BasisBibel NT+Ps (BB)
74

Der Tempel in Schutt und Asche

741EIN LEHRGEDICHT,

MIT ASAF74,1 Asaf: Gesangsmeister und Namensgeber eines Musikensembles, das am Jerusalemer Tempel angestellt war. VERBUNDEN.

Warum, Gott, hast du uns für immer verstoßen?

Warum lodert dein Zorn74,1 Zorn: Gottes Wille, Gericht zu halten. gegen die Schafe74,1 Schafe: Bildwort für die Gemeinde Israels im verheißenen Land, das ihnen Gott geschenkt hat. auf deinem Weideland?

2Denk doch an deine Gemeinde!

Seit Urzeiten hast du sie erworben.

Du hast sie doch als Volksstamm freigekauft.

Dein Erbland ist der Berg Zion74,2 Zion/Zionsstadt: Ursprünglicher Name der von König David eroberten Jebusiterfestung. Später ging der Name auf den Tempelberg über und wurde schließlich zur Bezeichnung für ganz Jerusalem und seine Bewohner. ,

auf dem du wohnst.

3Geh zu den Trümmerbergen74,3 Trümmerberg: Der Tempel in Jerusalem wurde 587 v. Chr. von den Babyloniern zerstört., die für immer daliegen!

Alles haben die Feinde zerstört im Heiligtum.

4Mit Gebrüll stürmten sie deinen Versammlungsort.

Auf dem Platz stellten sie ihre Feldzeichen74,4 Feldzeichen: Militärische Signalstange, die den Sammelplatz der Truppen oder auch Besitzansprüche über eroberte Gebiete kennzeichnet. auf.

5Mit erhobenen Äxten schlugen sie drein,

wie man sie im Dickicht des Waldes schwingt.

6Sogar die kostbaren Schnitzereien74,6 Schnitzereien: Elfenbeinverzierungen an den Türen und Wänden des Tempels. alle zusammen –

die schlugen sie entzwei mit Beil und Hammer.

7Dann steckten sie dein Heiligtum in Brand.

Den Ort, an dem man deinen Namen74,7 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart im Tempel. lobte,

entweihten sie bis auf den Erdboden.

8Sie hatten sich vorgenommen:

»Wir zwingen sie in die Knie, alle zusammen!«

Sie verbrannten alle Gotteshäuser74,8 Gotteshäuser: Die Babylonier zerstörten auch Heiligtümer auf dem Land wie in Bet-El und Mizpa. im Land.

9Zeichen, die uns hoffen ließen,

haben wir seit damals nicht gesehen.

Auch ist kein Prophet74,9 Prophet: Mensch, der verkündet, was Gott in einer bestimmten Situation zu sagen hat. mehr aufgetreten.

Und niemand von uns weiß: Wie lange noch?

10Wie lange74,10 wie lange: Typische Frage im Klagelied, die Gott an seine Barmherzigkeit erinnern soll. noch, Gott, darf der Angreifer spotten?

Darf der Feind für immer deinen Namen74,10 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart im Tempel. lästern?

11Warum ziehst du deinen Arm zurück?

Warum lässt du nur deine starke Hand

untätig im Futter deines Mantels stecken?

12Und doch ist Gott mein König seit Urzeiten.

Er vollbringt rettende Taten mitten auf der Erde:

13Du74,13 du: Hervorhebung von Gottes Schöpferhandeln durch Verwendung des Personalpronomens. hast das Meer durch deine Macht gespalten74,13 gespalten: Bei der Schöpfung hat Gott das Urmeer geteilt, um den Lebensraum der Erde zu schaffen.!

Die Köpfe der Seeungeheuer hast du zerschmettert,

als sie sich über dem Wasser zeigten.

14Du hast die Köpfe des Leviatan74,14 Leviatan: Seeungeheuer mit mehreren Köpfen. Es verkörpert die gottfeindlichen Mächte. zerstückelt

und den Haifischen zum Fraß vorgeworfen.

15Du hast Quellen und Bäche hervorsprudeln lassen

und reißende Ströme hast du trockengelegt.

16Dir gehört der Tag und auch die Nacht.

Du hast Mond und Sonne bereitgestellt.

17Du hast alle Grenzen der Erde festgelegt.

Sommer und Winter hast du geschaffen.

18Herr, denk daran: Der Feind hat dich verhöhnt!

