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72

Segenswünsche für den König

Ein Krönungshymnus72,0 Krönungshymnus: Ein Loblied bei der Einsetzung des neuen Königs. Psalm 72 hat eine altorientalische Parallele in dem Krönungshymnus des assyrischen Großkönigs Assurbanipal aus dem Jahr 669 v. Chr.

721MIT SALOMO72,1 Salomo: Einer der berühmtesten israelitischen Könige (ca. 972–932 v. Chr.). VERBUNDEN.

Gott, gib dem König72,1 König: Der König ist nach dem Verständnis des Alten Testaments ein von Gott eingesetzter Herrscher, der im Staat für Gerechtigkeit und Ordnung zu sorgen hat. »König« kann auch als Ehrenbezeichnung für Gott selbst verwendet werden. deine Rechtsvorschriften!

Schenke dem Thronfolger deine Gerechtigkeit72,1 gerecht, Gerechtigkeit: Meint ein Leben nach den Vorstellungen Gottes.!

2Er soll unvoreingenommen über dein Volk urteilen

und über deine Armen, wie es das Recht verlangt.

3Die Berge mögen dem Volk den Frieden bringen

und die Hügel sich kleiden in Gerechtigkeit.

4Den Armen im Volk soll er zum Recht verhelfen.

Die Kinder der Besitzlosen soll er retten,

aber die Unterdrücker zermalmen.

5Lange soll er leben unter dem Schein der Sonne

und des Mondes von Generation zu Generation!

6Wie ein Regen72,6 Regen: Der König wirkt so positiv für sein Land wie der Regen, der die Erde fruchtbar macht. soll er über die Wiesen niedergehen

und wie ein Regenschauer den Boden befeuchten.

7Die Gerechtigkeit72,7 gerecht, Gerechtigkeit: Meint ein Leben nach den Vorstellungen Gottes. soll aufblühen in seinen Tagen.

Und Frieden soll herrschen weit und breit,

solange bis es den Mond nicht mehr gibt.

8Er wird herrschen von einem Meer bis zum andern,

vom Strom72,8 Strom: Der Paradiesstrom, der die großen Flüsse der Erde speist; vgl. 1. Mose/Genesis 2,10. bis zum äußersten Rand der Welt.

9Die Bewohner der Wüste72,9 Bewohner der Wüste: Nicht nur Menschen, sondern auch Raubtiere und Dämonen. werden vor ihm niederknien

und seine Feinde den Staub vom Boden essen.

10Die Könige von Tarschisch72,10 Tarschisch: Die phönizische Kolonie Tartessus im äußersten Westen, vgl. 1. Könige 10,22. und den Inseln

werden ihm Gastgeschenke bringen.

Die Könige von Scheba und Saba72,10 Scheba und Saba: Der Blick wendet sich in den äußersten Osten nach Äthiopien und Südarabien, vgl. 1. Könige 10,1.

bezahlen den vereinbarten Tribut72,10 Tribut: Geld- oder Sachleistungen, die ein unterworfenes Volk an die Großmacht zahlen muss..

11Alle Könige werden sich ihm unterwerfen.

Alle fremden Völker stehen in seinem Dienst.

12Ja, er rettet den Besitzlosen, der um Hilfe schreit.

Er hilft dem Armen, der keinen Beistand hat.

13Er hat Mitleid mit Schwachen und Besitzlosen

und sorgt dafür, dass sie am Leben bleiben.

14Er befreit ihr Leben aus Bedrückung und Gewalt.

So teuer ist ihr Blut72,14 Blut: Steht hier für das Leben der Armen, um das sich Gott sorgt. in seinen Augen.

15Hoch soll er leben!

Das Gold aus Scheba soll man ihm geben!

Unermüdlich soll man für ihn beten,

jeden Tag soll man ihm Segen72,15 Segen, segnen: Besondere Zuwendung Gottes zu seinen Geschöpfen, durch die er ihnen Kraft, Leben und Wohlergehen schenkt. wünschen!

16Im Land soll es Getreide im Überfluss geben.

Schon rauschen die Felder auf den Bergeshöhen.

Wie auf dem Libanon72,16 Libanon: Nördlich von Israel gelegener bis zu 3000 m aufragender Gebirgszug mit üppiger Vegetation. sollen seine Früchte gedeihen,

seine Ähren wie Gras aus dem Boden sprießen.

