Gute Nachricht Bibel (GNB)
4

Jesus und die Frau aus Samarien

41Jesus erfuhr, dass die Pharisäer auf ihn aufmerksam wurden, weil er mehr Anhänger gewann und taufte als Johannes. –

4,1-2
3,22
2Er selbst taufte übrigens nicht; das taten seine Jünger. – 3Deshalb verließ Jesus Judäa und ging zurück nach Galiläa.

4Dabei musste er durch Samarien ziehen. 5Unterwegs kam er in die Nähe des Dorfes Sychar, das nicht weit von dem Feld entfernt liegt, das Jakob einst seinem Sohn Josef vererbt hatte.

4,5
Gen 33,14
48,22
6Dort befand sich der Jakobsbrunnen. Jesus war von dem langen Weg müde geworden und setzte sich an den Brunnen. Es war gegen Mittag.

7Da kam eine samaritische Frau zum Wasserholen. Jesus sagte zu ihr: »Gib mir einen Schluck Wasser!« 8Seine Jünger waren ins Dorf gegangen, um etwas zu essen zu kaufen.

9Die Frau antwortete: »Du bist ein Jude und ich bin eine Samariterin. Wie kannst du mich da um etwas zu trinken bitten?« – Die Juden vermeiden nämlich jeden Umgang mit Samaritern.

4,9
Lk 10,33

10Jesus antwortete: »Wenn du wüsstest, was Gott den Menschen schenken will und wer es ist, der dich jetzt um Wasser bittet, dann hättest du ihn um Wasser gebeten und er hätte dir lebendiges Wasser gegeben.«4,10 Lebendiges Wasser ist ursprünglich Quellwasser im Unterschied zu Wasser aus einer Zisterne; hier geht es um »Wasser, das Leben gibt«. In der »Guten Nachricht nach Johannes« ist dies ein Bild für den Heiligen Geist; vgl. 7,39.

4,10
7,37

11»Herr, du hast doch keinen Eimer«, sagte die Frau, »und der Brunnen ist tief. Woher willst du dann das lebendige Wasser haben? 12Unser Stammvater Jakob hat uns diesen Brunnen hinterlassen. Er selbst, seine Söhne und seine ganze Herde tranken daraus. Du willst doch nicht sagen, dass du mehr bist als Jakob?«

4,12
8,53

13Jesus antwortete: »Wer dieses Wasser trinkt, wird wieder durstig.

4,13-14
7,37
6,35
14Wer aber von dem Wasser trinkt, das ich ihm geben werde, wird nie mehr Durst haben. Ich gebe ihm Wasser, das in ihm zu einer Quelle wird, die bis ins ewige Leben weitersprudelt.«

15»Herr, gib mir von diesem Wasser«, bat die Frau, »dann werde ich keinen Durst mehr haben und muss nicht mehr hierherkommen, um Wasser zu schöpfen.«

4,15
6,34

16Jesus sagte zu ihr: »Geh und bring deinen Mann her!«

17»Ich habe keinen Mann«, sagte die Frau.

Jesus erwiderte: »Es stimmt, wenn du sagst: ›Ich habe keinen Mann.‹ 18Fünfmal warst du verheiratet, und der, mit dem du jetzt zusammenlebst, ist nicht dein Mann. Da hast du die Wahrheit gesagt.«

19»Herr, ich sehe, du bist ein Prophet«, sagte die Frau.

4,19
9,17
Mt 21,46
20»Unsere Vorfahren verehrten Gott auf diesem Berg. Ihr Juden dagegen behauptet, dass Jerusalem der Ort ist, an dem Gott verehrt werden will.«
4,20
Dtn 12,5-14

21Jesus sagte zu ihr: »Glaube mir, Frau, es kommt die Zeit, da werdet ihr den Vater weder auf diesem Berg noch in Jerusalem anbeten. 22Ihr Samariter betet zu Gott, aber ihr kennt ihn nicht; doch wir kennen ihn, denn die Rettung für alle Menschen kommt von den Juden.