Ein rücksichtsloses Volk lästert deinen Namen74,18 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart im Tempel..

19Gib das Leben deiner Taube74,19 Taube: Hier Sinnbild für das verängstigte Gottesvolk. nicht wilden Tieren preis!

Und das Leben deiner Armen – vergiss es niemals!

20Schau auf den Bund74,20 Bund: Anspielung auf den Bund Gottes mit Noah, vgl. 1. Mose/Genesis 9,8-17., der Leben bewahrt!

Denn im Land gibt es viele Schlupfwinkel,

und auf den Weiden herrscht rohe Gewalt.

21Wehrlose sollen nicht nochmals in Schande geraten.

Arme und Besitzlose sollen deinen Namen74,21 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart im Tempel. loben.

22Steh auf, Gott! Führe du den Rechtsstreit74,22 Rechtsstreit: Gott wird dazu aufgerufen, die Schmähung des Volkes zu seiner eigenen Rechtsangelegenheit zu machen.!

Denk daran, wie du verhöhnt wurdest –

von rücksichtslosen Leuten Tag für Tag!

23Vergiss nicht das andauernde Geschrei deiner Feinde –

den Lärm deiner Gegner, der zum Himmel dringt.

75

Der Becher zum Gericht

751FÜR DEN CHORLEITER.

NACH DER MELODIE: ZERSTÖRE NICHT!

EIN PSALM, MIT ASAF75,1 Asaf: Gesangsmeister und Namensgeber eines Musikensembles, das am Jerusalemer Tempel angestellt war. VERBUNDEN. EIN LIED.

2Wir danken dir, Gott.

Wir danken dir, dass dein Name75,2 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart im Tempel. nahe ist.

Deine Wundertaten75,2 Wunder, Zeichen: Wunder sind Ereignisse, in denen Menschen unmittelbar Gott am Werk sehen. erzählen davon.

3»Ich75,3 ich: Es ist Gott selbst, der hier spricht. werde einen Zeitpunkt bestimmen.

Dann halte ich umfassend75,3 umfassend: Im Hebräischen steht hier ein alter Rechtsbegriff. Im göttlichen Gericht werden alle Menschen nach dem gleichen Maßstab beurteilt. Gericht75,3 Gericht, verurteilen: Gemeint ist das Gericht Gottes: Als Herrscher über die ganze Welt ist Gott auch der Richter, der am Ende der Zeit das Urteil über sie zu sprechen hat..

4Und sollte die Erde auch beben,

mit allen Bewohnern, die auf ihr leben –

ich selbst habe die Säulen75,4 Säulen: Nach dem biblischen Weltbild ruht die Erdscheibe auf Pfeilern, die im unterirdischen Meer verankert sind. der Erde

auf festen Grund gestellt.« SELA75,4 SELA: Zeichen zum Atemholen.!

5Ich sagte zu den Angebern:

»Seid doch nicht so eingebildet!«

Und zu den Frevlern75,5 Frevler: Menschen, die sich über Gottes Gebote hinwegsetzen und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. sagte ich:

»Hebt euer Horn75,5 Horn: Das Horn des Wildstiers ist ein Sinnbild für Stärke und Macht. nicht so hoch!

6Streckt euer Horn nicht in die Höhe!

Reckt euren Hals nicht so empor,

um freche Reden zu schwingen!«

7Denn weder vom Osten noch vom Westen

noch vom Süden habt ihr Grund dazu.

8Denn Gott allein ist der Richter.

Den einen wird er erniedrigen,

den anderen erhöhen.

9Ja, der HERR hält einen Becher75,9 Becher: Zu jedem Haushalt gehörten neben Tellern und Krügen auch Becher, die meist aus Ton gearbeitet waren. bereit –

gefüllt mit schäumendem Wein75,9 Wein: Wein gehörte im Land der Bibel zu den alltäglichen Nahrungsmitteln. Zugleich symbolisiert er Lebensfreude und Wohlstand. ,

vermischt mit bitteren Gewürzen.

Davon schenkt er der Reihe nach ein.

Selbst seine Hefe müssen sie schlürfen.

Alle Frevler75,9 Frevler: Menschen, die sich über Gottes Gebote hinwegsetzen und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. im Land müssen davon trinken.

