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Das Festmahl von König Belschazzar

Daniel 5,1–6,1

Eine rätselhafte Schrift erscheint an der Wand

51König Belschazzar5,1 Belschazzar: Herrschte 552–543 v. Chr. in Babylon. veranstaltete ein großes Festmahlfür seine tausend mächtigsten Männer.In ihrer Gegenwart betrank er sich mit Wein.2Vom Wein berauscht, befahl Belschazzar,die goldenen und silbernen Gefäße zu holen.Sein Vater Nebukadnezzar5,2 Nebukadnezzar II.: König des babylonischen Reichs in Mesopotamien 605–562 v. Chr. hatte sie einstaus dem Tempel5,2 Tempel: Das zentrale Heiligtum in Jerusalem. Der Tempel galt als Wohnung Gottes und war Zufluchtsort für Verfolgte. Mehr … in Jerusalem5,2 Jerusalem: Hauptstadt und Regierungssitz der Könige aus dem Haus David in Juda. 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört. Mehr … mitgenommen.Der König wollte aus ihnen trinken,zusammen mit seinen mächtigsten Männern,seiner Frau und seinen Nebenfrauen5,2 Nebenfrau: Ehefrau, die weniger Rechte als die Hauptfrau besitzt, aber höhergestellt ist als eine Sklavin..3Da holte man die goldenen Gefäße5,3 goldene Gefäße: Gegenstände, die im Gottesdienst verwendet wurden.,die aus dem Tempel stammten,dem Haus Gottes in Jerusalem.Der König trank aus ihnen,zusammen mit seinen mächtigsten Männern,seiner Frau und seinen Nebenfrauen.4Sie tranken Wein und verehrten Götterbilder5,4 Götterbild: Aus Stein, Ton, Holz oder Metall gefertigtes kleines Standbild einer Gottheit. Seine Herstellung und Verehrung waren in Israel verboten. Mehr …aus Gold und Silber, Bronze5,4 Bronze: Metall-Legierung aus Kupfer und Zinn. Sie wurde zur Herstellung von Schmuck, Waffen und Gegenständen für den Gottesdienst verwendet. und Eisen, Holz und Stein.

5Plötzlich erschienen die Finger einer menschlichen Hand.Neben einem Leuchter schrieben sieetwas auf die weiße Wand des königlichen Palastes.Der König sah den Handrücken der schreibenden Hand.6Da erschrak er furchtbarund wurde ganz blass.Angst fuhr ihm in die Glieder,und seine Knie schlotterten.7Der König rief mit lauter Stimme:»Holt die Magier, Sterndeuter5,7 Sterndeuter: Gelehrte Männer, die nach dem Stand der Sterne die Gegenwart deuteten und zukünftige Ereignisse vorhersagten. Mehr … und Wahrsager her!«Und er sagte zu den Weisen Babyloniens5,7 Weise Babyloniens: Die Babylonier waren im Alten Orient bekannt für ihre Weisen. Zu ihnen zählten unter anderem die Berater des Königs und die Traumdeuter.:»Derjenige, der diese Schrift lesenund mir deuten kann,soll in purpurrote5,7 Purpur: Intensiver rot-violetter Farbstoff, mit dem in der Antike Stoffe und Wolle gefärbt wurden. Purpur ist sehr kostbar und war hauptsächlich den Reichen und Mächtigen vorbehalten. Mehr … Gewänder gekleidet werden.Er soll eine goldene Kette um den Hals tragenund als Drittmächtigster in meinem Reich herrschen.«8Da kamen alle Weisen des Königs zu ihm.Doch sie konnten die Schrift weder lesennoch dem König sagen, was sie bedeutete.9Darüber erschrak König Belschazzar5,9 Belschazzar: Herrschte 552–543 v. Chr. in Babylon. sehrund wurde noch blasser.Auch seine mächtigsten Männer bekamen Angst.

