BasisBibel (BB)
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Gideon

Richter 6,1–8,35

Die Midianiter überfallen das Land

61Die Israeliten taten,was in den Augen des Herrn böse war.Da lieferte sie der Herr den Midianitern6,1 Midianiter: Kamelnomaden aus den Wüstengebieten östlich des Jordan. aus,die sie sieben Jahre lang unterdrückten.2Die Midianiter gewannen die Oberhand über Israel.Um sich vor den Midianitern zu schützen,legten die Israeliten Verstecke in den Bergen an.Sie suchten sich Höhlen und Zufluchtsorte.3Doch Jahr für Jahr,wenn die Israeliten ihre Felder bestellt hatten,überfielen die Midianiter ihr Land –zusammen mit den Amalekitern6,3 Amalekiter: Räuberisches Nomadenvolk im Südwesten Israels und auf der Sinaihalbinsel. Sie werden als Sinnbild für die Feinde Israels genannt. und den Beduinen6,3 Beduinen: Wörtlich »Söhne des Ostens«, gemeint sind weitere nomadische Gruppen östlich des Jordan..4Sie errichteten ihr Zeltlagerund vernichteten die Ernte im ganzen Landbis hinab in die Gegend von Gaza6,4 Gaza: Bedeutende Stadt der Philister und Handelsstadt, im heutigen Gazastreifen gelegen..Sie ließen nichts übrig, was Israel zum Leben brauchte,auch keine Schafe, keine Rinder, keine Esel.

5Jahr für Jahr kamen sie mit ihren Herden und Zelten.Und wenn sie über das Land herfielen,waren sie so zahlreich wie die Heuschrecken6,5 Heuschrecken: Flugfähige und gefräßige Insekten, die sich von Grünpflanzen ernähren. In Schwärmen von Millionen Einzeltieren können sie ganze Ernten vernichten. Mehr ….Weder sie noch ihre Kamele konnte man zählen.So kamen sie ins Land und verwüsteten es.6Durch die Überfälle der Midianiterwurden die Israeliten arm und ärmer.Da schrien sie zum Herrn um Hilfe.

Ein Prophet redet den Israeliten ins Gewissen

7Die Israeliten schrien wegen der Midianiter6,7 Midianiter: Kamelnomaden aus den Wüstengebieten östlich des Jordan.zum Herrn um Hilfe.8Da schickte der Herr einen Propheten6,8 Prophet: Verkündet, was Gott in einer bestimmten Situation zu sagen hat. Mehr ….Der sagte zu den Israeliten:»So spricht der Herr6,8 so spricht der HERR: Typische Einleitung eines Gotteswortes, vor allem in prophetischen Büchern., der Gott Israels:Ich habe euch aus Ägypten geführt6,8 aus Ägypten geführt: 2. Mose/Exodus 1–15 erzählt, wie Gott sein Volk aus der Sklaverei in Ägypten befreit.,aus dem Leben in der Sklaverei.9Ich habe euch aus der Gewalt der Ägypter befreitund aus der Gewalt aller eurer Bedrücker.Ich habe sie vor euch vertrieben.Dann habe ich euch ihr Land gegeben.10Und ich sagte zu euch6,10 ich sagte zu euch: Ähnliche Worte finden sich in 2. Mose/Exodus 34,12-14.:Ich bin der Herr, euer Gott!Ihr sollt die Götter der Amoriter6,10 Götter der Amoriter: Sie wurden von den Bewohnern des Landes verehrt, die schon vor den Israeliten in Kanaan lebten. nicht verehren,in deren Land ihr jetzt wohnt.Aber ihr habt nicht auf mich gehört!«

