BasisBibel (BB)
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Die Richterin Debora und Barak

Richter 4,1–5,31

Debora ruft Barak zum Kampf

41Kaum war Ehud gestorben,taten die Israeliten schon wieder,was in den Augen des Herrn4,1 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr. böse war.2Der Herr aber lieferte sie Jabin aus.Der war König von Kanaan4,2 Kanaan: Bezeichnung für das Gebiet zwischen Jordantal und Mittelmeer bis zur Stadt Sidon, bevor es durch das Volk Israel in Besitz genommen wurde. und regierte in Hazor4,2 Hazor: Stadt im Norden Israels, an der Kreuzung zweier bedeutender Handelsstraßen gelegen..Der Kommandant seines Heeres hieß Siseraund hatte sein Hauptquartier in Haroschet-Gojim.3Die Israeliten schrien zum Herrn um Hilfe.Denn Jabin verfügte über 900 eiserne Streitwagen4,3 Streitwagen: Ein für den Krieg ausgerüsteter Wagen mit zwei oder drei Mann Besatzung..20 Jahre unterdrückte er die Israeliten mit Gewalt.

4Debora war eine Prophetin4,4 Prophet: Verkündet, was Gott in einer bestimmten Situation zu sagen hat.,die mit Lappidot verheiratet war.Sie herrschte damals als Richterin4,4 Richter: Von Gott eingesetzte Anführer, vor allem für den Kampf gegen äußere Feinde. über Israel.5Ihren Amtssitz hatte sie unter der Debora-Palme,zwischen Rama4,5 Rama: Stadt an der Südgrenze von Efraim gelegen. und Bet-El4,5 Bet-El: Ortschaft 16 km nördlich von Jerusalem. Der Name bedeutet übersetzt »Haus Gottes«. auf dem Gebirge Efraim.Dorthin gingen die Israeliten,wenn ein Rechtsfall zu entscheiden war.6Debora ließ nun Barak zu sich rufen.Der war der Sohn des Abinoamund stammte aus Kedesch4,6 Kedesch: Stadt im Norden Israels, 7 km nordwestlich vom Einfluss des Jordan in den Hule-See. im Gebiet von Naftali4,6 Naftali: Einer der zwölf Stämme Israels. Sein Siedlungsgebiet liegt in Galiläa..Zu ihm sagte sie: »Ist es nicht so,dass der Herr, der Gott Israels, den Befehl gab:Auf, zieh sofort zum Berg Tabor4,6 Tabor: Markanter Bergkegel im Norden Israels.!Führe 10.000 Mann aus Naftali und Sebulon4,6 Sebulon: Einer der zwölf Stämme Israels. Sein Siedlungsgebiet liegt in Galiläa, östlich des Gebirges Karmel. dorthin!7Dann will ich dafür sorgen,dass der Kommandant Sisera dir entgegenzieht –mit Jabins Heer, seinen Streitwagen4,7 Streitwagen: Ein für den Krieg ausgerüsteter Wagen mit zwei oder drei Mann Besatzung. und Truppen.Am Bach Kischon4,7 Kischon: Fluss am Südwestrand der Ebene Jesreel, fließt bei Haifa ins Mittelmeer. wirst du auf ihn treffen.Dann gebe ich ihn in deine Gewalt.«8Barak antwortete ihr:»Wenn du mit mir kommst, dann gehe ich!Wenn nicht, dann gehe ich nicht!«9Darauf sagte sie:»Ja, ich komme mit dir!Nur sollst du wissen:Du ziehst jetzt in die Schlacht,doch Ruhm wirst du auf diesem Weg nicht ernten.Der Herr wird Sisera in die Hand einer Frau geben.«Dann stand Debora auf und ging mit Barak nach Kedesch.10Dort stellte Barak ein Heer zusammen.10.000 Mann aus Naftali und Sebulon folgten ihm.Auch Debora war dabei.

11Es ist noch zu erwähnen:Der Keniter Heber war nach Norden gezogen.Er hatte sich von den übrigen Kenitern getrennt,von den Nachkommen des Hobab,dem Schwiegervater des Mose.Bis zur Terebinthe4,11 Terebinthe: Eine Pistazienart, die man auch als heiligen Baum verehrte. von Zaanannim war er gekommen.In der Nähe von Kedesch schlug er seine Zelte auf.

