BasisBibel (BB)
8

Die erste Rede des Bildad

81Da antwortete Bildad aus Schuach8,1 Schuach: Gegend in der syrisch-arabischen Wüste. und sagte:

2Wie lange willst du so daherreden?

Dein Wortschwall ist wie ein gewaltiger Sturm.

3Glaubst du im Ernst,

dass Gott die Ordnung ins Gegenteil verkehrt?

Oder dass der Allmächtige8,3 der Allmächtige: Hebräisch Schaddaj. Titel für Gott, in dem seine überlegene Macht zum Ausdruck kommt. das Recht verdreht?

4Wenn deine Söhne sich gegen Gott gestellt haben,

hat er sie bestimmt für ihre Vergehen bestraft.

5Dann bleibt dir nichts, als dich an Gott zu wenden

und den Allmächtigen um Gnade anzuflehen.

6Wenn du ein reines Herz hast und aufrichtig bist,

wirst du sein Mitleid erregen.

Dann wird er dir Gerechtigkeit widerfahren lassen.

7Dein früheres Glück wird dir gering erscheinen.

Am Ende steht dir eine herrliche Zukunft bevor.

8Frag doch, was frühere Generationen wussten8,8 wussten: Bildad bezieht sich in seiner Argumentation auf die Tradition, also auf den Erfahrungsschatz der Vorfahren.!

Und merk dir, was ihre Väter herausgefunden haben!

9Wir wissen doch nur, was gestern war.

Denn unsere Lebenszeit auf der Erde ist so kurz,

wie ein Schatten vorübergeht.

10Es sind die Väter, von denen du lernen kannst.

Sie geben ihre Erfahrung an dich weiter.

Aus ihrem Wissen stammen bedeutsame Lehren.

11»Wächst Papyrus8,11 Papyrus: Die Papyrusstaude wächst vor allem im Uferbereich von Flüssen. Ist genügend Wasser vorhanden, erreicht sie schnell eine Höhe von 3 bis 5 m. in die Höhe, wo kein Sumpf ist?

Oder Schilf, wo kein Wasser in der Nähe ist?«

12Nein! Die jungen Pflanzen verdorren vor der Ernte,

sie verwelken schneller als alles Gras.

13Genauso schnell geht es mit allen zu Ende,

die Gott vergessen haben.

Wer nicht auf Gott vertraut, lebt ohne Zuversicht.

14Seine Hoffnung hängt an einem seidenen Faden.

Sein Vertrauen ist schwächer als ein Spinngewebe8,14 Spinngewebe: Spinnweben lassen sich schnell wegwischen..

15Lehnt er sich an sein Haus, bleibt es nicht stehen.

Klammert er sich daran, hält es nicht stand.

16Der Frevler ist wie eine junge Pflanze:

Voll im Saft steht sie in der Sonne.

Die Ranken wuchern überall im Garten.

17Die Wurzeln suchen Halt im Geröll,

zwischen Steinen klammern sie sich fest.

18Doch reißt man sie aus dem Boden,

weiß niemand mehr, wo sie gestanden hat.

19Ja, so ist das auch mit dem Lebensweg des Frevlers!

Er verschwindet, andere treten an seine Stelle.

20Jetzt weißt du: Gott verwirft den Frommen nicht,

und die Übeltäter können bei ihm nicht bestehen.

21Gott sorgt dafür, dass du wieder lachen kannst.

Jubel wird dir von den Lippen fließen.

22Wer dich mit seinem Hass verfolgt hat,

wird in Schimpf und Schande leben müssen.

Und wo der Frevler8,22 Frevler: Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. Mehr … sein Zelt aufgeschlagen hat,

findet sich keine Spur mehr davon.

9

Hiob setzt das Gespräch fort

91Da antwortete Hiob und sagte:

2Selbstverständlich weiß ich, dass es so ist:

Kein Mensch kann gegenüber Gott im Recht sein.

3Wenn jemand mit ihm darüber streiten wollte,

könnte er ihm von 1000 Fragen keine beantworten.

4Denn Gott besitzt Weisheit und große Macht.

Kein Mensch kann sich ihm widersetzen

und kommt mit heiler Haut davon.

5Er verrückt Berge, ohne dass sie es merken,

und stürzt sie um in seinem Zorn.