10Ich aber will es für alle Zeiten verkünden

und davon singen, was der Gott Jakobs75,10 Gott Jakobs: Bezeichnung für den Gott Israels. Sie bringt das persönliche Treueverhältnis zwischen Gott und dem Stammvater seines Volkes zum Ausdruck. sagt:

11»Ich werde alle Hörner der Frevler75,11 Frevler: Menschen, die sich über Gottes Gebote hinwegsetzen und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. abschlagen.

Aber die Hörner der Gerechten75,11 der Gerechte: Der Gerechte ist ein Mensch, der die Gebote Gottes befolgt und sich sozial verhält. werden in die Höhe ragen.«

76

Gott zerbricht die Waffen

761FÜR DEN CHORLEITER.

ZUR MUSIK VON SAITENINSTRUMENTEN.

EIN PSALM, MIT ASAF76,1 Asaf: Gesangsmeister und Namensgeber eines Musikensembles, das am Jerusalemer Tempel angestellt war. VERBUNDEN. EIN LIED.

2Gott ist in Juda76,2 Juda/Judäa: Der südliche Teil des Landes, in dem das Volk Israel lebte. wohlbekannt.

In Israel76,2 Israel: Beiname des israelitischen Stammvaters Jakob. Als Volksname bezeichnet er das gesamte Zwölf-Stämme-Volk. schätzt man seinen Namen76,2 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart im Tempel..

3In Salem76,3 Salem: Alte Bezeichnung für Jerusalem, vgl. 1. Mose/Genesis 14,18. hat er sein Versteck76,3 Versteck: Anspielung auf den Tempel als Schutz vor Verfolgung, vgl. Psalm 90,1 und Psalm 91,9..

Auf dem Zion76,3 Zion/Zionsstadt: Ursprünglicher Name der von König David eroberten Jebusiterfestung. Später ging der Name auf den Tempelberg über und wurde schließlich zur Bezeichnung für ganz Jerusalem und seine Bewohner. nahm er seine Wohnung.

4Dort zerbrach er Köcher und Bogen,

Schild76,4 Schild: Der Schild dient als Abwehrwaffe im Gefecht und kann auch als Sinnbild für Gottes Schutz verwendet werden., Schwert und Kriegsgerät. SELA76,4 SELA: Zeichen zum Atemholen.!

5Im Feuerglanz bist du erschienen,

mächtiger als ein reißender Löwe76,5 reißender Löwe: Der hebräische Text wurde an dieser Stelle berichtigt..

6Zur Beute wurden die tapferen Krieger.

Sie sanken zu Boden wie im Schlaf.

Und kein einziger unter den starken Helden

konnte etwas ausrichten mit seinen Händen.

7Nachdem du sie bedroht hast, Gott Jakobs76,7 Gott Jakobs: Bezeichnung für den Gott Israels. Sie bringt das persönliche Treueverhältnis zwischen Gott und dem Stammvater seines Volkes zum Ausdruck.,

blieben Wagen76,7 Streitwagen: Ein für den Krieg ausgerüsteter Wagen mit zwei oder drei Mann Besatzung. und Rosse liegen wie betäubt.

8Du, ja du bist furchtbar anzuschauen!

Wer kann dir standhalten, wenn du zornig bist?

9Vom Himmel76,9 Himmel: Meint den gesamten Luftraum. Im übertragenen Sinn beschreibt »Himmel« den Bereich, in dem Gott wohnt. her hast du dein Urteil verkündet.

Da erschrak sogar die Erde und schwieg still.

10So hast du dich zum Gericht76,10 Gericht, verurteilen: Gemeint ist das Gericht Gottes: Als Herrscher über die ganze Welt ist Gott auch der Richter, der am Ende der Zeit das Urteil über sie zu sprechen hat. erhoben, Gott,

um alle Unterdrückten der Erde zu retten. SELA76,10 SELA: Zeichen zum Atemholen.!

11Sollen die Menschen doch vor Wut kochen!

Trotzdem müssen sie dich preisen.

Und wenn dann noch einige vor Wut kochen,

müssen auch sie dich feiern.

12Tut Gelübde76,12 Gelübde: Feierliches Versprechen, das nach Gottes Hilfeleistung im Rahmen einer Dankfeier eingelöst wird. und erfüllt sie dem HERRN, eurem Gott!

Alle ringsum sollen Gaben zu ihm bringen –

zu dem, der furchtbar anzuschauen ist.

13Er bricht den Hochmut der Fürsten.

Er ist gefürchtet bei den Königen der Welt.