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25

Die Spruchsammlung am Königshof des Hiskija

Sprichwörter 25,1–29,27

Überschrift

251Auch25,1 auch: Bezieht sich auf die Überschrift in Sprichwörter 10,1 und erinnert daran, dass Salomo eine Vielzahl von Sprichwörtern gedichtet hat; vgl. 1. Könige 5,12. hier folgen Sprichwörter von Salomo.Sie wurden zusammengestellt von Schreibern,die Hiskija25,1 Hiskija: König des Südreichs Juda (725–697 v. Chr.), der bedeutende Reformen durchführte., dem König von Juda, dienten.

Sprichwörter über Könige

2Es gehört zur Ehre Gottes,

eine Sache im Verborgenen25,2 im Verborgenen: Gott allein steht die Entscheidung zu, etwas im Geheimen zu belassen, was der Mensch so oder so nicht begreifen kann. zu halten.

Es gehört zur Ehre von Königen,

einer Sache auf den Grund zu gehen.

3So hoch wie der Himmel und so tief wie die Erde,

so unergründlich sind die Gedanken von Königen.

4Entfernt man die Schlacke aus dem Silber,

so gelingt dem Gold- und Silberschmied sein Werk.

5Entfernt man den Frevler25,5 Frevler: Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. Mehr … aus der Umgebung des Königs,

so wird sein Thron durch Gerechtigkeit gefestigt.

6Rühme dich nicht vor dem König

und dräng dich nicht in den Vordergrund!

7Warte, bis man zu dir sagt: »Rück einen Platz vor!«

Das ist besser, als wenn du im Kreis der Vornehmen

nach hinten in die letzte Reihe treten musst.

Wenn du etwas Verdächtiges beobachtet hast,

8zieh deinen Nachbarn nicht vorschnell vor Gericht.

Sonst könntest du am Ende beschämt dastehen,

wenn er deine Anklage entkräftet.

9Lässt es sich nicht vermeiden,

streite dich mit deinem Nachbarn vor Gericht!

Doch verrate dabei keine Geheimnisse,

die dir ein anderer anvertraut hat!

10Sonst wird man dich als Verräter beschimpfen,

wenn es sich herumspricht.

Dann ist dein guter Ruf für immer dahin.

Sprichwörter mit Vergleichen

11Wie goldene Äpfel auf silbernen Schalen,

so ist ein Wort, gesagt im rechten Augenblick.

12Wie ein goldener Ring und feinster Goldschmuck,

so ist eine kluge Mahnung für aufmerksame Ohren.

13Wie kühler Schnee25,13 kühler Schnee: Schon im Altertum beschaffte man sich Eis aus dem Hochgebirge, um Getränke und Früchte zu kühlen. an einem heißen Erntetag,

so ist ein zuverlässiger Bote für seinen Herrn.

Er macht ihm das Leben angenehm.

14Wie Wolken und Wind, die keinen Regen bringen,

so ist ein Mann, der leere Versprechungen macht.

15Mit unendlicher Geduld lassen sich Mächtige umstimmen.

Mit einer sanften Zunge kann man Knochen brechen25,15 Knochen brechen: Bedeutet hier, dass durch einfühlsame Rede auch härtester Widerstand gebrochen werden kann..

16Hast du Honig gefunden, iss nicht zu viel davon!

Sonst hast du ihn satt und musst ihn erbrechen.

17Geh nicht zu oft ins Haus deines Nachbarn!

Sonst hat er dich satt und beginnt dich zu hassen.

18Wie Hammer, Schwert und scharfer Pfeil,

so tödlich ist ein falscher Zeuge vor Gericht.

Gegen seinen Nächsten sagt er die Unwahrheit aus.

19Wie ein bröckelnder Zahn und ein wackeliger Fuß,

so ist das Vertrauen auf einen unzuverlässigen Freund.

Am Tag der Not25,19 am Tag der Not: Der hebräische Text bietet im Anschluss noch eine Variante: »Am Tag der Kälte legt er seine Kleider ab.« Dieser Satz ist nicht in allen Überlieferungen des Textes enthalten. lässt er dich im Stich.

20Wie Essig, den man in eine Wunde25,20 in eine Wunde: Eine mögliche Deutung. Andere Übersetzungen haben: »Wie Essig, den man in Natronlauge gießt.« gießt,

so wirken fröhliche Lieder bei traurigen Menschen.

21Wenn dein Feind hungert, schenk ihm ein Stück Brot!

Wenn er Durst hat, gib ihm einen Schluck Wasser!

22So legst du glühende Kohlen in das Kohlebecken,

das er zum Zeichen der Reue auf dem Kopf trägt.

Der Herr wird dich dafür belohnen.

Verschiedene Sprichwörter

23Der Wind aus dem Norden bringt Regen.

Heimliches Geschwätz bringt missmutige Gesichter.

24Besser in einer Ecke auf dem Dach wohnen

als mit einer streitsüchtigen Frau im selben Haus.

25Wie kühles Wasser für eine durstige Kehle

ist eine gute Nachricht aus fernem Land.

