Gute Nachricht Bibel (GNB)
4

Jesus spricht zum Volk in Gleichnissen

(Mt 13,1-3; Lk 8,4)

41Wieder einmal war Jesus am See und wollte zu den Menschen sprechen. Es hatte sich aber eine so große Menge versammelt, dass er sich in ein Boot setzen und ein Stück vom Ufer abstoßen musste.

Die Menge blieb am Ufer,

4,1
3,9
2aund Jesus erklärte ihnen vieles von seiner Botschaft mithilfe von Gleichnissen.

Das Gleichnis von der Aussaat

(Mt 13,3-9; Lk 8,5-8)

2bUnter anderem sagte er: 3»Hört zu! Ein Bauer ging aufs Feld, um zu säen. 4Als er die Körner ausstreute, fiel ein Teil von ihnen auf den Weg. Da kamen die Vögel und pickten sie auf.

5Andere Körner fielen auf felsigen Grund, der nur mit einer dünnen Erdschicht bedeckt war. Sie gingen rasch auf, weil sie sich nicht in der Erde verwurzeln konnten; 6aber als die Sonne hochstieg, vertrockneten die jungen Pflanzen, und weil sie keine Wurzeln hatten, verdorrten sie.

7Wieder andere Körner fielen in Dornengestrüpp, das bald die Pflanzen überwucherte und erstickte, sodass sie keine Frucht brachten.

8Andere Körner schließlich fielen auf guten Boden; sie gingen auf, wuchsen und brachten Frucht. Manche brachten dreißig Körner, andere sechzig, wieder andere hundert.«

9Und Jesus sagte: »Wer Ohren hat, soll gut zuhören!«

Warum Jesus Gleichnisse gebraucht

(Mt 13,10-17; Lk 8,9-10)

10Als Jesus mit dem Kreis der Zwölf und den anderen Jüngern allein war, wollten sie wissen, warum er in Gleichnissen sprach.

11Jesus sagte: »Euch hat Gott seinen geheimnisvollen Plan erkennen lassen, nach dem er schon begonnen hat, seine Herrschaft in der Welt aufzurichten;4,11 Euch hat Gott ...: wörtlich Euch ist das Geheimnis der Königsherrschaft Gottes gegeben. Das Geheimnis – so lässt Markus erkennen – besteht darin, dass die Herrschaft Gottes in den Worten und Taten von Jesus schon hereinbricht (vgl. 1,27; 2,5-7), dass sie sich trotz äußerlicher Schwäche und Unscheinbarkeit durchsetzt (vgl. 4,1-9.26-32) und gerade das Leiden und Sterben von Jesus dabei die entscheidende Rolle spielt (vgl. 8,31; 9,2.7; 15,39). aber die Außenstehenden erfahren von alledem nur in Gleichnissen.

4,11
Mt 11,25

12Es heißt ja: ›Sie sollen hinsehen, soviel sie wollen, und doch nichts erkennen; sie sollen zuhören, soviel sie wollen, und doch nichts verstehen, damit sie nicht zu Gott umkehren und er ihnen ihre Schuld vergibt!‹«

4,12
nach

Jesus erklärt das Gleichnis von der Aussaat

(Mt 13,18-23; Lk 8,11-15)

13Jesus fragte die Zwölf und die anderen Jünger:4,13 Jesus fragte ...: wörtlich Und er sagt(e) zu ihnen; vgl. Vers 10. »Versteht ihr dieses Gleichnis denn nicht? Wie wollt ihr dann all die anderen Gleichnisse verstehen?

14Der Bauer, der die Samenkörner ausstreut, sät die Botschaft Gottes aus. 15Manchmal fallen die Worte auf den Weg. So ist es bei den Menschen, die die Botschaft zwar hören, aber dann kommt sofort der Satan und nimmt weg, was in ihr Herz gesät wurde.

