BasisBibel (BB)
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Die Grenzen der Weisheit und Gerechtigkeit

Kohelet/Prediger 7,1–8,17

Verschiedene Sprichwörter aus dem Unterricht

71»Ein guter Name7,1 guter Name: Im Hebräischen ein kunstvolles Wortspiel zwischen tov schem (guter Name) und schämän tov (köstliches Salböl). ist besser als köstliches Salböl.«Und der Todestag ist besser als der Geburtstag.

2»Ins Trauerhaus gehen ist besser als ins Wirtshaus.«Denn am Ende sterben alle Menschen.Wer lebt, soll sich das zu Herzen nehmen!3»Trauern ist besser als Lachen,denn ein trauriges Gemüt lässt sich aufheitern.«4Das Herz der Klugen ist da,wo man in einem Haus trauert.Das Herz der Dummen zieht es dahin,wo man in einem Haus fröhlich feiert.

5»Besser, man hört auf die Strafpredigt eines Klugenals auf das Loblied von Dummen.«6Denn wie das Knistern der Dornen unterm Kessel,so ist das Gelächter der Dummen.Auch das ist Windhauch7,6 Windhauch: Bild für etwas Flüchtiges, Vergängliches, Leeres und Sinnloses.!7»Erpressung bringt den Klugen um den Verstand,und Bestechung verdirbt sein Herz.«

8»Das Ende einer Sache ist besser als ihr Anfang.Langmut ist besser als Hochmut.«9Also reg dich nicht auf, dass du vor Ärger platzt.Denn der Ärger sitzt fest in der Niere7,9 Niere: In biblischer Zeit dachten sich die Menschen, dass die Niere das Organ für die seelischen Empfindungen ist. des Dummen.10Frag auch nicht:»Warum ist früher alles besser gewesen als heute?«Denn deine Frage zeugt nicht von Weisheit.

11»Weisheit ist ebenso nützlich wie ein Erbteil.«Sie ist sogar ein Vorteil, solange man am Leben ist.12»Im Schatten7,12 Schatten: Hier Bild für Schutz und Sicherheit, die Bildung und Vermögen bieten. der Weisheit lebt es sich ebenso gutwie im Schatten des Geldes.«Doch wer über Wissen verfügt, hat einen Vorteil:Die Weisheit hält ihren Besitzer am Leben.

13Gib acht auf das, was Gott tut:»Wer kann geradebiegen, was er gekrümmt hat?«14Am Glückstag sei guter Dinge,am Unglückstag aber denke daran:Den einen wie den anderen hat Gott gemacht.Deshalb verhalte dich entsprechend.Denn kein Mensch kann herausfinden,was die Zukunft bringt.

Maß halten – der goldene Mittelweg

15Beides habe ich beobachtet in meinem Leben,das rasch vorüberzieht:Da ist ein gerechter Mensch.Der kommt ums Leben, obwohl er die Gebote befolgte.Und da ist ein ungerechter Mensch.Der hat ein langes Leben, obwohl er Böses tat.16Darum rate ich dir:Sei nicht übertrieben gerechtund bemühe dich nicht, überaus klug zu sein!Warum willst du dich selbst zerstören?17Handle aber auch nicht allzu gottlos,und tu nicht so, als wärst du dumm!Warum willst du vor deiner Zeit7,17 vor deiner Zeit: Gemeint ist ein früher Tod, der eintritt, noch bevor sich die von Gott festgesetzte Lebenszeit erfüllt hat. sterben?18Man sagt: »Gut ist es, wenn du das eine anpackstund auch von dem anderen deine Hand nicht lässt.«Denn wer Gott ernst nimmt, dem gelingt beides.

Kein Mensch ist ohne Fehler

19Man sagt: »Die Weisheit7,19 Weisheit: Lebenspraktisches Wissen oder handwerkliches Können, das durch Erfahrung erworben oder von Gott geschenkt wird. Mehr … macht einen Menschen stärkerals zehn Machthaber, die in der Stadt sind.«20Ich habe aber auch festgestellt:Kein Mensch auf der Erde ist so gerecht,dass er nur Gutes tut und niemals Fehler macht.21Beachte nicht das Gerede, das es überall gibt!Dann wirst du auch nicht hören,wie dein eigener Sklave über dich flucht.22Denn du selbst weißt ja,wie oft auch du über andere geflucht hast.23Das alles habe ich geprüft,als ich mich mit der Weisheit beschäftigte.Ich sagte: Ich will Weisheit gewinnen.Aber sie blieb mir fern.24Fern ist alles, was geschehen ist.Und es bleibt tief, tief verborgen.Wer kann es verstehen?

