BasisBibel (BB)
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Der Prophet im Gespräch mit Gott

Habakuk 1,1–2,5

Buchüberschrift

11Das ist die Botschaft, die der Prophet1,1 Prophet: Verkündet, was Gott in einer bestimmten Situation zu sagen hat. Mehr … Habakukin einer Vision1,1 Vision: Eine Erscheinung, in der Gott zu verstehen gibt, was er vorhat. Mehr … erhalten hat.

Der Prophet klagt über Gewalt

2Herr, wie lange rufe ich schon um Hilfe?Du aber hörst nicht hin.Ich schreie zu dir: Gewalt!,doch du hilfst nicht.3Warum lässt du mich Unheil sehenund siehst dem Elend zu?Unterdrückung und Gewalt liegen vor mir.Es kam zu Zank, Streit ist ausgebrochen.4Darum wird die Weisung1,4 Weisung: Hebräisch Tora. Sie umfasst die schriftliche und mündliche Mitteilung von Gottes Willen. Mehr … kraftlos,das Recht kommt nicht mehr ans Licht.Denn Frevler1,4 Frevler: Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. Mehr … kreisen die Gerechten1,4 Gerechte: Menschen, die Gottes Gebote befolgen, sodass das Leben in Gemeinschaft miteinander gelingt. ein,darum werden verkehrte Urteile gesprochen.

Gott antwortet

5Seht auf die Völker, schaut hin!Staunt und erstarrt!Denn noch zu euren Lebzeitenwerde ich ganz bestimmt handeln.Ihr werdet es nicht glauben,wenn man davon erzählt.6Denn ich bringe die Babylonier1,6 Babylonier: Wörtlich »Chaldäer«. Im Alten Testament werden die Menschen, die in Babylonien wohnen, häufig Chaldäer genannt. in Stellung,ein unerbitterliches und schnelles Volk.Es wird in die äußersten Ecken der Erde vordringen.Dort wird es Wohnungen in Besitz nehmen,die ihm nicht gehören.7Die Babylonier1,7 Babylonier: Militärische Großmacht, deren Kerngebiet im heutigen Irak lag. sind schrecklich und furchterregend,sie bestimmen selbst, was Recht ist.8Ihre Pferde sind schneller als Leoparden,sie sind angriffslustiger als Steppenwölfe.Ihre Reiter stürmen herbei,sie kommen aus der Ferne.Sie fliegen wie Adler1,8 Adler: Großer Greifvogel, der sich kraftvoll und frei in die Luft schwingt. Er steht sinnbildlich für Kraft und Stärke. Mehr …,stürzen herbei, um zu fressen.9Sie alle kommen, um Gewalt auszuüben.Entschlossen schauen ihre Gesichter nach vorn.Sie sammeln Gefangene wie Sand.10Sie verspotten Könige,Herrscher sind ein Scherz für sie.Über jede Festung machen sie sich lustig,schütten Erde auf und nehmen sie ein.11Dann brausen sie davon wie der Wind,ziehen vorüber und jagen weiter.Sie machen ihre Kraft zu ihrem Gott.

