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Josef deutet die Träume des Pharao

411Zwei Jahre später hatte der Pharao41,1 Pharao: Bezeichnung für den König von Ägypten. einen Traum:Er stand am Ufer des Nil41,1 Nil: Fluss in Ägypten, der durch jährliche Überschwemmungen die Fruchtbarkeit des Landes sicherte..2Aus dem Fluss stiegen sieben schöne, fette Küheund weideten am Ufer im Schilf.3Nach ihnen stiegen noch sieben Kühe aus dem Nil.Die waren hässlich und mager.Sie stellten sich neben die anderen Kühe ans Ufer.4Dann fraßen die hässlichen und mageren Kühedie sieben schönen und fetten Kühe.Da wachte der Pharao auf.5Aber er schlief wieder ein und hatte noch einen Traum:Er sah aus einem einzigen Halmsieben Ähren41,5 Ähre: Oberer Teil des Getreidehalms, an dem die Körner sitzen. mit schönen, dicken Körnern hervorwachsen.6Nach ihnen kamen sieben dürre Ähren,die der heiße Ostwind ausgetrocknet hatte.7Dann verschlangen die sieben dürren Ährendie sieben dicken und vollen.Da wachte der Pharao auf und begriff,dass er geträumt hatte.8Am Morgen war er so beunruhigt,dass er alle Wahrsager und Gelehrtenin Ägypten41,8 Ägypten: Fruchtbares Land am Nil und Großmacht, die das politische Geschehen im Alten Orient beeinflusste. zusammenrufen ließ.Er erzählte ihnen, was er geträumt hatte.Aber niemand konnte die Träume für den Pharao deuten.

9Da sagte der königliche Mundschenk41,9 Mundschenk: Titel für hohe Beamte am Königshof. Der Mundschenk genoss das besondere Vertrauen des Königs und prüfte beispielsweise dessen Getränke auf Gift. zum Pharao41,9 Pharao: Bezeichnung für den König von Ägypten.:»Heute muss ich ein Versäumnis gestehen.10Als der Pharao damals zornig auf seine Diener war,ließ er uns in Haft nehmen.Man brachte mich und den Hofbäckerin das Haus des Befehlshabers der Leibwache.11Dort hatten wir beide eines Nachts einen Traum,der sich für uns als bedeutsam erweisen sollte.12Da war auch ein junger Hebräer41,12 Hebräer: Andere Bezeichnung für einen Israeliten.,ein Sklave des Befehlshabers der Leibwache.Wir erzählten ihm, was wir geträumt hatten,und er hat es uns richtig gedeutet.13Es kam genau so,wie er es uns vorhergesagt hatte:Ich wurde wieder in mein früheres Amt eingesetzt,und der Bäcker wurde aufgehängt.«

14Da befahl der Pharao41,14 Pharao: Bezeichnung für den König von Ägypten., Josef41,14 Josef: Einer der zwölf Söhne Jakobs, der in Ägypten zu einem hohen Beamten des Pharao wurde; vgl. 1. Mose/Genesis 37–50. rufen zu lassen.Sofort holte man ihn aus dem Gefängnis.Ihm wurden die Haare geschnitten,und er zog andere Gewänder41,14 Gewand: Prächtiges, verziertes, langärmeliges Obergewand, das vor allem wohlhabende Leute anstelle des einfachen Hemdes trugen. an.Dann trat er vor den Pharao.15Der Pharao sagte zu Josef:»Ich hatte einen Traum, und niemand kann ihn deuten.Doch ich habe erfahren,dass du einen Traum nur zu hören brauchst,um ihn deuten zu können.«16Josef erwiderte dem Pharao:»Ich selbst kann es nicht.Aber Gott wird dem Pharao eine gute Antwort geben.«

