BasisBibel (BB)
3

Gibt es noch Hoffnung?

Alphabetpsalm3,0 Alphabetpsalm: Poetische Kunstform, bei der die Anfangsbuchstaben der Verse oder Abschnitte in ihrer Reihenfolge dem hebräischen Alphabet entsprechen. Mehr …

א 31Ich bin ein vom Leid geprüfter Mann.

Gott schlug mich mit der Rute seines Zorns.

א 2Er hat mich vertrieben und weggeführt,

in die Finsternis und nicht ins Licht.

א 3Immerzu hat er mich geschunden,

Tag für Tag traf mich seine Faust.

ב 4Durch ihn bin ich nur noch Haut und Knochen,

sämtliche Glieder hat er mir zerschlagen.

ב 5Von allen Seiten schloss er mich ein

in Bitterkeit und Qual.

ב 6Er versetzte mich in tiefe Dunkelheit

wie die Toten in der Unterwelt3,6 Unterwelt: Aufenthaltsort der Verstorbenen, der unter der Erde liegt..

ג 7Er baute Mauern um mich ohne eine Tür.

In Ketten aus Bronze legte er mich.

ג 8Ich konnte um Hilfe schreien, soviel ich wollte.

Er verschloss seine Ohren vor meinem Gebet.

ג 9Die Wege verbaute er mir mit Steinen.

Er ließ mich ziellos durch die Gegend laufen.

ד 10Wie ein Bär3,10 wie ein Bär: Der Beter setzt Gott mit einem Raubtier gleich, das sein Leben bedroht. kam er mir entgegen,

wie ein Löwe lauerte er im Gebüsch.

ד 11Wohin ich auch ging, brachte er mich in Gefahr.

Er lähmte mich vor Angst und ließ mich allein.

ד 12Er spannte den Bogen und benutzte mich

als Zielscheibe für seinen Pfeil.

ה 13Stechende Schmerzen in meinen Nieren

bereiteten mir die Pfeile aus seinem Köcher3,13 Köcher: Behältnis für das Mitführen von Pfeilen..

ה 14Da lachten die Völker über mich,

sie sangen ihr Spottlied den ganzen Tag.

ה 15Er machte mich satt mit bitteren Speisen,

er stillte meinen Durst mit saurem Wein.

ו 16Er ließ meine Zähne auf Granit beißen,

er trat mich nieder in den Staub.

ו 17Gott, du hast mir meinen Seelenfrieden genommen!

Ich habe vergessen, was Glück ist.

ו 18Da dachte ich: Meine Zeit ist vorbei!

Meine Hoffnung auf den Herrn ist dahin.

ז 19Der Gedanke an meine Not und Verlassenheit

macht mich bitter und vergiftet mein Leben.

ז 20Trotzdem muss ich ständig daran denken,

und das wühlt mich bis ins Innerste auf.

ז 21Deshalb will ich in mich gehen

und meine Hoffnung auf den Herrn setzen:

ח 22Ja, seine Güte hört nicht auf.

Sein Erbarmen hat noch lange kein Ende.

ח 23Jeden Morgen erbarmt er sich von Neuem.

Gott, deine Treue ist unfassbar groß.

ח 24Ich bekannte: »Der Herr ist alles für mich!

Deshalb setze ich meine Hoffnung auf ihn.«

ט 25Der Herr ist gut zu dem, der auf ihn hofft,

zu dem Menschen, der nach ihm fragt.

ט 26Gut ist es, sich in Geduld zu üben

und still zu warten auf die Hilfe des Herrn.

ט 27Gut ist es, wenn einer sein Leid3,27 Leid: Wörtlich »Joch«. Holzbalken, der Tieren über den Nacken gelegt wird, um einen Wagen oder Pflug zu ziehen. Hier Bild für das von Gott auferlegte Leid, das man tragen soll wie ein Rind das Joch. trägt,

wie er als junger Mann eine Last getragen hat.

י 28Wenn Gott einem ein Leid zu tragen gibt,

soll man sich auf den Boden setzen und verstummen.

י 29Man soll den Mund in den Staub drücken,

vielleicht gibt es noch Hoffnung.

י 30Man soll die Backe dem hinhalten, der zuschlägt,

und jede Demütigung ertragen.

כ 31Wenn der Herr einen Menschen verstößt,

dann verstößt er ihn nicht für immer.