Der Prophet klagt über den Aufschub des Gerichts

12Bist du nicht von Anfang an der Herr,mein Gott, mein Heiliger1,12 mein Heiliger: Ehrenvolle Bezeichnung für Gott.?Wir werden nicht sterben.Herr, du hast sie1,12 sie: Meint vermutlich die Babylonier, von denen in den Versen 6-11 die Rede ist. eingesetzt, um zu richten.Mein Fels1,12 Fels: Ehrenvolle Bezeichnung für Gott, in der seine Stärke zum Ausdruck kommt., du hast sie dazu bestimmt, zu strafen.13Deine Augen sind zu rein, um Böses anzuschauen.Du kannst dem Elend nicht zusehen.Warum siehst du denen zu, die Unrecht begehen?Schweigst du, wenn ein Frevler1,13 Frevler: Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. Mehr … den verschlingt,der gerechter1,13 gerecht, Gerechtigkeit: Meint ein Leben nach dem Willen Gottes. Mehr … ist als er?14Du hast den Menschen gemacht wie die Fische im Meer,wie die Kriechtiere, über die niemand herrscht.15Er hat sie alle mit der Angel heraufgeholt.Er wird sie in seinem Netz fangenund in seinem Wurfnetz sammeln.Darüber wird er sich freuen und jubeln.16Darum wird er Opfer für sein Netz darbringen1,16 Opfer für sein Netz darbringen: Hier wird das Fangnetz wie eine Gottheit verehrt.und Räucheropfer1,16 Räucheropfer: Verbrennen von Weihrauch oder anderen Duftharzen auf einem Räucheraltar. Mehr … für sein Wurfnetz verbrennen.Denn durch sie macht er fette Beute,und sein Essen ist üppig.17Leert er nicht ständig sein Netz aus,um so ohne Erbarmen Völker zu töten?
221Auf meiner Festung will ich Wache halten,auf meinem Posten will ich bleiben.Ich will wachsam bleiben, um zu sehen,was Gott durch mich reden wird.Welche Antwort werde ich auf meinen Vorwurf erhalten?

Gott antwortet

2Der Herr antwortete:Schreib die Vision2,2 Vision: Eine Erscheinung, in der Gott zu verstehen gibt, was er vorhat. Mehr … auf!Schreib sie deutlich auf Tafeln,damit man es gut lesen kann!3Denn es ist eine Vision,die erst zu einer bestimmten Zeit eintreffen wird.Sie strebt dem Ende entgegen, und sie lügt nicht.Wenn sich das verzögert, was sie ankündigt,dann warte darauf!Denn es wird ganz bestimmt kommen,man kann es nicht aufhalten.4Derjenige, der nicht aufrichtig ist,erhält seine Strafe.Ein Gerechter2,4 Gerechte: Menschen, die Gottes Gebote befolgen, sodass das Leben in Gemeinschaft miteinander gelingt. aber wird durch seine Treue leben.5Doch ein Gewalttäter, Räuber oder überheblicher Menschwird sein Ziel nicht erreichen.Er reißt seinen Rachen so weit auf wie die Unterwelt2,5 Unterwelt: Aufenthaltsort der Verstorbenen unter der Erde..Er ist wie der Tod,er bekommt nicht genug.Alle Völker hat er bei sich gesammelt,er hat sie alle um sich versammelt.

Fünf Weherufe

Habakuk 2,6-20

Wehe dem Habgierigen!

6Werden nicht alle Völker ein Spottlied über ihn singenund durch doppeldeutige Reden Spott mit ihm treiben?Sie werden sagen:Wehe dem, der das vermehrt, was ihm nicht gehört!Er vergrößert Schulden, indem er Zinsen nimmt2,6 Zinsen nehmen: 2. Mose/Exodus 22,24 zufolge war es verboten, Zinsen von Menschen aus dem eigenen Volk zu nehmen.obwohl es ein Pfand2,6 Pfand: Gegenstand, der dem Verleiher als Sicherheit für das geliehene Geld gegeben wird. gibt!Wie lange noch?7Werden sich diejenigen, die dir Zinsen zahlen müssen,nicht plötzlich gegen dich wenden?Sie werden aufwachen und dich zittern lassen!Du wirst für sie zur Beute.8Weil du viele Nationen beraubt hast,werden die restlichen Völker dich berauben.Sie berauben dich,weil du das Blut von Menschen vergossen hast.Du hast dem Land Gewalt angetan,der Stadt und all ihren Bewohnern.

Wehe dem Ausbeuter!

9Wehe dem, der auf ungerechten Gewinn aus ist!Das bringt Unheil über sein Haus.Er baut sich auf den Höhen ein Nest,um sich vor dem Bösen zu retten.10Was du beschlossen hast,bringt Schande über dein Haus.Du hast viele Völker verkleinertund dir dadurch selbst geschadet.11Sogar die Mauersteine werden schreien,und die Holzbalken werden ihnen antworten.

Wehe dem Unterdrücker!

