BasisBibel (BB)
52

521Wach auf, wach auf!

Zeig deine Macht, Zion52,1 Zion: Tempelberg von Jerusalem, aber auch Bezeichnung für die ganze Stadt.!Zieh prächtige Kleider an,Jerusalem52,1 Jerusalem: Hauptstadt und Regierungssitz der Könige aus dem Haus David in Juda. 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört., du heilige Stadt!In Zukunft wird dich niemand mehr betreten,der unbeschnitten52,1 unbeschnitten: Das Abtrennen der Vorhaut am männlichen Glied ist für Israel Zeichen des Bundes zwischen Gott und seinem Volk. Wer unbeschnitten ist, kann also nicht zu Gottes Volk gehören. und unrein52,1 unrein: Bezeichnet Menschen, Tiere und Dinge, die aus unterschiedlichen Gründen nicht dafür vorbereitet sind, in der Nähe Gottes zu sein. ist.2Schüttle den Staub ab,steh auf und setz dich auf deinen Thron!Löse die Stricke um deinen Hals,Tochter Zion52,2 Tochter Zion: Poetische Bezeichnung für die Stadt Jerusalem., du Gefangene!3Der Herr sagt:Als ihr verkauft wurdet,hat niemand etwas bezahlt.Jetzt werdet ihr auch ohne Lösegeld freigekauft.4Denn so spricht Gott, der Herr52,4 so spricht der Herr: Typische Einleitung eines Gotteswortes, vor allem in prophetischen Büchern.:Einst52,4 einst: Während einer Hungersnot zogen die Israeliten nach Ägypten und lebten dort für viele Jahre, vgl. 2. Mose/Exodus 1,1-14. zog mein Volk nach Ägypten hinab,um dort als Fremder zu leben.Später haben es die Assyrer52,4 Assyrer: Militärische Großmacht, die 722 v. Chr. das Nordreich Israel besiegte und 701 v. Chr. Jerusalem belagerte. ohne Grund unterdrückt.5Und was muss ich jetzt erleben?– Ausspruch des HerrnMein Volk wurde weggeführt,und niemand hat dafür bezahlt.Diejenigen, die es beherrschen, treiben Spott.– Ausspruch des HerrnStändig ziehen sie meinen Namen in den Schmutz.6Darum muss mein Volk erkennen, wer ich bin.An diesem Tag werden sie merken:Ich bin es, der sagt: »Ich bin für euch da.«

Der Freudenbote kommt

7Wie schön!Der Freudenbote kommt über die Berge gelaufen!Er bringt eine gute Nachrichtund verkündet Frieden und Rettung.Er ruft Zion52,7 Zion: Tempelberg von Jerusalem, aber auch Bezeichnung für die ganze Stadt. zu: »Dein Gott herrscht als König.«8Hört ihr es?Die Wächter der Stadt rufen laut,sie jubeln alle vor Freude.Denn sie sehen mit eigenen Augen,wie der Herr52,8 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr. nach Zion zurückkehrt.9Brecht in Freudengeschrei aus und jubelt miteinander,ihr Trümmer Jerusalems!Denn der Herr tröstet sein Volk,er befreit Jerusalem52,9 Jerusalem: Hauptstadt und Regierungssitz der Könige aus dem Haus David in Juda. 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört..10Der Herr zeigt seine Macht vor den Augen aller Völker.Sogar in den fernsten Ländern der Erde sieht man,dass unser Gott uns rettet.