17Sein Name soll immer in hohem Ansehen stehen.

Unter dem Schein der Sonne wachse sein Ruhm.

Die Völker erlangen Segen72,17 Segen, segnen: Besondere Zuwendung Gottes zu seinen Geschöpfen, durch die er ihnen Kraft, Leben und Wohlergehen schenkt. durch ihn.

Sie alle wünschen ihm Glück dazu.

18Gepriesen sei Gott, der HERR, Israels72,18 Israel: Beiname des israelitischen Stammvaters Jakob. Als Volksname bezeichnet er das gesamte Zwölf-Stämme-Volk. Gott!

Er tut Wunder72,18 Wunder, Zeichen: Wunder sind Ereignisse, in denen Menschen unmittelbar Gott am Werk sehen. , er allein!

19Gepriesen sei sein herrlicher Name72,19 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart im Tempel. alle Zeit!

Seine Herrlichkeit72,19 Herrlichkeit: Bezeichnet das, was einer Person Ansehen und Macht verleiht. Die Bibel stellt sich Gottes Herrlichkeit auch als strahlenden Lichtglanz vor. erfülle die ganze Erde.

Amen! Und nochmals: Amen72,19 Amen: Das hebräische Wort hat den Sinn von »So ist es/So sei es!« !

20HIER ENDEN DIE GEBETE72,20 Gebet: Reden des Menschen mit Gott. VON DAVID72,20 David: David war der bedeutendste König in der Geschichte Israels (um 1000 v. Chr.). Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder. , DEM SOHN ISAIS.

73

Drittes Buch: Psalm 73–89

Gott nahe zu sein, ist gut für mich

731EIN PSALM,

MIT ASAF73,1 Asaf: Gesangsmeister und Namensgeber eines Musikensembles, das am Jerusalemer Tempel angestellt war. VERBUNDEN.

Ja, wirklich: Gott ist gut zu Israel73,1 Israel: Beiname des israelitischen Stammvaters Jakob. Als Volksname bezeichnet er das gesamte Zwölf-Stämme-Volk. ,

zu denen, die ein reines Herz haben!

2Ich aber wäre fast gestrauchelt mit meinen Füßen.

Um ein Haar hätte ich meinen Halt verloren.

3Denn ich war neidisch auf die Angeber,

als ich sah, wie gut es den Frevlern73,3 Frevler: Menschen, die sich über Gottes Gebote hinwegsetzen und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. ging.

4Denn sie leiden offenbar keine Schmerzen,

ihr Leib ist gesund und wohlgenährt.

5Die harte Arbeit der Menschen kennen sie nicht

und die Sorgen der Leute berühren sie nicht.

6Darum tragen sie ihren Hochmut wie eine Halskette

und hüllen sich in einen Mantel von Gewalt.

7Aus ihren Augen grinst der Wohlstand hervor.

Vor lauter Einbildung hüpft ihnen das Herz.

8Sie spotten und reden in böser Absicht daher,

verdrehen die Worte und schüchtern ein.

9Sie reißen ihren Mund auf bis zum Himmel

und lassen ihrer Zunge freien Lauf auf Erden.

10Darum wendet sich das Volk ihnen zu.

Von ihren Reden bekommt es nicht genug.

11Sie sagen: »Wie sollte Gott davon erfahren?

Was weiß denn schon der Höchste73,11 Höchster: Alter Gottestitel aus dem Jerusalemer Tempelkult, vgl. 1. Mose/Genesis 14,18-20.

12Schaut nur hin: So leben die Frevler73,12 Frevler: Menschen, die sich über Gottes Gebote hinwegsetzen und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen.!

Die ganze Zeit sind sie frei von Sorgen

und vermehren ihr Vermögen immerzu.

13Ja wirklich: Umsonst behielt ich ein reines Herz!

Umsonst wusch ich meine Hände in Unschuld!

14Vielmehr blieben mir die Sorgen Tag für Tag,

Jeder neue Morgen war für mich eine Strafe.

15Ich könnte zwar sagen: »Ich will so reden wie sie!«

Aber die Gemeinschaft deiner Kinder73,15 Kinder Gottes: Bezeichnung für die Zugehörigkeit zum erwählten Gottesvolk. hätte ich damit verlassen.