Gott ruft Gideon zum Kampf

11Der Engel6,11 Engel: Boten Gottes, die in seinem Auftrag unterwegs sind und seine Botschaft überbringen. Mehr … des Herrn kamund setzte sich unter die Terebinthe6,11 Terebinthe: Eine Pistazienart, die man auch als heiligen Baum verehrte. bei Ofra.Sie gehörte Joasch, einem Nachkommen des Abieser6,11 Abieser: Seine Familie gehörte zu dem Teil des Stamms Manasse, der Wohngebiete westlich des Jordan bekommen hatte; vgl. Josua 17,2..Sein Sohn Gideon war gerade dabei,in der Kelter6,11 Kelter: Eine aus dem Fels gehauene Grube, die eigentlich zum Auspressen von reifen Trauben dient. Gideon drischt das Getreide in der Grube, damit er von den Midianitern nicht gesehen werden kann. Weizen zu dreschen6,11 dreschen: Das Lösen der Getreidekörner aus der Ähre mithilfe eines Stocks oder anderer Geräte bei der Ernte. Mehr ….Er wollte das Korn in Sicherheit bringen,bevor die Midianiter6,11 Midianiter: Kamelnomaden aus den Wüstengebieten östlich des Jordan. es rauben konnten.12Da erschien ihm der Engel des Herrnund sagte zu ihm:»Der Herr ist mit dir, du starker Kriegsheld!«13Gideon fragte nach:»Wie meinst du das, mein Herr?Wenn der Herr mit uns ist,warum passiert uns dann das alles?Wo sind alle seine Wundertaten geblieben,von denen uns unsere Väter erzählt haben?Sagten sie nicht:Der Herr hat uns aus Ägypten geführt6,13 aus Ägypten geführt: 2. Mose/Exodus 1–15 erzählt, wie Gott sein Volk aus der Sklaverei in Ägypten befreit.?Doch jetzt lässt uns der Herr im Stich.Die Midianiter können mit uns machen, was sie wollen.«14Da gab ihm der Herr den Auftrag:»Geh los! Du hast die Kraft dazu!Du wirst Israel aus der Gewalt der Midianiter retten.Ja, ich bin es, der dich schickt!«15Gideon fragte nach:»Wie meinst du das, mein Herr?Wie soll ich denn Israel retten?Meine Familie ist die ärmste im Stamm Manasse6,15 Manasse: Stamm Israels, der nach einem der beiden Söhne Josefs benannt ist. Die eine Hälfte seines Siedlungsgebiets liegt zwischen Mittelmeer und Jordan, die andere erstreckt sich von dort aus weiter ins Ostjordanland.,und ich bin der Jüngste in meines Vaters Haus!«16Da sagte der Herr zu ihm:»Ich bin mit dir!Du wirst die Midianiter schlagen, alle auf einmal!«17Gideon antwortete ihm:»Wenn ich Gnade gefunden habe in deinen Augen,so gib mir ein Zeichen!Dann weiß ich, dass du es bist, der mit mir redet.18Doch jetzt geh nicht weg von hier!Ich komme gleich zu dir zurück.Ich hole nur kurz ein Geschenk,das ich dir als meinen Gast machen will.«Er sagte: »Ich warte hier, bis du zurückkommst.«

19Daraufhin ging Gideon ins Haus.Er kochte ein Ziegenböckchen und backte Brote.Er hatte dafür noch einen Sack Mehl6,19 Sack Mehl: Wörtlich »ein Efa«. Ein Efa ist ein Gefäß zum Abmessen von Getreide und Mehl und fasst etwa 20–21 l. 20 l Mehl wiegen etwa 12 kg. übrig.Dann legte er das Fleisch in einen Korbund tat die Brühe in einen Topf.Beides brachte er zu dem Platz unter der Terebinthe6,19 Terebinthe: Eine Pistazienart, die man auch als heiligen Baum verehrte.und bot es dem Engel6,19 Engel: Boten Gottes, die in seinem Auftrag unterwegs sind und seine Botschaft überbringen. Mehr … Gottes an.20Doch der sagte zu ihm:»Nimm das Fleisch und die Brühe!Siehst du den Felsen dort?Leg das Fleisch auf den Felsenund gieß die Brühe darüber!«Genauso machte er es.21Der Engel des Herrn hatte einen Stab in der Hand.Mit seiner Spitze berührte er das Fleisch und die Brote.Sofort schlug Feuer aus dem Felsen und verzehrte beides.Dann war der Engel des Herrn plötzlich verschwunden.22Nun wusste Gideon, wer bei ihm gewesen war:Es war der Engel des Herrn.Da rief er aus: »Wehe mir, Herr, mein Gott!Denn ich habe den Engel des Herrn gesehen,von Angesicht zu Angesicht6,22 von Angesicht zu Angesicht: Kein Mensch kann Gottes Angesicht sehen und am Leben bleiben, vgl. 2. Mose/Exodus 33,20.23Doch der Herr antwortete ihm:»Friede sei mit dir! Fürchte dich nicht!Du musst nicht sterben!«24Da baute Gideon dort einen Altar6,24 Altar: Eine Art Tisch oder Podest, auf dem einer Gottheit Opfergaben dargebracht wurden. Mehr … für den Herrnund gab ihm den Namen: Der Herr ist Friede.Bis heute steht der Altar noch dort in Ofra,dem Wohnort der Nachkommen des Abieser.