26Wie eine trübe Quelle und ein beschädigter Brunnen

ist ein Gerechter25,26 Gerechte: Menschen, die Gottes Gebote befolgen, sodass das Leben in Gemeinschaft miteinander gelingt., der vor dem Frevler25,26 Frevler: Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. Mehr … zurückweicht.

27Zu viel Honig zu essen ist nicht gut,

nach Prunk zu streben statt nach Ehre ebenso.

28Wie eine zerstörte Stadt ohne Mauern

ist ein Mann ohne Selbstbeherrschung.

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Widersinniges und Zweckloses

261Wie Schnee im Sommer und Regen zur Erntezeit,

so wenig passt Ehre zu einem Dummen.

2Wie ein Sperling, der umherflattert,

wie eine Schwalbe, die hin und her fliegt,

ist ein grundloser Fluch: Er trifft nicht ein!

3Für das Pferd gibt es die Peitsche,

für den Esel gibt es das Zaumzeug26,3 Zaumzeug: Besteht aus Riemen für den Kopf des Tieres und aus Zügeln, mit denen Reit- und Zugtiere geführt und gelenkt werden.

und für den Rücken des Dummen den Stock.

4Du sollst dem Dummen keine dummen Antworten geben,

sonst machst du dich selbst zu einem Dummen.

5Gib dem Dummen aber dumme Antworten,

falls er sich selbst für einen klugen Menschen hält.

6Wer einen Dummen eine Nachricht überbringen lässt,

ist wie jemand, der sich die Füße abhackt.

Er muss es büßen.

7So kraftlos wie ein gelähmter Mensch,

der keine Muskeln in den Oberschenkeln hat,

ist ein kluges Sprichwort im Mund des Dummen.

8So zwecklos wie der Stein,

den man an einer Schleuder26,8 Schleuder: Lederband, in das ein Stein eingelegt und das geschwungen wurde. Durch die Freigabe eines der Enden konnte das Geschoss bis zu 200 m weit geschleudert werden. festbindet,

ist die Ehre, die man einem Dummen erweist.

9So gefährlich wie ein Zweig mit Stacheln,

der in die Hand eines Betrunkenen gelangt ist,

ist ein kluges Sprichwort im Mund des Dummen.

10So unverantwortlich wie ein Bogenschütze,

der auf alles schießt,

ist jemand, der einen Dummen zur Arbeit einstellt –

oder irgendwelche Leute, die zufällig vorbeikommen.

11Wie ein Hund, der zu seinem Erbrochenen zurückkehrt,

ist ein Dummer, der seine Dummheiten wiederholt.

12Hast du den gesehen, der sich selbst für klug hält?

Für einen Dummen gibt’s mehr Hoffnung als für ihn.

Der Faulenzer

13Der Faulenzer sagt:

»Oh, ein wildes Tier ist auf dem Weg!

Ein Löwe streift auf den Straßen umher!«

14Die Tür dreht sich in ihrer Angel,

und wer faul ist, dreht sich in seinem Bett.

15Hat ein Fauler mit der Hand in die Schüssel gegriffen,

ist es ihm zu anstrengend, sie zum Mund zu führen.

16In seiner Einbildung hält sich der Faule für klüger

als sieben Weise, die gescheite Antworten geben.

Der Irrsinnige

17Einen wilden Hund an den Ohren zu packen,

ist völliger Irrsinn.

Genauso irrsinnig verhält sich einer,

der sich nebenbei in einen Streit einmischt,

der ihn nichts angeht.

18Nur ein Irrer schießt wahllos Brandpfeile ab

und wirft mit tödlichen Geschossen um sich.

19Genauso irrsinnig verhält sich einer,

der seinen Nächsten betrügt

und dann sagt: »Es war doch nur Spaß!«

Der Hetzredner

20Ohne Holz erlischt das Feuer.

Ohne Hetzredner beruhigt sich der Streit.

21Kohlen schüren die Glut, Holz entfacht das Feuer

und Streitsucht heizt den Streit an.

22Hetzreden sind wie Leckerbissen:

gierig verschlungen, liegen sie schwer im Magen.

Der Hinterhältige

23Wie die silberne Glasur26,23 Glasur: Sieht aus wie Silber, ist aber nur ein Überzug aus Schlacke, die bei der Silbergewinnung ausgeschieden wird. bei einem Tontopf

sind schmeichelnde Lippen bei böser Absicht.

24Mit Worten verbirgt ein Mensch seinen Hass,

aber in seinem Innern ist er voll Tücke.

25Wenn er freundlich redet, trau ihm nicht!

Denn sieben Abscheulichkeiten26,25 sieben Abscheulichkeiten: Die Zahl »sieben« steht für die vollkommene Bosheit der Gedanken, ohne dass die Abscheulichkeiten im Einzelnen aufgezählt werden. trägt er im Herzen.

26Mag einer seinen Hass hinter Betrug verstecken,

in der Versammlung wird seine Bosheit aufgedeckt.

27Wer eine Grube gräbt, fällt selbst hinein.

