BasisBibel (BB)
102

Wie ein Steinkauz in Ruinen

Der fünfte Bußpsalm102,0 Bußpsalm: Seit frühester Zeit werden Psalm 6; 32; 38; 51; 102; 130 und Psalm 143 von Christen als persönliche Schuldbekenntnisse gebetet. Mehr …

1021GEBET102,1 Gebet: Reden des Menschen mit Gott. Mehr … EINES ARMEN, WENN ER VERZWEIFELT IST

UND DEM Herrn SEIN HERZ AUSSCHÜTTET.

2Herr, höre doch mein Gebet102,2 Gebet: Reden des Menschen mit Gott. Mehr …!

Mein Hilfeschrei soll dich erreichen!

3Verbirg dein Angesicht102,3 Angesicht verbergen: Wenn Gott sein Gesicht verbirgt, nimmt er die Bitten des Beters nicht an. Mehr … nicht vor mir,

wenn ich in Schwierigkeiten bin.

Hab doch ein offenes Ohr für mich!

Wenn ich rufe, antworte mir bald!

4Denn meine Lebenszeit löst sich auf in Rauch.

Meine Glieder brennen wie Feuer.

5Ich fühle mich zerschlagen, matt wie verdorrtes Gras.

Ich mag nicht einmal mehr etwas essen.

6Meine Stimme versagt vor lauter Stöhnen.

Nur noch Haut klebt an meinen Knochen.

7Ich fühle mich wie eine Eule in der Wüste.

Ich gleiche einem Steinkauz102,7 Steinkauz: Eulenart, die Wüsten und Trümmerstätten bewohnt. in Ruinen.

8Ich finde keinen Schlaf und klage

wie ein einsamer Vogel auf dem Dach.

9Den ganzen Tag verhöhnen mich meine Feinde.

Beim Fluchen nennen sie meinen Namen,

um mich zu verspotten.

10Was ich esse, schmeckt wie trockener Staub.

Was ich trinke, ist mit meinen Tränen vermischt.

11Dein glühender Zorn102,11 Zorn Gottes: Sein Wille, Gericht zu halten. Mehr … macht mir Angst und Bange.

Du hebst mich hoch und wirfst mich wieder hin.

12Mein Leben ist nur noch ein langer Schatten.

Ja, ich fühle mich matt wie verdorrtes Gras.

13Du aber, Herr, sitzt für immer auf dem Thron102,13 Thron: Bild für die Königsherrschaft Gottes. Mehr ….

Dein Name102,13 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart, vor allem im Heiligtum. Mehr … bleibt von Generation zu Generation.

14Du wirst aufstehen und dich der Stadt Zion102,14 Zion: Tempelberg von Jerusalem, aber auch Bezeichnung für die ganze Stadt. Mehr … annehmen.

Denn es ist Zeit, die Stadt zu begnadigen,

ja, der Zeitpunkt dafür ist gekommen.

15Denn deine Knechte102,15 Knechte: Selbstbezeichnung von Menschen, die sich in den Dienst Gottes stellen und ihn dadurch als ihren Herrn anerkennen. lieben die Mauern Zions.

Dass sie in Trümmern102,15 Trümmer: Die Stadt Jerusalem und der Tempel wurden 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört. liegen, tut ihnen weh.

16Doch in Zukunft werden die fremden Völker

den Namen des Herrn mit Ehrfurcht102,16 Ehrfurcht: Eine Haltung größter Hochachtung gegenüber Gott, die sowohl Bewunderung als auch Erschrecken zum Ausdruck bringt. Mehr … nennen.

Und alle Könige der Welt zittern

vor deiner Herrlichkeit102,16 Herrlichkeit: Bezeichnet das, was einer Person Ansehen und Macht verleiht. Gottes Herrlichkeit stellt man sich auch als strahlenden Lichtglanz vor. Mehr ….

17Denn der Herr hat Zion wieder aufgebaut

und sich dort in seiner Herrlichkeit gezeigt.

18Er hat das Gebet der verlassenen Stadt gehört.

Ihr Bittgebet hat er nicht gering geschätzt.

19So soll man es aufschreiben für die Späteren,

damit das neu erschaffene Volk den Herrn lobt.

20Von seiner heiligen Höhe schaute der Herr herab,

vom Himmel102,20 Himmel: Im übertragenen Sinn beschreibt »Himmel« den Bereich, in dem Gott wohnt. Mehr … blickte er auf die Erde nieder.

21So hört er das Stöhnen der Gefangenen

und rettet die, die den Tod erwarten.

22Dann werden sie in der Stadt Zion102,22 Zion: Tempelberg von Jerusalem, aber auch Bezeichnung für die ganze Stadt. Mehr …

den Namen des Herrn102,22 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart, vor allem im Heiligtum. Mehr … wieder verkünden.

