BasisBibel (BB)
15

Die zweite Rede des Elifas

151Da antwortete Elifas aus Teman15,1 Teman: Wahrscheinlich ist die Oase Tema in Nordwestarabien gemeint, vgl. Hiob 6,19. und sagte:

2Antwortet ein Weiser mit flüchtigem Wissen?

Bläht er sich auf mit nichts als leerer Luft?

3Argumentiert er mit Worten, die nichts bringen?

Oder schwingt er Reden, die völlig nutzlos sind?

4Ja, dir fehlt die Ehrfurcht15,4 Ehrfurcht: Eine Haltung größter Hochachtung gegenüber Gott, die sowohl Bewunderung als auch Erschrecken zum Ausdruck bringt. Mehr … vor Gott!

Du könntest dein Anliegen vor Gott bringen.

Doch dafür nimmst du dir keine Zeit.

5Deine Schuld treibt dich dazu, so zu reden.

Doch mit schlauen Worten deckst du sie nicht zu.

6Dein eigener Mund verurteilt dich, nicht ich!

Was über deine Lippen kommt, spricht gegen dich.

7Bist du etwa als erster Mensch geboren worden?

Kamst du zur Welt, bevor die Berge entstanden sind?

8Hast du in der Ratsversammlung Gottes gelauscht

und dort etwas von seiner Weisheit aufgeschnappt?

9Was weißt du, was wir nicht schon wissen?

Was verstehst du, was wir nicht erklären können?

10Auch bei uns gibt es alte und erfahrene Leute.

Die haben sogar länger als dein Vater gelebt.

11Reicht es dir nicht, wenn Gott dich tröstet,

wenn er im Guten mit dir spricht?

12Warum lässt du dich so gehen?

Warum funkeln deine Augen wütend?

13Gegen Gott richtest du deinen Zorn.

Mit Vorwürfen überschüttest du ihn.

14Gibt es denn einen Menschen ohne Schuld und Makel15,14 ohne Schuld und Makel: Im Hebräischen steht dafür das Wort »rein«.?

Kann denn einer, der von einer Frau geboren ist,

gegenüber Gott im Recht sein?

15Nicht einmal seinen Heiligen kann er trauen.

Selbst die himmlischen Wesen15,15 himmlische Wesen: Engel, die Gott dienen und zu seiner himmlischen Ratsversammlung gehören. sind nicht vollkommen.

16Um wie viel mehr gilt das von den Menschen,

diesen scheußlichen und verdorbenen Wesen!

Sie tun Unrecht, wie sie Wasser trinken.

17Nun hör mir zu, ich will’s dir erklären!

Was ich aus Erfahrung weiß, will ich dir erzählen.

18Es ist das, was schon die Weisen berichten,

was ihnen von ihren Vätern überliefert worden ist.

19Diese Weisheit stammt aus alten Zeiten,

da gab es noch keine fremden Einflüsse im Land:

20Tag für Tag windet sich der Frevler15,20 Frevler: Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. Mehr … vor Angst.

Sein ganzes Leben hindurch quält ihn der Gedanke,

dass ihn ein gewaltsamer Tod ereilt.

21Ständig dringen Schreckensmeldungen an sein Ohr.

Wähnt er sich sicher, wird er überfallen.

22Er glaubt nicht, dass er der Finsternis entkommt.

Auf ihn wartet der Tod durch das Schwert.

23Er irrt durch die Gegend und sucht nach Brot.

Da weiß er schon, dass ihm ein schwarzer Tag droht.

24Immer enger zieht sich der Kreis um ihn.

Schreckliche Ahnungen überfallen ihn wie einen König,

der sich rüstet für den letzten Kampf.

25Ja, gegen Gott hat er seine Hand erhoben,

hat dem Allmächtigen den Krieg erklärt.

26Mit steifem Nacken rannte er gegen ihn an,

hielt vor sich einen dicken Schild15,26 Schild: Ein mit Leder bespannter Rundschild. Der Frevler meint, er hätte damit einen Schutzschild gegen Gott in der Hand..