Wer einen Stein hochwälzt, auf den rollt er zurück.

28Eine Zunge, die lügt, hasst ihre Opfer.

Ein Mund, der schmeichelt, stürzt ins Verderben.

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Allgemeine Lebensweisheiten

271Rühme dich nicht mit dem, was du morgen tun willst!

Denn du weißt nicht, was der nächste Tag bringt.

2Andere sollen dich rühmen, aber nicht du selbst –

ein Fremder, aber nicht dein eigener Mund.

3Stein und Sand sind schwere Lasten.

Aber schwerer als beide wiegt der Ärger,

den du mit einem Dummkopf hast.

4Zorn ist grausam und Wut schäumt über,

aber die Eifersucht – wer kann ihr standhalten?

5Liebe, die offen zurechtweist, ist besser

als Liebe, die sich nicht zu erkennen gibt.

6Die Schläge eines Freundes sind gut gemeint,

die vielen Küsse eines Feindes aber nicht.

7Wer sich satt gegessen hat, verschmäht sogar den Honig.

Wer Hunger hat, dem schmeckt alles Bittere süß.

8Wie ein Sperling, der aus seinem Nest verscheucht wird,

ist ein Mann, der seine Heimat verlassen muss.

9Duftöl und Weihrauch erfreuen das Herz,

ebenso wohltuend ist der gute Rat eines Freunds.

10Lass deinen Freund niemals im Stich,

auch nicht den Freund deines Vaters!

Und wenn du selbst in Schwierigkeiten geraten bist,

such nicht Hilfe bei deinen Verwandten!

Denn besser ist ein Nachbar in der Nähe

als ein Bruder in der Ferne.

11Sei klug, mein Sohn, mach mir die Freude!

Dann kann ich die Leute, die mich beschimpfen27,11 beschimpfen: Es geht um Leute, die sich in die Erziehung des Sohnes einmischen und dem Vater Vorwürfe machen.,

zum Schweigen bringen.

12Ein Kluger sah das Unheil kommen und versteckte sich.

Unerfahrene liefen weiter und mussten es büßen.

13Du willst ein Geschäft mit jemandem abschließen,

der eine Bürgschaft27,13 Bürgschaft: Die Übernahme einer Garantie, dass die von einem Dritten eingegangene Zahlungsverpflichtung eingehalten wird. für einen Fremden geleistet hat?

Dann nimm wenigstens seinen Mantel,

bevor andere ihn pfänden27,13 pfänden: Der Angesprochene soll den Mantel als Sicherheit für das geliehene Geld nehmen..

14Wenn einer früh morgens mit lauter Stimme grüßt

und seinen Nächsten mit Segenswünschen überhäuft,

kann man sich auf Schlimmes gefasst machen.

15Mit dem ständigen Tropfen durch ein undichtes Dach,

auf das heftiger Regen niederprasselt,

lässt sich eine streitsüchtige Frau vergleichen.

16Sie in Schranken zu weisen, ist so sinnlos,

als wollte man den Wind in Schranken weisen.

Auch Öl kann man nicht in Händen halten.

17Eisen wird durch Eisen geschärft

und ein Mensch durch wahre Freundschaft.

18Wer einen Feigenbaum pflegt, genießt seine Frucht.

Wer seinem Herrn treu dient, findet Anerkennung.

19Wie ein Mensch im Wasser sein Gesicht erkennt,

so erkennt er sich im Herz eines anderen Menschen.

20Totenreich27,20 Totenreich: Aufenthaltsort der Verstorbenen unter der Erde. Hier Bild für den Machtbereich des Todes. und Abgrund sind unersättlich,

auch die Augen des Menschen werden niemals satt.

21Die Reinheit von Silber und Gold prüft man

durch Schmelzen im Kessel oder im Ofen27,21 Ofen: Dient dazu, edle Metalle von anderem Material zu trennen. Der Ofen wird dabei so heiß, dass das eingefüllte Material schmilzt..

Aber der Mensch wird darauf geprüft,

ob sein Verhalten Anerkennung verdient.

22Du kannst einen Dummen hart anpacken,

so wie man Körner in einem Mörser zerstößt –

seine Dummheit wird er trotzdem nicht los.

Lob auf die Viehwirtschaft

23Achte auf das Aussehen deiner Schafe und Ziegen!

Kümmere dich um die Gesundheit deiner Herden!

24Denn Reichtum, den man durch Handel erwirbt,

bleibt nicht für immer.

Und ein Diadem, das man zum Schmuck aufsetzt,

bleibt nicht von Generation zu Generation.

25Sorg dafür, dass dein Vieh gutes Futter hat:

Sind die Wiesen gemäht, wächst saftiges Gras nach.

Auf den Bergen lassen sich frische Kräuter sammeln.

26Dann liefern die Schafe dir Wolle für deine Kleidung

und die Ziegenböcke Geld für den Kauf eines Ackers.

27Ziegenmilch ist genug vorhanden,

um dich und deine Familie zu ernähren.

Auch deinen Mägden reicht es zum Leben.