BasisBibel NT+Ps (BB)
39

Nur ein Hauch ist der Mensch

391FÜR DEN CHORLEITER, FÜR JEDUTUN39,1 Jedutun: Name eines Musikers, der das Orchester am Tempel leitete; vgl. 1. Chronik 25,6..

EIN PSALM, MIT DAVID39,1 David: David war der bedeutendste König in der Geschichte Israels (um 1000 v. Chr.). Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder. VERBUNDEN.

2Ich habe mir vorgenommen:

Ich will auf meine Worte achtgeben.

Meine Zunge soll keine Sünde39,2 Sünde, Sünder: Das grundsätzliche Gestörtsein der Beziehung des Menschen zu Gott. Die Sünde kennzeichnet das gesamte irdische Leben und kommt in der Missachtung von Gottes Willen zum Ausdruck. begehen.

Ich will meinen Mund verschließen

mit einem Silberblech39,2 Silberblech: Eine Lippenmaske aus Silber oder Gold, die man Verstorbenen auf den Mund legte. für die Lippen,

solange der Frevler39,2 Frevler: Menschen, die sich über Gottes Gebote hinwegsetzen und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. vor mir steht.

3So blieb ich stumm und still.

Ich schwieg, um nicht zu fluchen39,3 um nicht zu fluchen: Infinitiv von dem sonst nicht belegten Verb »(lästerlich) reden«. Im Blick ist eine Sünde, die mit der Zunge begangen wird (vgl. Psalm 39,2)..

Doch der Schmerz wühlte mich auf.

4Mein Herz brannte in meiner Brust.

Schon mein Seufzen setzte es in Flammen.

Da löste sich mir die Zunge

und es brach aus mir heraus:

5Ach HERR, lass mich wissen:

Wie wird es mit mir zu Ende gehen?

Und wie viele Tage bleiben mir noch?

Gib mir die Einsicht,

dass ich sterben muss!

6Sieh doch, nur eine Handvoll Tage

hast du mir auf der Erde gegeben.

Die Zeit, die mir zum Leben bleibt,

ist vor dir so gut wie nichts.

Nur ein Hauch39,6 Hauch: Bildwort für das flüchtige und vergängliche Dasein des Menschen. ist jeder Mensch.

Er steht da mit leeren Händen. SELA39,6 SELA: Zeichen zum Atemholen.!

7Nur wie die Bilder in einem Traum,

so geht der Mensch durchs Leben.

Nur um einen Hauch macht er viel Lärm.

Er sammelt Schätze, ohne zu wissen,

wer sie am Ende an sich nimmt.

8Was habe ich noch zu erwarten, mein Herr?

Meine Hoffnung setze ich ganz auf dich.

9Befreie mich von allen meinen Vergehen!

Setz mich nicht dem Spott der Dummen aus!

10Jetzt bin ich still und halte den Mund.

Denn du bist es, der mir das angetan hat.

11Du hast mich geschlagen, lass ab von mir!

Deine Hand hat mich so schwer getroffen,

dass ich zu Boden gegangen bin.

12Mit Strafen erziehst du die Menschen,

die Schuld39,12 Schuld: Schuld ist die durch fehlerhaftes Verhalten bewirkte Trennung von Gott, die das Gewissen belastet. auf sich geladen haben.

So zerstörst du ihren stolzen Schein39,12 stolzer Schein: Die Pracht, mit der sich der Mensch umgibt, die aber nur eine schöne Fassade ist.,

wie die Motten ein Kleid zerfressen.

Nur ein Hauch ist jeder Mensch. SELA39,12 SELA: Zeichen zum Atemholen.!

13Höre mein Bittgebet39,13 Gebet: Reden des Menschen mit Gott., HERR!

Öffne dein Ohr für meinen Hilfeschrei!

Schweige nicht zu meinen Tränen!

Denn ich bin doch ein Gast bei dir.

Ich bin ein Fremder39,13 Fremde: Ausländer, die nicht zur Rechtsgemeinde Israels gehören, aber durch das Gastrecht geschützt sind. unter deinem Schutz

so wie alle meine Vorfahren.

