BasisBibel (BB)
77

Gottes Spuren werden nicht erkannt

771FÜR DEN CHORLEITER,

NACH DER MELODIE VON JEDUTUN77,1 Jedutun: Name eines Sängers, der für die Musik am Tempel zuständig war; vgl. 1. Chronik 25,1-7..

VON ASAF77,1 Asaf: Sänger und Leiter einer Gruppe von Musikern am Tempel in Jerusalem. Mehr …, EIN PSALM.

2Laut rufe ich zu Gott, ich schreie!

Laut rufe ich zu Gott, er wird mich hören!

3Als ich in Not war, suchte ich den Herrn.

Nachts breitete ich meine Hände aus

und wurde nicht müde beim Gebet77,3 Gebet: Reden des Menschen mit Gott. Mehr ….

Aber meine Seele77,3 Seele: Ausdruck für die Empfindsamkeit, Sehnsucht und Lebendigkeit des Menschen. Mehr … ließ sich nicht trösten.

4Ich will an Gott denken, ich seufze!

Ich grüble und verliere den Mut. Sela77,4 Sela: Zeichen zum Atemholen. Mehr ….

5Meine Augenlider hältst du offen.

Ich bin aufgewühlt und kann kaum reden.

6So versinke ich in Gedanken an früher,

an die Jahre, die längst vergangen sind.

7Nachts beim Saitenspiel77,7 Saitenspiel: Musik, die auf Saiteninstrumenten wie Harfe oder Leier gespielt wird. denke ich nach.

Ich mache mir Gedanken in meinem Herzen.

In meinem Geist suche ich nach Antworten:

8»Wenn der Herr jemanden verstößt,

wird er dann für immer daran festhalten?

Wird er nie wieder gut zu ihm sein?

9Ist endgültig Schluss mit seiner Güte?

Gilt seine Verheißung77,9 Verheißung: Als Gott den Bund mit seinem Volk erneuert, erkennt Mose die Gnade Gottes; vgl. 2. Mose/Exodus 34,6-7. Das scheint hier infrage gestellt. nicht mehr

von Generation zu Generation?

10Hat Gott seine Barmherzigkeit vergessen?

Oder überwiegt der Zorn77,10 Zorn Gottes: Sein Wille, Gericht zu halten. Mehr … sein Mitleid?« Sela77,10 Sela: Zeichen zum Atemholen. Mehr ….

11Da sagte ich zu mir: »Es macht mich krank,

dass der Höchste77,11 der Höchste: Titel für Gott, der eng mit dem Tempel in Jerusalem verbunden ist. so frei ist, sein Tun zu ändern.«

12Darum will ich mich an die Taten des Herrn erinnern.

Ja, ich will deine Wunder in Erinnerung rufen,

aus der Zeit, die längst vergangen ist.

13Ich denke nach über all dein Tun

und mache mir Gedanken über deine Werke:

14»Gott, dein Weg ist heilig!

Welcher Gott ist so gewaltig wie du?

15Du allein bist der Gott, der wirklich Wunder tut!

Unter den Völkern hast du deine Macht bewiesen:

16Mit starkem Arm hast du dein Volk befreit77,16 dein Volk befreit: 2. Mose/Exodus 1–15 erzählt, wie Gott sein Volk aus der Sklaverei in Ägypten befreit.,

die Nachkommen Jakobs und Josefs77,16 Nachkommen Jakobs und Josefs: Bezeichnung für das Volk Israel. Der Stammvater Jakob wird in 1. Mose/Genesis 32,29 in Israel umbenannt. Josef ist einer seiner Söhne.Sela77,16 Sela: Zeichen zum Atemholen. Mehr ….

17Die Wasser sahen dich, Gott.

Die Wasser sahen dich und bebten.

Ja, die Fluten der Urzeit77,17 Fluten der Urzeit: Das Wasser, das vor der Schöpfung die gesamte Erde bedeckte; vgl. 1. Mose/Genesis 1,2. bebten vor Schreck!

18Die Wasser ergossen sich aus Wolken,

Donnerschläge krachten im Gewölk.

Ja, deine Blitze schossen wie Pfeile hervor.

19Dein Wagen77,19 Wagen Gottes: Im Hintergrund steht die Vorstellung, dass Gott mit seinem Wagen über den Himmel fährt und von dort seine Blitze auf die Erde schleudert. donnerte über den Himmel.