16Bei anderen ist es wie bei dem Samen, der auf felsigen Grund fällt. Sie hören die Botschaft und nehmen sie sogleich mit Freuden an; 17aber sie kann in ihnen keine Wurzeln schlagen, weil diese Leute unbeständig sind. Wenn sie wegen der Botschaft in Schwierigkeiten geraten oder verfolgt werden, werden sie gleich an ihr irre.

18Wieder bei anderen ist es wie bei dem Samen, der in das Dornengestrüpp fällt. Sie hören zwar die Botschaft, 19aber sie verlieren sich in ihren Alltagssorgen, lassen sich vom Reichtum verführen und leben nur für ihre Wünsche. Dadurch wird die Botschaft erstickt und bleibt wirkungslos.

4,19
1 Tim 6,9-10

20Bei anderen schließlich ist es wie bei dem Samen, der auf guten Boden fällt. Sie hören die Botschaft, nehmen sie an und bringen Frucht, manche dreißigfach, andere sechzigfach, wieder andere hundertfach.«

Vom Verstehen der Guten Nachricht

(Lk 8,16-18)

21Jesus fuhr fort: »Ist die Lampe etwa dazu da, um sie unter einen Topf oder unters Bett zu stellen? Nein, sie wird auf den Lampenständer gestellt!

4,21
Mt 5,15
22So soll alles, was jetzt noch an Gottes Botschaft verborgen ist, ans Licht kommen, und was jetzt noch an ihr unverständlich ist, soll verstanden werden.4,22 an Gottes Botschaft und an ihr: verdeutlichende Zusätze.
4,22
Mt 10,26
23Wer Ohren hat, soll gut zuhören!«

24Er fügte hinzu: »Achtet auf das, was ich euch sage! Nach dem Maß eures Zuhörens wird Gott euch Verständnis geben, ja noch über das Maß eures Zuhörens hinaus!

4,24
Mt 7,2
25Denn wer viel hat, dem wird noch mehr gegeben werden, aber wer wenig hat, dem wird auch noch das wenige genommen werden, das er hat.«
4,25
Mt 25,29

Das Gleichnis von der selbstwachsenden Saat

26Zu den versammelten Menschen4,26 Verdeutlichender Zusatz. Aus Vers 33 darf geschlossen werden, dass die Gleichnisse in den Versen 26-32 wieder (wie das Gleichnis in den Versen 3-9) an die versammelte Menschenmenge gerichtet sind. sagte Jesus:

»Mit der neuen Welt Gottes4,26 Wörtlich Mit der Königsherrschaft Gottes. ist es wie mit dem Bauern und seiner Saat: Hat er gesät, 27so geht er nach Hause, legt sich nachts schlafen, steht morgens wieder auf – und das viele Tage lang.

Inzwischen geht die Saat auf und wächst; der Bauer weiß nicht wie.

4,27
Jak 5,7
28Ganz von selbst lässt der Boden die Pflanzen wachsen und Frucht bringen. Zuerst kommen die Halme, dann bilden sich die Ähren und schließlich füllen sie sich mit Körnern.

29Sobald das Korn reif ist, schickt der Bauer die Schnitter, denn es ist Zeit zum Ernten.«

4,29
Joel 4,13
Offb 14,14-15

Das Gleichnis vom Senfkorn: Der entscheidende Anfang ist gemacht

(Mt 13,31-32.34-35; Lk 13,18-19)

30»Wie geht es zu, wenn Gott seine Herrschaft aufrichtet?«, fragte Jesus. »Womit können wir das vergleichen? 31Es ist wie beim Senfkorn: Wenn es in die Erde gesät wird, ist es der kleinste Same, den es gibt. 32Aber ist es einmal gesät, so geht es auf und wird größer als alle anderen Gartenpflanzen. Es treibt so große Zweige, dass die Vögel in seinem Schatten ihre Nester bauen.«4,32 Mit dem Bild vom Baum und seinen Vögeln wird auf die bildhafte Ankündigung der Herrschaft Gottes bei den Propheten angespielt; vgl. Dan 4,9.17-18; Ez 17,23. Bei den Vögeln ist wohl speziell an die nicht jüdischen Völker zu denken.

