BasisBibel NT+Ps (BB)
71

Bis ins hohe Alter

711Bei dir, HERR, suche ich Zuflucht71,1 Zuflucht: Ein Ort, der Schutz bietet. Im alten Israel konnte man im Tempel von Jerusalem um Asyl bitten. .

Ich werde nicht enttäuscht.

2Du kannst mich retten und befreien.

Das entspricht doch deiner Gerechtigkeit71,2 gerecht, Gerechtigkeit: Meint ein Leben nach den Vorstellungen Gottes..

Schenk mir ein offenes Ohr und hilf mir!

3Sei für mich ein Fels, ein Versteck71,3 Versteck: Anspielung auf den Tempel als Schutz vor Verfolgung, vgl. Psalm 90,1 und Psalm 91,9.!

Dorthin soll ich immer kommen!

Das hast du befohlen, um mir zu helfen.

Du bist ja mein Fels71,3 Fels: Ehrenvolle Bezeichnung für den Gott Israels und Sinnbild seiner Macht. und meine Burg71,3 Fels: Ehrenvolle Bezeichnung für den Gott Israels und Sinnbild seiner Macht.!

4Mein Gott, rette mich aus der Hand der Frevler71,4 Frevler: Menschen, die sich über Gottes Gebote hinwegsetzen und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen..

Befreie mich aus dem Würgegriff der Leute,

die mir Unrecht und Gewalt antun!

5Denn du bist meine Hoffnung, mein HERR.

Von meiner Jugend an, Herr,

bist du der Grund für meine Zuversicht.

6Seit ich zur Welt gekommen bin,

konnte ich mich auf dich verlassen.

Du hast mich vom Mutterleib entbunden,

darum galt immer nur dir mein Lobgesang.

7Was ich erlebte, brachte viele zum Erschrecken.

Aber du warst für mich eine starke Zuflucht71,7 Zuflucht: Ein Ort, der Schutz bietet. Im alten Israel konnte man im Tempel von Jerusalem um Asyl bitten. .

8Mein Mund ist voll mit deinem Lob.

Den ganzen Tag will ich dich rühmen.

9Jetzt, wo ich alt bin, lass mich nicht fallen!

Jetzt, wo meine Kräfte abnehmen,

lass mich nicht im Stich!

10Denn meine Feinde reden schon über mich.

Und die Leute, die mich belauern,

haben sich miteinander beraten:

11»Gott hat ihn verlassen!

Verfolgt ihn und packt ihn!

Denn es gibt keinen, der ihm hilft!«

12Ach Gott, bleib nicht fern von mir!

Mein Gott, komm mir schnell zu Hilfe!

13Die mich vor Gericht beschuldigen,

sollen enttäuscht werden und aufhören.

Die mein Unglück herbeiführen wollen,

sollen Schimpf und Schande erleben.

14Ich aber werde stets nach dir Ausschau halten

und neue Lieder zu deinem Lob hinzufügen.

15Mein Mund soll von deiner Gerechtigkeit71,15 gerecht, Gerechtigkeit: Meint ein Leben nach den Vorstellungen Gottes. erzählen

und den ganzen Tag von deiner Hilfe berichten.

Denn die Kunst des Schreibens71,15 Kunst des Schreibens: Im alten Israel konnten nur wenige Menschen schreiben. beherrsche ich nicht.

16Mit den großen Taten meines Herrn will ich kommen.

HERR, an deine Gerechtigkeit71,16 gerecht, Gerechtigkeit: Meint ein Leben nach den Vorstellungen Gottes. will ich erinnern –

an dich allein.

17Gott, du hast mich von Jugend an unterwiesen.

Bis heute mache ich deine Wundertaten bekannt.

18Doch jetzt bin ich alt und habe graues Haar!

Ach Gott, lass mich doch nicht im Stich!

Ich möchte noch lange deine Macht verkünden,

Kindern und Enkeln von deinem Tun erzählen.

19Deine Gerechtigkeit71,19 gerecht, Gerechtigkeit: Meint ein Leben nach den Vorstellungen Gottes., Gott, reicht bis zum Himmel.

Große Dinge hast du getan! Gott, wer ist wie du?

20Viel Not und Unglück hast du mich erfahren lassen.

Nun schenke mir neuen Lebensmut!