17Da sagte der Pharao41,17 Pharao: Bezeichnung für den König von Ägypten. zu Josef41,17 Josef: Einer der zwölf Söhne Jakobs, der in Ägypten zu einem hohen Beamten des Pharao wurde; vgl. 1. Mose/Genesis 37–50.:»In meinem Traum stand ich am Ufer des Nil41,17 Nil: Fluss in Ägypten, der durch jährliche Überschwemmungen die Fruchtbarkeit des Landes sicherte..18Aus dem Fluss sah ich sieben fette, schöne Kühe steigenund im Schilf am Ufer weiden.19Nach ihnen stiegen noch sieben Kühe heraus,in erbärmlichem Zustand, hässlich und ganz mager.In ganz Ägypten41,19 Ägypten: Fruchtbares Land am Nil und Großmacht, die das politische Geschehen im Alten Orient beeinflusste. habe ich noch nieso etwas Hässliches gesehen.20Dann fraßen die mageren, hässlichen Kühedie sieben ersten, fetten Kühe.21Sie verschwanden in ihren Bäuchen.Aber man merkte nicht, dass sie darin waren.Denn die Kühe waren so hässlich wie vorher.Da wachte ich auf.22Danach hatte ich noch einen Traum.Ich sah aus einem einzigen Halmsieben Ähren41,22 Ähre: Oberer Teil des Getreidehalms, an dem die Körner sitzen. mit schönen, dicken Körnern hervorwachsen.23Nach ihnen kamen sieben kümmerliche, dürre Ähren,die der heiße Ostwind ausgetrocknet hatte.24Dann verschlangen die sieben dürren Ährendie sieben dicken und vollen.Ich habe die Träume den Wahrsagern erzählt.Doch niemand konnte mir sagen,was das bedeutet.«

25Josef41,25 Josef: Einer der zwölf Söhne Jakobs, der in Ägypten zu einem hohen Beamten des Pharao wurde; vgl. 1. Mose/Genesis 37–50. sagte zum Pharao41,25 Pharao: Bezeichnung für den König von Ägypten.:»Beide Träume des Pharao bedeuten dasselbe.Gott hat dem Pharao durch sie mitgeteilt,was er tun wird.26Die sieben schönen Kühe stehen für sieben Jahre,ebenso die sieben guten Ähren41,26 Ähre: Oberer Teil des Getreidehalms, an dem die Körner sitzen..Es ist ein und derselbe Traum.27Auch die sieben mageren und hässlichen Kühe,die danach herausgestiegen sind,stehen für sieben Jahre.Das gilt auch für die sieben dürren Ähren,die der heiße Ostwind ausgetrocknet hatte.Sie stehen für eine Hungersnot,die sieben Jahre lang dauern wird.28Das war gemeint, als ich zum Pharao sagte:›Gott hat den Pharao sehen lassen,was er tun wird.‹29Es werden sieben Jahre kommen,in denen in ganz Ägypten41,29 Ägypten: Fruchtbares Land am Nil und Großmacht, die das politische Geschehen im Alten Orient beeinflusste. großer Überfluss herrscht.30Aber danach wird es sieben Jahre langeine Hungersnot geben.Dann wird man in Ägypten allen Überfluss vergessen.Hunger wird das Land verzehren.31Von dem Überfluss im Land wird man nichts mehr merkenwegen der Hungersnot,die dann kommt.Denn der Hunger wird sehr groß sein.32Die Wiederholung des königlichen Traums bedeutet,dass das bei Gott feststeht und er es bald tun wird.

33Deshalb sollte der Pharao41,33 Pharao: Bezeichnung für den König von Ägypten. jetzteinen klugen und weisen Mann aussuchen.Ihn soll er als seinen Stellvertreterüber Ägypten41,33 Ägypten: Fruchtbares Land am Nil und Großmacht, die das politische Geschehen im Alten Orient beeinflusste. einsetzen.34Außerdem soll er Verwalter für das Land ernennen.Auch soll er in den sieben Jahren voll Überflussin Ägypten eine Steuer von einem Fünftel erheben.35In den guten Jahren, die kommen werden,sollen alle Ernteerträge gesammelt werden.Im Auftrag des Pharao soll man in den StädtenSpeicher für das Getreide bauen.36Dann wird das Land genug zu essen haben,wenn die sieben Hungerjahre über Ägypten kommen.So wird das Land nicht vor Hunger zugrunde gehen.«