Sisera wird von einer Frau erschlagen

12Sisera hatte die Nachricht erhalten:»Barak, der Sohn des Abinoam, steht beim Berg Tabor4,12 Tabor: Markanter Bergkegel im Norden Israels.13Da führte er alle seine Streitwagen zusammen,insgesamt 900 eiserne Wagen.Auch ließ er alle seine Fußsoldaten antretenund führte sie von Haroschet-Gojim an den Bach Kischon4,13 Kischon: Fluss am Südwestrand der Ebene Jesreel, fließt bei Haifa ins Mittelmeer..14Debora sagte zu Barak: »Schlag los!Heute gibt der Herr4,14 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr. Sisera in deine Gewalt.Der Herr selbst zieht vor dir her.«Da zog Barak vom Berg Tabor los,und die 10.000 Mann folgten ihm.15Als Sisera mit seinen Streitwagen4,15 Streitwagen: Ein für den Krieg ausgerüsteter Wagen mit zwei oder drei Mann Besatzung. und Truppen erschien,stürzte sie der Herr in Verwirrung.Er vernichtete sie durch das Schwert,während Barak dabei zusah.Da sprang Sisera von seinem Wagen und floh zu Fuß.16Barak aber verfolgte die Wagen und Truppenbis nach Haroschet-Gojim.So fiel das gesamte Heer Siseras durch das Schwert.Kein Einziger blieb am Leben.

17Sisera war zu Fuß zum Zelt der Jael geflohen,der Frau des Keniters Heber.Denn es herrschte Friede zwischen Jabin und Heber,zwischen dem König von Hazor4,17 Hazor: Stadt im Norden Israels, an der Kreuzung zweier bedeutender Handelsstraßen gelegen. und dem Haus des Keniters.18Jael aber trat aus dem Zelt zu Sisera hinausund sagte zu ihm:»Komm doch herein, mein Herr!Kehr bei mir ein!Hab keine Angst!«Da ging er mit ihr in das Zelt,und sie versteckte ihn hinter einem Vorhang4,18 Vorhang: Andere Übersetzungen deuten den Vorhang als eine Bettdecke..19»Gib mir einen Schluck Wasser zu trinken«,bat er sie, »ich bin so durstig!«Da nahm sie einen Schlauch mit Milch4,19 Schlauch mit Milch: Ein aus Tierhaut genähter Beutel.und gab ihm zu trinken.Dann zog sie den Vorhang wieder zu.20Er sagte noch zu ihr:»Stell dich an den Eingang des Zeltes,falls jemand vorbeikommt!Wenn der dann fragt: ›Ist jemand hier?‹,dann antworte: ›Nein! Niemand ist hier!‹«

21Als Jael, die Frau des Heber, draußen war,nahm sie einen Zeltpflock und einen Hammer in die Hand.Dann ging sie leise wieder zu ihm ins Zelt hinein.Er aber war völlig erschöpft eingeschlafen.Da schlug sie ihm den Zeltpflockdurch die Schläfe bis in die Erde,sodass er starb.22In diesem Augenblick kam Barak vorbei,der den Sisera verfolgte.Jael ging zu ihm hinaus und sagte zu ihm:»Komm, ich zeig dir den Mann, den du suchst!«Da ging er mit ihr hinein und sah:Sisera lag tot auf dem Boden,ein Zeltpflock hatte seine Schläfe durchbohrt.

23So demütigte Gott damals Jabin, den König von Kanaan4,23 Kanaan: Bezeichnung für das Gebiet zwischen Jordantal und Mittelmeer bis zur Stadt Sidon, bevor es durch das Volk Israel in Besitz genommen wurde.,vor den Augen der Israeliten.24Die Israeliten aber gewannen die Oberhand über Jabin.Sie bedrängten den König von Kanaan immer härter,bis sie seine Macht ganz vernichtet hatten.
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Siegeslied der Debora

51Damals sangen Debora und Barak5,1 Debora und Barak: Vom Sieg Deboras und Baraks über Jabin, den König von Kanaan, erzählt Richter 4., der Sohn des Abinoam,das folgende Lied:

2Die Helden Israels ziehen in den Krieg,

das Volk zieht bereitwillig hinter ihnen her.