14Schau darüber hinweg, was mir misslungen ist.

Ich möchte noch einmal fröhlich sein,

bevor ich gehen muss und nicht mehr bin.

40

Herausgezogen aus dem Schlamm

401FÜR DEN CHORLEITER.

MIT DAVID40,1 David: David war der bedeutendste König in der Geschichte Israels (um 1000 v. Chr.). Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder. VERBUNDEN, EIN PSALM.

2Ganz fest hoffte ich auf den HERRN!

Da hat er sich zu mir herabgebeugt

und meinen Hilfeschrei gehört!

3Er zog mich aus der todbringenden Zisterne40,3 Zisterne: In den Boden geschlagene Kammer oder Beckenanlage zum Sammeln und Speichern von Regenwasser; auch Bildwort für das Totenreich. ,

aus dem ganzen Schlamm und Dreck.

Er stellte meine Füße auf einen Felsen

und gab meinen Tritten festen Halt.

4Ein neues Lied hat er mir in den Mund gelegt:

einen Lobgesang für unseren Gott.

Viele sollen es sehen und Ehrfurcht40,4 Furcht, Ehrfurcht: Das Gefühl des Erschreckens und des Staunens, das die Menschen erfasst, wenn sie Gott unmittelbar begegnen. empfinden.

So werden sie zum HERRN Vertrauen fassen.

5Glücklich zu preisen ist der Mensch,

der sein Vertrauen auf den HERRN setzt:

Er lässt sich nicht ein mit unbeherrschten Leuten

und mit denen, die sich in Lügen verstricken.

6Vieles hast du schon für uns getan,

HERR, mein Gott, so wunderbare Werke.

Und deine Pläne40,6 Plan: Gott leitet und bestimmt das Leben des Einzelnen wie auch den Fortgang der Geschichte. mit uns sind ohne Vergleich.

Wollte ich davon reden und berichten –

es sind zu viele, um sie alle aufzuzählen!

7Aus Opfer40,7 Opfer: Darbringen einer Gabe (Tiere, Pflanzen, Weihrauch, Geschenke) für Gott als Zeichen des Danks oder der Bitte. Das Opfer schafft Gemeinschaft mit Gott. In der Regel wird das Opfer auf einem Altar verbrannt. und Gaben machst du dir nichts.

Das hast du mir hinter die Ohren geschrieben.

Brandopfer40,7 Brandopfer: Beim Brandopfer wurde das geschlachtete Opfertier mit Ausnahme der Haut bzw. des Fells vollständig auf dem Brandopferaltar verbrannt. und Sündopfer40,7 Sündopfer!: Dient der Versöhnung des Menschen mit Gott. forderst du nicht.

8Ich sagte: »Siehe, ich komme mit einer Schriftrolle40,8 Schriftrolle: Zur Zeit der Bibel schrieb man Texte in Spalten auf lange Lederstreifen, die man zusammenrollen konnte..

Hier steht geschrieben, was ich tun soll.

9Gerne will ich deinem Willen folgen, mein Gott.

Deine Weisung40,9 Tora, Weisung: Im Judentum die »Tora«. Sie umfasst die schriftliche und mündliche Willensmitteilung Gottes. trage ich in meinem Inneren.

10Gerechtigkeit verkünde ich in der Festversammlung.

Siehe, ich halte meine Lippen nicht geschlossen.

Das weißt du, HERR!

11Aus deiner Gerechtigkeit40,11 gerecht, Gerechtigkeit: Meint ein Leben nach den Vorstellungen Gottes. mache ich kein Geheimnis.

Nein, ich spreche offen über deine Wahrhaftigkeit

und deine Hilfsbereitschaft.

In der Festversammlung habe ich nichts verschwiegen

von deiner Güte und deiner Zuverlässigkeit.«

12Du, HERR, wirst mir dein Mitleid nicht verweigern!

Deine Güte und deine Zuverlässigkeit sollen mich beständig bewahren.

13Denn nichts als Unheil umgab mich.