Grelle Blitze erhellten den Erdkreis.

Da wankte und schwankte die Erde.

20Durch das Schilfmeer77,20 Schilfmeer: Beim Auszug aus Ägypten rettete Gott sein Volk, indem er es durch das Schilfmeer führte; vgl. 2. Mose/Exodus 13,17–15,21. Mehr … führte dein Weg

und dein Pfad durch gewaltige Wasser.

Doch niemand hat deine Spuren erkannt.

21Du hast dein Volk wie eine Herde77,21 Herde: Bild für das Volk Israel. Gott ist als Hirte seines Volkes verantwortlich für den Schutz und Bestand seiner Herde. geführt –

durch die Hand von Mose77,21 Mose: Führte Israel im Auftrag Gottes aus Ägypten und erhielt am Berg Sinai die Zehn Gebote. Mehr … und Aaron77,21 Aaron: Bruder von Mose und erster Hohepriester Israels. Er gilt in der Bibel als Stammvater der Priester. Mehr ….

78

Erzählt es euren Kindern

781EIN WEISHEITSLIED, VON ASAF78,1 Asaf: Sänger und Leiter einer Gruppe von Musikern am Tempel in Jerusalem. Mehr ….

Höre, mein Volk, auf meine Weisung78,1 Weisung: Hebräisch Tora. Sie umfasst die schriftliche und mündliche Mitteilung von Gottes Willen. Mehr …!

Spitzt eure Ohren, ich habe etwas zu sagen!

2Ich will meinen Mund auftun und in Gleichnissen78,2 Gleichnis: Erzählung, die ihre Botschaft in Bildern und Vergleichen vermittelt. Mehr … reden.

Geheimnisse von früher will ich verkünden. –

3Wir haben davon gehört, es ist uns bekannt.

Schon unsere Eltern haben es weitererzählt.

4Wir halten es nicht geheim vor unseren Kindern.

Wir erzählen davon der nächsten Generation:

vom Ruhm des Herrn und seiner Macht,

von seinen Wundern78,4 Wunder: Der Psalm ruft viele Geschichten in Erinnerung, die von Gottes Weg mit seinem Volk erzählen., die er getan hat.

5Er machte Jakob78,5 Jakob: Bezeichnung für das Volk Israel. Der Stammvater Jakob wird in 1. Mose/Genesis 32,29 in Israel umbenannt. Mehr … seine Gebote78,5 Gebote: Bestimmungen, die Gott den Menschen gegeben hat. Sie ordnen das Leben so, wie es nach Gottes Willen sein soll. Mehr … bekannt,

und Israel übergab er seine Weisung78,5 Israel übergab er seine Weisung: 5. Mose/Deuteronomium 5,1-22 erzählt, dass das Volk Israel von Gott die Zehn Gebote erhält. Sie stehen stellvertretend für die Weisung Gottes. Durch sie wird das Leben der Menschen so geordnet, wie es nach Gottes Willen sein soll..

Unseren Vorfahren hat er aufgetragen,

sie an ihre Kinder weiterzugeben78,5 an ihre Kinder weiterzugeben: In 5. Mose/Deuteronomium 6,6-7 erhält das Volk Israel den Auftrag, sich die Gebote Gottes einzuprägen und sie an ihre Kinder weiterzugeben..

6So lernt die nächste Generation sie kennen,

in der wieder Kinder geboren werden.

Die sollen sie dann an ihre Kinder weitergeben,

7damit auch diese Vertrauen fassen zu Gott.

So werden sie Gottes Taten nicht vergessen

und seine Gebote befolgen.

8Denn sie sollen nicht wie ihre Eltern werden –

eine störrische und ungehorsame Generation:

Ihr Herz blieb nicht beständig bei Gott,

und ihr Geist hielt ihm nicht die Treue.

9So wie die Männer aus Efraim78,9 Efraim: Stamm Israels, später auch Bezeichnung für das Nordreich.

sie waren ausgebildete Bogenschützen.

Als es zur Schlacht kam, liefen sie davon.

10Sie hielten sich nicht an den Bund mit Gott

und wollten seiner Weisung78,10 Weisung: Hebräisch Tora. Sie umfasst die schriftliche und mündliche Mitteilung von Gottes Willen. Mehr … nicht folgen.

