BasisBibel (BB)
33

Die erste Rede des Elihu

331Nun aber, Hiob, hör meine Worte!

Achte auf alles, was ich dir zu sagen habe!

2Pass auf, ich mache jetzt meinen Mund auf!

Meine Zunge löst sich vom Gaumen und spricht.

3Meine Worte sind offen und ehrlich gemeint.

Die reine Wahrheit kommt über meine Lippen.

4Der Geist Gottes hat mich erschaffen,

der Atem des Allmächtigen33,4 der Allmächtige: Hebräisch Schaddaj. Titel für Gott, in dem seine überlegene Macht zum Ausdruck kommt. macht mich lebendig.

5Wenn du es kannst, so widerlege mich!

Stell dich zum Kampf, trag deine Argumente vor!

6Du weißt, vor Gott – da sind wir beide gleich.

Aus Lehm hat er auch mich geschaffen.

7Sollte ich dich erschrecken, hab keine Angst!

Sollte ich dich bedrängen, nimm es nicht schwer!

8Was du gesagt hast, weiß ich ganz genau.

Den Wortlaut deiner Rede habe ich noch im Ohr.

9Du hast behauptet33,9 du hast behauptet: Elihu bezieht sich hier auf Hiobs Reden, vgl. Vers 10 mit Hiob 13,24 und Vers 11 mit Hiob 13,27.:

»Ich habe ein reines Gewissen und nichts Unrechtes getan.

An mir haftet kein Makel, ich trage keine Schuld.

10Gott aber sucht nach Vorwürfen gegen mich,

er betrachtet mich als seinen Feind.

11Er legt meine Füße in den Block33,11 Block: Besteht aus zwei länglichen Hölzern, die um die Füße gelegt und zusammengeschlossen werden. So können sich Gefangene kaum noch bewegen..

Auf allen Wegen überwacht er meine Schritte.«

12Doch damit bist du im Unrecht, das sag ich dir.

Denn Gott ist größer als ein Mensch.

13Warum also streitest du mit ihm und erklärst,

dass er zu allen Anliegen der Menschen schweigt?

14Es ist doch vielmehr so: Gott redet einmal

und dann noch einmal, aber niemand achtet darauf.

15Es geschieht in Träumen, in nächtlichen Visionen,

wenn die Menschen in tiefen Schlaf fallen.

Kaum schlummern sie sanft in ihren Betten,

16dann öffnet Gott ihnen das Ohr.

Dann schreckt er sie auf durch eine Warnung.

17Er will den Menschen von seinem Tun abbringen

und ihn zwingen, seinen Hochmut abzulegen.

18Er will ihn vor dem Grab bewahren,

damit er nicht in sein Verderben läuft.

19Auch das soll dem Menschen eine Warnung sein:

Wenn Gott ihn durch eine Krankheit ans Bett fesselt,

dann spürt er Schmerzen in allen seinen Gliedern.

20Er mag nichts essen, so elend ist sein Leben.

Sogar seine Lieblingsspeise weist er zurück.

21Er fällt vom Fleisch, sieht immer schlechter aus.

Die Knochen treten hervor, man kann’s kaum glauben.

22So nähert er sich Schritt für Schritt dem Grab,

den Ort der Toten hat er schon fast erreicht.

23Vielleicht kommt dann ein Engel ihm zu Hilfe,

einer aus den Heerscharen33,23 Heerscharen: Wörtlich »Tausend«. Meint die vielen Engel, die zur himmlischen Ratsversammlung gehören., der für ihn spricht.

Es gibt ja solche Engel, die dem Menschen verkünden,

was für ihn gut und richtig ist.

24Vielleicht hat er Erbarmen mit ihm und spricht:

»Ach Gott, lass nicht zu, dass er ins Grab muss.

Hier ist das Lösegeld33,24 Lösegeld: Unter bestimmten Umständen konnte man jemanden von einem Todesurteil freikaufen, vgl. 2. Mose/Exodus 21,30. für ihn!«

25Dann wird er gesund, kommt wieder zu Kräften,

als sei er in die Tage seiner Jugend zurückgekehrt.

26Dann betet er zu Gott,

und der ist ihm wieder wohlgesonnen.

Im Tempel darf er sein Angesicht schauen33,26 Angesicht schauen: Bei einem Besuch im Tempel die Gegenwart Gottes erfahren. Mehr ….

Was für ein Freudenfest!

So sorgt Gott sich um den Menschen

und lässt ihm Gerechtigkeit widerfahren.

27Dann singt er vor der Gemeinde und bekennt:

»Ich habe gesündigt und mich falsch verhalten.

Doch Gott hat es mir nicht vergolten.

28Vielmehr hat er mein Leben freigekauft,

sodass ich nicht hinabmusste ins Totenreich.

Ich darf im Licht der Sonne leben.«

29Schau, das alles tut Gott!