Gideon zerstört den Altar des Baal

25In der Nacht sprach der Herr zu ihm:»Nimm einen jungen Stier, der deinem Vater gehört,nämlich einen Stier von sieben Jahren!Dann reiß den Altar6,25 Altar: Eine Art Tisch oder Podest, auf dem einer Gottheit Opfergaben dargebracht wurden. Mehr … für den Gott Baal6,25 Baal: Palästinisch-syrischer Wettergott. Er galt als Herrscher über Wolken, Wind und Regen, der für die Fruchtbarkeit des Landes sorgt. Mehr … nieder,der deinem Vater gehört!Auch den Kultpfahl6,25 Kultpfahl: Hebräisch Aschera. Ein von Menschen aufgerichteter Holzpfahl mit religiöser Bedeutung. für die Göttin Aschera6,25 Aschera: Kanaanitische Fruchtbarkeitsgöttin, die als Partnerin dem Gott Baal zugeordnet ist.,der danebensteht, sollst du umhauen.26Dann bau einen neuen Altar für den Herrn,deinen Gott!Oben auf dem Berg sollst du ihn errichtenund die Steine der Reihe nach aufschichten.Dann nimm den jungen Stierund bring ihn als Brandopfer6,26 Brandopfer: Das geschlachtete Opfertier wird mit Ausnahme der Haut bzw. des Fells vollständig auf dem Brandopferaltar verbrannt. Mehr … dar!Verwende dazu das Holz des Kultpfahls,den du umgehauen hast!«27Da nahm Gideon zehn Männer von seinen Leuten mit sichund führte aus, was der Herr ihm befohlen hatte.Gideon aber wollte es nicht am Tag tun.Denn er fürchtete sich vor seiner Familieund vor den Bürgern der Stadt.So tat er es im Schutz der Nacht.

28Als die Bürger der Stadt in der Frühe aufstanden,sahen sie die Bescherung:Der Altar6,28 Altar: Eine Art Tisch oder Podest, auf dem einer Gottheit Opfergaben dargebracht wurden. Mehr … des Baal6,28 Baal: Palästinisch-syrischer Wettergott. Er galt als Herrscher über Wolken, Wind und Regen, der für die Fruchtbarkeit des Landes sorgt. Mehr … war niedergerissenund der Kultpfahl6,28 Kultpfahl: Hebräisch Aschera. Ein von Menschen aufgerichteter Holzpfahl mit religiöser Bedeutung., der danebenstand, umgehauen.Der junge Stier aber war auf dem neu gebauten Altarals Brandopfer6,28 Brandopfer: Das geschlachtete Opfertier wird mit Ausnahme der Haut bzw. des Fells vollständig auf dem Brandopferaltar verbrannt. Mehr … dargebracht worden.29Da fragte einer den andern:»Wer hat das getan?«Als sie nun nachforschten und herumfragten,hieß es auf einmal:»Gideon war’s, der Sohn des Joasch!Er hat das getan.«30Da sagten die Bürger der Stadt zu Joasch:»Gib deinen Sohn heraus! Er muss sterben!Denn er hat den Altar des Baal niedergerissenund den Kultpfahl der Aschera umgehauen,der danebenstand.«31Joasch aber sagte zu den Leuten, die ihn bedrängten:»Was ist denn mit euch los?Ergreift ihr jetzt Partei für Baalund wollt für seine Sache eintreten?Wenn Baal ein Gott ist,dann soll er selbst für seine Sache eintreten.Es ist ja doch sein Altar, der niedergerissen wurde!Wer aber jetzt Partei für Baal ergreift,der soll bis zum nächsten Morgen getötet werden.«32Gideon gab man an diesem Tag den Namen Jerubbaal6,32 Jerubbaal: Der Name bedeutet: »Baal möge streiten«..Man wollte damit sagen:Soll doch Baal selbst gegen ihn streiten.Denn es ist ja sein Altar, den er niedergerissen hat.

Gideon bittet Gott um ein Zeichen

33Alle Midianiter6,33 Midianiter: Kamelnomaden aus den Wüstengebieten östlich des Jordan., Amalekiter6,33 Amalekiter: Räuberisches Nomadenvolk im Südwesten Israels und auf der Sinaihalbinsel. Sie werden als Sinnbild für die Feinde Israels genannt. und Beduinen6,33 Beduinen: Wörtlich »Söhne des Ostens«. Meint Gruppen von Nomaden, die östlich des Jordan leben.taten sich zum Kriegszug zusammen.Sie zogen herüberund errichteten ihre Lager in der Ebene Jesreel6,33 Ebene Jesreel: Fruchtbare Ebene im Norden Israels, zwischen den Bergen von Galiläa und dem Gebirge Gilboa gelegen..34Da packte der Geist des Herrn den Gideon.Der blies in das Widderhorn6,34 Widderhorn: Hebräisch schofar. Ein Musik- und Signalinstrument, das aus dem Horn eines Widders hergestellt wird. Mehr … zum Kampf,und alle Nachkommen Abiesers folgten seinem Ruf.35Dann schickte er Boten in Manasse6,35 Manasse: Stamm Israels, der nach einem der beiden Söhne Josefs benannt ist. Die eine Hälfte seines Siedlungsgebiets liegt zwischen Mittelmeer und Jordan, die andere erstreckt sich von dort aus weiter ins Ostjordanland. umher.Auch die Manassiter folgten seinem Ruf.Schließlich schickte er Boten zu weiteren Stämmen,zu Ascher6,35 Ascher: Einer der zwölf Stämme Israels. Sein Siedlungsgebiet liegt am Mittelmeer, nördlich des Gebirges Karmel., Naftali6,35 Naftali: Einer der zwölf Stämme Israels. Sein Siedlungsgebiet liegt in Galiläa. und Sebulon6,35 Sebulon: Einer der zwölf Stämme Israels. Sein Siedlungsgebiet liegt in Galiläa, östlich des Gebirges Karmel..Auch sie schickten ihm Truppen zu Hilfe.

