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Josefs Brüder kommen nach Ägypten

1. Mose/Genesis 42,1–47,26

In Kanaan herrscht eine große Hungersnot

421Als Jakob42,1 Jakob: Sohn von Isaak und Rebekka. Er ist der Vater von zwölf Söhnen, die für die Stämme Israels stehen; vgl. 1. Mose/Genesis 25,19–50,14. erfuhr, dass es in Ägypten42,1 Ägypten: Fruchtbares Land am Nil und Großmacht, die das politische Geschehen im Alten Orient beeinflusste. Getreide gab,sagte er zu seinen Söhnen:»Warum schaut ihr einander so ratlos an?«2Er fügte hinzu: »Ich habe gehört,dass es in Ägypten Getreide gibt.Geht dorthin und kauft welches für uns,damit wir am Leben bleiben und nicht umkommen!«3Daraufhin zogen zehn von Josefs42,3 Josef: Einer der zwölf Söhne Jakobs, der in Ägypten zu einem hohen Beamten des Pharao wurde; vgl. 1. Mose/Genesis 37–50. Brüdern los,um in Ägypten Getreide zu kaufen.4Nur Benjamin42,4 Benjamin: Neben Josef der einzige andere Sohn von Jakobs Lieblingsfrau Rahel., den Bruder Josefs,schickte Jakob nicht mit dessen Brüdern fort.Denn er dachte: »Es soll ihm kein Unglück zustoßen.«

5So kamen Israels42,5 Israel: Anderer Name für Jakob, den er von Gott in 1. Mose/Genesis 32,23-33 erhält. Söhne nach Ägypten42,5 Ägypten: Fruchtbares Land am Nil und Großmacht, die das politische Geschehen im Alten Orient beeinflusste.,um Getreide zu kaufen,zusammen mit vielen anderen.Denn in Kanaan42,5 Kanaan: Bezeichnung für das Gebiet zwischen Jordantal und Mittelmeer bis zur Stadt Sidon, bevor es durch das Volk Israel in Besitz genommen wurde. herrschte Hungersnot.

Josef trifft auf seine Brüder

6Josef42,6 Josef: Einer der zwölf Söhne Jakobs, der in Ägypten zu einem hohen Beamten des Pharao wurde; vgl. 1. Mose/Genesis 37–50. hatte die Macht in Ägyptenund war zuständig für den Getreideverkauf an die Leute.Als seine Brüder zu ihm kamen,warfen sie sich vor ihm nieder.7Josef sah seine Brüder an und erkannte sie.Aber er verhielt sich ihnen gegenüber wie ein Fremderund fragte sie streng: »Woher kommt ihr?«Sie antworteten: »Wir kommen aus Kanaan,um Getreide zu kaufen.«8Josef hatte seine Brüder erkannt,sie aber erkannten ihn nicht.

9Josef42,9 Josef: Einer der zwölf Söhne Jakobs, der in Ägypten zu einem hohen Beamten des Pharao wurde; vgl. 1. Mose/Genesis 37–50. erinnerte sich an das,was er einst von seinen Brüdern geträumt42,9 geträumt: Von den Träumen erzählt 1. Mose/Genesis 37,5-11. hatte,und sagte zu ihnen: »Ihr seid Spione!Ihr seid hergekommen,um die Schwachstellen des Landes auszukundschaften.«10Sie entgegneten: »Nein, Herr!Deine Knechte42,10 Knecht: Selbstbezeichnung von Menschen, die ihr Gegenüber damit als ihren Herrn anerkennen. sind gekommen,um Getreide zu kaufen.11Wir sind alle Söhne desselben Mannesund ehrliche Leute.Deine Knechte sind keine Spione!«12Aber er erwiderte: »Doch!Ihr seid nur hergekommen,um die Schwachstellen des Landes auszukundschaften.«13Sie antworteten: »Deine Knechte sind zwölf Brüderund Söhne eines Mannes, der im Land Kanaan42,13 Kanaan: Bezeichnung für das Gebiet zwischen Jordantal und Mittelmeer bis zur Stadt Sidon, bevor es durch das Volk Israel in Besitz genommen wurde. lebt.Der Jüngste ist beim Vater geblieben,und einer lebt nicht mehr.«14Josef sagte zu ihnen: »Es ist so,wie ich es euch gesagt habe: Ihr seid Spione!15Eure Aussage soll überprüft werden!Beim Leben des Pharao42,15 Pharao: Bezeichnung für den König von Ägypten.:Ihr dürft erst dann wieder von hier fortgehen,wenn euer jüngster Bruder hierherkommt.16Schickt einen von euch los,um euren Bruder zu holen!Ihr anderen seid verhaftet.So wird überprüft, ob ihr die Wahrheit gesagt habt.Wenn nicht – beim Leben des Pharao –,dann seid ihr Spione.«17Dann ließ er sie drei Tage lang in Haft nehmen.