Josef wird der Stellvertreter des Pharao

37Josefs41,37 Josef: Einer der zwölf Söhne Jakobs, der in Ägypten zu einem hohen Beamten des Pharao wurde; vgl. 1. Mose/Genesis 37–50. Rede gefiel dem Pharao41,37 Pharao: Bezeichnung für den König von Ägypten. und seinen Leuten.38Daher fragte der Pharao seine Leute:»Können wir einen besseren Mann finden als diesen,in dem der Geist Gottes ist?«39Dann sagte der Pharao zu Josef:»Weil Gott dich all das hat wissen lassen,ist niemand so klug und weise wie du.40Du selbst sollst mein Stellvertreter sein,und mein ganzes Volksoll deine Anordnungen befolgen.Nur ich als der König stehe noch über dir.«41So sagte der Pharao zu Josef:»Hiermit ernenne ich dichzu meinem Stellvertreter in Ägypten41,41 Ägypten: Fruchtbares Land am Nil und Großmacht, die das politische Geschehen im Alten Orient beeinflusste.42Der Pharao nahm seinen Siegelring41,42 Siegelring: Persönlicher Stempel, der als Ring getragen wurde. Er diente dazu, Urkunden oder Verträge zu beglaubigen, und war daher von hohem Wert. vom Fingerund steckte ihn an Josefs Finger.Er ließ ihm ein weißes Leinengewand anziehenund legte ihm eine goldene Kette um den Hals.43Dann ließ er ihn in seinem zweiten Wagen fahren.Man rief vor ihm aus: »Auf die Knie!«So ernannte der PharaoJosef zu seinem Stellvertreter in ganz Ägypten.44Der Pharao sagte zu Josef:»Ich bin der Pharao.Aber ohne deine Erlaubnis darf niemand in Ägyptenauch nur die Hand oder den Fuß bewegen.«

45Der Pharao41,45 Pharao: Bezeichnung für den König von Ägypten. gab Josef41,45 Josef: Einer der zwölf Söhne Jakobs, der in Ägypten zu einem hohen Beamten des Pharao wurde; vgl. 1. Mose/Genesis 37–50. einen neuen Namenund nannte ihn Zafenat-Paneach41,45 Zafenat-Paneach: Der ägyptische Name bedeutet »Der Gott sagt: ›Er soll (lange) leben!‹«..Er gab ihm Asenat zur Frau.Sie war die Tochter des Potifera,des Priesters von On41,45 On: Eines der wichtigsten Heiligtümer in Ägypten. Es war dem Sonnengott Re geweiht und liegt nordöstlich von Kairo..Dann zog Josef durch Ägypten41,45 Ägypten: Fruchtbares Land am Nil und Großmacht, die das politische Geschehen im Alten Orient beeinflusste..46Er war dreißig Jahre alt,als er vor dem Pharao41,46 Pharao: Bezeichnung für den König von Ägypten. stand,dem König von Ägypten.Nachdem Josef den Pharao verlassen hatte,bereiste er das ganze Land.

Josef sorgt vor

47Das Land brachte in den sieben Jahren voll ÜberflussErträge in Hülle und Fülle hervor.48Während dieser sieben Jahre sammelte Josef41,48 Josef: Einer der zwölf Söhne Jakobs, der in Ägypten zu einem hohen Beamten des Pharao wurde; vgl. 1. Mose/Genesis 37–50.alle Ernteerträge in Ägypten41,48 Ägypten: Fruchtbares Land am Nil und Großmacht, die das politische Geschehen im Alten Orient beeinflusste.und ließ sie in die Städte bringen.In jeder Stadt lagerten die Erträge,die auf den Feldern ringsum geerntet wurden.49Josef sammelte so viel Getreide wie Sand am Meer.Schließlich hörte man auf, es abzumessen.Denn es war so viel geworden,dass man es nicht mehr messen konnte.

50Noch vor dem ersten Jahr der Hungersnotbekamen Josef41,50 Josef: Einer der zwölf Söhne Jakobs, der in Ägypten zu einem hohen Beamten des Pharao wurde; vgl. 1. Mose/Genesis 37–50. und Asenat zwei Söhne.Asenat war die Tochter des Priesters Potifera aus On41,50 On: Eines der wichtigsten Heiligtümer in Ägypten. Es war dem Sonnengott Re geweiht und liegt nordöstlich von Kairo..51Josef nannte den Erstgeborenen Manasse,das bedeutet: Der vergessen lässt.Denn er sagte: »Gott hat mich mein ganzes Unglückund all mein Heimweh vergessen lassen.«52Den zweiten Sohn nannte er Efraim,das bedeutet: Der Fruchtbare.Denn er sagte: »Gott hat mich fruchtbar werden lassenim Land meines Elends.«

