BasisBibel NT+Ps (BB)
64

Das Herz des Menschen – ein Abgrund

641FÜR DEN CHORLEITER.

EIN PSALM, MIT DAVID64,1 David: David war der bedeutendste König in der Geschichte Israels (um 1000 v. Chr.). Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder. VERBUNDEN.

2Höre mein Rufen, Gott! Dir klage ich mein Leid!

Behüte mein Leben vor dem schrecklichen Feind!

3Verstecke mich vor der Truppe der Bösen,

vor dem schlimmen Treiben der Übeltäter.

4Die haben ihre Zunge64,4 Zunge: Organ menschlichen Sprechens. Durch Lügen und Verleumden kann sie großen Schaden anrichten, vgl. Psalm 120,2. wie ein Schwert geschärft.

Der Pfeil auf ihrem Bogen ist ein giftiges Wort.

5Aus der Deckung schießen sie auf Unschuldige.

Sie schießen ganz plötzlich – man sieht sie nicht.

6Sie sind fest entschlossen zur bösen Tat.

Sie verabreden sich, Fallen zu verstecken,

und prahlen: »Wer kann sie entdecken?«

7Sie denken sich lauter Bosheiten aus.

Was sie auch planen, halten sie geheim.

Ja, das Innere des Menschen ist unergründlich

und in seinem Herzen tut sich ein Abgrund auf!

8Gott aber schoss seinen Pfeil auf sie ab.

Da waren sie wie vom Schlag getroffen.

9Ihre eigene Zunge hat sie zu Fall gebracht.

Jeder, der es sah, schüttelte sich vor Lachen.

10Doch alle Menschen wurden von Furcht64,10 Furcht, Ehrfurcht: Das Gefühl des Erschreckens und des Staunens, das die Menschen erfasst, wenn sie Gott unmittelbar begegnen. ergriffen.

Sie erzählten davon, was Gott getan hat,

und verstanden sein Handeln.

11Der Gerechte64,11 der Gerechte: Der Gerechte ist ein Mensch, der die Gebote Gottes befolgt und sich sozial verhält. darf sich freuen über den HERRN –

bei ihm wird er seine Zuflucht64,11 Zuflucht: Ein Ort, der Schutz bietet. Im alten Israel konnte man im Tempel von Jerusalem um Asyl bitten. suchen.

Jeder darf sich rühmen, der ein ehrliches Herz hat.

65

Gottes gute Gaben

651FÜR DEN CHORLEITER.

EIN PSALM, MIT DAVID65,1 David: David war der bedeutendste König in der Geschichte Israels (um 1000 v. Chr.). Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder. VERBUNDEN.

EIN LIED.

2Für dich ist Schweigen ein Lobgesang,

du Gott, der auf dem Zion65,2 Zion/Zionsstadt: Ursprünglicher Name der von König David eroberten Jebusiterfestung. Später ging der Name auf den Tempelberg über und wurde schließlich zur Bezeichnung für ganz Jerusalem und seine Bewohner. thront.

Vor dir soll man seine Gelübde65,2 Gelübde: Feierliches Versprechen, das nach Gottes Hilfeleistung im Rahmen einer Dankfeier eingelöst wird. erfüllen.

3Du bist es, der unser Bittgebet hört.

Zu dir kommen alle Sterblichen.

4Sie bekennen dir ihre Schuld65,4 Schuld: Schuld ist die durch fehlerhaftes Verhalten bewirkte Trennung von Gott, die das Gewissen belastet..

Und wiegen unsere Vergehen noch so schwer,

du bist es, der uns Vergebung schenkt.

5Glücklich ist, den du erwählst!

Du lässt ihn in deine Nähe kommen.

Er darf in deinen Höfen65,5 Höfe: Der Tempel in Jerusalem ist von einem inneren und äußeren Vorhof umgeben. wohnen.

Wir wollen uns satt essen an den Gaben,

die uns in deinem Haus65,5 Haus: Bezeichnung für den Tempel. erwarten –

an den heiligen Gaben deines Tempels65,5 Tempel: Das zentrale Heiligtum der Juden in Jerusalem. Der Tempel galt als Wohnung Gottes..

