Gute Nachricht Bibel (GNB)
7

Jesus und seine Brüder

71Danach zog Jesus in Galiläa umher. Er hielt sich von Judäa fern, weil die führenden Männer7,1 Wörtlich die Juden; vgl. Anmerkung zu 1,19. dort ihn töten wollten.

7,1
5,18
7,19-2025
8,3740
11,53
Mk 3,66,19

2Das jüdische Laubhüttenfest stand vor der Tür.

7,2
Ex 23,16
3Da sagten seine Brüder zu ihm: »Du solltest nicht hierbleiben, sondern nach Judäa gehen, damit deine Anhänger dort die großen Taten zu sehen bekommen, die du tust. 4Wenn jemand bekannt werden möchte, versteckt er sich nicht. Wenn du schon solche Taten vollbringst, dann sorge auch dafür, dass alle Welt davon erfährt!« 5Denn nicht einmal seine Brüder schenkten ihm Glauben.
7,5
16,9

6Jesus sagte zu ihnen: »Meine Zeit ist noch nicht da. Für euch dagegen passt jede Zeit.

7,6
2,4
7Euch kann die Welt nicht hassen; aber mich hasst sie, weil ich als Zeuge gegen sie bestätige, dass ihr Tun böse ist.
7,7
15,18-19
8Zieht doch ihr zu diesem Fest hinauf! Ich gehe nicht zum Fest, weil meine Zeit noch nicht da ist.«

9Das sagte er zu ihnen und blieb in Galiläa.

Jesus in Jerusalem

10Nachdem seine Brüder zum Fest nach Jerusalem hinaufgegangen waren, kam Jesus nach; aber er zeigte sich nicht in der Öffentlichkeit.

11Die führenden Männer7,11 Wörtlich Die Juden, ebenso in den Versen 13 und 15 (Leute); vgl. Anmerkung zu 1,19. suchten ihn unter den Festbesuchern. »Wo ist er?«, fragten sie.

7,11
11,56
12In der Volksmenge wurde viel über ihn geflüstert. »Der Mann ist gut«, meinten einige. Andere entgegneten: »Nein, er ist ein Volksverführer.« 13Aber niemand sprach offen über ihn, weil sie Angst vor ihren führenden Männern hatten.
7,13
9,22

14Die Hälfte der Festwoche war schon vorüber, da ging Jesus hinauf in den Tempel und lehrte das Volk. 15Die Leute waren sehr erstaunt und sagten: »Er hat doch keinen Lehrer gehabt. Wie kommt es, dass er die Heiligen Schriften so gut kennt?«

7,15
Mk 6,2Lk 2,47

16Jesus ging darauf ein und sagte: »Meine Lehre habe ich nicht selbst ausgedacht. Ich habe sie von Gott, der mich gesandt hat.

7,16
12,49
14,10
17Wer bereit ist, Gott zu gehorchen, wird merken, ob meine Lehre von Gott ist oder ob ich meine eigenen Gedanken vortrage. 18Wer seine eigenen Gedanken vorträgt, dem geht es um die eigene Ehre. Wer aber die Ehre dessen sucht, der ihn gesandt hat, ist vertrauenswürdig. Man kann ihm keinen Betrug vorwerfen.
7,18
8,50
5,41
12,43
19Mose hat euch doch das Gesetz gegeben. Aber niemand von euch hält sich daran. Ihr wollt mich sogar töten!«
7,19
1,17
Röm 2,17-24

20Die Menge antwortete: »Du bist wohl von einem bösen Geist besessen! Wer will dich töten?«

7,20
8,48

21Jesus antwortete: »Ich habe hier in Jerusalem eine einzige Tat vollbracht und ihr nehmt alle Anstoß daran.7,21 Es handelt sich um die Heilung des Kranken am Teich Betesda (vgl. 5,5-9). 22Ihr beschneidet eure Söhne, wenn es sein muss, auch am Sabbat, weil Mose angeordnet hat, dass eure Kinder am achten Tag beschnitten werden sollen.7,22 wenn es sein muss und am achten Tag ...: verdeutlichende Zusätze; vgl. Lev 12,3. – Aber eigentlich haben schon die Stammväter die Beschneidung eingeführt und nicht erst Mose. –

