BasisBibel (BB)
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Ein Plan zur Vernichtung der Juden

Ester 3,1-15

Mordechai verweigert einen Befehl

31Nach diesen Vorfällen gab König Xerxes3,1 Xerxes I.: König von Persien 485–465 v. Chr. In anderen Übersetzungen trägt er den Namen »Ahasveros«.dem Agagiter3,1 Agagiter: Andere Bezeichnung für die Amalekiter. Sie sind in den biblischen Texten zum Sinnbild für die Feinde der Israeliten und Juden geworden. Haman, dem Sohn des Hammedata,eine besondere Machtposition.Er beförderte ihnund setzte ihn über alle hohen Beamten.Die waren ihm zuvor gleichgestellt.2Alle königlichen Beamten, die am Königstor waren,mussten sich vor Haman verneigen und niederknien.So hatte es der König ihm zu Ehren befohlen.Mordechai aber kniete nicht nieder und verneigte sich nicht.3Die königlichen Beamten, die am Königstor waren,fragten Mordechai:»Warum befolgst du den Befehl des Königs nicht?«4Er antwortete ihnen: »Ich bin Jude.«3,4 »Ich bin Jude.«: Als Jude wollte Mordechai nicht den Anschein erwecken, jemand anderen als Gott zu verehren.Jeden Tag redeten sie auf ihn ein.Doch er hörte nicht auf sie,und sie berichteten es Haman.Sie wollten sehen,ob Mordechai mit seiner Begründung durchkommen würde.

5So erfuhr Haman, dass Mordechai nicht niederknieteund sich nicht vor ihm verneigte.Da packte ihn der Zorn.6Es war ihm zu wenig, nur Mordechai umzubringen.Man hatte Haman gesagt,zu welchem Volk Mordechai gehörte.Nun wollte Haman alle Juden vernichten,die irgendwo im Reich von König Xerxes3,6 Xerxes I.: König von Persien 485–465 v. Chr. In anderen Übersetzungen trägt er den Namen »Ahasveros«. wohnten.Denn sie waren das Volk, zu dem Mordechai gehörte.

Haman will das jüdische Volk vernichten

7*3,7 Vers 7: Der hebräische Text ist nur schwer zu deuten. Die Übersetzung orientiert sich an der griechischen Überlieferung. Es kam das zwölfte Regierungsjahr von König Xerxes3,7 Xerxes I.: König von Persien 485–465 v. Chr. In anderen Übersetzungen trägt er den Namen »Ahasveros«..Gleich im ersten Monat, im Nisan3,7 Nisan: Name des ersten Monats im biblischen Kalender. Er fällt in den März/April unseres Kalenders.,warf man für Haman Lose3,7 Los: Unterschiedlich markierte Steinchen, die in einem Behälter geschüttelt und auf den Boden geworfen wurden, um eine Entscheidung herbeizuführen. Mehr …, die »Pur« hießen.So wollte er Tag und Monat feststellen,an dem er Mordechai und sein Volk vernichten könnte.Das Los fiel auf den 13. Tag im 12. Monat, dem Adar3,7 Adar: Name des zwölften Monats im biblischen Kalender. Er fällt in den Februar/März unseres Kalenders..8Da sagte Haman zu König Xerxes3,8 Xerxes I.: König von Persien 485–465 v. Chr. In anderen Übersetzungen trägt er den Namen »Ahasveros«.:»Es gibt da ein ganz bestimmtes Volk.Das lebt verstreut unter den anderen Völkernund über alle Provinzen in deinem Königreich verteilt.Seine Gesetze weichen von anderen Völkern ab,und sie halten sich nicht an die Gesetze des Königs.Es ist für den König nicht in Ordnung,wenn er dieses Volk einfach in Ruhe lässt!9Wenn es dem König gefällt, soll es einen Erlass geben.Darin soll geschrieben stehen, dass das Volk vernichtet wird.Gerne will ich 340 Tonnen3,9 340 Tonnen: Wörtlich »10.000 Kikkar«. Ein Kikkar entspricht etwa 34 kg. Silber abwiegenund sie den zuständigen Leuten aushändigen.Sie sollen es in die königlichen Schatzhäuser bringen.«10Der König zog seinen Siegelring3,10 Siegelring: Persönlicher Stempel, der als Ring getragen wurde. Er diente dazu, Urkunden oder Verträge zu beglaubigen, und war daher von hohem Wert. von der Handund reichte ihn Haman, dem Feind der Juden.– Er war Agagiter3,10 Agagiter: Andere Bezeichnung für die Amalekiter. Sie sind in den biblischen Texten zum Sinnbild für die Feinde der Israeliten und Juden geworden. und Sohn des Hammedata. –11Der König sagte zu Haman:»Ich überlasse dir das Silber und auch das Volk.Mach mit ihm, was du für richtig hältst.«

