BasisBibel NT+Ps (BB)
54

Hilferuf in Bedrängnis

541FÜR DEN CHORLEITER.

ZU BEGLEITEN MIT SAITENINSTRUMENTEN.

EIN WEISHEITSLIED, MIT DAVID54,1 David: David war der bedeutendste König in der Geschichte Israels (um 1000 v. Chr.). Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder. VERBUNDEN.

2DAMALS54,2 damals: Auf der Flucht vor Saul hielt sich David im Süden des Landes versteckt. Sein Aufenthaltsort wurde jedoch an Saul verraten, vgl. 1. Samuel 23,19-24., ALS DIE LEUTE VON SIF54,2 Sif: Stadt im Bergland von Juda. KAMEN

UND SAUL54,2 Saul: Israelitischer Heerführer und erster König in Israel. MITTEILTEN:

»DAVID54,2 David: David war der bedeutendste König in der Geschichte Israels (um 1000 v. Chr.). Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder. VERSTECKT SICH IN UNSERER GEGEND!«

3Gott, rette mich!

So entspricht es deinem Namen54,3 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart im Tempel.!

Verhilf mir zu meinem Recht!

Du hast doch die Kraft dazu!

4Gott, höre mein Gebet54,4 Gebet: Reden des Menschen mit Gott.!

Öffne dein Ohr für das,

was ich dir zu sagen habe:

5Freche Leute stellen sich mir entgegen.

Zur Gewalt bereit, bedrohen sie mein Leben.

Sie schenken Gott keine Beachtung. SELA54,5 SELA: Zeichen zum Atemholen.!

6Siehe, Gott ist es, der mir zu Hilfe kommt!

Mein Herr ist bei denen, die zu mir stehen.

7Das Böse soll auf meine Feinde zurückfallen54,7 zurückfallen auf jemanden: Nach biblischer Vorstellung von Tun und Ergehen wird der Mensch von seiner bösen Tat eingeholt und muss dann die Verantwortung dafür tragen..

Zeig mir deine Treue und vernichte sie!

8Dann will ich dir gern ein Opfer54,8 Opfer: Darbringen einer Gabe (Tiere, Pflanzen, Weihrauch, Geschenke) für Gott als Zeichen des Danks oder der Bitte. Das Opfer schafft Gemeinschaft mit Gott. In der Regel wird das Opfer auf einem Altar verbrannt. darbringen.

Deinen Namen54,8 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart im Tempel. – HERR – will ich preisen;

denn er verheißt Gutes.

9Ja, aus aller Not hat er mich gerettet.

Mit eigenen Augen sah ich meine Feinde am Boden liegen.

55

Wenn ich doch Flügel hätte

551FÜR DEN CHORLEITER.

ZU BEGLEITEN MIT SAITENINSTRUMENTEN.

EIN WEISHEITSLIED, MIT DAVID55,1 David: David war der bedeutendste König in der Geschichte Israels (um 1000 v. Chr.). Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder. VERBUNDEN.

2Öffne dein Ohr für mein Gebet55,2 Gebet: Reden des Menschen mit Gott., Gott!

Entziehe dich nicht meinem Flehen.

3Gib auf mich acht! Antworte mir!

Ich bin verzweifelt und fassungslos.

4Denn der Feind macht viel Lärm.

Der Frevler55,4 Frevler: Menschen, die sich über Gottes Gebote hinwegsetzen und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. schreit, so laut er kann.

Sie lassen Lügen auf mich niederprasseln

und beschuldigen mich in blinder Wut.

5Mir pocht das Herz in meiner Brust,

Todesangst hat mich überfallen.

6Furcht und Zittern packen mich,

ein Schaudern hat mich erfasst.

7Da sprach ich: »Wenn ich doch Flügel hätte!

Wie eine Taube55,7 Taube: In der Bibel kommen zwei Arten der Taube vor: die graublaue Felsentaube und die Turteltaube. Tauben dienten als Opfergabe oder als Boten und fanden darüber hinaus Eingang in die Bildsprache der Bibel. wollte ich davonfliegen

und mich woanders niederlassen.