4,22
Jes 2,3
Obd 17
Röm 9,4
23-24Aber die Stunde kommt, ja sie ist schon gekommen,4,23-24 Die Verse 23-24 von hier ab wörtlich: dass die wahren Anbeter den Vater in Geist und Wahrheit anbeten; denn solche sucht auch der Vater als seine Anbeter. Gott ist Geist, und die, die ihn anbeten wollen, müssen ihn in Geist und Wahrheit anbeten. Die wörtliche Wiedergabe ist jedoch missverständlich, weil die beiden wichtigsten Begriffe (Geist und Wahrheit; vgl. die Sacherklärungen) bei Johannes Bedeutungen haben, die im heutigen Deutsch ungebräuchlich sind. Die Übersetzung entfaltet den beabsichtigten Sinn. da wird der Heilige Geist, der Gottes Wahrheit enthüllt, Menschen befähigen, den Vater an jedem Ort anzubeten. Gott ist ganz anders als diese Welt, er ist machtvoller Geist, und alle, die ihn anbeten wollen, müssen vom Geist der Wahrheit erfüllt sein. Von solchen Menschen will der Vater angebetet werden.«
4,23-24
3,3-8
2 Kor 3,17
Phil 3,3

25Die Frau sagte zu ihm: »Ich weiß, dass der Messias kommen wird, der versprochene Retter.4,25 Wörtlich der Messias kommen wird, der Christus genannt wird. Wenn er kommt, wird er uns alles sagen.«

4,25
1,41
7,2631
10,24
11,27
Lk 22,67

26Jesus antwortete: »Er spricht mit dir; ich bin es.«4,26 Vgl. Anmerkung zu 8,24.

4,26
9,37

27In diesem Augenblick kehrten seine Jünger zurück. Sie wunderten sich, ihn im Gespräch mit einer Frau anzutreffen.4,27 Für einen Juden, besonders einen Rabbi, war es nicht üblich, sich mit einer Frau zu unterhalten. Aber keiner fragte ihn: »Was willst du von ihr?«, oder: »Worüber redest du mit ihr?«

28Die Frau ließ ihren Wasserkrug stehen, ging ins Dorf und sagte zu den Leuten: 29»Da ist einer, der mir alles gesagt hat, was ich getan habe. Kommt mit und seht ihn euch an! Ist er vielleicht der versprochene Retter?«4,29 Wörtlich der Christus? 30Da gingen sie alle hinaus zu Jesus.

31Inzwischen forderten die Jünger ihn auf: »Rabbi, iss doch etwas!«

32Aber er antwortete: »Ich lebe von einer Nahrung, die ihr nicht kennt.«

33Da fragten sie einander: »Hat ihm vielleicht jemand etwas zu essen gebracht?«

34Jesus sagte zu ihnen: »Meine Nahrung ist, dass ich dem gehorche, der mich gesandt hat, und sein Werk vollende.

4,34
6,38
8,28
10,18
12,49-50
14,31
15,10
17,4
35Ihr denkt, wie es im Sprichwort heißt: ›Zwischen Saat und Ernte liegen vier Monate!‹ Aber ich sage euch: Macht die Augen auf und seht euch die Felder an! Das Korn ist schon reif für die Ernte.
4,35
Mt 9,37
36Er, der sie einbringt, erhält schon jetzt seinen Lohn und sammelt Frucht für das ewige Leben. Er freut sich zur gleichen Zeit wie der, der gesät hat.

37Aber das andere Sprichwort, das trifft zu: ›Einer sät und ein anderer erntet.‹

4,37
Mi 6,15
38Denn ich habe euch zum Ernten auf ein Feld geschickt, auf dem ihr nicht gearbeitet habt. Andere haben sich vor euch dort abgemüht, ihr braucht ihre Arbeit nur weiterzuführen.«

39Viele Samariter in jenem Ort kamen zum Glauben an Jesus, weil die Frau bezeugt hatte: »Er hat mir alles gesagt, was ich getan habe.« 40Als sie nun bei Jesus eintrafen, baten sie ihn zu bleiben, und er verbrachte zwei Tage bei ihnen.

41Da kamen noch viel mehr von ihnen zum Glauben aufgrund seiner Worte.