53Die sieben Jahre des Überflusses in Ägypten41,53 Ägypten: Fruchtbares Land am Nil und Großmacht, die das politische Geschehen im Alten Orient beeinflusste.gingen zu Ende.54Es begannen die sieben Jahre der Hungersnot.Es war genau so, wie Josef es vorhergesagt hatte.In allen Ländern herrschte Hunger,nur in Ägypten gab es Brot.55Aber auch dort hungerte das Volkund schrie beim Pharao41,55 Pharao: Bezeichnung für den König von Ägypten. nach Brot.Da sagte er zu den Ägyptern:»Wendet euch an Josef und tut, was er euch sagt!«56Als der Hunger das ganze Land erfasst hatte,ließ Josef die Kornspeicher öffnen.Er versorgte Ägypten mit Getreide,denn es wurde von der Hungersnot geplagt.57Aus aller Welt kam man nach Ägypten,um bei Josef Getreide zu kaufen.Denn Hunger plagte die ganze Welt.
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Josefs Brüder kommen nach Ägypten

1. Mose/Genesis 42,1–47,26

In Kanaan herrscht eine große Hungersnot

421Als Jakob42,1 Jakob: Sohn von Isaak und Rebekka. Er ist der Vater von zwölf Söhnen, die für die Stämme Israels stehen; vgl. 1. Mose/Genesis 25,19–50,14. erfuhr, dass es in Ägypten42,1 Ägypten: Fruchtbares Land am Nil und Großmacht, die das politische Geschehen im Alten Orient beeinflusste. Getreide gab,sagte er zu seinen Söhnen:»Warum schaut ihr einander so ratlos an?«2Er fügte hinzu: »Ich habe gehört,dass es in Ägypten Getreide gibt.Geht dorthin und kauft welches für uns,damit wir am Leben bleiben und nicht umkommen!«3Daraufhin zogen zehn von Josefs42,3 Josef: Einer der zwölf Söhne Jakobs, der in Ägypten zu einem hohen Beamten des Pharao wurde; vgl. 1. Mose/Genesis 37–50. Brüdern los,um in Ägypten Getreide zu kaufen.4Nur Benjamin42,4 Benjamin: Neben Josef der einzige andere Sohn von Jakobs Lieblingsfrau Rahel., den Bruder Josefs,schickte Jakob nicht mit dessen Brüdern fort.Denn er dachte: »Es soll ihm kein Unglück zustoßen.«

5So kamen Israels42,5 Israel: Anderer Name für Jakob, den er von Gott in 1. Mose/Genesis 32,23-33 erhält. Söhne nach Ägypten42,5 Ägypten: Fruchtbares Land am Nil und Großmacht, die das politische Geschehen im Alten Orient beeinflusste.,um Getreide zu kaufen,zusammen mit vielen anderen.Denn in Kanaan42,5 Kanaan: Bezeichnung für das Gebiet zwischen Jordantal und Mittelmeer bis zur Stadt Sidon, bevor es durch das Volk Israel in Besitz genommen wurde. herrschte Hungersnot.

Josef trifft auf seine Brüder

6Josef42,6 Josef: Einer der zwölf Söhne Jakobs, der in Ägypten zu einem hohen Beamten des Pharao wurde; vgl. 1. Mose/Genesis 37–50. hatte die Macht in Ägyptenund war zuständig für den Getreideverkauf an die Leute.Als seine Brüder zu ihm kamen,warfen sie sich vor ihm nieder.7Josef sah seine Brüder an und erkannte sie.Aber er verhielt sich ihnen gegenüber wie ein Fremderund fragte sie streng: »Woher kommt ihr?«Sie antworteten: »Wir kommen aus Kanaan,um Getreide zu kaufen.«8Josef hatte seine Brüder erkannt,sie aber erkannten ihn nicht.