8Siehe, weit in die Ferne würde ich fliehen

und die Nacht in der Wüste55,8 Wüste: Die Wüste ist hier der Ort des Rückzugs vor dem Lärmen der Feinde, vgl. Jeremia 9,1 verbringen. SELA55,8 SELA: Zeichen zum Atemholen.!

9Ich würde mich eilig in Sicherheit bringen,

vor dem Sturmwind, der über mich hinwegfegt.«

10Mein Herr, verwirre55,10 verwirre: Anspielung auf die Sprachverwirrung in der Turmbaugeschichte 1. Mose/Genesis 11,7-9. doch ihre Worte,

damit sie einander nicht mehr verstehen.

Denn ich sehe Gewalt und Streit in der Stadt:

11Tag und Nacht kreisen sie um ihre Mauern55,11 Mauern: Schutzmauer um die Stadt. Ihr Eingangstor wird tagsüber bewacht und ist nachts geschlossen..

Doch innen drin herrschen Elend und Not.

12Verbrechen werden in ihrer Mitte begangen.

Erpressung und Betrug verschwinden nicht von ihrem Markt.

13Es ist nicht der Feind, der mich beschimpft. –

Das würde ich noch ertragen!

Und es ist niemand, der mich maßlos hasst. –

Vor ihm würde ich mich verstecken!

14Nein, du bist es! Ein Mensch, den ich schätze,

mein Freund, der mein Vertrauen besitzt!

15Gern kamen wir in vertrauter Runde zusammen.

Im festlichen Treiben gingen wir zu Gottes Haus55,15 Haus: Bezeichnung für den Tempel..

16Der Tod soll über die Verbrecher55,16 Verbrecher: Sinngemäße Ergänzung. Gemeint sind die Leute aus Psalm 55,10-12, die das Leben in der Stadt unsicher machen. kommen!

Lebendig sollen sie in das Totenreich55,16 Totenreich: Aufenthaltsort aller Verstorbenen, der unter der Erde liegt. hinabsteigen!

Denn Bosheit wohnt in ihren Häusern und Herzen.

17Ich aber, ich rufe zu Gott!

Der HERR wird mir schon helfen.

18Abends und morgens und mittags –

ununterbrochen klage und stöhne ich.

Da hat er meine Stimme gehört.

19Er befreite mich von denen, die mich angriffen.

So ließen sie mich endlich in Frieden.

Denn viele von ihnen standen gegen mich.

20Gott soll es hören und sie bestrafen,

sie und die Bewohner des Ostens55,20 Bewohner des Ostens: Vielleicht ein Hinweis auf weitere Feinde (Text unsicher).! SELA55,20 SELA: Zeichen zum Atemholen.!

Denn sie halten sich an kein Abkommen

und haben keine Ehrfurcht55,20 Furcht, Ehrfurcht: Das Gefühl des Erschreckens und des Staunens, das die Menschen erfasst, wenn sie Gott unmittelbar begegnen. vor Gott.

21Der falsche Freund55,21 falscher Freund: Sinngemäße Ergänzung. Gemeint ist der Freund aus Psalm 55,13-15, der den Beter so enttäuscht hat. erhob die Hände

gegen den, der ihm Vertrauen schenkte.

So hat er den Freundschaftsbund entweiht.

22»Weicher als Butter sind seine Reden,

doch Kriege sollen daraus entstehen.«

»Sanfter als Öl sind seine Wörter,

doch sie schneiden wie scharfe Schwerter.«

23Übergib dem HERRN deine Last!

Er wird bestimmt für dich sorgen!

Zu keiner Zeit wird er zulassen,

dass der Gerechte55,23 der Gerechte: Der Gerechte ist ein Mensch, der die Gebote Gottes befolgt und sich sozial verhält. zu Fall kommt.

24Du aber, Gott, stürze die Verbrecher hinab,

hinab in die Zisterne55,24 Zisterne: In den Boden geschlagene Kammer oder Beckenanlage zum Sammeln und Speichern von Regenwasser; auch Bildwort für das Totenreich. , in ihr Verderben.

Ja, die Mörder und Betrüger sollen sterben,

bevor sie die Mitte ihres Lebens erreichen.