In Jerusalem102,22 Jerusalem: Hauptstadt und Regierungssitz der Könige aus dem Haus David in Juda. 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört. Mehr … singen sie zu seinem Lob.

23Völker und Königreiche werden kommen,

um gemeinsam dem Herrn zu dienen.

24Mitten auf meinem Lebensweg

hat er mir die Kraft genommen.

Er hat meine Lebenszeit verkürzt.

25Ich sagte: »Mein Gott, lass mich nicht sterben,

jetzt, in der Mitte meines Lebens!«

Deine Zeit überdauert die Generationen.

26Du hast am Anfang die Erde gegründet,

der Himmel ist das Werk deiner Hände.

27Eines Tages werden sie vergehen, du aber bleibst.

Alles Geschaffene wird zerfallen wie ein Kleid.

Du wechselst es wie ein Kleidungsstück,

so wird alles Geschaffene ausgewechselt.

28Du aber bleibst, deine Zeit geht nicht zu Ende.

29Lass nun die Kinder deiner Knechte102,29 Knecht, Knecht Gottes: Ehrenvolle Bezeichnung für Menschen, die Gott in seinen Dienst nimmt. Mehr … im Land wohnen,

und ihre Nachkommen mögen vor dir bestehen.

103

Jung wie ein Adler

1031VON DAVID103,1 David: Bedeutender König in der Geschichte Israels, der etwa 1000–960 v. Chr. regierte. Er gilt als Dichter zahlreicher Lieder und Gebete. Mehr ….

Lobe den Herrn, meine Seele103,1 Seele: Ausdruck für die Empfindsamkeit, Sehnsucht und Lebendigkeit des Menschen. Mehr …!

Und alles in mir preise

seinen heiligen Namen103,1 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart, vor allem im Heiligtum. Mehr …!

2Lobe den Herrn, meine Seele!

Und vergiss nicht das Gute,

das er für dich getan hat!

3Er vergibt dir alle deine Sünden103,3 Sünden: Konkrete Verfehlungen, die von Gott trennen und das Gewissen belasten können. Mehr ….

Er heilt alle deine Krankheiten.

4Er führt dein Leben aus der Todesnähe.

Er schmückt dich mit einer Krone103,4 Krone: Bild für die königliche Stellung des Menschen.

sie besteht aus Güte und Barmherzigkeit.

5Er versorgt dich mit Gutem dein Leben lang.

So fühlst du dich jung wie ein Adler103,5 Adler: Großer Greifvogel, der sich kraftvoll und frei in die Luft schwingt. Er steht sinnbildlich für Kraft und Stärke. Mehr ….

6Der Herr schafft Gerechtigkeit.

Allen Unterdrückten verhilft er zum Recht.

7Er hat Mose103,7 Mose: Führte Israel im Auftrag Gottes aus Ägypten und erhielt am Berg Sinai die Zehn Gebote. Mehr … seine Wege offenbart

und den Israeliten103,7 Israel: Nachkommen der zwölf Söhne Jakobs. Gott hat mit Israel einen Bund geschlossen. Mehr … seine Taten.

8Reich an Barmherzigkeit und Gnade103,8 Gnade: Liebevolle Zuwendung Gottes, die er den Menschen ohne Vorbedingung schenkt. Mehr … ist der Herr,

unendlich geduldig und voller Güte.

9Er liegt nicht ewig mit uns im Streit

und ist nicht für immer böse mit uns.

10Er straft uns nicht, wie wir es verdienen,

und unsere Sünden103,10 Sünden: Konkrete Verfehlungen, die von Gott trennen und das Gewissen belasten können. Mehr … zahlt er uns nicht heim.

11So hoch, wie der Himmel über der Erde steht,

so weit reicht seine Güte.

Sie umfasst alle, die zu ihm gehören.

12So fern, wie der Osten vom Westen ist,

so weit rückt er unsere Vergehen von uns weg.

13Wie ein Vater seinen Kindern mit Güte begegnet,

so barmherzig handelt der Herr an denen,

die zu ihm gehören.

14Denn er weiß, was für Geschöpfe wir sind.

Er denkt daran, dass wir nur aus Staub bestehen.

15Der Mensch ist so vergänglich wie das Gras,

er blüht wie eine Blume auf dem Feld.

16Wenn der Wind über sie hinwegfegt, ist sie dahin.

Wo sie gestanden hat, bleibt keine Spur von ihr.

17Doch die Güte des Herrn bleibt bestehen,

von Anfang an bis in alle Zukunft.

Sie bleibt bei denen, die zu ihm gehören,

und seine Gerechtigkeit bei den Kindern und Enkeln.