4,41
2,23
42Sie erklärten der Frau: »Jetzt glauben wir nicht länger wegen deiner Erzählung, sondern weil wir ihn selbst gehört haben. Wir wissen jetzt, dass er wirklich der Retter der Welt ist.«
4,42
Lk 2,11

Jesus heilt den Sohn eines königlichen Beamten

43Nachdem Jesus zwei Tage dort geblieben war, verließ er die Gegend und ging weiter nach Galiläa. 44Er selbst hatte gesagt: »Kein Prophet gilt etwas in seiner Heimat.«

4,44
Mk 6,4
45Als er nun nach Galiläa kam, nahmen ihn die Leute freundlich auf. Sie waren nämlich beim Passafest in Jerusalem gewesen und hatten alles gesehen, was er dort während der Feiertage getan hatte.

46In Galiläa kam Jesus auch wieder nach Kana, wo er das Wasser zu Wein gemacht hatte. Damals lebte in Kafarnaum ein königlicher Beamter, dessen Sohn war krank.

4,46-53
Mt 8,5-13
4,46
2,1-11
47Als er hörte, dass Jesus von Judäa nach Galiläa gekommen war, ging er zu ihm und bat ihn: »Komm doch nach Kafarnaum und mach meinen Sohn gesund; er liegt im Sterben.«

48Jesus sagte zu ihm: »Ihr alle glaubt mir nur, wenn ihr aufsehenerregende Wunder seht.«

4,48
6,30

49Der Beamte bat ihn: »Herr, komm doch mit mir, bevor mein Kind stirbt!«

50»Geh ruhig heim«, sagte Jesus zu ihm, »dein Sohn lebt!«

Er glaubte dem Wort, das Jesus zu ihm gesagt hatte, und ging. 51Schon unterwegs kamen ihm seine Diener entgegen und berichteten: »Dein Sohn lebt!« 52Er fragte sie, seit wann es ihm besser gehe, und sie antworteten: »Gestern Mittag um ein Uhr hat das Fieber aufgehört.«

53Da erkannte der Vater, dass es genau zu der Stunde geschehen war, als Jesus zu ihm sagte: »Dein Sohn lebt!« Er kam zum Glauben an Jesus, er und seine ganze Hausgemeinschaft.

4,53
2,23

54Dieses zweite Wunderzeichen vollbrachte Jesus, als er von Judäa wieder nach Galiläa gekommen war.

4,54
2,11

5

Die Heilung am Teich Betesda

51Bald darauf war ein jüdisches Fest und Jesus ging hinauf nach Jerusalem. 2Am Schaftor in Jerusalem befindet sich ein Teich mit fünf offenen Hallen. Auf Hebräisch wird er Betesda genannt. 3Eine große Anzahl von Kranken lag ständig in den Hallen: Blinde, Gelähmte und Menschen mit erstorbenen Gliedern.5,3 Viele spätere Handschriften fügen hinzu: Sie warteten darauf, dass das Wasser Wellen schlug; 4 denn von Zeit zu Zeit kam ein Engel Gottes und brachte das Wasser in Bewegung. Wer als Erster in das bewegte Wasser hineinging, wurde gesund, ganz gleich, welche Krankheit er hatte.

5Unter ihnen war auch ein Mann, der seit achtunddreißig Jahren krank war. 6Jesus sah ihn dort liegen. Er erkannte, dass der Mann schon lange unter seiner Krankheit litt, und fragte ihn: »Willst du gesund werden?«

7Der Kranke antwortete: »Herr, ich habe keinen, der mir in den Teich hilft, wenn das Wasser sich bewegt. Wenn ich es allein versuche, ist immer schon jemand vor mir da.«

8Jesus sagte zu ihm: »Steh auf, nimm deine Matte und geh!«

5,8-9
Mk 2,10-11
9Im selben Augenblick wurde der Mann gesund. Er nahm seine Matte und konnte wieder gehen.

Der Tag, an dem dies geschah, war ein Sabbat.