9Josef42,9 Josef: Einer der zwölf Söhne Jakobs, der in Ägypten zu einem hohen Beamten des Pharao wurde; vgl. 1. Mose/Genesis 37–50. erinnerte sich an das,was er einst von seinen Brüdern geträumt42,9 geträumt: Von den Träumen erzählt 1. Mose/Genesis 37,5-11. hatte,und sagte zu ihnen: »Ihr seid Spione!Ihr seid hergekommen,um die Schwachstellen des Landes auszukundschaften.«10Sie entgegneten: »Nein, Herr!Deine Knechte42,10 Knecht: Selbstbezeichnung von Menschen, die ihr Gegenüber damit als ihren Herrn anerkennen. sind gekommen,um Getreide zu kaufen.11Wir sind alle Söhne desselben Mannesund ehrliche Leute.Deine Knechte sind keine Spione!«12Aber er erwiderte: »Doch!Ihr seid nur hergekommen,um die Schwachstellen des Landes auszukundschaften.«13Sie antworteten: »Deine Knechte sind zwölf Brüderund Söhne eines Mannes, der im Land Kanaan42,13 Kanaan: Bezeichnung für das Gebiet zwischen Jordantal und Mittelmeer bis zur Stadt Sidon, bevor es durch das Volk Israel in Besitz genommen wurde. lebt.Der Jüngste ist beim Vater geblieben,und einer lebt nicht mehr.«14Josef sagte zu ihnen: »Es ist so,wie ich es euch gesagt habe: Ihr seid Spione!15Eure Aussage soll überprüft werden!Beim Leben des Pharao42,15 Pharao: Bezeichnung für den König von Ägypten.:Ihr dürft erst dann wieder von hier fortgehen,wenn euer jüngster Bruder hierherkommt.16Schickt einen von euch los,um euren Bruder zu holen!Ihr anderen seid verhaftet.So wird überprüft, ob ihr die Wahrheit gesagt habt.Wenn nicht – beim Leben des Pharao –,dann seid ihr Spione.«17Dann ließ er sie drei Tage lang in Haft nehmen.

18Am dritten Tag sagte Josef42,18 Josef: Einer der zwölf Söhne Jakobs, der in Ägypten zu einem hohen Beamten des Pharao wurde; vgl. 1. Mose/Genesis 37–50. zu ihnen:»Das sollt ihr tun, wenn ihr am Leben bleiben wollt.Denn ich fürchte Gott.19Wenn ihr ehrliche Leute seid,dann lasst einen von euch Brüdern im Gefängnis zurück.Ihr anderen dürft gehen.Bringt das Getreide nach Hause,das ihr gegen den Hunger gekauft habt.20Doch ihr müsst mir euren jüngsten Bruder bringen!Dann will ich euren Worten glauben,und ihr müsst nicht sterben.«

Die Brüder gingen darauf ein.21Sie sagten zueinander:»Ja, das ist die Strafe für das,was wir unserem Bruder angetan42,21 unserem Bruder angetan: 1. Mose/Genesis 37,18-36 erzählt, dass die Brüder Josef verkauften. Ihrem Vater sagten sie, Josef sei von einem wilden Tier getötet worden. haben.Wir haben seine Todesangst gesehen.Als er uns um Erbarmen anflehte,haben wir uns taub gestellt.Deswegen müssen wir selbst nun diese Angst ausstehen.«22Ruben entgegnete ihnen:»Habe ich damals nicht zu euch gesagt:›Tut dem Jungen nichts an!‹?Aber ihr habt nicht auf mich gehört.Jetzt werden wir für seinen Tod bestraft.«23Sie wussten nicht, dass Josef42,23 Josef: Einer der zwölf Söhne Jakobs, der in Ägypten zu einem hohen Beamten des Pharao wurde; vgl. 1. Mose/Genesis 37–50. sie verstand.Denn ein Übersetzer vermittelte zwischen ihnen.24Da wandte sich Josef von ihnen ab und weinte.Dann kehrte er wieder zu den Brüdern zurückund setzte das Gespräch fort.Schließlich ließ er Simeon ergreifenund vor ihren Augen fesseln.