Führe mich wieder herauf aus den Fluten der Erde71,20 Fluten der Erde: Bildwort für den Herrschaftsbereich des Todes. Nach dem biblischen Weltbild liegen unter der Erdscheibe das Totenreich und das Urmeer.!

21Lass mein Ansehen wachsen!

Sei um mich und tröste mich!

22Mit dem Spiel der Bassleier71,22 Leier: Die Leier (Jochlaute) ist ein antikes Saiteninstrument aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. Sie war das typische Instrument am Hof und im Tempel. will ich dir danken,

dass du zu mir gehalten hast, mein Gott.

Zur Leier71,22 Leier: Die Leier (Jochlaute) ist ein antikes Saiteninstrument aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. Sie war das typische Instrument am Hof und im Tempel. will ich Loblieder für dich singen –

für Gott, den Heiligen Israels71,22 Heiliger Israels: Ehrenvolle Bezeichnung für Gott, die vor allem im Buch Jesaja vorkommt..

23Meine Lippen sollen jubeln, wenn ich für dich singe –

zum Dank für mein Leben, das du gerettet hast.

24Auch meine Zunge soll den ganzen Tag davon reden,

dass du mir Gerechtigkeit verschafft hast.

Denn die mein Unglück herbeiführen wollten,

wurden enttäuscht und beschämt.

72

Segenswünsche für den König

Ein Krönungshymnus72,0 Krönungshymnus: Ein Loblied bei der Einsetzung des neuen Königs. Psalm 72 hat eine altorientalische Parallele in dem Krönungshymnus des assyrischen Großkönigs Assurbanipal aus dem Jahr 669 v. Chr.

721MIT SALOMO72,1 Salomo: Einer der berühmtesten israelitischen Könige (ca. 972–932 v. Chr.). VERBUNDEN.

Gott, gib dem König72,1 König: Der König ist nach dem Verständnis des Alten Testaments ein von Gott eingesetzter Herrscher, der im Staat für Gerechtigkeit und Ordnung zu sorgen hat. »König« kann auch als Ehrenbezeichnung für Gott selbst verwendet werden. deine Rechtsvorschriften!

Schenke dem Thronfolger deine Gerechtigkeit72,1 gerecht, Gerechtigkeit: Meint ein Leben nach den Vorstellungen Gottes.!

2Er soll unvoreingenommen über dein Volk urteilen

und über deine Armen, wie es das Recht verlangt.

3Die Berge mögen dem Volk den Frieden bringen

und die Hügel sich kleiden in Gerechtigkeit.

4Den Armen im Volk soll er zum Recht verhelfen.

Die Kinder der Besitzlosen soll er retten,

aber die Unterdrücker zermalmen.

5Lange soll er leben unter dem Schein der Sonne

und des Mondes von Generation zu Generation!

6Wie ein Regen72,6 Regen: Der König wirkt so positiv für sein Land wie der Regen, der die Erde fruchtbar macht. soll er über die Wiesen niedergehen

und wie ein Regenschauer den Boden befeuchten.

7Die Gerechtigkeit72,7 gerecht, Gerechtigkeit: Meint ein Leben nach den Vorstellungen Gottes. soll aufblühen in seinen Tagen.

Und Frieden soll herrschen weit und breit,

solange bis es den Mond nicht mehr gibt.

8Er wird herrschen von einem Meer bis zum andern,

vom Strom72,8 Strom: Der Paradiesstrom, der die großen Flüsse der Erde speist; vgl. 1. Mose/Genesis 2,10. bis zum äußersten Rand der Welt.

9Die Bewohner der Wüste72,9 Bewohner der Wüste: Nicht nur Menschen, sondern auch Raubtiere und Dämonen. werden vor ihm niederknien

und seine Feinde den Staub vom Boden essen.

10Die Könige von Tarschisch72,10 Tarschisch: Die phönizische Kolonie Tartessus im äußersten Westen, vgl. 1. Könige 10,22. und den Inseln

werden ihm Gastgeschenke bringen.

Die Könige von Scheba und Saba72,10 Scheba und Saba: Der Blick wendet sich in den äußersten Osten nach Äthiopien und Südarabien, vgl. 1. Könige 10,1.

bezahlen den vereinbarten Tribut72,10 Tribut: Geld- oder Sachleistungen, die ein unterworfenes Volk an die Großmacht zahlen muss..