36Gideon sagte zu Gott:»Willst du Israel wirklich durch mich retten,wie du es gesagt hast?37Wenn ja, gib mir ein Zeichen:Ich lege hier frische Schafwolle auf den Dreschplatz6,37 Dreschplatz: Ebener Platz außerhalb einer Siedlung, auf dem das Getreide gedroschen und die Spreu vom Weizen getrennt wird. Mehr ….Wenn nur die Schafwolle vom Tau6,37 Tau: Feuchtigkeit, die sich über Nacht in Form von Tröpfchen ablagert. So werden die Pflanzen im trockenen Sommer oder in der Wüste mit Wasser versorgt. nass ist,aber der Boden drum herum ganz trocken,so weiß ich: Du wirst Israel durch mich retten,wie du es gesagt hast.«38Als er nun früh am Morgen aufstandund die Schafwolle anfasste, war sie nass vom Tau.Eine Schale voll Wasser presste er aus ihr heraus.39Da sagte Gideon zu Gott:»Sei mir bitte nicht böse,wenn ich nochmals davon anfange.Lass es mich umgekehrt mit der Schafwolle versuchen:Die Schafwolle allein soll trocken sein,aber der Boden drum herum ganz nass.«40Auch dafür sorgte Gott in der Nacht.Die Schafwolle allein blieb trocken,aber der Boden drum herum war nass.
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Gott wählt eine kleine Truppe aus

71Jerubbaal, wie Gideon auch noch genannt wurde,zog am frühen Morgen mit seinem ganzen Heer los.Bei der Quelle Harod errichteten sie ihr Heerlager.Die Midianiter7,1 Midianiter: Kamelnomaden aus den Wüstengebieten östlich des Jordan. aber hatten ihr Lager nördlich davon.Es lag in der Ebene, dem Hügel More gegenüber.2Der Herr sagte zu Gideon:»Das Heer, das du bei dir hast, ist zu groß.So wie es jetzt ist,kann ich die Midianiter nicht in eure Gewalt geben.Sonst könnten die Israeliten mir gegenüber behaupten:›Wir haben uns aus eigener Kraft gerettet!‹3Darum gib im Heer bekannt, damit alle es hören:Wer Angst hat und vor dem Krieg zittert,soll umkehren und sich nach Gilead7,3 Gilead: Landschaft im heutigen Jordanien, zwischen See Gennesaret und Totem Meer. zurückziehen.«Da verließen 22.000 Mann das Heer, 10.000 blieben.

4Doch der Herr sagte zu Gideon:»Das reicht nicht! Das Heer ist immer noch zu groß.Führ jetzt deine Leute hinunter zur Quelle!Dort will ich für dich eine Auswahl treffen.Sag ich zu dir: ›Der kommt mit!‹ –dann soll er mit dir gehen.Sag ich aber: ›Der nicht!‹ –dann geht keiner von denen mit dir.«5Gideon führte also das Kriegsvolk zur Quelle hinunter.Da sagte der Herr zu ihm:»Wer das Wasser wie ein Hund mit der Zunge schlabbert,den stell auf die eine Seite!Und wer sich zum Trinken niederkniet,den stell auf die andere Seite!«6Es waren 300 Mann,die das Wasser mit der Zunge schlabberten.Das übrige Kriegsvolk hatte sich niedergeknietund das Wasser mit der Hand zum Mund geführt.7Der Herr sagte zu Gideon:»Mit diesen 300 Mann,die das Wasser mit der Zunge schlabberten,will ich Israel retten.Ja, ich gebe die Midianiter7,7 Midianiter: Kamelnomaden aus den Wüstengebieten östlich des Jordan. in deine Gewalt.Das übrige Kriegsvolk aber soll heimkehren,jeder in seinen Wohnort.«8Gideon schickte also den Großteil Israels heim,jeden zu seinem Zelt7,8 jeder zu seinem Zelt: Mit dieser Redewendung wird die Auflösung eines Heeres und die Rückkehr der Soldaten nach Hause zum Ausdruck gebracht..Zuvor nahm man den Leuten die Krüge7,8 Krüge: Vorratsbehälter, in denen die Lebensmittel für die Versorgung des Heeres aufbewahrt wurden. und Widderhörner7,8 Widderhorn: Hebräisch schofar. Ein Musik- und Signalinstrument, das aus dem Horn eines Widders hergestellt wird. Mehr … abund ließ sie bei der Truppe –bei den 300 Mann, die Gideon bei sich behielt.Die Midianiter aber hatten ihr Lager unten im Tal.