18Sie gilt denen, die an seinem Bund103,18 Bund: Vertrag, mit dem zwei Partner eine gegenseitige Verpflichtung eingehen. Ist Gott einer der Partner, kann er sich auch einseitig zur Treue gegenüber seinem Volk oder einzelnen Menschen verpflichten. Mehr … festhalten,

an seine Gebote103,18 Gebote: Bestimmungen, die Gott den Menschen gegeben hat. Sie ordnen das Leben so, wie es nach Gottes Willen sein soll. Mehr … denken und danach handeln.

19Der Herr hat im Himmel103,19 Himmel: Im übertragenen Sinn beschreibt »Himmel« den Bereich, in dem Gott wohnt. Mehr … seinen Thron103,19 Thron: Bild für die Königsherrschaft Gottes. Mehr … aufgestellt.

Als König103,19 König: Ehrentitel für Gott, der als Herrscher der Welt verehrt wird und für Recht und Gerechtigkeit sorgt. herrscht er über die ganze Welt.

20Lobt den Herrn, ihr dienstbaren Engel103,20 Engel: Boten Gottes, die in seinem Auftrag unterwegs sind und seine Botschaft überbringen. Mehr …

ihr starken Helden, die sein Wort ausführen

und seine Befehle entgegennehmen!

21Lobt den Herrn, ihr himmlischen Heere103,21 himmlische Heere: Hebräisch Zebaot. Der Beiname bringt die ganze Fülle von Gottes Macht zum Ausdruck. Mehr …

ihr treuen Diener, die seinen Willen tun!

22Lobt den Herrn, ihr alle, die er geschaffen hat –

an allen Orten, die seine Herrschaft umfasst!

Lobe den Herrn, meine Seele103,22 Seele: Ausdruck für die Empfindsamkeit, Sehnsucht und Lebendigkeit des Menschen. Mehr …!

104

Gottes wunderbare Welt

1041Lobe den Herrn, meine Seele104,1 Seele: Ausdruck für die Empfindsamkeit, Sehnsucht und Lebendigkeit des Menschen. Mehr …!

Herr, mein Gott, wie groß bist du!

In Pracht und Schönheit bist du gekleidet.

2Du hüllst dich in Licht wie in einen Mantel.

Du spannst den Himmel aus wie ein Zeltdach.

3Im himmlischen Ozean104,3 himmlischer Ozean: 1. Mose/Genesis 1,6-8 erzählt, dass Gott bei der Schöpfung das Urmeer in ein Meer über und ein Meer unter dem Himmel teilt. setzt du die Balken,

die das Obergeschoss deines Palastes tragen.

Du machst die Wolken zu deinem Wagen.

Flügel des Windes tragen dich überall hin.

4Du machst die Stürme zu deinen Boten.

Feuer und Flamme nimmst du in Dienst.

5Du hast die Erde auf ihre Pfeiler104,5 Pfeiler: Man stellte sich vor, dass die Erdscheibe auf Säulen ruht, die im unterirdischen Meer verankert sind. Sie bilden die Fundamente der Welt. gesetzt.

Sie wird niemals wanken – zu keiner Zeit.

6Die Fluten der Urzeit104,6 Fluten der Urzeit: Das Wasser, das vor der Schöpfung die gesamte Erde bedeckte; vgl. 1. Mose/Genesis 1,2. bedeckten sie wie ein Kleid.

Wassermassen standen hoch über den Bergen.

7Doch dein Drohen zwang sie zurückzuweichen.

Vor deinem Donnerwetter liefen sie davon.

8Sie strömten die Berge hoch und die Täler hinab –

bis zu dem Ort, den du für sie bestimmt hast.

9Du hast ihnen eine Grenze gesetzt,

die sie nicht mehr überschreiten dürfen.

Nie wieder dürfen sie die Erde bedecken.

10Quellwasser schickst du die Täler hinab.

In Bächen fließt es zwischen den Bergen dahin.

11Alle Tiere auf dem freien Feld trinken daraus,

auch die Wildesel104,11 Wildesel: Anspruchsloses Tier, das auch in trockenen Gebieten überlebt. löschen dort ihren Durst.

12Die Vögel des Himmels bauen Nester an ihren Ufern,

in den Zweigen trällern sie ihr Lied.

13Aus den Wolken um deinen Palast

lässt du Regen auf die Berge niedergehen.

Wind und Wetter, die du gemacht hast,

schenken der Erde ihre Fruchtbarkeit.

14Für das Vieh lässt du Gras wachsen

und Getreide für den Ackerbau des Menschen.

So kann die Erde Brot hervorbringen

15und Wein104,15 Wein: Ein im Mittelmeerraum übliches Nahrungs- und Genussmittel. Wein ist zugleich Sinnbild für Lebensfreude und Wohlstand. Mehr …, der das Menschenherz erfreut.