6Mit gewaltigen Taten schaffst du Gerechtigkeit65,6 gerecht, Gerechtigkeit: Meint ein Leben nach den Vorstellungen Gottes..

Durch sie antwortest du uns, Gott, der uns rettet.

Dir vertrauen die fernsten Länder der Erde

und die Inseln im weiten Meer.

7Du hast die Berge durch deine Kraft gegründet.

Stärke hast du dir umgebunden wie einen Gürtel.

8Das Brausen der Meere bringst du zum Schweigen65,8 Schweigen: Genauso wie Gott stillt Jesus den Sturm, vgl. Markus 4,39.

das Brausen der Wogen, das Lärmen der Nationen.

9Die fernsten Länder fürchten sich vor deinen Zeichen65,9 Zeichen: Gottes Eingreifen in die Welt wird an seinen Wundertaten und Schöpfungswerken sichtbar, vgl. Vers 7-8..

Den Osten und den Westen65,9 den Osten und den Westen: Wörtlich »die Ausgänge des Morgens und des Abends«, gemeint sind damit das Morgen- und Abendland (Orient und Europa). lässt du jubeln.

10Du hast das Land besucht und mit Regen65,10 Regen: Die ersten Regenfälle im Herbst sind lebenswichtig, um den ausgetrockneten Boden wieder für die Aussaat aufzuweichen. versorgt.

Mit Fruchtbarkeit hast du es reich beschenkt.

Der Bach, der von Gott ausgeht, ist mit Wasser gefüllt.

Du bestimmst die Arbeit für das Getreide65,10 Getreide: Getreide (vor allem Weizen) diente als Grundnahrungsmittel zum Backen von Brot und wurde überall in den fruchtbaren Regionen vom Land der Bibel angebaut..

Ja, so bestimmst du die Bestellung des Feldes:

11»Seine Furchen wässern, seine Schollen ebnen!«

Du gibst Regen65,11 Regen: Die ersten Regenfälle im Herbst sind lebenswichtig, um den ausgetrockneten Boden wieder für die Aussaat aufzuweichen. dazu, segnest seine Gewächse.

12So hast du das Jahr mit deinen Gütern gekrönt.

Die Spuren der Erntewagen triefen von Fett65,12 Fett: Bezeichnet das Öl von Olivenbäumen, das im alten Israel zu den Grundnahrungsmitteln gehört..

13In der Steppe jauchzen die grünenden Wiesen.

Wie ein Band legt sich Jubel um die Höhen.

14Die Weiden füllen sich mit Schafen und Ziegen.

Die Täler hüllen sich in Korn wie in ein Kleid.

Sie jubeln einander zu, ja sie singen ihr Lied.

66

In die Freiheit geführt

661FÜR DEN CHORLEITER.

EIN LIED, EIN PSALM.

Jubelt Gott zu, Menschen aller Länder!

2Singt von der Herrlichkeit seines Namens66,2 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart im Tempel.!

Stimmt an den Lobgesang auf seine Herrlichkeit66,2 Herrlichkeit: Bezeichnet das, was einer Person Ansehen und Macht verleiht. Die Bibel stellt sich Gottes Herrlichkeit auch als strahlenden Lichtglanz vor.!

3Sagt zu Gott: »Wie gewaltig sind deine Taten!

Wie groß und mächtig bist du doch!

Sogar deine Feinde schmeicheln dir!«

4Menschen aller Länder sollen vor dir niederfallen,

sollen dich preisen, deinen Namen66,4 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart im Tempel. preisen! SELA66,4 SELA: Zeichen zum Atemholen.!

5Kommt und schaut die Taten Gottes!

Gewaltige Werke tut er für die Menschenkinder66,5 Menschenkinder: Poetischer Ausdruck für die Menschheit.:

6Er hat das Meer in trockenes Land verwandelt.