7,22
Lev 12,3
Gen 17,9-14
23Ein Junge wird also auch am Sabbat an einem Teil seines Körpers beschnitten, damit die Vorschriften Moses nicht verletzt werden. Wie könnt ihr euch dann über mich aufregen, weil ich am Sabbat einen ganzen Menschen gesund gemacht habe? 24Urteilt nicht nach dem äußeren Eindruck, sondern wie es wirklich dem Gesetz entspricht!«

Ist er der versprochene Retter?

25Einige Leute in Jerusalem sagten: »Seht euch das an! Ist das nicht der, den sie töten wollten?

7,25
7,1
26Er redet in aller Öffentlichkeit und keiner verbietet es ihm! Sollten die Ratsmitglieder zu der Überzeugung gekommen sein, dass er der versprochene Retter7,26 Wörtlich der Christus; ebenso in Vers 31. ist?
7,26
4,25
27Aber wenn der Retter eines Tages auftritt, wird keiner wissen, woher er kommt. Und die Herkunft dieses Menschen kennen wir doch alle!«
7,27
9,29

28Jesus aber, der gerade im Tempel lehrte, rief mit lauter Stimme: »Wisst ihr wirklich, wer ich bin und woher ich komme? Ich bin nicht im eigenen Auftrag gekommen. Aber der, der mich gesandt hat, ist glaubwürdig. Und den kennt ihr nicht.

7,28-29
8,1455
17,825
29Ich kenne ihn, denn ich komme von ihm und er hat mich gesandt.«

30Da wollten sie ihn festnehmen. Aber keiner konnte Hand an ihn legen, denn seine Stunde war noch nicht gekommen.

7,30
7,44
2,4
31Viele in der Menge kamen zum Glauben an ihn und sagten: »Kann der versprochene Retter, wenn er kommt, mehr Wunderzeichen tun, als dieser Mann getan hat?«
7,31
2,23
4,25

Jesus kündigt seinen Weggang an

32Die Pharisäer hörten, dass die Leute so über Jesus redeten. Auf ihre Veranlassung schickten die führenden Priester einige Gerichtspolizisten aus, die ihn verhaften sollten.

33Jesus sagte: »Nur noch kurze Zeit bin ich bei euch, dann kehre ich zu dem zurück, der mich gesandt hat.

7,33
13,33
34Ihr werdet mich suchen, aber nicht finden; denn wo ich dann bin, dorthin könnt ihr nicht kommen.«
7,34
8,21
13,36

35Die Leute7,35 Wörtlich die Juden; vgl. Anmerkung zu 1,19. sagten unter sich: »Wohin wird er gehen, dass wir ihn nicht finden können? Will er ins Ausland reisen und dort den Nichtjuden seine Lehre vortragen? 36Was soll das heißen, wenn er sagt: ›Ihr werdet mich suchen, aber nicht finden‹? Und: ›Wo ich dann bin, dorthin könnt ihr nicht kommen‹?«

Lebendiges Wasser im Überfluss

37Am letzten Festtag,7,37 Siehe Sacherklärung »Laubhüttenfest«, auch zu 8,12. dem Höhepunkt des ganzen Festes, trat Jesus vor die Menge und rief: »Wer durstig ist, soll zu mir kommen und trinken –

7,37
Lev 23,36
Joh 4,1014
Offb 22,17
38jeder, der mir vertraut! Denn in den Heiligen Schriften heißt es: ›Aus seinem Innern wird lebendiges Wasser strömen.‹«7,38 Im Alten Testament findet sich keine Stelle mit diesem Wortlaut, man kann aber vermuten, dass an Stellen wie Num 20,8 und Ez 47,1-12 gedacht ist; vgl. auch 1 Kor 10,4.