18Am dritten Tag sagte Josef42,18 Josef: Einer der zwölf Söhne Jakobs, der in Ägypten zu einem hohen Beamten des Pharao wurde; vgl. 1. Mose/Genesis 37–50. zu ihnen:»Das sollt ihr tun, wenn ihr am Leben bleiben wollt.Denn ich fürchte Gott.19Wenn ihr ehrliche Leute seid,dann lasst einen von euch Brüdern im Gefängnis zurück.Ihr anderen dürft gehen.Bringt das Getreide nach Hause,das ihr gegen den Hunger gekauft habt.20Doch ihr müsst mir euren jüngsten Bruder bringen!Dann will ich euren Worten glauben,und ihr müsst nicht sterben.«

Die Brüder gingen darauf ein.21Sie sagten zueinander:»Ja, das ist die Strafe für das,was wir unserem Bruder angetan42,21 unserem Bruder angetan: 1. Mose/Genesis 37,18-36 erzählt, dass die Brüder Josef verkauften. Ihrem Vater sagten sie, Josef sei von einem wilden Tier getötet worden. haben.Wir haben seine Todesangst gesehen.Als er uns um Erbarmen anflehte,haben wir uns taub gestellt.Deswegen müssen wir selbst nun diese Angst ausstehen.«22Ruben entgegnete ihnen:»Habe ich damals nicht zu euch gesagt:›Tut dem Jungen nichts an!‹?Aber ihr habt nicht auf mich gehört.Jetzt werden wir für seinen Tod bestraft.«23Sie wussten nicht, dass Josef42,23 Josef: Einer der zwölf Söhne Jakobs, der in Ägypten zu einem hohen Beamten des Pharao wurde; vgl. 1. Mose/Genesis 37–50. sie verstand.Denn ein Übersetzer vermittelte zwischen ihnen.24Da wandte sich Josef von ihnen ab und weinte.Dann kehrte er wieder zu den Brüdern zurückund setzte das Gespräch fort.Schließlich ließ er Simeon ergreifenund vor ihren Augen fesseln.

25Josef42,25 Josef: Einer der zwölf Söhne Jakobs, der in Ägypten zu einem hohen Beamten des Pharao wurde; vgl. 1. Mose/Genesis 37–50. befahl, ihre Gefäße mit Getreide zu füllenund jedem sein Geld in den Sack zurückzulegen.Sie sollten auch Verpflegung für die Reise erhalten.So geschah es.26Die Brüder luden das Getreide auf ihre Eselund zogen los.27In der Herberge öffnete einer von ihnen seinen Sack,um seinem Esel Futter zu geben.Da sah er sein Geld oben im Getreidesack liegen.28Er sagte zu seinen Brüdern:»Mein Geld ist wieder da.Seht her! Es liegt in meinem Getreidesack.«Da blieb ihnen fast das Herz stehen,und sie sagten zitternd zueinander:»Was hat Gott uns da angetan?«

