BasisBibel (BB)
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Der Engel des Herrn klagt an

21Der Engel2,1 Engel: Boten Gottes, die in seinem Auftrag unterwegs sind und seine Botschaft überbringen. des Herrn2,1 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr. kam von Gilgal2,1 Gilgal: Heiligtum in der Nähe von Jericho. Dort haben die Israeliten nach ihrem Durchzug durch den Jordan zwölf Steine aufgestellt, vgl. Josua 4,19-20. nach Bochim.Er sprach: »Ich habe euch aus Ägypten geführt2,1 aus Ägypten geführt: 2. Mose/Exodus 1–15 erzählt, wie Gott sein Volk aus der Sklaverei in Ägypten befreit..Dann habe ich euch in das Land gebracht,von dem ich euren Vorfahren geschworen2,1 euren Vorfahren geschworen: In 2. Mose/Exodus 6,7-8 verspricht Gott, sein Volk aus der Sklaverei in Ägypten zu führen und ihnen Land zu schenken. habe,dass es euch gehören soll.Damals hatte ich gesagt:›Ich will meinen Bund2,1 Bund: Vertrag, mit dem zwei Partner eine gegenseitige Verpflichtung eingehen. Ist Gott einer der Partner, kann er sich auch einseitig zur Treue gegenüber seinem Volk oder einzelnen Menschen verpflichten. niemals brechen.‹2Euch aber hatte ich gesagt2,2 euch aber hatte ich gesagt: Diese Anweisung Gottes findet sich in 2. Mose/Exodus 34,12-13.:›Ihr sollt keinen Vertrag schließenmit den Bewohnern des Landes!Ihr sollt ihre Altäre zerstören!‹Doch was habt ihr getan?Ihr habt nicht auf mich gehört!3So sage ich euch jetzt:Ich will sie nicht aus eurem Land vertreiben.Dann werdet ihr ihnen in die Falle gehen,und ihre Götter2,3 Götter: Götter, die von anderen Völkern verehrt werden. Israel hat nur einen einzigen Gott. werden euch zum Verhängnis werden.«4Als der Engel des Herrn diese Drohunggegen alle Israeliten ausgesprochen hatte,begann das Volk zu weinen.5Darum nannte man den Ort Bochim,das bedeutet: die Weinenden.Dann brachten sie dort Schlachtopfer2,5 Schlachtopfer: Fett und Innereien wurden als Dank für Gott verbrannt, während das Fleisch von den Opfernden gegessen wurde. dar für den Herrn.

Ausblick auf die Zeit der Richter

Richter 2,6–3,6

Josuas Tod und Begräbnis

6Josua2,6 Josua: Nachfolger von Mose. Nach dessen Tod führte er Israel in das verheißene Land. schickte das Volk heim.So kehrten die Israeliten zurück,jeder zu seinem Erbbesitz2,6 Erbbesitz: Der Anteil der Israeliten an dem Land, das Gott ihnen gibt. Sie dürfen das Land für ihren Lebensunterhalt nutzen, der Eigentümer bleibt Gott.,um das Land einzunehmen.7Das Volk aber diente dem Herrn2,7 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr.,solange Josua lebte.Auch nach seinem Tod blieben sie dabei,solange die Ältesten2,7 Älteste: Bezeichnung für ein leitendes Amt in der Gemeinschaft, das von älteren Männern ausgeübt wurde. lebten.Die waren noch Augenzeugen von allem gewesen,was der Herr Großes für Israel getan hatte.8Josua, der Sohn des Nun, der Knecht des Herrn,starb im Alter von 110 Jahren.9Man begrub ihn im Gebiet seines Erbbesitzes,nämlich in Timnat-Heres auf dem Gebirge Efraim2,9 Efraim: Gebirgszug im mittleren Westjordanland. Der Name kommt vom Stamm Efraim, der dort sein Siedlungsgebiet hatte.,nördlich vom Berg Gaasch.10Als schließlich alle gestorben waren,die zu seiner Generation gehört hatten,folgte ihnen eine neue Generation.Die wusste nichts mehr vom Herrnund von allem, was er für Israel getan hatte.