Zu Fuß ziehen sie sicher durch den Wasserstrom66,6 Wasserstrom: Gemeint ist der Durchzug Israels durch das Schilfmeer und durch den Jordan, vgl. 2. Mose/Exodus 14,21-22; Josua 3,16-17..

Dort66,6 dort: In der Freiheit nach dem Auszug Israels aus der ägyptischen Sklaverei. am Ufer wollen wir uns freuen über ihn,

7der für immer herrscht in seiner Macht.

Er behält die fremden Völker im Auge.

Aufrührer erheben sich nicht gegen ihn. SELA66,7 SELA: Zeichen zum Atemholen.!

8Ihr Völker, preist unseren Gott!

Lasst sein Lob laut erschallen!

9Er ist es, der uns am Leben erhält!

Er lässt unseren Fuß nicht straucheln.

10Ja, du hast uns auf die Probe gestellt, Gott!

Du hast uns durch Schmelzen geprüft,

wie bei Metall66,10 wie bei Metall: Gott prüft die Menschen auf ihre Treue so wie man beim Münzgeld durch Schmelzen die Reinheit des Silbers feststellt. der Silbergehalt geprüft wird.

11Du hast uns ins Netz66,11 Netz: Ein Jagdgerät, mit dem Tiere gefangen werden. gehen lassen.

Du hast uns Angst in die Glieder66,11 Glieder: Wörtlich »Hüften«. Nach dem hebräischen Körperbild sind die der Sitz des Angstgefühls, vgl. Jesaja 21,3; Nahum 2,10. gejagt.

12Krieger ritten über unsere Köpfe hinweg.

Durch Feuer und Wasser sind wir gegangen.

Doch du hast uns in die Freiheit geführt.

13Mit Brandopfern66,13 Brandopfer: Beim Brandopfer wurde das geschlachtete Opfertier mit Ausnahme der Haut bzw. des Fells vollständig auf dem Brandopferaltar verbrannt. komme ich in dein Haus66,13 Haus: Bezeichnung für den Tempel..

Meine Gelübde66,13 Gelübde: Feierliches Versprechen, das nach Gottes Hilfeleistung im Rahmen einer Dankfeier eingelöst wird. will ich vor dir erfüllen.

14Mit meinen Lippen habe ich sie versprochen.

In der Not hat mein Mund sie ausgesprochen.

15Dir bringe ich Brandopfer66,15 Brandopfer: Beim Brandopfer wurde das geschlachtete Opfertier mit Ausnahme der Haut bzw. des Fells vollständig auf dem Brandopferaltar verbrannt. von fetten Schafen,

zusammen mit dem Opferduft66,15 Opferduft: Wohlriechende Duftstoffe wie Weihrauch und andere Spezereien, die zusammen mit dem Widder verbrannt werden. von Widdern66,15 Widder: Ausgewachsenes männliches Schaf mit gebogenen Hörnern. .

Rinder will ich für das Opfer66,15 Opfer: Darbringen einer Gabe (Tiere, Pflanzen, Weihrauch, Geschenke) für Gott als Zeichen des Danks oder der Bitte. Das Opfer schafft Gemeinschaft mit Gott. In der Regel wird das Opfer auf einem Altar verbrannt. vorbereiten

und Ziegenböcke dazu. SELA66,15 SELA: Zeichen zum Atemholen.!

16Kommt und hört, was ich euch erzählen will!

Alle, die ihr Gott mit Ehrfurcht66,16 Furcht, Ehrfurcht: Das Gefühl des Erschreckens und des Staunens, das die Menschen erfasst, wenn sie Gott unmittelbar begegnen. begegnet:

Hört zu, was er für mein Leben getan hat!

17Während mein Mund noch um Hilfe rief,

lag schon der Lobgesang auf meiner Zunge.

18Hätte ich etwas Unrechtes im Sinn gehabt,

dann hätte mein Herr mich nicht gehört.

19Aber Gott hat mich gehört.

Mein lautes Flehen hat er beachtet.

20Gepriesen sei Gott!

Mein Gebet66,20 Gebet: Reden des Menschen mit Gott. hat er nicht abgewiesen

und seine Güte nicht von mir genommen.