11Macht euch auf, macht euch auf!Zieht weg aus Babylon52,11 Babylon: Hauptstadt Babyloniens. Nach der Eroberung Jerusalems 586 v. Chr. wurden viele Bewohner dorthin verschleppt.!Rührt nichts Unreines52,11 unrein: Bezeichnet Menschen, Tiere und Dinge, die aus unterschiedlichen Gründen nicht dafür vorbereitet sind, in der Nähe Gottes zu sein. an!Zieht weg aus der Stadt und reinigt euch,wenn ihr die Tempelgeräte52,11 Tempelgeräte: Meint die Gerätschaften, die beim Gottesdienst im Tempel in Jerusalem gebraucht wurden. Vom Raub der Tempelgeräte erzählt 2. Könige 25,13-21. zurückbringt.12Diesmal52,12 diesmal: Anders als der Auszug aus Ägypten soll der Auszug aus Babylon ohne Eile erfolgen. werdet ihr nicht in Eile wegziehenund euch nicht fluchtartig auf den Weg machen.Denn der Herr zieht vor euch her,der Gott Israels geht als Letzter in eurem Zug.

Viertes Gottesknechtslied: Gott erhöht den leidenden Knecht

13Seht her, mein Knecht52,13 mein Knecht: Ehrentitel für das Volk Israel oder einen Einzelnen, der stellvertretend für Israel steht. Dieser Knecht tritt zum ersten Mal in Jesaja 42,1 auf. wird Erfolg haben.

Er wird in die allerhöchste Stellung erhoben.

14Viele haben sich entsetzt von ihm abgewandt,

zur Unkenntlichkeit entstellt sah er aus.

Er hatte keine Ähnlichkeit mehr mit einem Menschen.

15Doch dann werden viele Völker über ihn staunen,

und Königen wird es die Sprache verschlagen.

Denn sie sehen, was ihnen keiner je erzählt hat.

Sie erleben, was sie noch nie gehört haben.

53

531Wer hätte geglaubt,

was uns zu Ohren gekommen ist?

Wer hätte für möglich gehalten, dass der Herr

an einem solchen Menschen53,1 ein solcher Mensch: Meint den Knecht Gottes, der stellvertretend für das Volk Israel leidet. Dieser Knecht tritt zum ersten Mal in Jesaja 42,1 auf. seine Macht zeigt?

2Er wuchs vor seinen Augen auf wie ein Spross,

wie ein Trieb aus trockenem Boden.

Er hatte keine Gestalt, die schön anzusehen war.

Sein Anblick war keine Freude für uns.

3Er wurde von den Leuten verachtet und gemieden.

Schmerzen und Krankheit waren ihm wohl vertraut.

Er war einer, vor dem man das Gesicht verhüllt.

Alle haben ihn verachtet,

auch wir wollten nichts von ihm wissen.

4In Wahrheit hat er53,4 er: Meint den Knecht Gottes, der stellvertretend für das Volk Israel leidet. unsere Krankheiten getragen

und unsere Schmerzen auf sich genommen.

Wir aber hielten ihn für einen Ausgestoßenen,

der von Gott geschlagen und gedemütigt wird.

5Doch er wurde gequält, weil wir schuldig waren.

Er wurde misshandelt, weil wir uns verfehlt hatten.

Er ertrug die Schläge, damit wir Frieden haben.

Er wurde verwundet, damit wir geheilt werden.

6Wir hatten uns verirrt wie Schafe.

Jeder kümmerte sich nur um seinen eigenen Weg.

Aber der Herr lud all unsere Schuld auf ihn.

7Er53,7 er: Meint den Knecht Gottes, der stellvertretend für das Volk Israel leidet. wurde misshandelt, aber er nahm es hin.

Er sagte kein einziges Wort.

Er blieb stumm wie ein Lamm,

das man zum Schlachten bringt.

Wie ein Schaf, das geschoren wird,

nahm er alles hin und sagte kein einziges Wort.

8Er wurde verhaftet, vor Gericht gestellt

und zur Hinrichtung geführt.

Aber wen kümmert sein Schicksal?

Er wurde abgeschnitten vom Land der Lebenden.

Weil sein Volk53,8 sein Volk: Die Übersetzung folgt einer hebräischen Textfassung, die in Qumran gefunden wurde. In anderen Texten steht hier »mein Volk«. schuldig war, traf ihn der Tod.

9Man begrub ihn bei den Verbrechern,

bei den Übeltätern fand er sein Grab.

Dabei hatte er keine Gewalttat begangen,

keine Lüge war ihm über die Lippen gekommen.