39Jesus meinte damit den Geist Gottes, den die erhalten sollten, die ihn im Glauben annehmen. Damals war der Geist noch nicht gekommen, weil Jesus noch nicht in Gottes Herrlichkeit aufgenommen war.

7,39
14,16

Meinungsverschiedenheiten

40Als die Leute in der Menge dieses Wort von Jesus hörten, sagten einige: »Er ist wirklich der Prophet, der kommen soll!«

7,40
6,14
41Andere meinten: »Er ist der versprochene Retter!«7,41 Wörtlich der Christus. Wieder andere sagten: »Der Retter kommt doch nicht aus Galiläa! 42In den Heiligen Schriften steht, dass er von David abstammt und aus Betlehem kommt, dem Dorf, in dem David lebte.«
7,42
Jes 11,1
Mi 5,1
Mt 20,30-31

43Die Menge war also geteilter Meinung über ihn. 44Einige hätten ihn am liebsten festgenommen; aber niemand konnte Hand an ihn legen.

7,44
7,30

Der Unglaube der Verantwortlichen

45Die Gerichtspolizisten kehrten wieder zurück. Die führenden Priester und die Pharisäer fragten sie: »Warum habt ihr ihn nicht mitgebracht?«

46Die Männer antworteten: »So wie dieser Mensch hat noch keiner gesprochen.«

47»Ihr habt euch also auch von ihm hinters Licht führen lassen!«, sagten die Pharisäer. 48»Gibt es denn unter den Mitgliedern des Rates oder den Pharisäern einen Einzigen, der seinen Anspruch ernst nimmt?7,48 Wörtlich der an ihn glaubt. 49Die Menge tut es. Sie kennt Gottes Gesetz nicht und steht deshalb unter seinem Fluch.«

50Da sagte Nikodemus, der selbst Pharisäer und Ratsmitglied war und der Jesus früher einmal aufgesucht hatte:

7,50
3,1
51»Ist es nach unserem Gesetz möglich, einen Menschen zu verurteilen, ohne dass wir ihn verhört haben? Erst muss doch festgestellt werden, ob er sich strafbar gemacht hat.«
7,51
Dtn 1,16-17
17,6

52»Du kommst anscheinend auch aus Galiläa«, erwiderten sie. »Lies die Heiligen Schriften genauer, dann wirst du sehen, dass der erwartete Prophet7,52 der erwartete Prophet: wörtlich der Prophet. Viele Handschriften haben ein Prophet; doch dagegen spricht die Herkunft des Propheten Jona aus Galiläa (2 Kön 14,25). Vgl. außerdem Joh 1,21; 6,14; 7,40. nicht aus Galiläa kommt.«

Jesus und die Ehebrecherin7,53 Der Abschnitt 7,53–8,11 ist sehr alt, hat aber ursprünglich nicht zur »Guten Nachricht nach Johannes« gehört. In vielen Handschriften fehlt er ganz, in anderen ist er an unterschiedlichen Stellen eingeordnet.

53Dann gingen sie alle nach Hause.

8

81Jesus aber ging zum Ölberg. 2Am nächsten Morgen kehrte er sehr früh zum Tempel zurück.

Alle Leute dort versammelten sich um ihn. Er setzte sich und sprach zu ihnen über den Willen Gottes.

3Da führten die Gesetzeslehrer und Pharisäer eine Frau herbei, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte 4und sagten zu Jesus: »Lehrer, diese Frau wurde ertappt, als sie gerade Ehebruch beging. 5Im Gesetz schreibt Mose uns vor, dass eine solche Frau gesteinigt werden muss. Was sagst du dazu?«

8,5
Dtn 22,22-24
Lev 20,10

6Mit dieser Frage wollten sie ihm eine Falle stellen, um ihn anklagen zu können. Aber Jesus bückte sich nur und schrieb mit dem Finger auf die Erde.