Die Geschichte der Richter wiederholt sich

11Die Israeliten taten,was in den Augen des Herrn2,11 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr. böse war:Sie dienten den Baal-Göttern2,11 Baal-Götter: Sammelbezeichnung für Gottheiten, die im östlichen Mittelmeerraum verehrt wurden.12und verließen den Herrnden Gott ihrer Vorfahren,der sie aus dem Land Ägypten geführt2,12 aus Ägypten geführt: 2. Mose/Exodus 1–15 erzählt, wie Gott sein Volk aus der Sklaverei in Ägypten befreit. hatte.Ja, sie folgten den fremden Göttern,die ihre Nachbarvölker verehrten,und beteten sie an.So reizten sie den Herrn zum Zorn.

13Als sie aber den Herrn verließen,um Baal2,13 Baal: Palästinisch-syrischer Wettergott. Er galt als Herrscher über Wolken, Wind und Regen, der für die Fruchtbarkeit des Landes sorgt. und den Astarten2,13 Astarte: Im palästinisch-syrischen Raum verehrte Kriegs- und Liebesgöttin. Die Mehrzahl »Astarten« steht hier für fremde Göttinnen im Allgemeinen. zu dienen,14packte den Herrn der Zorn.Er überließ die Israeliten den Räubern,die sie ausraubten.Er lieferte sie den Nachbarvölkern aus,die sie bekämpften.Und die Israeliten hatten keine Kraft,ihren Feinden zu widerstehen.15Sooft sie nämlich ins Feld zogen,war der Herr gegen sie.Dann stürzte er sie ins Unglück,wie es der Herr ihnen angedrohtund durch einen Schwur bekräftigt hatte.So brachte er sie in große Bedrängnis2,15 in große Bedrängnis: Die folgenden Richtergeschichten setzen voraus, dass die Israeliten daraufhin Gott um Hilfe anflehen; vgl. beispielsweise Richter 3,9..

16Dann ließ der Herr Richter2,16 Richter: Von Gott eingesetzte Anführer, vor allem für den Kampf gegen äußere Feinde. auftreten,die das Volk aus der Gewalt der Räuber retteten.17Aber auch ihren Richtern gehorchten sie nicht.Sie liefen fremden Göttern2,17 Götter: Götter, die von anderen Völkern verehrt werden. Israel hat nur einen einzigen Gott. nach und beteten sie an.So schnell also waren sie vom Weg abgekommen,den ihre Vorfahren eingeschlagen hatten.Die hatten den Geboten des Herrn gehorcht.Sie aber taten es nicht. –18Sooft nun der Herr Richter auftreten ließ,war der Herr mit dem Richter.Und so rettete er die Israelitenaus der Gewalt ihrer Feinde,solange der Richter lebte.Denn es tat dem Herrn leid,wenn er die Israeliten jammern hörte –so sehr litten sie unter den Feinden,die sie quälten und unterdrückten.

19War der Richter2,19 Richter: Von Gott eingesetzte Anführer, vor allem für den Kampf gegen äußere Feinde. aber tot,wurden die Israeliten wieder rückfällig.Ja, sie trieben es noch schlimmerals die Generation davor.Sie liefen den fremden Göttern2,19 Götter: Götter, die von anderen Völkern verehrt werden. Israel hat nur einen einzigen Gott. nach,dienten ihnen und beteten sie an.Sie ließen nichts aus an schlechten Taten,blieben ungehorsam und starrsinnig.