Gedanken über die Frauen

25Ich richtete meine Gedanken auf etwas anderes.Ich wollte untersuchen, erforschen und verstehen,wie sich’s mit Klugheit und Rechenkünsten verhält.Außerdem wollte ich wissen, was Unrecht mit Dummheitund was Dummheit mit Verblendung zu tun hat.26Ich fand heraus:Der Tod ist bitter.Aber noch bitterer ist eine Frau,die einen Mann in die Falle lockt.Mit ihrem Herzen spannt sie ein Netz,und mit ihren Händen fesselt sie ihn.Wer vor Gott ein guter Mensch ist,kann sich vor ihr retten.Der Sünder7,26 Sünder: Meint einen Menschen, der bei Gott in Ungnade gefallen ist, ohne dass er dafür einen Grund erkennen kann. aber wird von ihr gefangen.27Und noch etwas habe ich herausgefunden, sagte Kohelet.Eins ums andere habe ich geprüft,um eine Lösung zu finden.28Was ich aber immer wieder gesucht habe,das habe ich nicht gefunden:Unter 1000 Menschen habe ich einen Freund gefunden.Aber eine Frau habe ich nicht gefundenunter diesen vielen Menschen.29Das Ergebnis von allem ist:Gott hat die Menschen so geschaffen,dass sie ein gutes Leben führen können.Doch sie verlassen sich immer nurauf ihre eigenen Rechenkünste.
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Verschiedene Sprichwörter aus dem Unterricht

81Wer ist so klug wie ein Weiserund wer kann das Sprichwort deuten:»Weisheit erleuchtet das Gesicht eines Menschenund Sorgenfalten verschwinden aus seinem Gesicht.«

2»Gehorche dem Befehl des Königs!«Denn du hast ihm bei Gott die Treue geschworen.3»Geh dem König nicht zu schnell aus den Augen!Und lass dich nicht auf ein gefährliches Spiel ein!«Denn er kann alles tun, was er will8,3 was er will: Das Tun des Königs ist unberechenbar. Deshalb ist im Umgang mit ihm Vorsicht geboten..4»Das Wort des Königs hat unbegrenzte Macht.«Keiner kann zu ihm sagen: Was tust du da?8,4 Was tust du da?: Auch zu Gott darf das keiner sagen.

5»Wer das Gebot8,5 das Gebot: Der Text lässt bewusst offen, ob das Gebot des Königs gemeint ist oder das Gebot Gottes. befolgt, den trifft nichts Böses.«Und wer klug ist, kennt die richtige Zeit.6Denn jedes Vorhaben hat seine bestimmte Zeit8,6 bestimmte Zeit: Wörtlich »Zeit und Ordnung«. Kohelet bezieht sich zurück auf das Gedicht vom Wechsel der Zeiten, vgl. Kohelet/Prediger 3,1-8..Trotzdem stürzt sich der Mensch oft ins Unglück.7Denn er weiß ja nicht, was geschehen wird.Und niemand kann ihm sagen, wie es weitergeht.

8»Kein Mensch hat Macht über den Sturm,sodass er den Sturm aufhalten könnte.«Und niemand hat Macht über den Tag des Todes.Im Krieg wird kein Soldat nach Hause entlassen.Und wer Unrecht tut,wird nicht aus der Verantwortung entlassen.

Warum geht es Verbrechern gut?