8,6
Mk 12,13
7Als sie nicht aufhörten zu fragen, richtete er sich auf und sagte zu ihnen: »Wer von euch noch nie eine Sünde begangen hat, soll den ersten Stein auf sie werfen!«
8,7
Dtn 17,7
13,10
8Dann bückte er sich wieder und schrieb auf die Erde.

9Als sie das hörten, zog sich einer nach dem andern zurück; die Älteren gingen zuerst. Zuletzt war Jesus allein mit der Frau, die immer noch dort stand.

10Er richtete sich wieder auf und fragte sie: »Frau, wo sind sie geblieben? Ist keiner mehr da, um dich zu verurteilen?«

11»Keiner, Herr«, antwortete sie.

Da sagte Jesus: »Ich verurteile dich auch nicht. Du kannst gehen; aber tu diese Sünde nicht mehr!«

8,11
5,14

Jesus ist das Licht der Welt

12Jesus sprach weiter zu den Leuten: »Ich bin das Licht für die Welt.8,12 Ich bin: siehe Sacherklärung »Ich-bin-Worte«. Wer mir folgt, tappt nicht mehr im Dunkeln, sondern hat das Licht und mit ihm das Leben.«

8,12 (Licht)
1,59-10
3,19
9,5
12,46
1 Joh 2,8
Jes 49,6

13Die Pharisäer sagten zu ihm: »Jetzt trittst du als Zeuge in eigener Sache auf. Was du sagst, hat keine Beweiskraft!«

8,13
5,31-32

14»Was ich sage, ist wahr«, entgegnete Jesus, »selbst wenn ich mein eigener Zeuge bin. Ich weiß nämlich, woher ich gekommen bin und wohin ich gehe. Ihr aber wisst nicht, woher ich komme und wohin ich gehe.

8,14
7,28-29
15Ihr urteilt und verurteilt nach menschlichen Maßstäben; ich verurteile niemand.

16Wenn ich aber ein Urteil fälle, dann ist es auf die Wahrheit gegründet und gültig; denn ich stehe damit nicht allein da. Es ist mein Urteil und das meines Vaters, der mich gesandt hat. 17In eurem Gesetz heißt es, dass die übereinstimmende Aussage von zwei Zeugen gültig ist.

8,17
Dtn 19,15
Mt 18,16
18Ich bin mein eigener Zeuge, und auch der Vater, der mich gesandt hat, tritt für mich als Zeuge auf.«
8,18
5,36-37
1 Joh 5,9

19»Wo ist denn dein Vater?«, fragten sie ihn.

Jesus antwortete: »Ihr kennt weder mich noch meinen Vater. Wenn ihr mich kennen würdet, würdet ihr auch meinen Vater kennen.«

8,19
5,18

20Das alles sagte Jesus, als er im Tempel lehrte. Es geschah in der Halle, wo die Kästen für die Geldspenden aufgestellt waren. Und keiner konnte ihn festnehmen; denn seine Stunde war noch nicht gekommen.

8,20
2,4

Wo ich hingehe, dorthin könnt ihr nicht kommen

21Jesus sagte noch einmal zu ihnen: »Ich werde fortgehen. Dann werdet ihr vergeblich nach mir suchen und in eurem Unglauben8,21 eurem Unglauben: wörtlich eurer Sünde. zugrunde gehen. Wo ich hingehe, dorthin könnt ihr nicht kommen.«

8,21
7,33-34

22Die Leute8,22 Wörtlich die Juden; vgl. Anmerkung zu 1,19. meinten: »Wenn er sagt: ›Wo ich hingehe, dorthin könnt ihr nicht kommen‹ – heißt das, dass er Selbstmord begehen will?«

23Jesus antwortete: »Ihr seid von hier unten, aber ich komme von oben. Ihr gehört zu dieser Welt, aber ich bin nicht von dieser Welt.

