BasisBibel (BB)
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Gottes Treue und Israels Untreue

Jeremia 2,1–4,4

Niemand in Israel fragt mehr nach Gott

21Das Wort des Herrn kam zu mir:2»Geh! Verkünde es allen Leuten in Jerusalem2,2 Jerusalem: Hauptstadt und Regierungssitz der Könige aus dem Haus David in Juda. 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört. Mehr …und sag zu ihnen: ›So spricht der Herr:Ich denke daran, wie du in deiner Jugend warst!Da warst du mir treu und hattest mich liebwie eine Braut ihren Bräutigam.Du bist mir in der Wüste gefolgt2,2 in der Wüste gefolgt: Gott hat Israel aus der Sklaverei in Ägypten durch die Wüste in das von ihm verheißene Land geführt. Erzählt wird davon in den Büchern 2. Mose/Exodus bis Josua.,in einem Land, wo man weder sät noch erntet.3Damals war Israel heilig2,3 heilig: Menschen oder Dinge, die zu Gott gehören und mit ihm in Verbindung stehen. Mehr … für den Herrn,so kostbar wie die ersten Früchte bei der Ernte.Alle, die danach griffen, machten sich schuldig.Unheil kam über sie.‹– So lautet der Ausspruch des Herrn2,3 Ausspruch des HERRN: Formelhafter Ausdruck, der vor allem in den Prophetenbüchern ein Gotteswort kennzeichnet.

4Hört also das Wort des Herrn,ihr vom Haus Jakob2,4 Haus Jakob: Bezeichnung für das Volk Israel. Der Stammvater Jakob wird in 1. Mose/Genesis 32,29 in Israel umbenannt. und alle Leute vom Haus Israel!5So spricht der Herr:Was fanden eure Vorfahren so schlecht an mir?Warum haben sie sich von mir abgewandtund sind einem Nichts2,5 Nichts: Meint ein Götterbild, das nutzlos und wertlos ist, weil es nicht helfen kann. gefolgt?So wurden sie selbst zunichte.6Sie haben nicht gefragt: »Wo ist der Herr,der uns aus Ägypten geführt2,6 aus Ägypten geführt: 2. Mose/Exodus 1–15 erzählt, wie Gott sein Volk aus der Sklaverei in Ägypten befreit. hat?Hat er uns nicht in der Wüste den Weg gezeigt2,6 in der Wüste den Weg gezeigt: Beim Auszug aus Ägypten zeigte Gott seinem Volk den Weg durch die Wüste in einer Wolken- oder Feuersäule, vgl. 2. Mose/Exodus 13,21.in diesem Land ohne Wasser und voller Schluchten,in diesem dürren und düsteren Land2,6 düsteres Land: Wörtlich »Land der Todesschatten«. Dunkelheit ist hier Sinnbild für Tod und Gefahr.?Dort, wo niemand hindurchzieht und niemand wohnt?«7Dabei habe ich euch in das Land gebracht2,7 euch in das Land gebracht: Das Buch Josua erzählt davon, wie Gott dem Volk Israel beisteht, als es das von ihm verheißene Land erobert.,das so fruchtbar ist wie ein Garten.Seine köstlichen Früchte solltet ihr essen.Doch ihr kamt und habt mein Land unrein2,7 unrein: Das Land wurde entweiht, sodass Gott nichts mehr damit zu tun haben will. Nur was rein ist, darf in die Nähe Gottes kommen. gemacht.Mein Eigentum2,7 Eigentum: Gott hat den Israeliten sein Land als Erbbesitz gegeben. Sie dürfen das Land zwar für ihren Lebensunterhalt nutzen, der Eigentümer bleibt aber Gott. habt ihr so zugerichtet,dass ich es jetzt verabscheue.8Die Priester2,8 Priester: Bringt Opfer im Heiligtum dar und deutet den Willen Gottes. Mehr … haben nicht gefragt: »Wo ist der HerrDie mit der Weisung vertraut2,8 mit der Weisung vertraut: Wer mit der Weisung Gottes vertraut ist, legt dessen Wort für eine konkrete Situation aus. sein sollten,kannten mich nicht mehr.Die Hirten2,8 Hirten: Bild für die religiös und politisch führenden Männer des Volkes, die für Ordnung und Schutz sorgen sollten. lehnten sich gegen mich auf.Die Propheten2,8 Prophet: Verkündet, was Gott in einer bestimmten Situation zu sagen hat. Mehr … weissagten im Dienst Baals2,8 Baal: Palästinisch-syrischer Wettergott. Er galt als Herrscher über Wolken, Wind und Regen, der für die Fruchtbarkeit des Landes sorgt. Mehr …und liefen anderen Göttern2,8 Götter: Götter, die von anderen Völkern verehrt werden. Israel hat nur einen einzigen Gott. Mehr … nach, die nichts nützen.9Deshalb erhebe ich weiter Anklage gegen euch,auch die Kinder eurer Kinder klage ich an.– So lautet der Ausspruch des Herrn2,9 Ausspruch des HERRN: Formelhafter Ausdruck, der vor allem in den Prophetenbüchern ein Gotteswort kennzeichnet..

