BasisBibel NT+Ps (BB)
15

Besuch im Tempel

Frage und Antwort15,0 Frage und Antwort: Im Hintergrund des Psalms stehen die Einlassfragen für Pilger, die von den Torwächtern gestellt und nach einer vorgegebenen Form beantwortet werden. am Tor zum Tempelhof

151EIN PSALM,

MIT DAVID15,1 David: David war der bedeutendste König in der Geschichte Israels (um 1000 v. Chr.). Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder. VERBUNDEN.

»HERR, wer darf zu Gast sein in deinem Zelt15,1 Zelt: Das Zelt ist eine transportable Unterkunft für Nomaden, in der Bibel auch Bild für den Tempel als Wohnort Gottes. ?

Wer darf ausruhen15,1 ausruhen: Die Einkehr in den Tempel von Jerusalem ist das Ziel der Pilgerreise. auf deinem heiligen15,1 heilig: Heilig ist in der Bibel alles, was zu Gott gehört und mit ihm in Verbindung steht. Berg?«

2»Einer, der ein vorbildliches Leben führt.

Einer, der in jeder Hinsicht das Rechte tut

und aus tiefstem Herzen die Wahrheit sagt:

3Er verleumdet niemanden mit loser Zunge.

Er fügt seinem Mitmenschen nichts Böses zu

und bringt seinen Nachbarn nicht in Verruf.

4Wer in seinen Augen verworfen ist,

den straft er mit Verachtung.

Wer aber dem HERRN mit Ehrfurcht15,4 Furcht, Ehrfurcht: Das Gefühl des Erschreckens und des Staunens, das die Menschen erfasst, wenn sie Gott unmittelbar begegnen. begegnet,

dem zeigt er seine Wertschätzung.

Wenn er etwas geschworen hat,

dann steht er zu seinem Wort –

auch wenn es zu seinem Nachteil ist.

5Er verleiht kein Geld15,5 Geld: Zahlungsmittel in Form unterschiedlicher Münzen mit einem jeweils einheitlichen Wert. zu hohen Zinsen15,5 Zinsen: In Israel wurde der Geldverleih als eine Hilfeleistung verstanden. Es war deshalb verboten, sich dadurch zu bereichern. .

Und er nimmt keine Bestechungsgeschenke an,

damit der Unschuldige keinen Schaden erleidet.«

»Wer so handelt, kommt niemals zu Fall.«

16

Gott ist mein ganzes Glück

161EINE INSCHRIFT,

MIT DAVID16,1 David: David war der bedeutendste König in der Geschichte Israels (um 1000 v. Chr.). Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder. VERBUNDEN.

Behüte mich, Gott!

Denn bei dir suche ich Zuflucht16,1 Zuflucht: Ein Ort, der Schutz bietet. Im alten Israel konnte man im Tempel von Jerusalem um Asyl bitten. .

2Ich sprach zum HERRN:

»Mein Herr, du bist mein ganzes Glück.

Nichts steht über dir.«

3Doch über die Scheinheiligen im Land,

über sie und die Mächtigen sagte ich:

»Nichts gefällt mir an ihrem Tun!«

4Zahlreich sind ihre Götterbilder16,4 Götterbild: Aus Stein, Ton, Holz oder Metall gefertigtes Standbild einer Gottheit. Seine Herstellung und Verehrung war in Israel verboten.,

sie umwerben einen anderen Gott.

Sie spenden Trankopfer von Blut16,4 Trankopfer von Blut: Vielleicht eine verbotene Opferart..

Doch ich will so etwas nicht darbringen.

Und die Namen der Spender sollen

nicht über meine Lippen kommen.

5Der HERR ist mein Erbteil16,5 Erbteil: Der Beter ist wahrscheinlich ein Nachkomme des Stammes Levi, dem kein Land, sondern der Dienst am Tempel zugewiesen wurde. Deshalb nennt er Gott seinen Erbteil. am Land

und mein Becher16,5 Becher: Vielleicht ist an einen Ritus zu denken, den der Beter bei seinem Eintritt in den Dienst am Tempel vollzogen hat (Deutung unsicher)., der mir bestimmt ist.

Du bist es, der mein Los festgelegt hat.

6Mein Los fiel auf ein schönes Land16,6 schönes Land: Bildwort für den Dienst am Heiligtum..

Ja, ein solcher Erbteil gefällt mir gut.

7Ich preise den HERRN, der mich beraten hat.

Selbst in den Nächten erinnert mich

mein Gewissen16,7 Gewissen: Hebräisch »meine Nieren«, Sitz des menschlichen Gewissens. an seine Weisungen.

8Der HERR steht mir immer vor Augen.

Mit ihm an meiner Seite falle ich nicht.

9Darum ist mein Herz so fröhlich

und meine Seele16,9 Seele: Biblischer Ausdruck für die Empfindsamkeit, Sehnsucht und Lebendigkeit des Menschen. jubelt vor Freude.

Selbst meinem Leib geht es gut.

10Ja, du gibst mich nicht dem Totenreich16,10 Totenreich: Aufenthaltsort aller Verstorbenen, der unter der Erde liegt. preis.