11Seine Taten haben sie wieder vergessen

und seine Wunder, die er sie sehen ließ.

12Wunder78,12 Wunder: 2. Mose/Exodus 12–17 erzählt von Gottes Wundern bei der Befreiung seines Volkes aus der Sklaverei in Ägypten und auf dem Weg durch die Wüste in das verheißene Land. tat Gott auch bei ihren Vorfahren

im Land Ägypten78,12 Ägypten: Fruchtbares Land am Nil und Großmacht, die das politische Geschehen im Alten Orient beeinflusste. Mehr …, im Gebiet von Zoan78,12 Zoan: In der Bibel Name der ägyptischen Stadt Tanis im östlichen Nildelta..

13Er zerteilte das Meer78,13 zerteilte das Meer: 2. Mose/Exodus 14,21-31 erzählt, dass Gott das Schilfmeer teilt und die Israeliten so auf der Flucht vor den Ägyptern rettete. und führte sie hindurch.

Er staute das Wasser auf wie bei einem Damm.

14Tagsüber zeigte er ihnen78,14 zeigte er ihnen: 2. Mose/Exodus 13,20-22 erzählt, wie Gott seinem Volk in der Wüste den Weg zeigt. den Weg durch eine Wolke

und in der Nacht durch einen Feuerschein.

15Unterwegs in der Wüste zerteilte er Felsen78,15 zerteilte er Felsen: 2. Mose/Exodus 17,1-7 erzählt, wie Gott durch Mose Wasser aus einem Felsen fließen lässt..

Da konnten sie trinken, mehr als genug.

16Er ließ Bäche aus dem Gestein treten

und sie wie Wasserfälle herabfließen.

17Trotzdem machten sie weiter mit ihrer Sünde78,17 Sünden: Konkrete Verfehlungen, die von Gott trennen und das Gewissen belasten können. Mehr …

und widersetzten sich dem Höchsten78,17 der Höchste: Titel für Gott, der eng mit dem Tempel in Jerusalem verbunden ist. im dürren Land.

18Im Herzen forderten sie Gott heraus78,18 forderten sie Gott heraus: 4. Mose/Numeri 11 erzählt, dass sich die Israeliten auf dem Weg durch die Wüste gegen Gott auflehnen, obwohl er sie gut versorgt..

Sie verlangten nach Essen für ihre Kehle.

19Gegen Gott gerichtet, fragten sie frech:

»Kann uns denn Gott den Tisch decken

in dieser kargen Wüste?

20Gewiss, als er damals78,20 damals: 2. Mose/Exodus 17,1-7 erzählt, wie Gott durch Mose Wasser aus einem Felsen fließen lässt. gegen den Felsen schlug,

quoll Wasser hervor und Bäche flossen heraus.

Aber wie steht’s mit Brot? Kann er uns das geben?

Oder kann er Fleisch beschaffen für sein Volk?«

21Als der Herr das hörte, wurde er zornig78,21 Zorn Gottes: Sein Wille, Gericht zu halten. Mehr ….

Er ließ ein Feuer gegen Jakob78,21 Jakob: Bezeichnung für das Volk Israel. Der Stammvater Jakob wird in 1. Mose/Genesis 32,29 in Israel umbenannt. Mehr … wüten,

und sein Zorn entflammte gegen Israel78,21 Israel: Nachkommen der zwölf Söhne Jakobs. Gott hat mit Israel einen Bund geschlossen. Mehr ….

22Denn sie hatten Gott nicht geglaubt

und nicht auf seine Hilfe vertraut.

23Da befahl er den Wolken droben

und öffnete die Türen des Himmels.

24Manna78,24 Manna: Nahrung, die direkt vom Himmel kommt. Mit ihr versorgte Gott die Israeliten auf dem Weg durch die Wüste, vgl. 4. Mose/Numeri 11. zum Essen ließ er auf sie regnen.

Das Korn des Himmels teilte er ihnen aus.

25Vom Brot der Engel durften sie essen.

Er ließ ihnen sogar einen Vorrat zukommen,

sodass es ihnen an nichts fehlte.

26Dann ließ er den Ostwind am Himmel auffrischen

und führte den Südwind mit Macht herbei.