Gott droht Israel Konsequenzen an

20Der Herr2,20 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr. geriet in Zorn über Israel.Er sprach: »Ich werde das nicht durchgehen lassen:Dieses Volk hat sich nicht an meinen Bund2,20 Bund: Vertrag, mit dem zwei Partner eine gegenseitige Verpflichtung eingehen. Ist Gott einer der Partner, kann er sich auch einseitig zur Treue gegenüber seinem Volk oder einzelnen Menschen verpflichten. gehalten,den ich mit ihren Vorfahren geschlossen habe.Sie haben mir nicht gehorcht.21Nun werde ich von den Völkern keines mehr vertreiben.Alle Völker, die Josua2,21 Josua: Nachfolger von Mose. Nach dessen Tod führte er Israel in das verheißene Land. nicht besiegen konnte,bleiben nach seinem Tod im Land.22Dadurch will ich Israel auf die Probe stellen:Werden sie auf dem Weg des Herrn bleibenwie ihre Vorfahren?Werden sie auf ihm weitergehen?Oder tun sie es nicht?«23So ließ der Herr die fremden Völker in Ruhe.Er wollte sie nämlich nicht so schnell vertreiben.Auch Josua hatte er sie nicht in die Hand gegeben.
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Die im Land verbliebenen Völker

31Es folgt eine Aufzählung der fremden Völker,die der Herr3,1 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr. im Land gelassen hatte.Durch sie wollte er Israel auf die Probe stellen.Dabei dachte er an alle,die den Krieg im Land Kanaan3,1 Kanaan: Bezeichnung für das Gebiet zwischen Jordantal und Mittelmeer bis zur Stadt Sidon, bevor es durch das Volk Israel in Besitz genommen wurde. nicht miterlebt hatten.2Denn auch die künftigen Generationen der Israelitensollten lernen, wie man einen Krieg führt.Sie hatten ja die früheren Kämpfe nicht miterlebt.3Und das sind die fremden Völker:die fünf Stadtfürsten der Philister3,3 fünf Stadtfürsten der Philister: Die Zentren der Philister waren die Städte Ekron, Aschdod, Gat, Aschkelon und Gaza.,die Kanaaniter, die Phönizier3,3 Phönizien: Schmaler Landstreifen an der östlichen Mittelmeerküste vor allem auf dem Gebiet des heutigen Libanon. und die Hiwiter,die auf dem Libanongebirge3,3 Libanon: Gebirgszug nördlich von Israel mit bis zu 3000 m hohen, dicht bewaldeten Bergen. wohnen,und zwar zwischen dem Berg Baal-Hermon und Lebo-Hamat.4Durch sie sollte Israel auf die Probe gestellt werden.Denn der Herr wollte herausfinden,ob die Israeliten seinen Geboten3,4 Gebote: Bestimmungen, die Gott den Menschen gegeben hat. Sie ordnen das Leben so, wie es nach Gottes Willen sein soll. gehorchen würden.Die hatte er ja ihren Vorfahren durch Mose3,4 Mose: Führte Israel im Auftrag Gottes aus Ägypten und erhielt am Berg Sinai die Zehn Gebote. gegeben.5So lebten die Israeliten inmitten der Kanaaniter3,5 Kanaaniter: Bewohner des Gebietes zwischen Jordantal und Mittelmeer, bevor es durch das Volk Israel in Besitz genommen wurde.,Hetiter3,5 Hetiter: Volksgruppe im südlichen Kanaan, bevor das Land durch das Volk Israel in Besitz genommen wurde., Amoriter3,5 Amoriter: Volksgruppe, die im Gebiet östlich und westlich des Jordan lebte, bevor das Volk Israel das Land in Besitz nahm., Perisiter, Hiwiter und Jebusiter3,5 Jebusiter: Bevölkerungsgruppe, die vor den Israeliten in Jerusalem und dem umliegenden Gebiet lebte..6Sie heirateten Frauen aus diesen Völkernund gaben ihnen ihre eigenen Töchter zur Frau.Außerdem dienten sie auch noch deren Göttern.