29Als sie zu ihrem Vater Jakob42,29 Jakob: Sohn von Isaak und Rebekka. Er ist der Vater von zwölf Söhnen, die für die Stämme Israels stehen; vgl. 1. Mose/Genesis 25,19–50,14. nach Kanaan42,29 Kanaan: Bezeichnung für das Gebiet zwischen Jordantal und Mittelmeer bis zur Stadt Sidon, bevor es durch das Volk Israel in Besitz genommen wurde. kamen,berichteten sie ihm alles, was sie erlebt hatten:30»Der Herr des Landes hat uns streng befragt.Er hat uns für Leute gehalten,die das Land auskundschaften wollen.31Wir sagten zu ihm:›Wir sind ehrliche Leute und keine Spione.32Wir sind zwölf Brüder,Söhne desselben Vaters.Aber einer von uns lebt nicht mehr,und der Jüngste ist beim Vater in Kanaan geblieben.‹33Da sagte der Herr des Landes zu uns:›Ich werde herausfinden, ob ihr ehrliche Leute seid.Lasst einen von euch Brüdern bei mir zurück!Ihr anderen bringt das Getreide nach Hause,das ihr gegen den Hunger gekauft habt.Ihr dürft gehen.34Doch ihr müsst mir euren jüngsten Bruder bringen.Dann glaube ich euch, dass ihr keine Spione seid,sondern ehrliche Leute.Dann gebe ich auch euren Bruder wieder frei,und ihr dürft euch ungestört im Land bewegen.‹«

35Doch als sie ihre Säcke ausleerten,fand jeder von ihnen seinen Geldbeutel darin.Als sie und ihr Vater die Geldbeutel erblickten,erschraken sie sehr.36Ihr Vater Jakob42,36 Jakob: Sohn von Isaak und Rebekka. Er ist der Vater von zwölf Söhnen, die für die Stämme Israels stehen; vgl. 1. Mose/Genesis 25,19–50,14. sagte zu den Brüdern:»Ihr bringt mich um meine Kinder.Josef42,36 Josef: Einer der zwölf Söhne Jakobs, der in Ägypten zu einem hohen Beamten des Pharao wurde; vgl. 1. Mose/Genesis 37–50. ist weg, Simeon ist weg,und jetzt wollt ihr mir auch noch Benjamin42,36 Benjamin: Neben Josef der einzige andere Sohn von Jakobs Lieblingsfrau Rahel. wegnehmen!Nichts als Unglück kommt über mich!«37Da sagte Ruben zu seinem Vater:»Du darfst meine beiden Söhne töten,wenn ich dir Benjamin nicht wiederbringe.Vertrau ihn mir an! Ich bringe ihn dir zurück.«38Jakob entgegnete:»Nein! Benjamin darf nicht mit euch fortziehen.Denn sein Bruder42,38 Bruder: 1. Mose/Genesis 37,18-36 erzählt, dass die Brüder Josef verkauften. Ihrem Vater sagten sie, Josef sei von einem wilden Tier getötet worden. ist tot,und er allein ist übrig geblieben.Auf eurer Reise könnte ihm ein Unglück zustoßen.Dann bringt ihr mich alten Mannvor Kummer ins Totenreich42,38 Totenreich: Aufenthaltsort der Verstorbenen, der unter der Erde liegt.
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Josefs Brüder reisen mit Benjamin nach Ägypten

431Die Hungersnot herrschte weiter im Land.2Als das Getreide verzehrt war,das sie aus Ägypten43,2 Ägypten: Fruchtbares Land am Nil und Großmacht, die das politische Geschehen im Alten Orient beeinflusste. mitgebracht hatten,sagte Jakob43,2 Jakob: Sohn von Isaak und Rebekka. Er ist der Vater von zwölf Söhnen, die für die Stämme Israels stehen; vgl. 1. Mose/Genesis 25,19–50,14. zu seinen Söhnen:»Ihr müsst noch einmal dorthin gehenund Getreide für uns kaufen.«3Juda erwiderte:»Der Mann hat uns eindringlich davor gewarnt,ihm ohne Benjamin43,3 Benjamin: Neben Josef der einzige andere Sohn von Jakobs Lieblingsfrau Rahel. unter die Augen zu treten.4Nur wenn du ihn mit uns gehen lässt,wollen wir losziehen und Getreide für dich kaufen.5Wenn du ihn nicht mit uns gehen lässt,dann ziehen auch wir nicht los.Denn der Mann hat uns gesagt:›Ihr dürft mir nicht unter die Augen treten,wenn euer Bruder nicht dabei ist!‹«