10Reist doch nach Westen zur Insel Zypern2,10 Insel Zypern: Wörtlich »Inseln der Kittäer«. Im Alten Testament werden die Bewohner Zyperns als »Kittäer« bezeichnet.und seht nach!Schickt Boten nach Osten nach Kedar2,10 Kedar: Beduinenstamm in Nordarabien.und erkundigt euch genau!Seht nach, ob so etwas schon einmal geschehen ist:11Hat jemals ein Volk seine Götter ausgetauscht?Dabei sind die nicht einmal Götter!Doch mein Volk hat seine Herrlichkeit2,11 seine Herrlichkeit: Gott meint damit sich selbst. Er ist Israels Herrlichkeit und verleiht Israel Bedeutung. ausgetauschtgegen andere Götter2,11 Götter: Götter, die von anderen Völkern verehrt werden. Israel hat nur einen einzigen Gott. Mehr …, die nichts nützen.12Entsetzt euch darüber, ihr Himmel2,12 Himmel: Im übertragenen Sinn beschreibt »Himmel« den Bereich, in dem Gott wohnt. Mehr …!Schaudert und erstarrt vor Schreck!Ausspruch des Herrn2,12 Ausspruch des HERRN: Formelhafter Ausdruck, der vor allem in den Prophetenbüchern ein Gotteswort kennzeichnet.13Denn mein Volk hat ein doppeltes Unrecht getan:Mich, die Quelle, haben sie verlassen.Dabei fließt aus mir Wasser, das Leben schenkt.Dafür haben sie sich Zisternen2,13 Zisterne: In den Boden geschlagene Kammer oder Beckenanlage zum Sammeln und Speichern von Regenwasser. Mehr … gegraben,die Risse haben und kein Wasser halten.

Israel ist an seinem Unglück selbst schuld

14Ist Israel2,14 Israel: Die Königreiche Israel und Juda verloren ihre Unabhängigkeit an die Assyrer. Das Nordreich Israel wurde 722 v. Chr. von den Assyrern erobert. Das Südreich Juda musste Abgaben an die Assyrer entrichten. etwa ein Sklave2,14 Sklaven: Sie gehörten zum Eigentum anderer Menschen, bekamen keinen Lohn für ihre Arbeit und konnten nicht frei über ihr Leben entscheiden. Mehr …?Wurde es denn schon als Sklave geboren?Warum wurde es dann zum Beutetier?15Wie junge Löwen brüllten seine Feindeund ließen ihre Stimme hören.Sie haben sein Land zur Wüste gemacht,Israels Städte sind verbrannt und menschenleer.

16Männer aus Memfis und Tachpanhes2,16 Memfis, Tachpanhes: Städte in Ägypten, in die ein Teil der Bewohner nach der Zerstörung Jerusalems 586 v. Chr. flieht.werden dir sogar noch den Kopf kahl scheren2,16 Kopf kahl scheren: Zeichen der Demütigung und Versklavung..17Hast du dir das alles nicht selbst angetan?Du hast doch den Herrn, deinen Gott, verlassen,der dich damals seinen Weg führen wollte.18Und nun? Was bringt es dir, nach Ägypten zu laufen2,18 nach Ägypten laufen: Ägypten und Assyrien bestimmten als Großmächte das politische Geschehen. Hier wird die Frage nach der Bündnispolitik des Königs gestellt.?Willst du etwa Wasser aus dem Nil2,18 Nil: Fluss in Ägypten, der durch jährliche Überschwemmungen die Fruchtbarkeit des Landes sicherte. trinken?Was bringt es dir, nach Assyrien zu laufen2,18 nach Assyrien laufen: Ägypten und Assyrien bestimmten als Großmächte das politische Geschehen. Hier wird die Frage nach der Bündnispolitik des Königs gestellt.?Willst du etwa Wasser aus dem Eufrat2,18 Eufrat: Neben dem Tigris einer der beiden Hauptflüsse in Assyrien und Babylonien, im heutigen Irak. Mehr … trinken?19Dich trifft die Strafe für deine eigene Bosheit.Du hast dich von mir abgewandt,und das fällt jetzt auf dich zurück.Sieh doch ein, wie böse und bitter es ist,den Herrn, deinen Gott, zu verlassen.Du hast keine Ehrfurcht vor mir, deinem Gott.– So lautet der Ausspruch von Gott2,19 Ausspruch des HERRN: Formelhafter Ausdruck, der vor allem in den Prophetenbüchern ein Gotteswort kennzeichnet., dem Herrn Zebaot2,19 Zebaot: Der Beiname bedeutet übersetzt »(Gott) der himmlischen Heere« und bringt die Fülle von Gottes Macht zum Ausdruck. Mehr ….

Israel hat dem Baal gedient

20Von Anfang an hast du dein Joch2,20 Joch: Holzbalken, der Tieren über den Nacken gelegt wird, um einen Wagen oder Pflug zu ziehen. Hier Bild für die Verpflichtungen Gott gegenüber. zerbrochenund deine Fesseln zerrissen.Du hast gesagt: »Dir diene ich nicht!«Anderen Göttern hast du gedient.Auf jedem hohen Hügel und unter jedem grünen Baum2,20 grüner Baum: Besonders prächtige Bäume galten als Ort der Fruchtbarkeit. Dort wurden religiöse Bräuche durchgeführt.hast du dich wie eine Hure2,20 wie eine Hure: Sinnbild für das untreue Verhalten Israels. Wie eine Hure sich verschiedenen Männern anbietet, wirft Israel sich anderen Göttern an den Hals. hingelegt.21Ich hatte dich als edlen Weinstock gepflanzt,die besten Pflanzen hatte ich genommen.Wie konntest du dich nur so verändern?Ein wilder, wuchernder Weinstock bist du.22Du kannst dich mit Lauge waschen, solange du willst.Du kannst dich mit Seife schrubben,aber es ändert nichts:Als Schmutz bleibt deine Schuld2,22 Schuld: Konkrete Verfehlungen, die von Gott trennen und das Gewissen belasten können. Mehr … sichtbar für mich.– So lautet der Ausspruch von Gott, dem Herrn2,22 Ausspruch des HERRN: Formelhafter Ausdruck, der vor allem in den Prophetenbüchern ein Gotteswort kennzeichnet..