Daniel wird zum König gebracht

10Die Mutter des Königs hörte,was der König und seine mächtigsten Männer sagten.Da ging sie in den Festsaal und sagte:»Lang lebe der König!Lass dich nicht erschrecken.Du brauchst auch nicht blass zu werden.11In deinem Königreich gibt es einen Mann,in dem der Geist der heiligen Götter5,11 Geist der heiligen Götter: So bezeichnet Nebukadnezzar II. den Geist, der Daniel vom Gott Israels gegeben wurde. ist.Schon zur Zeit deines Vaters hielt man ihn für weise,für klug und erleuchtet – wie es sonst nur Götter sind.Deswegen machte ihn dein Vater, König Nebukadnezzar,zum Vorsteher der Zeichendeuter und Magier,Sterndeuter5,11 Sterndeuter: Gelehrte Männer, die nach dem Stand der Sterne die Gegenwart deuteten und zukünftige Ereignisse vorhersagten. Mehr … und Wahrsager – dein eigener Vater, König.12Denn bei Daniel fand man Verstand, Einsichtund einen außergewöhnlichen Geist.Er kann Träume deuten, Rätsel lösenund schwierige Fragen beantworten.Der König hat ihm den Namen Beltschazzar gegeben.Lass Daniel jetzt rufen.Er wird dir die Schrift deuten.«

13Daniel wurde vor den König gebracht.Der König sagte zu ihm: »Du bist also Daniel –einer von den Gefangenen aus Juda5,13 Gefangene aus Juda: Daniel 1,3-4 erzählt, dass Nebukadnezzar II. junge Männer aus Jerusalem nach Babylonien bringen ließ.,die mein Vater, der König, von dort hergebracht hat.14Ich habe über dich gehört,dass der Geist deines Gottes in dir ist.Auch halt man dich für klug,erleuchtet und außergewöhnlich weise.15Ich ließ Weise und Magier zu mir bringen.Sie sollten diese Schrift lesenund mir sagen, was sie bedeutet.Aber sie waren nicht fähig,mir zu sagen, was die Worte bedeuten.16Wenn du diese Schrift lesenund mir sagen kannst, was sie bedeutet,sollst du purpurrote5,16 Purpur: Intensiver rot-violetter Farbstoff, mit dem in der Antike Stoffe und Wolle gefärbt wurden. Purpur ist sehr kostbar und war hauptsächlich den Reichen und Mächtigen vorbehalten. Mehr … Gewänder bekommen.Du sollst eine goldene Kette um den Hals tragenund als Drittmächtigster im Königreich herrschen.«

Daniel deutet die Schrift an der Wand

17Da sagte Daniel zum König: »Behalt deine Geschenkeund gib deine Gaben einem anderen.Ich werde dir dennoch die Schrift vorlesenund dir sagen, was sie bedeutet.18Du bist der König.Der Höchste Gott5,18 Höchster Gott: Titel für Gott, der oft in den Psalmen verwendet wird. hat deinem Vater Nebukadnezzar5,18 Nebukadnezzar II.: König des babylonischen Reichs in Mesopotamien 605–562 v. Chr.Königreich, Macht, Ehre und Ruhm gegeben.19Vor der Macht, die ihm gegeben wurde,zitterten und fürchteten sichdie Menschen aller Völker, Nationen und Sprachen.Er tötete, wen er wollte,und er ließ am Leben, wen er wollte.Er machte mächtig, wen er wollte,und er unterdrückte, wen er wollte.20Doch er wurde überheblich und hochmütig.Da stieß man ihn vom Thron seines Königreichsund nahm ihm seine Ehre.21Er wurde von den Menschen verstoßenund man gab ihm den Verstand eines Tieres.Er wohnte bei den Wildeseln5,21 Wildesel: Anspruchsloses Tier, das auch in trockenen Gebieten überlebt.und man gab ihm Gras zu fressen wie Rindern.Vom Tau5,21 Tau: Feuchtigkeit, die sich über Nacht in Form von Tröpfchen ablagert. So werden die Pflanzen im trockenen Sommer oder in der Wüste mit Wasser versorgt. des Himmels wurde sein Körper nass –bis er erkannte, dass der Höchste Gott die Macht hatüber das Königreich der Menschen.Wen auch immer er möchte, setzt er über es ein.