6Israel43,6 Israel: Anderer Name für Jakob, den er von Gott in 1. Mose/Genesis 32,23-33 erhält. sagte: »Warum habt ihr mir das angetanund dem Mann erzählt,dass ihr noch einen Bruder habt?«7Sie antworteten: »Der Mann hat sich ausführlichnach uns und unserer Familie erkundigt.Er hat gefragt:›Lebt euer Vater noch? Habt ihr noch einen Bruder?‹Da haben wir ihm wahrheitsgemäß geantwortet.Konnten wir denn ahnen, dass er befehlen wird,unseren Bruder hierher zu bringen?«8Juda sagte zu seinem Vater Israel:»Lass den Jungen mit mir gehen!Dann können wir aufbrechen und losziehen.Wir wollen am Leben bleiben und nicht umkommen –weder wir noch du noch unsere Kinder.9Ich bürge für ihn.Von mir persönlich sollst du ihn zurückfordern.Wenn ich ihn dir nicht zurückbringeund vor dich hinstelle,ist es für immer meine Schuld.10Ja, wenn wir nicht gezögert hätten,könnten wir schon zweimal wieder zurück sein.«

11Ihr Vater Israel43,11 Israel: Anderer Name für Jakob, den er von Gott in 1. Mose/Genesis 32,23-33 erhält. sagte zu ihnen:»Wenn es denn sein muss, dann macht es so:Legt die besten Erzeugnisse des Landes in euer Gepäck,um sie dem Mann zu schenken:etwas Honig, Pistazien und Mandeln, kostbare Harze43,11 kostbare Harze: Werden zur Herstellung von Duftölen, Räucherwerk und zur Einbalsamierung von Toten verwendet..12Nehmt den doppelten Geldbetrag mit!Und gebt das Geld zurück,das man euch oben in die Getreidesäcke gelegt hat.Vielleicht war es ein Versehen.13So nehmt euren Bruder mit,macht euch auf und kehrt zu dem Mann zurück!14Ich bete, dass der allmächtige Gott43,14 allmächtiger Gott: Hebräisch El Schaddai. Titel für Gott, in dem seine überlegene Macht zum Ausdruck kommt.euch bei dem Mann Erbarmen finden lässt.Dann gibt er euren anderen Bruder und Benjamin43,14 Benjamin: Neben Josef der einzige andere Sohn von Jakobs Lieblingsfrau Rahel. frei.Ich aber bleibe zurück wie ein Vater,der keine Kinder hat.«

15Die Männer nahmen die Geschenke mitund den doppelten Geldbetrag.Dann zogen sie mit Benjamin43,15 Benjamin: Neben Josef der einzige andere Sohn von Jakobs Lieblingsfrau Rahel. zu Josef43,15 Josef: Einer der zwölf Söhne Jakobs, der in Ägypten zu einem hohen Beamten des Pharao wurde; vgl. 1. Mose/Genesis 37–50. nach Ägypten43,15 Ägypten: Fruchtbares Land am Nil und Großmacht, die das politische Geschehen im Alten Orient beeinflusste..16Als Josef sah, dass Benjamin bei ihnen war,sagte er zu seinem Hausverwalter:»Führe die Männer ins Haus!Lass ein Tier schlachten und zubereiten!Denn die Männer sollen mit mir zu Mittag essen.«17Der Verwalter führte Josefs Anordnungen ausund brachte die Männer zu dessen Haus.18Die Männer fürchteten sich,weil sie in Josefs Haus gebracht wurden.Sie dachten: »Bestimmt ist es wegen des Geldes,das beim letzten Mal wieder in unseren Säcken war.Man bringt uns dorthin,um sich auf uns zu stürzen und über uns herzufallen.Dann wird man uns zu Sklaven machenund uns die Esel wegnehmen.«