Gideons Sieg über die Midianiter

9In der Nacht sagte der Herr zu Gideon:»Steh auf, geh hinunter ins Lager der Midianiter7,9 Midianiter: Kamelnomaden aus den Wüstengebieten östlich des Jordan..Denn ich gebe es in deine Gewalt.10Wenn du aber Angst hast, allein zu gehen,dann geh mit deinem Knecht Pura ins Lager hinunter.11Dort wirst du hören, was sie reden.Das wird dir Mut machen, das Lager anzugreifen.«So machte er sich mit seinem Knecht Pura auf den Weg.Sie kamen bis zum äußeren Rand des Lagers,bis zu den Wachsoldaten.12Die Midianiter aber, die Amalekiter7,12 Amalekiter: Räuberisches Nomadenvolk im Südwesten Israels und auf der Sinaihalbinsel. und alle Beduinen7,12 Beduinen: Wörtlich »Söhne des Ostens«. Meint Gruppen von Nomaden, die östlich des Jordan leben.hatten sich im Tal wie die Heuschrecken7,12 Heuschrecken: Flugfähige und gefräßige Insekten, die sich von Grünpflanzen ernähren. In Schwärmen von Millionen Einzeltieren können sie ganze Ernten vernichten. Mehr … niedergelassen.Und die Kamele, die sie bei sich hatten,waren so viele wie der Sand am Meer.13Als Gideon ankam,erzählte gerade einer dem anderen von einen Traum:»Hör mal, was ich geträumt habe!Ich sah einen Laib Gerstenbrot.Der rollte in das Lager der Midianiter hinunter.Als er es erreichte,traf er unser Zelt und warf es um.Da entstand ein großes Durcheinander.Das Zelt aber lag am Boden.«14Da antwortete ihm der andere:»Glaub mir, damit kann nur das Schwert gemeint sein,das dem Israeliten Gideon, dem Sohn Joaschs, gehört!Gott hat die Midianiter in seine Gewalt gegeben,nämlich uns und unser ganzes Heer.«

15Als Gideon den Traum und seine Deutung hörte,sank er auf die Knie und betete.Dann kehrte er ins Lager der Israeliten zurückund sagte: »Auf in den Kampf!Der Herr hat das Heer der Midianiter7,15 Midianiter: Kamelnomaden aus den Wüstengebieten östlich des Jordan.in eure Gewalt gegeben.«16Nun teilte er die 300 Mann in drei Gruppen ein.Dann drückte er allen die Widderhörner7,16 Widderhorn: Hebräisch schofar. Ein Musik- und Signalinstrument, das aus dem Horn eines Widders hergestellt wird. Mehr … in die Handund dazu die leeren Krüge7,16 Krüge: Vorratsbehälter, in denen die Lebensmittel für die Versorgung des Heeres aufbewahrt wurden..In die Krüge aber taten sie Fackeln hinein.17Dann gab er ihnen die Anweisung:»Macht alles so, wie ihr es bei mir seht!Passt auf, ich gehe jetzt zum äußeren Rand des Lagers.Ihr aber sollt alles so machen, wie ich es mache.18Ich werde in das Widderhorn blasen,ich selbst und alle, die bei mir sind.Dann sollt auch ihr in die Widderhörner blasen.Stellt euch dazu um das Lager herum und ruft:Für den Herrn und für Gideon!«

19Gideon erreichte mit seinen 100 Mannden äußeren Rand des Lagers.Die mittlere Nachtwache hatte inzwischen begonnen.Gerade hatten die Wachsoldaten ihren Dienst angetreten.Da bliesen die Leute Gideons in die Widderhörner7,19 Widderhorn: Hebräisch schofar. Ein Musik- und Signalinstrument, das aus dem Horn eines Widders hergestellt wird. Mehr …und zerschmetterten die mitgebrachten Krüge.20Daraufhin bliesen alle drei Gruppen in die Widderhörner,zerschmissen die Krügeund griffen mit der linken Hand nach den Fackeln.Mit der rechten Hand hielten sie die Widderhörner,bliesen hinein und riefen abwechselnd:»Ein Schwert für den Herrn und für Gideon!«21Sie blieben dabei um das Lager herum stehen,jeder an seinem Platz.Da liefen alle im Lager durcheinander,schrien laut und ergriffen die Flucht.22Als nämlich die 300 Mann die Widderhörner bliesen,sorgte der Herr selbst für den Sieg.Er richtete das Schwert des einen gegen den andern.So war es im ganzen Lager.Dann floh das Heer bis nach Bet-Schitta und Zereda,bis in die Gegend von Abel-Mehola und Tabbat.