Ich aber setze mein ganzes Vertrauen auf dich.

56

Auf Gott vertraue ich

561FÜR DEN CHORLEITER.

NACH DER MELODIE:

TAUBE56,1 Taube: Im Altertum galt die Taube auch als Botin (»Brieftaube«). Sie soll die Gebete zu den fernen Göttern bringen., DIE ZU DEN FERNEN GÖTTERN FLIEGT.

MIT DAVID56,1 David: David war der bedeutendste König in der Geschichte Israels (um 1000 v. Chr.). Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder. VERBUNDEN, EINE INSCHRIFT.

DAMALS56,1 damals: Die Szene ist biblisch nicht belegt. David hatte sich vielmehr aus freien Stücken zu den Philistern begeben; vgl. 1. Samuel 21,11-13; 27,1-3., ALS IHN DIE PHILISTER56,1 Philister: Volk, das etwa zeitgleich mit dem Volk Israel im Land der Bibel lebte. BEI GAT GEFANGEN GENOMMEN HATTEN.

2Hab Erbarmen mit mir, Gott!

Denn Menschen stellen mir nach!

Den ganzen Tag bekämpft mich einer.

3Meine Feinde stellen mir nach den ganzen Tag!

Ja, viele bekämpfen mich aus hoher Stellung56,3 aus hoher Stellung: Eine Anhöhe oder eine gesellschaftliche Machtposition..

4Doch heute, wenn ich mich so fürchte,

setze ich mein Vertrauen auf dich.

5Auf Gott56,5 auf Gott: Zitat der ersten beiden Worte, mit dem der Refrain beginnt; vgl. Vers 5b und 12b. – dieses Wort lobe ich mir:

Auf Gott vertrau ich und fürcht mich nicht!

Was können mir Menschen56,5 Menschen: Wörtlich »das Fleisch«, gemeint sind die Sterblichen, die selbst vergänglich sind.schon antun?

6Den ganzen Tag verletzen sie mich mit Worten.

Was sie auch planen, richtet sich gegen mich.

7In böser Absicht nähern sie sich, lauern mir auf.

Ja, sie beobachten mich auf Schritt und Tritt.

Denn sie haben es auf mein Leben abgesehen.

8Was für ein Unrecht! Sollen sie etwa davonkommen?

Nein! Im Zorn56,8 Zorn: Gottes Wille, Gericht zu halten. wirf diese Leute zu Boden, Gott!

9Mein Elend hast du doch aufgeschrieben!

Nun sammle meine Tränen in deinem Krug56,9 Krug: Deutsche Entsprechung zum hebräischen »Wasserschlauch«, einem aus Tierhaut vernähten Beutel.!

Ist nicht alles in deinem Buch56,9 Buch des Lebens: Nach biblischer Vorstellung führt Gott eine Liste über die Menschen, die gerettet werden; vgl. Daniel 12,1; Offenbarung 13,8. festgehalten?

10Noch heute, wenn ich zu dir rufe,

müssen meine Feinde von mir ablassen.

Ich weiß bestimmt: Gott tritt für mich ein!

11Auf Gott – dieses Wort lobe ich mir!

Auf den HERRN – dieses Wort lobe ich mir:

12Auf Gott vertrau ich und fürcht mich nicht!

Was können mir Menschen schon antun?

13Jetzt liegt es an mir, Gott!

Was ich dir versprochen habe, will ich erfüllen.

Meine Dankopfer56,13 Dankopfer: Eine Opfergabe, die Gott zum Dank dargebracht wird. will ich dir darbringen.

14Denn du hast mein Leben dem Tod entrissen!

Meine Füße hast du vor dem Sturz bewahrt.

So kann ich meinen Weg mit Gott gehen –

im Licht56,14 Licht: Das Licht ist das erste Werk in Gottes Schöpfung. Im übertragenen Sinn bedeutet das Licht Leben, während Dunkelheit für den Tod steht. Im Neuen Testament wird Jesus als Licht der Welt bezeichnet, weil die Menschen durch ihn das ewige Leben erhalten., das mir das Leben schenkt.