23Wie kannst du sagen:»Ich habe mich nicht unrein2,23 unrein: Bezeichnet Menschen, Tiere und Dinge, die aus unterschiedlichen Gründen nicht dafür vorbereitet sind, in der Nähe Gottes zu sein. gemacht.Ich bin den Baalen2,23 Baal: Der palästinisch-syrische Wettergott Baal ist hier Sinnbild für alle fremden Götter, deren Verehrung in Israel verboten war. nicht nachgelaufen!«?Schau dir doch an, was du im Tal getrieben hast!Begreif doch, was du getan hast!Wie eine junge Kamelstute in der Paarungszeitrennst du hin und her.24Du bist wie eine wilde Eselin,die in der Wüste zu Hause ist.Voller Verlangen zieht sie die Luft ein.Wer kann sie in der Paarungszeit aufhalten?Wer sie haben will, muss nicht weit laufen.25Israel, renn doch nicht barfuß umher!Lass deine Kehle nicht austrocknen!Aber du sprichst: »Nein! Lass mich!Ich liebe die fremden Götter2,25 Götter: Götter, die von anderen Völkern verehrt werden. Israel hat nur einen einzigen Gott. Mehr … und will ihnen folgen.«

Israel kann Gott nicht für das Unglück verantwortlich machen

26Schande ist über die Leute von Israel2,26 Israel: Nachkommen der zwölf Söhne Jakobs. Gott hat mit Israel einen Bund geschlossen. Mehr … gekommen.Wie ein Dieb, der ertappt wird,müssen sich alle schämen:Könige, Beamte, Priester2,26 Priester: Bringt Opfer im Heiligtum dar und deutet den Willen Gottes. Mehr … und Propheten2,26 Prophet: Verkündet, was Gott in einer bestimmten Situation zu sagen hat. Mehr ….27Sie alle haben zu Figuren aus Holz gesagt:»Mein Vater, du hast mir das Leben gegeben!«Und zu den Figuren aus Stein haben sie gesagt:»Du hast mich geboren!«Denn sie haben mir den Rücken zugewandtund nicht ihr Gesicht!Doch wenn es ihnen schlecht geht, rufen sie:»Steh auf und hilf uns!«28Israel, wo sind jetzt deine Götzen2,28 Götze: Abfällige Bezeichnung für eine fremde Gottheit oder ihr Standbild.,die du dir zusammengebastelt hast?Sollen sie doch aufstehen,wenn sie dir in deiner Notzeit helfen können!Es gibt ja so viele Götzen in Juda2,28 Juda: Bezeichnung für das Königreich im Süden mit Jerusalem als Hauptstadt. Mehr … wie Städte.

29Warum klagt ihr mich an,ihr alle, die ihr mir untreu geworden seid?Ausspruch des Herrn2,29 Ausspruch des HERRN: Formelhafter Ausdruck, der vor allem in den Prophetenbüchern ein Gotteswort kennzeichnet.30Ich wollte eure Kinder erziehen. Vergeblich!Sie haben von mir keine Zurechtweisung angenommen.Ich habe euch Propheten2,30 Prophet: Verkündet, was Gott in einer bestimmten Situation zu sagen hat. Mehr … geschickt.Doch ihr habt sie mit dem Schwert getötetund wart wie hungrige Löwen.31Was für Menschen seid ihr bloß!Achtet doch auf das, was ich sage,auf das Wort des Herrn:Bin ich etwa wie eine Wüste2,31 Wüste: Hier Bild für Lebensfeindlichkeit. für Israeloder wie ein Land voller Finsternis?Warum sagt dann mein Volk:»Wir sind frei, unsere Wege zu wählen,und kommen nie wieder zu dir zurück!«?32Vergisst ein Mädchen ihren Schmuck?Oder eine Braut die Bänder ihres Hochzeitskleides?Doch mein Volk hat mich vergessen –und das schon so lange.

33Wie gut bist du doch darin, dir Liebhaber2,33 Liebhaber: Das Verhältnis zwischen Gott und Israel wird in der Bibel oft als Ehe beschrieben. Die Liebhaber sind hier ein Bild für die fremden Götter, die Israel anbetet. zu suchen!Deswegen hast du dich auch an jedes Unrecht gewöhnt.34An deinen Kleidern klebt das Blut armer Menschen,die unschuldig waren.Du hast sie nicht einmal beim Einbruch2,34 beim Einbruch: Das Töten eines Einbrechers bei Nacht galt nicht als Mord, vgl. 2. Mose/Exodus 22,1. ertappt!Das sind deine Verbrechen.35Doch du hast behauptet: »Ich bin unschuldig!Bestimmt hat sich Gottes Zorn von mir abgewandt.«Aber jetzt gehe ich mit dir ins Gericht,weil du behauptest: »Ich habe keine Sünden2,35 Sünden: Konkrete Verfehlungen, die von Gott trennen und das Gewissen belasten können. Mehr … begangen.«