27Wie Staubkörner ließ er Fleisch auf sie regnen

und Geflügel78,27 Geflügel: Meint Wachteln, kleine niedrig fliegende Vögel. Mit ihnen versorgte Gott die Israeliten auf ihrem Weg durch die Wüste, vgl. 4. Mose/Numeri 11. wie Sandkörner am Meer.

28Er ließ es mitten in das Lager fallen

und rings um die Wohnzelte78,28 Zelt: Transportable Wohnung von Nomaden, die nicht sesshaft sind und mit ihren Tieren durch das Land ziehen. Mehr … herum.

29Da aßen sie und wurden davon ganz satt.

Was sie verlangten, hatte er ihnen gewährt.

30Doch ihre Gier war noch nicht gestillt.

Dabei hatten sie nicht einmal aufgegessen.

31Wieder entflammte der Zorn78,31 Zorn Gottes: Sein Wille, Gericht zu halten. Mehr … Gottes gegen sie.

Er tötete viele ihrer kräftigsten Männer78,31 er tötete viele ihrer kräftigsten Männer: 4. Mose/Numeri 11,31-35 erzählt, dass Gott die Israeliten für ihre Gier bestraft.

und streckte die jungen Israeliten nieder.

32Trotz allem machten sie weiter78,32 machten sie weiter: Obwohl Gott sein Volk in der Wüste gut versorgt, lehnt es sich immer wieder gegen ihn auf; vgl. beispielsweise 4. Mose/Numeri 16–17. mit ihrer Sünde78,32 Sünden: Konkrete Verfehlungen, die von Gott trennen und das Gewissen belasten können. Mehr ….

Sie glaubten nicht an seine Wunder.

33Da ließ er ihre Tage wie im Wind verwehen

und ihre Jahre im Schrecken vergehen.

34Wenn er aber ihre Leute tötete,

begannen sie wieder nach ihm zu fragen.

Sie kehrten um und suchten nach Gott.

35Sie dachten daran, dass Gott ihr Fels78,35 Fels: Ehrenvolle Bezeichnung für Gott, in der seine Stärke zum Ausdruck kommt. ist.

Gott, der Höchste78,35 der Höchste: Titel für Gott, der eng mit dem Tempel in Jerusalem verbunden ist., würde sie schon retten.

36Doch wieder betrogen sie ihn mit ihrem Mund

und belogen ihn weiter mit ihrer Zunge.

37Ihr Herz blieb nicht beständig bei ihm.

Sie hielten seinem Bund78,37 Bund: Vertrag, mit dem zwei Partner eine gegenseitige Verpflichtung eingehen. Ist Gott einer der Partner, kann er sich auch einseitig zur Treue gegenüber seinem Volk oder einzelnen Menschen verpflichten. Mehr … nicht die Treue.

38Doch er ist barmherzig und vergibt Schuld78,38 Schuld: Konkrete Verfehlungen, die von Gott trennen und das Gewissen belasten können. Mehr ….

An Vernichtung liegt ihm nichts.

So ließ er viele Male seinen Zorn78,38 Zorn Gottes: Sein Wille, Gericht zu halten. Mehr … verrauchen

und dessen Glut nicht mehr aufglimmen.

39Er dachte daran, dass die Menschen sterblich sind –

ein Wind, der verweht und nicht wiederkehrt.

40Wie oft widersetzten sie sich ihm in der Wüste?

Wie oft haben sie ihn in der Steppe beleidigt?

41Ständig forderten sie Gott heraus

und reizten den Heiligen Israels78,41 Heiliger Israels: Ehrenvolle Bezeichnung für Gott, die vor allem im Buch Jesaja vorkommt..

42Sie dachten nicht mehr an seine starke Hand,

an den Tag, als er sie vom Feind befreite.

43Damals in Ägypten78,43 Ägypten: Fruchtbares Land am Nil und Großmacht, die das politische Geschehen im Alten Orient beeinflusste. Mehr … setzte er seine Zeichen78,43 Zeichen: Meint die ägyptischen Plagen, mit denen Gott den Pharao dazu bewegt, die Israeliten aus der Sklaverei in Ägypten zu entlassen; vgl. 2. Mose/Exodus 7,8–11,10.,

im Gebiet von Zoan78,43 Zoan: In der Bibel Name der ägyptischen Stadt Tanis im östlichen Nildelta. tat er seine Wunder:

44Er verwandelte das Nilwasser in Blut78,44 Nilwasser in Blut: Von der ersten Plage erzählt 2. Mose/Exodus 7,14-24.,

aus ihren Bächen konnten sie nicht mehr trinken.