4,32
Ez 17,23

33Jesus erzählte den Leuten noch viele ähnliche Gleichnisse, damit sie ihn besser verstehen konnten, und verkündete ihnen so die Botschaft Gottes. 34Nie sprach er zu ihnen, ohne Gleichnisse zu gebrauchen. Aber wenn er mit seinen Jüngern allein war, erklärte er ihnen alles.

Im Sturm auf die Probe gestellt

(Mt 8,18.23-27; Lk 8,22-25)

35Am Abend jenes Tages sagte Jesus zu seinen Jüngern: »Kommt, wir fahren zum anderen Ufer hinüber!« 36Die Jünger verabschiedeten die Leute; dann stiegen sie ins Boot, in dem Jesus saß, und fuhren los. Auch andere Boote fuhren mit.

37Da kam ein schwerer Sturm auf, sodass die Wellen ins Boot schlugen. Das Boot füllte sich schon mit Wasser, 38Jesus aber lag hinten im Boot auf dem Sitzkissen und schlief. Die Jünger weckten ihn und riefen: »Lehrer, kümmert es dich nicht, dass wir untergehen?«

39Jesus stand auf, sprach ein Machtwort zu dem Sturm und befahl dem tobenden See: »Schweig! Sei still!« Da legte sich der Wind und es wurde ganz still.

4,39
Ps 89,10
Mk 6,51

40»Warum habt ihr solche Angst?«, fragte Jesus. »Habt ihr denn immer noch kein Vertrauen?«

41Da befiel sie große Furcht und sie fragten sich: »Wer ist das nur, dass ihm sogar Wind und Wellen gehorchen!«

5

Der Besessene von Gerasa

(Mt 8,28-34; Lk 8,26-39)

51Auf der anderen Seite des Sees kamen sie in das Gebiet von Gerasa.

2Als Jesus aus dem Boot stieg, lief ihm aus den Grabhöhlen ein Mann entgegen, der von einem bösen Geist besessen war. 3Er hauste dort in den Grabhöhlen und niemand konnte ihn bändigen, nicht einmal mit Ketten. 4Schon oft hatte man ihn an Händen und Füßen gefesselt, aber jedes Mal hatte er die Ketten zerrissen. Kein Mensch wurde mit ihm fertig. 5Er war Tag und Nacht in den Grabhöhlen oder auf den Bergen und schrie und schlug mit Steinen auf sich ein.

6Schon von Weitem sah er Jesus, rannte auf ihn zu, warf sich vor ihm nieder 7und schrie: »Jesus, du Sohn des höchsten Gottes, was habe ich mit dir zu schaffen? Ich beschwöre dich bei Gott, quäle mich nicht!«

5,7
3,11
8Denn Jesus hatte dem bösen Geist befohlen, aus dem Mann auszufahren.

9Nun fragte Jesus ihn: »Wie heißt du?«

Er antwortete: »Legion. Wir sind nämlich viele!« 10Und er flehte Jesus an: »Vertreib uns nicht aus dieser Gegend!«

11In der Nähe weidete eine große Schweineherde am Berghang. 12Die bösen Geister baten: »Schick uns doch in die Schweine!«

13Jesus erlaubte es ihnen. Da kamen sie heraus aus dem Mann und fuhren in die Schweine, und die Herde raste das steile Ufer hinab in den See und ertrank. Es waren etwa zweitausend Tiere.

14Die Schweinehirten liefen davon und erzählten in der Stadt und in den Dörfern, was geschehen war. Die Leute wollten es mit eigenen Augen sehen. 15Sie kamen zu Jesus und sahen den Mann, der von einer ganzen Legion böser Geister besessen gewesen war: Er saß da, ordentlich angezogen und bei klarem Verstand. Da befiel sie große Furcht. 16Die Augenzeugen berichteten ihnen ausführlich, was an dem Besessenen geschehen war, und sie erzählten auch die Geschichte mit den Schweinen. 17Darauf forderten die Leute Jesus auf, ihr Gebiet zu verlassen.

