BasisBibel NT+Ps (BB)
86

Gott meint es gut mit mir

861EIN GEBET86,1 Gebet: Reden des Menschen mit Gott.,

MIT DAVID86,1 David: David war der bedeutendste König in der Geschichte Israels (um 1000 v. Chr.). Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder. VERBUNDEN.

HERR, hab ein offenes Ohr, antworte mir!

Denn ich bin arm und wehrlos.

2Bewahre mein Leben, ich bin dir doch treu!

Hilf deinem Knecht86,2 Knecht/Knecht Gottes: Ehrenvolle Bezeichnung für Menschen, die Gott in seinen Dienst stellt, und Selbstbezeichnung von Menschen, die sich in den Dienst Gottes stellen und ihn so als ihren Herrn anerkennen., du bist ja mein Gott!

Ich verlasse mich auf dich.

3Hab Erbarmen mit mir, mein Herr!

Denn ich rufe zu dir den ganzen Tag.

4Gib deinem Knecht86,4 Knecht/Knecht Gottes: Ehrenvolle Bezeichnung für Menschen, die Gott in seinen Dienst stellt, und Selbstbezeichnung von Menschen, die sich in den Dienst Gottes stellen und ihn so als ihren Herrn anerkennen. wieder ein fröhliches Herz!

Meine ganze Sehnsucht gilt doch dir, mein Herr.

5Denn du, mein Herr, bist gut und bereit zu vergeben.

Deine Güte erreicht alle, die zu dir rufen.

6So höre auf mein Bittgebet86,6 Gebet: Reden des Menschen mit Gott., HERR!

Bemerke mein Flehen um Gnade86,6 Gnade: Gott wendet sich den Menschen liebevoll und ohne jede Vorbedingung zu.!

7In meiner Not rufe ich zu dir!

Denn du wirst mir antworten.

8Keiner ist wie du, mein Herr, unter den Göttern86,8 Götter: Anklang an eine alte Vorstellung: Der höchste Gott thront im Himmel und ist von anderen Göttern umgeben, die ihm dienen..

Kein anderer kann deine Taten vollbringen.

9Es kommen alle Völker, die du geschaffen hast.

Sie werfen sich vor dir nieder, mein Herr,

und geben damit deinem Namen86,9 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart im Tempel. die Ehre.

10Ja, groß bist du und tust Wunder86,10 Wunder, Zeichen: Wunder sind Ereignisse, in denen Menschen unmittelbar Gott am Werk sehen. .

Du allein bist ein einzigartiger Gott!

11Lehre mich, HERR, deinen Weg!

Ich möchte nach deiner Wahrheit leben.

Lass eines in meinem Herzen wichtig sein,

dass ich deinem Namen86,11 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart im Tempel. mit Ehrfurcht86,11 Furcht, Ehrfurcht: Das Gefühl des Erschreckens und des Staunens, das die Menschen erfasst, wenn sie Gott unmittelbar begegnen. begegne.

12Herr, mein Gott, dir will ich von Herzen danken

und deinem Namen86,12 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart im Tempel. für immer die Ehre86,12 Ehre, ehren: Das Ansehen bzw. die Bedeutung Gottes oder eines Menschen. Jemanden ehren heißt, ihn so zu behandeln, wie es diesem Ansehen entspricht. geben.

13Denn deine Güte ist größer als mein Leben.

Du wirst mich aus dem Totenreich86,13 Totenreich: Aufenthaltsort aller Verstorbenen, der unter der Erde liegt. ziehen,

ganz unten aus der Tiefe.

14Gott, freche Leute stellen sich mir entgegen.

Zur Gewalt bereit, bedrohen sie mein Leben.

Doch dir schenken sie keine Beachtung.

15Mein Herr, du bist ein einzigartiger Gott:

Reich bist du an Barmherzigkeit und Gnade86,15 Gnade: Gott wendet sich den Menschen liebevoll und ohne jede Vorbedingung zu.,

unendlich geduldig, voller Güte und Treue.

16Wende dich mir zu und hab Erbarmen mit mir!

Lass deinen Knecht86,16 Knecht/Knecht Gottes: Ehrenvolle Bezeichnung für Menschen, die Gott in seinen Dienst stellt, und Selbstbezeichnung von Menschen, die sich in den Dienst Gottes stellen und ihn so als ihren Herrn anerkennen. aus deiner Kraft schöpfen

und schenke dem Sohn deiner Magd86,16 Sohn deiner Magd: Ein »im Haus geborener« Knecht gehört zur Familie und darf auf die Zuwendung seines Herrn hoffen. die Freiheit.