Preist den Herrn5,2 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr.!

3Hört, ihr Könige!

Horcht, ihr Fürsten!

Ich will für den Herrn ein Lied singen,

ich will den Herrn preisen, Israels Gott.

4Herr, du bist von Seir5,4 Seir: Gebirgszug südöstlich des Toten Meers und Siedlungsgebiet der Edomiter. ausgezogen,

über die Berghänge Edoms bist du geschritten.

Da bebte die Erde, der Himmel öffnete sich,

und Wasserbäche stürzten aus den Wolken herab.

5Da wankten die Berge vor dem Herrn,

der Berg Sinai5,5 Berg Sinai: Gottesberg in der Wüste, auf dem Gott im Gewittersturm erscheint und Mose die Zehn Gebote erhält; vgl. 2. Mose/Exodus 19–20. vor dem Herrn, Israels Gott.

6In den Tagen des Schamgar5,6 Schamgar: Einer von den Richtern, der Israel durch eine Heldentat rettete; vgl. Richter 3,31., Anats Sohn,

zur Zeit der Jael5,6 Jael: Frau des Keniters Heber, die in der Deboraschlacht den feindlichen Feldherrn Sisera tötete; vgl. Richter 4,17-22. waren die Straßen verlassen.

Wer trotzdem eine Reise unternahm,

musste sich Schleichwege suchen.

7Die Bauern ließen ihre Arbeit ruhn,

und alles Leben in Israel stand still.

Doch dann bist du aufgestanden, Debora,

aufgestanden wie eine Mutter in Israel.

8Damals suchte man sich neue Götter5,8 Götter: Götter, die von anderen Völkern verehrt werden. Israel hat nur einen einzigen Gott.,

da tobte schon der Kampf vor den Toren.

Doch kein Schild5,8 Schild: Abwehrwaffe in der Schlacht und Bild für Gottes Schutz., keine Lanze5,8 Lanze: Waffe eines Soldaten, die im Nahkampf eingesetzt wird. war zu sehen

bei den 40.000 Mann in Israel.

9Mein Herz schlägt für die Helden Israels.

Die im Volk ziehen bereitwillig in den Krieg.

Preist den Herrn!

10Denkt daran, wenn ihr auf Eselinnen reitet,

wenn ihr auf Teppichen sitzt oder zu Fuß geht!

11Horcht bei den Brunnen, wo man Wasser schöpft!

Dort singt man Lieder über die Taten des Herrn.

Was hat er nicht alles für Israels Bauern getan!

Da zog das Volk des Herrn hinab zu den Toren.

12Wach auf, Debora, wach auf!

Wach auf, wach auf und sing dein Lied!

Steh auf, Barak, Abinoams Sohn!

Nimm deine Gefangenen gefangen!

13Da zog Israel hinab zu den Starken.

Ja, das Volk des Herrn zog zu Barak hinab

mit den besten Soldaten.

14Aus Efraim zogen sie hinab in die Ebene,

hinter ihnen kam Benjamin mit seinen Scharen.

Von Machir5,14 Machir: Der Personenname steht hier für den Stamm Manasse. Nach Josua 17,1 ist Machir der erstgeborene Sohn des Stammvaters Manasse. zogen die Helden los,

von Sebulon5,14 Sebulon: Einer der zwölf Stämme Israels. Sein Siedlungsgebiet liegt in Galiläa, östlich des Gebirges Karmel., die den Herrscherstab trugen.

15Die Fürsten von Issachar kamen mit Debora,

und Issachar zog hinter Barak hinab ins Tal.

Die Abteilungen Rubens5,15 Abteilungen Rubens: Der Stamm Ruben kann sich nicht entscheiden, sein Hirtendasein aufzugeben und mit Barak in den Krieg zu ziehen. Weitere kampfunwillige Stämme sind Dan, Ascher und Gad, der hier »Gilead« genannt wird. schwankten noch,

große Bedenken trugen sie im Herzen.

16»Was sitzt ihr da bei den Weidezäunen?

Wie lange wollt ihr noch bei den Herden verweilen,

bis man euch herbeipfeift?«

Doch die Abteilungen Rubens schwankten,

große Bedenken trugen sie im Herzen.