18Als Jesus ins Boot stieg, bat ihn der Geheilte: »Ich möchte bei dir bleiben!«

19Aber Jesus erlaubte es ihm nicht, sondern sagte: »Geh zurück zu deinen Angehörigen und erzähl ihnen, was Gott an dir getan und wie er mit dir Erbarmen gehabt hat.«

20Der Mann gehorchte und ging. Er zog durch das Gebiet der Zehn Städte und verkündete überall, was Jesus an ihm getan hatte. Und alle staunten.

Jesus heilt eine kranke Frau und erweckt ein Mädchen vom Tod

(Mt 9,18-26; Lk 8,40-56)

21Jesus fuhr wieder ans andere Seeufer zurück. Bald hatte sich eine große Menschenmenge um ihn versammelt.

Noch während Jesus am See war, 22kam ein Synagogenvorsteher namens Jaïrus, sah ihn, warf sich vor ihm nieder 23und bat ihn dringlich: »Meine kleine Tochter ist todkrank. Komm doch und leg ihr die Hände auf, damit sie gerettet wird und am Leben bleibt!«

24Da ging Jesus mit ihm.

Eine große Menschenmenge folgte Jesus und umdrängte ihn. 25Es war auch eine Frau dabei, die seit zwölf Jahren an Blutungen litt.

5,25
Lev 15,25-27
26Sie war schon bei den verschiedensten Ärzten gewesen und hatte viele Behandlungen über sich ergehen lassen. Ihr ganzes Vermögen hatte sie dabei ausgegeben, aber es hatte nichts genützt; im Gegenteil, ihr Leiden war nur schlimmer geworden.

27Diese Frau hatte von Jesus gehört; sie drängte sich in der Menge von hinten an ihn heran und berührte sein Gewand.

5,27
Mt 9,20
28Denn sie sagte sich: »Wenn ich nur sein Gewand anfasse, werde ich gesund.« 29Im selben Augenblick hörte die Blutung auf, und sie spürte, dass sie ihre Plage los war.

30Jesus bemerkte, dass heilende Kraft von ihm ausgegangen war, und sofort drehte er sich in der Menge um und fragte: »Wer hat mein Gewand berührt?«

31Die Jünger sagten: »Du siehst, wie die Leute sich um dich drängen, und da fragst du noch: ›Wer hat mich berührt?‹«

32Aber Jesus blickte umher, um zu sehen, wer es gewesen war. 33Die Frau zitterte vor Angst; sie wusste ja, was mit ihr vorgegangen war. Darum trat sie vor, warf sich vor Jesus nieder und erzählte ihm alles.

34Jesus sagte zu ihr: »Meine Tochter, dein Vertrauen hat dir geholfen. Geh in Frieden und sei frei von deinem Leiden!«

5,34
Lk 7,50

35Während Jesus noch sprach, kamen Boten aus dem Haus des Synagogenvorstehers und sagten zu Jaïrus: »Deine Tochter ist gestorben. Du brauchst den Lehrer nicht weiter zu bemühen.«

36Jesus hörte mit an, was sie redeten, und sagte zu dem Synagogenvorsteher: »Erschrick nicht, hab nur Vertrauen!« 37Er ließ niemand weiter mitkommen außer Petrus, Jakobus und dessen Bruder Johannes.

