BasisBibel (BB)
221Daraufhin sagte ich zu meinem Herzen2,1 Herz: Sitz des Verstandes und des Willens.:Versuch’s mal mit der Freude, genieße das Leben!Mit dem Ergebnis: Auch das ist Windhauch2,1 Windhauch: Bild für etwas Flüchtiges, Vergängliches, Leeres und Sinnloses.!2Vom Lachen sagte ich: Was für ein Unsinn!Und von der Freude: Was bringt sie schon ein?

Das Lebensexperiment mit der Freude

3Jetzt wollte ich es genauer wissen:Ich trank Wein2,3 Wein: Ein im Mittelmeerraum übliches Nahrungs- und Genussmittel. Wein ist zugleich Sinnbild für Lebensfreude und Wohlstand. Mehr …, um mich wohlzufühlen –aber nur so viel, dass ich bei klarem Verstand blieb.Ich ließ keine Dummheit aus, um herauszufinden:Was macht die Menschen glücklich bei dem,was sie tun unter dem Himmel –in der kurzen Zeit, die ihnen zum Leben bleibt?4Ich habe große Werke geschaffen:Ich baute mir Häuser, pflanzte Weinberge2,4 Weinberg: Ein mit einer Mauer umgebener Garten, in dem Wein angebaut wird. In Israel war das ein wertvoller Besitz. Mehr ….5Ich legte Gärten an und pflanzte Bäume,die viele unterschiedliche Früchte tragen.6Ich legte Teiche an, um den Wald zu bewässern.So konnten die Bäume darin herrlich wachsen.7Ich kaufte mir Diener und Dienerinnen.Sklaven, die zum Haus gehörten, hatte ich schon.Auch Rinder und Schafe besaß ich in großer Zahl,mehr als alle meine Vorgänger in Jerusalem2,7 Jerusalem: Hauptstadt und Regierungssitz der Könige aus dem Haus David in Juda. 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört. Mehr ….8Ich sammelte Silber und Gold,dazu Schätze von Königen und aus den Provinzen.Ich holte Sänger und Sängerinnen herbei.Den Traum aller Männer machte ich wahr:einen großen Harem2,8 Harem: Wörtlich »Frauen und nochmals Frauen«.!9So wurde ich mächtig und immer mächtiger,mehr als alle meine Vorgänger in Jerusalem.Bei allem half mir mein klarer Verstand.10Ich ließ nichts aus, was meine Augen begehrten.Kein Herzenswunsch blieb unerfüllt.Ja, mein Herz freute sich bei der ganzen Arbeit,die ich getan hatte.Das war mein Anteil2,10 Anteil: Typischer Ausdruck Kohelets, bezeichnet das, was Gott einem Menschen zuteilt. Hier ist es die Freude. bei aller Mühe, die ich hatte.11Doch dann dachte ich über alles nach,was ich mit meinen Händen geschaffen hatte –und über die Mühe, die es mich gekostet hatte:Alles ist Windhauch und vergebliche Mühe!Es gibt keinen Gewinn2,11 Gewinn: Typischer Ausdruck Kohelets, bezeichnet zunächst den wirtschaftlichen Gewinn. Doch er taugt nicht als Ertrag des Lebens, weil er vergänglich ist. unter der Sonne.

Das Lebensexperiment mit der Weisheit

12Daraufhin beschäftigte ich mich mit der Weisheit2,12 Weisheit: Lebenspraktisches Wissen oder handwerkliches Können, das durch Erfahrung erworben oder von Gott geschenkt wird. Mehr …und mit dem Unterschied zu Dummheit und Unverstand.Außerdem: Was für ein Mensch wird das sein,der nach dem König den Thron besteigen wird?Der macht doch auch nichts anders als seine Vorgänger.13Und ich fand heraus:Die Weisheit hat tatsächlich einen Vorteilgegenüber der Dummheit –so wie das Licht gegenüber der Finsternis:14Man sagt: »Der Kluge hat Augen im Kopf,aber der Dumme tappt nur im Dunkeln!«Doch zugleich kam mir in den Sinn:Alle beide trifft ein und dasselbe Geschick2,14 Geschick: Typischer Ausdruck Kohelets, bezeichnet den Tod, der alle Menschen trifft..15Ich dachte also darüber nach:Am Ende muss auch ich sterben wie der Dumme.Was hat es mir dann gebracht,dass ich so überaus klug geworden bin?Da sagte ich mir: Auch das ist Windhauch2,15 Windhauch: Bild für etwas Flüchtiges, Vergängliches, Leeres und Sinnloses.!16Niemand wird sich später an den Klugen erinnern,ebenso wenig wie an den Dummen.Denn in Zukunft wird das alles vergessen sein.Der Kluge muss genauso sterben wie der Dumme.17Da begann ich das Leben zu hassen.So übel erschien mir das Tun,das unter der Sonne getan wird:Alles ist Windhauch und vergebliche Mühe!