22Du, Belschazzar5,22 Belschazzar: Herrschte 552–543 v. Chr. in Babylon., sein Sohn, warst hochmütig,obwohl du das alles wusstest.23Du hast dich über den Herrn des Himmels5,23 Herr des Himmels: Bezeichnung für Gott. erhobenund dir Gefäße aus seinem Tempel holen lassen.Aus denen hast du Wein getrunken,mit deinen mächtigsten Männern, Frauen und Nebenfrauen5,23 Nebenfrau: Ehefrau, die weniger Rechte als die Hauptfrau besitzt, aber höhergestellt ist als eine Sklavin..Du hast die Götterbilder5,23 Götterbild: Aus Stein, Ton, Holz oder Metall gefertigtes kleines Standbild einer Gottheit. Seine Herstellung und Verehrung waren in Israel verboten. Mehr … aus Silber und Gold verehrt,aus Bronze5,23 Bronze: Metall-Legierung aus Kupfer und Zinn. Sie wurde zur Herstellung von Schmuck, Waffen und Gegenständen für den Gottesdienst verwendet. und Eisen, Holz und Stein.Dabei können sie weder sehen noch hörenund haben auch keinen Verstand.Aber du hast den Gott nicht verehrt,der all deine Wege in der Hand hat.Dein ganzes Leben gehört ihm.24Darum hat er die Hand geschicktund sie etwas an die Wand schreiben lassen.25Die Schrift, die dort geschrieben steht, lautet:Mene mene tekel u-parsin.5,25 Mene mene tekel u-parsin.: Übersetzt bedeuten die Worte: Gezählt, gezählt, gewogen und geteilt.26Das ist die Bedeutung der Wörter:Mene: Die Tage deines Königreichs sind gezählt,Gott wird ihm ein Ende bereiten.27Tekel: Du bist auf der Waage gewogen wordenund wurdest für zu leicht befunden.28Parsin: Dein Königreich wird geteilt,und es wird den Medern und Persern5,28 Meder, Perser: Die Meder lebten im Gebirge im Norden des heutigen Iran. Gemeinsam mit den Persern eroberten sie 539 v. Chr. die Stadt Babylon. gegeben.«29Da befahl Belschazzar,Daniel in purpurrote5,29 Purpur: Intensiver rot-violetter Farbstoff, mit dem in der Antike Stoffe und Wolle gefärbt wurden. Purpur ist sehr kostbar und war hauptsächlich den Reichen und Mächtigen vorbehalten. Mehr … Gewänder zu kleiden.Auch legte man ihm eine goldene Kette um den Hals.Dann ließ der König verkünden,dass Daniel als Drittmächtigsterim Königreich herrschen sollte.30Aber Belschazzar, der König von Babylonien,wurde noch in derselben Nacht getötet.
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61Danach übernahm Darius6,1 Darius I.: König von Persien (521–486 v. Chr.)., der Meder6,1 Meder: Volk, das im Gebirge im Norden des heutigen Iran lebte. Gemeinsam mit den Persern eroberten sie 539 v. Chr. die Stadt Babylon., die Königsherrschaft.

Er war damals 62 Jahre alt.