9Alle diese Dinge habe ich beobachtet.Ich richtete meine Gedanken auf alles Tun,das unter der Sonne8,9 unter der Sonne: Typischer Ausdruck Kohelets, bezeichnet die Welt, die sich durch Beobachtung erforschen lässt. getan wird:Es gibt eine Zeit,in der Menschen über andere Macht ausüben,um ihnen zu schaden.10So habe ich Frevler8,10 Frevler: Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. Mehr … gesehen,die ein ehrenvolles Begräbnis bekamen.Andere aber führten ein gerechtes Leben.Sie kamen vom Heiligtum,aber niemand ehrte sie in der Stadt.Auch das ist Windhauch8,10 Windhauch: Bild für etwas Flüchtiges, Vergängliches, Leeres und Sinnloses.!11Man sagt: »Wo keine Strafe folgt, ist Böses schnell am Werk.«Daher wächst im Menschen die Lust, Böses zu tun.12Man sagt auch: »Ein Sünder kann hundertmal Böses tunund hat trotzdem ein langes Leben.«Ich weiß aber:Denen, die Gott ernst nehmen, wird es gut gehen.Denn sie haben Ehrfurcht8,12 Ehrfurcht: Eine Haltung größter Hochachtung gegenüber Gott, die sowohl Bewunderung als auch Erschrecken zum Ausdruck bringt. Mehr … vor ihm.13Dem Frevler aber wird es nicht gut gehen.Er wird auch kein langes Leben haben.Vielmehr wird es wie ein Schatten dahinfliehen.Denn er hat keine Ehrfurcht vor Gott.

14Es gibt etwas, was auf der Erde geschiehtund keinen Sinn ergibt:Da sind Menschen, die gerecht sind.Denen geht es so,als hätten sie sich wie Frevler8,14 Frevler: Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. Mehr … verhalten.Umgekehrt gibt es Menschen, die gottlos sind.Doch denen geht es so,als hätten sie sich wie Gerechte8,14 Gerechte: Menschen, die Gottes Gebote befolgen, sodass das Leben in Gemeinschaft miteinander gelingt. verhalten.Ich schloss daraus: Auch das ist Windhauch8,14 Windhauch: Bild für etwas Flüchtiges, Vergängliches, Leeres und Sinnloses.!15Da pries ich die Freude.Denn es gibt unter der Sonne kein größeres Glück,als dass der Mensch isst, trinkt und sich freut –als Ausgleich für seine Arbeit.Das bleibt ihm in der kurzen Zeit seines Lebens,die Gott ihm unter der Sonne geschenkt hat.

Abschließende Beurteilung

16Ich habe über die Weisheit nachgedacht,um ihr auf den Grund zu gehen.Dabei fiel mein Blick auf das vergebliche Tun,das auf der Erde getan wird.Man sagt ja: »Auch am Tag und in der Nachtgönnt sich der Mensch keinen Schlaf.«17Als ich aber darauf schaute,was Gott alles tut, kam ich zu dem Schluss:Der Mensch kann das alles nicht begreifen,was unter der Sonne geschieht.Auch wenn der Mensch sich noch so anstrengt,begreift er es nicht.Und wenn einer meint,alle Weisheit der Welt zu besitzen,begreift er es trotzdem nicht.
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Wechselfälle des Lebens, das Alter und der Tod

Kohelet/Prediger 9,1–12,14

Am Ende wartet der Tod

91Über alles machte ich mir Gedanken.Alles wollte ich prüfen wie auch diese Aussage:»Die Gerechten und die Weisen und ihre Tatensind in Gottes Hand9,1 sind in Gottes Hand: Der hier von Kohelet aufgenommene Spruch gibt der Hoffnung Ausdruck, dass sich die Gerechten nach ihrem Tod in Gemeinschaft mit Gott befinden.Allerdings kann kein Mensch wissen,ob er Gottes Liebe oder Hass verdient hat.Das alles haben sie bereits hinter sich9,1 hinter sich: Wörtlich »ist vor ihnen«. Im hebräischen Denken stellte man sich vor, dass die Vergangenheit vor Augen steht, die Zukunft aber im Rücken liegt. Im Deutschen ist es umgekehrt: Das Vergangene hat man »hinter sich«.!2Denn auf alle wartet ohne Unterschied der Tod.Dabei spielt es keine Rolle,ob einer gerecht handelt oder nicht,ob einer die Reinheitsgebote beachtet oder nicht,ob einer Schlachtopfer darbringt oder nicht.Ein Guter stirbt genauso wie ein Sünder9,2 Sünder: Meint einen Menschen, der bei Gott in Ungnade gefallen ist, ohne dass er dafür einen Grund erkennen kann..Einer, der schwört, stirbt genauso wie einer,der vom Schwören nichts hält.3Ja, das ist das Schlimme bei allem,was unter der Sonne9,3 unter der Sonne: Typischer Ausdruck Kohelets, bezeichnet die Welt, die sich durch Beobachtung erforschen lässt. geschieht:Auf alle wartet ohne Unterschied der Tod.Zudem wächst im Menschen die Lust zum Bösen.Verblendung beherrscht ihn, solange er lebt.Und danach geht es zu den Toten!4Ja, wer noch zum Kreis der Lebenden gehört,für den gibt es Hoffnung. Man sagt:»Ein lebender Hund ist besser als ein toter Löwe5Denn die Lebenden wissen wenigstens,dass sie sterben müssen.Aber die Toten wissen überhaupt nichts mehr.Ihnen bleibt nichts, nicht einmal ein Lohn9,5 Lohn: Die Erinnerung an den Namen eines Menschen könnte ein solcher Lohn sein. Doch Kohelet gibt zu bedenken, dass früher oder später jeder Mensch vergessen wird..Denn was an sie erinnern könnte, ist vergessen.6Ihre Liebe, ihr Hass und ihre Leidenschaft,das alles ist schon lange vorbei.Sie sind für immer ausgeschlossen von dem,was unter der Sonne geschieht.

