BasisBibel NT+Ps (BB)
137

Im fernen Babylon

Am Gedenktag der Tempelzerstörung137,0 Gedenktag der Tempelzerstörung: Nach dem jüdischen Kalender wird am 9. Av (ca. Mitte Juli) an den Tempel in Jerusalem gedacht, der 587 v. Chr. von den Babyloniern zerstört wurde.

1371An den Kanälen von Babylon137,1 Babylonien: Mit Babylonien ist das Gebiet am Unterlauf der Flüsse Eufrat und Tigris südöstlich vom heutigen Bagdad gemeint. :

Dort saßen wir und weinten,

wenn wir an den Zion137,1 Zion/Zionsstadt: Ursprünglicher Name der von König David eroberten Jebusiterfestung. Später ging der Name auf den Tempelberg über und wurde schließlich zur Bezeichnung für ganz Jerusalem und seine Bewohner. dachten.

2Unsere Leiern137,2 Leier: Die Leier (Jochlaute) ist ein antikes Saiteninstrument aus dem 9. Jahrhundert v. Chr. Sie war das typische Instrument am Hof und im Tempel. hatten wir weggehängt

an die Pappeln mitten in der Stadt.

3Denn dort verlangten unsere Bewacher:

Wir Kriegsgefangenen sollten singen.

Unsere Peiniger zwangen uns zur Fröhlichkeit:

»Singt uns eines von euren Zionliedern!«

4Doch wie könnten wir für den HERRN singen

in einem Land, das fremden Göttern137,4 Götter: Im Blick sind die Götter, die von anderen Völkern verehrt werden. Israel aber verehrt nur einen einzigen Gott, der wirkliche Macht besitzt; vgl. Psalm 136,2. dient?

5Wenn ich dich je vergesse, Jerusalem137,5 Jerusalem: Hauptstadt des Königreichs Juda und Regierungssitz der Könige aus dem Haus David. ,

soll meine Hand das Saitenspiel verlernen!

6Meine Zunge soll am Gaumen kleben,

wenn ich mich nicht an dich erinnere –

wenn ich nicht in mir wachrufe,

dass Jerusalem137,6 Jerusalem: Hauptstadt des Königreichs Juda und Regierungssitz der Könige aus dem Haus David. der Gipfel meiner Freude ist!

7Erinnere dich, Herr, was die Edomiter137,7 Edom, Edomiter: Nachbarvolk Israels, das auf Jakobs Bruder Esau zurückgeführt wird. taten,

an dem Tag, als Jerusalem137,7 Jerusalem: Hauptstadt des Königreichs Juda und Regierungssitz der Könige aus dem Haus David. erobert wurde!

Sie riefen: »Reißt sie nieder, die Stadt!

Reißt sie nieder, bis auf die Grundmauern!«

8Tochter Babylon137,8 Babylonien: Mit Babylonien ist das Gebiet am Unterlauf der Flüsse Eufrat und Tigris südöstlich vom heutigen Bagdad gemeint. , du Zerstörerin!

Glücklich sei137,8 glücklich sei: Im Hintergrund des Vergeltungswunsches stehen die Grausamkeiten des Krieges, die Israel durch die Babylonier erfahren hat., wer es dir heimzahlt –

die Gewalt, die du uns angetan hast.

9Glücklich sei, wer deine Kinder packt

und sie am Felsen zerschmettert.

138

Dank für Gottes Verheißung

1381MIT DAVID138,1 David: David war der bedeutendste König in der Geschichte Israels (um 1000 v. Chr.). Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder. VERBUNDEN.

Ich danke dir von ganzem Herzen.

Für dich will ich Lieder spielen

vor der versammelten Götterschar138,1 Götterschar: Nach alter Vorstellung thront Gott im Himmel, umgeben von anderen Göttern, die zu seiner Ratsversammlung gehören..