8,23
3,31
24Ich habe es euch ja gesagt, dass ihr in eurem Unglauben zugrunde gehen werdet. Ich bin der, an dem sich alles entscheidet.8,24 Wörtlich Ich bin; ebenso in Vers 28. Jesus verwendet hier die Formel, mit der im Alten Testament Gott von sich selbst spricht und sich seinem Volk gegenüber als den Retter und Herrn der Welt bezeichnet (Jes 41,4; 43,10 u.a.). Wenn ihr das nicht glauben wollt, werdet ihr in eurem Unglauben zugrunde gehen.«
8,24
13,19

25»Du? Wer bist du denn?«, fragten sie ihn.

Jesus antwortete: »Was rede ich überhaupt noch zu euch?8,25 überhaupt gibt eine griechische Wendung wieder, die wörtlich lautet (was) den Anfang/das Prinzip (betrifft). Der ganze Satz kann als Frage oder als Ausruf verstanden werden. 26Ich hätte zwar vieles über euch zu sagen und allen Grund, euch zu verurteilen; aber der, der mich gesandt hat, steht zu seinen Zusagen; und ich sage der Welt nur das, was ich bei ihm gehört habe.«

8,26
3,17
8,15
12,47

27Sie verstanden nicht, dass Jesus vom Vater sprach. 28Deshalb sagte er zu ihnen: »Wenn ihr den Menschensohn erhöht8,28 Jesus spricht von seiner Kreuzigung; vgl. Anmerkung zu 12,32. habt, werdet ihr es begreifen: Ich bin der, an dem sich alles entscheidet. Dann werdet ihr auch erkennen, dass ich nichts von mir aus tue, sondern nur das sage, was der Vater mich gelehrt hat.

8,28
12,32-34
4,34
29Er, der mich gesandt hat, steht mir zur Seite und lässt mich nicht allein; denn ich tue stets, was ihm gefällt.«

30Als Jesus das sagte, kamen viele zum Glauben an ihn.

8,30
2,23

Freiheit oder Sklaverei

31Jesus sagte zu den Juden, die zum Glauben an ihn gekommen waren: »Wenn ihr bei dem bleibt, was ich euch gesagt habe, und euer Leben darauf gründet,8,31 Wenn ihr bei dem ...: wörtlich Wenn ihr in meinem Wort bleibt. seid ihr wirklich meine Jünger.

8,31
15,8
14,15
32Dann werdet ihr die Wahrheit erkennen und die Wahrheit wird euch frei machen.«

33»Wir stammen von Abraham ab«, antworteten sie ihm, »und wir haben nie jemand als Sklaven gedient. Was meinst du, wenn du sagst: ›Ihr werdet frei werden‹?«

8,33
Mt 3,9

34Jesus sagte zu ihnen: »Amen, ich versichere euch: Wer sündigt, ist ein Sklave der Sünde.

8,34
Röm 6,1620
2 Petr 2,19
35Ein Sklave gehört nicht für immer zur Familie. Nur der Sohn gehört für immer dazu.
8,35
Ex 21,2
36Wenn der Sohn euch frei macht, dann seid ihr wirklich frei.
8,36
2 Kor 3,17

37Ich weiß wohl, dass ihr von Abraham abstammt. Trotzdem versucht ihr, mich zu töten, weil ihr mein Wort nicht in euch wohnen und wirken lasst.