25Josef42,25 Josef: Einer der zwölf Söhne Jakobs, der in Ägypten zu einem hohen Beamten des Pharao wurde; vgl. 1. Mose/Genesis 37–50. befahl, ihre Gefäße mit Getreide zu füllenund jedem sein Geld in den Sack zurückzulegen.Sie sollten auch Verpflegung für die Reise erhalten.So geschah es.26Die Brüder luden das Getreide auf ihre Eselund zogen los.27In der Herberge öffnete einer von ihnen seinen Sack,um seinem Esel Futter zu geben.Da sah er sein Geld oben im Getreidesack liegen.28Er sagte zu seinen Brüdern:»Mein Geld ist wieder da.Seht her! Es liegt in meinem Getreidesack.«Da blieb ihnen fast das Herz stehen,und sie sagten zitternd zueinander:»Was hat Gott uns da angetan?«

29Als sie zu ihrem Vater Jakob42,29 Jakob: Sohn von Isaak und Rebekka. Er ist der Vater von zwölf Söhnen, die für die Stämme Israels stehen; vgl. 1. Mose/Genesis 25,19–50,14. nach Kanaan42,29 Kanaan: Bezeichnung für das Gebiet zwischen Jordantal und Mittelmeer bis zur Stadt Sidon, bevor es durch das Volk Israel in Besitz genommen wurde. kamen,berichteten sie ihm alles, was sie erlebt hatten:30»Der Herr des Landes hat uns streng befragt.Er hat uns für Leute gehalten,die das Land auskundschaften wollen.31Wir sagten zu ihm:›Wir sind ehrliche Leute und keine Spione.32Wir sind zwölf Brüder,Söhne desselben Vaters.Aber einer von uns lebt nicht mehr,und der Jüngste ist beim Vater in Kanaan geblieben.‹33Da sagte der Herr des Landes zu uns:›Ich werde herausfinden, ob ihr ehrliche Leute seid.Lasst einen von euch Brüdern bei mir zurück!Ihr anderen bringt das Getreide nach Hause,das ihr gegen den Hunger gekauft habt.Ihr dürft gehen.34Doch ihr müsst mir euren jüngsten Bruder bringen.Dann glaube ich euch, dass ihr keine Spione seid,sondern ehrliche Leute.Dann gebe ich auch euren Bruder wieder frei,und ihr dürft euch ungestört im Land bewegen.‹«

35Doch als sie ihre Säcke ausleerten,fand jeder von ihnen seinen Geldbeutel darin.Als sie und ihr Vater die Geldbeutel erblickten,erschraken sie sehr.36Ihr Vater Jakob42,36 Jakob: Sohn von Isaak und Rebekka. Er ist der Vater von zwölf Söhnen, die für die Stämme Israels stehen; vgl. 1. Mose/Genesis 25,19–50,14. sagte zu den Brüdern:»Ihr bringt mich um meine Kinder.Josef42,36 Josef: Einer der zwölf Söhne Jakobs, der in Ägypten zu einem hohen Beamten des Pharao wurde; vgl. 1. Mose/Genesis 37–50. ist weg, Simeon ist weg,und jetzt wollt ihr mir auch noch Benjamin42,36 Benjamin: Neben Josef der einzige andere Sohn von Jakobs Lieblingsfrau Rahel. wegnehmen!Nichts als Unglück kommt über mich!«37Da sagte Ruben zu seinem Vater:»Du darfst meine beiden Söhne töten,wenn ich dir Benjamin nicht wiederbringe.Vertrau ihn mir an! Ich bringe ihn dir zurück.«38Jakob entgegnete:»Nein! Benjamin darf nicht mit euch fortziehen.Denn sein Bruder42,38 Bruder: 1. Mose/Genesis 37,18-36 erzählt, dass die Brüder Josef verkauften. Ihrem Vater sagten sie, Josef sei von einem wilden Tier getötet worden. ist tot,und er allein ist übrig geblieben.Auf eurer Reise könnte ihm ein Unglück zustoßen.Dann bringt ihr mich alten Mannvor Kummer ins Totenreich42,38 Totenreich: Aufenthaltsort der Verstorbenen, der unter der Erde liegt.
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Josefs Brüder reisen mit Benjamin nach Ägypten

431Die Hungersnot herrschte weiter im Land.2Als das Getreide verzehrt war,das sie aus Ägypten43,2 Ägypten: Fruchtbares Land am Nil und Großmacht, die das politische Geschehen im Alten Orient beeinflusste. mitgebracht hatten,sagte Jakob43,2 Jakob: Sohn von Isaak und Rebekka. Er ist der Vater von zwölf Söhnen, die für die Stämme Israels stehen; vgl. 1. Mose/Genesis 25,19–50,14. zu seinen Söhnen:»Ihr müsst noch einmal dorthin gehenund Getreide für uns kaufen.«3Juda erwiderte:»Der Mann hat uns eindringlich davor gewarnt,ihm ohne Benjamin43,3 Benjamin: Neben Josef der einzige andere Sohn von Jakobs Lieblingsfrau Rahel. unter die Augen zu treten.4Nur wenn du ihn mit uns gehen lässt,wollen wir losziehen und Getreide für dich kaufen.5Wenn du ihn nicht mit uns gehen lässt,dann ziehen auch wir nicht los.Denn der Mann hat uns gesagt:›Ihr dürft mir nicht unter die Augen treten,wenn euer Bruder nicht dabei ist!‹«