Er tut es zweimal, dreimal für den Menschen.

30Er will sein Leben vor dem Grab retten,

damit die Sonne des Lebens für ihn scheint.

31Du, Hiob, hör mir aufmerksam zu!

Sei still und lass mich weiter zu dir reden!

32Hast du etwas zu sagen, dann antworte mir!

Sprich’s aus, ich will dir gern recht geben!

33Hast du aber nichts vorzubringen, dann hör mir zu!

Sei still und lass mich dir erklären,

was Weisheit ist.

34

Die zweite Rede des Elihu

341Elihu ergriff wieder das Wort und sagte:

2Hört, ihr klugen Leute, meine Worte!

Ihr habt doch Verstand, dann passt jetzt auf!

3Das Ohr prüft, ob die Worte stimmen,

so wie der Gaumen, ob das Essen schmeckt.

4Lasst uns den Fall gemeinsam untersuchen!

Wir ermitteln schon, was gut und richtig ist.

5Hiob hat gesagt34,5 Hiob hat gesagt: Elihu bezieht sich hier auf Hiobs Reden, vgl. Vers 5 mit Hiob 13,18 und 27,2.: »Ich bin im Recht!

Doch Gott hat mir das Recht entzogen.

6Er hat mich um mein Recht betrogen.

Ich bin tief verletzt, ganz ohne Schuld.«

7Gibt es denn einen Mann,

der noch schlimmer daherredet als dieser Hiob?

Ans Spotten hat er sich so sehr gewöhnt,

als ob er Wasser trinkt.

8Er sucht die Gemeinschaft mit Verbrechern

und verkehrt mit gottlosen Menschen.

9Er hat sogar gesagt34,9 er hat sogar gesagt: Es folgen Gedanken, mit denen Hiob die Frevler zu Wort kommen ließ; vgl. Hiob 21,14-15. Elihu legt sie jetzt Hiob selbst in den Mund.: »Es nützt dem Menschen nichts,

ein Leben im Einklang mit Gott zu führen.«

10Darum hört auf mich, ihr habt doch Verstand!

Es ist ausgeschlossen, dass Gott etwas Unrechtes tut,

dass der Allmächtige34,10 der Allmächtige: Hebräisch Schaddaj. Titel für Gott, in dem seine überlegene Macht zum Ausdruck kommt. schlecht handelt!

11Vielmehr bekommt der Mensch von Gott, was er verdient.

Wie er sein Leben führt, wird’s ihm vergolten.

12Denn es steht fest: Gott tut nichts Unrechtes.

Der Allmächtige verdreht nicht das Recht.

13Wer34,13 wer: Die Antwort lautet: »Niemand!« Denn Gott sorgt ganz allein für die Welt und bewahrt sie. hat ihm denn die Erde anvertraut,

die Macht über den ganzen Erdkreis verliehen?

14Was passiert denn, wenn Gott vorhätte,

seinen Geist und Lebensatem34,14 Lebensatem: Gott haucht dem Menschen Atem ein und macht ihn dadurch lebendig, vgl. 1. Mose/Genesis 2,7. Mehr … zurückzuziehen?

15Dann würde die ganze Welt auf einmal sterben,

und der Mensch müsste zum Staub zurückkehren.

16Wenn das richtig ist, dann hör auch dies!

Spitz die Ohren und pass auf, was ich jetzt sage!

17Ist es überhaupt möglich,

dass einer regiert, der das Recht hasst?

Und wenn einer in jeder Beziehung gerecht regiert34,17 gerecht regieren: Elihu meint Gott, der die Geschicke der Welt gerecht und entschieden lenkt.,

wie kannst du ihm vorwerfen, ein Frevler34,17 Frevler: Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. Mehr … zu sein?

18Nur Gott kann zum König sagen: »Du Nichtsnutz!«,

und zu den Fürsten: »Ihr Frevler!«

19Er ergreift nicht Partei für Höhergestellte,

er bevorzugt nicht die Reichen vor den Armen.

Denn sie alle sind das Werk seiner Hände34,19 das Werk seiner Hände: Gott hat den Reichen wie den Armen erschaffen..

20Sie sterben plötzlich und mitten in der Nacht,

sie sterben im Dunkeln34,20 sie sterben im Dunkeln: Der hebräische Text ist unsicher. Andere übersetzen: »ein Volk wird in Aufruhr versetzt«. und verlassen die Welt.

So werden die Gewalttäter von der Erde entfernt,

ohne menschliches Zutun.

21Denn Gottes Augen wachen über die Wege der Menschen.

Er achtet genau auf alle ihre Schritte.

22Es gibt keine Dunkelheit und keine Finsternis,

in der Übeltäter sich verbergen könnten.

23Ja, er lässt den Menschen nicht wissen,

wann er vor Gott zum Gericht erscheinen muss.

24Die Gewalttäter zerschmettert er ohne Verhör

und setzt andere an ihre Stelle.