8,37.40
7,1
38Ich rede von dem, was mein Vater mir gezeigt hat. Ihr aber tut, was euer Vater euch gesagt hat.«

39Sie wandten ein: »Unser Vater ist Abraham!«

Jesus erwiderte: »Wenn ihr wirklich Abrahams Kinder wärt, würdet ihr in seinem Sinne handeln. 40Alles, was ich getan habe, war, euch die Wahrheit weiterzugeben, wie ich sie von Gott gehört habe. Ihr aber versucht, mich zu töten. So etwas hat Abraham nicht getan. 41Ihr handelt wie euer wirklicher Vater!«

»Wir sind nicht im Ehebruch8,41 Zum bildhaften Sinn vgl. Sacherklärung »Hurerei«. gezeugt«, erwiderten sie. »Wir haben nur den einen Vater: Gott.«

8,41 (einen Vater)
Dtn 32,6
Jes 63,16

42Jesus sagte zu ihnen: »Wäre Gott euer Vater, dann würdet ihr mich lieben. Denn ich bin von Gott zu euch gekommen. Ich kam nicht in eigenem Auftrag, sondern er hat mich gesandt.

8,42
1 Joh 5,1

43Warum versteht ihr denn nicht, was ich sage? Weil ihr unfähig seid, mein Wort aufzunehmen. 44Ihr seid Kinder des Teufels, der ist euer Vater, und ihr wollt nur ausführen, wonach ihm der Sinn steht. Er ist von Anfang an ein Mörder gewesen und hat niemals etwas mit der Wahrheit zu tun gehabt, weil es in ihm keine Wahrheit gibt. Wenn er lügt, so entspricht das seinem Wesen; denn er ist ein Lügner und alle Lüge stammt von ihm.

8,44
1 Joh 3,2
2,4
Weish 2,24
Gen 3,1-5
45Gerade weil ich die Wahrheit sage, glaubt ihr mir nicht.

46Wer von euch kann mir eine Sünde nachweisen? Wenn ich die Wahrheit sage, warum glaubt ihr mir dann nicht?

8,46
2 Kor 5,21
1 Joh 3,5
47Wer Gott zum Vater hat, hört, was Gott sagt. Aber ihr hört es nicht, weil ihr ihn nicht zum Vater habt.«
8,47
10,27
18,37

Jesus und Abraham

48Die Juden erwiderten: »Wir haben doch recht! Du bist ein Samariter und bist von einem bösen Geist besessen.«

8,48
4,9

49»Ich bin nicht besessen«, sagte Jesus, »ich erweise nur meinem Vater Ehre; aber ihr verachtet mich. 50Ich selbst suche keine Ehre für mich. Ein anderer sucht sie, und er ist der Richter.

8,50
7,18
51Amen, ich versichere euch: Wer sich nach meinem Wort richtet, wird in Ewigkeit nicht sterben.«
8,51
5,24

52Da sagten sie: »Jetzt sind wir sicher, dass ein böser Geist aus dir spricht. Abraham ist gestorben, die Propheten sind gestorben, und du sagst: ›Wer sich nach meinem Wort richtet, wird in Ewigkeit nicht sterben.‹ 53Unser Vater Abraham ist tot. Du willst doch nicht etwa behaupten, dass du mehr bist als Abraham? Auch die Propheten sind gestorben. Für wen hältst du dich eigentlich?«

8,53
4,12

54Jesus antwortete: »Wenn ich mich selbst ehren wollte, hätte diese Ehre keinen Wert. Mein Vater ehrt mich, von dem ihr sagt, er sei euer Gott. 55Ihr habt ihn nie wirklich erkannt, ich aber kenne ihn. Ich wäre ein Lügner wie ihr, wenn ich behauptete, ihn nicht zu kennen. Ich kenne ihn und gehorche seinem Wort.

8,55
7,28-29
4,34
56Euer Vater Abraham jubelte darüber, dass er mein Kommen erleben sollte.8,56 Die jüdische Auslegung fand diesen Gedanken im Lachen Abrahams über die Verheißung eines Sohnes (Gen 17,16-17). Er erlebte es und war glücklich!«

57Da sagten sie zu ihm: »Du bist noch keine fünfzig Jahre alt und willst Abraham gesehen haben?«

58Jesus erwiderte: »Amen, ich versichere euch: Ich bin – bevor Abraham überhaupt geboren wurde.«8,58 Die Antwort von Jesus enthält eine Anspielung auf Ex 3,14; vgl. außerdem die Anmerkung zu Vers 24.