Ich kann gar nicht alles aufzählen.

Meine eigenen Vergehen holten mich ein.

Da habe ich den Überblick verloren.

Es waren mehr als die Haare auf meinem Kopf.

Da verließ mich der Mut.

14Hab doch Gefallen daran, Herr, mich zu retten!

HERR, komm mir schnell zu Hilfe!

15In Grund und Boden sollen sich alle schämen,

die mich zur Strecke bringen wollen.

Ja, mein Leben wollen sie vernichten.

Sie sollen rot vor Scham zurückweichen,

die sich über mein Unglück freuen!

16Sie sollen erschrecken über ihre Schande.

Sie riefen mir höhnisch zu: »Haha!40,16 Haha!: So lautmalerisch auch im Hebräischen. Haha!«

17Doch alle, die dich wirklich suchen,

sollen jubeln und sich freuen über dich.

Und die sich nach deiner Hilfe sehnen,

sollen immerzu sprechen: »Groß ist der HERR!«

18Ich aber bin arm und wehrlos.

Doch mein Herr wird für mich sorgen!

Du bist meine Hilfe und mein Retter!

Mein Gott, zögere nicht!

41

Gebet eines Kranken um Heilung

411FÜR DEN CHORLEITER.

EIN PSALM, MIT DAVID41,1 David: David war der bedeutendste König in der Geschichte Israels (um 1000 v. Chr.). Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder. VERBUNDEN.

2Glücklich ist, wer sich um den Hilflosen kümmert!

Wenn er eines Tages selbst ins Unglück stürzt,

wird ihn der HERR gewiss retten.

3Der HERR wird ihn behüten und am Leben halten.

Dafür wird man ihn glücklich preisen im Land.

Du überlässt ihn nicht der Willkür seiner Feinde!

4Wenn er krank ist und das Bett hüten muss,

lässt der HERR ihn wieder zu Kräften kommen.

Wenn ihn die Krankheit ans Bett fesselt,

sorgst du für seine Genesung.

5Ich sagte: »HERR, hab Erbarmen mit mir!

Lass mich doch wieder gesund werden!

Denn meine Schuld41,5 Schuld: Schuld ist die durch fehlerhaftes Verhalten bewirkte Trennung von Gott, die das Gewissen belastet. trennt mich von dir.«

6Meine Feinde aber wünschen mir Böses:

»Soll er doch sterben und sein Name

für immer in Vergessenheit geraten!«

7Es kam einer, um mich zu besuchen.

Doch sein Mitleid war nur geheuchelt.

Lügenmärchen will er über mich sammeln.

Dann geht er und verbreitet sie auf der Straße.

8Da stecken sie schon die Köpfe zusammen.

In ihrem Hass auf mich sind sie sich alle einig.

Sie führen Böses gegen mich im Schild.

9Gehässige Worte schütten sie über mich aus:

»Wie der daliegt! Der steht nicht mehr auf!«

10Sogar mein bester Freund! –

Ihm habe ich immer vertraut.

Ich habe mein Brot41,10 Brot: Brot war nicht nur Grundnahrungsmittel, sondern auch ein Grundbestandteil jeder Mahlzeit im Land der Bibel mit ihm geteilt. –

Der tritt mich jetzt mit Füßen!

11Du aber, HERR, hab Erbarmen mit mir!

Lass mich doch wieder aufstehen!

Dann kann ich’s ihnen heimzahlen.

12Daran habe ich erkannt, dass du mich lieb hast:

Mein Feind darf nicht über mich triumphieren!

13Weil ich unschuldig bin, hast du an mir festgehalten.

Du lässt mich alle Zeit vor dein Angesicht41,13 Angesicht schauen/suchen: Bei der Redewendung »das Angesicht Gottes schauen« und »das Angesicht Gottes suchen« geht es darum, die Gegenwart Gottes als seine liebevolle Zuwendung zu erfahren. treten.

14Gepriesen sei der Herr, der Gott Israels!

Von Anfang an bis in alle Zukunft!

Amen! Und nochmals: Amen!