6Er erschüttert die Erde, dass sie bebt,

und ihre Säulen9,6 Säulen: Man stellte sich vor, dass die Erdscheibe auf Säulen ruht, die im unterirdischen Meer verankert sind. Sie bilden die Fundamente der Welt. schwanken hin und her.

7Spricht er zur Sonne, scheint sie nicht mehr.

Versiegelt9,7 versiegelt: Man stellte sich vor, dass sich die Sterne in einer Kammer befinden, bevor sie in den Nachthimmel aufsteigen. Gott hat die Tür dazu mit einem Siegel verschlossen. er die Sterne, bleiben sie dunkel.

8Er allein spannt den Himmel aus wie ein Zelt

und bändigt das tosende Meer.

9Er macht das Sternbild des Großen Bären, den Orion,

das Siebengestirn9,9 Siebengestirn: Das Sternbild der Plejaden, ein Sternenhaufen, den man mit bloßem Auge sehen kann. und die Kammern des Südens.

10Er schafft große Dinge, die unerforschlich sind,

und wunderbare Werke, die man nicht zählen kann.

11Wenn er an mir vorbeigeht, seh ich ihn nicht.

Wenn er vorüberzieht, merk ich’s nicht mal.

12Wenn er vernichtet, kann’s keiner verhindern.

Niemand kann zu ihm sagen: »Was tust du da?«

13Gott muss seinen Zorn nicht zügeln.

Sogar die Helfer Rahabs9,13 Rahab: Chaoswesen, das im Meer lebt. Im Alten Testament ist es Sinnbild für die tobenden Wasserfluten, die die Welt bedrohen. ducken sich vor ihm.

14Und nun soll ich ihm Rede und Antwort stehen?

Wie könnte ich vor ihm die richtigen Worte finden?

15Auch wenn ich im Recht wäre,

könnte ich nichts gegen ihn vorbringen.

In meinem Fall bleibt nur, um Gnade zu betteln.

16Ich kann ihn auffordern, mir zu antworten.

Doch ich glaube nicht, dass er mich hört.

17Nein, wie im Sturm fegt er mich weg.

Er verletzt mich ständig ohne jeden Grund.

18Er lässt mir nicht mal Zeit zum Atemholen.

Vielmehr erfüllt er mein Leben mit Bitterkeit.

19Wenn’s um die Macht des Stärkeren geht:

Die liegt bei ihm!

Und wenn’s um das Recht geht:

Wer könnte ihn vor Gericht ziehen?

20Auch wenn ich im Recht wäre,

würde alles, was ich sage, gegen mich verwendet.

Auch wenn ich unschuldig wäre,

würde er mich schuldig sprechen.

21Doch ich bin unschuldig,

auch wenn mir nichts mehr daran liegt

und mein Leben mir sinnlos erscheint.

22Es ist einerlei, deshalb behaupte ich:

Unschuldig oder schuldig, das spielt keine Rolle.

Gott vernichtet den einen wie den andern.

23Wenn eine Flutwelle kommt und viele in den Tod reißt,

verhöhnt er noch die Angst der unschuldigen Opfer.

24Er hat die Erde den Frevlern9,24 Frevler: Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. Mehr … überlassen,

ihre Richter hat er mit Blindheit geschlagen.

Wenn er es nicht gewesen ist, wer dann?

25Meine Tage eilen davon wie ein schneller Läufer.

Sie fliehen dahin und bringen mir kein Glück.

26Sie schießen vorüber wie Boote aus Schilfrohr9,26 Boote aus Schilfrohr: Aus Ägypten bekannte, schnelle und wendige Boote, die aus zusammengeschnürten Bündeln von Papyrusstängeln hergestellt wurden.,

wie ein Adler9,26 Adler: Großer Greifvogel, der sich kraftvoll und frei in die Luft schwingt. Er steht sinnbildlich für Kraft und Stärke. Mehr …, der sich auf seine Beute stürzt.

27Ich nehme mir vor, meinen Kummer zu vergessen.

Ein Lächeln soll über mein Gesicht gehen.

Ich will noch einmal fröhlich sein.

28Doch dann überwältigt mich mein ganzer Schmerz.

Ich weiß nämlich: Du sprichst mich nicht frei!

29Du willst ja, dass ich schuldig bin.

Wozu soll ich mir Mühe geben? Es hilft ja nichts!

30Ich könnte mich im frischen Schnee baden

und meine Hände mit Seife waschen.