10Es war der Plan des Herrn,

ihn zu schlagen und leiden zu lassen.

Er setzte sein Leben für andere ein

und trug an ihrer Stelle die Schuld.

Darum wird er viele Nachkommen haben und lange leben.

Durch ihn führt der Herr seinen Plan zum Erfolg.

11Nachdem er so viel erduldet hat,

wird er sich wieder sattsehen am Licht.

Mein Knecht53,11 mein Knecht: Ehrentitel für das Volk Israel oder einen Einzelnen, der stellvertretend für Israel steht. kennt meinen Willen.

Er ist gerecht und bringt vielen Gerechtigkeit.

Ihre Schuld nimmt er auf sich.

12Darum belohne ich ihn:

Mit vielen anderen gebe ich ihm Anteil an der Beute.

Mit zahlreichen Leuten wird er sie sich teilen.

Denn er hat sein Leben dem Tod preisgegeben

und ließ sich zu den Schuldigen zählen.

Er trug die Sünden53,12 Sünden: Konkrete Verfehlungen, die von Gott trennen und das Gewissen belasten können. von vielen Menschen

und trat für die Schuldigen ein.

54

Ausblick auf die herrliche Zukunft Zions

Jesaja 54,1–55,13

Gott wendet sich Zion wieder zu

541Juble, du54,1 du: Angesprochen ist die Stadt Jerusalem. Das Verhältnis zwischen Gott und Jerusalem wird in der Bibel oft als Ehe beschrieben. Unfruchtbare,die keine Kinder geboren hat!Brich in Jubel aus und freue dich,die du nie Wehen hattest!Der Herr54,1 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr. sagt: Du warst einsam und verlassen,aber jetzt hast du mehr Kinder54,1 mehr Kinder: Meint die Israeliten, die aus der Verbannung nach Babylon in das zerstörte Jerusalem zurückkehren.als eine verheiratete Frau.2Schaff mehr Platz in deinem Zelt54,2 Zelt: Hier Bild für eine Wohnung.!Spann die Zelttücher weiter aus, ohne zu sparen!Verlängere die Seile und schlag die Pflöcke fest ein!3Denn du wirst dich nach rechts und links ausbreiten.Deine Nachkommen werden andere Völker beerbenund verlassene Städte neu besiedeln.

4Fürchte dich nicht,du wirst nicht noch einmal enttäuscht werden.Du brauchst dich nicht zu schämen,dich trifft keine Schande mehr.Du wirst die Enttäuschung54,4 Enttäuschung: Die 586 v. Chr. zerstörte Stadt Jerusalem, deren Bewohner in die Verbannung nach Babylon geführt wurden, wird mit einer jungen Frau verglichen, die keinen Mann findet. deiner Jugend vergessen.An die Schmach54,4 Schmach: Jerusalem wird hier mit einer kinderlosen Witwe verglichen, für die niemand sorgt. deiner Zeit als Witwewirst du nicht mehr denken.5Denn dein Ehemann54,5 Ehemann: Das Verhältnis zwischen Gott und Jerusalem wird in der Bibel oft als Ehe beschrieben. ist Gott,der dich geschaffen hat.Sein Name ist Herr Zebaot54,5 Zebaot: Der Beiname bedeutet übersetzt »(Gott) der himmlischen Heere« und bringt die Fülle von Gottes Macht zum Ausdruck..Der Heilige Israels54,5 Heiliger Israels: Ehrenvolle Bezeichnung für Gott, die vor allem im Buch Jesaja vorkommt. ist dein Befreier.Er heißt »Gott der ganzen Erde«.6Es ging dir wie einer Frau,die verlassen wurde und tief gekränkt ist.Aber jetzt ruft der Herr dich zurück.Dein Gott fragt:Kann man denn seine Jugendliebe verstoßen?7Für eine kleine Weile habe ich dich verlassen.Aber mein Erbarmen mit dir ist so groß,dass ich dich wieder heimhole.8Als mein Zorn aufwallte wie eine Flut,habe ich mein Angesicht eine Weile vor dir verborgen54,8 Angesicht verbergen: Wenn Gott sein Gesicht verbirgt, nimmt er die Bitten des Beters nicht an..Aber meine Liebe hört niemals auf,darum habe ich Erbarmen mit dir.Das sagt der Herr, dein Befreier.9Ich verhalte mich wie zur Zeit Noahs54,9 Zeit Noahs: Nachdem Noah, seine Familie und die Tiere auf der Arche vor der Sintflut gerettet worden waren, hat Gott einen Bund mit ihnen geschlossen und versprochen, die Erde nie wieder zu vernichten; vgl. 1. Mose/Genesis 9,8-11..Damals habe ich geschworen:Die Flut54,9 Flut: Die Erzählung von der Sintflut steht in 1. Mose/Genesis 6,5–9,29., die über Noah gekommen ist,soll die Erde nicht noch einmal überschwemmen.Jetzt schwöre ich:Ich werde nicht mehr zornig auf dich seinund dir nie mehr drohen.10Berge können von der Stelle weichenund Hügel ins Wanken geraten.Aber meine Liebe weicht nicht von dirund mein Friedensbund54,10 Bund: Vertrag, mit dem zwei Partner eine gegenseitige Verpflichtung eingehen. Ist Gott einer der Partner, kann er sich auch einseitig zur Treue gegenüber seinem Volk oder einzelnen Menschen verpflichten. wankt nicht.Das sagt der Herr, der Erbarmen mit dir hat.