16Also dachte ich nach, um das zu verstehen!

Doch es war mühselig in meinen Augen.

17Schließlich ging ich in Gottes heilige Hallen73,17 heilige Hallen: Gemeint ist der Tempel in Jerusalem..

Da sah ich auf ihr Ende und verstand es.

18Ja, wirklich: Du hast sie auf glatten Grund geführt

und sie auf ihre Täuschung hereinfallen lassen.

19Doch wie plötzlich kam für sie das Entsetzen.

Schlagartig fanden sie ein schreckliches Ende –

20wie bei einem Traum, dem ein böses Erwachen folgt!

Und wenn sie dann wach werden, mein Herr,

sind sie nur noch ein Schatten ihrer selbst.

21Wenn mich also die Bitterkeit im Herzen packt

und mich die Nieren73,21 Nieren: Die Nieren galten als Sitz innerer Gefühlsregungen. In Psalm 73,3 sind Neid und Eifersucht im Blick. wieder einmal stechen:

22Dann bin ich so dumm wie ein Rindvieh

und steh vor dir wie ein Ochse vor dem Berg.

23Trotzdem bleibe ich immer bei dir.

Du hast mich an die Hand genommen.

24Du führst mich nach deinem Plan73,24 Plan: Gott bestimmt nicht nur den Fortgang der Geschichte, sondern auch den individuellen Lebenslauf..

Und wenn mein Leben zu Ende geht,

nimmst du mich in Würde73,24 Würde: Die Würde des Menschen ist von Gott verliehen und unantastbar, vgl. Psalm 8,6. bei dir auf.

25Wen hätte ich sonst im Himmel73,25 Himmel: Meint den gesamten Luftraum. Im übertragenen Sinn beschreibt »Himmel« den Bereich, in dem Gott wohnt.?

Bei dir zu sein, das ist alles,

was ich mir auf der Erde wünsche.

26Und sind mein Leib und Leben vergangen:

Auch dann bleibst du, Gott, trotz allem

mein Fels73,26 Fels: Ehrenvolle Bezeichnung für den Gott Israels und Sinnbild seiner Macht. und mein Erbteil73,26 Erbteil: Der Beter ist wahrscheinlich ein Nachkomme des Stammes Levi, dem kein Land, sondern der Dienst am Tempel zugewiesen wurde. Deshalb nennt er Gott seinen Erbteil. für immer!

27Ja, wer sich von dir entfernt, der wird umkommen.

Wer sich von dir abwendet, den vernichtest du.

28Ich aber bekenne: Gott nahe zu sein, ist gut für mich.

Bei Gott, dem HERRN, habe ich meine Zuflucht73,28 Zuflucht: Ein Ort, der Schutz bietet. Im alten Israel konnte man im Tempel von Jerusalem um Asyl bitten. .

Von allen seinen Werken will ich gerne erzählen.

74

Der Tempel in Schutt und Asche

741EIN LEHRGEDICHT,

MIT ASAF74,1 Asaf: Gesangsmeister und Namensgeber eines Musikensembles, das am Jerusalemer Tempel angestellt war. VERBUNDEN.

Warum, Gott, hast du uns für immer verstoßen?

Warum lodert dein Zorn74,1 Zorn: Gottes Wille, Gericht zu halten. gegen die Schafe74,1 Schafe: Bildwort für die Gemeinde Israels im verheißenen Land, das ihnen Gott geschenkt hat. auf deinem Weideland?

2Denk doch an deine Gemeinde!

Seit Urzeiten hast du sie erworben.

Du hast sie doch als Volksstamm freigekauft.

Dein Erbland ist der Berg Zion74,2 Zion/Zionsstadt: Ursprünglicher Name der von König David eroberten Jebusiterfestung. Später ging der Name auf den Tempelberg über und wurde schließlich zur Bezeichnung für ganz Jerusalem und seine Bewohner. ,

auf dem du wohnst.

3Geh zu den Trümmerbergen74,3 Trümmerberg: Der Tempel in Jerusalem wurde 587 v. Chr. von den Babyloniern zerstört., die für immer daliegen!

Alles haben die Feinde zerstört im Heiligtum.