6Israel43,6 Israel: Anderer Name für Jakob, den er von Gott in 1. Mose/Genesis 32,23-33 erhält. sagte: »Warum habt ihr mir das angetanund dem Mann erzählt,dass ihr noch einen Bruder habt?«7Sie antworteten: »Der Mann hat sich ausführlichnach uns und unserer Familie erkundigt.Er hat gefragt:›Lebt euer Vater noch? Habt ihr noch einen Bruder?‹Da haben wir ihm wahrheitsgemäß geantwortet.Konnten wir denn ahnen, dass er befehlen wird,unseren Bruder hierher zu bringen?«8Juda sagte zu seinem Vater Israel:»Lass den Jungen mit mir gehen!Dann können wir aufbrechen und losziehen.Wir wollen am Leben bleiben und nicht umkommen –weder wir noch du noch unsere Kinder.9Ich bürge für ihn.Von mir persönlich sollst du ihn zurückfordern.Wenn ich ihn dir nicht zurückbringeund vor dich hinstelle,ist es für immer meine Schuld.10Ja, wenn wir nicht gezögert hätten,könnten wir schon zweimal wieder zurück sein.«

11Ihr Vater Israel43,11 Israel: Anderer Name für Jakob, den er von Gott in 1. Mose/Genesis 32,23-33 erhält. sagte zu ihnen:»Wenn es denn sein muss, dann macht es so:Legt die besten Erzeugnisse des Landes in euer Gepäck,um sie dem Mann zu schenken:etwas Honig, Pistazien und Mandeln, kostbare Harze43,11 kostbare Harze: Werden zur Herstellung von Duftölen, Räucherwerk und zur Einbalsamierung von Toten verwendet..12Nehmt den doppelten Geldbetrag mit!Und gebt das Geld zurück,das man euch oben in die Getreidesäcke gelegt hat.Vielleicht war es ein Versehen.13So nehmt euren Bruder mit,macht euch auf und kehrt zu dem Mann zurück!14Ich bete, dass der allmächtige Gott43,14 allmächtiger Gott: Hebräisch El Schaddai. Titel für Gott, in dem seine überlegene Macht zum Ausdruck kommt.euch bei dem Mann Erbarmen finden lässt.Dann gibt er euren anderen Bruder und Benjamin43,14 Benjamin: Neben Josef der einzige andere Sohn von Jakobs Lieblingsfrau Rahel. frei.Ich aber bleibe zurück wie ein Vater,der keine Kinder hat.«

15Die Männer nahmen die Geschenke mitund den doppelten Geldbetrag.Dann zogen sie mit Benjamin43,15 Benjamin: Neben Josef der einzige andere Sohn von Jakobs Lieblingsfrau Rahel. zu Josef43,15 Josef: Einer der zwölf Söhne Jakobs, der in Ägypten zu einem hohen Beamten des Pharao wurde; vgl. 1. Mose/Genesis 37–50. nach Ägypten43,15 Ägypten: Fruchtbares Land am Nil und Großmacht, die das politische Geschehen im Alten Orient beeinflusste..16Als Josef sah, dass Benjamin bei ihnen war,sagte er zu seinem Hausverwalter:»Führe die Männer ins Haus!Lass ein Tier schlachten und zubereiten!Denn die Männer sollen mit mir zu Mittag essen.«17Der Verwalter führte Josefs Anordnungen ausund brachte die Männer zu dessen Haus.18Die Männer fürchteten sich,weil sie in Josefs Haus gebracht wurden.Sie dachten: »Bestimmt ist es wegen des Geldes,das beim letzten Mal wieder in unseren Säcken war.Man bringt uns dorthin,um sich auf uns zu stürzen und über uns herzufallen.Dann wird man uns zu Sklaven machenund uns die Esel wegnehmen.«