17Gilead5,17 Gilead: Hier Bezeichnung für den Stamm Gad, dessen Siedlungsgebiet in der Gegend von Gilead lag. blieb auf der anderen Seite des Jordan,

und Dan5,17 Dan: Einer der zwölf Stämme Israels. Sein Siedlungsgebiet liegt im Norden des Landes. suchte Arbeit auf den Schiffen – warum?

Ascher5,17 Ascher: Einer der zwölf Stämme Israels. Sein Siedlungsgebiet liegt am Mittelmeer, nördlich des Gebirges Karmel. blieb an der Küste des Meeres

und vertrieb sich die Zeit in seinen Buchten.

18Sebulon5,18 Sebulon: Einer der zwölf Stämme Israels. Sein Siedlungsgebiet liegt in Galiläa, östlich des Gebirges Karmel. ist dagegen ein Volk,

das sein Leben aufs Spiel setzt.

Auch Naftali5,18 Naftali: Einer der zwölf Stämme Israels. Sein Siedlungsgebiet liegt in Galiläa. steht bereit

auf den Hügeln seines Gebietes.

19Könige kamen und kämpften.

Damals kämpften die Könige Kanaans5,19 Kanaan: Bezeichnung für das Gebiet zwischen Jordantal und Mittelmeer bis zur Stadt Sidon, bevor es durch das Volk Israel in Besitz genommen wurde..

Das war in Taanach am Wasser von Megiddo5,19 Megiddo: Bedeutende Stadt im nördlichen Israel, an der Kreuzung zweier Handelsstraßen..

Doch Silber gewannen sie nicht in diesem Krieg.

20Vom Himmel her kämpften die Sterne,

aus ihren Bahnen stritten sie gegen Sisera5,20 Sisera: Kommandant im Heer des Königs von Kanaan, vgl. Richter 4,1-3..

21Der Bach Kischon riss die Feinde mit sich fort,

der Bach aus uralten Zeiten5,21 aus uralten Zeiten: Damit ist gesagt, dass der Bach Kischon als eine übermenschliche Macht in den Kampf eingreift und seinen Beitrag zum Sieg leistet., der Bach Kischon.

Auf, meine Seele, nimm alle Kraft zusammen!

22Damals dröhnte der Boden von den Hufen der Rosse.

Im Galopp, im Galopp stürmten die Starken voran.

23»Verflucht5,23 Fluch: Ein Unheil bringendes Wort, durch das die Lebenskraft oder das Wohlergehen des Verfluchten gemindert werden soll. sei Meros5,23 Meros: Stadt auf dem Gebirge Gilboa, die keine Truppen in die Schlacht schickte.«, sprach der Engel des Herrn.

Verflucht und nochmals verflucht seine Bewohner.

Denn sie kamen dem Herrn nicht zu Hilfe,

dem Herrn mit seinen Helden.

24Gepriesen sei Jael5,24 Jael: Richter 4,17-22 erzählt, wie Jael Sisera, den Heerführer eines feindlichen Heers, tötet., die Frau des Keniters Heber.

Unter den Frauen sei sie gepriesen in ihrem Zelt.

25Er5,25 er: Der Feldherr Sisera, als er in das Zelt der Jael einkehrte; vgl. Richter 4,19. verlangte nach Wasser, sie gab ihm Milch.

Sie reichte ihm Sahne in einer herrlichen Schale.

26Ihre Hand streckte sie aus nach dem Zeltpflock,

mit der anderen griff sie zum Hammer.

Sie erschlug Sisera5,26 Sisera: Richter 4,17-22 erzählt, wie Sisera, der Kommandant im Heer des Königs von Kanaan, von Jael getötet wird., zerschmetterte ihm den Kopf,

hämmerte und durchbohrte seine Schläfe.

27Da krümmte er sich zu ihren Füßen,

lag vor ihr auf dem Boden und starb.

Zu ihren Füßen krümmte er sich auf dem Boden.

Und wo er sich krümmte, blieb er erschlagen liegen.

28Die Mutter Siseras5,28 Sisera: Kommandant im Heer des Königs von Kanaan, vgl. Richter 4,1-3. hielt Ausschau am Fenster,

durch das Fenstergitter spähte sie hinaus.

»Warum kehrt sein Streitwagen5,28 Streitwagen: Ein für den Krieg ausgerüsteter Wagen mit zwei oder drei Mann Besatzung. noch nicht heim?

