BasisBibel (BB)
3

Das erste Gespräch mit den Freunden

Hiob 3,1–11,20

Hiob beklagt sein Unglück

31Endlich tat Hiob den Mund aufund verfluchte den Tag seiner Geburt.2Er ergriff das Wort und sprach:

3Ausgelöscht soll er sein:

der Tag, an dem ich geboren wurde!

Ausgelöscht die Nacht, die verkündete:

Die Eltern haben ein Kind gezeugt.

4Dieser Tag soll in der Finsternis verschwinden.

Nicht einmal Gott in der Höhe soll nach ihm suchen.

Nie mehr soll es hell werden über ihm.

5Dunkelheit und Schatten sollen ihn zurückfordern

und unter einer dichten Wolkendecke verstecken.

Finsternis am Tag soll Schrecken verbreiten.

6Diese Nacht soll im Stockdunkeln versinken.

Man soll sie nicht zu den Tagen des Jahres rechnen.

Sie soll fehlen, wenn man die Monate zählt.

7Ja, diese Nacht soll unfruchtbar sein.

Keinen Freudenjubel soll man in ihr hören.

8Die es können, sollen den Tag verfluchen.

Sie sollen nicht davor zurückschrecken,

den Leviatan3,8 Leviatan: Chaoswesen, das im Meer lebt. Im Alten Testament ist es Sinnbild für die tobenden Wasserfluten, die die Welt bedrohen. zu wecken.

9Die Sterne am Morgen sollen dunkel bleiben.

Der Tag soll darauf warten, dass es hell wird.

Doch kein Schimmer lässt sich blicken,

nicht einmal für einen Wimpernschlag.

10Denn er hat den Mutterleib nicht verschlossen

und mir das Leid nicht erspart.

11Warum bin ich nicht gleich bei der Geburt gestorben?

Warum kam ich nicht tot aus dem Mutterleib?

12Warum hat man mich auf den Schoß genommen?

Warum trank ich an der Mutterbrust?

13Wäre ich gestorben, dann könnte ich ruhig schlafen.

Ich läge still und hätte meinen Frieden.

14Ich könnte bei Königen und Landesherren liegen,

die Grabkammern3,14 Grabkammer: Ein in den Felsen geschlagener Raum mit mehreren Nischen zur Ablage von Toten, dessen Eingang nach der Bestattung verschlossen wurde. für sich bauen ließen.

15Oder ich läge bei reichen Fürsten,

die ihre Häuser mit Schätzen füllten.

16Ach, wäre ich doch verscharrt wie eine Fehlgeburt,

wie ein Neugeborenes, das die Sonne nie sah.

17Dort3,17 dort: Im Grab bzw. im Totenreich, dem Aufenthaltsort aller Verstorbenen, der unter der Erde liegt. ist es aus mit dem Wüten der Frevler3,17 Frevler: Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen..

Dort ruhen sich aus, die keine Kraft mehr haben.

18Auch die Gefangenen sind frei von Sorgen,

die Stimme des Aufsehers hören sie nicht mehr.

19Große oder Kleine, sie sind dort gleich,

und der Sklave hat keinen Herrn mehr.

20Warum lässt er die Sonne scheinen

für den, der vom Leid geplagt ist?

Warum schenkt er Leben den Menschen,

die im Herzen völlig verzweifelt sind?

21Sie wünschen sich den Tod, der nicht kommt.

Sie sehnen sich nach ihm mehr als nach Schätzen.

22Sie jubeln, wenn sie an ihren Grabstein denken.

Sie freuen sich auf ihr eigenes Grab.

23Was ist mit dem Mann, der nicht mehr weiterweiß,

weil Gott ihm seinen Weg versperrt?

24Ich muss seufzen, das ist mein tägliches Brot.

Wie Wasser brechen meine Hilfeschreie hervor.

25Was mir Schrecken einjagt, ist über mich gekommen.

Was mir Angst macht, hat mich getroffen.

26Ich finde keinen Frieden mehr und keine Ruhe.

Bevor ich aufatmen kann, kommt meine Qual zurück.