8,58
1,1-2
17,5

59Da hoben sie Steine auf und wollten ihn töten. Aber Jesus brachte sich in Sicherheit und verließ den Tempel.

8,59
11,8

9

Jesus heilt einen Blindgeborenen

91Im Vorbeigehen sah Jesus einen Mann, der von Geburt blind war. 2Die Jünger fragten Jesus: »Rabbi, wer ist schuld, dass er blind geboren wurde? Wer hat hier gesündigt, er selbst oder seine Eltern?«9,2 Zu dem vorausgesetzten Zusammenhang von Sünde und Krankheit siehe Sacherklärung »Krankheit«.

9,2
Ex 20,5
Ez 18,20
Lk 13,24

3Jesus antwortete: »Weder er ist schuld noch seine Eltern. Er ist blind, damit Gottes Macht an ihm sichtbar wird.

9,3
11,4
4Solange es Tag ist, müssen wir die Taten Gottes vollbringen, der mich gesandt hat. Es kommt eine Nacht, in der niemand mehr wirken kann.
9,4
5,17
5Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.«
9,5
8,12

6Als Jesus dies gesagt hatte, spuckte er auf den Boden und rührte einen Brei mit seinem Speichel an. Er strich den Brei auf die Augen des Mannes

9,6
Mk 8,23
7und befahl ihm: »Geh zum Teich Schiloach und wasche dir das Gesicht.«

Schiloach bedeutet: der Gesandte. Der Mann ging dorthin und wusch sein Gesicht. Als er zurückkam, konnte er sehen.

8Da sagten seine Nachbarn und die Leute, die ihn vorher als Bettler gekannt hatten: »Ist das nicht der Mann, der immer an der Straße saß und bettelte?«

9,8
Apg 3,10
9Einige meinten: »Das ist er.« Andere sagten: »Nein, er ist es nicht; er sieht ihm nur ähnlich.«

Der Mann selbst bestätigte: »Ich bin es!«

10»Wieso kannst du auf einmal sehen?«, fragten sie ihn.

11Er antwortete: »Der Mann, der Jesus heißt, machte einen Brei, strich ihn auf meine Augen und sagte: ›Geh zum Teich Schiloach und wasche dein Gesicht.‹ Ich ging hin, und als ich mich gewaschen hatte, konnte ich sehen.«

12»Wo ist er?«, fragten sie ihn.

Er antwortete: »Ich weiß es nicht.«

Die Pharisäer verhören den Geheilten

13Sie brachten den Mann, der blind gewesen war, vor die Pharisäer. 14Der Tag, an dem Jesus den Brei gemacht und den Blinden geheilt hatte, war ein Sabbat.

9,14
5,9
15Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei.

Er erzählte ihnen: »Der Mann strich einen Brei auf meine Augen, ich wusch mein Gesicht, und jetzt kann ich sehen.«

16Einige von den Pharisäern sagten: »Wenn er das getan hat, kann er nicht von Gott kommen, weil er die Sabbatvorschriften nicht einhält.« Andere aber sagten: »Wie kann jemand ein Sünder sein, der solche Wunder vollbringt?« Die Meinungen waren geteilt.

9,16
7,43
10,19

17Da befragten sie den Geheilten noch einmal: »Was hältst denn du von ihm? Du bist doch der, den er sehend gemacht hat.«

»Er ist ein Prophet!«, antwortete der Mann.