Warum hört man das Dröhnen seiner Wagen nicht?«

29Die Klügsten unter den Hofdamen antworten ihr,

sie selbst wiederholt ihre Worte:

30»Sie haben Beute gemacht und teilen sie jetzt:

eine Frau, zwei Frauen für jeden Mann,

Beute an bunten Kleidern für Sisera,

ein Tuch, zwei Tücher für seinen Hals.«

31So werden alle deine Feinde umkommen, Herr.

Aber die ihn lieben, werden sein wie die Sonne,

wenn sie aufgeht in ihrer Kraft.

Und das Land hatte 40 Jahre Ruhe vor dem Krieg.
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Gideon

Richter 6,1–8,35

Die Midianiter überfallen das Land

61Die Israeliten taten,was in den Augen des Herrn6,1 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr. böse war.Da lieferte sie der Herr den Midianitern6,1 Midianiter: Kamelnomaden aus den Wüstengebieten östlich des Jordan. aus,die sie sieben Jahre lang unterdrückten.2Die Midianiter gewannen die Oberhand über Israel.Um sich vor den Midianitern zu schützen,legten die Israeliten Verstecke in den Bergen an.Sie suchten sich Höhlen und Zufluchtsorte.3Doch Jahr für Jahr,wenn die Israeliten ihre Felder bestellt hatten,überfielen die Midianiter ihr Land –zusammen mit den Amalekitern6,3 Amalekiter: Räuberisches Nomadenvolk im Südwesten Israels und auf der Sinaihalbinsel. Sie werden als Sinnbild für die Feinde Israels genannt. und den Beduinen6,3 Beduinen: Wörtlich »Söhne des Ostens«, gemeint sind weitere nomadische Gruppen östlich des Jordan..4Sie errichteten ihr Zeltlagerund vernichteten die Ernte im ganzen Landbis hinab in die Gegend von Gaza6,4 Gaza: Bedeutende Stadt der Philister und Handelsstadt, im heutigen Gazastreifen gelegen..Sie ließen nichts übrig, was Israel zum Leben brauchte,auch keine Schafe, keine Rinder, keine Esel.

5Jahr für Jahr kamen sie mit ihren Herden und Zelten.Und wenn sie über das Land herfielen,waren sie so zahlreich wie die Heuschrecken6,5 Heuschrecken: Flugfähige und gefräßige Insekten, die sich von Grünpflanzen ernähren. In Schwärmen von Millionen Einzeltieren können sie ganze Ernten vernichten..Weder sie noch ihre Kamele konnte man zählen.So kamen sie ins Land und verwüsteten es.6Durch die Überfälle der Midianiterwurden die Israeliten arm und ärmer.Da schrien sie zum Herrn um Hilfe.

Ein Prophet redet den Israeliten ins Gewissen

7Die Israeliten schrien wegen der Midianiter6,7 Midianiter: Kamelnomaden aus den Wüstengebieten östlich des Jordan.zum Herrn6,7 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr. um Hilfe.8Da schickte der Herr einen Propheten6,8 Prophet: Verkündet, was Gott in einer bestimmten Situation zu sagen hat..Der sagte zu den Israeliten:»So spricht der Herr6,8 so spricht der Herr: Typische Einleitung eines Gotteswortes, vor allem in prophetischen Büchern., der Gott Israels:Ich habe euch aus Ägypten geführt6,8 aus Ägypten geführt: 2. Mose/Exodus 1–15 erzählt, wie Gott sein Volk aus der Sklaverei in Ägypten befreit.,aus dem Leben in der Sklaverei.9Ich habe euch aus der Gewalt der Ägypter befreitund aus der Gewalt aller eurer Bedrücker.Ich habe sie vor euch vertrieben.Dann habe ich euch ihr Land gegeben.10Und ich sagte zu euch6,10 ich sagte zu euch: Ähnliche Worte finden sich in 2. Mose/Exodus 34,12-14.:Ich bin der Herr, euer Gott!Ihr sollt die Götter der Amoriter6,10 Götter der Amoriter: Sie wurden von den Bewohnern des Landes verehrt, die schon vor den Israeliten in Kanaan lebten. nicht verehren,in deren Land ihr jetzt wohnt.Aber ihr habt nicht auf mich gehört!«

