BasisBibel (BB)
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Mordechai wird Ehre erwiesen

61In dieser Nacht konnte der König nicht schlafen.Schließlich befahl er,ihm die »Chronik des Königs«6,1 »Chronik des Königs«: Ein uns unbekanntes Buch, das vermutlich Aufzeichnungen über den Königshof enthielt. zu bringen:das Buch, in dem amtlich aufgeschrieben war,was am Hof des Königs geschah.Daraus wurde dem König vorgelesen.2Man kam zu einer Stelle, die berichtete,wie Mordechai Bigtan und Teresch angezeigt6,2 Bigtan und Teresch angezeigt: Vom Komplott der beiden Hofbeamten erzählt Ester 2,19-23. hatte.Das waren die zwei Eunuchen6,2 Eunuch: Durch einen Eingriff zeugungsunfähig gemachter Mann, oft ein hoher Hofbeamter. Mehr … des Königs,die zu den Torwächtern gehört hatten.Sie hatten geplant, König Xerxes6,2 Xerxes I.: König von Persien 485–465 v. Chr. In anderen Übersetzungen trägt er den Namen »Ahasveros«. umzubringen.3Der König fragte:»Was hat Mordechai dafür bekommenals Belohnung und Auszeichnung?«Da antworteten die jungen Diener des Königs:»Er hat nichts bekommen.«

4Plötzlich fragte der König: »Wer ist da im Hof?«Gerade war nämlich Hamanin den äußeren Hof des Königspalastes gekommen.Er wollte den König dazu überreden,Mordechai am Galgen aufzuhängen.Den hatte er schon für Mordechai errichtet.5Die Diener des Königs6,5 König: Meint den Perserkönig Xerxes I. (485–465 v. Chr.). In anderen Übersetzungen trägt er den Namen »Ahasveros«. antworteten:»Es ist Haman, der da im Hof steht.«Da sagte der König: »Er soll hereinkommen!«6Haman trat ein und der König fragte ihn:»Was könnte man für einen Mann tun,den der König gerne besonders auszeichnen möchte?«Da dachte Haman bei sich:»Wen sollte der König lieber auszeichnen als mich?«7Also sagte Haman zum König:»Der König will gerne einen Mann auszeichnen?8Dann soll man dem Mann ein königliches Gewand bringen,das der König selbst schon getragen hat.Und man soll ihm ein Pferd holen,auf dem schon der König selbst geritten ist.Auf seinem Kopf soll es Schmuck tragen,der wie eine Krone aussieht.9Lass Gewand und Pferd an jemanden übergeben,der zu den hohen Beamten des Königs gehört.Ein vornehmer Mensch soll den Mann bekleiden,den der König auszeichnen möchte.Man soll ihn auf das Pferd setzenund über den freien Platz der Stadt reiten lassen.Dabei soll man rufen:Das geschieht einem Mann,den der König auszeichnen möchte!«

10Da sagte der König zu Haman:»Schnell, hol ein Gewand und ein Pferd,wie du es vorgeschlagen hast.Mach das genau so mit Mordechai, dem Juden,der am Tor zum Palast sitzt.Lass nichts weg von dem, was du vorgeschlagen hast!«11Also nahm Haman ein Gewand und ein Pferd.Er kleidete Mordechai einund ließ ihn über den freien Platz der Stadt reiten.Man rief vor Mordechai:»Das wird für einen Mann getan,den der König besonders auszeichnen möchte.«12Danach kehrte Mordechai zum Palasttor zurück.Haman aber beeilte sich, nach Hause zu kommen,traurig und mit gesenktem Kopf.

13Haman erzählte seiner Frau Seresch und seinen Freunden,was passiert war.Seine klugen Freunde und seine Frau Seresch sagten:»Dein Sturz hat mit Mordechai begonnen.Der ist von jüdischer Herkunft,und du wirst nichts gegen ihn ausrichten.Ja, du wirst durch ihn ganz zu Fall kommen.«14So redeten sie mit ihm.Dann trafen die Eunuchen6,14 Eunuch: Durch einen Eingriff zeugungsunfähig gemachter Mann, oft ein hoher Hofbeamter. Mehr … des Königs einund brachten Haman eilig zu dem Gelage von Ester.
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Haman wird gestürzt

