BasisBibel (BB)
21

Das dritte Gespräch mit den Freunden

Hiob 21,1–28,28

Hiob beklagt Gottes Ungerechtigkeit

211Da antwortete Hiob und sagte:

2So hört doch endlich auf meine Worte!

Nur so könnt ihr mich wirklich trösten.

3Lasst mich reden, das müsst ihr schon ertragen!

Wenn ich fertig bin, könnt ihr ja weiterspotten.

4Richte ich denn meine Klage an Menschen?

Was glaubt ihr, warum ich so ungeduldig bin?

5Schaut auf mich, auch wenn es euch erschreckt,

und legt den Finger auf euren Mund21,5 Finger auf euren Mund: Geste, die zum Schweigen verpflichtet. Die Freunde sollen Hiob jetzt anhören.!

6Woran ich denke, ist so entsetzlich,

dass ich am ganzen Körper zittere:

7Warum bleiben die Frevler21,7 Frevler: Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. Mehr … am Leben?

Warum werden sie alt und nehmen an Kraft noch zu?

8Sie haben Kinder, ihre Familie hat Bestand.

Ihre Enkel wachsen vor ihren Augen auf.

9In ihren Häusern herrscht Wohlstand,

sie bleiben vom Unglück verschont21,9 vom Unglück verschont bleiben: Im Gegensatz dazu hat Hiob alle seine Kinder durch eine Naturkatastrophe verloren, vgl. Hiob 1,18-19..

Gottes Strafe, die trifft sie nicht.

10Ihre Stiere bespringen in ihrer Herde

die Kühe nicht vergebens.

Ihre Kühe bringen Kälber zur Welt21,10 bringen Kälber zur Welt: Im Gegensatz dazu hat Hiob seinen ganzen Viehbestand durch Raub und Feuer verloren, vgl. Hiob 1,14-17.

und haben keine Fehlgeburt.

11Ihre Kinder lassen sie auf der Weide springen.

Wie Lämmer hüpfen ihre Kleinen fröhlich umher.

12Sie singen zur Musik von Trommel und Leier21,12 Leier: Musikinstrument mit bis zu 10 Saiten, die gezupft wurden. Mehr …

und freuen sich über den Klang der Flöten.

13Ihr ganzes Leben schwelgen die Frevler im Glück.

Am Ende sterben sie21,13 sterben sie: Wörtlich »steigen sie in die Unterwelt hinab«. in Ruhe und Frieden.

14Sie sagen zu Gott: »Lass uns in Ruhe!

Wir haben keine Lust, deinen Wegen zu folgen.

15Warum sollten wir dem Allmächtigen21,15 der Allmächtige: Hebräisch Schaddaj. Titel für Gott, in dem seine überlegene Macht zum Ausdruck kommt. dienen?

Was nützt es uns denn, wenn wir zu ihm beten?«

16So denken die Frevler und meinen,

sie hätten ihr Glück selbst in der Hand.

Doch dieses Denken liegt mir fern!

17Wie oft kommt es eigentlich vor,

dass die Lampe21,17 Lampe: Sinnbild für das Leben und Lebensglück. der Frevler verlöscht?

Wie oft bricht das Verderben über sie herein:

dass Gott sie straft in seinem Zorn21,17 Zorn Gottes: Sein Wille, Gericht zu halten. Mehr ….

18Dann wären sie wie Stroh im Wind,

wie Spreu21,18 Spreu: Hülsen und Strohreste von Getreide. Nach dem Dreschen wird das Getreide in die Luft geworfen. Die leichte Spreu wird vom Wind davongetragen, die Körner dagegen fallen wieder auf den Boden. Mehr …, die der Sturm davonträgt.

Aber wie oft kommt das schon vor?

19Es heißt: »Gott spart das Unheil auf

und straft damit des Frevlers Kinder.«

Besser wäre, er würde ihn selbst bestrafen.

Dann begreift er nämlich sein böses Tun!

20Mit eigenen Augen soll er sein Unglück sehen,

den Zorn des Allmächtigen spüren am eigenen Leib21,20 am eigenen Leib: Wörtlich »den Zorn des Allmächtigen trinken«. Dahinter steht die Vorstellung, dass Gott dem Frevler einen Becher voll Zorn reicht, den dieser austrinken muss; vgl. Psalm 75,9..

21Denn was kümmert’s ihn nach seinem Tod,

wie es mit seinen Kindern weitergehen wird?

Da ist sein Leben doch schon zu Ende.

22Muss man denn Gott darüber noch belehren?

Sogar die Engel zieht er zur Verantwortung21,22 zur Verantwortung: Gott hält sogar im Himmel Gericht. Also müsste er doch wissen, dass eine Strafe den Übeltäter persönlich treffen muss..