Gott ruft Gideon zum Kampf

11Der Engel6,11 Engel: Boten Gottes, die in seinem Auftrag unterwegs sind und seine Botschaft überbringen. des Herrn6,11 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr. kamund setzte sich unter die Terebinthe6,11 Terebinthe: Eine Pistazienart, die man auch als heiligen Baum verehrte. bei Ofra.Sie gehörte Joasch, einem Nachkommen des Abieser6,11 Abieser: Seine Familie gehörte zu dem Teil des Stamms Manasse, der Wohngebiete westlich des Jordan bekommen hatte; vgl. Josua 17,2..Sein Sohn Gideon war gerade dabei,in der Kelter6,11 Kelter: Eine aus dem Fels gehauene Grube, die eigentlich zum Auspressen von reifen Trauben dient. Gideon drischt das Getreide in der Grube, damit er von den Midianitern nicht gesehen werden kann. Weizen zu dreschen6,11 dreschen: Das Lösen der Getreidekörner aus der Ähre mithilfe eines Stocks oder anderer Geräte bei der Ernte..Er wollte das Korn in Sicherheit bringen,bevor die Midianiter6,11 Midianiter: Kamelnomaden aus den Wüstengebieten östlich des Jordan. es rauben konnten.12Da erschien ihm der Engel des Herrnund sagte zu ihm:»Der Herr ist mit dir, du starker Kriegsheld!«13Gideon fragte nach:»Wie meinst du das, mein Herr?Wenn der Herr mit uns ist,warum passiert uns dann das alles?Wo sind alle seine Wundertaten geblieben,von denen uns unsere Väter erzählt haben?Sagten sie nicht:Der Herr hat uns aus Ägypten geführt6,13 aus Ägypten geführt: 2. Mose/Exodus 1–15 erzählt, wie Gott sein Volk aus der Sklaverei in Ägypten befreit.?Doch jetzt lässt uns der Herr im Stich.Die Midianiter können mit uns machen, was sie wollen.«14Da gab ihm der Herr den Auftrag:»Geh los! Du hast die Kraft dazu!Du wirst Israel aus der Gewalt der Midianiter retten.Ja, ich bin es, der dich schickt!«15Gideon fragte nach:»Wie meinst du das, mein Herr?Wie soll ich denn Israel retten?Meine Familie ist die ärmste im Stamm Manasse6,15 Manasse: Stamm Israels, der nach einem der beiden Söhne Josefs benannt ist. Die eine Hälfte seines Siedlungsgebiets liegt zwischen Mittelmeer und Jordan, die andere erstreckt sich von dort aus weiter ins Ostjordanland.,und ich bin der Jüngste in meines Vaters Haus!«16Da sagte der Herr zu ihm:»Ich bin mit dir!Du wirst die Midianiter schlagen, alle auf einmal!«17Gideon antwortete ihm:»Wenn ich Gnade gefunden habe in deinen Augen,so gib mir ein Zeichen!Dann weiß ich, dass du es bist, der mit mir redet.18Doch jetzt geh nicht weg von hier!Ich komme gleich zu dir zurück.Ich hole nur kurz ein Geschenk,das ich dir als meinen Gast machen will.«Er sagte: »Ich warte hier, bis du zurückkommst.«