Daniel in der Löwengrube

Daniel 6,2-29

Die Beamten des Königs stellen Daniel eine Falle

2Darius6,2 Darius I.: König von Persien (521–486 v. Chr.). beschloss,im ganzen Königreich 120 Statthalter6,2 120 Statthalter: Die hohe Zahl an Verwaltern soll zeigen, wie groß das Königreich von Darius I. war. einzusetzen.3Sie waren drei hohen Beamten unterstellt,von denen einer Daniel war.Die Statthalter sollten ihnen Rechenschaft ablegen,damit dem König kein Schaden entstand.4Daniel war außergewöhnlich begabt,er übertraf alle hohen Beamten und Statthalter.Daher hatte der König die Absicht,ihm die Verwaltung für das ganze Reich zu übertragen.5Da suchten die hohen Beamten und Statthaltereinen Vorwand, um Daniel anzuklagen.Daniel aber war zuverlässig,sie konnten nichts gegen ihn anführen.Sie konnten weder ein Vergehennoch einen Vorwand finden.Nicht eine Nachlässigkeit entdeckten sie –er hatte sich nichts zuschulden kommen lassen.6Daraufhin sagten die Männer:»Gegen diesen Daniel haben wir nichts in der Hand –es sei denn, wir finden etwas gegen ihnim Gesetz seines Gottes6,6 Gesetz seines Gottes: Meint Vorschriften, die wir heute in den fünf Büchern Mose finden.

7Die hohen Beamten und Statthaltereilten zum König und sagten zu ihm:»Lang lebe König Darius6,7 Darius I.: König von Persien (521–486 v. Chr.).!8Alle hohen Beamten des Königs, die Vorsteher,Statthalter, Minister und Verwalter haben sich beraten.Es soll eine königliche Verordnung erlassen werdenund ein Verbot in Kraft treten.Für die nächsten dreißig Tage soll gelten:Richtet jemand eine Bitte nicht an dich, König,sondern an irgendeinen Gott oder Menschen –dann soll er in die Löwengrube geworfen werden.9Nun, König, erlass dieses Verbotund unterschreib die Vorschrift.Nach dem unveränderlichen Gesetz der Meder und Perserkann es nicht wieder aufgehoben werden.«10So unterschrieb König Darius die Vorschrift,und das Verbot trat in Kraft.

11Als Daniel von der Vorschrift erfuhr, ging er in sein Haus.Im oberen Stockwerk hatte es offene Fenster,die in Richtung Jerusalem6,11 Jerusalem: Hauptstadt und Regierungssitz der Könige aus dem Haus David in Juda. 586 v. Chr. von den Babyloniern zerstört. Mehr … zeigten.Dreimal am Tag kniete er dort nieder,um zu beten und Gott zu preisen.Das machte er schon immer so.12Plötzlich stürmten seine Gegner hereinund fanden Daniel.Er war gerade dabei, Gott anzuflehenund seine Bitten vorzubringen.13Daraufhin gingen die Männer zum Königund sprachen ihn auf das königliche Verbot an.Sie fragten: »Hast du nicht ein Verbot unterschrieben,das für dreißig Tage gilt?Jeder, der eine Bitte nicht an dich richtet, König,soll doch in die Löwengrube geworfen werden.«Der König antwortete: »So ist es,es ist ein Gesetz der Meder und Perser.Das aber kann nicht wieder aufgehoben werden.«14Daraufhin berichteten sie dem König:»Dann müssen wir dir etwas über Daniel sagen,der zu den Gefangenen aus Juda6,14 Gefangene aus Juda: Daniel 1,3-4 erzählt, dass Nebukadnezzar II. junge Männer aus Jerusalem nach Babylonien bringen ließ. gehört.Er achtet weder dich, König,noch das Verbot, das du unterschrieben hast.Dreimal täglich verrichtet er sein Gebet.«