כ 32Auch wenn er straft, erbarmt er sich wieder.

Unfassbar groß ist seine Güte.

כ 33Denn es bereitet ihm keine Freude,

die Menschen zu strafen und leiden zu sehen.

ל 34Ist es richtig, dass alle Gefangenen im Land

mit Füßen getreten werden?

ל 35Oder dass man den einfachen Mann um sein Recht bringt

vor den Augen des Höchsten3,35 der Höchste: Titel für Gott, der eng mit dem Tempel in Jerusalem verbunden ist.?

ל 36Oder dass man im Streitfall die Wahrheit verdreht?

Sollte der Herr das alles nicht sehen?

מ 37Von wem heißt es3,37 von wem heißt es: Durch die folgende Anspielung auf Psalm 33,9 wird auf Gott als den Schöpfer hingewiesen, der durch sein Wort die Welt erschafft.: Er sprach und es geschah?

Geschieht denn nicht alles auf den Befehl des Herrn?

מ 38Das Böse wie das Gute,

beides geschieht doch auf Anordnung des Höchsten3,38 der Höchste: Titel für Gott, der eng mit dem Tempel in Jerusalem verbunden ist..

מ 39Worüber beschwert sich ein Mensch in seinem Leben?

Ist er nicht selbst für seine Sünde verantwortlich?

נ 40Lasst uns über unser Leben ernsthaft nachdenken!

Lasst uns umkehren zum Herrn!

נ 41Wir wollen zu Gott im Himmel beten,

von Herzen, nicht nur mit den Händen3,41 nicht nur mit den Händen: Die erhobenen Hände als äußere Gebetshaltung reichen nicht aus. Es muss auch eine innere Umkehr zu Gott erfolgen.:

נ 42Ja, wir sind gottlos und ungehorsam gewesen!

Das konntest du uns nicht verzeihen.

ס 43Du hast dich in Zorn gehüllt und uns verfolgt.

Erbarmungslos hast du uns ums Leben gebracht.

ס 44Du hast dich in eine dichte Wolke gehüllt,

hast dich abgeschirmt gegen unser Gebet.

ס 45Unter den Völkern hast du dafür gesorgt,

dass wir wie Abschaum und Dreck behandelt wurden.

פ 46Alle unsere Feinde

zerrissen sich über uns das Maul.

פ 47Wir stürzten ins Verderben und in den Abgrund,

Verwüstung und Untergang trafen uns.

פ 48Meine Augen vergießen Ströme von Tränen

über den Untergang der Tochter meines Volkes3,48 Tochter meines Volkes: Meint die Stadt Jerusalem. Dort regierten die Könige, die für den Schutz des Volkes verantwortlich waren..

ע 49Ununterbrochen fließen Tränen aus meinen Augen,

es hört und hört nicht auf.

ע 50Ich kann nur hoffen, dass der Herr

vom Himmel herabblickt und mein Elend sieht.

ע 51Meine Augen tun mir schon weh,

so sehr muss ich weinen über meine Stadt.

צ 52Meine Feinde, die mich ohne Grund verfolgen,

machten Jagd auf mich wie auf einen Vogel.

צ 53Sie warfen mich lebendig in die Zisterne3,53 Zisterne: In den Boden geschlagene Kammer zum Sammeln und Speichern von Regenwasser. Sie diente auch als Gefängnis.

und verschlossen sie mit einem Stein.

צ 54Wasser stürzte auf mich herab.

Ich dachte schon: Jetzt ist es aus mit mir!

ק 55Da rief ich deinen Namen, Herr,

tief unten aus der Zisterne.

ק 56Du hast mich gehört, als ich schrie:

»Verschließ nicht dein Ohr! Befreie mich!«

ק 57Du warst mir nahe, als ich dich rief.

Du sprachst: »Fürchte dich nicht!«

ר 58Du, Herr, hast mir mein Recht erstritten.

Das Leben hast du mir gerettet.

ר 59Du hast gesehen, Herr, wie man mir Unrecht tat.

Hilf mir, dass ich mein Recht bekomme!

ר 60Du hast die maßlose Rachsucht gesehen,

als sie ihre Pläne gegen mich schmiedeten.

ש 61Du hast die Schmähungen gehört, Herr,

als sie ihre Pläne gegen mich ausführten.

