BasisBibel (BB)
6

Von unvorsichtigen, faulen und nichtsnutzigen Menschen

61Mein Sohn6,1 mein Sohn: Damals die übliche Anrede für Schüler im Unterricht., stell dir vor:

Du hast eine Bürgschaft6,1 Bürgschaft: Die Übernahme einer Garantie, dass die von einem Dritten eingegangene Zahlungsverpflichtung eingehalten wird. für deinen Nächsten geleistet.

Du hast einem Fremden die Hand darauf gegeben.

dass du für die Rückzahlung einstehen wirst.

2Du hast dich durch deine eigenen Worte gefangen

und bist durch deine Zusagen gebunden.

3Wenn das geschehen ist, mein Sohn,

unternimm etwas und rette dich.

Denn dein Nächster hat dich in der Hand6,3 in der Hand: Weigert sich der Nächste, die fällige Zahlung zu leisten, bringt er den Bürgen in ernste Bedrängnis. Denn der Fremde wird seine Forderung nicht fallen lassen..

Geh schnell hin, bestürme ihn und seine Familie6,3 seine Familie: Der Bürge soll nicht nur den Schuldner, sondern dessen ganze Verwandtschaft bitten, die Schuld zu begleichen.!

4Tu es sofort, ohne mit der Wimper zu zucken!

Gönne deinen Augen keinen Schlaf!

5Rette dich wie eine Gazelle6,5 Gazelle: Scheues Herdentier, das sich anmutig bewegt. Seine Schnelligkeit und Sprungkraft sind in der Bibel sprichwörtlich. vor dem Jäger,

wie ein Vöglein, das dem Vogelfänger entrinnt!

6Geh und beobachte die Ameise, du Faulenzer!

Nimm dir ein Beispiel an ihr, damit du klug wirst!

7Die Ameisen haben keine Aufseher,

niemand befiehlt und niemand treibt sie an.

8Trotzdem sorgen sie im Sommer für ihre Nahrung

und sammeln Vorräte zur Erntezeit.

9Wie lange willst du noch liegen bleiben, du Faulenzer?

Wann kommst du endlich aus deinem Bett?

10»Ach, noch ein wenig schlafen, ein wenig schlummern,

ein wenig die Arme verschränken, um auszuruhen.«

11So rückt die Armut im Eilmarsch heran.

Die Not dringt in dein Haus ein wie ein Soldat.

12Ein Taugenichts, ein Unheilstifter

ist einer, der die Wahrheit verdreht:

13Er zwinkert mit den Augen, scharrt mit den Füßen

und deutet mit den Fingern6,13 deutet mit den Fingern: Er gibt Zeichen, um andere in die Falle zu locken..

14Er hat Verkehrtes im Sinn, denkt sich Böses aus

und richtet Unheil an zu jeder Zeit.

15Darum wird er plötzlich ins Unglück stürzen.

Im Nu wird er zerschmettert und niemand ist da,

der seine Wunden heilt.

16Sechs6,16 sechs / sieben: Zahlenspruch in der hebräischen Dichtung. Durch die Form sechs / sechs + eins wird eine Steigerung erzielt. Dinge sind es, die der Herr hasst,

und sieben6,16 sechs / sieben: Zahlenspruch in der hebräischen Dichtung. Durch die Form sechs / sechs + eins wird eine Steigerung erzielt. verabscheut er zutiefst:

17Hochmütige Augen, eine falsche Zunge

und Hände, die unschuldiges Blut vergießen.

18Ein Herz, das sich Unheil ausdenkt,

und Füße, die dem Bösen nachlaufen.

19Ein Zeuge, der die Unwahrheit sagt,

und einer, der Streit unter Brüdern entfacht.

Neunte Lehrrede: Ehebruch hat schlimme Folgen

20Mein Sohn6,20 mein Sohn: Damals die übliche Schüleranrede im Unterricht., hör auf die Gebote,

mit denen dein Vater dich erzieht!

Und setz dich nicht über die Weisung hinweg,

die deine Mutter dir gibt!

21Binde sie für immer auf dein Herz!

Du sollst sie als Zeichen um deinen Hals tragen.

22Wenn du gehst, wird die Weisheit dich führen.