Die falschen Verbündeten

36Warum hast du es so eilig,die Seiten zu wechseln?Von Ägypten2,36 Ägypten: Ägypten und Assyrien waren die beiden Großmächte, die das politische Geschehen bestimmten und in Konkurrenz zueinander standen. Hier wird die Bündnispolitik des Königs kritisiert. wirst du genauso enttäuscht werden,wie du es von Assyrien2,36 Assyrien: Ägypten und Assyrien waren die beiden Großmächte, die das politische Geschehen bestimmten und in Konkurrenz zueinander standen. Hier wird die Bündnispolitik des Königs kritisiert. wurdest.37Auch von dort wirst du zurückkommenund die Hände über dem Kopf zusammenschlagen.Denn der Herr hat diejenigen verworfen,auf die du deine Hoffnung gesetzt hast.Du wirst mit ihnen kein Glück haben.
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Israel hat sich wie eine Hure benommen

31Weiter sagte Gott: »Stell dir vor,ein Mann lässt sich von seiner Frau scheiden.Sie verlässt ihn und wird die Frau eines anderen Mannes.Können sie und der erste Mann noch einmal heiraten?Nein! Eine Wiederheirat3,1 Wiederheirat: Eine Wiederheirat ist 5. Mose/Deuteronomium 24,1-4 zufolge verboten. entweiht das Landund macht es unrein3,1 unrein: Bezeichnet Menschen, Tiere und Dinge, die aus unterschiedlichen Gründen nicht dafür vorbereitet sind, in der Nähe Gottes zu sein..Doch du hast dich wie eine Hure3,1 wie eine Hure: Sinnbild für das untreue Verhalten Israels. Wie eine Hure sich verschiedenen Männern anbietet, wirft Israel sich anderen Göttern an den Hals. mit vielen eingelassen.Und jetzt willst du, Israel, zu mir zurückkehren?Ausspruch des Herrn3,1 Ausspruch des HERRN: Formelhafter Ausdruck, der vor allem in den Prophetenbüchern ein Gotteswort kennzeichnet.2Schau hinauf zu den Hügeln und frag dich:Wo hast du es nicht schon mit anderen getrieben?An den Wegen hast du gesessen und auf sie gewartet –wie ein Araber in der Wüste auf Reisende wartet.Durch deine Hurerei und deine Bosheithast du das Land entweiht.3Deshalb blieb der Regen aus,auch der Spätregen fiel nicht.Du aber hast mir wie eine Hure frech die Stirn gebotenund dich nicht geschämt.4Du hast es sogar gewagt, zu mir zu rufen:›Du bist doch mein Vater,seit meiner Jugend haben wir uns lieb!5Du wirst doch nicht für immer zornig seinund trägst auch nichts nach.‹So hast du dich herausgeredetund weiter Böses getan, wie es dir gefiel.«

Die beiden treulosen Schwestern

6Während der Regierungszeit von König Joschija3,6 Joschija: König des Südreichs Juda (640–609 v. Chr.). Er kam als Kind auf den Thron und führte Reformen am Tempel durch, vgl. 2. Könige 22,1–23,30.sprach der Herr zu mir:»Hast du gesehen, was Israel3,6 Israel: Bezeichnung für das Königreich im Norden (926–722 v. Chr.). getan hat?Israel war wie eine untreue Ehefrau3,6 untreue Ehefrau: Das Verhältnis zwischen Gott und Israel wird in der Bibel oft als Ehe beschrieben.:Immer wieder ging sie auf alle hohen Bergeund legte sich unter alle grünen Bäume3,6 grüner Baum: Besonders prächtige Bäume galten als Ort der Fruchtbarkeit. Dort wurden religiöse Bräuche durchgeführt..Dort trieb sie es wie eine Hure3,6 wie eine Hure: Sinnbild für das untreue Verhalten Israels. Wie eine Hure sich verschiedenen Männern anbietet, wirft Israel sich anderen Göttern an den Hals..7Ich sagte mir: Wenn sie das alles getan hat,wird sie wieder zu mir zurückkehren.Aber sie kehrte nicht zurück.Auch ihre treulose Schwester3,7 Schwester: Das Nordreich Israel und das Südreich Juda werden als Schwestern bezeichnet, weil sie eine gemeinsame Vergangenheit haben. Juda3,7 Juda: Bezeichnung für das Königreich im Süden mit Jerusalem als Hauptstadt. Mehr … hat es gesehen:8Sie sah, wie ich Israel, die untreue Frau, verstoßenund ihr eine Scheidungsurkunde3,8 Scheidungsurkunde: Dokument, das ein Mann seiner Frau geben musste, wenn er sich trennen wollte. In Bezug auf das Verhältnis zwischen Gott und dem Nordreich Israel ist das Jahr 722 v. Chr. gemeint, in dem die Assyrer Israel eroberten. gegeben habe.Denn sie hatte Ehebruch begangen.Aber Juda, ihre treulose Schwester,hat sich nicht vor mir gefürchtet und nichts gelernt.Auch sie ging los und benahm sich wie eine Hure.9So wurde das Land entweiht.Sie hat die Ehe gebrochen,Kultsteine3,9 Kultstein: Hebräisch Massebe. Ein von Menschen aufgerichteter Stein mit religiöser Bedeutung. und Kultpfähle3,9 Kultpfahl: Hebräisch Aschera. Ein von Menschen aufgerichteter Holzpfahl mit religiöser Bedeutung. hat sie angebetet.10Die treulose Schwester Judaist nicht mit ganzem Herzen zu mir zurückgekehrt –es war alles nur Schein.«So lautet der Ausspruch des Herrn3,10 Ausspruch des HERRN: Formelhafter Ausdruck, der vor allem in den Prophetenbüchern ein Gotteswort kennzeichnet..