Das Lebensexperiment mit dem Besitz

18Zuletzt hasste ich meinen ganzen Besitz,den ich mir unter der Sonne erworben hatte.Denn ich muss ihn ja dem Menschen hinterlassen,der nach mir kommt.19Wer weiß, ob er klug oder dumm sein wird?Trotzdem verfügt er über meinen ganzen Besitz.Wozu habe ich dann so hart und klug gearbeitetunter der Sonne? Auch das ist Windhauch2,19 Windhauch: Bild für etwas Flüchtiges, Vergängliches, Leeres und Sinnloses.!20So begann ich an Hab und Gut zu verzweifeln,für die ich mich angestrengt hatte unter der Sonne.21Denn es gibt einen Besitz, den sich ein Menschdurch Klugheit, Verstand und Können erworben hat.Doch dann muss er ihn einem andern geben,der sich dafür nicht angestrengt hat.Auch das ist Windhauch und vergebliche Mühe!

Kohelet zieht seine Schlüsse

22Was hat nun der Mensch von all seiner Arbeit?Wozu müht er sich von ganzem Herzen ab unter der Sonne?23Man sagt: »Alle seine Tage sind voll Leid und Ärger.Selbst in der Nacht findet sein Herz2,23 Herz: Sitz des Verstandes und des Willens. keine Ruhe.«Auch das ist Windhauch2,23 Windhauch: Bild für etwas Flüchtiges, Vergängliches, Leeres und Sinnloses.!24Es gibt darum kein größeres Glück für den Menschen,als dass er isst, trinkt und sich’s gut gehen lässt –als Ausgleich für seine Arbeit.Auch habe ich eingesehen: Das kommt allein von Gott.25Denn wer kann essen und wer sich sorgen ohne ihn?26Einem Menschen, der ihm gefällt,schenkt er Weisheit, Wissen und Freude.Den Sünder2,26 Sünder: Meint einen Menschen, der bei Gott in Ungnade gefallen ist, ohne dass er dafür einen Grund erkennen kann. aber lässt er sammeln und anhäufen –doch nur, um es dem zu geben, der Gott gefällt.Auch das ist Windhauch und vergebliche Mühe!
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Der Mensch im Wechsel der Zeiten

31Für alles gibt es eine bestimmte Stunde.Und jedes Vorhaben unter dem Himmel hat seine Zeit3,1 seine Zeit: Gott hat für jedes Tun und sein Gegenteil einen Zeitpunkt festgesetzt.:

2Eine Zeit für die Geburt

und eine Zeit für das Sterben.

Eine Zeit zum Pflanzen

und eine Zeit zum Ausreißen des Gepflanzten.

3Eine Zeit zum Töten

und eine Zeit zum Heilen.

Eine Zeit zum Einreißen

und eine Zeit zum Aufbauen.

4Eine Zeit zum Weinen

und eine Zeit zum Lachen.

Eine Zeit zum Klagen

und eine Zeit zum Tanzen.

5Eine Zeit, Steine wegzuwerfen3,5 Steine wegwerfen: Deutung unsicher, wahrscheinlich ist an einen Acker mit Steinen zu denken, die aus dem Feld entfernt werden.,

und eine Zeit, Steine zu sammeln.

Eine Zeit, sich zu umarmen,

und eine Zeit, sich zu trennen.

6Eine Zeit zum Suchen

und eine Zeit zum Verlieren.

Eine Zeit zum Aufheben

und eine Zeit zum Wegwerfen.

7Eine Zeit zum Zerreißen

und eine Zeit zum Zusammennähen.

Eine Zeit zum Schweigen

und eine Zeit zum Reden.

8Eine Zeit zum Lieben

und eine Zeit zum Hassen.