ש 62Das Gerede meiner Gegner und ihre Anfeindungen

richten sich gegen mich Tag für Tag.

ש 63Du kannst es sehen, ob sie sitzen oder stehen:

Ihr Spottlied, das gilt mir!

ת 64Zahl ihnen ihr Tun heim, Herr!

Sie haben es nicht anders verdient.

ת 65Gib ihnen Eigensinn ins Herz!

Dein Fluch3,65 Fluch: Ein Unheil bringendes Wort, durch das die Lebenskraft oder das Wohlergehen des Verfluchten gemindert werden soll. Mehr … soll sie treffen.

ת 66Verfolge sie mit deinem Zorn!

Lösch sie aus unter dem Himmel des Herrn!

4

Die Not ist unermesslich

Alphabetpsalm4,0 Alphabetpsalm: Poetische Kunstform, bei der die Anfangsbuchstaben der Verse oder Abschnitte in ihrer Reihenfolge dem hebräischen Alphabet entsprechen. Mehr …

א 41Ach, wie matt ist das Gold geworden,

das Gold, das so schön glänzte.

An allen Ecken und Enden der Straße

liegen die Edelsteine im Dreck.

ב 2Wie kostbar waren die Kinder Zions4,2 Kinder Zions: Bewohner der Stadt Jerusalem, die hier Zion genannt wird.,

so wertvoll wie reines Gold.

Jetzt gelten sie nur noch als billige Töpferware,

von der Hand eines gewöhnlichen Töpfers hergestellt.

ג 3Sogar Schakale4,3 Schakal: Nachtaktiver Wildhund, der in der unbewohnten Steppe lebt. kümmern sich um den Nachwuchs

und geben ihren Jungen zu trinken.

Doch die Tochter meines Volkes4,3 Tochter meines Volkes: Meint die Stadt Jerusalem. Dort regierten die Könige, die für den Schutz des Volkes verantwortlich waren. ist grausam,

so grausam wie ein Vogel Strauß4,3 Vogel Strauß: Ihm wird nachgesagt, dass er beim Nahen eines Feindes seine Brut im Nest zurücklässt. in der Wüste.

ד 4Vor Durst klebt dem Säugling

die Zunge am Gaumen.

Kinder betteln um ein Stück Brot,

doch niemand gibt ihnen etwas zu essen.

ה 5Wer früher leckere Speisen aß,

verhungert jetzt auf den Straßen.

Wer immer auf purpurroten4,5 Purpur: Intensiver rot-violetter Farbstoff, mit dem in der Antike Stoffe und Wolle gefärbt wurden. Purpur ist sehr kostbar und war hauptsächlich den Reichen und Mächtigen vorbehalten. Mehr … Polstern saß,

liegt jetzt auf einem Haufen Mist.

ו 6Große Schuld trägt die Tochter meines Volkes,

noch größer als die von Sodom4,6 Sodom, Gomorra: Die Städte wurden vernichtet, weil ihre Bewohner sich von Gott abgewandt hatten; vgl. 1. Mose/Genesis 19. Mehr ….

Diese Stadt wurde in einem Augenblick zerstört,

ohne dass Menschen dazu beigetragen haben.

ז 7Männer in der Stadt hatten ihr Leben Gott geweiht.

Sie waren reiner als Schnee, weißer als Milch.

Ihre Körper glänzten rot wie Korallen4,7 Korallen: Korallen aus dem Meer galten als Kostbarkeit. Wegen ihrer rötlich schimmernden Farbe wurden sie zu Schmuck verarbeitet.,

ihre Adern schimmerten blau wie Saphire.

ח 8Jetzt aber sind sie so schwarz wie Ruß.

Auf den Straßen erkennt man sie nicht mehr.

Ihre Haut klebt nur noch an den Knochen,

ausgedörrt wie ein Stück Holz.

ט 9Die vom Schwert Durchbohrten hatten es besser

als die Leute, die den Hungertod erlitten.

Denn diese sanken entkräftet zu Boden,

fehlende Nahrung gab ihnen den Todesstoß.

י 10Die Hände von liebevollen Frauen

griffen nach ihren Kindern und kochten sie.

Sonst gab es nichts zu essen.

Das war der Untergang der Tochter meines Volkes.

כ 11So trieb der Herr seinen Zorn4,11 Zorn Gottes: Sein Wille, Gericht zu halten. Mehr … zum Äußersten.