Daniel wird in die Löwengrube geworfen

15Als der König das hörte, wurde er sehr betrübt.Er fasste den Entschluss, Daniel zu helfen.Bis zum Sonnenuntergang wollte er ihn retten.16Da eilten die Männer zum König und sagten zu ihm:»König, denk an das Gesetz der Meder und Perser!Ein königliches Verbot oder eine Vorschriftdarf nicht wieder aufgehoben werden.«17Daraufhin befahl der König, Daniel zu holenund ihn in die Löwengrube zu werfen.Der König sagte zu Daniel:»Dein Gott, dem du unerschütterlich dienst,er soll dich retten.«18Dann holte man einen Steinund wälzte ihn auf die Öffnung der Grube.Der König versiegelte sie mit seinem Siegelring6,18 Siegel: Ein persönlicher Stempel, durch dessen Abdruck ein Brief, eine Urkunde oder ein Vertrag beglaubigt wird. Mehr …und auch mit den Siegelringen wichtiger Amtsträger.Niemand konnte Daniel mehr herausholen.19Danach ging der König wieder in seinen Palast.Er fastete6,19 Fasten: Der freiwillige Verzicht auf Essen und Trinken ist in der Bibel eine übliche religiöse Praxis. Mehr … die ganze Nacht und fand keinen Schlaf.20Früh am Morgen, noch in der Dämmerung,stand der König auf und eilte zur Löwengrube.21Als er sich der Grube näherte,rief er mit ängstlicher Stimme nach Daniel.Er fragte: »Daniel, Knecht6,21 Knecht, Knecht Gottes: Ehrenvolle Bezeichnung für Menschen, die Gott in seinen Dienst nimmt. Mehr … des lebendigen Gottes!Hat dein Gott, dem du unerschütterlich dienst,dich vor den Löwen retten können?«22Daniel sagte zum König: »Lang lebe der König!23Mein Gott hat einen Engel6,23 Engel: Boten Gottes, die in seinem Auftrag unterwegs sind und seine Botschaft überbringen. Mehr … geschickt,der hat den Löwen den Rachen verschlossen.So konnten sie mir nichts antun.Mein Gott weiß, dass ich unschuldig bin.Weder ihm noch dir gegenüberbin ich schuldig geworden.«24Der König freute sich sehr und befahl,Daniel aus der Löwengrube herauszuholen.Da holte man Daniel aus der Löwengrube.Er war völlig unverletzt,denn er hatte auf Gott vertraut.25Daraufhin ließ der König die Männer holen,die Daniel angeklagt hatten.Er ließ sie in die Löwengrube werfen,zusammen mit ihren Kindern und Frauen.Noch bevor sie den Boden der Grube erreichten,stürzten sich die Löwen auf sie.Sie zermalmten ihnen die Knochen.

Der König preist den Gott Daniels

26König Darius6,26 Darius I.: König von Persien (521–486 v. Chr.). schrieban die Menschen aller Völker, Nationen und Sprachen,die auf der Erde wohnten:»Euch soll reichlich Friede zuteilwerden!27Ich erlasse diesen Befehl:In meinem ganzen Königreichsoll man den Gott Daniels fürchtenund vor ihm zittern.Er ist der lebendige Gott, der für immer bleibt.Sein Königreich wird nie zugrunde gehenund seine Herrschaft hat kein Ende.28Er rettet und er befreit.Er tut Zeichen und Wunder6,28 Zeichen, Wunder: Gottes Eingreifen in die Welt wird an seinen Wundertaten und Schöpfungswerken sichtbar. Mehr … im Himmel und auf der Erde.Er hat Daniel aus der Gewalt der Löwen gerettet.«

29Daniel hatte Macht und Einfluss –sowohl unter der Herrschaft von Darius6,29 Darius I.: König von Persien (521–486 v. Chr.).als auch unter der Herrschaft von Kyros6,29 Kyros II.: König von Persien (558–530 v. Chr.), der Persien durch seine Eroberungen zu einem Großreich machte. Die von ihm unterworfenen Völker durften ihre Religion beibehalten., dem Perser.
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Daniels Visionen