19Noch am Hauseingang sagten sie zu Josefs43,19 Josef: Einer der zwölf Söhne Jakobs, der in Ägypten zu einem hohen Beamten des Pharao wurde; vgl. 1. Mose/Genesis 37–50. Hausverwalter:20»Bitte, Herr!Wir sind schon einmal hier gewesen,um Getreide zu kaufen.21Unterwegs kamen wir zu einer Herbergeund öffneten unsere Getreidesäcke.Da sahen wir, dass der volle Geldbetragbei jedem von uns oben im Sack lag.Dieses Geld bringen wir nun wieder zurück.22Außerdem haben wir noch Geld mitgebracht,um neues Getreide zu kaufen.Wir wissen nicht,wer das Geld in unsere Säcke gelegt hat.«23Der Mann erwiderte:»Friede sei mit euch! Habt keine Angst!Euer Gott, der Gott eures Vaters,hat euch einen Schatz in die Säcke gelegt.Euer Geld ist bei mir angekommen.«Dann führte der Mann Simeon43,23 Simeon: Einer der zwölf Brüder, der in Ägypten bleiben musste, vgl. 1. Mose/Genesis 42,24. zu ihnen hinaus.24Anschließend brachte er sie in Josefs Haus.Er gab ihnen Wasser,damit sie ihre Füße waschen43,24 ihre Füße waschen: Das Gehen in Sandalen auf heißen, staubigen Straßen machte das Waschen der Füße beim Betreten eines Hauses nötig. Der Gastgeber ließ dies in der Regel durch einen Diener erledigen. konnten,und Futter für ihre Esel.25Die Brüder packten die Geschenke ausund warteten darauf, dass Josef zur Mittagszeit kam.Denn sie hatten gehört,dass sie dort essen sollten.

26Als Josef43,26 Josef: Einer der zwölf Söhne Jakobs, der in Ägypten zu einem hohen Beamten des Pharao wurde; vgl. 1. Mose/Genesis 37–50. nach Hause kam,überreichten sie ihm die mitgebrachten Geschenkeund warfen sie sich vor ihm nieder.27Er fragte sie: »Geht es euch gut?Und geht es eurem alten Vater gut,von dem ihr erzählt habt? Lebt er noch?«28Sie antworteten:»Deinem Knecht, unserem Vater, geht es gut.Er lebt noch.«Sie verbeugten sich und warfen sich nieder.29Als er sie anschaute, sah er seinen Bruder Benjamin43,29 Benjamin: Neben Josef der einzige andere Sohn von Jakobs Lieblingsfrau Rahel.,den Sohn seiner Mutter.Er fragte: »Ist das euer jüngster Bruder,von dem ihr mir erzählt habt?«Er wandte sich an Benjamin und sagte zu ihm:»Gott sei dir gnädig43,29 Gnade: Liebevolle Zuwendung Gottes, die er den Menschen ohne Vorbedingung schenkt., mein Sohn!«30Dann stürzte Josef hinaus.Der Anblick seines Bruders hatte ihn so aufgewühlt,dass er den Tränen nahe war.Er ging in sein Zimmer, um zu weinen.

31Nachdem er sich das Gesicht gewaschen hatte,kam er zurück, nahm sich zusammen und sagte:»Bringt das Essen!«32Man brachte das Essen jeweils getrennt für Josef43,32 Josef: Einer der zwölf Söhne Jakobs, der in Ägypten zu einem hohen Beamten des Pharao wurde; vgl. 1. Mose/Genesis 37–50.,für seine Brüder und für die anwesenden Ägypter.Denn die Ägypter essen nicht mit Hebräern43,32 Hebräer: Andere Bezeichnung für die Israeliten. zusammen,weil sie meinen, dadurch unrein zu werden.33Die Brüder waren in der Reihenfolge ihres Altersvor Josef gesetzt worden –vom Erstgeborenen bis zum Jüngsten.Erstaunt sahen sich die Brüder an.34Josef ließ ihnen etwas von den Speisen bringen,die vor ihm standen.Aber Benjamin43,34 Benjamin: Neben Josef der einzige andere Sohn von Jakobs Lieblingsfrau Rahel. bekam fünfmal mehr als die anderen.Sie tranken so lange,bis Josef und sie betrunken waren.
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Josef prüft seine Brüder