Wenn du dich hinlegst, wird sie über dich wachen.

Und wenn du aufwachst, ist sie deine Ratgeberin.

23Ja, die Gebote deines Vaters dienen dir als Lampe,

und die Weisung deiner Mutter ist ein helles Licht.

Die Worte, mit denen sie dich erziehen,

führen dich auf den Weg des Lebens.

24Sie schützen dich vor der bösen Frau,

vor der schmeichelhaften Rede der Fremden.

25Sehne dich nicht nach ihrer Schönheit!

Verfall nicht dem Aufschlag ihrer Wimpern!

26Denn der Preis einer Hure ist nur ein Laib Brot.

Lässt du dich aber mit einer verheirateten Frau ein,

kostet sie dich das Leben.

27Kann denn jemand mit dem Feuer spielen,

ohne dass seine Kleider in Brand geraten?

28Oder kann jemand über glühende Kohlen laufen,

ohne dass er sich die Füße verbrennt?

29So ist das auch bei dem,

der sich mit der Frau seines Nächsten einlässt.

Keiner, der sie berührt, kommt ungestraft davon.

30Ist es nicht so, dass man einen Dieb6,30 Dieb: Der Dieb wird hier als Beispiel angeführt. Auch in den Zehn Geboten steht ein Verbot des Stehlens, vgl. 2. Mose/Exodus 20,14-15. verachtet,

auch wenn der Hunger ihn dazu treibt?

31Wird er erwischt, muss er das Siebenfache bezahlen.

Sein ganzes Hab und Gut kann ihn das kosten.

32Wer Ehebruch begeht, hat keinen Verstand.

Das tut nur, wer sich selbst schaden will.

33So einer wird verprügelt und verachtet.

Seine Schande wird er nie wieder los.

34Die Eifersucht lässt den Ehemann vor Zorn kochen.

Wenn er sich rächt, kennt er kein Mitleid mehr.

35Er wird nicht ablassen, wenn du ihm Geld gibst.

Und wenn du ihm noch so viele Geschenke bietest,

weist er sie alle zurück.

7

Zehnte Lehrrede: Lass dich nicht verführen

71Mein Sohn7,1 mein Sohn: Damals die übliche Anrede für Schüler im Unterricht., gib acht auf meine Worte

und bewahre meine Gebote wie einen Schatz!

2Halte meine Gebote! Dann wirst du leben!

Bewahre meine Weisung wie deinen Augapfel!

3Binde sie an deine Finger!

Schreib sie auf die Tafel, die du im Herzen trägst!

4Sag zur Weisheit: »Meine Schwester7,4 meine Schwester: Mit dieser Anrede wird in der Liebesdichtung auch die Braut angesprochen, vgl. Hohelied 4,9. Dementsprechend wird hier die Weisheit als Braut empfohlen und ihr die »fremde Frau« gegenübergestellt. bist du!«

Sprich zur Einsicht: »Du bist mir vertraut!«

5So schützt du dich vor der fremden Frau7,5 fremde Frau: Fester Begriff in der Weisheitsliteratur und Gegenbild zur »Frau Weisheit«. Charakteristisch ist für sie ihre Verführungskunst, durch die sie junge Männer von der Weisheit abzubringen versucht.,

vor der Fremden, die dich mit Schmeicheleien lockt.

6Eines Tages, so erzählt die Weisheit7,6 die Weisheit: Die Weisheit tritt hier als Frau auf und erzählt in Ich-Rede, was sie gesehen hat; vgl. Sprichwörter 7,6-23.,

blickte ich aus dem Fenster meines Hauses.

Durch das Fenstergitter7,6 Fenstergitter: Im östlichen Mittelmeerraum bestanden Fenster damals oft nur aus einer Öffnung in der Wand, die durch ein Gitter gesichert war. spähte ich hinaus.

7Auf der Straße sah ich eine Gruppe unerfahrener Leute.

Unter ihnen entdeckte ich einen jungen Mann.

Der hatte keinen Verstand.

8Er überquerte die Straße und bog um die Ecke,

auf dem Weg zum Haus der fremden Frau.

9Es war in der Dämmerung, am Ende des Tages,

als die Nacht anbrach und es dunkel wurde.