Daniel 7,1–12,13

Die Vision von den vier Weltreichen und vom Menschensohn

Daniel 7,1-28

Daniel hat eine Vision von vier Tieren

71Belschazzar7,1 Belschazzar: Herrschte 552–543 v. Chr. in Babylon. war der König von Babylonien7,1 Babylonien: Gebiet am Unterlauf der Flüsse Eufrat und Tigris, südöstlich des heutigen Bagdad. Mehr ….In seinem ersten Regierungsjahrhatte Daniel einen Traum.Er hatte eine Vision7,1 Vision: Eine Erscheinung, in der Gott zu verstehen gibt, was er vorhat. Mehr …, als er auf seinem Bett lag.Er schrieb auf, was er geträumt hatte.Das ist sein Bericht:2Ich, Daniel, hatte in der Nacht eine Vision.Ich sah vier Winde.Die kamen aus den vier Himmelsrichtungenund wühlten das große Meer auf.3Aus dem Meer stiegen vier große Tiere7,3 vier große Tiere: Die vier Tiere stehen für vier Königreiche, die in der Geschichte aufeinander folgen: die Babylonier, die Meder, die Perser und die Griechen. herauf,jedes anders als die anderen.

4Das erste Tier7,4 erstes Tier: Steht für die Babylonier, die bis 539 v. Chr. als Großmacht das politische Geschehen im Alten Orient bestimmten. war einem Löwen ähnlichund hatte Flügel wie ein Adler.Ich sah, wie ihm seine Flügel ausgerissen wurden.Es wurde vom Boden aufgehobenund wie ein Mensch auf seine Füße gestellt.Ihm wurde menschlicher Verstand gegeben.5Dann sah ich ein zweites Tier7,5 zweites Tier: Steht für die Meder, ein Volk, das im Gebirge im Norden des heutigen Iran lebte. Gemeinsam mit den Persern eroberten sie 539 v. Chr. die Stadt Babylon und beendeten die Vorherrschaft der Babylonier im Alten Orient..Dieses Tier ähnelte einem Bären,und es stand an einer Seite aufrecht.In seinem Maul hatte es drei Rippen,sie waren zwischen seinen Zähnen.Man sagte zu ihm: »Steh auf, friss viel Fleisch!«6Dann sah ich ein anderes Tier7,6 anderes Tier: Steht für die Perser, die gemeinsam mit den Medern 539 v. Chr. die Stadt Babylon eroberten und die Vorherrschaft der Babylonier im Alten Orient beendeten.,das einem Panther ähnelte.Auf seinem Rücken hatte es vier Flügel,die aussahen wie die Flügel eines Vogels.Es hatte vier Köpfe,und ihm wurde Macht gegeben.7Dann sah ich in der nächtlichen Visionein viertes Tier7,7 viertes Tier: Steht für das Königreich Alexanders des Großen, der nach seinem Regierungsantritt 336 v. Chr. von Griechenland aus weite Teile des Alten Orients eroberte..Es war fürchterlich, schrecklich und sehr mächtig.Seine Zähne waren groß und aus Eisen.Es fraß und zermalmte alles,und was übrig blieb, zertrat es mit den Füßen.Es war ganz anders als die Tiere vor ihm,und es hatte zehn Hörner.8Ich betrachtete die Hörner.Plötzlich wuchs zwischen ihnenein anderes, kleines Horn7,8 anderes, kleines Horn: Steht für Antiochus IV. (175–164 v. Chr.). Er war einer der Nachfolger Alexanders des Großen in Syrien und griff Jerusalem an. hervor.Da wurden drei von den ersten Hörnern ausgerissen.Auf dem Horn waren Augen,die den Augen eines Menschen ähnelten.Es hatte einen Mund, der großspurig redete.