11Alle Könige werden sich ihm unterwerfen.

Alle fremden Völker stehen in seinem Dienst.

12Ja, er rettet den Besitzlosen, der um Hilfe schreit.

Er hilft dem Armen, der keinen Beistand hat.

13Er hat Mitleid mit Schwachen und Besitzlosen

und sorgt dafür, dass sie am Leben bleiben.

14Er befreit ihr Leben aus Bedrückung und Gewalt.

So teuer ist ihr Blut72,14 Blut: Steht hier für das Leben der Armen, um das sich Gott sorgt. in seinen Augen.

15Hoch soll er leben!

Das Gold aus Scheba soll man ihm geben!

Unermüdlich soll man für ihn beten,

jeden Tag soll man ihm Segen72,15 Segen, segnen: Besondere Zuwendung Gottes zu seinen Geschöpfen, durch die er ihnen Kraft, Leben und Wohlergehen schenkt. wünschen!

16Im Land soll es Getreide im Überfluss geben.

Schon rauschen die Felder auf den Bergeshöhen.

Wie auf dem Libanon72,16 Libanon: Nördlich von Israel gelegener bis zu 3000 m aufragender Gebirgszug mit üppiger Vegetation. sollen seine Früchte gedeihen,

seine Ähren wie Gras aus dem Boden sprießen.

17Sein Name soll immer in hohem Ansehen stehen.

Unter dem Schein der Sonne wachse sein Ruhm.

Die Völker erlangen Segen72,17 Segen, segnen: Besondere Zuwendung Gottes zu seinen Geschöpfen, durch die er ihnen Kraft, Leben und Wohlergehen schenkt. durch ihn.

Sie alle wünschen ihm Glück dazu.

18Gepriesen sei Gott, der HERR, Israels72,18 Israel: Beiname des israelitischen Stammvaters Jakob. Als Volksname bezeichnet er das gesamte Zwölf-Stämme-Volk. Gott!

Er tut Wunder72,18 Wunder, Zeichen: Wunder sind Ereignisse, in denen Menschen unmittelbar Gott am Werk sehen. , er allein!

19Gepriesen sei sein herrlicher Name72,19 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart im Tempel. alle Zeit!

Seine Herrlichkeit72,19 Herrlichkeit: Bezeichnet das, was einer Person Ansehen und Macht verleiht. Die Bibel stellt sich Gottes Herrlichkeit auch als strahlenden Lichtglanz vor. erfülle die ganze Erde.

Amen! Und nochmals: Amen72,19 Amen: Das hebräische Wort hat den Sinn von »So ist es/So sei es!« !

20HIER ENDEN DIE GEBETE72,20 Gebet: Reden des Menschen mit Gott. VON DAVID72,20 David: David war der bedeutendste König in der Geschichte Israels (um 1000 v. Chr.). Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder. , DEM SOHN ISAIS.

73

Drittes Buch: Psalm 73–89

Gott nahe zu sein, ist gut für mich

731EIN PSALM,

MIT ASAF73,1 Asaf: Gesangsmeister und Namensgeber eines Musikensembles, das am Jerusalemer Tempel angestellt war. VERBUNDEN.

Ja, wirklich: Gott ist gut zu Israel73,1 Israel: Beiname des israelitischen Stammvaters Jakob. Als Volksname bezeichnet er das gesamte Zwölf-Stämme-Volk. ,

zu denen, die ein reines Herz haben!

2Ich aber wäre fast gestrauchelt mit meinen Füßen.

Um ein Haar hätte ich meinen Halt verloren.

3Denn ich war neidisch auf die Angeber,

als ich sah, wie gut es den Frevlern73,3 Frevler: Menschen, die sich über Gottes Gebote hinwegsetzen und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. ging.

4Denn sie leiden offenbar keine Schmerzen,

ihr Leib ist gesund und wohlgenährt.

5Die harte Arbeit der Menschen kennen sie nicht

und die Sorgen der Leute berühren sie nicht.

6Darum tragen sie ihren Hochmut wie eine Halskette

und hüllen sich in einen Mantel von Gewalt.

7Aus ihren Augen grinst der Wohlstand hervor.