23Aus den Stämmen Naftali7,23 Naftali: Einer der zwölf Stämme Israels. Sein Siedlungsgebiet liegt in Galiläa., Ascher7,23 Ascher: Einer der zwölf Stämme Israels. Sein Siedlungsgebiet liegt am Mittelmeer, nördlich des Gebirges Karmel. und Manasse7,23 Manasse: Stamm Israels, der nach einem der beiden Söhne Josefs benannt ist. Die eine Hälfte seines Siedlungsgebiets liegt zwischen Mittelmeer und Jordan, die andere erstreckt sich von dort aus weiter ins Ostjordanland.wurden die Männer Israels zusammengerufen.Die machten sich an die Verfolgung der Midianiter7,23 Midianiter: Kamelnomaden aus den Wüstengebieten östlich des Jordan..24Außerdem hatte Gideon Boten losgeschickt,die auf dem ganzen Gebirge Efraim7,24 Efraim: Gebirgszug im mittleren Westjordanland. Der Name kommt vom Stamm Efraim, der dort sein Siedlungsgebiet hatte. ausriefen:»Zieht gegen die Midianiter in den Kampf!Besetzt die Wasserstellen bis nach Bet-Baraund den Übergang über den Jordan7,24 Jordan: Wichtigster Fluss in der Region, der vom Hermongebirge durch den See Gennesaret ins Tote Meer fließt. Mehr …Da folgten alle Männer Efraims7,24 Efraim: Stamm Israels, der nach einem der beiden Söhne Josefs benannt ist. Sein Siedlungsgebiet liegt im mittleren Westjordanland und erstreckt sich bis zum Mittelmeer. Mehr … dem Ruf.Sie besetzten die Wasserstellen bis Bet-Baraund den Übergang über den Jordan.25Dann ergriffen sie die beiden Anführer der Midianiter.Der eine hieß Oreb, sein Name bedeutet: Rabe.Der andere hieß Seeb, sein Name bedeutet: Wolf.Den »Raben« töteten sie am Rabenfelsenund den »Wolf« töteten sie bei der Wolfskelter.Danach setzten sie die Verfolgung der Midianiter fort.Oreb und Seeb aber hatten sie die Köpfe abgeschlagenund zu Gideon auf die andere Seite des Jordan gebracht.
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Die Efraimiter beschweren sich bei Gideon

81Die Männer aus dem Stamm Efraim8,1 Efraim: Stamm Israels, der nach einem der beiden Söhne Josefs benannt ist. Sein Siedlungsgebiet liegt im mittleren Westjordanland und erstreckt sich bis zum Mittelmeer. Mehr … sagten zu Gideon:»Das hättest du uns nicht antun dürfen!Warum hast du uns nicht zu Hilfe gerufen?Warum bist du ohne uns gegen die Midianiter8,1 Midianiter: Kamelnomaden aus den Wüstengebieten östlich des Jordan.in den Kampf gezogen?«So machten sie ihm heftige Vorwürfe.2Gideon aber antwortete ihnen:»Was habe ich denn schon geleistetim Vergleich mit eurem Kriegserfolg?Ist nicht die Nachlese8,2 Nachlese: Das Auflesen von Früchten, die nach der Ernte auf dem Feld noch übrig geblieben sind. Hier bezogen auf die Tötung der beiden Anführer der Midianiter, vgl. Richter 7,23-25. Efraims größer gewesenals die Ernte, die Abieser8,2 Abieser: Gideon ist ein Nachkomme des Abieser aus dem Stamm Manasse, vgl. Josua 17,2. Offenbar geht es in diesen Versen um einen Rangstreit zwischen den Stämmen Efraim und Manasse. einbrachte?3Euch hat Gott die beiden Anführer der Midianiter,Oreb und Seeb, in die Hand gegeben.Ich aber habe nichts geleistet im Vergleich mit euch!«Als er das sagte, legte sich der Zorn,den sie auf ihn gehabt hatten.