5,9 (Sabbat)
5,1618
7,21-22
9,14
Mk 2,27-28
10Einige von den führenden Männern5,10 Wörtlich Die Juden, ebenso in Vers 15; vgl. Anmerkung zu 1,19. sagten deshalb zu dem Geheilten: »Heute ist Sabbat, da darfst du deine Matte nicht tragen!«
5,10
Ex 20,8-10
Jer 17,21-22

11Er antwortete: »Der Mann, der mich geheilt hat, sagte zu mir: ›Nimm deine Matte und geh!‹«

12Da fragten sie ihn: »Wer ist es, der dir so etwas befohlen hat?« 13Aber er konnte keine Auskunft darüber geben; denn Jesus hatte den Ort wegen der vielen Menschen schon wieder verlassen.

5,13
6,15
11,54
12,36b
Mt 8,18
13,36

14Später traf Jesus ihn im Tempel und sagte: »Hör zu! Du bist jetzt gesund. Tu nichts Unrechtes mehr, sonst wird es dir noch schlimmer ergehen.«

5,14
8,11
Mt 12,45Jak 5,16

15Der Geheilte ging fort und berichtete den führenden Männern, dass es Jesus war, der ihn gesund gemacht hatte. 16Da begannen sie, Jesus zu verfolgen, weil er an einem Sabbat geheilt hatte.

17Jesus aber sagte zu ihnen: »Mein Vater ist ständig am Werk und deshalb bin ich es auch.«

18Daraufhin waren sie noch fester entschlossen, ihn zu töten. Denn Jesus setzte nicht nur die Sabbatvorschriften außer Kraft, er behauptete sogar, dass Gott sein Vater5,18 Wörtlich sein eigener Vater; d.h.Vater in der herausgehobenen Bedeutung von 1,18. sei, und stellte sich so mit Gott auf eine Stufe.

5,18
7,1

Die Vollmacht des Sohnes

19Jesus erwiderte auf ihre Vorwürfe: »Amen, ich versichere euch: Der Sohn kann nichts von sich aus tun; er kann nur tun, was er den Vater tun sieht. Was der Vater tut, genau das tut auch der Sohn.

5,19
1,34

20Der Vater liebt den Sohn und zeigt ihm alles, was er selber tut. Er wird ihm noch größere Taten zeigen, sodass ihr staunen werdet.

5,20
3,35
21Denn wie der Vater die Toten auferweckt und ihnen das Leben gibt, so gibt auch der Sohn das Leben, wem er will.
5,21
11,25

22Auch seine ganze richterliche Macht hat der Vater dem Sohn übergeben; er selbst spricht über niemand das Urteil.

5,22 (Jesus als Richter)
3,18
5,2730
9,39
12,47-48
1 Joh 2,28
Apg 10,42
Jud 14-15
23Denn alle sollen den Sohn ebenso ehren wie den Vater. Wer den Sohn nicht ehrt, ehrt auch den Vater nicht, der ihn gesandt hat.
5,23
Phil 2,10-11

24Amen, ich versichere euch: Alle, die auf mein Wort hören und dem glauben, der mich gesandt hat, haben das ewige Leben. Sie kommen nicht mehr vor Gottes Gericht; sie haben den Tod schon hinter sich gelassen und das unvergängliche Leben erreicht.

5,24 (ewiges Leben)
3,16
8,51
10,28
11,25-26
14,6
17,2
20,31
1 Joh 2,25
3,14
5,11

25Amen, ich versichere euch: Die Stunde kommt – ja, sie ist schon da –, dass die Toten die Stimme des Gottessohnes hören werden, und wer sie hört, wird leben. 26Wie der Vater der Geber des Lebens ist, so hat er auch dem Sohn Macht verliehen, Leben zu geben.

5,26
1,4
27Und er hat dem Sohn die Macht verliehen, Gericht zu halten, weil er der Menschensohn ist.

28Wundert euch nicht darüber! Die Stunde kommt, da werden alle Toten in den Gräbern seine Stimme hören 29und ihre Gräber verlassen. Alle, die Gutes getan haben, werden auferstehen, um das Leben zu empfangen, und die Böses getan haben, um verurteilt zu werden.