45Er schickte ihnen Stechmücken78,45 Stechmücken: Von der dritten Plage erzählt 2. Mose/Exodus 8,12-15., die sie stachen,

und Frösche, die ihnen Verderben brachten.

46Er übergab ihre Ernte dem Ungeziefer78,46 Ungeziefer: Von der vierten Plage erzählt 2. Mose/Exodus 8,16-28.

und ihren Arbeitsertrag den Heuschrecken78,46 Heuschrecken: Von der achten Plage erzählt 2. Mose/Exodus 10,1-20..

47Er vernichtete ihre Weinstöcke durch Hagel78,47 Hagel: Von der siebten Plage erzählt 2. Mose/Exodus 9,13-35.

und ihre Obstbäume durch Wolkenbrüche.

48Er überließ ihr gesamtes Vieh der Pest78,48 Pest: Von der fünften Plage erzählt 2. Mose/Exodus 9,1-7.

und ihren Besitz an Tieren den Seuchen.

49Er schickte ihnen die Glut seines Zorns78,49 Zorn Gottes: Sein Wille, Gericht zu halten. Mehr … entgegen:

Wut, Ärger und Bedrängnis,

eine Schar von Unheilsboten.

50Er ließ seinem Zorn freien Lauf.

Selbst vor dem Tod bewahrte er sie nicht,

sondern überließ ihr Leben der Pest.

51Alle Erstgeburt in Ägypten ließ er sterben78,51 ließ er sterben: Von der zehnten und letzten Plage erzählt 2. Mose/Exodus 12,29-42.,

die erstgeborenen Kinder in den Zelten Hams78,51 Zelte Hams: Poetische Bezeichnung für die Wohnungen der Ägypter. In 1. Mose/Genesis 10,6 wird Ägypten als Nachkomme von Ham, einem Sohn Noahs, bezeichnet..

52Aber sein Volk ließ er wie Schafe ausziehen.

Er führte sie wie eine Herde78,52 Herde: Bild für das Volk Israel. Gott ist als Hirte seines Volkes verantwortlich für den Schutz und Bestand seiner Herde. durch die Wüste.

53Er leitete sie sicher, sie hatten nichts zu fürchten.

Doch ihre Feinde bedeckte das Meer78,53 bedeckte das Meer: 2. Mose/Exodus 14,21-31 erzählt, dass Gott sein Volk trockenen Fußes durch das Schilfmeer führte. Die ägyptischen Verfolger ließ er im Meer umkommen..

54So brachte er sie in das Gebiet seines Heiligtums –

zum Berg, den er sich als Eigentum erwarb.

55Er vertrieb vor ihnen die Völker aus dem Land

und verteilte es mit der Messschnur als Erbbesitz78,55 Erbbesitz: Der Anteil der Israeliten an dem Land, das Gott ihnen gibt. Sie dürfen das Land für ihren Lebensunterhalt nutzen, der Eigentümer bleibt Gott..

So sorgte er dafür, dass die Stämme Israels78,55 Stämme Israels: Israel versteht sich als Verband von zwölf Stämmen, die auf die Nachkommen der Söhne Jakobs zurückgehen. Mehr …

in deren Zelten78,55 Zelt: Transportable Wohnung von Nomaden, die nicht sesshaft sind und mit ihren Tieren durch das Land ziehen. Mehr … wohnen konnten.

56Wieder forderten sie Gott heraus78,56 wieder forderten sie Gott heraus: Im Buch Richter wird erzählt, wie sich die Israeliten nach dem Einzug in das von Gott verheißene Land verhalten; vgl. beispielsweise Richter 2,11-19.

und widersetzten sich dem Höchsten78,56 der Höchste: Titel für Gott, der eng mit dem Tempel in Jerusalem verbunden ist..

Seine Vorschriften beachteten sie nicht.

57Sie verließen ihn treulos wie ihre Eltern.

Sie versagten wie Bogenschützen

mit einem zu schlaff gespannten Bogen.