4

Die erste Rede des Elifas

41Da antwortete Elifas aus Teman4,1 Teman: Wahrscheinlich ist die Oase Tema in Nordwestarabien gemeint, vgl. Hiob 6,19. und sagte:

2Ich will versuchen, mit dir zu reden,

ohne dir lästig zu werden.

Niemand darf doch seinen Mund halten,

wenn etwas gesagt werden muss.

3Du selbst hast vielen Mut zugesprochen.

Manche müden Hände hast du stark gemacht.

4Wer ins Stolpern kam,

den hat dein Wort aufgerichtet.

Wer in die Knie sank,

dem hast du wieder Kraft gegeben.

5Jetzt aber, wo es dich selbst trifft,

verlässt dich der Mut.

Jetzt, wo du mit dem Leid in Berührung kommst,

packt dich die Angst.

6Du begegnest Gott doch mit Ehrfurcht!

Warum fehlt dir auf einmal das Vertrauen?

Du führst doch ein vorbildliches Leben.

Gibt dir das keine Hoffnung?

7Denk zurück und sage mir:

Ist jemals ein Mensch zugrunde gegangen,

der keine Schuld hatte und gerecht gewesen ist?

8Ich habe jedenfalls die Erfahrung4,8 Erfahrung: Elifas beruft sich hier auf die allgemeine Erfahrung, dass jedes Tun eine bestimmte Folge hat. gemacht:

Wer Unheil in den Ackerboden pflügt

und die Saat des Unrechts aufgehen lässt,

der wird es ernten!

9Solche Leute werden von Gottes Atem4,9 Atem Gottes: Gott vernichtet die Übeltäter so wie ein heißer Ostwind, der über das Feld bläst und die Ernte verbrennt. erfasst,

der Sturm seines Zorns fegt sie hinweg.

10Noch brüllt der Löwe, noch brüllen seine Jungen.

Doch die Zähne sind ihnen schon ausgeschlagen.

11Der Löwe, der keine Beute mehr macht, kommt um.

Und seine Jungen werden in alle Winde zerstreut.

12Ein Wort schlich sich in meine Gedanken,

wie ein leises Flüstern drang es an mein Ohr.

13Es kam nachts durch einen beunruhigenden Traum,

wenn tiefer Schlaf auf die Menschen fällt.

14Furcht und Schrecken rief es in mir hervor,

ich zitterte an allen meinen Gliedern.

15Ein kalter Hauch strich mir übers Gesicht,

am ganzen Leib bekam ich eine Gänsehaut:

16Es steht jemand da –

sein Aussehen kann ich nicht beschreiben.

Doch seine Gestalt steht mir vor Augen.

Es ist ganz still, doch eine Stimme höre ich:

17Kann ein Mensch im Recht sein vor Gott?

Tritt er ohne Schuld und Makel4,17 ohne Schuld und Makel: Im Hebräischen steht dafür das Wort »rein«. vor seinen Schöpfer?

18Dabei solltest du bedenken:

Gott kann nicht einmal seinen eigenen Knechten trauen.

Auch bei seinen Engeln stellt er Fehler fest.

19Um wie viel mehr gilt das bei den Menschen!

Die wohnen doch nur in Häusern aus Lehm

und bestehen selbst aus nichts als Staub4,19 nichts als Staub: Meint die menschlichen Körper, die aus dem Erdboden geformt sind; vgl. 1. Mose/Genesis 2,7..

Man kann sie zerdrücken wie eine Motte.

20Zwischen Morgen und Abend werden sie zerdrückt.

Ohne dass man es merkt, sind sie für immer fort.

21Schon werden ihre Zelte abgebrochen4,21 ihre Zelte werden abgebrochen: Ihre Zeit auf der Erde ist abgelaufen..

Dann sterben sie, ohne dass sie es verstehen.

5

51Ruf doch, ob einer da ist, der dir antwortet!

An welchen Heiligen5,1 Heilige: Hier Engel, die vor Gott als Fürsprecher für die Menschen eintreten. willst du dich wenden?