27Sein Gesicht strahlte Zuversicht aus,

sein Körper strotzte vor Kraft.

28Er hauste in zerstörten Städten,

in Häusern, die man verlassen hat.

Trümmerhaufen sollten sie bleiben.

29Wenn der Frevler15,29 Frevler: Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. Mehr … auch meint, reich zu sein,

so hat sein Besitz doch keinen Bestand.

Er kann an seinem Ort keine Wurzeln schlagen.

30Er kann der Finsternis nicht entkommen,

das Gericht trifft ihn wie einen grünen Baum:

Seine Zweige verdorren unter der glühenden Hitze,

und seine Blüten treiben im Wind davon15,30 seine Blüten treiben im Wind davon: Wenn die Blüten abfallen, kann sich keine Frucht entwickeln. Das bedeutet: Gott verhindert, dass das Unheil des Frevlers Wirkung entfaltet..

31Niemand soll sich auf Trugbilder verlassen!

Sie führen nur in die Irre.

Dieser Wahn bringt nichts ein.

32Bevor der Frevler Frucht bringt, welkt er dahin.

Sein Zweig wird nicht mehr grün.

33Man kann ihn mit einem Weinstock vergleichen,

der seine Trauben vor dem Reifen fallen lässt.

Oder man kann an einen Olivenbaum denken,

der seine Blüten vor dem Befruchten abwirft.

34Eine solche gottlose Schar bringt keine Frucht.

Und sind sie durch Bestechung15,34 Bestechung: Die Annahme von Bestechungsgeld dient hier als Beispiel für alle Arten von Unrecht, das die Frevler begehen. reich geworden,

vernichtet Feuer ihr Hab und Gut.

35Mit Unheil gehen sie schwanger

und bringen nichts als Verderben zur Welt.

Lug und Trug stecken bereits im Mutterleib.

16

Hiob setzt das Gespräch fort

161Da antwortete Hiob und sagte:

2Solche Reden hab ich schon genug gehört.

Auf euren ganzen Trost kann ich verzichten.

3Nehmen diese haltlosen Worte jetzt ein Ende?

Oder was ist es, das dich zum Widerspruch reizt?

4So wie ihr könnte ich auch reden,

wenn es euch so schlecht ginge wie mir.

Ich könnte euch mit salbungsvollen Worten trösten

und selbstgerecht den Kopf über euch schütteln.

5Mein Mund könnte euch ein bisschen Mut machen

und meine Lippen euch Beileid bekunden.

6Doch wenn ich rede, rede ich nicht so.

Denn meinen Schmerz kann ich nicht unterdrücken.

Auch wenn ich schweige, ist er immer noch da.

7So weit ist es gekommen, Gott hat mich zermürbt.

Sogar meine Freunde hat er von mir entfernt.

8Er hat mich gepackt und Anklage erhoben.

Mein körperlicher Verfall sprach gegen mich.

Das reichte aus, um mich schuldig zu sprechen.

9Sein Zorn hat mich wie ein Raubtier angefallen.

Vor Wut hat er mit den Zähnen geknirscht.

Meine Feinde ließen mich nicht aus den Augen.

10Sie rissen ihr Maul auf, um mich zu verspotten.

Voller Hohn schlugen sie mir ins Gesicht.

Sie alle haben sich gegen mich verschworen.

11Gott hat mich diesen Schurken ausgeliefert.

Er stieß mich den Frevlern16,11 Frevler: Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. Mehr … in die Hände.

12Früher lebte ich sorglos.

Dann hat er mich durchgeschüttelt,

mich am Genick gepackt und niedergedrückt.

Er hat mich zu seiner Zielscheibe gemacht.

13Seine Pfeile flogen nur so um mich her.

Erbarmungslos zerschoss er mir Galle und Nieren,

sodass mein Gallensaft zur Erde floss.

14Wunde um Wunde16,14 Wunde um Wunde: So wie man Lücken in eine Verteidigungsmauer schlägt, um anschließend die Festung im Sturm einzunehmen. hat er mir zugefügt,

wie ein Kriegsheld stürmte er gegen mich an.