Genieße das Leben

7Auf, iss mit Freuden dein Brotund trink fröhlich deinen Wein!Denn Gott gefällt schon lange, was du tust.8Jederzeit trage festliche Kleiderund spar nicht mit duftendem Öl auf deinem Haar!9Genieße das Leben mit einer Frau, die du liebst!So verbringe alle Tage deines vergänglichen Lebens,die Gott dir unter der Sonne schenkt –alle Tage, die nur ein Windhauch9,9 Windhauch: Hier ist gemeint, dass die Lebenstage rasch vorüberfliegen und sich wie ein Windhauch nicht festhalten lassen. sind.Ja, das ist dein Anteil9,9 Anteil: Typischer Ausdruck Kohelets, bezeichnet das, was Gott einem Menschen zuteilt. Hier ist es der Lebensgenuss. am Leben und an deiner Arbeit,mit der du dich unter der Sonne abmühst.10Was immer deine Hand zu tun bekommt,das tu mit deiner ganzen Kraft!Denn du bist unterwegs in die Unterwelt.Dort aber kannst du nichts mehr tun und planen,nichts mehr wissen und denken.

Der Mensch in der Falle der Zeit

11Ich schaute mich um und beobachtete unter der Sonne:Nicht immer gewinnen die Schnellsten den Wettlaufund die Tapfersten die Schlacht.Auch die Klugen verdienen sich nicht immer ihr Brot.Auch die Handwerker bekommen nicht immer ihr Geld.Auch die Sachverständigen erhalten nicht immer Beifall.Denn sie alle sind abhängig von Zeit und Zufall!12Ja, die Menschen kennen nicht einmal die Zeit,die ihnen vorbestimmt ist.Sie sind wie die Fische, die im Wurfnetz9,12 Wurfnetz: Ein an den Rändern beschwertes Netz, das auf die Wasseroberfläche geworfen wird. Es sinkt nach unten und schließt die Fische ein. zappeln,und wie die Vögel, die in die Falle gehen.So trifft es die Menschen zur bösen Zeit,wenn plötzlich die Falle zuschnapptund das Unheil über sie hereinbricht.

Die kleine Stadt und der große König

13Und noch etwas habe ich unter der Sonne beobachtet –einen Fall von Weisheit, der mir wichtig erschien:14Es gab einmal eine kleine Stadt,in der nur wenige Menschen lebten.Gegen sie zog ein großer König heran.Er umzingelte sie und baute Belagerungstürme,um sie zu erobern.15In ihr fand sich ein armer, aber kluger Mann.Der hätte die Stadt durch seine Weisheit retten können.Doch niemand dachte an diesen Menschen.Denn er war arm.16Ich dachte nach über den Satz:»Weisheit ist besser als Stärke!«Wenn aber einer arm ist, gilt seine Weisheit nichts.Was er zu sagen hat, wird nicht gehört.

Verschiedene Sprichwörter aus dem Unterricht

17»Besser, man hört in Ruhe auf kluge Menschenals auf das Geschrei eines dummen Herrschers.«18»Weisheit ist besser als Waffengewalt!«Wenn aber einer falsche Schlüsse zieht,richtet auch er großen Schaden an.