19Noch am Hauseingang sagten sie zu Josefs43,19 Josef: Einer der zwölf Söhne Jakobs, der in Ägypten zu einem hohen Beamten des Pharao wurde; vgl. 1. Mose/Genesis 37–50. Hausverwalter:20»Bitte, Herr!Wir sind schon einmal hier gewesen,um Getreide zu kaufen.21Unterwegs kamen wir zu einer Herbergeund öffneten unsere Getreidesäcke.Da sahen wir, dass der volle Geldbetragbei jedem von uns oben im Sack lag.Dieses Geld bringen wir nun wieder zurück.22Außerdem haben wir noch Geld mitgebracht,um neues Getreide zu kaufen.Wir wissen nicht,wer das Geld in unsere Säcke gelegt hat.«23Der Mann erwiderte:»Friede sei mit euch! Habt keine Angst!Euer Gott, der Gott eures Vaters,hat euch einen Schatz in die Säcke gelegt.Euer Geld ist bei mir angekommen.«Dann führte der Mann Simeon43,23 Simeon: Einer der zwölf Brüder, der in Ägypten bleiben musste, vgl. 1. Mose/Genesis 42,24. zu ihnen hinaus.24Anschließend brachte er sie in Josefs Haus.Er gab ihnen Wasser,damit sie ihre Füße waschen43,24 ihre Füße waschen: Das Gehen in Sandalen auf heißen, staubigen Straßen machte das Waschen der Füße beim Betreten eines Hauses nötig. Der Gastgeber ließ dies in der Regel durch einen Diener erledigen. konnten,und Futter für ihre Esel.25Die Brüder packten die Geschenke ausund warteten darauf, dass Josef zur Mittagszeit kam.Denn sie hatten gehört,dass sie dort essen sollten.

26Als Josef43,26 Josef: Einer der zwölf Söhne Jakobs, der in Ägypten zu einem hohen Beamten des Pharao wurde; vgl. 1. Mose/Genesis 37–50. nach Hause kam,überreichten sie ihm die mitgebrachten Geschenkeund warfen sie sich vor ihm nieder.27Er fragte sie: »Geht es euch gut?Und geht es eurem alten Vater gut,von dem ihr erzählt habt? Lebt er noch?«28Sie antworteten:»Deinem Knecht, unserem Vater, geht es gut.Er lebt noch.«Sie verbeugten sich und warfen sich nieder.29Als er sie anschaute, sah er seinen Bruder Benjamin43,29 Benjamin: Neben Josef der einzige andere Sohn von Jakobs Lieblingsfrau Rahel.,den Sohn seiner Mutter.Er fragte: »Ist das euer jüngster Bruder,von dem ihr mir erzählt habt?«Er wandte sich an Benjamin und sagte zu ihm:»Gott sei dir gnädig43,29 Gnade: Liebevolle Zuwendung Gottes, die er den Menschen ohne Vorbedingung schenkt., mein Sohn!«30Dann stürzte Josef hinaus.Der Anblick seines Bruders hatte ihn so aufgewühlt,dass er den Tränen nahe war.Er ging in sein Zimmer, um zu weinen.

31Nachdem er sich das Gesicht gewaschen hatte,kam er zurück, nahm sich zusammen und sagte:»Bringt das Essen!«32Man brachte das Essen jeweils getrennt für Josef43,32 Josef: Einer der zwölf Söhne Jakobs, der in Ägypten zu einem hohen Beamten des Pharao wurde; vgl. 1. Mose/Genesis 37–50.,für seine Brüder und für die anwesenden Ägypter.Denn die Ägypter essen nicht mit Hebräern43,32 Hebräer: Andere Bezeichnung für die Israeliten. zusammen,weil sie meinen, dadurch unrein zu werden.33Die Brüder waren in der Reihenfolge ihres Altersvor Josef gesetzt worden –vom Erstgeborenen bis zum Jüngsten.Erstaunt sahen sich die Brüder an.34Josef ließ ihnen etwas von den Speisen bringen,die vor ihm standen.Aber Benjamin43,34 Benjamin: Neben Josef der einzige andere Sohn von Jakobs Lieblingsfrau Rahel. bekam fünfmal mehr als die anderen.Sie tranken so lange,bis Josef und sie betrunken waren.