Die Erzählungen über einzelne Richter

Richter 3,7–16,31

Die Richter Otniel, Ehud und Schamgar

Richter 3,7-31

Otniel

7Die Israeliten taten,was in den Augen des Herrn3,7 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr. böse war:Sie dachten nicht mehr an den Herrn, ihren Gott,und dienten stattdessen den Baalen3,7 Baale: Sammelbezeichnung für Gottheiten, die im östlichen Mittelmeerraum verehrt wurden. und Ascheren3,7 Aschera: In Kanaan verehrte Göttin. Die Mehrzahl »Ascheren« steht hier für fremde Göttinnen im Allgemeinen..8Da geriet der Herr in Zorn über die Israeliten.Er lieferte sie dem König von Mesopotamien3,8 Mesopotamien: Der Name bedeutet »Zweistromland« und bezeichnet eine Region im heutigen Irak, die durch die beiden großen Flüsse Eufrat und Tigris geprägt ist. aus,der Kuschan-Rischatajim hieß.Die Israeliten wurden seine Sklaven,acht Jahre mussten sie Kuschan-Rischatajim dienen.9Die Israeliten schrien zum Herrn um Hilfe.Da ließ der Herr einen Retter auftreten,der den Israeliten half:Otniel, den Sohn des Kenas, den jüngeren Bruder Kalebs3,9 Kaleb: Gemeinsam mit Josua hatte er im Auftrag Gottes das verheißene Land erkundet, vgl. 4. Mose/Numeri 13–14..10Über ihn kam der Geist des Herrn3,10 Geist Gottes: Kraft, durch die Gott in der Welt wirkt..Der befähigte ihn,über Israel zu herrschen und es im Krieg anzuführen.Da gab der Herr den Kuschan-Rischatajim,den König von Mesopotamien, in seine Gewalt.So konnte Otniel den Kuschan-Rischatajim bezwingen.11Und das Land hatte 40 Jahre Ruhe vor dem Krieg.Dann starb Otniel, der Sohn des Kenas.

Ehud

12Die Israeliten taten wieder,was in den Augen des Herrn3,12 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr. böse war.Deshalb machte der Herr den Eglon,den König von Moab3,12 Moab: Nachbarstaat Israels im Ostjordanland., Israel zum Feind.Denn die Israeliten hatten getan,was in den Augen des Herrn böse war.13Eglon brachte ein starkes Heer zusammen,auch die Ammoniter3,13 Ammoniter: Nachbarvolk Israels im Ostjordanland. und Amalekiter3,13 Amalekiter: Räuberisches Nomadenvolk im Südwesten Israels und auf der Sinaihalbinsel. Sie werden als Sinnbild für die Feinde Israels genannt. waren dabei.Dann zog er in den Krieg, besiegte Israelund eroberte die Palmenstadt3,13 Palmenstadt: Anderer Name für die Stadt Jericho im Westjordanland..14Die Israeliten wurden seine Sklaven,18 Jahre mussten sie dem König Eglon von Moab dienen.15Die Israeliten schrien zum Herrn um Hilfe.Da ließ der Herr einen Retter auftreten,der ihnen half:Ehud, den Sohn des Gera, einen Benjaminiter.Er war ein Linkshänder.Durch ihn ließen die Israeliten den Tribut3,15 Tribut: Geld- oder Sachleistungen, die ein unterworfenes Volk an die Großmacht zahlen muss. überbringen,den Eglon, der König von Moab, von ihnen forderte.

16Ehud aber besorgte sich einen zweischneidigen Dolchmit einer 30 Zentimeter3,16 30 Zentimeter: Wörtlich »ein Gomed«. Ein Gomed ist ein nicht näher bestimmtes Längenmaß, das vermutlich 2/3 einer Elle entspricht. langen Klinge.Den band er sich an die rechte Seiteund versteckte ihn unter seinem Mantel.17So brachte er den Tribut zu König Eglon von Moab,und man muss wissen: Eglon war sehr dick.18Nachdem Ehud alles abgeliefert hatte,schickte er die Leute nach Hause,die den Tribut3,18 Tribut: Geld- oder Sachleistungen, die ein unterworfenes Volk an die Großmacht zahlen muss. getragen hatten.19Er selbst begleitete sie noch bis Gilgal3,19 Gilgal: Heiligtum in der Nähe von Jericho, an der Straße zum Jordan gelegen..Doch an der Stelle, wo die Götterbilder3,19 Götterbild: Aus Stein, Ton, Holz oder Metall gefertigtes kleines Standbild einer Gottheit. Seine Herstellung und Verehrung waren in Israel verboten. standen,kehrte er um und ging allein zu Eglon zurück.Er sagte zu ihm: »Mein König!Ich habe eine geheime Botschaft für dich.«Da sagte Eglon: »Sei still!«Dann schickte er alle seine Diener hinaus,die bei ihm waren.