10Siehe, da kommt ihm eine Frau entgegen.

Sie ist wie eine Hure gekleidet

und trägt verborgene Absichten im Herzen.

11Sie ist ruhelos und erregt,

in ihrem Haus hält sie es nicht aus.

12Auf Straßen und Plätzen treibt sie sich herum

und lauert hinter jeder Ecke.

13Da erwischt sie den jungen Mann und küsst ihn.

Mit frecher Miene spricht sie ihn an:

14»Ich musste heute Gott ein Dankopfer bringen,

das ich ihm versprochen hatte.

15Deshalb verließ ich das Haus und ging dir entgegen.

Ich wollte dich suchen und habe dich gefunden.

16Auf meinem Bett7,16 Bett: Ein Möbel, das im Orient nur Wohlhabende hatten. Auf ihm wurden Polster, Kissen und Decken ausgelegt. habe ich Decken ausgebreitet,

bunte Tücher aus ägyptischem Leinen.

17Mit Parfüms habe ich mein Lager besprengt,

es duftet nach Myrrhe7,17 Myrrhe: Kostbares duftendes Harz eines immergrünen Baums. Mehr …, Aloe7,17 Aloe: Holzspäne des Adlerbaums, die als Duftstoff verwendet wurden. und Zimt.

18Komm an meine Brust!

Wir wollen uns bis zum Morgen aneinander berauschen

und die Freuden der Liebe zusammen genießen!

19Denn mein Ehemann ist nicht zu Hause,

er ging auf eine weite Reise.

20Den Geldbeutel hat er mitgenommen,

vor Mitte des Monats kommt er nicht zurück.«

21So kann sie ihn schließlich überreden,

lockt ihn mit schmeichelhaften Worten ins Haus.

22Er geht mit ihr, auf der Stelle,

wie ein Ochse, der zur Schlachtung geht7,22 zur Schlachtung geht: Der Ochse geht freiwillig zur Schlachtbank. Das gibt der Aussage einen ironischen und spöttischen Unterton..

23Er merkt nicht einmal, dass sein Leben in Gefahr ist,

wie ein Vöglein, das dem Vogelfänger ins Netz geht.

Vielleicht könnte man auch sagen7,23 sagen: Die folgenden beiden Zeilen stehen im hebräischen Text zwischen Vers 22 und 23. Sie sind ein Zusatz und werden deshalb ans Ende gestellt.:

Der Dummkopf wurde in Fesseln seiner Strafe zugeführt,

bis ein Pfeil ihm die Leber durchbohrte.

24Ihr jungen Leute, hört also auf mich,

gebt acht auf das, was ich gesagt habe!

25Du sollst einer solchen Frau nicht nachlaufen.

Treib dich nicht auf ihren Wegen herum!

26Denn schon viele hat sie zur Strecke gebracht,

starke Männer, die sie alle getötet hat.

27In ihrem Haus gibt es Wege zur Unterwelt.

Sie führen hinab zu den Kammern des Todes.

8

Der Ruf der Weisheit

81Hört doch, die Weisheit8,1 die Weisheit: Die Weisheit tritt hier als Frau auf. ruft!

Sie spricht mit der Stimme der Klugheit.

2Sie hat sich oben auf die Stadtmauer gestellt.

Sie steht an den Straßen und an den Wegkreuzungen.

3Sie ruft bei den Toren, die in die Stadt führen,

dort, wo die meisten Menschen vorbeikommen:

4Euch, ihr Leute, spreche ich an.

Ich wende mich an alle Menschen.

5Macht euch schlau, ihr Ungebildeten!

Ihr Dummen, gebraucht euren Verstand!

6Hört zu, ich gebe euch eine Empfehlung.

Ich sage es gerade heraus.

7Aus meinem Mund hört ihr die Wahrheit.

Nichts Unrechtes kommt mir über die Lippen.

Denn das wäre abscheulich.

8Alle Worte aus meinem Mund dienen der Gerechtigkeit.

Nichts an ihnen ist verkehrt oder verdreht.

9Sie alle sind klar für den, der Verstand hat,

und richtig für den, der sich Wissen erworben hat.

10So nehmt meine Erziehung an, nicht Silber!

Erwerbt euch Wissen statt teures Gold!