38Als sie zum Haus des Synagogenvorstehers kamen, sah Jesus schon die aufgeregten Menschen und hörte das laute Klagegeschrei. 39Er ging ins Haus und sagte: »Was soll der Lärm? Warum weint ihr? Das Kind ist nicht tot – es schläft nur.«

5,39
Joh 11,11-13

40Da lachten sie ihn aus. Er aber warf sie alle hinaus, nahm nur den Vater des Kindes und die Mutter und die drei Jünger mit sich und ging in den Raum, in dem das Kind lag. 41Er nahm es bei der Hand und sagte: »Talita kum!« Das heißt übersetzt: »Steh auf, Mädchen!«

5,41
1,319,27
Apg 9,41

42Das Mädchen stand sofort auf und ging umher. Es war zwölf Jahre alt.

Alle waren vor Entsetzen außer sich. 43Aber Jesus schärfte ihnen nachdrücklich ein, es niemand weiterzuerzählen.

Dann sagte er: »Gebt dem Kind etwas zu essen!«

5,43
1,443,127,36
Mt 9,30
Lk 8,56
Mk 9,9

6

Jesus in Nazaret

(Mt 13,53-58; Lk 4,16-30)

61Von dort ging Jesus in seine Heimatstadt. Seine Jünger begleiteten ihn.

2Am Sabbat sprach er in der Synagoge, und viele, die ihn hörten, waren sehr verwundert. »Wo hat er das her?«, fragten sie einander. »Was ist das für eine Weisheit, die ihm gegeben ist? Und erst die Wunder, die durch ihn geschehen!

6,2
Joh 7,15
3Ist er nicht der Zimmermann, der Sohn von Maria, der Bruder von Jakobus, Joses, Judas und Simon? Und leben nicht auch seine Schwestern hier bei uns?«

Darum wollten sie nichts von ihm wissen.

6,3
Joh 6,42

4Aber Jesus sagte zu ihnen: »Ein Prophet gilt nirgends so wenig wie in seiner Heimat, bei seinen Verwandten und in seiner Familie.«

6,4
Joh 4,44

5Deshalb konnte er dort auch keine Wunder tun; nur einigen Kranken legte er die Hände auf und heilte sie. 6aEr wunderte sich, dass die Leute von Nazaret ihm das Vertrauen verweigerten.

Die Aussendung der Zwölf

(Mt 10,1.5-14; Lk 9,1-6)

6bJesus ging in die umliegenden Dörfer und sprach dort zu den Menschen. 7Dann rief er die Zwölf zu sich; er gab ihnen die Vollmacht, die bösen Geister auszutreiben, und sandte sie zu zweien aus. 8Er befahl ihnen, nichts mit auf den Weg zu nehmen außer einem Wanderstock; kein Brot, keine Vorratstasche und auch kein Geld. 9»Sandalen dürft ihr anziehen«, sagte er, »aber nicht zwei Hemden übereinander!«6,9 Dies war bei wohlhabenden Leuten üblich.

10Weiter sagte er: »Wenn jemand euch aufnimmt, dann bleibt in seinem Haus, bis ihr von dem Ort weiterzieht. 11Wenn ihr in einen Ort kommt, wo die Leute euch nicht aufnehmen und euch auch nicht anhören wollen, dann zieht sogleich weiter und schüttelt den Staub von den Füßen, damit sie gewarnt sind.«6,11 damit sie ...: wörtlich ihnen zur Bezeugung; siehe Sacherklärung »Staub«.

12Die Zwölf machten sich auf den Weg und forderten die Menschen auf, ihr Leben zu ändern.6,12 ihr Leben zu ändern: siehe Sacherklärung »Umkehr«. 13Sie trieben viele böse Geister aus und salbten viele Kranke mit Öl und heilten sie.