Gideon verfolgt die beiden Könige der Midianiter

4Kaum war Gideon an den Jordan8,4 Jordan: Wichtigster Fluss in der Region, der vom Hermongebirge durch den See Gennesaret ins Tote Meer fließt. Mehr … gekommen,ging er mit seinen 300 Männern hinüber.Sie waren aber erschöpft und hungrig.5Da sagte er zu den Leuten von Sukkot8,5 Sukkot: Ort im Jordangraben, im Gebiet des Stammes Gad.:»Gebt dem Volk ein paar Scheiben Brot!Denn sie sind von dem Fußmarsch erschöpft.Ich bin dabei, Sebach und Zalmunna zu verfolgen,die Könige der Midianiter8,5 Midianiter: Kamelnomaden aus den Wüstengebieten östlich des Jordan.6Doch die Stadtobersten von Sukkot spotteten:»Hast du denn Sebach und Zalmunna schon in deiner Hand?Nein? Warum sollten wir deinen Männern dann Brot geben?«7Gideon sagte darauf: »Ihr könnt euch sicher sein:Wenn der Herr Sebach und Zalmunnain meine Hand gegeben hat,verdresche ich euch den Leib.Ich tu’s mit Wüstendornen und Stachelruten!«8Danach zog er weiter nach Penuelund redete dort mit den Bewohnern in gleicher Weise.Doch die Leute von Penuel antworteten ihm genauso,wie es die Leute von Sukkot getan hatten.9Darauf drohte er den Leuten von Penuel:»Wenn ich siegreich zurückkehre,werde ich euren Wehrturm niederreißen.«

10Sebach und Zalmunna waren in Karkor8,10 Karkor: Wahrscheinlich eine Stadt, die am Weg in die nordarabische Wüste lag..Dort hatten sie ihr Heerlager aufgeschlagen,mit ungefähr 15.000 Mann.Das waren alle,die vom Heer der Beduinen8,10 Beduinen: Wörtlich »Söhne des Ostens«. Meint Gruppen von Nomaden, die östlich des Jordan leben. übrig geblieben waren.Es waren nämlich 120.000 Schwertkämpfer gefallen.11Gideon zog die Karawanenstraße entlang,die östlich von Nobach und Jogboha verläuft.Dann überfiel er das feindliche Heer.Die Leute im Lager hatten aber geglaubt,dass ihnen keine Gefahr drohte.12Doch Sebach und Zalmunna konnten fliehen.Gideon jagte sofort hinter Sebach und Zalmunna herund nahm die beiden Könige der Midianiter8,12 Midianiter: Kamelnomaden aus den Wüstengebieten östlich des Jordan. gefangen.Das ganze Heer hatte er da schon zerstreut.13Danach nahm Gideon, der Sohn des Joasch,den Weg über den Pass von Heres.So kehrte er aus dem Krieg zurück.

14Als er in die Nähe von Sukkot8,14 Sukkot: Ort im Jordangraben, im Gebiet des Stammes Gad. kam,griff er dort einen jungen Mann auf.Den fragte er nach den Namen der Oberstenund der Ältesten8,14 Älteste: Bezeichnung für ein leitendes Amt in der Gemeinschaft, das von älteren Männern ausgeübt wurde. von Sukkot.Er schrieb ihm die Namen von 77 Männern auf.15Als er zu den Stadtobersten kam,sagte er zu ihnen:»Schaut her, hier sind Sebach und Zalmunna!Wegen dieser beiden habt ihr mich verspottet.Ihr habt zu mir gesagt:Hast du Sebach und Zalmunna schon in deiner Hand?Nein? Dann geben wir deinen erschöpften Männernauch kein Brot!«16Sofort ließ er die Ältesten der Stadt ergreifen.Dann nahm er Wüstendornen und Stachelruten in die Handund erteilte damit den Männern von Sukkot eine Lektion.17In Penuel ließ er den Wehrturm niederreißenund tötete die Männer der Stadt.

Gideon bestraft die beiden Könige der Midianiter

18Er sagte zu Sebach und Zalmunna:»Wie sahen die Männer aus,die ihr auf dem Berg Tabor8,18 Tabor: Ein fast 600 m hoher Bergkegel am nordöstlichen Rand der Ebene Jesreel. Dass dort die Brüder von Gideon getötet worden seien, wird in der Bibel nicht erzählt. getötet habt?«Sie antworteten: »Genauso wie du!Jeder sah aus wie ein Königssohn.«19Da entgegnete er:»Das waren meine Brüder, die Söhne meiner Mutter!So gewiss der Herr lebt:Hättet ihr sie nicht umgebracht,hätte ich euch heute das Leben geschenkt!«20Dann befahl er seinem ältesten Sohn Jeter:»Steh auf, töte sie!«Doch der wollte sein Schwert nicht ziehen.Denn er hatte Angst, weil er noch jung war.21Da sagten Sebach und Zalmunna:»Steh doch selber auf und schlag uns tot!Denn wie der Mann so ist seine Kraft.«Sofort stand Gideon aufund tötete Sebach und Zalmunna.Dann nahm er die Amulette8,21 Amulette: Hier mondförmige Anhänger. Durch sie sollte der Mondgott die Midianiter vor Gefahren schützen. an sich,die ihre Kamele um den Hals trugen.

