BasisBibel (BB)
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Nehemias Reise nach Jerusalem

Nehemia 1,1–2,20

Nehemia erhält eine Nachricht aus Jerusalem

11Dieses Buch enthält den Bericht von Nehemia,dem Sohn des Hachalja:Im 20. Regierungsjahr von König Artaxerxes1,1 Artaxerxes I.: König von Persien 464–424 v. Chr.,im Monat Kislew1,1 Kislew: Der Monat Kislew im 20. Regierungsjahr entspricht etwa November/Dezember des Jahres 445 v. Chr.,war ich in der Hauptstadt Susa1,1 Susa: Hauptstadt des Perserreichs, an der südwestlichen Grenze des heutigen Iran gelegen..2Da kam Hanani, einer meiner Brüder,mit einigen Männern aus Juda1,2 Juda: Provinz im persischen Reich. Seit der Eroberung Jerusalems 586 v. Chr. gab es in Israel keine unabhängigen Königreiche mehr. Mehr … zu mir.Ich fragte sie: »Wie geht es den Juden,die der Gefangenschaft entgangen1,2 der Gefangenschaft entgangen: Nach der Zerstörung Jerusalems durch die Babylonier 586 v. Chr. wurde ein Teil der Bewohner nach Babylonien verschleppt, ein anderer Teil blieb zurück.und in der Heimat geblieben sind?Wie ist die Lage in Jerusalem1,2 Jerusalem: Hauptstadt und Regierungssitz der Könige aus dem Haus David in Juda. 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört. Mehr …3Sie antworteten:»Den Menschen, die der Gefangenschaft entgangen sind,geht es nicht gut.In der Provinz Juda herrscht große Not.Es ist eine Schande, wie sie dort leben müssen!Die Stadtmauer von Jerusalem liegt in Trümmernund die Stadttore sind im Feuer verbrannt.«4Als ich das hörte,setzte ich mich hin und weinte.Ich trauerte tagelang, fastete1,4 Fasten: Der freiwillige Verzicht auf Essen und Trinken ist in der Bibel eine übliche religiöse Praxis. Mehr …und betete zum Gott des Himmels1,4 Gott des Himmels: Seit der persischen Zeit Bezeichnung für den Gott Israels. Sie bringt zum Ausdruck, dass er der Gott der ganzen Welt ist.:

5»Ach Herr, Gott des Himmels,du großer und furchterregender Gott!Du stehst zu deinem Bund1,5 Bund: Vertrag, mit dem zwei Partner eine gegenseitige Verpflichtung eingehen. Ist Gott einer der Partner, kann er sich auch einseitig zur Treue gegenüber seinem Volk oder einzelnen Menschen verpflichten. Mehr … und schenkst denen Gnade1,5 Gnade: Liebevolle Zuwendung Gottes, die er den Menschen ohne Vorbedingung schenkt. Mehr …,die dich lieben und deine Gebote1,5 Gebote: Bestimmungen, die Gott den Menschen gegeben hat. Sie ordnen das Leben so, wie es nach Gottes Willen sein soll. Mehr … einhalten.6Bitte, hör mir aufmerksam zuund schau auf unsere Not!Hör das Gebet deines Knechtes1,6 Knechte: Selbstbezeichnung von Menschen, die sich in den Dienst Gottes stellen und ihn dadurch als ihren Herrn anerkennen.!Tag und Nacht bete ich für deine Knechte,die Israeliten.Ich bekenne die Sünden1,6 Sünden: Konkrete Verfehlungen, die von Gott trennen und das Gewissen belasten können. Mehr …,die die Israeliten gegen dich begangen haben.Auch meine Verwandten und ich haben Unrecht getan.7Wir haben große Schuld1,7 Schuld: Konkrete Verfehlungen, die von Gott trennen und das Gewissen belasten können. Mehr … auf uns geladen.Wir haben deine Gebote nicht eingehalten.Die Rechtsvorschriften und Gesetze,die du deinem Knecht Mose1,7 Mose: Führte Israel im Auftrag Gottes aus Ägypten und erhielt am Berg Sinai die Zehn Gebote. Mehr … gegeben hast,haben wir nicht befolgt.8Denk doch an das,was du deinem Knecht Mose gesagt1,8 deinem Knecht Mose gesagt: Hier werden Worte aus 5. Mose/Deuteronomium 30,1-6 zusammengefasst. hast:›Wenn ihr mir untreu werdet,werde ich euch unter die Völker zerstreuen.9Wenn ihr aber zu mir umkehrt,meine Gebote einhaltet und befolgt,werde ich euch wieder sammeln.Selbst vom Ende der Welt würde ich euch zurückholen.Ich werde euch an den ausgewählten Ort bringen,dorthin, wo ich in meinem Namen gegenwärtig1,9 im Namen gegenwärtig sein: Durch seinen Namen ist Gott selbst anwesend. In der Regel ist diese Vorstellung mit Jerusalem und dem Tempel verbunden. Mehr … bin.‹10Denn sie sind deine Knechte und dein Volk.Durch deine große Macht und deine starke Handhast du sie aus Ägypten befreit1,10 aus Ägypten befreit: Von der Befreiung Israels aus Ägypten erzählt 2. Mose/Exodus 13,17–15,21..11Ach Herr, hab doch ein offenes Ohrfür das Gebet deines Knechtes!Hör auf das Gebet aller,die bereit sind, dir zu dienen und dich zu ehren.Lass doch das Vorhaben deines Knechtes heute gelingenund mich beim König Gehör finden!«Ich war der Mundschenk1,11 Mundschenk: Titel für hohe Beamte am Königshof. Der Mundschenk genoss das besondere Vertrauen des Königs und prüfte beispielsweise dessen Getränke auf Gift. des Königs.
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Der König erlaubt Nehemias Reise