30Ich kann nichts von mir aus tun, sondern entscheide als Richter so, wie ich den Vater entscheiden höre. Meine Entscheidung ist gerecht, denn ich setze nicht meinen eigenen Willen durch, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat.«

5,30
4,34

Zeugen für Jesus

31»Wenn ich für mich selbst als Zeuge auftreten wollte, hätte meine Aussage keine Beweiskraft. 32Es gibt einen anderen Zeugen, der für mich aussagt, und ich weiß, dass er die Wahrheit über mich sagt.

33Ich meine damit nicht Johannes.5,33 Ich meine ...: verdeutlichender Zusatz. Ihr habt Boten zu ihm geschickt und er ist als Zeuge für die Wahrheit eingetreten.

5,33-34
1,19.15.34
34Ich brauche aber keinen Menschen als Zeugen; auf Johannes verweise ich nur, weil ich möchte, dass ihr gerettet werdet. 35Johannes war wie eine brennende Lampe, ihr aber wolltet nichts weiter, als eine Zeit lang an seinem Licht eure Freude haben.

36Ich habe ein Zeugnis auf meiner Seite, das die Aussage von Johannes weit übertrifft: die Taten meines Vaters, die ich in seinem Auftrag vollenden soll. Sie sprechen für mich und bestätigen, dass mein Vater mich gesandt hat.

5,36
4,34
10,2538
14,10-11
15,24

37Der Vater selbst, der mich gesandt hat, hat mit diesen Taten für mich ausgesagt. Ihr habt seine Stimme niemals gehört und seine Gestalt nie gesehen.

5,37
Ex 20,19
Dtn 4,12
38Auch sein Wort in den Heiligen Schriften nützt euch nichts mehr – weil ihr dem, den er gesandt hat, keinen Glauben schenkt.
5,38
16,9
39Ihr forscht doch in den Heiligen Schriften und seid überzeugt, in ihnen das ewige Leben zu finden – und gerade sie weisen auf mich hin.
5,39
2 Tim 3,15-16
Lk 24,2744
1 Petr 1,10-11
40Aber ihr seid nicht bereit, zu mir zu kommen und so das ewige Leben zu haben.

41Ich bin nicht darauf aus, von Menschen geehrt zu werden.

5,41
7,18
42Außerdem kenne ich euch; ich weiß, dass in euren Herzen keine Liebe zu Gott ist. 43Ich bin im Auftrag meines Vaters gekommen, doch ihr weist mich ab. Wenn aber jemand in seinem eigenen Auftrag kommt, werdet ihr ihn aufnehmen. 44Wie könntet ihr denn auch zum Glauben an mich kommen? Ihr legt ja nur Wert darauf, einer vom andern bestätigt zu werden. Aber die Anerkennung bei Gott, dem Einen, zu dem ihr euch bekennt,5,44 Wörtlich bei dem alleinigen Gott; vgl. Dtn 6,4. die sucht ihr nicht.
5,44
12,43

45Ihr braucht aber nicht zu denken, dass ich euch bei meinem Vater verklagen werde. Mose klagt euch an, derselbe Mose, auf dessen Fürsprache ihr hofft. 46Wenn ihr Mose wirklich glaubtet, dann würdet ihr auch mir glauben; denn er hat über mich geschrieben.

5,46
Dtn 18,1518
Lk 24,2744
Apg 3,22
7,37
47Da ihr aber seinen geschriebenen Worten nicht glaubt, wie könnt ihr dann meinen gesprochenen glauben?«
5,47
Lk 16,31

6

Jesus macht mehr als fünftausend Menschen satt

(Mt 14,13-21; Mk 6,30-44; Lk 9,10-17)

61Danach fuhr Jesus über den See von Galiläa, der auch See von Tiberias heißt. 2Eine große Menge Menschen folgten ihm, weil sie seine Wunder an den Kranken gesehen hatten.

6,2
2,23
3Jesus stieg auf einen Berg6,3 Wörtlich auf den Berg. und setzte sich mit seinen Jüngern.
6,3
Mt 5,1
4Es war kurz vor dem jüdischen Passafest.
6,4
2,13

5Jesus blickte auf und sah die Menschenmenge auf sich zukommen. Er wandte sich an Philippus: »Wo können wir Brot kaufen, damit alle diese Leute zu essen bekommen?« 6Das sagte er, um Philippus auf die Probe zu stellen; er selbst wusste schon, was er tun würde.