31Sofort würdest du mich wieder in den Dreck ziehen.

Meine Kleider ekeln sich, weil ich so schmutzig bin.

32Gott ist ja doch kein Mensch wie ich!

Ich kann ihm nicht drohen: Wir ziehen vor Gericht!

33Es gibt keinen Schiedsrichter zwischen uns,

der uns beide seiner Entscheidung unterwirft.

34Sonst müsste Gott aufhören, mich zu strafen.

Ich hätte keine Angst mehr vor seinen Schrecken.

35Ja, ich könnte reden, ohne mich zu fürchten.

Doch in meinem Fall ist es nicht so.

10

101Auch wenn mich mein Leben anwidert,

lass ich mir das Klagen nicht verbieten.

Ich will mir von der Seele reden,

was mich so stark verbittert.

2Zu Gott will ich sprechen:

Behandle mich nicht wie einen Verbrecher!

Sag mir, was wirfst du mir eigentlich vor?

3Was bringt es dir, dass du Gewalt ausübst?

Warum verachtest du das Werk deiner Hände10,3 Werk deiner Hände: Meint den Menschen, den Gott wie ein Töpfer aus Ton modelliert hat.?

Hast du denn nur einen Blick für die Frevler10,3 Frevler: Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. Mehr …,

wenn sie etwas Böses planen?

4Hast du denn Augen wie ein Sterblicher?

Oder siehst du die Dinge so wie ein Mensch10,4 wie ein Mensch: Der Mensch hat eine eingeschränkte Sichtweise. Gott aber schaut nicht nur oberflächlich hin, vgl. 1. Samuel 16,7.?

5Gleichen deine Tage den Tagen eines Sterblichen

oder deine Jahre der Lebenszeit eines Menschen?

6Du willst mir eine Schuld nachweisen

und suchst nach Fehlern, die ich gemacht habe.

7Du könntest doch wissen, dass ich unschuldig bin,

dass niemand10,7 niemand: Hiob meint hier »niemand außer Gott«. Doch er wagt es nicht, dies vor Gott auszusprechen. mich retten kann.

8Deine Hände haben mich kunstvoll geschaffen.

Dann bist du dazu übergegangen, mich zu zerstören.

9Denk doch daran, dass du mich aus Lehm gemacht hast!

Willst du mich nun wieder zu Staub werden lassen?

10Hast du mich nicht wie Milch in eine Form gegossen

und mich wie Käse gerinnen lassen?

11Mit Haut und Muskeln hast du mich ausgestattet,

Knochen und Sehnen halten meinen Körper zusammen.

12Leben und Liebe hast du mir eingehaucht.

Du hast dafür gesorgt, dass ich lebendig bin.

13In deinem Herzen aber hast du verborgen,

was du eigentlich im Sinn hattest! Ich weiß es:

14Wenn ich eine Sünde begehen sollte,

würdest du mich sofort unter Beobachtung stellen.

Dir geht es nur darum, mich schuldig zu sprechen.

15Tu ich etwas Böses, dann gnade mir Gott!

Tu ich etwas Gutes, lässt du es nicht gelten.

So oder so kommen Schmach und Schande über mich.

16Wenn ich trotzdem meinen Kopf hochhalte,

machst du Jagd auf mich wie ein Löwe.

So beweist du deine wunderbare Macht,

die du wieder und wieder gegen mich richtest.

17Du lässt neue Zeugen gegen mich aussagen.

So kannst du deinen Ärger gegen mich steigern

und immer neue Strafen gegen mich verhängen.

18Warum hast du mich aus dem Mutterleib gezogen?

Ach, wäre ich doch bei der Geburt gestorben!

Dann hätte mich niemand zu Gesicht bekommen.

19Geboren und sofort zu Grabe getragen –

das ist so, als wäre ich niemals dagewesen.

20Ich hab ja nur noch eine kurze Zeit zum Leben.

So lass mich doch in Frieden!

Ich will noch ein wenig fröhlich sein,

21bevor ich in das Land der Finsternis10,21 Land der Finsternis: Bildhafter Ausdruck für das Totenreich, den Aufenthaltsort aller Verstorbenen. gehe

und nicht zurückkomme aus der Dunkelheit.

22Dieses Land ist so finster wie stockdunkel,

ein Schattenreich in völliger Unordnung.

Selbst das Licht ist dort schwarz wie die Nacht.