58Sie ärgerten ihn mit ihren Kultplätzen78,58 Kultplatz: Lokales Heiligtum auf einer Anhöhe oder Bezeichnung für einen Ort, an dem fremde Götter verehrt werden.

und reizten ihn mit ihren Götterbildern.

59Als Gott das hörte, wurde er zornig

und verwarf Israel78,59 Israel: Nachkommen der zwölf Söhne Jakobs. Gott hat mit Israel einen Bund geschlossen. Mehr … ganz und gar.

60Er räumte seine Wohnung in Schilo78,60 Wohnung in Schilo: Bezeichnung für das Heiligtum in Schilo, in dem die Bundeslade mit den Zehn Geboten aufbewahrt wurde.,

das Zelt, in dem er bei den Menschen gewohnt hatte.

61Er überließ das Zeichen seiner Macht78,61 Zeichen seiner Macht: Meint die Bundeslade, die 1. Samuel 4,2-11 zufolge von den Philistern aus dem Heiligtum in Schilo geraubt wurde. den Feinden

und gab das kostbare Stück in ihre Hand.

62Er lieferte sein Volk dem Schwert aus.

So zornig war er über sein Eigentum78,62 Eigentum: Bezeichnung für das Volk Israel und Ausdruck des engen Verhältnisses zwischen Gott, dem Land und seinem Volk..

63Ein Feuer vernichtete die jungen Männer.

Und für die Mädchen in seinem Volk

sang man keine Brautlieder mehr.

64Seine Priester78,64 Priester: Bringt Opfer im Heiligtum dar und deutet den Willen Gottes. Mehr … kamen um durch das Schwert.

Zuletzt fehlte den Witwen78,64 Witwe: Frau, deren Mann verstorben ist und die dadurch rechtlich, sozial und wirtschaftlich in eine schwierige Lage geriet. Von der Gemeinschaft wird gefordert, dass sie Witwen versorgt und niemand ihre schwache Stellung ausnutzt. Mehr … sogar die Kraft zu trauern.

65Da erwachte der Herr wie aus dem Schlaf –

wie ein Kriegsheld aus dem Weinrausch.

66Er schlug seine Feinde in die Flucht

und brachte bleibende Schande über sie.

67Er verwarf das Zelt der Nachkommen Josefs78,67 Nachkommen Josefs: Bezeichnung für das Nordreich Israel.

und den Stamm Efraim78,67 Efraim: Stamm Israels, später auch Bezeichnung für das Nordreich. erwählte er nicht.

68Er erwählte den Stamm Juda78,68 Juda: Einer der zwölf Stämme Israels, aus dem das Südreich Juda hervorging.,

den Berg Zion78,68 Zion: Tempelberg von Jerusalem, aber auch Bezeichnung für die ganze Stadt. Mehr …, den er liebt.

69Dort errichtete er sein Heiligtum78,69 Heiligtum: Bezeichnung für den Tempel in Jerusalem.

hoch wie der Himmel und fest wie die Erde,

die er für alle Zeit gegründet hat.

70Dort erwählte er seinen Knecht David78,70 David: Bedeutender König in der Geschichte Israels, der etwa 1000–960 v. Chr. regierte. Er stammte aus dem Stamm Juda..

Von der Schafweide holte er ihn weg.78,70 Von der Schafweide holte er ihn weg.: Von der Erwählung Davids zum König über Israel erzählt 1. Samuel 16,1-13.

71Von den Mutterschafen nahm er ihn fort,

damit er sein Volk Jakob78,71 Jakob: Bezeichnung für das Volk Israel. Der Stammvater Jakob wird in 1. Mose/Genesis 32,29 in Israel umbenannt. Mehr … weidete78,71 weiden: Anspielung auf das Hirtenbild, das in der Antike für den König oder für Gott steht.

nämlich Israel78,71 Israel: Nachkommen der zwölf Söhne Jakobs. Gott hat mit Israel einen Bund geschlossen. Mehr …, sein Eigentum78,71 Eigentum: Bezeichnung für das Volk Israel und Ausdruck des engen Verhältnisses zwischen Gott, dem Land und seinem Volk..

72Er weidete sie78,72 er weidete sie: König David kümmerte sich um das Volk, wie ein Hirte sich um seinen Herde kümmert. Deshalb wird er auch als »königlicher Hirte« bezeichnet, vgl. 2. Samuel 7,8. mit ehrlichem Herzen

und regierte sie mit kluger Hand.