Hoffnung für Israel

11Weiter sagte der Herr zu mir:»Israel3,11 Israel: Bezeichnung für das Königreich im Norden (926–722 v. Chr.)., die untreue Frau, ist gerechter3,11 gerecht: Israel steht vor Gott besser da als Juda. Auch dort betet man zwar andere Götter an, heuchelt aber nicht noch vor Gott.als Juda3,11 Juda: Bezeichnung für das Königreich im Süden mit Jerusalem als Hauptstadt. Mehr …, die treulose Schwester3,11 Schwester: Das Nordreich Israel und das Südreich Juda werden als Schwestern bezeichnet, weil sie eine gemeinsame Vergangenheit haben..12Geh los und ruf diese Worte Richtung Norden3,12 Richtung Norden: Die Bevölkerung des Nordreichs Israel war nach Assyrien verschleppt worden. Der Weg dorthin führt zunächst Richtung Norden.:›Kehre zurück, du untreue Frau Israel! –Ausspruch des Herrn3,12 Ausspruch des HERRN: Formelhafter Ausdruck, der vor allem in den Prophetenbüchern ein Gotteswort kennzeichnet..‹Ich, dein Gott, werde dich nicht finster anblicken.Denn ich bin voller Güteund werde nicht für immer zornig bleiben.– Ausspruch des Herrn13Du musst deine Schuld nur einsehen!Denn du hast die Treue gebrochengegenüber dem Herrn, deinem Gott.Du hast deine Liebe an fremde Götter3,13 Götter: Götter, die von anderen Völkern verehrt werden. Israel hat nur einen einzigen Gott. Mehr … verschwendet,unter jedem grünen Baum3,13 grüner Baum: Besonders prächtige Bäume galten als Ort der Fruchtbarkeit. Dort wurden religiöse Bräuche durchgeführt. hast du dich hingegeben.Aber meine Stimme hast du nicht gehört.– So lautet der Ausspruch des Herrn

Hoffnung für die Rückkehrer

14»Kehrt endlich um,ihr Leute, die ihr auf dem falschen Weg seid!Ausspruch des Herrn3,14 Ausspruch des HERRN: Formelhafter Ausdruck, der vor allem in den Prophetenbüchern ein Gotteswort kennzeichnet.Denn noch immer bin ich euer Herr.Ich werde einige von euch nehmenund euch nach Zion3,14 Zion: Tempelberg von Jerusalem, aber auch Bezeichnung für die ganze Stadt. Mehr … bringen:einen aus jeder Stadt, zwei aus jeder Sippe.15Ich werde euch Hirten3,15 Hirten: Bild für die religiös und politisch führenden Männer des Volkes, die für Ordnung und Schutz sorgen sollten. geben,wie sie sich mein Herz wünscht.Mit Einsicht und Verstandwerden sie euch leiten und regieren.16Dann werdet ihr zahlreich werdenund das ganze Land bevölkern.– Ausspruch des HerrnDann wird niemand mehr fragen:›Was ist mit der Bundeslade3,16 Bundeslade: Die Lade ist sichtbares Zeichen für die Gegenwart Gottes im Tempel. Gott will den Menschen so nahe sein, dass sie dieses Zeichen nicht mehr brauchen. des Herrn?‹Keinem kommt sie noch in den Sinn,niemand erinnert sich an sie.Keiner vermisst sie und niemand stellt eine neue her.17Jerusalem3,17 Jerusalem: Hauptstadt und Regierungssitz der Könige aus dem Haus David in Juda. 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört. Mehr … wird dann ›Thron des Herrn‹ genannt werden.Alle Völker werden sich dort versammeln,weil der Name des Herrn3,17 Name Gottes: Steht für Gott selbst und seine Gegenwart, vor allem im Heiligtum. Mehr … Jerusalem erfüllt.Auch ihr Lebenswandel wird sich ändern –ihr hartes, böses Herz wird sie nicht mehr leiten.18Dann werden sich die Leute aus Juda3,18 Juda: Bezeichnung für das Königreich im Süden mit Jerusalem als Hauptstadt. Mehr …mit den Leuten aus Israel3,18 Israel: Bezeichnung für das Königreich im Norden (926–722 v. Chr.). aufmachen.Gemeinsam werden sie heimkommenund aus dem Norden wieder in ihr Land ziehen.Dieses Land habe ich euren Vorfahren gegebenals euren Erbbesitz3,18 Erbbesitz: Der Anteil der Israeliten an dem Land, das Gott ihnen gibt. Sie dürfen das Land für ihren Lebensunterhalt nutzen, der Eigentümer bleibt Gott.