11Denn Weisheit ist kostbarer als Korallen8,11 Korallen: Korallen aus dem Meer galten als Kostbarkeit. Wegen ihrer rötlich schimmernden Farbe wurden sie zu Schmuck verarbeitet..

Und all dein Schmuck ist nichts wert

im Vergleich mit ihr.

12Ich, die Weisheit, wohne am Ort der Klugheit.

Ich verfüge über Wissen, über Besonnenheit.

13Dem Herrn mit Ehrfurcht8,13 Ehrfurcht: Eine Haltung größter Hochachtung gegenüber Gott, die sowohl Bewunderung als auch Erschrecken zum Ausdruck bringt. Mehr … zu begegnen,

bedeutet, das Böse zu hassen.

Darum hasse ich Hochmut, Stolz, unrechtes Tun

und einen Mund, der die Wahrheit verdreht.

14Bei mir findet man Rat und Hilfe.

Ich verleihe Einsicht und Stärke.

15Durch mich lernen Könige das Herrschen,

und Fürsten treffen die richtigen Entscheidungen.

16Durch mich erfüllen Beamte ihre Aufgaben,

alle Richter sind angesehen und urteilen gerecht.

17Ich liebe alle, die mich lieben.

Wer mich sucht, wird mich auch finden.

18Reichtum und Ehre sind bei mir zu haben,

ein stattliches Vermögen, das gerecht erworben ist.

19Was ihr von mir bekommt, ist besser als pures Gold

und wertvoller als reines Silber.

20Ich gehe den Weg der Gerechtigkeit,

und wer mit mir geht, achtet das Recht.

21Weisheit ist bei mir reichlich vorhanden.

Ich will sie allen, die mich lieben, zum Besitz geben.

Und ihre Schatzkammern will ich füllen.

22Der Herr hat mich, die Weisheit,

am Anfang seiner Schöpfung erschaffen.

Ich war das erste seiner Werke vor aller Zeit.

23In längst vergangenen Tagen wurde ich geschaffen,

am Anfang der Erde, vor unvorstellbar langer Zeit.

24Ich wurde geboren, als es noch keine Meere gab

und kein Wasser aus den Quellen der Tiefe strömte.

25Bevor die Berge in der Erde verankert wurden

und die Hügel entstanden, kam ich zur Welt.

26Gott hatte das Land noch nicht geschaffen

und auch nichts anderes.

Nicht einmal Staub gab es auf der Erde.

27Ich war dabei, als er das Dach8,27 Dach: Meint eine Art Platte, die auf den Bergen am äußeren Rand der Erde aufliegt; vgl. 1. Mose/Genesis 1,6-8. des Himmels baute,

als er den Horizont über dem Meer bildete.

28Ich war dabei, als er die Wolken oben festmachte

und die Quellen unten aus der Tiefe sprudeln ließ.

29Ich war dabei, als er dem Meer eine Grenze setzte

und dem Wasser verbot, sie zu überschreiten.

Als er dann die Fundamente der Erde legte,

30stand ich ihm als Handwerkerin8,30 Handwerkerin: Die Weisheit hilft Gott beim Aufbau der Welt. Andere übersetzen das Wort mit »Kind« oder »Schoßkind«. zur Seite.

Tag für Tag war es für mich eine Freude,

die ganze Zeit lachte8,30 lachen: Das Verb kann auch mit »spielen« wiedergegeben werden. So tun es Übersetzungen, die bei der Weisheit an ein »Kind, Schoßkind« denken. ich an seiner Seite.

31Ich war fröhlich, dass es den Erdkreis gab,

und hatte meine Freude an den Menschen.

32Ihr jungen Leute, hört jetzt auf mich!

Glücklich zu preisen sind alle, die mir folgen.

33Hört genau hin, damit ihr klug werdet!

Schlagt die Erziehung nicht in den Wind!

34Glücklich ist der Mensch, der auf mich hört –

der Tag für Tag an meiner Haustür wacht

und am Türpfosten auf mich wartet.

35Wer mich findet, hat Leben gefunden,

und der Herr hat Gefallen an ihm gefunden.

36Wer mich aber verfehlt, schadet sich selbst.

Alle, die mich hassen, lieben den Tod.