6,13
Jak 5,14

Was das Volk und Herodes von Jesus denken

(Mt 14,1-2; Lk 9,7-9)

14Inzwischen hatte auch König Herodes6,14 Herodes Antipas; siehe Sacherklärung »Herodes (3)«. von Jesus gehört; denn überall redete man von ihm. Die einen sagten: »Der Täufer Johannes ist vom Tod auferweckt worden, darum wirken solche Kräfte in ihm.«

6,14-15
8,28
15Andere meinten: »Er ist der wiedergekommene Elija«; wieder andere: »Er ist ein Prophet wie die Propheten der alten Zeit.«
6,15
Lk 7,16

16Herodes aber war überzeugt, dass er der Täufer Johannes sei. »Es ist der, dem ich den Kopf abschlagen ließ«, sagte er, »und jetzt ist er vom Tod auferweckt worden.«

Vom Tod des Täufers Johannes

(Mt 14,3-12)

17Herodes hatte nämlich Johannes festnehmen und gefesselt ins Gefängnis werfen lassen. Der Grund dafür war: Herodes hatte seinem Bruder Philippus die Frau, Herodias, weggenommen und sie geheiratet.

6,17-18
Lk 3,19-20
18Johannes hatte ihm daraufhin vorgehalten: »Das Gesetz Gottes erlaubt dir nicht, die Frau deines Bruders zu heiraten.«
6,18
Ex 20,14
Lev 18,16
20,21

19Herodias war wütend auf Johannes und wollte ihn töten, konnte sich aber nicht durchsetzen. 20Denn Herodes wusste, dass Johannes ein frommer und heiliger Mann war; darum wagte er nicht, ihn anzutasten. Er hielt ihn zwar in Haft, ließ sich aber gerne etwas von ihm sagen, auch wenn er beim Zuhören jedes Mal in große Verlegenheit geriet.

21Aber dann kam für Herodias die günstige Gelegenheit. Herodes hatte Geburtstag und veranstaltete ein Festessen für seine hohen Regierungsbeamten, die Offiziere und die angesehensten Bürger von Galiläa. 22Dabei trat die Tochter von Herodias6,22 In den wichtigsten Handschriften steht seine Tochter Herodias. Doch der Zusammenhang erfordert zwingend die Deutung: seine Tochter, die der Herodias. als Tänzerin auf. Das gefiel Herodes und den Gästen so gut, dass der König zu dem Mädchen sagte: »Wünsche dir, was du willst; du wirst es bekommen.« 23Er schwor sogar: »Ich gebe dir alles, was du willst, und wenn es mein halbes Königreich wäre!«

6,23
Est 5,3

24Das Mädchen ging hinaus zu seiner Mutter und fragte: »Was soll ich mir wünschen?«

Die Mutter sagte: »Den Kopf des Täufers Johannes.«

25Schnell ging das Mädchen wieder hinein zum König und verlangte: »Ich will, dass du mir sofort auf einem Teller den Kopf des Täufers Johannes überreichst!«

26Der König wurde sehr traurig; aber weil er vor allen Gästen einen Schwur geleistet hatte, wollte er die Bitte nicht abschlagen. 27Er schickte den Henker und befahl ihm, den Kopf von Johannes zu bringen.

Der Henker ging ins Gefängnis und enthauptete Johannes. 28Er brachte den Kopf auf einem Teller herein, überreichte ihn dem Mädchen, und das Mädchen gab ihn seiner Mutter.

29Als die Jünger des Täufers erfuhren, was geschehen war, holten sie den Toten und legten ihn in ein Grab.

Jesus macht fünftausend Menschen satt

(Mt 14,13-21; Lk 9,10-17; Joh 6,1-13)

30Die Apostel kehrten zu Jesus zurück und berichteten ihm, was sie alles in seinem Auftrag getan und den Menschen verkündet hatten.

6,30
Lk 10,17
31Jesus sagte zu ihnen: »Kommt jetzt mit, ihr allein! Wir suchen einen ruhigen Platz, damit ihr euch ausruhen könnt.« Denn es war ein ständiges Kommen und Gehen, sodass sie nicht einmal Zeit zum Essen hatten.

32So stiegen sie in ein Boot und fuhren an eine einsame Stelle.

6,32-44
8,1-10
33Aber die Leute sahen sie abfahren und erzählten es weiter. So kam es, dass Menschen aus allen Orten zusammenliefen und noch früher dort waren als Jesus und die Zwölf.

