finster und nicht licht, dunkel und nicht hell?

Recht ströme wie Wasser

21Ich hasse und verachte eure Feste und

5,21
Jes 1,11-15
mag eure Versammlungen nicht riechen – 22es sei denn, ihr bringt mir rechte
5,22
Mi 6,6-7
Brandopfer dar –, und an euren Speisopfern habe ich kein Gefallen, und euer fettes Schlachtopfer sehe ich nicht an. 23Tu weg von mir das Geplärr deiner Lieder; denn ich mag dein Harfenspiel nicht hören!

24Es ströme aber das Recht wie Wasser und die Gerechtigkeit wie ein nie versiegender Bach.

25

5,25
Jer 7,22-23
Apg 7,42-43
Habt ihr vom Hause Israel mir in der Wüste die vierzig Jahre lang Schlachtopfer und Speisopfer geopfert? 26Ihr trugt den Sakkut, euren König, und Kewan5,26 Sakkut (= Ninurta) und Kewan (= Saturn) sind babylonische Götter., den Stern eures Gottes, eure Bilder, welche ihr euch selbst gemacht habt; 27so will ich euch wegführen lassen bis jenseits von Damaskus, spricht der HERR, der Gott Zebaoth heißt.

6

Gegen Selbstsicherheit und Schwelgerei

61Weh! Die ihr sorglos seid zu Zion und die ihr voll Zuversicht seid auf dem Berge Samarias, ihr Vornehmen des Erstlings unter den Völkern, zu denen das Haus Israel kommt, 2geht hin nach

6,2
1. Mose 10,10
Kalne und schaut und von da nach Hamat, der großen Stadt, und zieht hinab nach Gat der Philister! Seid ihr besser als diese Königreiche? Oder ist ihr Gebiet größer als das eure, 3die ihr meint, vom bösen Tag weit ab zu sein, und
6,3
Ps 10,5
trachtet immer nach Frevelregiment, 4die ihr schlaft auf elfenbeingeschmückten Lagern und euch streckt auf euren Ruhebetten? Ihr esst die Lämmer aus der Herde und die gemästeten Kälber 5
6,5
Jes 5,12
und spielt auf der Harfe und erdichtet euch Lieder wie David 6und trinkt Wein aus Schalen und salbt euch mit dem besten Öl, aber bekümmert euch nicht um den Schaden Josefs.

7Darum sollen sie nun vorangehen unter denen, die gefangen weggeführt werden, und soll das Schlemmen der Übermütigen aufhören. 8Denn Gott der HERR hat geschworen bei sich: Mich verdrießt der

6,8
Kap
Stolz Jakobs, spricht der HERR, der Gott Zebaoth, und ich hasse seine Paläste. Darum will ich die Stadt übergeben mit allem, was darin ist. 9Und wenn auch zehn Männer in einem Hause übrig bleiben, sollen sie doch sterben. 10Und nimmt dann einen sein Verwandter, der ihn bestatten und seine Gebeine aus dem Hause tragen will, so sagt er zu dem, der drin im Hause ist: Sind ihrer noch mehr da? Und der wird antworten: Sie sind alle dahin! Und er wird sagen: Still! Denn man darf des HERRN Namen nicht nennen.
6,10
Kap
11Denn siehe, der HERR hat geboten, dass man die großen Häuser in Trümmer schlagen soll und die kleinen Häuser in Stücke.

12Wer kann auf Felsen mit Rossen rennen oder mit Rindern das Meer pflügen? Doch

6,12
Kap
ihr wandelt das Recht in Gift und die Frucht der Gerechtigkeit in Wermut, 13die ihr euch freut über Lo-Dabar und sprecht: Haben wir nicht durch unsere Kraft Karnajim genommen? 14Darum siehe, ich will gegen euch, ihr vom Hause Israel, ein Volk aufstehen lassen, spricht der HERR, der Gott Zebaoth, das soll euch bedrängen von da an, wo man nach Hamat geht, bis an den Bach in der Wüste.

7

Die ersten drei Visionen: Heuschrecken, Feuer, Krieg

71So ließ Gott der HERR mich schauen: Und siehe, er schuf einen Schwarm Heuschrecken, als die Spätsaat aufging. – Die Spätsaat folgt auf die Mahd des Königs. – 2Als sie das Kraut im Lande abgefressen hatten, da sprach ich: Ach, Herr HERR, sei gnädig! Wie soll Jakob bestehen? Er ist ja so klein. 3Da reute es den HERRN. Der HERR sprach: Es soll nicht geschehen!

4So ließ Gott der HERR mich schauen: Und siehe, Gott der HERR rief einen Feuerregen herbei. Der verzehrte

7,4
1. Mose 7,11
die große Tiefe und fraß das Ackerland. 5Da sprach ich: Ach, Herr HERR, halt ein! Wie soll Jakob bestehen? Er ist ja so klein. 6Da reute es den HERRN. Gott der HERR sprach: Auch das soll nicht geschehen.

7So ließ er mich schauen: Und siehe, der Herr stand auf einer Mauer von Zinn7,7 Zinn diente zur Herstellung von Waffen., und er hatte Zinn in seiner Hand. 8Und der HERR sprach zu mir: Was siehst du, Amos? Ich sprach: Zinn. Der Herr sprach: Siehe, ich bringe Zinn mitten unter mein Volk Israel. Ich will nicht mehr an

7,8
Kap
ihm vorübergehen! 9Und die Höhen Isaaks sollen verwüstet und die Heiligtümer Israels zerstört werden, und ich will mich mit dem Schwert über das Haus Jerobeam hermachen.

Amos wird aus Bethel ausgewiesen

10

7,10
Jer 38,4
Da sandte Amazja, der Priester in Bethel, zu Jerobeam, dem König von Israel, und ließ ihm sagen: Der Amos macht einen Aufruhr gegen dich im Hause Israel; das Land kann seine Worte nicht ertragen. 11Denn so spricht Amos: Jerobeam wird durchs Schwert sterben, und Israel wird aus seinem Lande gefangen weggeführt werden. 12Und Amazja sprach zu Amos: Du
7,12
1. Sam 9,9
Seher, geh weg und flieh ins Land Juda und iss dort dein Brot und weissage daselbst. 13Aber weissage nicht mehr in
7,13
1. Kön 12,28-29
Bethel; denn es ist des Königs Heiligtum und der Tempel des Königreichs.

14Amos antwortete und sprach zu Amazja: Ich bin kein Prophet noch ein Prophetenjünger, sondern

7,14
Kap
ich bin ein Rinderhirt, der Maulbeerfeigen ritzt. 15Aber der HERR nahm mich von der Herde und sprach zu mir: Geh hin und weissage meinem Volk Israel! 16So höre nun des HERRN Wort! Du sprichst:
7,16
Kap
Weissage nicht wider Israel und eifere nicht wider das Haus Isaak! 17Darum spricht der HERR: Deine Frau wird in der Stadt zur Hure werden, und deine Söhne und Töchter sollen durchs Schwert fallen, und dein Acker soll mit der Messschnur ausgeteilt werden. Du aber sollst in einem unreinen Lande sterben, und Israel soll aus seinem Lande vertrieben werden.

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