Die Glut seines Zorns goss er aus über die Stadt.

In Zion4,11 Zion: Tempelberg von Jerusalem, aber auch Bezeichnung für die ganze Stadt. Mehr … entzündete er ein Feuer.

Das brannte alles bis auf die Grundmauern nieder.

ל 12Die Könige der Erde konnten es nicht glauben,

kein Mensch auf der ganzen Welt.

Und doch rückte das feindliche Heer vor

und zog ein in die Stadt durch Jerusalems4,12 Jerusalem: Hauptstadt und Regierungssitz der Könige aus dem Haus David in Juda. 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört. Mehr … Tore.

מ 13Das Unheil kam durch die Schuld ihrer Propheten4,13 Prophet: Verkündet, was Gott in einer bestimmten Situation zu sagen hat. Mehr …,

durch die Verbrechen, die ihre Priester4,13 Priester: Bringt Opfer im Heiligtum dar und deutet den Willen Gottes. Mehr … begingen.

Sie haben inmitten der Stadt viel Blut vergossen,

unschuldiges Blut von gerechten Menschen.

נ 14Wie Blinde irren sie jetzt durch die Straßen,

sie sind befleckt mit Blut.

Nichts dürfen sie berühren, sonst wird es unrein4,14 unrein: Bezeichnet Menschen, Tiere und Dinge, die aus unterschiedlichen Gründen nicht dafür vorbereitet sind, in der Nähe Gottes zu sein..

Denn an ihren Kleidern haftet Blut.

ס 15»Fort mit euch, ihr Unreinen4,15 unrein: Bezeichnet Menschen, Tiere und Dinge, die aus unterschiedlichen Gründen nicht dafür vorbereitet sind, in der Nähe Gottes zu sein.«, rief man ihnen zu.

»Fort, fort! Rührt ja nichts an!«

Da flohen sie und irrten unter den Völkern umher.

Aber dort hieß es: »Hier ist kein Platz für euch!«

פ 16Der Herr selbst hat sie zerstreut.

Er will sich nicht länger um sie kümmern.

Vor den Priestern hat man die Achtung verloren,

auf die Ältesten nimmt man keine Rücksicht mehr.

ע 17Bis zuletzt starrten unsere Augen in die Ferne,

ob uns jemand zu Hilfe käme – umsonst!

Auf dem Wachturm hielten wir Ausschau.

Doch kein Volk war da, das helfen konnte.

צ 18Man stellte uns nach auf Schritt und Tritt,

wir konnten uns nicht mehr nach draußen wagen.

Uns drohte das Ende, schon war es so weit:

Ja, unser Ende war gekommen.

ק 19Schnell waren unsere Verfolger,

schneller als die Adler4,19 Adler: Großer Greifvogel, der sich kraftvoll und frei in die Luft schwingt. Er steht sinnbildlich für Kraft und Stärke. Mehr … am Himmel.

Sie jagten uns in den Bergen4,19 in den Bergen: Nach dem Fall Jerusalems flohen die Bewohner in das umliegende Gebirge. Doch auch dort fielen sie den babylonischen Soldaten in die Hände.,

in der Wüste lauerten sie uns auf.

ר 20Der Gesalbte4,20 Gesalbter: Bezeichnet den von Gott eingesetzten König. Vielleicht ist hier an König Zidkija gedacht, der auf der Flucht aufgegriffen wurde; vgl. 2. Könige 25,1-7. des Herrn, von dem unser Leben abhing,

wurde in ihren Gruben4,20 in ihren Gruben: Bild aus der Jagd. Der König wird in einer Fallgrube gefangen wie ein in die Enge getriebenes Tier. gefangen.

Und wir hatten gedacht: Unter seinem Schutz

könnten wir friedlich unter den Völkern leben.

ש 21Juble nur4,21 juble nur: Ironischer Aufruf an Edom, das Nachbarvolk Judas, das damals über den Fall Jerusalems gespottet hatte. und freue dich, Tochter Edom4,21 Edom: Nachbarstaat Israels im Süden.,

die du wohnst im Land Uz.

Auch du musst aus dem Becher des Zorns4,21 Becher des Zorns: Die Edomiter werden für ihre Schadenfreude bestraft. Gottes Zorn lässt sie wie durch ein Rauschgetränk taumeln und zu Boden stürzen, vgl. Jeremia 25,15-16. trinken.