34Als Jesus aus dem Boot stieg, sah er die vielen Menschen. Da ergriff ihn das Mitleid, denn sie waren wie Schafe, die keinen Hirten haben. Darum sprach er lange zu ihnen.

6,34
8,2

35Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu Jesus und sagten: »Es ist schon spät und die Gegend hier ist einsam. Schick doch die Leute weg! 36Sie sollen in die Höfe und Dörfer ringsum gehen und sich etwas zu essen kaufen!«

37Jesus erwiderte: »Gebt doch ihr ihnen zu essen!«

Die Jünger sagten: »Da müssten wir ja losgehen und für zweihundert Silberstücke Brot kaufen!«

38Jesus fragte sie: »Wie viele Brote habt ihr denn bei euch? Geht, seht nach!«

Sie sahen nach und sagten: »Fünf, und zwei Fische.«

39Da ließ er die Jünger dafür sorgen, dass sich alle in Tischgemeinschaften im grünen Gras niedersetzten. 40So lagerten sich die Leute in Gruppen zu hundert und zu fünfzig.

41Dann nahm Jesus die fünf Brote und die zwei Fische, sah zum Himmel auf und sprach das Segensgebet darüber. Er brach die Brote in Stücke und gab die Stücke den Jüngern, damit sie sie an die Leute verteilten. Auch die zwei Fische ließ er an alle austeilen.

42Und sie aßen alle und wurden satt. 43Sie füllten sogar noch zwölf Körbe mit dem, was von den Broten übrig blieb. Auch von den Fischen wurden noch Reste eingesammelt. 44Fünftausend Männer hatten an der Mahlzeit teilgenommen.

Jesus geht über das Wasser

(Mt 14,22-33; Joh 6,16-21)

45Gleich darauf drängte Jesus seine Jünger, ins Boot zu steigen und nach Betsaida ans andere Seeufer vorauszufahren. Er selbst wollte erst noch die Menschenmenge verabschieden. 46Als er damit fertig war, ging er auf einen Berg,6,46 Wörtlich auf den Berg; siehe Sacherklärung »Berg«. um zu beten.

6,46
Lk 5,16

47Bei Einbruch der Dunkelheit war Jesus allein an Land und das Boot mitten auf dem See. 48Jesus sah, dass seine Jünger beim Rudern nur mühsam vorwärtskamen, weil sie gegen den Wind ankämpfen mussten. Deshalb kam er im letzten Viertel der Nacht zu ihnen. Er ging über das Wasser und wollte an ihnen vorübergehen.

6,48
Ijob 9,8
Lk 24,28

49Als die Jünger ihn auf dem Wasser gehen sahen, meinten sie, es sei ein Gespenst, und schrien auf.

6,49
Lk 24,37
50Denn sie alle sahen ihn und waren ganz verstört. Sofort sprach er sie an: »Fasst Mut! Ich bin’s,6,50 Siehe Anmerkung zu Joh 8,24. fürchtet euch nicht!« 51Dann stieg er zu ihnen ins Boot und der Wind legte sich.

Da gerieten sie vor Entsetzen ganz außer sich.

6,51
4,39
52Denn sie waren durch das Wunder mit den Broten nicht zur Einsicht gekommen; sie waren im Innersten verstockt.
6,52
8,16-21

Jesus heilt Kranke in Gennesaret

(Mt 14,34-36)

53Sie überquerten den See und landeten bei Gennesaret. 54Als sie aus dem Boot stiegen, erkannten die Leute Jesus sofort. 55Sie liefen in der ganzen Gegend umher und brachten die Kranken auf ihren Matten jeweils an den Ort, von dem sie hörten, dass Jesus dort sei. 56Wohin er auch kam, in Städte, Dörfer oder Höfe, überall legte man die Kranken hinaus auf die Plätze und bat ihn, dass sie nur die Quaste seines Gewandes berühren dürften. Und alle, die es taten, wurden gesund.

6,56
Mt 9,20