Du lässt mich das Grab noch nicht sehen.

Denn ich gehöre zu denen, die dir dienen.

11So zeigst du mir den Weg zum Leben.

Viel Freude finde ich in deiner Gegenwart

und immerwährendes Glück an deiner Seite.

17

Im Schatten deiner Flügel

171EIN GEBET,

MIT DAVID17,1 David: David war der bedeutendste König in der Geschichte Israels (um 1000 v. Chr.). Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder. VERBUNDEN.

Höre doch, HERR,

ich bitte um Gerechtigkeit17,1 gerecht, Gerechtigkeit: Meint ein Leben nach den Vorstellungen Gottes.!

Gib acht auf mein Klagen!

Öffne dein Ohr für mein Gebet17,1 Gebet: Reden des Menschen mit Gott.!

Es kommt doch von Lippen,

die keine Lüge kennen.

2Wenn ich vor dein Angesicht trete17,2 vor Gottes Angesicht treten: Bei einem Besuch im Tempel sein Anliegen vor Gott bringen.,

wirst du mich gerecht beurteilen.

Deine Augen sehen, was recht ist.

3Du hast mein Herz durchleuchtet,

nachts meine Gedanken erforscht.

Du hast mich wie Metall17,3 wie Metall: Gott prüft den Menschen so wie man beim Münzgeld durch Schmelzen die Reinheit des Silbergehalts feststellt, vgl. Psalm 66,10. geprüft.

Doch du wirst nichts Unreines17,3 nichts Unreines: Sinngemäße Ergänzung, stellt den Bezug zum Schmelzvorgang her. finden!

Ich bin mir keiner Schuld17,3 Schuld: Schuld ist die durch fehlerhaftes Verhalten bewirkte Trennung von Gott, die das Gewissen belastet. bewusst.

4Schau auf das Treiben der Menschen! –

Ich habe mich an das Wort gehalten,

das von deinen Lippen kommt.

Schau auf die Wege der Räuber! –

5Meine Schritte sind deiner Bahn gefolgt.

Nichts konnte mich aus dem Tritt bringen.

6Ich habe zu dir gerufen, Gott,

damit du mir Antwort gibst.

Hab ein offenes Ohr für mich!

Höre, was ich zu sagen habe!

7Wie wunderbar ist doch deine Güte.

Mit deiner starken Hand hilfst du denen,

die Schutz suchen vor den Widersachern.

8Behüte mich wie die Pupille im Augapfel!

Im Schatten deiner Flügel17,8 Flügel: Fabelwesen mit Flügeln umgeben den Thron Gottes, der im Allerheiligsten des Tempels steht. Ihre ausgebreiteten Schwingen sind ein Sinnbild für den heilsamen Schutz in Gottes Nähe. verstecke mich –

9vor den Frevlern17,9 Frevler: Menschen, die sich über Gottes Gebote hinwegsetzen und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen., die mir Gewalt antun,

vor den Todfeinden, die mich umringen!

10Sie haben ihr Herz fest17,10 fest: Nach dem hebräischen Text haben sie ihr Herz »mit Fett« verschlossen, sodass sie kein Mitleid mehr haben. verschlossen

und schwingen überhebliche Reden.

11Sie sind mir dicht auf den Fersen.

Ja, sie haben mich gleich umzingelt.

Ihre Augen verlangen danach,

mich zur Strecke zu bringen.

12Sie gleichen einem Löwen:

Gierig sucht er nach fetter Beute.

Sie sind wie ein junger Löwe:

Sprungbereit liegt er im Versteck.

13Steh auf17,13 steh auf: Charakteristischer Ausdruck in den Psalmen. Die Aufforderung soll Gott zum Eingreifen bewegen., HERR!

Tritt ihm entgegen, strecke ihn nieder!

Rette mein Leben vor dem Frevler17,13 Frevler: Menschen, die sich über Gottes Gebote hinwegsetzen und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen.!

14Dein Schwert rette mich vor solchen Leuten!

Deine Hand, Herr, rette mich vor solchen Leuten!

Ihr Anteil am Leben soll nicht von Dauer sein.

Darum gib ihnen, was sie verdient haben:

Füll ihnen nur den Bauch, mach ihre Kinder satt!

Denn alles, was sie im Überfluss haben,

müssen sie ihren Nachkommen hinterlassen.

15Ich aber darf dein Angesicht schauen17,15 Angesicht schauen/suchen: Bei der Redewendung »das Angesicht Gottes schauen« und »das Angesicht Gottes suchen« geht es darum, die Gegenwart Gottes als seine liebevolle Zuwendung zu erfahren. ,

weil mir Gerechtigkeit17,15 Gerechtigkeit: Stichwortverbindung mit Psalm 17,1. Der Beter wurde in einem Gerichtsverfahren freigesprochen und wieder zum Tempelbesuch zugelassen. zuteilgeworden ist.

Wenn ich aus dem Schlaf17,15 Schlaf: Nach seinem Freispruch schläft der Beter die Nacht über im Tempel, um am nächsten Morgen mit seinem Dankopfer vor Gott zu treten. aufwache,

will ich mich sattsehen an deinem Anblick.