20Ehud war also zum König gekommen.Der hatte sich in einen kühlen Raum zurückgezogen,der auf dem flachen Dach errichtet worden war.Dieser Raum war nur für den König bestimmt.Ehud sagte:»Ich habe eine göttliche Botschaft für dich!«Da erhob sich der König von seinem Sitz.21In diesem Augenblick zückte Ehud den Dolch,mit der linken Hand griff er an seine rechte Seite.Dann stieß er dem König den Dolch in den Bauch.22Die Klinge drang so tief in seinen Leib,dass sogar der Griff darin verschwand.Ehud aber ließ den Dolch in seinem Bauch steckenund entkam durch ein Schlupfloch.

23Bevor Ehud den Tatort durch einen Schacht3,23 Schacht: Die Bedeutung des hebräischen Wortes unsicher, eine Flucht durch die Kanalisation ist denkbar. verließ,verriegelte er von innen die Tür.So verschloss er den Raum oben auf dem Dach.24Kaum war er fort,kamen auch schon die Diener und stellten fest:Die Tür ist von innen verriegelt.Da sagten sie: »Er muss sich wohl gerade erleichtern3,24 erleichtern: Wörtlich »seine Füße bedecken«. Die Formulierung umschreibt die Situation, dass Eglon aufs Klo musste.25Sie warteten, bis es ihnen unangenehm wurde.Doch die Tür zu dem Raum oben auf dem Dachwurde noch immer nicht geöffnet.Da holten sie den Schlüssel, schlossen auf und sahen:Ihr Herr lag tot auf dem Boden.26Ehud aber war inzwischen entkommen,die Diener hatten zu lang gewartet.Ehud war schon an den Götterbildern3,26 Götterbild: Aus Stein, Ton, Holz oder Metall gefertigtes kleines Standbild einer Gottheit. Seine Herstellung und Verehrung waren in Israel verboten. vorbeiund hatte sich nach Seir3,26 Seir: Hier wahrscheinlich eine Ortschaft oder ein Wald im judäischen Bergland. in Sicherheit gebracht.

27Als er auf dem GebirgeEfraim3,27 Efraim: Gebirgszug im mittleren Westjordanland. Der Name kommt vom Stamm Efraim, der dort sein Siedlungsgebiet hatte. ankam,blies er in das Widderhorn3,27 Widderhorn: Hebräisch schofar. Ein Musik- und Signalinstrument, das aus dem Horn eines Widders hergestellt wird. zum Kampf.Da zogen die Israeliten vom Gebirge herabund folgten ihm in die Schlacht.28Er rief ihnen zu: »Auf! Hinter mir her!Denn der Herr hat eure Feinde, die Moabiter3,28 Moabiter: Nachbarvolk Israels im Ostjordanland.,in eure Gewalt gegeben.«Da zogen sie hinter ihm herund besetzten die Übergänge am Jordan3,28 Jordan: Wichtigster Fluss in der Region, der vom Hermongebirge durch den See Gennesaret ins Tote Meer fließt.,die nach Moab hinüberführten.Dort ließen sie niemanden mehr durch.29An diesem Tag erschlugen sie etwa 10.000 Moabiter.Es waren ihre kräftigsten und kriegstüchtigsten Männer.Kein Einziger entkam.30So musste sich Moab an diesem Tag Israel unterwerfen.Und das Land hatte 80 Jahre Ruhe vor dem Krieg.