23Der eine stirbt im Vollbesitz seiner Kräfte.

Ohne Sorgen schläft er ganz friedlich ein.

24Sein Körper ist wohlgenährt,

seine Knochen sind noch stark.

25Der andere stirbt elend und verbittert.

Kein Glück war ihm in seinem Leben vergönnt.

26Doch nun liegen sie beide in der Erde.

Würmer bedecken ihre letzte Ruhestätte.

27Mir ist schon klar, was ihr jetzt denkt.

Ihr drängt darauf, mich zu widerlegen.

28Ihr fragt: »Wo ist denn nun das Haus des Reichen,

wo ist das Zelt, in dem der Frevler wohnt?«

29Habt ihr denn nie die Reisenden21,29 die Reisenden: Im Altertum vor allem Handelsreisende, die weit herumgekommen sind und viele Erfahrungen gesammelt haben. befragt?

Die haben in der Welt so viel erfahren.

Das könnt ihr doch nicht einfach übergehen:

30Oft wird der Böse vom Unglück verschont,

unbeschadet übersteht er Gottes Zorn.

31Wie sehr hat er doch anderen geschadet!

Wer sagt ihm das offen ins Gesicht?

Wer zahlt ihm heim, was er verbrochen hat?

32Stattdessen bekommt er ein ehrenvolles Begräbnis,

an seinem Grab hält man die Totenwache.

33Sanft erscheint ihm die Erde, die ihn bedeckt.

Viele Menschen sind gekommen, die um ihn trauern.

34Und ihr wollt mich trösten, mit nichts und wieder nichts?

Was ihr mir antwortet, ist alles Schwindel!

22

Die dritte Rede des Elifas

221Da antwortete Elifas aus Teman und sagte:

2Wie kann ein Mensch für Gott von Nutzen sein?

Wer vernünftig handelt, nützt nur sich selbst.

3Was hilft’s dem Allmächtigen22,3 der Allmächtige: Hebräisch Schaddaj. Titel für Gott, in dem seine überlegene Macht zum Ausdruck kommt., wenn du recht tust?

Was hat er denn davon, wenn du vorbildlich lebst?

4Straft er dich, weil du Ehrfurcht22,4 Ehrfurcht: Eine Haltung größter Hochachtung gegenüber Gott, die sowohl Bewunderung als auch Erschrecken zum Ausdruck bringt. Mehr … vor ihm hast?

Meinst du, dass er darum mit dir ins Gericht geht?

5Nein! Es kann doch nur an deiner Bosheit liegen

und an dem vielen, das du verbrochen hast.

6Du hast von deinen Brüdern ein Pfand verlangt,

obwohl du das nicht nötig hattest.

Und wer als Pfand nur seine Kleidung hatte,

den hast du nackt zurückgelassen22,6 nackt zurückgelassen: Diese Herzlosigkeit verstößt gegen Gottes Gebot, vgl. 2. Mose/Exodus 22,25-26..

7Du hast dem Durstigen kein Wasser gegeben

und dem Hungernden ein Stück Brot verweigert.

8Du hast dich an den Wahlspruch gehalten:

»Wer Gewalt ausübt, dem gehört das Land!

Wer sich ihm unterwirft, darf darin wohnen!«

9Du hast Witwen22,9 Witwe: Frau, deren Mann verstorben ist und die dadurch rechtlich, sozial und wirtschaftlich in eine schwierige Lage geriet. Von der Gemeinschaft wird gefordert, dass sie Witwen versorgt und niemand ihre schwache Stellung ausnutzt. Mehr … mit leeren Händen fortgeschickt

und den Waisen22,9 Waise: Kind, dessen Eltern gestorben sind und dessen Versorgung dadurch nicht mehr sicher ist. ihre Lebensgrundlage entzogen.

10Deshalb sitzt du jetzt in der Falle

und erschrickst plötzlich über deine Lage.

11Das Licht hat sich in Dunkelheit verwandelt,

sodass du nichts mehr sehen kannst.

Das Wasser steht dir bis zum Hals.

12Ja, Gott thront ganz oben im Himmel!

Sieh doch, wie hoch die höchsten Sterne stehn!

13Du aber dachtest: »Was weiß denn Gott?

Sitzt er über den Wolken und will Gericht halten?

14Durch das Wolkendunkel sieht er doch nichts,

nur im Umkreis des Himmels geht er spazieren.«

15Willst du den ausgetretenen Pfaden folgen,

auf denen die Frevler22,15 Frevler: Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. Mehr … schon immer gingen?