Dann wirst du taumeln und nackt daliegen4,21 nackt daliegen: Anspielung darauf, dass auch der Nachbarstaat Edom in den Untergang stürzen und alles verlieren wird..

ת 22Doch deine Schuld ist getilgt, Tochter Zion!

Der Herr lässt dich nicht länger in der Verbannung.

Aber deine Schuld, Tochter Edom, wird er aufdecken

und deine Verbrechen bestrafen.

5

Am Ende bleibt nur das Gebet

51Denk daran, Herr, was mit uns geschehen ist!

Schau her und sieh, wie sehr wir leiden:

2Unseren Erbbesitz5,2 Erbbesitz: Der Anteil der Israeliten an dem Land, das Gott ihnen gibt. Sie dürfen das Land für ihren Lebensunterhalt nutzen, der Eigentümer bleibt Gott. haben wir an Fremde verloren.

Ausländer wohnen jetzt in unseren Häusern.

3Waisen sind wir und haben keine Väter mehr.

Unsere Mütter sind zu Witwen geworden.

4Für unser Wasser geben wir Geld,

unser Brennholz müssen wir teuer bezahlen.

5Mit dem Joch5,5 Joch: Holzbalken, der Tieren über den Nacken gelegt wird, um einen Wagen oder Pflug zu ziehen. Mehr … auf dem Nacken werden wir angetrieben.

Wir sind müde, doch man gönnt uns keine Ruhe.

6Mit Ägypten5,6 Ägypten: Fruchtbares Land am Nil und Großmacht, die das politische Geschehen im Alten Orient beeinflusste. Mehr … und Assyrien5,6 Assyrien: Militärische Großmacht in der gleichnamigen Region am oberen Tigris, im heutigen Irak. schlossen wir Verträge,

damit wir genug Brot zu essen hatten.

7Unsere Väter sind schuld, sie leben nicht mehr.

Doch wir müssen die Folgen ihrer Schuld tragen.

8Besatzer herrschen jetzt über uns,

und niemand befreit uns aus ihrer Gewalt.

9Unter Lebensgefahr besorgen wir uns Brot,

auf dem Land droht uns der Tod durchs Schwert.

10Unsere Haut glüht wie eine Ofenwand,

so sehr quält uns der Hunger.

11Frauen werden in Zion5,11 Zion: Tempelberg von Jerusalem, aber auch Bezeichnung für die ganze Stadt. Mehr … vergewaltigt,

Mädchen in den Städten von Juda5,11 Juda: Bezeichnung für das Königreich im Süden mit Jerusalem als Hauptstadt. Mehr ….

12Die Würdenträger werden durch Besatzer gehängt,

den Ältesten spuckt man ins Gesicht.

13Junge Männer müssen Mühlsteine schleppen,

Kinder brechen zusammen beim Tragen von Holz.

14Die Alten treffen sich nicht mehr im Stadttor5,14 Tor: Torgebäude in der Stadtmauer. Der Platz davor diente als Marktplatz und Versammlungsort für Gerichtsverhandlungen.,

die Jungen nicht mehr zur Musik.

15Mit unserer Lebensfreude ist es aus.

Statt zu tanzen, trauern wir jetzt.

16Der Kranz ist uns vom Kopf gefallen.

O weh! Wir sind ja selber schuld daran!

17Die Schuld drückt schwer aufs Herz,

ganz schwarz wird uns vor Augen.

18Denn der Berg Zion ist zur Wüste geworden,

ein Ort, an dem die Schakale5,18 Schakal: Nachtaktiver Wildhund, der in der unbewohnten Steppe lebt. hausen.

19Du aber, Herr, bleibst König für immer.

Dein Thron steht fest von Generation zu Generation.

20Warum willst du uns so ganz vergessen,

uns fern bleiben für alle Zeit?

21Bring uns doch, Herr, zu dir zurück!

Dann wollen auch wir umkehren!

Schenk uns neues Leben wie in den alten Tagen!

22Oder hast du uns ganz und gar verstoßen5,22 ganz und gar verstoßen: Obwohl man mit dieser Möglichkeit rechnen könnte, ist die Frage von dem Grundvertrauen getragen, dass Gott alle Schuld vergeben wird; vgl. Klagelieder 3,31.,

ist dein Zorn auf uns über die Maßen groß?