71So kamen der König und Hamanzum Gelage von Königin Ester.2Als der König Wein getrunken hatte,fragte er Ester auch an diesem zweiten Tag:»Was ist deine Bitte? Sie soll dir erfüllt werden.Was wünschst du? Es soll geschehen.Du bekommst es, Königin Ester,auch wenn es die Hälfte des Königreichs ist!«3Da antwortete Königin Ester:»Habe ich Gnade gefunden bei dir, König?Und gefällt es dem König?Dann lass mich am Leben – das ist meine Bitte.Und lass mir mein Volk – das ist mein Wunsch.4Denn man hat uns verkauft, mich und mein Volk.Man will uns ausrotten, töten, vernichten.Wenn wir als Sklaven und Sklavinnen verkauft würden,dann würde ich schweigen.Dann wäre die Not nicht so groß,dass es recht wäre, den König damit zu belästigen.«5Da sagte König Xerxes7,5 Xerxes I.: König von Persien 485–465 v. Chr. In anderen Übersetzungen trägt er den Namen »Ahasveros«. zu Königin Ester:»Aber wer hat vor, so etwas zu tun?Wer ist das und wo ist er?«6Ester antwortete:»Der Gegner und Feind ist Haman, dieser Verbrecher!«Haman bekam Angst vor dem König und der Königin.7Voll Zorn stand der König auf.Er verließ das Festessen und ging in den Garten des Palastes.Haman blieb und flehte Königin Ester um sein Leben an.Denn er musste erkennen,dass der König seinen Tod beschlossen hatte.

8Dann kam der König aus dem Garten des Palasts zurückund ging in den Saal zum Gelage.Haman hatte sich vor der Liege zu Boden geworfen,auf der Ester zu Tisch lag7,8 zu Tisch liegen: Bei festlichen Anlässen war es üblich, beim Essen zu liegen..Da schrie der König:»Wird jetzt auch noch die Königin angegriffen,direkt vor mir in meinem Haus?«Kaum hatte der König das gerufen,bedeckte man Hamans Gesicht.9Dann sagte Harbona, einer der Eunuchen7,9 Eunuch: Durch einen Eingriff zeugungsunfähig gemachter Mann, oft ein hoher Hofbeamter. Mehr …, zum König:»Der Galgen wartet schon.Den hat Haman selbst bauen lassen –für Mordechai, der doch für den König eingetreten ist.Er steht bei Hamans Haus und ist 25 Meter7,9 25 Meter: Wörtlich »50 Ellen«. Eine Elle entspricht etwa 45 cm und wird vom Ellenbogen bis zu den Fingerspitzen gemessen. hoch!«Der König befahl: »Hängt Haman daran auf!«10Da hängten sie Haman an den Galgen,den er für Mordechai aufgestellt hatte.Der Zorn des Königs legte sich.
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Die Feinde der Juden werden vernichtet

Ester 8,1–9,16

Der Plan von Haman wird abgewendet

81Noch an dem Tag, an dem Haman starb,verschenkte König Xerxes8,1 Xerxes I.: König von Persien 485–465 v. Chr. In anderen Übersetzungen trägt er den Namen »Ahasveros«. das Haus von Haman.Er schenkte es Königin Ester.Haman war der Feind der Juden gewesen.Mordechai aber durfte zum König gehen.Ester hatte dem König anvertraut,dass Mordechai mit ihr verwandt war.2Da streifte der König seinen Siegelring8,2 Siegelring: Persönlicher Stempel, der als Ring getragen wurde. Er diente dazu, Urkunden oder Verträge zu beglaubigen, und war daher von hohem Wert. ab,den er Haman wieder abgenommen hatte.Er gab ihn Mordechai,und Ester machte Mordechai zum Verwalter des Hauses,das Haman gehört hatte.

3Ester aber wandte sich noch einmal an den König.Sie warf sich ihm zu Füßen,weinte und flehte ihn an:»Wende den bösen Plan von Haman, dem Agagiter8,3 Agagiter: Andere Bezeichnung für die Amalekiter. Sie sind in den biblischen Texten zum Sinnbild für die Feinde der Israeliten und Juden geworden., ab!Er richtet sich gegen die Juden.«4Der König streckte Esterden goldenen Herrscherstab8,4 goldener Herrscherstab: Wer dem König zu nahe kommt, wird mit dem Tod bestraft. Nur wenn der König mit dem Stab ein Zeichen gibt, darf jemand zu ihm kommen; vgl. Ester 4,11. entgegen.Da stand Ester auf und trat vor den König.5Sie sagte: »Wenn es dem König gefällt,finde ich dann Gnade bei ihm?Scheint dem König die Sache angemessen?Wenn er meine Meinung für richtig hält,dann soll er eine schriftliche Anordnung treffen:Er soll das Schreiben8,5 das Schreiben: Meint den Erlass, den König Xerxes nach Ester 3,9-15 in seinem ganzen Reich verteilen ließ. widerrufen,das den Plan von Haman, dem Agagiter, enthält.Haman, Sohn von Hammedata, hat es nur aufsetzen lassen,um alle Juden zu vernichten –alle, die in den Provinzen des Reichs leben.6Wie könnte ich das Unheil mit ansehen,das mein Volk treffen soll?Wie könnte ich das Verderben ertragen,das meine Verwandten erleben sollen?«7Da sagte König Xerxes8,7 Xerxes I.: König von Persien 485–465 v. Chr. In anderen Übersetzungen trägt er den Namen »Ahasveros«. zu Königin Esterund zu dem Juden Mordechai:»Ich habe Ester das Haus von Haman geschenkt.Man hat Haman an den Galgen gehängt,weil er die Juden umbringen wollte.8Schreibt ihr nun über die Juden,was ihr für richtig haltet.Schreibt im Namen des Königs!Es muss ein Erlass sein,der im Namen des Königs verfasst ist.Er wird mit dem Siegel8,8 Siegel: Ein persönlicher Stempel, durch dessen Abdruck ein Brief, eine Urkunde oder ein Vertrag beglaubigt wird. Mehr … des Königs verschlossenund kann nicht wieder zurückgenommen werden.«