Eine Zeit für den Krieg

und eine Zeit für den Frieden.

9Welchen Gewinn hat einer davon,dass er etwas tut und sich damit abmüht?

Abschließende Beurteilung

10Ich sah das vergebliche Tun:Gott hat es den Menschen aufgegeben,damit sie sich plagen.11Alles hat er so gemacht,dass es schön ist zu seiner Zeit.Auch hat er ihnen ans Herz gelegt3,11 ans Herz legen: Gott hat den Menschen eine Aufgabe gegeben, um die sie sich bemühen sollen.,dass sie sich um die Zeiten3,11 um die Zeiten: Andere übersetzen mit »Ewigkeit«. Der Mensch muss sich im Wechsel der Zeiten bewegen, die in Kohelet/Prediger 3,1-8 beschrieben sind, kann aber das Ganze der Zeit nicht überblicken. bemühen.Nur kann der Mensch das alles nicht begreifen,was Gott von Anfang bis Ende tut.12So habe ich erkannt:Es gibt kein größeres Glück bei den Menschen,als sich zu freuen und sich’s gut gehen zu lassen.13Jeder Mensch soll essen, trinken und glücklich seinals Ausgleich für seine ganze Arbeit.Denn auch dies ist eine Gabe Gottes.14So habe ich erkannt:Alles, was Gott tut, ist von Dauer.Nichts kann man hinzufügenund nichts davon wegnehmen.Gott hat das so gemacht,damit man ihm mit Ehrfurcht3,14 Ehrfurcht: Eine Haltung größter Hochachtung gegenüber Gott, die sowohl Bewunderung als auch Erschrecken zum Ausdruck bringt. Mehr … begegnet.15Was geschehen ist, ist schon lange vorbei.Und was geschehen wird, ist auch schon wieder vorbei.Bei Gott aber ist das Vergangene nicht verloren.

Beobachtungen zum Verhalten der Menschen

Kohelet/Prediger 3,16–6,12

Dem Menschen geht es wie dem Vieh

16Auch das beobachtete ich unter der Sonne:An dem Ort, an dem Recht gesprochen wird,herrscht jetzt das Unrecht.Und an dem Ort, an dem Gerechtigkeit regiert,herrscht jetzt der Frevler3,16 Frevler: Menschen, die Gottes Gebote missachten und ihre eigenen Interessen gewaltsam durchsetzen. Mehr ….17Ich dachte also darüber nach:Den Gerechten3,17 Gerechte: Menschen, die Gottes Gebote befolgen, sodass das Leben in Gemeinschaft miteinander gelingt. und den Frevler wird Gott richten!Denn jedes Vorhaben und Tun hat bei ihm3,17 bei ihm: Bei Gott. Hinweis auf das Endgericht, wenn Gott über jedes Tun der Menschen ein Urteil fällt. seine Zeit.18Ich dachte darüber nach, was mit den Menschen ist:Gott wird mit ihnen ins Gericht gehen.Und dann müssen sie erkennen:Dem Vieh sind sie gleich!Am Ende ergeht es den Menschen wie dem Vieh.19Beide trifft ein und dasselbe Geschick3,19 Geschick: Typischer Ausdruck Kohelets, bezeichnet den Tod, der alle Menschen trifft..Wie die einen sterben, so sterben auch die anderen.Alle beide haben ein und denselben Atem,durch den Gott sie am Leben erhält.Nichts hat der Mensch dem Vieh voraus.Denn alle beide sind Windhauch3,19 Windhauch: Bild für etwas Flüchtiges, Vergängliches, Leeres und Sinnloses.!20Alle gehen an ein und denselben Ort, von dem es heißt:»Alle sind aus Staub und kehren zum Staub3,20 zum Staub: Kohelet bezieht sich hier auf 1. Mose/Genesis 3,19. zurück.«21Und was ist mit dem Lebensatem3,21 Lebensatem: Gott haucht dem Menschen Atem ein und macht ihn dadurch lebendig, vgl. 1. Mose/Genesis 2,7. Mehr … nach ihrem Tod?Wer kann denn wissen,ob er beim Menschen nach oben3,21 nach oben: Zu Gott. steigt,bei den Tieren dagegen zur Erde sinkt?22Da erkannte ich:Es gibt kein größeres Glück für den Menschen,als dass er sich seines Lebens freut.Ja, das ist sein Anteil3,22 Anteil: Typischer Ausdruck Kohelets, bezeichnet das, was Gott einem Menschen zuteilt. Hier ist es die Freude..Denn wer kann ihn dazu bringen,dass er Einblick in die Zukunft gewinnt?
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Unterdrückung und Neid