17Zeige mir, dass du es gut mit mir meinst!

Alle, die mich hassen, sollen es sehen

und sich enttäuscht davonmachen.

Denn du allein bist der HERR!

Du hast mir geholfen und mich getröstet.

87

Daheim in der Stadt Zion

871MIT DEN KORACHITEN87,1 Korach: Führender Levit zur Zeit des Mose. In 4 Mose/Numeri 16 wird von einem Streit zwischen Korach und Mose berichtet, bei dem es um die Ausübung des Priesteramts ging. VERBUNDEN.

EIN PSALM, EIN LIED.

Die Stadt ist seine Gründung,

sie liegt auf heiligen87,1 heilig: Heilig ist in der Bibel alles, was zu Gott gehört und mit ihm in Verbindung steht. Bergen:

2Der HERR liebt Zion87,2 Zion/Zionsstadt: Ursprünglicher Name der von König David eroberten Jebusiterfestung. Später ging der Name auf den Tempelberg über und wurde schließlich zur Bezeichnung für ganz Jerusalem und seine Bewohner. mit seinen Toren

mehr als alle anderen Orte Jakobs87,2 Jakob: Bezeichnung für Israel und Name des Vaters der zwölf Stämme. Hier sind auch die Wohngebiete der Juden im Ausland einbezogen (Diaspora)..

3Ehrenvolles wird über dich gesagt,

du Stadt, die Gott gehört. SELA87,3 SELA: Zeichen zum Atemholen.!

487,4 Vers 4: Hier spricht die Stadt Jerusalem.»Leute aus Ägypten87,4 Ägypten: Land am Nil, eine der ältesten Stätten menschlicher Kultur. und Babylonien87,4 Babylonien: Mit Babylonien ist das Gebiet am Unterlauf der Flüsse Eufrat und Tigris südöstlich vom heutigen Bagdad gemeint.

rechne ich zu denen, die mich kennen.

Seht, da sind welche aus Philistäa!

Andere kommen aus Tyrus87,4 Tyrus: Hauptstadt der Phönizier am Mittelmeer, nördlich von Israel (Libanon). und Nubien87,4 Nubien: Gebiet am Nil, das von Oberägypten bis in den Sudan reicht..

Von vielen meiner Besucher kann ich sagen:

Dieser da ist in der Stadt Zion87,4 in der Stadt Zion: Wörtlich »dort«. Die Übersetzung verdeutlicht den Bezug auf die Gottesstadt. geboren!«

5So nennt man die Stadt Zion87,5 Zion/Zionsstadt: Ursprünglicher Name der von König David eroberten Jebusiterfestung. Später ging der Name auf den Tempelberg über und wurde schließlich zur Bezeichnung für ganz Jerusalem und seine Bewohner. auch eine Mutter87,5 Mutter: Text nach der griechischen Übersetzung korrigiert..

Der eine wie der andere ist in ihr daheim.

Und der Höchste87,5 Höchster: Alter Gottestitel aus dem Jerusalemer Tempelkult, vgl. 1. Mose/Genesis 14,18-20. selbst sichert ihren Bestand.

6Der Herr schreibt es in das Verzeichnis der Völker:

»Dieser da ist in der Stadt Zion87,6 in der Stadt Zion: Wörtlich »dort«. Die Übersetzung verdeutlicht den Bezug auf die Gottesstadt. geboren!« SELA87,6 SELA: Zeichen zum Atemholen.!

7Und sie singen und tanzen im Kreis:

»All meine Quellen entspringen in dir.«

88

Dem Totenreich nahe

881EIN LIED, EIN PSALM.

MIT DEN KORACHITEN88,1 Korach: Führender Levit zur Zeit des Mose. In 4 Mose/Numeri 16 wird von einem Streit zwischen Korach und Mose berichtet, bei dem es um die Ausübung des Priesteramts ging. VERBUNDEN.

FÜR DEN CHORLEITER. ZUM KREISTANZ88,1 Kreistanz: Übersetzung nach der griechischen Tradition. Der hebräische Ausdruck könnte auch eine Melodieangabe oder ein Musikinstrument bezeichnen..

EIN WEISHEITSLIED ZUM VORTRAGEN.