12Noch am selben Tag, dem 13. im ersten Monat,wurden die Schreiber des Königs gerufen.Alles, was Haman angeordnet hatte, wurde festgehalten.Man schrieb an die Statthalter des Königs3,12 Statthalter des Königs: Verwalter einer Region im Auftrag des persischen Reiches oder des Königs.,an die oberen Verwalter der Provinzenund an die Vornehmen aus dem Volk.Jede Provinz bekam den Erlass in der eigenen Schriftund jedes Volk in seiner eigenen Sprache.Er wurde mit den Namen des Königs unterschriebenund mit dem königlichen Siegel versiegelt.13In allen Provinzen des Königssollten schnelle Boten diesen Erlass verteilen:»Alle Juden, ob jung oder alt, auch Frauen und Kinder,sollen an einem einzigen Tag getötet werden!Sie sollen ausgerottet und vernichtet werden.Das soll am 13. Tag im zwölften Monat, dem Adar3,13 Adar: Name des zwölften Monats im biblischen Kalender. Er fällt in den Februar/März unseres Kalenders., sein.Ihr Besitz darf geplündert werden.«14Von dem Erlass fertigte man Abschriften an,um die Anordnung in jeder Provinz bekannt zu machen.Alle Leute sollten davon wissen,damit sie am festgesetzten Tag bereit waren.15Auf Befehl des Königs gingen die schnellen Boten los.So wurde der Erlass auch in der Festung Susa3,15 Susa: Hauptstadt des Perserreichs, an der südwestlichen Grenze des heutigen Iran gelegen. bekannt.Der König und Haman ließen sich zum Trinken nieder,während die Stadt in heller Aufregung war.
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Ester wird zur Retterin des jüdischen Volks

Ester 4,1–7,10

Ester setzt ihr Leben aufs Spiel

41Mordechai erfuhr alles, was geschehen war.Da zerriss er seine Kleider4,1 seine Kleider zerreißen: Ausdruck tiefer Betroffenheit, beispielsweise bei Trauer, Wut oder Verzweiflung.und zog statt dessen einen Sack4,1 Sack: Einen Sack anzuziehen und Asche auf den Kopf zu streuen sind Zeichen tiefer Betroffenheit und gehören zu den Trauerbräuchen. an.Er streute sich Asche auf den Kopf4,1 Asche auf den Kopf: Das Bedecken von Kopf und Körper mit Asche gehört zu den Trauerbräuchen.und ging hinaus, mitten in die Stadt.Dort fing er ein lautes und bitteres Klagegeschrei an.2Er kam bis an das Königstor.Er durfte das Tor4,2 Tor: Torgebäude in der Stadtmauer. Der Platz davor diente als Marktplatz und Versammlungsort für Gerichtsverhandlungen. aber nicht betreten,weil er einen Sack angezogen hatte.3In jeder einzelnen Provinzherrschte große Trauer bei den Juden.Überall, wo das Gesetz des Königs galt,gab es Weinen, Klagen und Fasten4,3 Fasten: Der freiwillige Verzicht auf Essen und Trinken ist in der Bibel eine übliche religiöse Praxis. Mehr ….Viele schliefen auf einem Lager aus Sack und Asche4,3 Lager aus Sack und Asche: Auf einem Sack zu schlafen und sich mit Asche zu bestreuen ist ein Zeichen der Betroffenheit und gehört zu den Trauerbräuchen..4Dienerinnen und Eunuchen4,4 Eunuch: Durch einen Eingriff zeugungsunfähig gemachter Mann, oft ein hoher Hofbeamter. Mehr … von Ester erzählten ihr davon,und die Königin bekam schreckliche Angst.Sie schickte Mordechai Kleidung, die er anziehen sollte.Den Sack sollte er ausziehen.Aber Mordechai nahm die Kleidung nicht an.5Da rief Ester Hatach, einen der Eunuchen.Der König hatte ihn zum Dienst bei ihr abgeordnet.Sie befahl ihm herauszufinden,was los war und warum Mordechai sich so verhielt.

6Hatach ging in die Stadt hinaus zu Mordechai,auf den Platz vor das Königstor.7Mordechai berichtete ihm alles, was sich ereignet hatte.Er nannte die genaue Menge an Silber,die Haman versprochen hatte.Sie sollte in die königlichen Schatzkammern kommen,damit die Juden vernichtet werden sollten.8Mordechai gab Hatach auch eine Abschrift des Erlasses,der in Susa4,8 Susa: Hauptstadt des Perserreichs, an der südwestlichen Grenze des heutigen Iran gelegen. veröffentlicht worden war.Es war der Befehl zur Vernichtung der Juden.Hatach sollte Ester den Erlass zeigen und ihr alles berichten.Er sollte sie dringend bitten, zum König zu gehenund für ihr Volk zu bitten.Sie sollte den König um Gnade anflehen.