25Ja, er weiß genau, was die treiben.

Stürzt er sie über Nacht, ist es um sie geschehen.

26An dem Platz, wo die Frevler zusammenkommen,

vollstreckt er sein Urteil in aller Öffentlichkeit.

27Denn sie haben sich von ihm abgewendet.

Von Gottes Wegen wollten sie nichts wissen.

28So sorgen sie selbst dafür,

dass das Geschrei der Armen bis zu ihm dringt.

Er hört den Hilferuf der Unterdrückten.

29Wenn Gott aber nichts unternimmt,

wer will ihn dafür verdammen?

Und wenn er sein Angesicht verbirgt,

wer könnte sein Urteil erahnen?

Dennoch wacht er über Völker und Menschen,

30damit kein nutzloser Mensch als König herrscht

und das Volk ins Unglück stürzt.

31Hat er34,31 er: Hiob wird hier nicht namentlich genannt. Aber wahrscheinlich meint Elihu, dass Hiob in dieser Weise seine Schuld hätte bekennen müssen. denn jemals zu Gott gesagt:

»Ich habe mich geirrt, ich tu’s nicht wieder!

32Wenn ich etwas falsch gemacht habe,

dann sollst du mich belehren.

Und wenn ich etwas Unrechtes getan habe,

will ich’s nicht nochmals tun.

33Wer außer dir kann einem Menschen Frieden schenken,

den du verworfen hast?

Du allein entscheidest doch darüber, nicht ich.

So rede mit mir und sage, was du weißt!«

34Kluge Leute ziehen daraus ihre Schlüsse.

Und ein Weiser, der mir zugehört hat,

bestätigt, was sie sagen:

35»Hiob redet ohne jeden Verstand.

Seine Worte haben weder Hand noch Fuß.

36Man darf ihm das nicht länger durchgehen lassen.

Denn Hiob antwortet, wie gottlose Menschen es tun,

37ja schlimmer: Er lästert auch noch Gott.

In unserer Gegenwart klatscht er frech in die Hände

und macht weiter mit seinen Reden gegen Gott!«

35

Die dritte Rede des Elihu

351Elihu ergriff noch einmal das Wort und sagte:

2Hast du denn gedacht, du hättest recht,

als du gesagt hast:

»Dies ist meine Gerechtigkeit vor Gott!«

3Denn du fragst dich ja: »Was habe ich davon?

Was nützt es schon, ohne Sünde zu leben?«

4Auf diese Frage will ich dir Antwort geben

und zugleich auch deinen Freunden.

5Schau doch zum Himmel hinauf und sieh!

Betrachte die Wolken, die hoch über dir sind!

6Wenn du eine Sünde35,6 Sünden: Konkrete Verfehlungen, die von Gott trennen und das Gewissen belasten können. Mehr … begehst,

kannst du denn Gott damit etwas anhaben?

Und wenn du viele weitere Verbrechen begehst,

kannst du ihm damit wirklich Schaden zufügen?

7Oder umgekehrt: Wenn du gerecht handelst,

kannst du ihm damit etwas Gutes tun?

Was könnte Gott wohl aus deiner Hand empfangen?

8Es ist doch vielmehr so:

Dein Unrechttun schadet nur deinen Mitmenschen.

Handelst du aber gerecht, hilft es ihnen.

9Wächst nun die Zahl der Unterdrücker,

gibt es ein großes Geschrei.

Gehen die Machthaber mit Gewalt vor,

ruft man verzweifelt um Hilfe.

10Doch es gibt keinen, der fragt:

»Wo ist Gott, der mich geschaffen hat,

der mir Kraft35,10 Kraft: Das hebräische Wort kann auch »Lobgesang« bedeuten. Deshalb übersetzen manche mit: »der Loblieder schenkt bei Nacht.« gibt in der Nacht?

11Er hat uns mehr gelehrt als die Tiere auf der Erde,

uns klüger gemacht als die Vögel am Himmels.«

12Stattdessen schreien sie, doch er antwortet nicht.

Denn er kennt den Hochmut böser Leute.

13Haltloses Gerede ist das, Gott hört es nicht.

Der Allmächtige35,13 der Allmächtige: Hebräisch Schaddaj. Titel für Gott, in dem seine überlegene Macht zum Ausdruck kommt. beachtet es nicht weiter.

14Es ändert nichts daran, wenn du sagst,

dass du sein Urteil nicht erahnen kannst.

Er hat’s beschlossen und du musst darauf warten.

15Wozu willst du jetzt noch immer behaupten:

Gottes Zorn35,15 Zorn Gottes: Sein Wille, Gericht zu halten. Mehr … verfolgt die Täter nicht,

und um Verbrechen kümmert er sich nicht?

16So sinnlos reißt Hiob seinen Mund auf.

Er macht viele Worte, ganz ohne Verstand.