Umkehr von der Untreue

19Ich, der Herr, dachte:»Wie gern würde ich dich zu einem meiner Kinder machen!Wie gern würde ich dir ein herrliches Land geben –den allerschönsten Erbbesitz3,19 Erbbesitz: Der Anteil der Israeliten an dem Land, das Gott ihnen gibt. Sie dürfen das Land für ihren Lebensunterhalt nutzen, der Eigentümer bleibt Gott., den die Völker kennen!«Auch dachte ich:»Du würdest mich ›mein lieber Vater‹ nennen.Niemals würdest du den Weg verlassen,auf dem du mir folgen kannst.«20Doch Israel ist mir gegenüber treulos gewesen!Es hat mir die Treue gebrochenwie eine Frau wegen ihres Liebhabers3,20 Liebhaber: Das Verhältnis zwischen Gott und Israel wird in der Bibel oft als Ehe beschrieben. Der Liebhaber ist hier Bild für fremde Götter, denen Israel sich anbietet..– So lautet der Ausspruch des Herrn3,20 Ausspruch des HERRN: Formelhafter Ausdruck, der vor allem in den Prophetenbüchern ein Gotteswort kennzeichnet..

21Horch, man hört eine Stimme auf den kahlen Höhen –es sind die Israeliten, die weinen und flehen.Denn sie sind vom rechten Weg abgewichenund haben den Herrn, ihren Gott, vergessen.22»Kehrt endlich um,ihr, die ihr auf dem falschen Weg seid!Ich werde eure Treulosigkeit heilen!«

»Hier sind wir! Wir kommen zu dir!Denn du bist der Herr, unser Gott!23Von den Hügeln3,23 Hügel: Orte, an denen Gottesdienste für fremde Götter gefeiert wurden. kommt doch nur Betrug,auf den Bergen wird viel Lärm um nichts gemacht.Nur beim Herrn, unserem Gott,gibt es Rettung für Israel!24Unser schändliches Treiben fällt auf uns zurück:Unser Götzendienst3,24 Götzendienst: Verehrung einer fremden Gottheit, die in Israel verboten war. verzehrt seit unserer Jugend,was unsere Vorfahren sich erarbeitet haben –ihre Schafe und Rinder, ihre Söhne und Töchter.25In unserer Schande liegen wir da,unsere Schmach bedeckt uns.Denn wir haben Sünden3,25 Sünden: Konkrete Verfehlungen, die von Gott trennen und das Gewissen belasten können. Mehr … begangen.Gegen den Herrn, unseren Gott, haben wir uns vergangen –und nicht nur wir, sondern auch unsere Vorfahren,seit unserer Jugend bis heute.Auf den Herrn, unseren Gott, haben wir nicht gehört.«
441So lautet der Ausspruch des Herrn4,1 Ausspruch des HERRN: Formelhafter Ausdruck, der vor allem in den Prophetenbüchern ein Gotteswort kennzeichnet.:»Wenn du, Israel, umkehrst,dann komm zu mir zurück!Wenn du deine abscheulichen Götzen4,1 Götze: Abfällige Bezeichnung für eine fremde Gottheit oder ihr Standbild. wegschaffst,musst du nicht länger vor mir fliehen.2Wenn du schwörst: ›Beim Leben des Herrn‹,dann lass dich von Recht und Gerechtigkeit4,2 gerecht, Gerechtigkeit: Meint ein Leben nach dem Willen Gottes. Mehr … leiten!Dann wird er4,2 er: Meint Abraham, dem Gott verheißen hat, dass durch ihn die Völker gesegnet werden; vgl. 1. Mose/Genesis 12,3. zu einer Quelle des Segens4,2 Segen: Gott will den Menschen Kraft, Leben und Wohlergehen schenken. Durch Israel soll all das auch den anderen Völkern geschenkt werden. für die Völker,und sie werden ihn4,2 ihn: Könnte Gott, Abraham oder Israel meinen. rühmen.«

3So spricht der Herr4,3 so spricht der HERR: Typische Einleitung eines Gotteswortes, vor allem in prophetischen Büchern.zu den Männern von Juda4,3 Juda: Bezeichnung für das Königreich im Süden mit Jerusalem als Hauptstadt. Mehr … und zu Jerusalem4,3 Jerusalem: Hauptstadt und Regierungssitz der Könige aus dem Haus David in Juda. 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört. Mehr …:»Pflügt einen neuen Acker4,3 pflügt einen neuen Acker: Bild für einen kompromisslosen Neuanfang. ganz umund sät nicht unter die Dornen!4Öffnet eure Herzen für den Herrn!Entfernt die Vorhaut von euren Herzen4,4 Vorhaut von euren Herzen entfernen: Das Entfernen der Vorhaut vom männlichen Glied gilt als Bundeszeichen zwischen Gott und seinem Volk. Wenn hier die Vorhaut der Herzen entfernt werden soll, soll der Bund mit Gott das Leben von innen heraus bestimmen.,ihr Männer von Juda und ihr Bewohner Jerusalems!Denn sonst kommt mein Zorn4,4 Zorn Gottes: Sein Wille, Gericht zu halten. Mehr … über euch,wie ein Feuer verbrennt er alles.Das lässt sich dann nicht mehr löschen,weil ihr zu viel Böses getan habt.«