7Philippus antwortete: »Zweihundert Silberstücke wären nicht genug, um so viel zu kaufen, dass jeder auch nur einen Brocken abbekommt.«

8Andreas, ein anderer Jünger, der Bruder von Simon Petrus, sagte:

6,8 (Andreas)
1,40
12,22
Mk 1,1613,3
9»Hier ist ein Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische. Aber was ist das schon bei so einer Menschenmenge?«

10»Sorgt dafür, dass die Leute sich setzen«, sagte Jesus. Es gab viel Gras an dem Ort. Sie setzten sich; ungefähr fünftausend Männer waren da. 11Jesus nahm die Brote, sprach darüber das Dankgebet und verteilte sie an die Menge. Mit den Fischen tat er dasselbe, und alle hatten reichlich zu essen.

6,11
21,913

12Als sie satt waren, sagte er zu seinen Jüngern: »Sammelt die Brotreste auf, damit nichts verdirbt.« 13Sie taten es und füllten zwölf Körbe mit den Resten. So viel war von den fünf Gerstenbroten übrig geblieben.

14Als die Leute das Wunder sahen, das Jesus vollbracht hatte, sagten sie: »Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll!«

6,14 (Prophet)
Dtn 18,1518
Lk 7,16
Joh 1,21
4,19
7,40
9,17

15Jesus merkte, dass sie drauf und dran waren, ihn mit Gewalt zu ihrem König zu machen. Deshalb zog er sich wieder auf den Berg zurück, ganz für sich allein.

6,15
5,13

Jesus geht über das Wasser

(Mt 14,22-33; Mk 6,45-52)

16Als es Abend geworden war, gingen seine Jünger zum See hinunter. 17Sie stiegen in ein Boot, um über den See nach Kafarnaum zurückzufahren. Es wurde Nacht und Jesus war immer noch nicht zu ihnen gekommen. 18Das Wetter war sehr stürmisch und das Wasser schlug hohe Wellen.

19Die Jünger hatten eine Strecke von etwa fünf Kilometern6,19 Griechische Maßangabe 25 bis 30 Stadien. zurückgelegt, da sahen sie plötzlich Jesus, wie er über das Wasser ging und sich ihrem Boot näherte. Die Angst packte sie.

20Aber Jesus sagte: »Habt keine Angst, ich bin’s!«6,20 Vgl. Anmerkung zu 8,24.

21Sie wollten ihn zu sich ins Boot nehmen. Aber da waren sie auch schon am Ufer, dort, wo sie hinwollten.

Jesus ist das Brot, das Leben gibt

22Die Volksmenge, die am anderen Ufer geblieben war, erinnerte sich am nächsten Tag, dass nur ein einziges Boot am Ufer gelegen hatte. Die Leute wussten, dass Jesus nicht ins Boot gestiegen war und seine Jünger ohne ihn abgefahren waren.

23Es legten aber andere Boote, die von Tiberias kamen, nahe bei dem Ort an, wo der Herr das Dankgebet gesprochen und die Menge das Brot gegessen hatte.

6,23
6,11
24Als die Leute nun sahen, dass Jesus nicht mehr da war und seine Jünger auch nicht, stiegen sie in diese Boote. Sie fuhren nach Kafarnaum und wollten Jesus dort suchen.

25Sie fanden ihn tatsächlich auf der anderen Seite des Sees und fragten ihn: »Rabbi, wann bist du hierhergekommen?«

26Jesus antwortete: »Amen, ich versichere euch: Ihr sucht mich nicht, weil ihr meine Wunder als Zeichen verstanden habt, sondern weil ihr von dem Brot gegessen habt und satt geworden seid.