41Ich lenkte meine Gedanken auf die Beobachtung,dass viele Menschen unter der Sonne4,1 unter der Sonne: Typischer Ausdruck Kohelets, bezeichnet die Welt, die sich durch Beobachtung erforschen lässt. unterdrückt werden:Tränen rinnen den Unterdrückten übers Gesicht.Und keiner ist da, der sie tröstet!Durch ihre Unterdrücker wird ihnen Gewalt angetan.Und keiner ist da, der sie tröstet!2Da pries ich die Toten glücklich,die schon lange gestorben sind.Ich pries sie glücklicher als die Menschen,die noch am Leben sind.3Besser aber als diese beiden ist der dran,der noch nicht geboren ist.Denn der muss das böse Tun nicht sehen,das unter der Sonne getan wird.

4Ich richtete meinen Blick auf die menschliche Arbeitund auf das, was bei aller Anstrengung herauskommt:Da ist der Neid des einen auf seinen Nächsten!Auch das ist Windhauch4,4 Windhauch: Bild für etwas Flüchtiges, Vergängliches, Leeres und Sinnloses. und vergebliche Mühe!5Das Sprichwort sagt:»Wer seine Hände in den Schoß legt,ist dumm und fällt vom Fleisch.«6Man könnte aber auch sagen:»Besser ist, man hat wenig zu tun,als sich mit viel Arbeit vergeblich zu mühn.«

Wenn einer allein ist

7Ich lenkte meine Gedanken auf einen sinnlosen Fall,wie er unter der Sonne vorkommt:8Da ist einer,der geht allein durchs Leben.Er hat keinen Sohn und auch keinen Bruder.Doch Arbeit hat er ohne Ende,und vom Reichtum bekommt er nicht genug.Muss er sich da nicht fragen:»Für wen arbeite ich denn so hart?Und warum gönne ich mir nichts Gutes?«Auch das ist Windhauch4,8 Windhauch: Bild für etwas Flüchtiges, Vergängliches, Leeres und Sinnloses. und ein schlechtes Geschäft.9Zwei sind besser dran als einer allein!Denn zu zweit geht die Arbeit leichter von der Hand.10Und wenn einer von beiden hinfällt,hilft ihm der andere wieder auf die Beine.Wenn aber einer allein ist und hinfällt,ist kein anderer da, der ihm hilft.11Wenn zwei dicht beieinanderliegen, wird ihnen warm.Wenn aber einer allein ist, wie kann dem warm werden?12Einer allein kann überwältigt werden.Zwei miteinander können dem Angriff standhalten,und die dreifache Schnur reißt nicht so schnell!

Wenn das Volk dem König zujubelt

13Man sagt: »Besser ein Kind, das arm ist und klug,als ein König, der alt ist und dumm.«Denn der schlägt jede Warnung in den Wind.14Es kam einer aus dem Gefängnis frei,um König zu werden.Allerdings war er in armen Verhältnissen geboren,als noch sein Vorgänger herrschte.15Ich beobachtete unter der Sonne,wie sich die Menschen dazu verhalten:Sie traten sofort auf die Seite des jungen Mannes,der an die Stelle des alten Königs rückte.Und so ist es bei jedem, der an die Spitze kommt:16Die Menge seiner Anhänger im Volk nimmt keine Ende.Doch schon bald haben sie keine Freude mehr an ihm.Auch das ist Windhauch4,16 Windhauch: Bild für etwas Flüchtiges, Vergängliches, Leeres und Sinnloses. und vergebliche Mühe.

Wie man sich im Tempel richtig verhält

17Achte auf deine Schritte,wenn du zu Gottes Tempel4,17 Gottes Tempel: Meint den Tempel in Jerusalem. gehst!Tritt ein, um zu hören!Das ist besser als ein Schlachtopfer4,17 Schlachtopfer: Fett und Innereien wurden als Dank für Gott verbrannt, während das Fleisch von den Opfernden gegessen wurde. Mehr …,das die Dummen darbringen.Denn sie wissen nicht,dass sie damit etwas Böses tun.