2Wer dumm ist, den kostet es das Leben.

Und wer sich nicht beherrschen kann,

den tötet die Leidenschaft.

3Ich sah einen Dummen, der Wurzeln schlug.

Doch schon bald war etwas faul an seinem Ort.

4Seine Kinder hatten kein Glück.

Im Stadttor5,4 Tor: Torgebäude in der Stadtmauer. Der Platz davor diente als Marktplatz und Versammlungsort für Gerichtsverhandlungen. stellte man sie vor Gericht,

und niemand war da, der ihnen beistand.

5Was sie geerntet hatten, aßen Hungrige.

Die nahmen auch noch fort, was bei den Dornen lag5,5 was bei den Dornen lag: Der hebräische Text ist unklar. Vielleicht ist gemeint, dass die Hungrigen die Ernte bis auf den letzten Rest raubten..

Den übrigen Besitz schnappten sich Durstige.

6Es heißt: »Unheil kommt nicht von nichts,

und kein Leid wächst von selbst aus dem Boden.«

7Vielmehr ist es der Mensch, der Leid erzeugt,

so wie Funken, die aus dem Feuer fliegen.

8An deiner Stelle würde ich mich an Gott wenden,

ich würde dem Höchsten meinen Fall vortragen –

9ihm, der große Dinge tut, die wir nicht verstehen,

und viele Wunder, die wir nicht zählen können.

10Er lässt Regen auf die Erde fallen

und Wasser in den Ackerboden eindringen.

11Wer unten ist, den bringt er nach oben.

Wer traurig ist, den macht er wieder glücklich.

12Er durchkreuzt die Pläne der Schlauen,

damit ihnen ihr Vorhaben nicht gelingt.

13Er fängt die Weisen im Netz ihrer Klugheit.

Schon scheitert ihr tückisch ersonnener Plan.

14Am hellen Tag tappen sie im Dunkeln.

Am Mittag bewegen sie sich wie in der Nacht.

15Er rettet den Verurteilten vor dem Schwert

und den Armen aus der Gewalt des Starken.

16So können die Hilflosen wieder Hoffnung schöpfen.

Der Bosheit aber wird das Maul gestopft.

17Glücklich zu preisen ist der Mensch,

den Gott zurechtweist.

Sag nichts, wenn der Allmächtige dich ermahnt!

18Er ist es, der verletzt und verbindet,

der Wunden schlägt und sie durch seine Hände heilt.

19Aus sechs5,19 sechs / sieben: Zahlenspruch in der hebräischen Dichtung. Durch die Form sechs / sechs + eins wird eine Steigerung erzielt. Gefahren rettet er dich,

in sieben5,19 sechs / sieben: Zahlenspruch in der hebräischen Dichtung. Durch die Form sechs / sechs + eins wird eine Steigerung erzielt. Notlagen trifft dich kein Unglück.

20Leidest du Hunger, bewahrt er dich vor dem Tod.

Bist du im Krieg, schützt er dich vor dem Schwert.

21Vor der Flut von Verleumdungen bist du sicher.

Du musst auch nicht befürchten, dass Unheil droht.

22Über Bedrückung und Hunger kannst du nur lachen.

Und vor den wilden Tieren hast du keine Angst.

23Mit den Steinen des Ackers hast du eine Abmachung5,23 Abmachung: Die Steine sollen sich nicht im Acker häufen, weil der Boden sonst keinen Ertrag bringt..

Die wilden Tiere lassen dich dort in Frieden.

24So weißt du, dass dein Zelt sicher ist.

Du zählst das Vieh auf der Weide, es fehlt keins.

25So weißt du, dass deine Familie wächst.

Deine Kinder gedeihen wie Gras auf der Erde.

26Im hohen Alter wirst du zu Grabe getragen,

wie man zur Erntezeit die Garben5,26 Garben: Bei der Ernte gebündelte und zum Aufstellen zusammengebundene Getreidehalme. heimbringt.

27Ja, das haben wir erforscht: So ist es!

Wir haben’s festgestellt, du aber merk es dir!