12Wehe dem, der eine Stadt mit Blut bautund eine Siedlung auf Unrecht gründet!13Kommt nicht das vom Herrn Zebaot2,13 Zebaot: Der Beiname bedeutet übersetzt »(Gott) der himmlischen Heere« und bringt die Fülle von Gottes Macht zum Ausdruck. Mehr …:Ganze Völker plagen sichund dann kommt doch das Feuer.Sie mühen sich für nichts.14Die Erde wird von der Erkenntnis erfüllt sein,wie herrlich der Herr ist –so wie das Meer mit Wasser gefüllt ist.

Wehe dem Gewalttätigen!

15Wehe dem, der seinem Nächsten zu trinken gibtund seinen Zorn daruntermischt!Er macht ihn betrunken,um ihn nackt zu sehen.16Trink auch duund zeig, dass du unbeschnitten2,16 Beschneidung: Das Abtrennen der Vorhaut am männlichen Glied ist für Israel Zeichen des Bundes zwischen Gott und seinem Volk. Mehr … bist!Du hast dich an Schande gesättigt, nicht an Ehre.Der Becher2,16 Becher: Bild für das Gericht Gottes, das Menschen so erschüttert, dass sie wie Betrunkene wanken. aus der rechten Hand des Herrnkommt auch zu dir.Deine Ehre verwandelt sich in Schande.17Denn das, was du dem Libanon2,17 Libanon: Gebirgszug nördlich von Israel mit bis zu 3000 m hohen, dicht bewaldeten Bergen. Mehr … angetan hast,fällt auf dich zurück2,17 zurückfallen auf jemanden: Ein Mensch wird von seiner bösen Tat eingeholt und muss die Verantwortung dafür tragen..Die Misshandlung der Tiere erschreckt dich.Du hast das Blut von Menschen vergossen.Du hast dem Land Gewalt angetan,der Stadt und all ihren Bewohnern.

Wehe dem Götzendiener!

18Was nützt dem Schnitzer sein geschnitztes Bild?Er hat es selbst gemacht.Was nützt dem Gießer sein gegossenes Bild,wenn er darauf vertraut?Es ist ein trügerisches Götterbild2,18 Götterbild: Aus Stein, Ton, Holz oder Metall gefertigtes kleines Standbild einer Gottheit. Seine Herstellung und Verehrung waren in Israel verboten. Mehr …,er hat es selbst gestaltet.Er macht doch nur stumme Götzen2,18 Götze: Abfällige Bezeichnung für eine fremde Gottheit oder ihr Standbild..19Wehe dem, der zum Holz sagt: »Wach auf!«,und zum stillen Stein: »Erwache!«Wie sollte ein Bild etwas lehren können?Es ist zwar mit Gold und Silber überzogen,aber in seinem Inneren gibt es kein Leben.

20Der Herr aber ist in seinem heiligen Tempel2,20 Tempel: Das zentrale Heiligtum in Jerusalem. Der Tempel galt als Wohnung Gottes und war Zufluchtsort für Verfolgte. Mehr ….Vor ihm soll die ganze Welt still sein.
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Ein Psalm von Habakuk

Habakuk 3,1-19

Habakuk vertraut auf den Herrn

31GEBET DES PROPHETEN3,1 Prophet: Verkündet, was Gott in einer bestimmten Situation zu sagen hat. Mehr … HABAKUK,

NACH DER ART VON KLAGELIEDERN.

2Herr, ich habe deine Nachricht gehört,

dein Werk, Herr, habe ich gesehen.

Mach dein Werk noch in dieser Zeit lebendig,

zeig es noch in dieser Zeit!

Denk im Zorn auch an Erbarmen!

3Gott bricht aus Teman3,3 Teman: Bezeichnung für das Gebiet von Edom. auf

und der Heilige3,3 der Heilige: Ehrenvolle Bezeichnung für den Gott Israels. vom Berg Paran3,3 Berg Paran: Berg in der Wüste Paran auf der Sinaihalbinsel.. Sela3,3 Sela: Zeichen zum Atemholen. Mehr ….

Seine Hoheit bedeckt den Himmel,

sein Ruhm erfüllt die Erde.

4Sein Glanz ist wie Licht,

Strahlen gehen von seinen Händen aus.