19Daraufhin ging Gideon ins Haus.Er kochte ein Ziegenböckchen und backte Brote.Er hatte dafür noch einen Sack Mehl6,19 Sack Mehl: Wörtlich »ein Efa«. Ein Efa ist ein Gefäß zum Abmessen von Getreide und Mehl und fasst etwa 20–21 l. 20 l Mehl wiegen etwa 12 kg. übrig.Dann legte er das Fleisch in einen Korbund tat die Brühe in einen Topf.Beides brachte er zu dem Platz unter der Terebinthe6,19 Terebinthe: Eine Pistazienart, die man auch als heiligen Baum verehrte.und bot es dem Engel6,19 Engel: Boten Gottes, die in seinem Auftrag unterwegs sind und seine Botschaft überbringen. Gottes an.20Doch der sagte zu ihm:»Nimm das Fleisch und die Brühe!Siehst du den Felsen dort?Leg das Fleisch auf den Felsenund gieß die Brühe darüber!«Genauso machte er es.21Der Engel des Herrn hatte einen Stab in der Hand.Mit seiner Spitze berührte er das Fleisch und die Brote.Sofort schlug Feuer aus dem Felsen und verzehrte beides.Dann war der Engel des Herrn plötzlich verschwunden.22Nun wusste Gideon, wer bei ihm gewesen war:Es war der Engel des Herrn.Da rief er aus: »Wehe mir, Herr, mein Gott!Denn ich habe den Engel des Herrn gesehen,von Angesicht zu Angesicht6,22 von Angesicht zu Angesicht: Kein Mensch kann Gottes Angesicht sehen und am Leben bleiben, vgl. 2. Mose/Exodus 33,20.23Doch der Herr antwortete ihm:»Friede sei mit dir! Fürchte dich nicht!Du musst nicht sterben!«24Da baute Gideon dort einen Altar6,24 Altar: Eine Art Tisch oder Podest, auf dem einer Gottheit Opfergaben dargebracht wurden. für den Herrnund gab ihm den Namen: Der Herr ist Friede.Bis heute steht der Altar noch dort in Ofra,dem Wohnort der Nachkommen des Abieser.

Gideon zerstört den Altar des Baal

25In der Nacht sprach der Herr6,25 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr. zu ihm:»Nimm einen jungen Stier, der deinem Vater gehört,nämlich einen Stier von sieben Jahren!Dann reiß den Altar6,25 Altar: Eine Art Tisch oder Podest, auf dem einer Gottheit Opfergaben dargebracht wurden. für den Gott Baal6,25 Baal: Palästinisch-syrischer Wettergott. Er galt als Herrscher über Wolken, Wind und Regen, der für die Fruchtbarkeit des Landes sorgt. nieder,der deinem Vater gehört!Auch den Kultpfahl6,25 Kultpfahl: Hebräisch Aschera. Ein von Menschen aufgerichteter Holzpfahl mit religiöser Bedeutung. für die Göttin Aschera6,25 Aschera: Kanaanitische Fruchtbarkeitsgöttin, die als Partnerin dem Gott Baal zugeordnet ist.,der danebensteht, sollst du umhauen.26Dann bau einen neuen Altar für den Herrn,deinen Gott!Oben auf dem Berg sollst du ihn errichtenund die Steine der Reihe nach aufschichten.Dann nimm den jungen Stierund bring ihn als Brandopfer6,26 Brandopfer: Das geschlachtete Opfertier wird mit Ausnahme der Haut bzw. des Fells vollständig auf dem Brandopferaltar verbrannt. dar!Verwende dazu das Holz des Kultpfahls,den du umgehauen hast!«27Da nahm Gideon zehn Männer von seinen Leuten mit sichund führte aus, was der Herr ihm befohlen hatte.Gideon aber wollte es nicht am Tag tun.Denn er fürchtete sich vor seiner Familieund vor den Bürgern der Stadt.So tat er es im Schutz der Nacht.

28Als die Bürger der Stadt in der Frühe aufstanden,sahen sie die Bescherung:Der Altar6,28 Altar: Eine Art Tisch oder Podest, auf dem einer Gottheit Opfergaben dargebracht wurden. des Baal6,28 Baal: Palästinisch-syrischer Wettergott. Er galt als Herrscher über Wolken, Wind und Regen, der für die Fruchtbarkeit des Landes sorgt. war niedergerissenund der Kultpfahl6,28 Kultpfahl: Hebräisch Aschera. Ein von Menschen aufgerichteter Holzpfahl mit religiöser Bedeutung., der danebenstand, umgehauen.Der junge Stier aber war auf dem neu gebauten Altarals Brandopfer6,28 Brandopfer: Das geschlachtete Opfertier wird mit Ausnahme der Haut bzw. des Fells vollständig auf dem Brandopferaltar verbrannt. dargebracht worden.29Da fragte einer den andern:»Wer hat das getan?«Als sie nun nachforschten und herumfragten,hieß es auf einmal:»Gideon war’s, der Sohn des Joasch!Er hat das getan.«30Da sagten die Bürger der Stadt zu Joasch:»Gib deinen Sohn heraus! Er muss sterben!Denn er hat den Altar des Baal niedergerissenund den Kultpfahl der Aschera umgehauen,der danebenstand.«31Joasch aber sagte zu den Leuten, die ihn bedrängten:»Was ist denn mit euch los?Ergreift ihr jetzt Partei für Baalund wollt für seine Sache eintreten?Wenn Baal ein Gott ist,dann soll er selbst für seine Sache eintreten.Es ist ja doch sein Altar, der niedergerissen wurde!Wer aber jetzt Partei für Baal ergreift,der soll bis zum nächsten Morgen getötet werden.«32Gideon gab man an diesem Tag den Namen Jerubbaal6,32 Jerubbaal: Der Name bedeutet: »Baal möge streiten«..Man wollte damit sagen:Soll doch Baal selbst gegen ihn streiten.Denn es ist ja sein Altar, den er niedergerissen hat.