9Hatach kam zurück zu Esterund berichtete ihr, was Mordechai gesagt hatte.10Da trug sie Hatach auf, Mordechai zu antworten:11»Alle Leute kennen das eine Gesetz,die Beamten des Königs sowie alle aus den Provinzen:Wer ungebeten zum König in den inneren Hof geht,der wird getötet, gleich ob Mann oder Frau.Der König hat aber einen goldenen Herrscherstab.Nur wem er den entgegenstreckt, der bleibt am Leben.Und ich, ich bin jetzt schon seit dreißig Tagennicht mehr zum König hineingebeten worden.«

12Mordechai wurde ausgerichtet, was Ester gesagt hatte.13Mordechai antwortete Ester:»Glaube ja nicht, dass du im Palast in Sicherheit bist.Sollte es dir anders gehen als allen anderen Juden?14Willst du in dieser Lage wirklich schweigen?Dann kommen Befreiung und Rettung für die Judeneben von anderswo her.Du aber und deine Familie – ihr kommt dann um.Wer weiß, vielleicht bist deswegen gerade duin dieser Zeit Königin geworden.«15Ester ließ Mordechai antworten:16»Geh und versammle alle Juden, die du in Susa4,16 Susa: Hauptstadt des Perserreichs, an der südwestlichen Grenze des heutigen Iran gelegen. findest!Bittet für mich, indem ihr fastet4,16 Fasten: Der freiwillige Verzicht auf Essen und Trinken ist in der Bibel eine übliche religiöse Praxis. Mehr …:Drei Tage lang sollt ihr nichts essen oder trinken,weder in der Nacht noch am Tag.Auch ich will zusammen mit meinen Dienerinnen fasten.Danach werde ich zum König hineingehen,auch wenn das gegen das Gesetz verstößt.Wenn ich dann umkomme, so komme ich eben um.«17Mordechai tat das, was Ester ihm aufgetragen hatte.
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Ester lädt den König und Haman zu einem Fest ein

51Drei Tage später legte Ester königliche Gewänder an.So betrat sie den inneren Hof des Palasts,gegenüber des königlichen Saales.Der König saß auf dem Thron seines Königreichs,der im Saal stand, dem Palasteingang gegenüber.2Als der König die Königin Ester auf dem Hof stehen sah,fand sie Gnade bei ihm.Da hielt er ihr seinen goldenen Herrscherstab entgegen5,2 goldenen Herrscherstab entgegenhalten: Zeichen dafür, dass Ester sich dem König nähern darf..Ester kam näher und berührte die Spitze des Stabs.3Der König fragte sie:»Was hast du, Königin Ester? Was wünschst du?Du sollst es bekommen,auch wenn es die Hälfte des Königreichs ist!«4Ester antwortete: »Wenn es dem König gefällt,dann soll er heute mit Haman zu einem Fest kommen.Ich habe es für ihn vorbereitet.«5Da sagte der König: »Schnell, holt Haman her,damit wir der Einladung von Ester folgen!«

Der König ging zusammen mit Haman zu dem Fest,das Ester vorbereitet hatte.6Beim Wein fragte der König Ester noch einmal:»Was ist deine Bitte? Sie soll dir erfüllt werden.Was wünschst du? Es soll geschehen.Du bekommst es,auch wenn es die Hälfte des Königreichs ist!«7Ester antwortete:»Das ist meine Bitte und mein Wunsch:8Habe ich beim König Gnade gefunden?Und gefällt es dem König, meine Bitte zu erfüllenund meinem Wunsch zu entsprechen?Dann soll er zu einem neuen Gelage kommen,das ich morgen für ihn und Haman ausrichten werde.Dann werde ich die Frage des Königs beantworten.«

Haman will Mordechai hinrichten lassen

9Am Tag des Fests war Haman fröhlich und guter Dinge.Am Tor zum Palast traf er Mordechai.Der stand nicht vor ihm aufund erwies ihm keine Ehre,wie es befohlen worden war5,9 wie es befohlen worden war: Ester 3,2 erzählt von einem Befehl des Königs, demzufolge sich alle königlichen Beamten vor Haman verneigen mussten..Da packte Haman die Wut über Mordechai,10aber er riss sich zusammen und ging nach Hause.Haman ließ seine Frau Seresch und seine Freunde holen.11Er gab vor ihnen mit seinem gewaltigen Reichtum an.Er wies auf die große Zahl seiner Söhne hinund auf die Auszeichnung durch den König:Der König hatte ihn über die hohen Beamten erhobenund über die Diener des Königs.

12Haman sagte:»Königin Ester hat nur mich und den König eingeladen,zu ihrem Fest zu kommen.Außerdem bin ich morgen gleich noch einmal eingeladen,nur ich, zusammen mit dem König!13Aber das alles reicht mir nicht,wenn ich den Juden Mordechaiam Tor zum Palast sitzen sehe!«14Da sagten seine Frau Seresch und seine Freunde zu ihm:»Man soll einen Galgen errichten, 25 Meter5,14 25 Meter: Wörtlich »50 Ellen«. Eine Elle entspricht etwa 45 cm und wird vom Ellenbogen bis zu den Fingerspitzen gemessen. hoch.Und dann sagst du morgen zum König,dass er Mordechai daran aufhängen soll.Du gehst fröhlich mit dem König zum Gelage.«Das gefiel Haman gut, und er ließ den Galgen bauen.