4Mit Gebrüll stürmten sie deinen Versammlungsort.

Auf dem Platz stellten sie ihre Feldzeichen74,4 Feldzeichen: Militärische Signalstange, die den Sammelplatz der Truppen oder auch Besitzansprüche über eroberte Gebiete kennzeichnet. auf.

5Mit erhobenen Äxten schlugen sie drein,

wie man sie im Dickicht des Waldes schwingt.

6Sogar die kostbaren Schnitzereien74,6 Schnitzereien: Elfenbeinverzierungen an den Türen und Wänden des Tempels. alle zusammen –

die schlugen sie entzwei mit Beil und Hammer.

7Dann steckten sie dein Heiligtum in Brand.

Den Ort, an dem man deinen Namen74,7 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart im Tempel. lobte,

entweihten sie bis auf den Erdboden.

8Sie hatten sich vorgenommen:

»Wir zwingen sie in die Knie, alle zusammen!«

Sie verbrannten alle Gotteshäuser74,8 Gotteshäuser: Die Babylonier zerstörten auch Heiligtümer auf dem Land wie in Bet-El und Mizpa. im Land.

9Zeichen, die uns hoffen ließen,

haben wir seit damals nicht gesehen.

Auch ist kein Prophet74,9 Prophet: Mensch, der verkündet, was Gott in einer bestimmten Situation zu sagen hat. mehr aufgetreten.

Und niemand von uns weiß: Wie lange noch?

10Wie lange74,10 wie lange: Typische Frage im Klagelied, die Gott an seine Barmherzigkeit erinnern soll. noch, Gott, darf der Angreifer spotten?

Darf der Feind für immer deinen Namen74,10 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart im Tempel. lästern?

11Warum ziehst du deinen Arm zurück?

Warum lässt du nur deine starke Hand

untätig im Futter deines Mantels stecken?

12Und doch ist Gott mein König seit Urzeiten.

Er vollbringt rettende Taten mitten auf der Erde:

13Du74,13 du: Hervorhebung von Gottes Schöpferhandeln durch Verwendung des Personalpronomens. hast das Meer durch deine Macht gespalten74,13 gespalten: Bei der Schöpfung hat Gott das Urmeer geteilt, um den Lebensraum der Erde zu schaffen.!

Die Köpfe der Seeungeheuer hast du zerschmettert,

als sie sich über dem Wasser zeigten.

14Du hast die Köpfe des Leviatan74,14 Leviatan: Seeungeheuer mit mehreren Köpfen. Es verkörpert die gottfeindlichen Mächte. zerstückelt

und den Haifischen zum Fraß vorgeworfen.

15Du hast Quellen und Bäche hervorsprudeln lassen

und reißende Ströme hast du trockengelegt.

16Dir gehört der Tag und auch die Nacht.

Du hast Mond und Sonne bereitgestellt.

17Du hast alle Grenzen der Erde festgelegt.

Sommer und Winter hast du geschaffen.

18Herr, denk daran: Der Feind hat dich verhöhnt!

Ein rücksichtsloses Volk lästert deinen Namen74,18 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart im Tempel..

19Gib das Leben deiner Taube74,19 Taube: Hier Sinnbild für das verängstigte Gottesvolk. nicht wilden Tieren preis!

Und das Leben deiner Armen – vergiss es niemals!

20Schau auf den Bund74,20 Bund: Anspielung auf den Bund Gottes mit Noah, vgl. 1. Mose/Genesis 9,8-17., der Leben bewahrt!

Denn im Land gibt es viele Schlupfwinkel,

und auf den Weiden herrscht rohe Gewalt.

21Wehrlose sollen nicht nochmals in Schande geraten.

Arme und Besitzlose sollen deinen Namen74,21 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart im Tempel. loben.

22Steh auf, Gott! Führe du den Rechtsstreit74,22 Rechtsstreit: Gott wird dazu aufgerufen, die Schmähung des Volkes zu seiner eigenen Rechtsangelegenheit zu machen.!

Denk daran, wie du verhöhnt wurdest –

von rücksichtslosen Leuten Tag für Tag!

23Vergiss nicht das andauernde Geschrei deiner Feinde –

den Lärm deiner Gegner, der zum Himmel dringt.