Das zukünftige Jerusalem

11Du ärmste, vom Sturm verwüstete, trostlose Stadt!Ich baue dich mit Edelsteinen wieder auf,deine Grundmauern werden aus Saphir54,11 Saphir: Kostbarer, blauer Edelstein. sein.12Deine Mauerzinnen mache ich aus Rubin54,12 Rubin: Kostbarer, roter Edelstein.und deine Tore aus funkelndem Kristall.Die ganze Stadtmauer besteht aus Edelsteinen.13All deine Kinder werden Schüler des Herrn54,13 Herr: Hier steht im Hebräischen der Gottesname. Bereits in der Antike war es üblich, den Gottesnamen nicht auszusprechen, sondern ihn beim Lesen durch das hebräische Wort für »Herr« (adonaj) zu ersetzen. In deutschen Bibeln wird das in der Regel durch eine besondere Schreibweise kenntlich gemacht: Herr. sein.Sie werden in ungestörtem Frieden54,13 Frieden: Umfassender Zustand von Glück und Wohlergehen des Einzelnen und der Gemeinschaft, der aus der Beziehung mit Gott hervorgeht. leben.14Auf Gerechtigkeit54,14 gerecht, Gerechtigkeit: Meint ein Leben nach dem Willen Gottes. bist du gegründet.Du bist frei von Unterdrückung,darum brauchst du dich nicht mehr zu fürchten.Von Angst bist du befreit,sie kann dich nicht mehr packen.15Wenn dich dann jemand angreift,geht es nicht von mir aus.Wer dich angreift, kommt an dir zu Fall.16Bedenkt doch: Ich bin es, der den Schmied erschafft.Der entfacht ein Kohlenfeuerund stellt eine Waffe für den Gebrauch her.Genauso erschaffe ich den,der Zerstörung und Verderben anrichtet.17Deshalb kann keine Waffe etwas ausrichten,die man gegen dich schmiedet.Wenn jemand Anklage gegen dich erhebt,wirst du ihn ins Unrecht setzen.

Das ist das Erbe,das den Knechten des Herrn54,17 Knecht, Knecht Gottes: Ehrenvolle Bezeichnung für Menschen, die Gott in seinen Dienst nimmt. zusteht.Ich schaffe ihnen Gerechtigkeit.– So lautet der Ausspruch des Herrn54,17 Ausspruch des Herrn: Formelhafter Ausdruck, der vor allem in den Prophetenbüchern ein Gotteswort kennzeichnet..