2Zu deinem Heiligtum138,2 Heiligtum: Gemeint ist der Tempel in Jerusalem. In seine Richtung wendet sich der Beter mit seinem Anliegen. hin falle ich auf die Knie.

So will ich dir danken für deinen Namen138,2 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart im Tempel..

Er ist deiner Güte und Wahrheit angemessen.

Denn deine große Verheißung hast du gegeben.

Sie ist deinem Namen138,2 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart im Tempel. mehr als angemessen.

3Als ich zu dir rief, gabst du mir Antwort.

So weckst du in meiner Seele138,3 Seele: Biblischer Ausdruck für die Empfindsamkeit, Sehnsucht und Lebendigkeit des Menschen. neue Kraft.

4Alle Könige der Welt sollen dir danken, HERR,

denn sie hören die Worte aus deinem Mund.

5Sie sollen singen von den Wegen des HERRN:

»Groß ist der HERR in seiner Herrlichkeit138,5 Herrlichkeit: Bezeichnet das, was einer Person Ansehen und Macht verleiht. Die Bibel stellt sich Gottes Herrlichkeit auch als strahlenden Lichtglanz vor.!

6Hoch steht der HERR, doch er sieht den Geringen –

hoch erhoben, doch er erkennt ihn von fern!«

7Wenn ich mitten durch Gefahren gehen muss,

wirst du mich am Leben erhalten.

Wenn meine Feinde vor Zorn toben,

streckst du deinen Arm gegen sie aus.

So wird deine starke Hand mich retten.

8Der HERR bringt meine Sache zum guten Ende.

Deine Güte, HERR, bleibt für immer bestehen.

Lass nicht ab von allem, was deine Hände tun.

139

Gott kennt mich

1391FÜR DEN CHORLEITER.

MIT DAVID139,1 David: David war der bedeutendste König in der Geschichte Israels (um 1000 v. Chr.). Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder. VERBUNDEN, EIN PSALM139,1 Psalmen: Lieder oder Gebete von Menschen, die sich mit ihrer Klage und ihrem Lob an Gott wenden..

HERR, du hast mich erforscht

und kennst mich genau.

2Ob ich sitze oder stehe: Du weißt es.

Meine Absicht erkennst du von fern.

3Ob ich gehe oder ruhe: Du bemerkst es.

Alle meine Wege sind dir bekannt.

4Noch liegt mir kein Wort auf der Zunge,

schon weißt du, Herr, was ich sagen will.

5Von hinten und vorn hast du mich umschlossen.

Und deine Hand hast du auf mich gelegt.

6Zu wunderbar ist dieses Wissen für mich.

Es ist mir zu hoch: Ich kann es nicht fassen.

7Wohin könnte ich gehen vor deinem Geist139,7 Geist Gottes, Heiliger Geist: Durch ihn wirkt Gott in dieser Welt.,

wohin fliehen vor deiner Gegenwart?

8Würde ich in den Himmel139,8 Himmel, Unterwelt: Himmel und Unterwelt meinen hier den höchsten und tiefsten Punkt der mythischen Welt. steigen: Du bist dort.

Würde ich mich in der Unterwelt139,8 Himmel, Unterwelt: Himmel und Unterwelt meinen hier den höchsten und tiefsten Punkt der mythischen Welt. verstecken:

Du bist auch da.

9Würde ich hoch fliegen, wo das Morgenrot139,9 Morgenrot, Meer: Morgenrot und Meer bezeichnen hier die äußersten Grenzen der geographischen Welt: Das Morgenrot ist Bildwort für den Osten (Sonnenaufgang), der Rand des Mittelmeers bezeichnet den Westen (Sonnenuntergang). leuchtet,

mich niederlassen, wo die Sonne im Meer139,9 Morgenrot, Meer: Morgenrot und Meer bezeichnen hier die äußersten Grenzen der geographischen Welt: Das Morgenrot ist Bildwort für den Osten (Sonnenaufgang), der Rand des Mittelmeers bezeichnet den Westen (Sonnenuntergang). versinkt:

10Selbst dort nimmst du mich an die Hand

und legst deinen starken Arm um mich.