6,26
2,11
27Bemüht euch nicht um vergängliche Nahrung, sondern um wirkliche Nahrung, die für das ewige Leben vorhält. Diese Nahrung wird euch der Menschensohn geben, denn ihn hat Gott, der Vater, als seinen Gesandten bestätigt.«

28Da fragten sie ihn: »Was müssen wir denn tun, um Gottes Willen zu erfüllen?«

29Jesus antwortete: »Gott verlangt nur eins von euch: Ihr sollt den anerkennen,6,29 Wörtlich an den glauben. den er gesandt hat.«

30Sie erwiderten: »Gib uns einen Beweis für deine Bevollmächtigung! Lass uns ein eindeutiges Wunderzeichen sehen, damit wir dir glauben.

6,30
4,48
Mt 12,38Mk 8,1113,221 Kor 1,22
31Unsere Vorfahren aßen das Manna in der Wüste. In den Heiligen Schriften heißt es von Mose:6,31 von Mose ist im Blick auf Vers 32 hinzugefügt. Die Heiligen Schriften selbst kennen nur Gott als Geber des Manna, doch spielt in der jüdischen Auslegung Mose als Vermittler eine wichtige Rolle. ›Er gab ihnen Brot vom Himmel zu essen.‹«
6,31
nach

32Jesus entgegnete: »Amen, ich versichere euch: Nicht Mose hat euch das Brot vom Himmel gegeben, sondern mein Vater gibt euch das wahre Brot vom Himmel. 33Das wahre Brot Gottes ist das, das vom Himmel herabsteigt und der Welt das Leben gibt.«

34»Herr«, sagten sie, »gib uns immer von diesem Brot!«

6,34
4,15

35»Ich bin das Brot, das Leben schenkt«,6,35 Ich bin: siehe Sacherklärung »Ich-bin-Worte«; ebenso zu den Versen 48 und 51. sagte Jesus zu ihnen. »Wer zu mir kommt, wird nie mehr hungrig sein. Wer sich an mich hält,6,35 Wörtlich Wer an mich glaubt. wird keinen Durst mehr haben.

6,35
4,13-14
6,48-58
7,37

36Aber ich habe es euch bereits gesagt: Obwohl ihr meine Taten gesehen habt, schenkt ihr mir keinen Glauben.

6,36
20,29
16,9
37Alle, die mein Vater mir gibt, werden zu mir kommen, und niemand, der zu mir kommt, wird von mir abgewiesen.
6,37
17,224
38Ich bin vom Himmel gekommen, nicht um zu tun, was ich will, sondern um zu tun, was der will, der mich gesandt hat.
6,38
4,34
Mk 14,36
39Und er will von mir, dass ich niemand von denen verliere, die er mir gegeben hat. Vielmehr soll ich sie alle am letzten Tag zum Leben erwecken.
6,39
10,28
17,12
18,9
40Mein Vater will, dass alle, die den Sohn sehen und sich an ihn halten,6,40 Wörtlich an ihn glauben; ebenso in Vers 47. ewig leben. Ich werde sie am letzten Tag vom Tod auferwecken.«
6,40
5,24

41Die Zuhörenden6,41 Wörtlich Juden, ebenso in Vers 52; vgl. Anmerkung zu 1,19. murrten, weil er gesagt hatte: »Ich bin das Brot, das vom Himmel gekommen ist.« 42Sie sagten: »Wir kennen doch seinen Vater und seine Mutter! Er ist doch Jesus, der Sohn Josefs! Wie kann er behaupten: ›Ich komme vom Himmel‹?«

6,42
Mk 6,3

43Jesus sagte zu ihnen: »Was murrt ihr? 44Nur die können zu mir kommen, die der Vater, der mich gesandt hat, zu mir führt. Und ich werde alle, die zu mir kommen, am letzten Tag vom Tod auferwecken. 45In den Schriften der Propheten heißt es: ›Alle werden von Gott unterwiesen sein.‹ Wer den Vater hört und von ihm lernt, kommt zu mir.

6,45
nach
46Nicht, dass je ein Mensch den Vater gesehen hätte. Nur der Eine, der von Gott gekommen ist, hat den Vater gesehen.
6,46
1,18

47Amen, ich versichere euch: Wer sich an mich hält,6,47 Wörtlich Wer glaubt. hat das ewige Leben. 48Ich bin das Brot, das Leben schenkt.