Dort verbirgt sich seine Macht.

5Pest geht vor ihm her,

die Seuche folgt seinen Schritten.

6Tritt er auf, erschüttert er die Erde.

Sieht er hin, lässt er die Völker aufspringen.

Zerschmettert werden die uralten Berge,

die uralten Hügel, sie ducken sich.

Das sind von jeher seine Wege.

7Die Zelte Kuschans3,7 Kuschan: Nomadenstamm, der im Gebiet von Midian lebte. habe ich in Aufruhr gesehen,

im Land Midian3,7 Midian: Gebiet in der Wüste östlich des Roten Meers, im heutigen Saudi-Arabien gelegen. zittern die Zeltwände.

8Wirst du, Herr, zornig3,8 Zorn Gottes: Sein Wille, Gericht zu halten. Mehr … sein über die Flüsse

oder gilt dein Ärger den Seen?

Richtet sich deine Wut gegen das Meer?

Ja, du reitest auf deinen Pferden,

deine Streitwagen3,8 Streitwagen: Ein für den Krieg ausgerüsteter Wagen mit zwei oder drei Mann Besatzung. Mehr … bringen den Sieg.

9Deinen Bogen hast du aus der Hülle genommen,

deine Pfeile beschwörst du mit Worten. Sela3,9 Sela: Zeichen zum Atemholen. Mehr ….

Du spaltest die Erde, Flüsse brechen hervor.

10Bei deinem Anblick zittern die Berge.

Unwetter ziehen mit ihren Wassermassen vorbei.

Die Fluten der Urzeit3,10 Fluten der Urzeit: Das Wasser, das vor der Schöpfung die gesamte Erde bedeckte; vgl. 1. Mose/Genesis 1,2. erheben ihre Stimme,

ihre Hände strecken sie in die Höhe.

11Sonne und Mond bleiben in ihrer Wohnung,

beim Licht deiner blitzenden Pfeile,

beim Glanz deines funkelnden Speeres.

12Voller Zorn schreitest du über die Erde,

in deiner Wut zertrittst du die Völker.

13Du bist ausgezogen, um deinem Volk zu helfen,

hinausgegangen, um deinen Gesalbten3,13 Gesalbter: Hebräisch Messias. Bezeichnet den im Auftrag Gottes eingesetzten König Israels, später auch den zum Herrscher der Welt bestimmten Retter. zu retten.

Das Dach vom Haus des Frevlers3,13 Frevler: Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. Mehr … hast du zerschlagen,

das Fundament bis auf den Felsen freigelegt. Sela3,13 Sela: Zeichen zum Atemholen. Mehr ….

14Mit seinen eigenen Pfeilen

hast du den Kopf seiner Krieger durchbohrt.

Sie sind herangestürmt, um mich zu verjagen.

Sie schrien vor Freude so laut,

als vernichteten sie einen Armen in seinem Versteck.

15Du bist mit deinen Pferden ins Wasser gegangen.

Die Wassermassen toben.

16Als ich es hörte, bebte mein Körper,

von dem Lärm zitterten meine Lippen.

Der Schreck fuhr mir in die Glieder,

meine Knie wurden ganz weich.

Ich warte auf den Tag der Bedrängnis3,16 Tag der Bedrängnis: Bezeichnung für den Tag des Gerichts, an dem Gott als Richter über die Welt auftritt und gegen seine Feinde vorgeht.,

der über das Volk kommt, das uns angreift.

17Denn der Feigenbaum treibt nicht mehr aus,

an den Weinstöcken ist kein Ertrag.

Die Arbeit am Olivenbaum führt zu nichts,

die Felder bringen keine Nahrung.

Das Vieh ist von den Weiden verschwunden,

in den Ställen gibt es keine Rinder mehr.

18Über den Herrn will ich jubeln

und fröhlich sein über den Gott meiner Rettung.

19Gott, der Herr, ist meine Kraft.

Meine Füße macht er flink wie Hirsche

und meine Schritte sicher auf Bergeshöhen.

FÜR DEN CHORLEITER,

ZUR MUSIK VON SAITENINSTRUMENTEN.