16Werden sie nicht aus dem Leben gerissen,

bevor ihre Zeit gekommen ist22,16 bevor ihre Zeit gekommen ist: Gemeint ist ein früher Tod, der eintritt, bevor sich die von Gott festgesetzte Lebenszeit erfüllt hat.?

Sie dachten, ihr Haus sei auf festem Grund gebaut,

doch eine Flutwelle spülte es fort.

17Sie sagten zu Gott: »Lass uns in Ruhe!

Was kann der Allmächtige uns denn schon antun?«

18Es wird behauptet, Gott selbst sei verantwortlich,

dass sie in ihren Häusern glücklich leben.

Doch dieses Denken liegt mir fern!

19Die Gerechten werden es sehen und sich darüber freuen.

Die Unschuldigen werden über die Frevler spotten:

20»Seht her, ihr Glück war nicht von langer Dauer.

Sie wurden vernichtet, den Rest fraß das Feuer!«

21So vertrag dich wieder mit Gott und schließ Frieden!

Tust du das, wird das Glück zu dir zurückkehren.

22Kommt von ihm eine Weisung, nimm sie an!

Seine Worte sollst du in deinem Herzen bewegen.

23Wenn du zum Allmächtigen umkehrst,

richtet er dich wieder auf.

Halte Unrecht von deinem Haus fern!

24Befrei dich vom Gold, wirf’s in den Staub!

Ist’s Ofir-Gold22,24 Ofir-Gold: Goldvorkommen auf der südlichen arabischen Halbinsel, wahrscheinlich Jemen oder Oman., leg es zu den Kieseln im Bach!

25Dann wird der Allmächtige dein Gold sein.

So kostbar wird er für dich sein wie reines Silber.

26Dann freust du dich über den Allmächtigen,

blickst voller Vertrauen zu Gott auf.

27Er tut, worum du ihn gebeten hast.

Zum Dank erfüllst du deine Gelübde22,27 Gelübde erfüllen: Das geschieht durch eine freiwillige Opfergabe, zu der sich ein Mensch beim Ablegen eines Gelübdes verpflichtet hat..

28Was du dir vornimmst, wird dir gelingen,

und über allen deinen Wegen strahlt ein Licht.

29Denn es heißt: »Gott demütigt den Stolzen.

Wer aber die Augen niederschlägt, dem hilft er.«

30So rettet er den Menschen, der ohne Schuld ist.

Wenn deine Hände rein sind, spricht er dich frei.

23

Hiob setzt das Gespräch fort

231Da antwortete Hiob und sagte:

2Auch heut bleib ich beim Widerspruch,

das ist der ganze Inhalt meiner Klage.

Und seufze ich, liegt es an Gottes Hand,

die mich noch immer niederdrückt.

3Ach, wenn ich doch nur wüsste, wo ich ihn finde.

Dann ging ich hin zu seinem Richterthron.

4Ich würde meinen Rechtsfall vor ihn bringen

und ihm die Gründe nennen, die mich entlasten.

5Dann wird er mir Rede und Antwort stehen.

Ich möchte verstehen, was er mir zu sagen hat.

6Ob er mich dann mit Gewalt in die Schranken weist?

Nein! Er wird bestimmt Rücksicht auf mich nehmen.

7Dann kann ich offen und ehrlich mit ihm streiten

und dort mein Recht für immer durchsetzen.

8Doch wenn ich23,8 doch wenn ich: Hiob knüpft an seinen Wunsch in Vers 3 an. Er möchte Gott aufsuchen, um ihn persönlich zu sprechen. Doch seine Suche nach ihm ist vergeblich. nach Osten gehe, ist Gott nicht da.

Auch im Westen kann ich ihn nicht finden.

9Im Norden bekomme ich ihn nicht zu fassen,

und auch im Süden seh’ ich ihn nicht.

10Er aber kennt den Weg, auf dem ich bin.

Wenn er mich prüft, so bin ich rein wie Gold.

11Denn ich lenkte meine Schritte in seine Richtung.

Ich blieb auf seinem Weg und bog nicht davon ab.

12Seine Gebote las ich ihm von den Lippen ab.

Und alle seine Worte bewahrte ich im Herzen.

13Hat er etwas beschlossen, kann’s keiner verhindern.

Hat er sich dafür entschieden, führt er es aus.

14Auch mit mir tut er, was er sich vorgenommen.

Und vieles mehr hat er noch im Sinn.

15Darum erschrecke ich vor seinem Angesicht.

Wenn ich nur daran denke, macht es mir Angst.

16Gott hat mir alle Zuversicht genommen,

der Allmächtige hat mich in Schrecken versetzt.

17Doch die Finsternis reicht nicht aus,

um mich zum Schweigen zu bringen.

Auch wenn vor mir alles im Dunkeln liegt,

hält mich das nicht zurück.