Gideon bittet Gott um ein Zeichen

33Alle Midianiter6,33 Midianiter: Kamelnomaden aus den Wüstengebieten östlich des Jordan., Amalekiter6,33 Amalekiter: Räuberisches Nomadenvolk im Südwesten Israels und auf der Sinaihalbinsel. Sie werden als Sinnbild für die Feinde Israels genannt. und Beduinen6,33 Beduinen: Wörtlich »Söhne des Ostens«. Meint Gruppen von Nomaden, die östlich des Jordan leben.taten sich zum Kriegszug zusammen.Sie zogen herüberund errichteten ihre Lager in der Ebene Jesreel6,33 Ebene Jesreel: Fruchtbare Ebene im Norden Israels, zwischen den Bergen von Galiläa und dem Gebirge Gilboa gelegen..34Da packte der Geist des Herrn6,34 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr. den Gideon.Der blies in das Widderhorn6,34 Widderhorn: Hebräisch schofar. Ein Musik- und Signalinstrument, das aus dem Horn eines Widders hergestellt wird. zum Kampf,und alle Nachkommen Abiesers folgten seinem Ruf.35Dann schickte er Boten in Manasse6,35 Manasse: Stamm Israels, der nach einem der beiden Söhne Josefs benannt ist. Die eine Hälfte seines Siedlungsgebiets liegt zwischen Mittelmeer und Jordan, die andere erstreckt sich von dort aus weiter ins Ostjordanland. umher.Auch die Manassiter folgten seinem Ruf.Schließlich schickte er Boten zu weiteren Stämmen,zu Ascher6,35 Ascher: Einer der zwölf Stämme Israels. Sein Siedlungsgebiet liegt am Mittelmeer, nördlich des Gebirges Karmel., Naftali6,35 Naftali: Einer der zwölf Stämme Israels. Sein Siedlungsgebiet liegt in Galiläa. und Sebulon6,35 Sebulon: Einer der zwölf Stämme Israels. Sein Siedlungsgebiet liegt in Galiläa, östlich des Gebirges Karmel..Auch sie schickten ihm Truppen zu Hilfe.

36Gideon sagte zu Gott:»Willst du Israel wirklich durch mich retten,wie du es gesagt hast?37Wenn ja, gib mir ein Zeichen:Ich lege hier frische Schafwolle auf den Dreschplatz6,37 Dreschplatz: Ebener Platz außerhalb einer Siedlung, auf dem das Getreide gedroschen und die Spreu vom Weizen getrennt wird..Wenn nur die Schafwolle vom Tau6,37 Tau: Feuchtigkeit, die sich über Nacht in Form von Tröpfchen ablagert. So werden die Pflanzen im trockenen Sommer oder in der Wüste mit Wasser versorgt. nass ist,aber der Boden drum herum ganz trocken,so weiß ich: Du wirst Israel durch mich retten,wie du es gesagt hast.«38Als er nun früh am Morgen aufstandund die Schafwolle anfasste, war sie nass vom Tau.Eine Schale voll Wasser presste er aus ihr heraus.39Da sagte Gideon zu Gott:»Sei mir bitte nicht böse,wenn ich nochmals davon anfange.Lass es mich umgekehrt mit der Schafwolle versuchen:Die Schafwolle allein soll trocken sein,aber der Boden drum herum ganz nass.«40Auch dafür sorgte Gott in der Nacht.Die Schafwolle allein blieb trocken,aber der Boden drum herum war nass.