Schamgar

31Auf Ehud folgte Schamgar, der Sohn des Anat.Der erschlug von den Philistern3,31 Philister: Nachbarvolk Israels im Westen. Ihr Siedlungsgebiet lag vor allem in der südlichen Küstenebene am Mittelmeer. 600 Mann.Er hatte dafür nur einen Ochsenstecken3,31 Ochsenstecken: Ein mit einer Eisenspitze besetzter Stab, mit dem man die Zugtiere beim Pflügen lenkte. zur Hand.Und so rettete auch er Israel.
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Die Richterin Debora und Barak

Richter 4,1–5,31

Debora ruft Barak zum Kampf

41Kaum war Ehud gestorben,taten die Israeliten schon wieder,was in den Augen des Herrn4,1 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr. böse war.2Der Herr aber lieferte sie Jabin aus.Der war König von Kanaan4,2 Kanaan: Bezeichnung für das Gebiet zwischen Jordantal und Mittelmeer bis zur Stadt Sidon, bevor es durch das Volk Israel in Besitz genommen wurde. und regierte in Hazor4,2 Hazor: Stadt im Norden Israels, an der Kreuzung zweier bedeutender Handelsstraßen gelegen..Der Kommandant seines Heeres hieß Siseraund hatte sein Hauptquartier in Haroschet-Gojim.3Die Israeliten schrien zum Herrn um Hilfe.Denn Jabin verfügte über 900 eiserne Streitwagen4,3 Streitwagen: Ein für den Krieg ausgerüsteter Wagen mit zwei oder drei Mann Besatzung..20 Jahre unterdrückte er die Israeliten mit Gewalt.

4Debora war eine Prophetin4,4 Prophet: Verkündet, was Gott in einer bestimmten Situation zu sagen hat.,die mit Lappidot verheiratet war.Sie herrschte damals als Richterin4,4 Richter: Von Gott eingesetzte Anführer, vor allem für den Kampf gegen äußere Feinde. über Israel.5Ihren Amtssitz hatte sie unter der Debora-Palme,zwischen Rama4,5 Rama: Stadt an der Südgrenze von Efraim gelegen. und Bet-El4,5 Bet-El: Ortschaft 16 km nördlich von Jerusalem. Der Name bedeutet übersetzt »Haus Gottes«. auf dem Gebirge Efraim.Dorthin gingen die Israeliten,wenn ein Rechtsfall zu entscheiden war.6Debora ließ nun Barak zu sich rufen.Der war der Sohn des Abinoamund stammte aus Kedesch4,6 Kedesch: Stadt im Norden Israels, 7 km nordwestlich vom Einfluss des Jordan in den Hule-See. im Gebiet von Naftali4,6 Naftali: Einer der zwölf Stämme Israels. Sein Siedlungsgebiet liegt in Galiläa..Zu ihm sagte sie: »Ist es nicht so,dass der Herr, der Gott Israels, den Befehl gab:Auf, zieh sofort zum Berg Tabor4,6 Tabor: Markanter Bergkegel im Norden Israels.!Führe 10.000 Mann aus Naftali und Sebulon4,6 Sebulon: Einer der zwölf Stämme Israels. Sein Siedlungsgebiet liegt in Galiläa, östlich des Gebirges Karmel. dorthin!7Dann will ich dafür sorgen,dass der Kommandant Sisera dir entgegenzieht –mit Jabins Heer, seinen Streitwagen4,7 Streitwagen: Ein für den Krieg ausgerüsteter Wagen mit zwei oder drei Mann Besatzung. und Truppen.Am Bach Kischon4,7 Kischon: Fluss am Südwestrand der Ebene Jesreel, fließt bei Haifa ins Mittelmeer. wirst du auf ihn treffen.Dann gebe ich ihn in deine Gewalt.«8Barak antwortete ihr:»Wenn du mit mir kommst, dann gehe ich!Wenn nicht, dann gehe ich nicht!«9Darauf sagte sie:»Ja, ich komme mit dir!Nur sollst du wissen:Du ziehst jetzt in die Schlacht,doch Ruhm wirst du auf diesem Weg nicht ernten.Der Herr wird Sisera in die Hand einer Frau geben.«Dann stand Debora auf und ging mit Barak nach Kedesch.10Dort stellte Barak ein Heer zusammen.10.000 Mann aus Naftali und Sebulon folgten ihm.Auch Debora war dabei.