21Es war im 20. Regierungsjahr von König Artaxerxes2,1 Artaxerxes I.: König von Persien 464–424 v. Chr.,im Monat Nisan2,1 Nisan: Der Monat Nisan im 20. Regierungsjahr entspricht etwa März/April des Jahres 445 v. Chr..Vor dem König stand ein Becher Wein2,1 Wein: Ein im Mittelmeerraum übliches Nahrungs- und Genussmittel. Wein ist zugleich Sinnbild für Lebensfreude und Wohlstand. Mehr ….Ich nahm den Wein und reichte ihn dem König.Bisher hatte er mich noch nie bedrückt gesehen.2Daher fragte er mich:»Warum siehst du so bedrückt aus?Du bist doch nicht etwa krank?Nein, das ist es nicht –du hast etwas auf dem Herzen.«Da bekam ich starkes Herzklopfen.3Ich sagte zum König:»Lang lebe der König!Warum sollte ich nicht bedrückt aussehen?Die Stadt2,3 die Stadt: Meint Jerusalem, das 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört wurde., in der meine Vorfahren begraben sind,ist verwüstet.Ihre Tore wurden vom Feuer zerstört.«4Daraufhin fragte mich der König:»Was ist deine Bitte?«Ich schickte ein Stoßgebet zum Gott des Himmels2,4 Gott des Himmels: Seit der persischen Zeit Bezeichnung für den Gott Israels. Sie bringt zum Ausdruck, dass er der Gott der ganzen Welt ist.5und sagte zum König:»Wenn der König einverstanden istund du deinem Knecht2,5 Knecht: Selbstbezeichnung von Menschen, die ihr Gegenüber damit als ihren Herrn anerkennen. vertraust,dann sende mich nach Juda2,5 Juda: Provinz im persischen Reich. Seit der Eroberung Jerusalems 586 v. Chr. gab es in Israel keine unabhängigen Königreiche mehr. Mehr ….Schick mich in die Stadt,in der meine Vorfahren begraben sind.Ich will sie wieder aufbauen.«6Der König, neben dem die Königin saß, fragte mich:»Wie lange wird deine Reise dauern?Wann kommst du wieder zurück?«Als ich ihm einen Zeitraum nannte,war der König einverstanden und schickte mich los.

7Vor meinem Aufbruch sagte ich zum König:»Wenn der König einverstanden ist,soll man mir amtliche Schreiben ausstellen.Die gebe ich den Verwaltern westlich des Eufrat2,7 Verwalter westlich des Eufrat: Verantwortlich für die persischen Provinzen entlang der Mittelmeerküste vom nördlichen Syrien bis an die ägyptische Grenze.,damit sie mir die Durchreise nach Juda gestatten.8Außerdem brauche ich ein Schreiben an Asaf,den Verwalter der königlichen Wälder.Er soll mir Bauholz liefern für die Balken der Tore2,8 Balken der Tore: Die Übersetzung folgt der griechischen Überlieferung.,die zum Tempel2,8 Tempel: Das zentrale Heiligtum in Jerusalem. Der Tempel galt als Wohnung Gottes und war Zufluchtsort für Verfolgte. Mehr … gehören.Auch für die Stadtmauer brauche ich Holzund für das Haus, in das ich einziehen werde.«Der König erfüllte meine Bitten,denn Gott hielt seine Hand schützend über mich.9Darüber hinaus ordnete der König an,dass mich Heerführer und Reiter begleiten sollten.So kam ich zu den Verwaltern westlich des Eufratund gab ihnen die Schreiben des Königs.10Von meiner Reise erfuhren aber auchder Horoniter Sanballat2,10 Sanballat: Verwalter der persischen Provinz Samaria. Samaria und Jerusalem gehörten damals zur selben Verwaltungseinheit.und der ammonitische2,10 Ammoniter: Nachbarvolk Israels im Ostjordanland. Beamte Tobija.Die Reise gefiel den beiden ganz und gar nicht.Sie waren nicht damit einverstanden,dass jemand den Israeliten2,10 Israel: Nachkommen der zwölf Söhne Jakobs. Gott hat mit Israel einen Bund geschlossen. Mehr … Gutes tun wollte.