Vor lauter Einbildung hüpft ihnen das Herz.

8Sie spotten und reden in böser Absicht daher,

verdrehen die Worte und schüchtern ein.

9Sie reißen ihren Mund auf bis zum Himmel

und lassen ihrer Zunge freien Lauf auf Erden.

10Darum wendet sich das Volk ihnen zu.

Von ihren Reden bekommt es nicht genug.

11Sie sagen: »Wie sollte Gott davon erfahren?

Was weiß denn schon der Höchste73,11 Höchster: Alter Gottestitel aus dem Jerusalemer Tempelkult, vgl. 1. Mose/Genesis 14,18-20.

12Schaut nur hin: So leben die Frevler73,12 Frevler: Menschen, die sich über Gottes Gebote hinwegsetzen und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen.!

Die ganze Zeit sind sie frei von Sorgen

und vermehren ihr Vermögen immerzu.

13Ja wirklich: Umsonst behielt ich ein reines Herz!

Umsonst wusch ich meine Hände in Unschuld!

14Vielmehr blieben mir die Sorgen Tag für Tag,

Jeder neue Morgen war für mich eine Strafe.

15Ich könnte zwar sagen: »Ich will so reden wie sie!«

Aber die Gemeinschaft deiner Kinder73,15 Kinder Gottes: Bezeichnung für die Zugehörigkeit zum erwählten Gottesvolk. hätte ich damit verlassen.

16Also dachte ich nach, um das zu verstehen!

Doch es war mühselig in meinen Augen.

17Schließlich ging ich in Gottes heilige Hallen73,17 heilige Hallen: Gemeint ist der Tempel in Jerusalem..

Da sah ich auf ihr Ende und verstand es.

18Ja, wirklich: Du hast sie auf glatten Grund geführt

und sie auf ihre Täuschung hereinfallen lassen.

19Doch wie plötzlich kam für sie das Entsetzen.

Schlagartig fanden sie ein schreckliches Ende –

20wie bei einem Traum, dem ein böses Erwachen folgt!

Und wenn sie dann wach werden, mein Herr,

sind sie nur noch ein Schatten ihrer selbst.

21Wenn mich also die Bitterkeit im Herzen packt

und mich die Nieren73,21 Nieren: Die Nieren galten als Sitz innerer Gefühlsregungen. In Psalm 73,3 sind Neid und Eifersucht im Blick. wieder einmal stechen:

22Dann bin ich so dumm wie ein Rindvieh

und steh vor dir wie ein Ochse vor dem Berg.

23Trotzdem bleibe ich immer bei dir.

Du hast mich an die Hand genommen.

24Du führst mich nach deinem Plan73,24 Plan: Gott bestimmt nicht nur den Fortgang der Geschichte, sondern auch den individuellen Lebenslauf..

Und wenn mein Leben zu Ende geht,

nimmst du mich in Würde73,24 Würde: Die Würde des Menschen ist von Gott verliehen und unantastbar, vgl. Psalm 8,6. bei dir auf.

25Wen hätte ich sonst im Himmel73,25 Himmel: Meint den gesamten Luftraum. Im übertragenen Sinn beschreibt »Himmel« den Bereich, in dem Gott wohnt.?

Bei dir zu sein, das ist alles,

was ich mir auf der Erde wünsche.

26Und sind mein Leib und Leben vergangen:

Auch dann bleibst du, Gott, trotz allem

mein Fels73,26 Fels: Ehrenvolle Bezeichnung für den Gott Israels und Sinnbild seiner Macht. und mein Erbteil73,26 Erbteil: Der Beter ist wahrscheinlich ein Nachkomme des Stammes Levi, dem kein Land, sondern der Dienst am Tempel zugewiesen wurde. Deshalb nennt er Gott seinen Erbteil. für immer!

27Ja, wer sich von dir entfernt, der wird umkommen.

Wer sich von dir abwendet, den vernichtest du.

28Ich aber bekenne: Gott nahe zu sein, ist gut für mich.

Bei Gott, dem HERRN, habe ich meine Zuflucht73,28 Zuflucht: Ein Ort, der Schutz bietet. Im alten Israel konnte man im Tempel von Jerusalem um Asyl bitten. .

Von allen seinen Werken will ich gerne erzählen.