11Da sagte ich: »Finsternis komme über mich!

Nacht soll mich umhüllen wie sonst das Licht139,11 Licht: Das Licht ist das erste Werk in Gottes Schöpfung. Im übertragenen Sinn bedeutet das Licht Leben, während Dunkelheit für den Tod steht. Im Neuen Testament wird Jesus als Licht der Welt bezeichnet, weil die Menschen durch ihn das ewige Leben erhalten.

12Doch für dich ist die Finsternis gar nicht finster.

Und die Nacht leuchtet so hell wie der Tag:

Finsternis ist für dich gleich wie das Licht139,12 Licht: Das Licht ist das erste Werk in Gottes Schöpfung. Im übertragenen Sinn bedeutet das Licht Leben, während Dunkelheit für den Tod steht. Im Neuen Testament wird Jesus als Licht der Welt bezeichnet, weil die Menschen durch ihn das ewige Leben erhalten..

13Ja, du hast meine Nieren139,13 Nieren: Die Nieren gelten im Alten Testament als Sitz innerer Gefühlsregungen. Mit den Nieren prüft Gott die geheimsten Motive eines Menschen. geschaffen,

mich im Bauch meiner Mutter gebildet.

14Ich danke dir dafür,

dass ich so unglaublich wunderbar geschaffen bin.

Ich weiß, wie wundervoll deine Werke sind.

15Nichts war dir unbekannt an meinem Körperbau139,15 Körperbau: Der Schöpfer kennt den Aufbau des menschlichen Skeletts.,

als ich im Verborgenen139,15 im Verborgenen: Nach Vorstellung des Beters liegt tief in der Erde ein geheimer Ort, an dem sich die Werkstatt des Schöpfers befindet. geschaffen wurde –

ein buntes Gewebe139,15 buntes Gewebe: Bei der Menschenschöpfung verknüpft Gott wie ein Weber die Sehnen und Knochen miteinander, vgl. Hiob 10,22. in den Tiefen der Erde.

16Ich hatte noch keine Gestalt gewonnen,

da sahen deine Augen schon mein Wesen.

Ja, alles steht in deinem Buch139,16 Buch des Lebens: Nach biblischer Vorstellung führt Gott eine Liste über die Menschen, die gerettet werden; vgl. Daniel 12,1; Offenbarung 13,8. geschrieben:

Die Tage meines Lebens sind vorgezeichnet,

noch bevor ich zur Welt gekommen bin.

17Wie kostbar sind für mich deine Gedanken, Gott!

Wie zahlreich sind sie doch in ihrer Summe!

18Wollte ich sie zählen: Es sind mehr als der Sand.

Käme ich zum Ende: Noch immer bin ich bei dir.

19Ach Gott! Ich wünschte mir, dass du die Frevler139,19 Frevler: Menschen, die sich über Gottes Gebote hinwegsetzen und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. tötest!

Und ihr Mörder, lasst mich doch endlich in Ruhe!

20Ja, sie widersetzen sich dir in böser Absicht,

sie erheben sich voller Tücke – deine Feinde!

21Sie hassen dich, HERR! Sollte ich sie nicht hassen?

Sollte ich deine Widersacher nicht verabscheuen?

22Ja, ich hasse sie mit aller Leidenschaft.

Für mich sind sie zu Feinden geworden.

23Erforsche mich, Gott, und erkenne mein Herz!

Verstehe mich und begreife, was ich denke!

24Schau doch, ob ich auf einem falschen Weg139,24 falscher Weg: Nach dem hebräischen Text ein Weg, der zum Götzendienst verführt und damit weg von Gott. bin!

Und führe mich auf dem Weg, der Zukunft hat!