6,48
6,35
49Eure Vorfahren aßen das Manna in der Wüste und sind trotzdem gestorben. 50Hier aber ist das Brot, das vom Himmel herabkommt, damit, wer davon isst, nicht stirbt. 51Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist. Wer von diesem Brot isst, wird ewig leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Leib.6,51 Wörtlich mein Fleisch; die Doppeldeutigkeit dieses Wortes gibt den Anstoß zu dem folgenden Wortwechsel. Ich gebe ihn hin, damit die Menschen zum Leben gelangen können.«

52Das löste unter den Zuhörern einen heftigen Streit aus. »Wie kann dieser Mensch uns seinen Leib, sein Fleisch, zu essen geben?«, fragten sie.

53Jesus sagte zu ihnen: »Amen, ich versichere euch: Ihr habt keinen Anteil am Leben, wenn ihr das Fleisch des Menschensohns nicht esst und sein Blut nicht trinkt.

6,53-58
Mk 14,22-241 Kor 10,16
54Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, hat das ewige Leben, und ich werde ihn am letzten Tag vom Tod erwecken. 55Denn mein Fleisch ist die wahre Nahrung, und mein Blut ist der wahre Trank. 56Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, bleibt mit mir verbunden und ich mit ihm.
6,56
15,4-5
57Der Vater, von dem das Leben kommt, hat mich gesandt, und ich lebe durch ihn. Genauso wird jeder, der mich isst, durch mich leben.

58Das also ist das Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Es ist etwas ganz anderes als das Brot, das eure Vorfahren gegessen haben. Sie sind gestorben, wer aber dieses Brot isst, wird ewig leben.«

59Dies sagte Jesus in der Synagoge von Kafarnaum, so lehrte er dort die Menschen.

Worte, die zum ewigen Leben führen

60Als sie das hörten, sagten viele, die sich Jesus angeschlossen hatten: »Was er da redet, geht zu weit! So etwas kann man nicht mit anhören!«

61Jesus wusste schon von sich aus, dass sie murrten, und sagte zu ihnen: »Daran nehmt ihr Anstoß? 62Wartet doch, bis ihr den Menschensohn dorthin zurückkehren seht, wo er vorher war! 63Gottes Geist allein macht lebendig; alle menschlichen Möglichkeiten richten nichts aus.6,63 Alle menschlichen ...: wörtlich das Fleisch ist zu nichts zu gebrauchen. Das gilt auch für den Menschensohn, solange er »im Fleisch« ist (1,14), deshalb die Aufforderung in Vers 62 (vgl. dazu 16,7 im Zusammenhang mit 14,25-26). Die Worte, die ich zu euch gesprochen habe, sind von diesem Geist erfüllt und bringen das Leben.

6,63
3,5-8
1 Kor 15,45
2 Kor 3,6
64Doch einige von euch haben keinen Glauben.«

Jesus kannte nämlich von Anfang an die, die ihn nicht annehmen würden, und wusste auch, wer ihn verraten würde.

6,64
13,11
16,9
65Und er fügte hinzu: »Aus diesem Grund habe ich zu euch gesagt: Nur die können zu mir kommen, die der Vater dazu fähig macht.«
6,65
6,44

66Als sie das hörten, wandten sich viele seiner Anhänger von ihm ab und wollten nicht länger mit ihm gehen.

67Da fragte Jesus die Zwölf: »Und ihr, was habt ihr vor? Wollt ihr mich auch verlassen?«

6,67-69
Mk 8,27-30

68Simon Petrus antwortete ihm: »Herr, zu wem sonst sollten wir gehen? Deine Worte bringen das ewige Leben. 69Wir glauben und wissen, dass du der bist, in dem Gott uns begegnet.«6,69 Wörtlich dass du der Heilige Gottes bist; »heilig« bezeichnet hier die engste Beziehung zu Gott.

6,69
Mk 1,24

70Jesus antwortete ihm: »Euch zwölf habe ich doch selber ausgewählt. Trotzdem ist einer von euch ein Teufel!« 71Er meinte Judas, den Sohn von Simon Iskariot. Judas war es, der Jesus später verriet – einer aus dem Kreis der Zwölf.

6,71
12,4