So gibt es Salböl104,15 Salböl: Ein mit wohlriechenden Zusätzen vermengtes, kostbares Öl. Es wird bei bestimmten religiösen Handlungen verwendet. Mehr … für ein glänzendes Gesicht

und Nahrung, die das Menschenherz stärkt.

16Die Bäume des Herrn erhalten Wasser genug,

die Zedern104,16 Zeder: Bis zu 30 m hoher Gebirgsbaum, der vor allem im Libanon wächst. Mehr … des Libanon104,16 Libanon: Gebirgszug nördlich von Israel mit bis zu 3000 m hohen, dicht bewaldeten Bergen. Mehr …, die er gepflanzt hat.

17Dort in ihren Zweigen nisten die Vögel,

der Storch ist auf den Zypressen104,17 Zypresse: Immergrüner Nadelbaum von säulenartiger Gestalt, der eine Höhe von 9–15 m erreicht. Mehr … zu Hause.

18Im Hochgebirge hat der Steinbock sein Revier.

Der Klippdachs104,18 Klippdachs: Mit einem gelbbraunen Pelz bedecktes kleines Säugetier, das in felsigem Gelände lebt. versteckt sich in den Felsen.

19Den Mond hast du für die Festzeiten104,19 Festzeiten: Der Zeitpunkt, zu dem die religiösen Feste gefeiert wurden, wurde nach dem Mondkalender bestimmt. gemacht.

Die Sonne weiß, wann sie untergehen soll.

20Schickst du Finsternis, dann wird es Nacht.

Nun regen sich alle Tiere in den Wäldern.

21Die jungen Löwen brüllen nach Beute,

sie fordern etwas zu fressen von Gott.

22Geht die Sonne auf, ziehen sie sich zurück

und ruhen sich aus in ihren Verstecken.

23Nun macht sich der Mensch ans Werk

und tut seine Arbeit bis zum Abend.

24Wie zahlreich sind deine Werke, Herr.

In Weisheit hast du sie alle gemacht.

Die Erde ist voll von deinen Gütern.

25Da ist das Meer, so groß und unermesslich weit.

Dort wimmelt es von Lebewesen ohne Zahl –

von kleinen und großen Meerestieren.

26Dort ziehen Schiffe ihre Bahn –

auch der Leviatan104,26 Leviatan: Chaoswesen, das im Meer lebt. Im Alten Testament ist es Sinnbild für die tobenden Wasserfluten, die die Welt bedrohen. Mehr …, den du geschaffen hast.

So kann er im Meer sein Spiel treiben.

27Mensch und Tier104,27 Mensch und Tier: Wörtlich »alle Augen«. Meint hier alle von Gott geschaffenen Lebewesen. halten Ausschau nach dir,

damit du ihnen Essen gibst zur richtigen Zeit.

28Du gibst es ihnen, sie sammeln es auf.

Du öffnest deine Hand, sie essen sich satt

an deinen guten Gaben.

29Wendest du dich ab, erschrecken sie.

Nimmst du ihnen den Lebensatem104,29 Lebensatem: Gott haucht dem Menschen Atem ein und macht ihn dadurch lebendig, vgl. 1. Mose/Genesis 2,7. Mehr …,

dann sterben sie und werden zu Staub.

30Schickst du deinen Lebensatem aus,

dann wird wieder neues Leben geboren.

So machst du das Gesicht der Erde neu.

31Die Herrlichkeit104,31 Herrlichkeit: Bezeichnet das, was einer Person Ansehen und Macht verleiht. Gottes Herrlichkeit stellt man sich auch als strahlenden Lichtglanz vor. Mehr … des Herrn bleibe für immer.

Der Herr freue sich über seine Geschöpfe.

32Ein Blick von ihm genügt, dass die Erde bebt –

eine einzige Berührung, dass die Berge rauchen.

33Ich will den Herrn loben mein Leben lang!

Meinem Gott will ich singen, solange ich bin!

34Mein Lobgesang soll ihm gefallen.

Ich, ja ich freue mich über den Herrn.

35Mögen die Sünder104,35 Sünder: Menschen, die sich von Gott abgewandt haben und seinen Willen missachten. vom Erdboden verschwinden.

Keinen einzigen Frevler104,35 Frevler: Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. Mehr … soll es mehr geben.

Lobe den Herrn, meine Seele104,35 Seele: Ausdruck für die Empfindsamkeit, Sehnsucht und Lebendigkeit des Menschen. Mehr …! Halleluja104,35 Halleluja: Hebräisch für »Lobt den Herrn«. Im Gottesdienst wird die Gemeinde damit zum Gotteslob aufgefordert. Mehr …!