441Josef44,1 Josef: Einer der zwölf Söhne Jakobs, der in Ägypten zu einem hohen Beamten des Pharao wurde; vgl. 1. Mose/Genesis 37–50. befahl seinem Hausverwalter:»Füll die Säcke der Männer mit Getreide,und gib ihnen so viel, wie sie tragen können.Dann leg jedem das Geld wieder oben in den Sack.2Doch leg in den Sack des Jüngstenmeinen silbernen Becher zu dem Geld für das Getreide!«Der Verwalter tat, was Josef befohlen hatte.3Im Morgengrauen ließ man die Männer mit ihren Eselnnach Hause ziehen.4Kaum hatten sie die Stadt verlassen,sagte Josef zu seinem Verwalter:»Auf! Jag den Männern hinterher!Wenn du sie eingeholt hast, sag zu ihnen:›Warum habt ihr Gutes mit Bösem vergolten?5Ist nicht der silberne Becher bei euch,aus dem mein Herr trinkt und womit er weissagt?Was ihr getan habt, war böse.‹«

6Als der Verwalter sie eingeholt hatte,stellte er sie mit diesen Worten zur Rede.7Sie erwiderten: »Warum redet unser Herr so mit uns?Es liegt deinen Knechten44,7 Knecht: Selbstbezeichnung von Menschen, die ihr Gegenüber damit als ihren Herrn anerkennen. fern, so etwas zu tun.8Wir haben aus Kanaan44,8 Kanaan: Bezeichnung für das Gebiet zwischen Jordantal und Mittelmeer bis zur Stadt Sidon, bevor es durch das Volk Israel in Besitz genommen wurde. sogar das Geld zurückgebracht,das wir oben in unseren Getreidesäcken gefunden haben.Warum sollten wir da Silber oder Goldaus dem Haus deines Herrn stehlen?9Derjenige von deinen Knechten soll sterben,bei dem der Becher gefunden wird!Wir anderen werden deine Sklaven sein.«10Der Verwalter sagte:»Es soll so sein, wie ihr gesagt habt.Doch es soll nur der mein Sklave sein,bei dem der Becher gefunden wird.Ihr anderen sollt frei sein.«11Schnell stellte jeder seinen Sack auf den Bodenund öffnete ihn.12Der Verwalter durchsuchte die Säcke der Reihe nach,vom Ältesten bis zum Jüngsten.Der Becher fand sich im Sack von Benjamin44,12 Benjamin: Neben Josef der einzige andere Sohn von Jakobs Lieblingsfrau Rahel..13Da zerrissen sie ihre Kleider44,13 ihre Kleider zerreißen: Ausdruck tiefer Betroffenheit, beispielsweise bei Trauer, Wut oder Verzweiflung.,beluden ihre Esel und kehrten in die Stadt zurück.

14Als Juda und seine Brüder zu Josefs44,14 Josef: Einer der zwölf Söhne Jakobs, der in Ägypten zu einem hohen Beamten des Pharao wurde; vgl. 1. Mose/Genesis 37–50. Haus kamen,war dieser noch da.Sie warfen sich vor ihm zu Boden.15Josef sagte zu ihnen:»Was habt ihr da getan?Wusstet ihr denn nicht,dass so jemand wie ich weissagen kann?«16Juda antwortete:»Was sollen wir unserem Herrn sagen?Was sollen wir vorbringen?Wie können wir uns rechtfertigen?Gott hat die Schuld deiner Knechte44,16 Knecht: Selbstbezeichnung von Menschen, die ihr Gegenüber damit als ihren Herrn anerkennen. herausgefunden.Ja, Herr, wir sind nun deine Sklaven –sowohl wir als auch der,bei dem der Becher gefunden wurde.«17Josef entgegnete:»Es liegt mir fern, so zu handeln.Nur derjenige soll mein Sklave sein,bei dem der Becher gefunden wurde.Ihr anderen sollt in Frieden zu eurem Vater gehen.«