9,17
6,14

18Die Pharisäer9,18 Wörtlich Die Juden, ebenso in Vers 22 (führende Männer); vgl. Anmerkung zu 1,19. wollten ihm aber nicht glauben, dass er blind gewesen war und nun sehen konnte. Sie riefen seine Eltern 19und verhörten sie: »Ist das euer Sohn? Besteht ihr darauf, dass er blind geboren wurde? Wie ist es dann möglich, dass er jetzt sehen kann?«

20Die Eltern antworteten: »Wir wissen, dass er unser Sohn ist und blind geboren wurde. 21Aber wir haben keine Ahnung, auf welche Weise er sehend wurde oder wer ihn sehend gemacht hat. Fragt ihn selbst! Er ist alt genug, um selbst zu antworten.«

22Sie sagten das, weil sie vor den führenden Männern Angst hatten. Diese hatten nämlich beschlossen, alle aus der Synagogengemeinde auszuschließen, die sich zu Jesus als dem versprochenen Retter9,22 Wörtlich als dem Christus. bekennen würden.

9,22
7,13
12,42
19,38
20,19
16,2
23Aus diesem Grund sagten seine Eltern: »Er ist alt genug. Fragt ihn selbst!«

24Die Pharisäer ließen den Blindgeborenen ein zweites Mal rufen und forderten ihn auf: »Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist!«

25»Ob er ein Sünder ist oder nicht, das weiß ich nicht«, entgegnete der Mann, »aber eins weiß ich: Ich war blind, und jetzt kann ich sehen.«

26»Was hat er mit dir gemacht?«, fragten sie. »Wie hat er dich sehend gemacht?«

27»Das habe ich euch schon erzählt«, sagte er, »aber ihr habt ja nicht zugehört. Warum wollt ihr es noch einmal hören? Möchtet ihr vielleicht auch seine Jünger werden?«

28Da beschimpften sie ihn und sagten: »Du bist ein Jünger dieses Menschen! Wir aber sind Jünger von Mose. 29Wir wissen, dass Gott zu Mose gesprochen hat. Aber von diesem Menschen wissen wir nicht einmal, woher er kommt.«

9,29
7,27

30Der Geheilte antwortete: »Das ist wirklich seltsam! Ihr wisst nicht, woher er kommt, und mich hat er sehend gemacht! 31Wir wissen doch alle, dass Gott das Gebet von Sündern nicht hört. Er hört nur auf die, die ihn ehren und seinen Willen befolgen.

9,31
Ps 66,18
Spr 15,29
Jes 1,15
32Seit die Welt besteht, hat noch niemand von einem Menschen berichtet, der einen Blindgeborenen sehend gemacht hat. 33Käme dieser Mann nicht von Gott, so wäre er dazu nicht fähig gewesen.«
9,33
3,2

34Sie erwiderten: »Du bist ja schon von deiner Geburt her ein ausgemachter Sünder,9,34 Sünder: vgl. Anmerkung zu Vers 2. und dann willst du uns belehren?«

Und sie warfen ihn hinaus.

Die Blindheit der Pharisäer

35Als Jesus hörte, dass sie ihn aus der Synagogengemeinde ausgeschlossen hatten, suchte er ihn auf und fragte ihn: »Willst du ganz zum Menschensohn gehören?«9,35 Wörtlich Glaubst du an den Menschensohn?

36Der Mann antwortete: »Herr, wenn du mir sagst, wer es ist, will ich es tun.«

37Jesus sagte: »Er steht vor dir und spricht mit dir.«

9,37
4,26

38»Herr, ich will dir allein gehören!«,9,38 Wörtlich Herr, ich glaube. sagte der Mann und warf sich vor Jesus nieder.

39Jesus sagte: »Ich bin in diese Welt gekommen, damit die Blinden sehend und die Sehenden blind werden. Darin vollzieht sich das Gericht.«

9,39
5,22

40Einige Pharisäer, die in der Nähe standen, hörten das und sagten: »Soll das etwa heißen, dass wir auch blind sind?«

9,40
Mt 15,14

41Jesus antwortete: »Wenn ihr blind wärt, würde euch keine Schuld angerechnet. Weil ihr aber sagt: ›Wir können sehen‹, bleibt eure Schuld bestehen.«

9,41
15,22