79

Am Boden zerstört

791EIN PSALM, VON ASAF79,1 Asaf: Sänger und Leiter einer Gruppe von Musikern am Tempel in Jerusalem. Mehr ….

Gott, Völker sind in dein Eigentum eingedrungen

und haben deinen heiligen Tempel79,1 Tempel: Das zentrale Heiligtum in Jerusalem. Der Tempel galt als Wohnung Gottes und war Zufluchtsort für Verfolgte. Mehr … entweiht.

Sie haben Jerusalem79,1 Jerusalem: Hauptstadt und Regierungssitz der Könige aus dem Haus David in Juda. 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört. Mehr … in Trümmer gelegt.

2Die Leichen deiner Knechte79,2 Knechte: Selbstbezeichnung von Menschen, die sich in den Dienst Gottes stellen und ihn dadurch als ihren Herrn anerkennen. gaben sie

den Vögeln unter dem Himmel zu fressen.

Die Körper deiner Frommen79,2 Fromme: Menschen, die ihr ganzes Leben auf Gott ausrichten und sich für die Befolgung seiner Gebote einsetzen. überließen sie

den wilden Tieren auf dem Feld.

3Sie haben ihr Blut in Strömen vergossen,

in der gesamten Umgebung von Jerusalem.

Und es gab keinen, der die Toten begrub.

4Wir sind zum Spott für unsere Nachbarn geworden.

Ringsum wurden wir verhöhnt und beschimpft.

5Wie lange, Herr, soll das noch gehen,

willst du uns für immer böse sein?

Soll deine Leidenschaft noch weiter brennen

wie ein verzehrendes Feuer?

6Richte doch deinen Zorn79,6 Zorn Gottes: Sein Wille, Gericht zu halten. Mehr … gegen die Völker,

die dich nicht anerkennen wollen!

Wende dich gegen die Königreiche,

die deinen Namen79,6 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart, vor allem im Heiligtum. Mehr … nicht anrufen!

7Denn sie haben Jakob79,7 Jakob: Bezeichnung für das Volk Israel. Der Stammvater Jakob wird in 1. Mose/Genesis 32,29 in Israel umbenannt. Mehr … gefressen

und sein Weideland abgemäht.

8Rechne uns die Schuld79,8 Schuld: Konkrete Verfehlungen, die von Gott trennen und das Gewissen belasten können. Mehr … der Vorfahren nicht an!

Lass uns bald dein Erbarmen erfahren,

denn wir sind sehr schwach geworden.

9Steh uns bei, Gott, du kannst uns retten!

Es geht doch um die Ehre79,9 Ehre, ehren: Einen Menschen oder Gott ehren heißt, ihn so zu behandeln, wie es seiner Stellung entspricht. Mehr … deines Namens79,9 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart, vor allem im Heiligtum. Mehr ….

Befreie uns und vergib uns unsere Sünden79,9 Sünden: Konkrete Verfehlungen, die von Gott trennen und das Gewissen belasten können. Mehr …!

Dafür stehst du mit deinem Namen ein.

10Warum dürfen die Völker sagen:

»Wo ist er denn nun, ihr Gott?«

Lass in der Völkerwelt bekannt werden,

dass du sie vor unseren Augen bestrafst.

Sie haben ja das Blut deiner Knechte79,10 Knechte: Selbstbezeichnung von Menschen, die sich in den Dienst Gottes stellen und ihn dadurch als ihren Herrn anerkennen. vergossen.

11Das Stöhnen der Gefangenen soll dich erreichen.

Die zum Tod verurteilt sind, erhalte am Leben.

So weit reicht deine Macht.

12Lass unsere Nachbarn siebenfach dafür bezahlen,

dass sie dich so schwer beleidigt haben, Herr!

13Wir aber sind dein Volk und Schafe deiner Weide79,13 Schafe deiner Weide: Bild für das Volk Israel. Gott ist als Hirte seines Volkes verantwortlich für den Schutz und Bestand seiner Herde..

Dafür wollen wir dir danken bis in alle Zukunft.

Von einer Generation zur anderen wollen wir

vom Ruhm deiner Taten erzählen.