Der Feind aus dem Norden

Jeremia 4,5–6,30

Jeremia sieht den Feind kommen

5Meldet es in Juda4,5 Juda: Bezeichnung für das Königreich im Süden mit Jerusalem als Hauptstadt. Mehr … und lasst es Jerusalem4,5 Jerusalem: Hauptstadt und Regierungssitz der Könige aus dem Haus David in Juda. 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört. Mehr … wissen!Warnt sie und blast ins Widderhorn4,5 Widderhorn: Hebräisch schofar. Ein Musik- und Signalinstrument, das aus dem Horn eines Widders hergestellt wird. Mehr …,schreit es laut heraus und schreckt alle auf:»Sammelt euch!Bringt euch in Sicherheit in den befestigten Städten!«6Markiert den Fluchtweg nach Zion4,6 Zion: Tempelberg von Jerusalem, aber auch Bezeichnung für die ganze Stadt. Mehr …,flieht und bleibt nicht stehen!Denn Unheil bringe ich von Norden her4,6 von Norden her: Die beiden Großmächte, die Israel die verheerendsten Niederlagen zufügten, fielen beide von Norden aus über das Land her. 722 v. Chr. besiegten die Assyrer das Nordreich Israel. 586 v. Chr. eroberten die Babylonier Jerusalem und zerstörten Stadt und Tempel.den völligen Zusammenbruch.7Der Löwe ist aufgesprungenund verlässt seinen Ruheort im Gebüsch:Der Zerstörer der Völker hat sich aufgemacht.Er hat seine Heimat verlassen,um dein Land zu verwüsten.Deine Städte werden verfallen,niemand wird mehr darin wohnen.8Deshalb zieht Trauerkleider4,8 Trauerkleider: Kleidung aus rauem Leinen, auch Sack genannt. Man trägt sie zum Zeichen der Trauer auf der nackten Haut. an!Heult und klagt:»Der glühende Zorn des Herrn4,8 Zorn Gottes: Sein Wille, Gericht zu halten. Mehr … ist immer noch gegen uns!«

Gott kündigt den Untergang an und Jeremia reagiert darauf

9So lautet der Ausspruch des Herrn4,9 Ausspruch des HERRN: Formelhafter Ausdruck, der vor allem in den Prophetenbüchern ein Gotteswort kennzeichnet.:»Der Tag wird kommen, an dem das alles passiert:Dann wird das Herz des Königs mutlos werden,ebenso das Herz der führenden Männer.Auch die Priester4,9 Priester: Bringt Opfer im Heiligtum dar und deutet den Willen Gottes. Mehr … werden entsetzt seinund die Propheten4,9 Prophet: Verkündet, was Gott in einer bestimmten Situation zu sagen hat. Mehr … starr vor Schreck.«

10Ich antwortete4,10 ich antworte: Jeremia reagiert auf die Botschaft, die er von Gott empfangen hat.: »Ach, mein Herr und Gott!Du hast dieses Volk und Jerusalem4,10 Jerusalem: Hauptstadt und Regierungssitz der Könige aus dem Haus David in Juda. 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört. Mehr … schwer getäuscht!Du hast versprochen: ›Ihr sollt Frieden4,10 Frieden: Umfassender Zustand von Glück und Wohlergehen des Einzelnen und der Gemeinschaft, der aus der Beziehung mit Gott hervorgeht. Mehr … haben!‹ –dabei sitzt uns das Schwert schon im Nacken!«

Gott bestätigt seine Ankündigung und das Volk reagiert darauf

11Dann wird man diesem Volk und Jerusalem sagen:»Ein heißer Wind wird aus der Wüste kommen.Von den kahlen Höhen stürzt er sich herabauf die Tochter meines Volkes4,11 Tochter meines Volkes: Meint die Stadt Jerusalem..Es ist kein Wind,der die Spreu4,11 Spreu: Hülsen und Strohreste von Getreide. Nach dem Dreschen wird das Getreide in die Luft geworfen. Die leichte Spreu wird vom Wind davongetragen, die Körner dagegen fallen wieder auf den Boden. Mehr … vom Weizen trennt und reinigt4,11 reinigen: Das Reinigen des Getreides ist ein Bild für das Gericht Gottes: Das Schlechte wird entfernt, um mit dem Guten weitermachen zu können..12Auf meinen Befehl hin kommt ein Wind4,12 Wind: Bild für einen grausamen Feind.,der viel heftiger wüten wird:Denn jetzt spreche ich das Urteil über sie!«

13»Seht doch!4,13 Seht doch!: Hier sprechen die Israeliten selbst. Wie Wolken zieht er4,13 er: Meint den in Vers 12 als Wind angekündigten Feind. auf!Wie ein Sturm brausen seine Streitwagen4,13 Streitwagen: Ein für den Krieg ausgerüsteter Wagen mit zwei oder drei Mann Besatzung. Mehr … heran,seine Pferde sind schneller als Adler4,13 Adler: Großer Greifvogel, der sich kraftvoll und frei in die Luft schwingt. Er steht sinnbildlich für Kraft und Stärke. Mehr …!Weh uns! Wir sind verloren!«