Nehemia untersucht die zerstörte Stadtmauer

11Nachdem ich in Jerusalem2,11 Jerusalem: Hauptstadt und Regierungssitz der Könige aus dem Haus David in Juda. 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört. Mehr … angekommen war,ruhte ich mich zunächst drei Tage lang aus.12Dann brach ich in der Nacht mit einigen Männern auf.Ich hatte keinem von der Aufgabe erzählt,die Gott mir für Jerusalem ans Herz gelegt hatte.Es waren auch keine Reittiere dabei,außer dem einen, auf dem ich ritt.

13So zog ich in der Nacht durch das Taltor hinaus.Ich ritt an der Drachenquelle vorbeiund kam zum Misttor2,13 Misttor: Das Tor trägt seinen Namen, weil der Abfall der Stadt durch dieses Tor hinausgebracht wurde..Dabei begutachtete ich die Mauern Jerusalems.Ich prüfte, wo sie Lücken hattenund wo die Tore vom Feuer zerstört waren.14Danach zog ich zum Quelltor und zum Königsteich.Dort wurde es für mein Reittier zu eng.15Ich stieg durch das Bachtal hinaufund begutachtete die Mauern.Dann drehte ich umund kehrte durch das Taltor wieder zurück.

Nehemia spricht mit führenden Männern

16Die führenden Männer der Stadt wussten nicht,wohin ich gegangen warund was ich unternommen hatte.Denn bisher hatte ich den Judennichts von meinem Plan erzählt –weder den Priestern2,16 Priester: Bringt Opfer im Heiligtum dar und deutet den Willen Gottes. Mehr … noch den einflussreichen Leutenoder den führenden Männern.Auch den übrigen Leuten, die am Bau arbeiten sollten,hatte ich nichts davon gesagt.17Nun sagte ich zu ihnen:»Ihr seht doch, wie schlecht es uns geht!Jerusalem2,17 Jerusalem: Hauptstadt und Regierungssitz der Könige aus dem Haus David in Juda. 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört. Mehr … ist verwüstet,und die Tore sind im Feuer verbrannt.Kommt, lasst uns Jerusalems Mauern wieder aufbauen!Dann spottet man nicht länger über uns.«18Dann sagte ich ihnen,dass Gott seine Hand schützend über mich hielt.Auch teilte ich ihnen mit,was der König mir erlaubt hatte.Daraufhin sagten sie:»Kommt, lasst uns mit dem Wiederaufbau beginnen!«Und sie machten sich entschlossen ans Werk.

19Das hörten auch der Horoniter Sanballat2,19 Sanballat: Verwalter der persischen Provinz Samaria. Samaria und Jerusalem gehörten damals zur selben Verwaltungseinheit.,der ammonitische Beamte Tobija und der Araber Geschem.Sie verspotteten und verhöhnten uns und sagten:»Was habt ihr euch da vorgenommen?Wollt ihr euch gegen den König auflehnen?«20Ich entgegnete ihnen:»Der Gott des Himmels2,20 Gott des Himmels: Seit der persischen Zeit Bezeichnung für den Gott Israels. Sie bringt zum Ausdruck, dass er der Gott der ganzen Welt ist.wird unser Vorhaben gelingen lassen.Als seine Knechte2,20 Knechte: Selbstbezeichnung von Menschen, die sich in den Dienst Gottes stellen und ihn dadurch als ihren Herrn anerkennen. machen wir uns ans Werkund beginnen mit dem Wiederaufbau.Ihr aber habt kein Recht und keinen Anspruch darauf,euch in Jerusalems Angelegenheiten einzumischen.«