22Die Israeliten sagten zu Gideon:»Sei du unser Herrscher,du selbst und später dein Sohn und dein Enkel!Du hast uns ja aus der Gewalt der Midianiter8,22 Midianiter: Kamelnomaden aus den Wüstengebieten östlich des Jordan. befreit.«23Doch Gideon antwortete ihnen:»Nein! Ich will nicht über euch herrschen.Und auch mein Sohn wird nicht über euch herrschen.Der Herr allein soll euer Herrscher sein!«

Gideon und der Götzendienst der Israeliten

24Gideon sagte zu den Israeliten:»Ich habe eine Bitte an euch.Von dem Schmuck, den ihr im Krieg erbeutet habt,soll mir jeder einen Ring überlassen.«Denn die Feinde hatten goldene Ringe getragen,sie waren nämlich Ismaeliter8,24 Ismaeliter: Hinweis auf Nomaden in der nordwestarabischen Wüste. Von ihnen war bekannt, dass sie Ohrringe und Nasenringe trugen..25Da sagten sie:»Ja, wir wollen dir die Ringe geben!«Sie legten einen Mantel auf den Boden.Und jeder von ihnen warf einen Ring hinein,den er erbeutet hatte.26So kamen auf Gideons Bitte viele Ringe zusammen,fast 20 Kilogramm8,26 20 Kilogramm: Wörtlich »1700 Schekel«. Ein Schekel entspricht knapp 12 g. Gold.Die Amulette und Anhänger wurden nicht mitgezählt,auch nicht die Purpurkleider der midianitischen Könige,und auch nicht die Halsketten ihrer Kamele.27Gideon verarbeitete das Gold zu einem Götterbild8,27 Götterbild: Damit wird Gideon in ein schlechtes Licht gerückt. Er selbst soll das Volk zum Abfall von Gott verführt haben.und stellte es in seiner Heimatstadt Ofra auf.Ganz Israel aber benahm sich wie eine Hure,ging dorthin und trieb Götzendienst.Das wurde Gideon und seiner Familie zum Verhängnis.

Weitere Nachrichten über Gideon

28Gott hatte die Midianiter8,28 Midianiter: Kamelnomaden aus den Wüstengebieten östlich des Jordan. gedemütigtvor den Augen der Israeliten.Da war es mit ihrer Vorherrschaft aus und vorbei.Das Land hatte 40 Jahre Ruhe vor dem Krieg,solange Gideon lebte.

29Jerubbaal8,29 Jerubbaal: Nachdem Gideon einen Altar des Gottes Baal zerstört, erhält er diesen Beinamen; vgl. Richter 6,32., also Gideon, der Sohn des Joasch,ging nach Hause und lebte dort in Frieden.30Gideon hatte 70 Söhne.Sie waren alle seine eigenen Söhne,denn er hatte viele Frauen.31Eine seiner Nebenfrauen8,31 Nebenfrau: Ehefrau, die weniger Rechte als die Hauptfrau besitzt, aber höhergestellt ist als eine Sklavin. lebte in Sichem8,31 Sichem: Stadt 60 km nördlich von Jerusalem, zwischen den Bergen Garizim und Ebal gelegen..Auch sie schenkte ihm einen Sohn.Dem gab er den Namen Abimelech.32Gideon, der Sohn des Joasch, starb in hohem Alter.Man begrub ihn im Grab seines Vaters Joasch in Ofra,dem Wohnort der Nachkommen Abiesers.

33Kaum war Gideon gestorben,liefen die Israeliten wieder fremden Göttern8,33 Götter: Götter, die von anderen Völkern verehrt werden. Israel hat nur einen einzigen Gott. Mehr … nach.Sie machten sogar den Baal-Berit8,33 Baal-Berit: Wörtlich »Bundesbaal«. Anstelle des Gottes Israels verehren die Leute von Sichem den kanaanitischen Baal, mit dem sie einen Bund geschlossen haben. zu ihrem Bundesgott.34Denn sie dachten nicht mehr an den Herrn, ihren Gott.Dabei hatte er die Israeliten vor den Feinden gerettet,die sie von allen Seiten bedrängt hatten.35Auch den Nachkommen des Jerubbaal8,35 Jerubbaal: Nachdem Gideon einen Altar des Gottes Baal zerstört, erhält er diesen Beinamen; vgl. Richter 6,32. dankten sie es nicht.Dabei hatte Gideon so viel Gutes für Israel getan.