9Dann wurden gleich die Schreiber gerufen.Das war am 23. Tag im dritten Monat, dem Siwan8,9 Siwan: Name des dritten Monats im biblischen Kalender. Er fällt in den Mai/Juni unseres Kalenders..Die Schreiben wurden genau so aufgesetzt,wie Mordechai es anordnete.Jede Provinz bekam den Erlass in der eigenen Schriftund jedes Volk in seiner eigenen Sprache.Es ging an die Juden, an die Statthalter des Königs8,9 Statthalter des Königs: Verwalter einer Region im Auftrag des persischen Reiches oder des Königs.und an die oberen und niederen Verwalter der Provinzen– in allen 127 Provinzen von Indien bis Kusch.Auch die Juden selbstwurden in ihrer Schrift und Sprache angeschrieben.10Mordechai schrieb im Namen von König Xerxesund versiegelte den Brief mit dem königlichen Siegel8,10 Siegel: Ein persönlicher Stempel, durch dessen Abdruck ein Brief, eine Urkunde oder ein Vertrag beglaubigt wird. Mehr ….Dann verschickte er die Briefe durch Boten.Sie ritten auf schnellen Pferdenaus dem königlichen Stall.

11Der König erlaubte es den Juden,sich für ihr Leben einzusetzen:Sie durften sich in jeder einzelnen Stadt versammeln.Wenn sie angegriffen wurden,durften sie alle bewaffneten Gruppenausrotten, vernichten und töten8,11 ausrotten, vernichten und töten: König Xerxes erlaubt den Juden nun wörtlich dasselbe, was er in seinem ersten Erlass gegen sie angeordnet hatte; vgl. Ester 3,13.sogar Frauen und Kinder.Sie durften deren Besitz plündern.12Das sollte in allen Provinzen von König Xerxesam selben Tag8,12 am selben Tag: Es ist derselbe Tag, den der Erlass zur Vernichtung der Juden vorgesehen hatte; vgl. Ester 3,13. geschehen:am 13. Tag im zwölften Monat, dem Adar8,12 Adar: Name des zwölften Monats im biblischen Kalender. Er fällt in den Februar/März unseres Kalenders..13Von dem Erlass fertigte man Abschriften an,um das Gesetz in jeder Provinz bekannt zu machen.Alle Leute sollten davon erfahren.Die Juden sollten am festgelegten Tag bereitstehen,um sich an ihren Feinden zu rächen.14Auf Befehl des Königs machten sich die Eilboten auf,sofort und in großer Eile.Sie ritten auf den königlichen Pferden.Das Gesetz wurde auch in Susa8,14 Susa: Hauptstadt des Perserreichs, an der südwestlichen Grenze des heutigen Iran gelegen. bekannt,in der befestigten Stadt.

Mordechai wird noch einmal Ehre erwiesen

15Mordechai aber verließ den König,ganz in königliche Gewänder gekleidet.Sie waren weiß und violett8,15 violett: Mit Purpur gefärbter Stoff. Purpur ist ein sehr kostbarer Farbstoff und war in der Antike den Reichen und Mächtigen vorbehalten. gefärbt.Dazu trug er einen purpurroten8,15 Purpur: Intensiver rot-violetter Farbstoff, mit dem in der Antike Stoffe und Wolle gefärbt wurden. Purpur ist sehr kostbar und war hauptsächlich den Reichen und Mächtigen vorbehalten. Mehr … Mantel aus Leinenund eine große goldene Krone.In der Stadt Susa8,15 Susa: Hauptstadt des Perserreichs, an der südwestlichen Grenze des heutigen Iran gelegen. freute man sich und jubelte.

16Bei allen Juden herrschte große Freude.Sie jubelten, denn sie hatten neues Ansehen gewonnen.17In jeder einzelnen Provinz und jeder einzelnen Stadtherrschte große Freude bei den Juden.Sie jubelten überall,wo das Schreiben mit dem Gesetz des Königs galt.Es war ein Feiertag und ein Fest.Viele Menschen aus verschiedenen Völkern der Erdebekannten sich nun als Juden.Sie hatten nämlich Angst vor den Juden bekommen.