Daniel sieht, was im Himmel geschieht

9Ich sah, dass Throne aufgestellt wurdenund der Hochbetagte7,9 der Hochbetagte: Titel für Gott, der zum Ausdruck bringt, dass Gott ewig ist. sich setzte.Seine Kleidung war weiß wie Schnee,und sein Kopfhaar war wie reine Wolle.Sein Thron bestand aus lodernden Flammen,und dessen Räder waren aus Feuer.10Ein Strom aus Feuer floss von ihm weg.Tausendmal Tausend dienten ihm,eine unzählbare Menge stand vor ihm.Es wurde Gericht gehalten,und Bücher wurden geöffnet7,10 Bücher werden geöffnet: Man stellte sich vor, dass Gott eine Liste mit den Menschen führt, die beim Gericht am Ende der Zeit gerettet werden..11Ich sah hin, weil das Horn7,11 das Horn: Steht für Antiochus IV. (175–164 v. Chr.). Er war einer der Nachfolger Alexanders des Großen in Syrien und griff Jerusalem an. so großspurig redete.Da sah ich, dass das Tier getötet wurde.Sein Körper wurde vernichtetund dem brennenden Feuer übergeben.12Auch den übrigen Tieren wurde ihre Macht genommen.Denn die Länge ihres Lebenswar auf die Stunde genau festgesetzt.

13In der nächtlichen Vision7,13 Vision: Eine Erscheinung, in der Gott zu verstehen gibt, was er vorhat. Mehr … sah ich einen,der mit den Wolken des Himmels kam.Er sah aus wie ein Menschensohn7,13 Menschensohn: Hier Bezeichnung für ein Engelwesen, dessen menschliche Herrschaft der Herrschaft der vier Tiere gegenübergestellt wird. Im Neuen Testament wird daraus ein Titel für Jesus, der von Gott zum Herrscher und Retter der Welt bestimmt ist..Er kam bis zu dem Hochbetagten7,13 der Hochbetagte: Titel für Gott, der zum Ausdruck bringt, dass Gott ewig ist.und wurde vor ihn geführt.14Ihm wurden Macht, Ehre und Königsherrschaft gegeben.Die Menschen aller Völker,aller Nationen und aller Sprachen dienen ihm.Seine Macht ist eine ewige Macht,sein Königreich wird nicht zugrunde gehen.

Die Vision von den vier Tieren wird gedeutet

15Ich, Daniel, war ganz verwirrt.Die Vision7,15 Vision: Eine Erscheinung, in der Gott zu verstehen gibt, was er vorhat. Mehr …, die ich hatte, erschreckte mich.16Ich ging zu einem von denen7,16 einer von denen: Bei Visionen und Träumen tritt häufig ein Engel hinzu, der das Geschaute erklärt., die dastanden,und bat ihn, all diese Dinge zu erklären.Er antwortete mir und ließ mich wissen,was sie bedeuten.

17Die vier großen Tiere stehen für vier Königreiche7,17 vier Königreiche: Die vier Königreiche, die in der Geschichte aufeinander folgen, sind hier die Babylonier, die Meder, die Perser und die Griechen. Am Ende wird das letzte Königreich durch die Königsherrschaft Gottes abgelöst.,die sich auf der Erde erheben werden.18Die Herrschaft aber bekommen die Heiligen des Höchsten7,18 die Heiligen des Höchsten: Himmlische Wesen, die zu Gott gehören. Von ihm ist hier mit dem Titel »der Höchste« die Rede..Sie werden sie für immer und ewig behalten.19Ich wollte wissen,was es mit dem vierten Tier7,19 viertes Tier: Steht für das Königreich Alexanders des Großen, der nach seinem Regierungsantritt 336 v. Chr. von Griechenland aus weite Teile des Alten Orients eroberte. Die Hörner stehen für die Teile, in die das Reich nach dem Tod Alexanders zerfiel. auf sich hat.Es war ganz anders als die anderen.Es war außerordentlich fürchterlich,seine Zähne waren aus Eisenund seine Krallen waren aus Bronze7,19 Bronze: Metall-Legierung aus Kupfer und Zinn. Sie wurde zur Herstellung von Schmuck, Waffen und Gegenständen für den Gottesdienst verwendet..Es fraß und zermalmte alles,und was übrig blieb, zertrat es mit den Füßen.20Ich wollte etwas wissenüber die zehn Hörner auf seinem Kopf.Ich wollte etwas erfahren über das Horn,das neu gewachsen war –und über die drei Hörner, die ausgefallen waren.Das neue Horn7,20 neues Horn: Steht für Antiochus IV. (175–164 v. Chr.). Er war einer der Nachfolger Alexanders des Großen und wichtig für die Geschichte Jerusalems. hatte Augenund einen Mund, der großspurig redete.Es sah größer aus als die anderen Hörner.21Ich sah dieses Horn gegen die Heiligen kämpfen.Es überwältige sie.22Dann kam der Hochbetagte7,22 der Hochbetagte: Titel für Gott, der zum Ausdruck bringt, dass Gott ewig ist.und übertrug den Heiligen des Höchsten das Gericht.Es kam die Stunde,in der die Heiligen das Königreich erhielten.