11Es ist noch zu erwähnen:Der Keniter Heber war nach Norden gezogen.Er hatte sich von den übrigen Kenitern getrennt,von den Nachkommen des Hobab,dem Schwiegervater des Mose.Bis zur Terebinthe4,11 Terebinthe: Eine Pistazienart, die man auch als heiligen Baum verehrte. von Zaanannim war er gekommen.In der Nähe von Kedesch schlug er seine Zelte auf.

Sisera wird von einer Frau erschlagen

12Sisera hatte die Nachricht erhalten:»Barak, der Sohn des Abinoam, steht beim Berg Tabor4,12 Tabor: Markanter Bergkegel im Norden Israels.13Da führte er alle seine Streitwagen zusammen,insgesamt 900 eiserne Wagen.Auch ließ er alle seine Fußsoldaten antretenund führte sie von Haroschet-Gojim an den Bach Kischon4,13 Kischon: Fluss am Südwestrand der Ebene Jesreel, fließt bei Haifa ins Mittelmeer..14Debora sagte zu Barak: »Schlag los!Heute gibt der Herr4,14 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr. Sisera in deine Gewalt.Der Herr selbst zieht vor dir her.«Da zog Barak vom Berg Tabor los,und die 10.000 Mann folgten ihm.15Als Sisera mit seinen Streitwagen4,15 Streitwagen: Ein für den Krieg ausgerüsteter Wagen mit zwei oder drei Mann Besatzung. und Truppen erschien,stürzte sie der Herr in Verwirrung.Er vernichtete sie durch das Schwert,während Barak dabei zusah.Da sprang Sisera von seinem Wagen und floh zu Fuß.16Barak aber verfolgte die Wagen und Truppenbis nach Haroschet-Gojim.So fiel das gesamte Heer Siseras durch das Schwert.Kein Einziger blieb am Leben.

17Sisera war zu Fuß zum Zelt der Jael geflohen,der Frau des Keniters Heber.Denn es herrschte Friede zwischen Jabin und Heber,zwischen dem König von Hazor4,17 Hazor: Stadt im Norden Israels, an der Kreuzung zweier bedeutender Handelsstraßen gelegen. und dem Haus des Keniters.18Jael aber trat aus dem Zelt zu Sisera hinausund sagte zu ihm:»Komm doch herein, mein Herr!Kehr bei mir ein!Hab keine Angst!«Da ging er mit ihr in das Zelt,und sie versteckte ihn hinter einem Vorhang4,18 Vorhang: Andere Übersetzungen deuten den Vorhang als eine Bettdecke..19»Gib mir einen Schluck Wasser zu trinken«,bat er sie, »ich bin so durstig!«Da nahm sie einen Schlauch mit Milch4,19 Schlauch mit Milch: Ein aus Tierhaut genähter Beutel.und gab ihm zu trinken.Dann zog sie den Vorhang wieder zu.20Er sagte noch zu ihr:»Stell dich an den Eingang des Zeltes,falls jemand vorbeikommt!Wenn der dann fragt: ›Ist jemand hier?‹,dann antworte: ›Nein! Niemand ist hier!‹«

21Als Jael, die Frau des Heber, draußen war,nahm sie einen Zeltpflock und einen Hammer in die Hand.Dann ging sie leise wieder zu ihm ins Zelt hinein.Er aber war völlig erschöpft eingeschlafen.Da schlug sie ihm den Zeltpflockdurch die Schläfe bis in die Erde,sodass er starb.22In diesem Augenblick kam Barak vorbei,der den Sisera verfolgte.Jael ging zu ihm hinaus und sagte zu ihm:»Komm, ich zeig dir den Mann, den du suchst!«Da ging er mit ihr hinein und sah:Sisera lag tot auf dem Boden,ein Zeltpflock hatte seine Schläfe durchbohrt.

23So demütigte Gott damals Jabin, den König von Kanaan4,23 Kanaan: Bezeichnung für das Gebiet zwischen Jordantal und Mittelmeer bis zur Stadt Sidon, bevor es durch das Volk Israel in Besitz genommen wurde.,vor den Augen der Israeliten.24Die Israeliten aber gewannen die Oberhand über Jabin.Sie bedrängten den König von Kanaan immer härter,bis sie seine Macht ganz vernichtet hatten.