MIT HEMAN88,1 Heman: Name eines Musikers, der das Orchester am Tempel leitete; vgl. 1. Chronik 25,6. VERBUNDEN, DEM ESRACHITER.

2Herr, Gott, du kannst mich retten!

Am Tag schreie ich um Hilfe,

in der Nacht stehe ich vor dir:

3»Ach, lass doch mein Gebet zu dir dringen!

Hab ein offenes Ohr für meine Klage!«

4Denn ich habe es satt, so erbärmlich zu leiden.

Ich fühle mich dem Totenreich88,4 Totenreich: Aufenthaltsort aller Verstorbenen, der unter der Erde liegt. ganz nahe.

5Man zählt mich bereits zu denen,

die in die Zisterne88,5 Zisterne: In den Boden geschlagene Kammer oder Beckenanlage zum Sammeln und Speichern von Regenwasser; auch Bildwort für das Totenreich. hinuntermüssen.

Ich bin wie ein kraftloser Mann.

6Ich habe mein Lager88,6 mein Lager: Das Krankenlager des Beters wird in der nächsten Zeile dem Ruhen im Grab gleichgestellt. schon bei den Toten,

so wie Erschlagene, die im Grab liegen.

An sie denkst du nicht mehr!

Sie sind ja deiner Macht entzogen!

7Du hast mich in die unterste Zisterne88,7 unterste Zisterne: Der Beter befindet sich am weitesten von Gott entfernten Ort, vgl. Psalm 86,13. versetzt,

an finstere Orte, in tiefste Abgründe.

8Dein Zorn88,8 Zorn: Gottes Wille, Gericht zu halten. ist über mich gekommen.

Deine gewaltigen Wellen haben mich

unter Wasser gedrückt. SELA88,8 SELA: Zeichen zum Atemholen.!

9Meine Vertrauten hast du von mir entfernt.

Du hast ihnen einen Grund gegeben,

sich vor mir zu ekeln.

Ich bin gefangen88,9 gefangen: Der Beter fühlt sich in einem Kerker eingeschlossen, vgl. Klagelieder 3,7. und komme nicht hinaus.

10Mein Auge mag dieses ganze Elend nicht mehr sehen.

Jeden Tag rufe ich zu dir, Herr.

Ich breite meine Hände aus zum Gebet88,10 Gebet: Reden des Menschen mit Gott..

11Tust du noch Wunder an den Verstorbenen?

Oder stehen die Schatten88,11 Schatten: Die Verstorbenen sind im Totenreich nur noch ein Schatten ihrer selbst. der Toten auf,

um dich dort unten zu preisen? SELA88,11 SELA: Zeichen zum Atemholen.!

12Erzählt man sich im Grab von deiner Güte,

im Abgrund von deiner Wahrhaftigkeit?

13Sind am finstern Ort deine Wunder bekannt?

Und kennt man noch deine Gerechtigkeit88,13 gerecht, Gerechtigkeit: Meint ein Leben nach den Vorstellungen Gottes.

im Land, wo alles in Vergessenheit gerät88,13 Land: Wörtlich »Land des Vergessens«, eine weitere Bezeichnung für das Totenreich.?

14Ich aber88,14 ich aber: Der Beter distanziert sich von den Verstorbenen, die Gott nicht mehr loben können. rufe zu dir, Herr, um Hilfe.

Am Morgen schicke ich mein Gebet88,14 Gebet: Reden des Menschen mit Gott. zu dir.

15Warum stößt du mich fort von dir, Herr?

Warum verbirgst du dein Angesicht88,15 Angesicht verbergen: Redewendung im alten Orient. Wenn der König sein Gesicht zur Seite dreht, bekommt der Bittsteller keine Hilfe. vor mir?

16Ich fühle mich elend und sterbenskrank,

schon seit ich jung gewesen bin.

Ich ertrug deine Zumutungen – starr vor Entsetzen.

17Dein glühender Zorn88,17 Zorn: Gottes Wille, Gericht zu halten. ging über mich hinweg.

Deine Schrecken ließen mich verstummen.

18Sie bedrohen mich täglich wie Wasserfluten.

Von allen Seiten strömen sie auf mich ein.

19Du hast Freund und Nachbar von mir entfernt.

Meine Vertrauten sind fort – Finsternis88,19 Finsternis: Der Psalm endet mit einem Paukenschlag: Die Bekannten sind weg, der Beter bleibt einsam zurück. Die Finsternis ist Sinnbild für den sozialen Tod.!