15Das Trauergewand16,15 Trauergewand: Kleidungsstück aus rauem Leinen, das zum Zeichen von Trauer oder Buße auf bloßer Haut getragen wurde. Es wird auch »Sack« genannt., das ich genäht hatte,

trug ich wie meine zweite Haut.

Ich beugte meinen Kopf hinab bis in den Staub.

16Mein Gesicht war gerötet vom vielen Weinen

und vor den Augen wurde mir ganz schwarz.

17So ist es mir ergangen,

obwohl ich nichts Unrechtes getan habe.

Auch mein Gebet ist aufrichtig gewesen.

18O Erde! Decke mein Blut nicht zu!

Meine Unschuld schreit doch zum Himmel.

19Schon jetzt, das müsst ihr wissen,

habe ich einen Zeugen im Himmel.

Dort oben habe ich einen, der für mich bürgt.

20Er ist mein Fürsprecher, mein Freund.

Unter Tränen schau ich hinauf zu Gott.

21Er wird den Streit schlichten,

den ein Mann gegen Gott führt.

Er wird auch zwischen den Menschen vermitteln.

22Denn es bleibt nicht mehr viel Zeit,

bis ich davongehe16,22 davongehen: Hiob spricht von seinem Tod. Der Weg in die Unterwelt ist ein »Weg ohne Wiederkehr«. und nicht mehr wiederkomme.

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171Meine Lebenskraft ist am Ende, meine Zeit fast um.

Der Friedhof wartet schon auf mich.

2Trotzdem hören die Spötteleien nicht auf.

Mich erschöpft dieses kränkende Gerede.

3Stell du eine Kaution17,3 Kaution: Gott soll für Hiob bürgen, so wie einer vor Gericht eine Geldsumme hinterlegt, um dadurch die Freilassung des Angeklagten zu erwirken., damit ich freikomme!

Wer sonst würde durch Handschlag für mich bürgen?

4Denn du hast ihnen das Urteilsvermögen genommen.

Deshalb legt keiner seine Hand für mich ins Feuer.

5Man sagt: »Vor Freunden prahlt er mit seinem Erbe,

aber die eigenen Kinder hält er kurz.«

6So verhält sich doch auch Gott17,6 Gott: Hiob fühlt sich von Gott vernachlässigt, so wie die Kinder des Hausherrn im Sprichwort in Hiob 17,5..

Er machte mich zum Gespött der Leute.

Sogar ins Gesicht darf man mir spucken.

7Vor Kummer starren meine Augen ins Leere.

Ich bin nur noch ein Schatten meiner selbst.

8Darüber erschrecken aufrichtige Menschen.

Unschuldige sind empört über die Gottlosigkeit.

9Doch wer ein gerechtes Leben führt, bleibt dabei.

Und wer nichts Unrechtes tut, wird darin bestärkt.

10Ihr alle aber, geht doch nach Hause

und kommt ein anderes Mal wieder!

Denn unter euch findet sich niemand mit Verstand.

11Meine Tage sind abgelaufen, meine Pläne dahin.

Meine Herzenswünsche wurden nicht erfüllt.

12Die Freunde wollen mich glauben machen,

dass sich die Nacht in Tag verwandelt.

Das Licht scheine schon in die Finsternis.

13Ich kann’s nicht glauben!

Die Unterwelt ist vielmehr mein Zuhause.

Dort im Dunkeln bette ich mich bei den Toten.

14Zur Grube17,14 Grube: Anderes Wort für das Totenreich, den Aufenthaltsort der Verstorbenen. sage ich: »Du bist mein Vater!«

Die Würmer nenne ich meine Mutter und Schwester.

15Was soll denn das für eine Hoffnung sein?

Wo schimmert da auch nur ein Fünkchen Hoffnung?

16Ja, die Hoffnung stirbt mit mir im Grab.

Und liegen wir im Staub, ist endlich Ruhe.