Gottes Aufforderung zur Umkehr

14Jerusalem4,14 Jerusalem: Hauptstadt und Regierungssitz der Könige aus dem Haus David in Juda. 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört. Mehr …, wasch dein Herz4,14 Herz: Sitz des Verstandes und des Willens. rein vom Bösen!Nur so kannst du gerettet werden!Wie lange noch soll dein Inneres voller Übel sein?Wie lange sollen unheilvolle Gedanken in dir wohnen?15Aus Dan4,15 Dan: Stadt im Norden des Landes. Aus dem Norden kommt der Feind, den Gott seinem Volk als Strafe schickt; vgl. Jeremia 4,6. erstattet man schon Berichtund vom Gebirge Efraim4,15 Efraim: Gebirgszug im mittleren Westjordanland. Der Name kommt vom Stamm Efraim, der dort sein Siedlungsgebiet hatte. kommt die Unheilsbotschaft.16Erinnert die Völker daran,berichtet ihnen aus Jerusalem:»Feinde aus einem fernen Land sind im Anmarsch.Gegen die Städte Judas4,16 Juda: Bezeichnung für das Königreich im Süden mit Jerusalem als Hauptstadt. Mehr …erheben sie schon ihr Kriegsgeschrei.17Wie Wächter, die ein Feld bewachen,umstellen sie Jerusalem.Denn die Stadt hat sich gegen mich aufgelehnt.– So lautet der Ausspruch des Herrn4,17 Ausspruch des HERRN: Formelhafter Ausdruck, der vor allem in den Prophetenbüchern ein Gotteswort kennzeichnet.18Das kommt von deinem Verhalten und deinen Taten.Deine eigene Bosheit fällt auf dich zurück4,18 zurückfallen auf jemanden: Ein Mensch wird von seiner bösen Tat eingeholt und muss die Verantwortung dafür tragen..Bitter wird es nun für dich, Jerusalem.Der Schmerz dringt tief in dein Herz.

Jerusalems Qualen und Gottes Antwort

19»Mein Bauch, mein Bauch – ich winde mich vor Schmerzen!Herzrasen – mein Herz pocht in mir!Ich kann nicht schweigen.Denn ich habe das Unglück gehört:den Klang des Widderhorns4,19 Klang des Widderhorns: Musikinstrument, das im Krieg zum Geben von Signalen eingesetzt wurde. Hier bedeutet sein Klang: Der Feind ist da. und den Kriegslärm.20Überall hört man Rufe: Zusammenbruch!Nichts als Zusammenbruch!Das ganze Land ist verwüstet.Auch meine Zelte4,20 meine Zelte: Bild für die Häuser in Jerusalem, die der Feind so leicht zerstört wie Zelte. sind auf einmal zerstört,meine Zeltdecken in einem Augenblick zerfetzt.21Wie lange muss ich das Feldzeichen4,21 Feldzeichen: Eine militärische Signalstange, die den Truppen Marschrichtung und Sammelplatz anzeigt. Mehr … noch sehen,wie lange den Klang des Widderhorns noch hören?«

22»Wie dumm mein Volk doch ist!Sie kennen mich nicht.Kinder sind sie, ohne Einsicht und Verstand.Wie man Böses tut, darin kennen sie sich aus.Aber wie man Gutes tut, wissen sie nicht.«

Jeremias Vision des verwüsteten Landes

23Ich sah das Land: Es ist wüst und leer4,23 wüst und leer: Mit diesen Worten wird die Welt am Anfang der Schöpfung beschrieben, vgl. 1. Mose/Genesis 1,1..Ich sah den Himmel: Da sind keine Lichter4,23 Lichter: Meint Sonne und Mond als die Lichter, die Gott bei der Schöpfung an den Himmel setzt; vgl. 1. Mose/Genesis 1,16. mehr.24Ich sah die Berge: Sie beben.Auch die Hügel beben.25Ich sah mich um: Da ist kein Mensch.Auch alle Vögel sind fortgeflogen.26Ich sah den Boden: Gartenland ist jetzt eine Wüste.Alle Städte liegen in Trümmern.Der Herr lässt es zu,sein glühender Zorn zerstört alles.

27Denn so spricht der Herr4,27 so spricht der HERR: Typische Einleitung eines Gotteswortes, vor allem in prophetischen Büchern.:»Das ganze Land wird verwüstet werden,aber völlig vernichten will ich es nicht.28Deswegen wird die Erde Trauer tragenund der Himmel sich schwarz kleiden:Ich habe es angekündigt und bereue es nicht.Ich habe es beschlossen und nehme es nicht zurück.«

Die letzte Mahnung an Jerusalem

29Alle im Land sind auf der Flucht,weil man Reiter und Bogenschützen4,29 Bogen: Waffe für die Jagd oder den Krieg, mit der Pfeile abgeschossen werden können. hört.Die Menschen verstecken sich im Gebüschund klettern auf Felsen.Jede Stadt ist verlassen,niemand wohnt mehr darin,kein Mensch.30Du wirst untergehen, Jerusalem4,30 Jerusalem: Hauptstadt und Regierungssitz der Könige aus dem Haus David in Juda. 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört. Mehr ….Doch was machst du?Du kleidest dich in Purpur4,30 Purpur: Intensiver rot-violetter Farbstoff, mit dem in der Antike Stoffe und Wolle gefärbt wurden. Purpur ist sehr kostbar und war hauptsächlich den Reichen und Mächtigen vorbehalten. Mehr …,schmückst dich mit Goldund betonst mit Schminke deine Augen.Doch du machst dich vergeblich schön!Deine Liebhaber haben dich sattund trachten jetzt nach deinem Leben.31So wird es dir ergehen:Ich höre Schreie wie von einer Frau,die in Wehen liegt.Wie die Schmerzen vor der ersten Geburt klingt es.So schreit die Tochter Zion4,31 Tochter Zion: Poetische Bezeichnung für die Stadt Jerusalem. und stöhnt.Verzweifelt streckt sie die Hände aus:»Weh mir! Sie bringen mich um!«