23Der, der dastand, sagte: »Das vierte Tiersteht für das vierte Königreich7,23 viertes Königreich: Steht für das Königreich Alexanders des Großen, der nach seinem Regierungsantritt 336 v. Chr. von Griechenland aus weite Teile des Alten Orients eroberte. auf der Erde.Es wird ganz anders sein als die anderen Königreiche.Es wird die Erde fressen,sie mit Füßen treten und sie zermalmen.24Die zehn Hörner7,24 zehn Hörner: Stehen für die Teile, in die das Reich Alexanders des Großen nach dessen Tod zerfiel. bedeuten:Aus diesem Königreich werden zehn Könige hervorgehen.Nach ihnen wird ein anderer König7,24 ein anderer König: Antiochus IV. (175–164 v. Chr.) war einer der Nachfolger Alexanders des Großen und wichtig für die Geschichte Jerusalems. kommen.Er wird ganz anders sein als die vorherigen,und er wird drei Könige stürzen.25Er wird über den Höchsten lästernund sich gegen die Heiligen des Höchsten7,25 die Heiligen des Höchsten: Himmlische Wesen, die zu Gott gehören. Von ihm ist hier mit dem Titel »der Höchste« die Rede. wenden.Er hat vor, Festzeiten7,25 Festzeiten: Religiöse Feierlichkeiten, die zu bestimmten Anlässen im Laufe eines Jahres gefeiert wurden. In 3. Mose/Levitikus 23 finden sich die Anordnungen für die Feste, die das Volk Israel feiern soll. und das Gesetz Gottes7,25 Gesetz Gottes: Meint Vorschriften, die wir heute in den fünf Büchern Mose finden. zu ändern.Für dreieinhalb Zeiten7,25 dreieinhalb Zeiten: Die Zeit der Unterdrückung durch Antiochus IV. ist begrenzt. Möglicherweise ist die Angabe eine Anspielung auf den Makkabäeraufstand, der dreieinhalb Jahre dauerte. Eine Gruppe von Juden hatte sich zusammengeschlossen, um Antiochus IV. bewaffneten Widerstand zu leisten.werden die Heiligen in seine Gewalt gegeben.26Dann wird Gericht7,26 Gericht, verurteilen: Als Herrscher über die ganze Welt ist Gott der Richter, der am Ende der Zeit ein Urteil über sie spricht. Mehr … gehalten werden.Dem König wird seine Macht weggenommen,er wird endgültig zerstört und vernichtet.27Das heilige Volk des Höchsten7,27 heiliges Volk des Höchsten: Der Ausdruck kann sich sowohl auf »die Heiligen des Höchsten« beziehen, als auch eine Bezeichnung für das Volk Israel sein.erhält Herrlichkeit, Herrschaftund Macht über die Königreiche unter dem Himmel.Sein Königreich ist ein ewiges Königreich,ihm werden alle dienen und gehorchen.«28Das war der Bericht.Meine eigenen Gedanken erschreckten mich sehr,und ich, Daniel, wurde ganz blass.Die Worte aber bewahrte ich in meinem Herzen.