18Da trat Juda an ihn heran und sagte:»Bitte, mein Herr, erlaube deinem Knecht44,18 Knecht: Selbstbezeichnung von Menschen, die ihr Gegenüber damit als ihren Herrn anerkennen.,das Wort an dich zu richten.Sei deswegen nicht zornig auf ihn,obwohl du so mächtig bist wie der Pharao44,18 Pharao: Bezeichnung für den König von Ägypten..19Mein Herr hat seine Knechte gefragt:›Habt ihr noch einen Vater oder einen Bruder?‹20Wir haben meinem Herrn geantwortet:›Wir haben noch einen alten Vaterund einen jüngeren Bruder,der ihm im Alter geboren wurde.Dessen Bruder ist tot,und von den Kindern seiner Mutter lebt nur noch er.Deswegen liebt sein Vater ihn sehr.‹21Du aber hast zu deinen Knechten gesagt:›Bringt ihn zu mir!Ich will ihn mit eigenen Augen sehen.‹22Da haben wir meinem Herrn geantwortet:›Der Junge kann seinen Vater nicht verlassen.Unser Vater würde sterben,wenn ihn der Junge verlässt.‹23Doch du hast zu deinen Knechten gesagt:›Wenn euer jüngster Bruder nicht mitkommt,dürft ihr mir nicht unter die Augen treten!‹

24Als wir zu deinem Knecht, unserem Vater, zurückkamen,haben wir ihm die Worte meines Herrn ausgerichtet.25Als unser Vater uns jetzt bat,noch einmal loszuziehen und Getreide zu kaufen,26entgegneten wir ihm:›Wir können nicht gehen!Nur wenn unser jüngster Bruder mitkommt,wollen wir losziehen.Denn ohne unseren jüngsten Bruderkönnen wir dem Mann nicht unter die Augen treten.‹27Da sagte dein Knecht, unser Vater, zu uns:›Ihr wisst doch,dass mir seine Mutter nur zwei Söhne geboren hat.28Einer davon hat mich verlassen.Ich denke,dass er von einem wilden Tier zerfleischt worden ist.Bis heute habe ich ihn nicht wiedergesehen.29Jetzt wollt ihr mir auch noch diesen wegnehmen!Wenn ihm ein Unglück zustößt,bringt ihr mich alten Mann vor Kummer ins Totenreich.‹

30Daher kann ich nicht ohne den Jungenzu deinem Knecht, unserem Vater, zurückgehen.Sein Herz hängt doch so sehr an ihm!31Wenn er sehen müsste,dass der Junge nicht bei uns ist,würde er sterben.Dann würden wir deinen Knecht, unseren alten Vater,vor Kummer ins Totenreich44,31 Totenreich: Aufenthaltsort der Verstorbenen, der unter der Erde liegt. bringen.32Ich, dein Knecht, habe bei meinem Vaterfür den Jungen gebürgt.Ich habe gesagt:›Wenn ich ihn dir nicht zurückbringe,bin ich für immer an meinem Vater schuldig geworden.‹33Darum lass doch bitte mich, deinen Knecht44,33 Knecht: Selbstbezeichnung von Menschen, die ihr Gegenüber damit als ihren Herrn anerkennen.,anstelle des Jungen hierbleiben!Ich werde meinem Herrn als Sklave dienen.Aber der Junge soll mit seinen Brüdern heimkehren.34Wie könnte ich ohne den Jungen zu meinem Vater gehen?Ich will das Elend nicht mit ansehen müssen,das meinen Vater überkommen würde.«